Monatsarchive: Mai 2015

Vollkommen okay

Ich danke euch für die freundlichen Worte zu meinem letzten Post… Mir ist klar, dass ich mich mit so offenen, persönlichen Texten manchmal ganz schön weit zum Fenster lehne und mich ziemlich angreifbar mache damit. Aber jedes Mal, wenn ich versuche, mich selber ein bisschen rauszufiltern aus meinen Posts, vielleicht sogar mal ganz auf Gefühlsduselei zu verzichten, um möglichst neutral zu bleiben, dann geraten meine Finger ins Stocken und der Text ins Stottern… bis ich schlussendlich doch wieder bei dem lande, was mich wirklich bewegt: Zum Herzschmerzfreudundleid aus meinem Alltagsleben, zu dem, was wirklich wesentlich ist für mich.
Ich konnte das noch nie sonderlich gut, neutral schreiben. Sachlich bleiben. Als wir im Gymnasium einmal einen Zeitungsartikel verfassen sollten, knapp und aufs die wesentlichen Fakten reduziert, war das einfach grauenhaft  für mich. Ich hatte das Gefühl, plötzlich ohne Sprache dazustehen. Und kassierte dann auch prompt meine allerschlechteste Deutschnote ever…
Nun, was ich eigentlich sagen will ist dies: ein dickes, fettes DANKESCHÖN an euch alle! Ich weiss, dass Freundlichkeit niemals selbstverständlich ist und bin sehr, sehr glücklich über jedes nette Wort, das mich auf diesem oder jenem Weg erreicht. Manchmal zweifle ich an meiner Art zu bloggen. Ob das richtig ist so oder doch zu gewagt… aber dann finde ich wieder einen ruhigen Moment zum Schreiben, tippe frisch von der Leber weg wild drauflos und vergesse die Welt um mich herum für einen Augenblick. Schreiben ist so erfrischend, so … belebend für mich. Aber nur, wenn es persönlich bleibt, vom Ich zum Du, ganz direkt. Schön, dass es Menschen gibt, die mich lesend dabei begleiten…

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Aber eigentlich wollte ich ja was ganz anderes schreiben heute. Einen Kurzpost wollte ich schreiben. Über Geschenke. Ich bin selber so was von verwöhnt worden nach der Geburt meiner kleinen Tochter, mit lieben Mails, Glückwunschkarten und liebevoll ausgewählten, oftmals sogar selbstgemachten Geschenken (herrlich!)… Aber ich selber kam -obwohl allein im April schon drei für mich recht wichtige Geburtstage anstanden- so gut wie nie dazu, mich hinzusetzen und an einem Geschenk zu nähen oder zu stricken. Immerzu standen andere Projekte auf der Dringlichkeits-Liste und mir wurde klar, wie wichtig es für mich ist, mich jetzt erst mal keinem grossen Produktions-Druck auszusetzen. Selbermachen soll Spass machen, Schenken soll Spass machen, und auch wenn ich wirklich am allerallerliebsten Selbstgemachtes verschenke, ganz persönlich vom Ich zum Du, genau wie meine Posts, ist es manchmal genau das Richtige, ein Geschenk einfach „nur“ zu kaufen und mich daran zu freuen, dass ich etwas Hübsches „auf sicher“ schon mal bereitliegen habe. Gut möglich, dass dann sogar noch etwas Zeit bleibt für kleine, feine Kinkerlitzchen, fürs ein-bisschen-Verschönern oder Personalisieren und nett Verpacken, aber alles ganz entspannt und wirklich nur soweit, wie Zeit und Kraft es zulassen.
Genau so kamen auch die letzten drei Geburtstags-Geschenk für drei ganz besonders wichtige Frauen in meinem Leben zustande. Jeweils einer der wunderschönen, handwerklich hergestellten Keramik-Kresseteller von „Grüne Erde“  kombiniert mit einem Päckchen Bio-Kressesamen und einem sehr schlichten, selbstgenähten „Mug Rug“ (inspiriert von „Linen, Wool, Cotton“) oder einer beim Trödler entdeckten Leinenserviette mit der passenden, eingestickten Initiale. Supersimpel, ich weiss, aber mir hat’s Freude gemacht, diese kleinen Sets zusammenzustellen. So un-beindruckend diese Dinge auch sind, ich glaube, sie passen ganz gut in jeden der drei Haushalte und  -aus ganz unterschiedlichen Gründen- bestens zu jeder dieser drei tollen Frauen.
Natürlich freue ich mich schon auf die Zeit, wenn ich es schaffe, wieder mehr Selbstgemachtes zu verschenken. Hausgemachtes ist einfach… etwas ganz besonders Besonderes für mich. Aber kaufen ist auch nicht schlecht. Kaufen ist okay. Solange es von Herzen kommt, vollkommen okay.

