Monatsarchive: Juli 2015

sechs

Zehn Uhr abends, ich sitze im Bett neben meinen beiden Kleinsten, den Laptop auf dem Schoss und die Kamera gleich daneben und lasse den Tag Revue passieren. Es war ein guter Tag, ein richtig guter, einer von denen, die einem rundum zufrieden mit sich und der Welt zurücklassen, hinein in den Feierabend, auf den ich mich schon wieder freue wie Bolle. Feierabende sind schön, nach einem gelungenen Feiertag aber ganz besonders exquisit, erst recht, wenn ein so wunderbarer sechster Geburtstag hinter einem liegt wie heute…
Ich glaube, als Mama ist man selten so glücklich, wie in jenen Momenten, in denen man sein Kind glücklich sieht. Und das war sie heute, mein Mädchen. So Glücklich wie man nur sein kann. Ein bisschen aufgeregt mit dazu. Wild und euphorisch und sprühend vor Energie sowieso, aber das ist ja nichts Neues *grins*.

DSC_0654DSC_0714 DSC_0744 DSC_0763-001 DSC_0792 DSC_0793

Irgendwie kam alles unter einen Hut: Ein Ausflug mit der ganzen Bande (in unser Lieblings-Aquarium). Eine -wie gewünscht- vom grossen Bruder selbst gebackene Schokoladentorte mit Mousse-Füllung. Essen, das es so bei uns bloss äusserst selten gibt (Mc-Donalds, hat hier echt Seltenheitswert- obwohl ich persönlich Burger und Pommes absolut liebe (darf man ich mich als heimlicher Mc-Fan-Outen? Ein Schocker, ich weiss). Telefonanrufe von lieben Menschen mit genauso lieben Wünschen, ein netter Besuch und ein kleiner Berg von Geschenken, liebevoll ausgesucht, liebevoll selbstgemacht, mit besten Gedanken und viel Freude am Freude-Bereiten. Geradezu idyllisch, das.
Und Einhörner gab es. Jede Menge, wirklich. Einhörner auf dem Stoff, den ich für sie bestellt habe (bei Spoonflower), und aus dem wahrscheinlich ein Kleidchen werden soll oder so was ähnliches, Einhörner auf Omas Feldflasche, ein Einhorn auf Irena Sophias Bild und ein herrlich weiches, grosses Kuscheleinhorn für das Grossmama und Tante zusammengelegt hatten, weil sie schlichtweg nicht daran vorbeigehen konnten, ohne es für mein absolut Einhorn-verrücktes Mädchen (das zudem selber heimlich ein Einhorn ist) zu kaufen…
Auch mein Purl Bee Röckchen wurde fertig. Unfassbar, aber wahr.
Meine Nerven waren aussergewöhnlich stabil, meine Laune leicht und beschwingt und Kopf und Herz wirklich frei und offen für dieses ganz besondere Kind in meinem Leben. Es machte nichts, dass Kind1 beim Kuchenbacken statt der geschmolzenen Schokolade einfach mal Schokopulver genommen hat (und das -haltet euch fest- nachts um eins oder so!), und ich schaffte es sogar irgendwie diesen haarsträubenden Moment, wo mein Mädchen im Aquarium verloren ging- bzw. verloren schien- zu verkraften, obwohl mir ihr zwischenzeitliches Verschwinden den Schrecken bis in alle Glieder gejagt hatte (In Wahrheit hatte sie bloss im Museums-Shop still hinter dem Regal auf dem Boden gesessen und sich ein Buch angeschaut, während der Papa und ihre Brüder zweimal quer durchs ganze Aquarium rannten, um sie zu suchen). Klar gab es chaotische Momente, klar gab es den Lärm und Dreck und Wirbelwind, den es hier immer gibt. Aber nichts konnte sie trüben, diese Freude am Tag. Weil es ein guter war. Heute. Ein durch und durch guter.
Dafür bin ich dankbar. Gute Tage sind so ein Segen.

