Monatsarchive: April 2015

frühlingsfrisch

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In unserer weissen Küche hängen direkt über der ebenfalls weiss gestrichenen, bereits ziemlich schäbigen Eckbank zwei Haken. Und an diesen Haken wiederum hängen das ganze Jahr über die Bänder oder Schnüre oder Schlaufen irgendwelcher Girlanden. Weil ich die so wahnsinnig gerne mag, aber auch, weil ich es geniesse, jeder Jahreszeit ein eigenes Kränzchen zu winden -oder eine Girlande vielmehr. Es ist schön, dem Jahr zuzusehen, wie es sich wandelt, wie manches geht und anderes kommt, immer wieder aufs Neue, so verlässlich wie das Morgengrauen. Diesem Wechsel ein kleines bisschen nachzugehen, die eine Girlande abzuhängen und eine andere hervor zu kramen, die die ganze Küche in ein neues Licht taucht, das macht mir viel Freude, eine dieser Hausfrauenfreuden, klein aber fein.
Mittlerweile habe ich zwei etwas grössere Banner, ganz speziell für diese eine Küchenwand; einmal den “Herbst” und einmal den “Winter”. Danach verlor sich meine Jahreszeiten-Girlanden-Energie leider im Nichts. Und weil die Filzgirlanden, die mein Junge mir genäht hat,  ein wenig zu klein sind für die beiden Küchenwand-Haken, nehme ich sommers wie im Frühling oftmals einfach eine Metall-Leine mit winzigkleinen Magneten, an die ich so allerhand Kleinoder hänge (so sieht das dann aus), Bilder oder Anhänger, eine gefundene Feder oder die Zeichnungen meiner Kinder (so wie damals, als mein Mädchen anfing mit dem Männchenzeichnen und die ganze Familie inkl. Lehrerin auf Papier verewigte).
Oder aber ich gebe eine Art … “Wimpel-Kunst” in Auftrag. Bei meiner kleinen, ganz persönlichen Haus-Künstlerin zum Beispiel. So wie im letzten Frühling. Oder so wie in diesem.
Das Resultat seht ihr oben. Und unten. Herrlich, oder?
Ich liebe diese Kreise voller Kinderkunst. Die kleine Blaumeise ganz besonders. Die feinen, schwarzen Striche (ein sehr dünner Edding-Stift), die konkrete Linienführung und die Art und Weise, in der die verschwommenen Wasserfarben damit kontrastieren (man kann direkt über den Edding pinseln ohne dass er zerläuft). Wenn ich solche Girlanden in meiner Küche aufhängen darf… dann bin ich eigentlich direkt froh, dass mir “Frühling” und “Sommer” noch fehlen in meiner Banner-Kollektion…

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Veröffentlicht unter Dankbarkeit, kreativ mit Kindern, kreative Ideen, what makes me happy, Zuhause | 7 Kommentare

inspiriert

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Dass dieses Log Cabin Patchwork-Kissen so frisch, fröhlich und kunterbunt geworden ist, habe ich ganz bestimmt meinem Mädchen zu verdanken. Ihr Flair für Farben und Klarheit und ein bisschen Kontrast wurde mir so quasi zur Muse, denn gleich nach unserer gemeinsamen Geburtstags-Girlanden-Näh-Session zog es mich schon wieder zur Nähmaschine und vorher noch zur Reste-Kiste, wo ich die Übrigbleisel der Wimpelstoffe ganz zuoberst reingestopft hatte. Orange, Prallblau, Eidottergelb, kombiniert mit sommerlichen Streifen in Klarweiss und Marineblau… Auch wenn ich selber -ohne die Inspiration meiner kleinen Tochter- diese Farben wahrscheinlich kaum je gewählt hätte; Ihre Unbekümmertheit und Frische tat mir plötzlich richtig wohl. Schon beim Zusammenstellen der verschiedenen Stoffstreifen fühlte ich mich leicht und beschwingt und kam mir vor wie ein spielendes Kind vor einem riesengrossen Puzzle…