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loslassen

Im Moment habe ich alle Hände voll zu tun. Ich will mich nicht beklagen, wirklich nicht (auch wenn es vielleicht so klingen mag) denn einerseits gibt es dazu ja gar keinen richtigen Grund und andererseits bin ich mir  ganz sicher, dass es allen in Grunde gleich geht, ganz egal wie unterschiedlich unsere Lebensumstände auch sein mögen; unsere Hände sind praktisch permanent in Bewegung, am Erschaffen und Wirken und eigentlich immerzu… besetzt. Volle Hände…
Da ist das Baby, da sind Arbeiten im Haushalt, meine anderen Kinder oder Dinge, die ich tun sollte neben Dingen nach denen ich regelrecht brenne, vermutlich, weil sie sich so selten ergeben im Moment -wie Strickarbeiten, angefangene Nähprojekte, das Schreiben oder das Einrichten unserer Räume (ich habe solche Lust auf ein bisschen Veränderungen im Innenbereich!).
Da sind tausend gute Gründe, die Hände nicht in den Schoss zu legen um nichts zu tun (wie sollte so was überhaupt gehen?). Also tue ich es auch nicht, das Nichtstun. Im Gegenteil; je mehr Betrieb herrscht, desto mehr strenge ich mich an. Ich will die Zügel im Griff behalten, um jeden Preis, koste es, was es wolle, und immer dann, wenn mir etwas zu entgleisen droht -wenn meine Erziehung nicht zu fruchten scheint, es schon wieder fast zwölf ist und mir nach wie vor jeder Plan fürs Mittagesssen fehlt, wenn das Baby weint ohne dass ich weiss, wieso oder belastende Termine drohend näher rücken- dann verliere ich nur allzu leicht die Nerven. Meine Kinder haben es mir erst bewusst gemacht, doch nun weiss ich es; Ich bin ein Kontroll-Freak. Ich brauche einfach das Gefühl, Herrin der Lage zu sein.
Und genau das ist so schrecklich schwierig zur Zeit. Mit einem Baby im Haus steht das Leben Kopf. Alles, was war, muss erst einmal neu verteilt werden und sich neu einpendeln, ein Vorgang, der viel komplexer und nervzerreibender ist, als er sich anhört, und der auch sehr viel länger dauert, als ich es mir je vorgestellt hätte. Jedes neue Leben verlangt erst mal alles von uns, alle Zeit, alle Liebe, alle Kraft und alles, was man an Geduld aufbringen kann. Und wir geben auch alles, sofort und mit Freude und ohne Fragen zu stellen. Weil wir Mamas so sind. Wir lassen alles stehen und liegen und wenden uns ganz dem kleinen, süssen Bündelchen zu, das jetzt unsere Arme besetzt und langsam, langsam seinem eigenen Leben entgegenwächst. Für sehr viel anderes bleibt da kein Platz mehr…
Die Zügel meines Lebens lockern sich aus meinem Griff, rutschen langsam am kleinen, hungrigen Babykind vorbei und machen sich selbstständig, was mich ganz schrecklich unruhig werden lässt manchmal.