Veröffentlicht unter aus meinem tagebuch, berührt, besondere Tage, Dankbarkeit, Kinder, what makes me happy | 5 Kommentare

Spielen, Planen und ein Endspurt

Momentan stecke ich so ein bisschen in einer… na, sagen wir, rastlosen Phase. Das meine ich ganz wörtlich, denn mit allen Fünfen daheim, von morgens früh bis abends spät, ist der ganz grosse Tumult praktisch zum Dauerzustand geworden und ich spüre -obwohl ich es wirklich gerne mag, wenn die Familie so eng zusammensteckt- wie ich förmlich nach stiller, ungestörter Zeit lechze, nach Zeit, in der es nur mich gibt und meine Dinge. Ich greife nach allem, auch nach Strohhalmen. Manchmal reicht es nämlich nur schon, in meinen Stoffbergen zu kramen und den einen oder anderen Schatz auszugraben.

DSC_0584DSC_0599
Ich spiele leidenschaftlich gerne mit Stoff. Auch ohne Nadel und Faden, einfach bloss so, beim Sortieren, Anfassen, Vergleichen und Zusammenstellen. Wahrscheinlich ist das in etwa so wie bei diesen alten Frauen-Romanen, wo englische Damen Blumen in Vasen arrangieren oder so, auf jeden Fall verbringe ich gerade in diesen Tagen leidenschaftlich gerne meine Zeit im Wohnzimmer beim Umstapeln, Stoffe-Bügeln und Pläne-Schmieden. Natürlich immer mit Baby auf dem Arm und mindenstens einem meiner kleinen Quälgeister in unmittelbarster Nähe, aber das ist eigentlich ja genauso schön. Und ausserdem bringen mir gerade meine anhänglichen Kleinsten auch immer wieder in Erinnerung, dass sie das eine oder andere Kinder-Höschen oder ein neues Sommer-Röckchen tatsächlich ganz gut gebrauchen könnten… Hach, herrlich! Nichts ist schöner, als an Dingen zu werkeln, die auch wirklich gebraucht und sehnsüchtig erwartet werden. Nur schon das Träumen davon, verleiht meinem Herzen so was wie… Flügel. Zwischendurch. Manchmal allerdings bringt genau das nur noch mehr Unruhe und weckt Sehnsüchte nach ausgedehnten, ununterbrochenen Stunden voller Näh- oder Strickglück, was natürlich schlichtweg unmöglich ist zur Zeit… Aber wer nicht wagt, der nicht gewinnt, und gerade jetzt, in diesem Augenblick in dem ich diese Zeilen hier tippe, spüre ich es wieder: wie voll ich mich fühle, wenn ich weiss, dass baldbald ein Momentchen frei werden wird. Für mich und fürs Machen. Zeit für meine Hände und ihr Werk.

DSC_0610Der neue Tama-Pulli zum Beispiel ist mir momentan eine riesengrosse Freude. Ich mag seine kühle, glatte Baumwolle, das mir schon recht vertraute Muster… und die Tatsache, dass mir nur noch ein Dreiviertel Ärmel fehlt. Gerade richtig für einen Sommer, der bereits zu kippen scheint. In Richtung Herbst und nebelnasse Kühle…

DSC_0607Ein nagelneuer “Pretty-as-a-picture-Dress” für meine Zweitjüngste? Bestens! Weil sie so süss aussieht darin (welches Mädchen tut das nicht, Mädchen und Kleidchen sehen einfach immer zum Anbeissen aus, hab’ ich recht?). Weil sie so langsam aber sicher aus ihrem Kleidchen-Vorrat herauswächst. Weil sie sich Hals über Kopf in den schnuckeligen Häschen-Stoff verliebt hat. Und weil dieser Sommer ganz bestimmt nicht auf immer so herbstlich kühl bleiben wird wie in den letzten paar Tagen…