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Für die Rückseite habe ich dicken, robusten Baumwoll-Flannell gewählt. Hier liegen noch so viele alte Flannell-Leintücher vom Trödler, und leider musste ich lernen, dass die alten, zerlebten Baumwoll-Laken, mit denen ich bisher oft gearbeitet habe, der Belastung eines Kissens auf Dauer oftmals nicht gewachsen sind (mein letztes Log Cabin Kissen zB. müsste dringend aufgelassen und repariert werden). Flanell scheint mir hier am richtigen Ort zu sein, ausserdem mag ich es so kubbelig und aufgeraut, diesen Kontrast zu den eher glatten Stoffen, die ich beim Patchwork hauptsächlich gewählt habe. Damit der Hotel-Verschluss (ein klarer Evergreen bei meinen Kissen) nicht ständig aufklafft oder verzogen wird, habe ich ein paar Bände angenäht, ebenfalls Reste auf einer meiner Kisten, und zwar extra schön lange für extra schöne Schlaufen. Das wirkt so mädchenhaft verspielt, finde ich, und mädchenhaft verspielt kam ich mir ja auch vor mit meinen Bullerbü-Stoffen und dem Riesenspass den ich beim Patchen und Kreieren hatte.

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Und, naja, weil wir schon mal dabei waren… Dieses süsse Stückchen Kinderkunst kam beim Kramen in meinen Stoff-Kisten und Näh-Schubladen zum Vorschein. Mein Mädchen muss irgendwann im letzten Frühjahr daran gesessen haben, ich erinnere mich nämlich an einen sonnigen Nachmittag im Garten, an einen mit Stoff bespannten Gartentisch, viele, überall verstreute Stoffmalstifte und ein konzentriertes Kindergesicht mit vor Eifer und Hitze geröteten Wangen. Das Bild wurde ganz offensichtlich fertig, sogar sorgfältig gebügelt und mit zwei Stück blau eingefärbtem, bereits zugeschnittenem Stoff für die Rückseite (altes Bettzeug vom Trödler) bereit gelegt zum Fertignähen. Doch irgendwie fehlten wohl immer Zeit und Lust und schliesslich versank das ganze Projekt in meiner Näh-Kommode unter neuen Ideen und wichtigeren Dingen…
Inspiriert von Farben und Mustern und dem herrlichen Gefühl meiner bis ins Detail ausgekosteten Patchwork-Laune (danke nochmals Nikki, für deine tolle Anleitung!) fand es nun ganz unverhofft doch noch seinen Weg hinaus ans Tageslicht, auf mein Bügelbrett und unter die ratternde Nadel meiner guten alten Nähmaschine, wo es endlich die Form annahm, für die es die ganze Zeit über bestimmt gewesen war.

Ich finde, diese beiden Kissen gehören irgendwie zusammen. Beide strahlen so viel Lebenslust aus. Blumen, Sonne, ein Schmetterling und ein klitzekleines Stückchen Regenbogen neben einer dunklen Wolke voller Tropfen, die Wasser spendet (drei Tröpfchen, um genau zu sein), aber kein Gewitter. Wachstum und Helligkeit. Frühlingsgefühle. Mir gefällt das. Unbeschwert und frühlingshaft bin ich selber ja leider viel zu selten, fürchte ich… Vielleicht sollte ich mich öfters inspirieren lassen? Von Kinderkunst und Kindergeschmack und anderen Quellen meiner kleinen, einfachen Welt.