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Dabei tut es mir ganz gut, es ein bisschen zu lernen, das mit dem Loslassen. Ich bin so grottenschlecht darin, dass mir hier etwas Training ganz bestimmt nicht schadet…

Loslassen, wenn ich unseren Garten sehe, der vollkommen brach daliegt, umgepflügt und bis in die hintersten Winkel durcheinander gebracht, bereit, neu gestaltet zu werden. Was Zeit braucht, viel Energie und mehr Vorstellungsvermögen als ich momentan zur Verfügung habe.
Loslassen beim Anblick meines wirren Hauses, wo ich nur mit sehr viel Hilfe (meine Mama ist die Beste!) einigermassen obenauf schwimme auf dieser grossen, mächtigen Welle an Hausarbeit. Kleines Kind, aber grosse Wirkung, das spüre ich gerade in diesen ganz banalen Bereichen, wo zwei freie, arbeitsfähige Arme zwischendurch ganz hilfreich wären…
Ich lerne auch, allzu hochgesteckten Ideale loszulassen, Ideen, die mich zu Anfang vielleicht begeistern, rein theoretisch jedenfalls, die mich im echten Leben dann aber doch bloss überfordern. Wie die Sache mit den Stoffwindeln. So gut ich das auch finde… ich selber schaff das einfach nicht. Nicht so wie ich bin, nicht in meinem Alltag, wo es schlichtweg keine einzelne Extra-Ladung Wäsche mehr verträgt und ich einfach bloss dankbar bin, wenn ich eine nasse Windel mal eben im Abfalleimer verschwinden lassen kann, ohne mir noch grosse Gedanken machen zu müssen. Aus den Augen aus dem Sinn- das fühlt sich einfach erleichternd an im Moment. (Trotzdem kommt die Stoffwindel-Kiste erst mal zurück in den Speicher statt raus ins Brockenhaus. Man weiss ja nie…)
Auch mein manchmal geradezu unbändiger Tatendrang muss sich bremsen lassen. Ich möchte so gerne wieder mehr nähen… Der Quilt für mein Baby, eine geplante kleine, kuschelige Decke für ein Mai-/Junibaby aus meinen Reihen, das Shirt für meine Kleine, das schon seit langem fixfertig zugeschnitten in meiner Kommode liegt… Loslassen. Auch hier wieder. Die Zeit dafür wird kommen, bestimmt, aber noch nicht jetzt.
Denn was heute zählt liegt hier und jetzt in meinen Armen. Es atmet schnell und leise mit im Schlaf leicht geöffneten Lippen. Kostbar. Wunderbar. Und selber so… vergänglich. Obwohl ich mich immer wieder losmache von allem, was meine Hände emsig und besetzt halten will, obwohl ich loslasse -Vorhaben, Ideale, Projekte und Wünsche- um Platz und Zeit und ein offenes Bewusstsein zu haben für genau dieses kleine Wesen… Es wächst mir davon. Ganz langsam, ganz sacht, fast unsichtbar, wenn man so will. Es macht sich selber frei. Unsere Kinder sind nicht unsere Kinder, sie haben ihren eigenen Weg, der sich zwar windet und lange, lange um uns dreht, schlussendlich aber doch immer in jene eine Richtung führt; weg von uns, hinaus in die Fremde. Mir ist das so bewusst, wisst ihr. Vier Babys habe ich wachsen sehen, aber diesmal ist mir das alles bewusster als jemals zuvor, wie es wächst, mein Babymädchen, wie sie sich verändert, wie alles, was eben noch neu war und freudig begrüsst, plötzlich vergeht, anders wird…
Die Puerperium, in der ich sie kurz nach der Geburt nach Hause getragen habe (*schnief*), sitzt satter als auch schon. Verdächtig satt. Bald wird sie herausgewachsen sein, fürchte ich, und der Gedanke daran macht mich schon wieder ganz schön wehmütig. Loslassen, ich weiss. Ein endloses Thema, bittersüss wie so manches im Leben.

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Mein Trost; Das nächste Babyjäckchen ist schon in Arbeit. Eine „Beyond Puerperium“ aus grauer Tosh Dandelion, eine schöne Arbeit, einfach und beruhigend.
So emsig wie meine besetzten Hände es erlauben, stricke ich daran, vorfreudig und eigentlich doch ganz vergnügt. Ich meine, ich weiss es ja im Grunde; loslassen ist gut und wichtig -auch wenn es mir schwerfällt manchmal, auch wenn ich in den einen Bereichen ungeduldig werde, in den anderen hingegen sentimental. Und ich weiss auch: Loslassen wird so viel einfacher, wenn man Ziele und Visionen hat, die einem durch diese Prozesse nach vorn begleiten, die einem ablenken und auf dem Boden halten, einem Lust machen aufs Morgen. Ein nettes Strickprojekt zum Beispiel. Das begleitet sogar ganz besonders gut. Tröstlich, erdend, voller Verheissung.