DSC_0604Mein Hauptprojekt aber sieht momentan so aus: elegant schwarz mit knallig bunten Blümchen. Daneben ein bisschen rustikale Streifen in rot-weiss, Übrigbleibsel von einem alten, abgelegten Mädchenkleid, von dem ich mich einfach nicht ganz trennen konnte. Beides kombiniert ergibt dann einen gerafften Jupe mit grossen, eingenähten Kontrast-Taschen, genau den “Gathered Skirt for all Ages” von Purl Bee, den ich mir damals so felsenfest vorgenommen hatte, ursprünglich allerdings in einer anderen Stoffkombination. Ich hoffe so sehr, dass er noch fertig wird. Pünktlich. Für den sechsten Geburtstag meines Mädchens, und der ist bereits schon übermorgen… Ein bisschen Endspurt-Stimmung hüllt mich ein gerade, merke ich. Schon wieder. Kommt mir doch irgendwie bekannt vor…

Veröffentlicht unter Augenblicke, Dankbarkeit, ein Bild erzählt, Familienalltag, kreativ am Rande, Nähen, Stricken | 8 Kommentare

berührt: Nest

“Berührt” heisst für mich;
Einmal pro Woche möchte ich mein Augenmerk auf all die Dinge und Momente richten,
die mich wirklich berühren.
Wo mich etwas  inspiriert, anrührt, wo ich fühle, spüre, zum Denken komme.
Wo sich etwas bewegt, innen im Verborgenen oder ganz greifbar und sichtbar vor meinen Augen.
Mal voller Freude, mal nachdenklich oder sentimental, mal montags, mal sonnabends, wortreich oder stumm…
So wie es im Augenblick gerade richtig scheint.
(Und wer immer mitmachen möchte, ist ganz herzlich eingeladen.)

DSC_0024

wild
frei
verwegen
mit dem Kopf in den Wolken
und einem Herzen aus Gold
.
Sie

Veröffentlicht unter Augenblicke, Kinder, Themen-Reihen, this moment | 5 Kommentare

ganz viel Braun und etwas Grün

DSC_9860

Wenn ich jetzt aus dem fenster sehen würde, dann wäre da ein immer dunkelgrauer werdender Abend-Himmel voller Eselwolken, und dicke, zerteilte Tropfen plumpsen von oben herab, hinunter auf Beete und Bäume, die das Wasser ganz gut gebrauchen können, denn dieser Sommer ist extrem heiss und ziemlich trocken (wobei wir es hier ja noch gut haben. Im Bernerland, da wo das Kinderlager stattfand, hatten sie praktisch sechs Wochen lang schon keinen Regen mehr… dafür einen vollkommen ausgetrockneten Bach mit gelb-braunem Bett).
Leider fehlt mir gerade die Zeit zum Rausschauen. Da liegt ein Baby in der Mulde meines angewinkelten Knies und ringt mir grinsend und sabbernd ein Lächeln nach dem anderen ab. Meine Kleine geistert auch noch irgendwo hier herum, zwischen Bett und meiner Büro-Nische, wo sie Steinchen und Kinkerlitzchen in den alten Setzkasten sortiert, den ich immer hier herumstehen habe. “Tuen nu na chli tippä” (“Tipp du nur noch ein bisschen”) meint sie bloss und lässt mich vorerst hier sitzen und an einem Post arbeiten, der dann ganz bestimmt trotzdem noch in drei, vier Etappen fertig werden wird, so wie immer, das weiss ich längst.

DSC_9862

Das mit dem Regen finde ich wunderbar, muss ich sagen, auch wenn er gerne noch reichhaltiger ausfallen dürfte, mehr Nass für unsere Flüsse und Pflanzen. Die Trockenheit lässt meine Beerenbüsche bereits krisselig und braun werden, die Bohnen und Zuckerschoten fallen mager aus, nur die Beete mit Zuchetti gedeihen weiterhin prächtig und im Tomaten-Bunker hängen pralle, grüne Bälle an den Ästen.
Heute war ich draussen -seit langem zum ersten Mal- und habe Unkraut gejätet zwischen den wenigen Gemüse-Reihen. Als ich letzte Woche weg war, haben meine Mama und meine Oma bei mir im Garten für mich den Unkraut-Dschungel gelichtet, einfach nur so, um mir eine Freude zu machen. Und das ist ihnen mehr als gelungen; noch heute macht es mich richtig glücklich, wenn ich im Garten stehe und wieder sehen kann, was wir gepflanzt haben. Nur schon beim Wäscheaufhängen macht mich das froh, auch wenn es eigentlich lächerlich ist, was wir hier anbauen; Gemüse im Mindestmass und das auch bloss stümperhaft und mit mal mehr, mal weniger ausdauernder Begeisterung.
Irgendwas kommt einfach immer dazwischen.