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Goethe und eine blaue Hose

Es ist schon sonderbar mit unserer Gefühlswelt: Sie ist wie das Wetter, voller Wandel und manchmal schwerer vorherzusehen als man denkt. Mein letzter Post schrieb sich noch so leicht und beschwingt, getragen von dieser Welle aus Glück und Euphorie und einem kaum zu beschreibenden Energiehoch. (Die Hormone wahrscheinlich) Und heute wiederum fühle ich mich plötzlich bedrückt. So schwermütig. Gestern schon eigentlich. In jener der Nacht verlor mein Baby seinen letzten Rest Nabelschnur, eine an sich vollkommen natürlich Sache, auf die ich im Grunde schon ein bisschen ungeduldig gewartet hatte, weil der mittlerweile hart gewordene Nalbeschnur-Rest mir eher unheimlich war fürs Tragen im Tuch. Der kleine Bauch sieht so süss aus jetzt, so weich und rund und warm. Und trotzdem ist da diese Wehmut. Wo ich vorher einfach nur geniessen konnte und förmlich übersprudelte vor Glück und Dankbarkeit, sehe ich mit einem Mal wieder all die Abschiede, die sich anbahnen, die es zu nehmen gilt, ob ich nun will oder nicht. Der Verlust der Nabelschnur ist nur ein Anfang. Schon die Geburt war ein Anfang, der Anfang vom Hergeben…
Ich erinnere mich, wie ich vor bald 13 Jahren das erste Mal so ein kleines Fizzelchen eingetrocknete Nabelschnur in eine Dose gepackt und zur Seite gelegt habe, mit Tränen in den Augen, absolut unfähig, sie jetzt schon wegzuwerfen. Ich wollte dem Ganzen mit einer gewissen Ehrerbietung begegnen, der Geburt, dem Wachstum, der physischen Trennung zwischen mir und dem neugeborenen Kind, die ich irgendwie symbolisch in diesem winzigen, verkrumpelten Stückchen Hautundso gespiegelt sah. Dass ich heute, so viele Jahre und Kinder später, wieder genauso empfinde, ist für mich wie ein Kreis, der sich schliesst. Vor allem mit dem Gedanken im Hinterkopf, dass dieses Baby vielleicht mein letztes sein wird…

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In diesem ganzen Gefühlswirrwar aus Glück und Traurigkeit weiss ich manchmal nicht mehr genau, wie ich jetzt sein soll. Lachen und Weinen stehen mit einem Mal ganz nah beieinander. Wie Licht, das seinen Schatten wirft, dunkler und tiefer, je heller es scheint.
Es hilft, ein bisschen zu arbeiten. Mich dem Chaos im Haus zu widmen, Wintersachen einzumotten, alten Kram fürs Brockenhaus in Tüten zu verpacken, Schokolandenmuffins zu backen, die Stoffwindeln vom Speicher zu holen und dem Thema Wickeln mit Stoff nochmals eine Chance zu geben (bisher war ich einfach nicht recht glücklich damit, aber vielleicht ist es ja anders bei diesem Kind?). Ein wenig Ablenkung tut gut. Kleine Erfolgserlebnisse aus meinem Alltag. Der Blick auf gute Seiten und gute Zeiten und den Segen, der -auch heute, gerade heute- auf meinem Leben liegt.

Diese dunkelblaue Wollhose ( “Smarty Pants” von Drops, gestrickt mit “BabyAlpacaSilk” in der Farbe Marine) hier ist so ein Blick auf die Schönheit dieser Tage. Ein Blick auf den Segen.
Diese Maschen hatte ich auf meinen Nadeln, als mein Baby noch in meinem Bauch lag und strampelte. Und als ich wusste, dass es bald soweit sein würde, setzte ich mich ein letztes Mal hin -auch damals im Gefühlswirrwar, in einer Mischung aus Angst und leiser, blitzender Vorfreude- und strickte das letzte Hosenbeinchen zu Ende. Kurze Zeit später brachte ich eine süsse, kleine Tochter zur Welt. Alles war gut.
Nach der Geburt brachte ich sie, warm eingepackt in ihrer blauen Strickhose, zu meinen Kindern und einer erwartungsvollen nun fünffachen Oma nach Hause. Ich erinnerte mich an die Ängste und all die dummen Schreckensvisionen von “waswärewenn”, die mich zuvor noch so sehr aufgewühlt hatten, doch richtig verstehen konnte ich sie nicht mehr.

Vielleicht wird es mir in ein paar Wochen auch so gehen. In ein paar Jahren. Vielleicht werde ich mich erinnern, an die Tränen, an die Wehmut, an meine stillen Kämpfe beim Loslassen und Annehmen der Vergänglichkeit dieser einzigartigen, unbeschreiblich feinen, warmen, märchenhaften Zeit jetzt. Vielleicht werde ich mich selber verstehen, mich wiedererkennen und wissend nicken.