Veröffentlicht unter aus meinem tagebuch, besondere Tage, Familienalltag | 9 Kommentare

berührt: durch meine Augen

“Berührt” heisst für mich;
Einmal pro Woche möchte ich mein Augenmerk auf all die Dinge und Momente richten,
die mich wirklich berühren.
Wo mich etwas  inspiriert, anrührt, wo ich fühle, spüre, zum Denken komme.
Wo sich etwas bewegt, innen im Verborgenen oder ganz greifbar und sichtbar vor meinen Augen.
Mal voller Freude, mal nachdenklich oder sentimental, mal montags, mal sonnabends, wortreich oder stumm…
So wie es im Augenblick gerade richtig scheint.
(Und wer immer mitmachen möchte, ist ganz herzlich eingeladen.)

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Flieder im vollester Blüte (betörend!)
frisches Frühlingsgrün (das war noch vor dem Jäten…)
alte Zinkwannen, reichlich benutzt
milder Sonnenschein zwischen schön viel Schatten
und das Baby meines Herzens ganz nah an mich gepackt

5 Dinge und ein Wunder
die ich ganz besonders mag.

Veröffentlicht unter Augenblicke, berührt, Dankbarkeit, Familienalltag, what makes me happy | 2 Kommentare

Heute

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Heute…

  •  … bin ich um 5:50Uhr aufgestanden. Weil das Baby wach war und partout nicht länger im Bett liegen bleiben wollte.
  • … habe ich meine kleine Häkeldecke um ganze 2 Blockstreifen weitergehäkelt. Einmal graublau (eine wunderschöne Farbe!), einmal magenta. (Zuvor gabs lauter gedeckte Lila-Töne. Ob das zum Schluss wohl passt?)
  • … bin ich sogar zum Stricken gekommen. Noch 2 Reihen Krausrippe, dann darf ich mein graues Babyjäckchen abketten. Fehlen „nur“ noch zwei Ärmelchen- und die Entscheidung, ob die nun lang oder kurz ausfallen sollen. (Wahrscheinlich entscheidet der Woll-Rest)
  • … stand Flieder auf dem Tisch (herrlich!). Und ein schmales, hohes Sträusschen Gartenunkraut in voller Schönheit. So sehr mich der Hahnenfuss auch nervt in den Beeten; die eidottergelben, glänzenden Blüten finde ich eigentlich ja wunderhübsch)
  • … wurde mein Gemüsebeet umgestochen. Vom Mann des Hauses. Der Akeleien und Vergissmeinnicht leider für Unkraut hält. (Trotzdem ein dickes, fettes „Dankeschön“ in seine Richtung!)
  • … ass ich viel zu viel Schokolade. Snickerspause schon am Morgen, dann übriggebliebene Osterschoko und ein Stückchen Schokoladenkuchen vom Vortag (die hier).
  • … blätterte ich mich durch eines meiner alten „Living Crafts“-Hefte. Die Dreiecksschal-Anleitung in einer der Herbstausgaben finde ich einfach perfekt; so simpel, aber wahnsinnig effektiv- und inspirierend genug, mich zu einem neuen Schal zu verführen (später dann, später). Aus einem Strang wahnsinnig schöner, rubinroter Sockenwolle, mit der mich jemand sehr Nettes neulich überrascht hat…
    Schade, dass „Living Crafts“ nicht mehr weiter aufgelegt wird. Und Gottseidank gibt es „Taproot“. Das tröstet mich ein bischen über diesen Verlust hinweg. (Ich scheine ein Flair für amerikanische-Magazine zu haben…)
  • … kam ich tatsächlich zum Haarewaschen, etwas, was ich gar nicht gerne mache und wo mir immerzu die Zeit, bzw. die Armfreiheit dafür fehlt…
  • … habe ich mir fest vorgenommen, hier ein wenig „auszumisten“. Wir haben so viel Kram… Und ich will nicht länger so viel Lebenszeit opfern, indem ich genau den permanent hin- und herräume. Wir brauchen Platz und Strukturen. Ich brauche das.

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