DSC_0561DSC_0564
Aber heute, heute habe ich mich richtig wohl gefühlt in meinem Garten, so ausgebeult und zerzaust er auch aussehen mag, jetzt, in dieser langen Phase der Garten-Renovation, wo kein einziges Fleckchen Rasen mehr zu sehen ist, bloss krümelige, braune Erde und dann und wann wieder ein Fundstück vergangener Zeiten, wie Glassscherben, Knochen (schaurig!) oder vergessenes Kinderspielzeug aus verblichenem Kunststoff.
Ich war heute draussen, um etwas frisches Grün für die Meerschweinchen zu holen. Das süsse, kleine grau-weisse Ferkelchen auf dem zweitletzten Bild im letzten Post, ist natürlich nicht alleine hier eingezogen, sondern gleich mit seinen beiden Geschwister-Schweinchen, und, nein, es braucht nicht ständig bei meinem Mädchen auf dem Schoss zu sitzen, keine Bange; die meiste Zeit darf es sich mit seinen Lieben in Stroh-Haufen, Holzhäuschen, Kartonröhren und anderen Nischen verstecken, nur leider momentan noch drinnen im Haus, in einem grossen Käfig-Stall, solange bis der Garten wieder grüner ist. Dann soll der nämlich ihnen gehören, mit ganz viel Freilauf tagsüber und sicheren Nächten in einem gut verrigelten Nagerstall, denn hier wimmelt es von Mardern und denen traue ich einfach nicht über den Weg… Na, jedenfalls: auch wenn alles hier umgebuddelt und roh aussieht, Gras, Löwenzahn und Klee wuchern bereits wieder an allen möglichen Ecken, und ich ertappe mich schon dabei, wie ich das Unkraut, das ich jäte, plötzlich als potentielles Tierfutter erkenne- und dann absichtlich nicht alles aufs Mal ausreisse, damit ich in den nächsten Tagen auch noch frisches Grünfutter finde…

DSC_0559
Auch für uns übrigens. Der Salat ist zwar bereits alle, doch der grosse Topf Basilikum hat kräftig ausgetrieben, kräftig genug für bestimmt fünf ordentliche Gläser Pesto Genovese. Ich brachte mit dem Meerschweinchen-Löwenzahn gleich eine Schüssel voll davon ins Haus und fühlte mich als halbe Gärtnermeisterin dabei. Essen aus dem Garten? Herrlich! Das immerhin spüre ich schon jetzt, schon heute mit meiner Schüssel voller Basilikum, dem halben Sträusschen Pfefferminze und den 3 frisch geernteten gelben und grünen Zuchini, die wir alle scharf angebraten mit etwas grobem Salz am allerliebsten mögen.
Das hier ist kein Garten zum Sattwerden. Mit all dem Gerümpel, den ausgehobenen Gräben, den provisorischen Erdhaufen und Steinplatten-Stapeln überall ist es auch kein Garten zum unbeschwerten Toben und Spielen, noch nicht mal ein Tier-Garten ist es momentan, zu kahl für Falter oder Bienen, zu unruhig für Insekten, für Igel oder Vögel und ganz und gar unmöglich in diesem Augenblick für Meerschweinchen, so sehr ich ihnen die frische Luft und den Auslauf auch gönnen würde… Aber die Zeit wird vergehen. Alles wird seinen Platz finden. Das Gras wird wieder wachsen und meine Arme wieder freier werden für Beete, Unkraut und Gläser mit Eingemachtem. Ich freue mich darauf. Sehr. Manchmal denke ich, genau das ist es eigentlich, was das Leben so würzig macht; Dass man sich vorfreuen kann, auf all die Dinge, die noch mittendrin sind, am Reifen und Wachsen und Werden.

Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...
Veröffentlicht unter aus meinem tagebuch, Dankbarkeit, Familienalltag, Jahreszeiten, Natur, Zuhause | 5 Kommentare