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Aber vielleicht wird mein Blickwinkel dann schon ein anderer sein. Einer, der sich auf das Gute richtet, das aus genau diesen Abschieden entstehen konnte. Auf ein erstes Lächeln. Auf kleine, weiche Ärmchen, die sich nach mir ausstrecken. Auf Geschwisterbande, die sich ausdehnen, enger werden, inniger, weil der Kreis um mein Baby sich weitet und immer mehr Menschen immer fester miteinschliesst.
“Das Leben gehört dem Lebendigen an. Und wer lebt, muss auf Wandel gefasst sein”, sagt Goethe. Ich weiss noch nicht, wie ich fühlen werde, morgen, in ein paar Tagen, Jahre später, ob ich irgendwann ins Loslassen hineinwachsen werde oder nicht. Was ich aber weiss ist… dass ich lebe.

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Zur Zeit…

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Zur Zeit…

Zur Zeit schlägt mein Herz höher, schneller und wärmer, jedes Mal, wenn ich sehe, wie liebevoll und selbstverständlich mein Baby in den Kreis seiner Geschwisterkinder aufgenommen wird. Mit offenen Armen empfangen. Buchstäblich. Auch von meiner Kleinen, die nun auf einen Schlag zur grossen Schwester geworden ist. Nicht nur, weil sie uns allen jetzt plötzlich gar nicht mehr so klein vorkommt, neben diesem winzigen Baby, sondern auch… weil sie tatsächlich wie über Nacht älter geworden ist, reifer irgendwie, ein richtiges kleines Mädchen. Und ich glaube, sie fühlt sich wohl dabei. Wohl in ihrer neuen Position. Ihr Spiel ist anders geworden, sie wagt es heute auch, ausserhalb des Hauses zu sprechen, selbst unter fremden Leuten und die fröhliche Art, mit der sie durch den Tag spaziert, schenkt mir ganz viel Zuversicht im Hinblick auf die Zeit, die vor uns liegt: Ich mit Fünfen im Alltag. Eine neue Herausforderung.

Zur Zeit sieht es hier schlimm aus. Manchmal. Weil eine Horde spielender Kinder durchs Haus zieht, die mit ihren Gedanken immerzu beim nächsten Abenteuer steckt, beim Puzzlen, Donald-Lesen, Klötzchenbauen, Monopoly und Plüschtiere-Gassi-Führen. Oder beim Malen. Nur nicht beim Aufräumen. Und ich kann es ihnen nicht verdenken. Mir geht es selber nämlich genauso: Meine eigenen Projekte liegen auch überall im Haus verstreut, mein Strickzeug (Babyfinkchen aus “Das Mama-Baby-Strickbuch”), Geburtsanzeigen zum Verschicken und … ein neuer Babyquilt! Ein bisschen verrückt, ich weiss, aber -oh ja!- ich bin so was von versessen darauf, an diesem Quilt zu arbeiten! Da fliesst gerade enorm viel Herzblut hinein in jedes weitere Quadrat, und ich glaube, dieser kleine Quilt hat so ein bisschen mit Verarbeiten zu tun. Jede Geburt, jedes neugeborene Kind macht so viel mit einem, oder? Ein bisschen traurig, ein bisschen wehmütig, sehr, sehr glücklich, sehr bewegt und aufgewühlt von dem, was da in einem aufwirbelt… Dann setze ich mich hin, zwischendurch, ordne Stoffquadrate, steppe sie zusammen… und fühle, wie ich ruhig werde dabei. Wie sich die Gedanken glätten, die Gefühle stiller und gelassener fliessen, hinein in meinen Tag, wo alles wieder anders ist und mir trotzdem bekannt und vertraut vorkommt. Und ganz und gar richtig.

Zur Zeit stehen hier gleich drei Vasen voller Blumen. Ein seltener Anblick und eine echte Freude für mich, wann immer ich das Zimmer betrete. Es ist so schön, wie die Menschen Anteil nehmen, sich mit uns freuen, unser Baby begrüssen, bestaunen, es mit strahlendem Gesicht in den Armen halten. Erst heute wieder -wir waren zum ersten Mal nach der Geburt im Gottesdienst- habe ich gemerkt, wie gut es tut, dieses Mitfreuen zu spüren, dieses echte Interesse an ihr und an mir und an uns. Wie schön es ist, wenn jemand nachfragt, ob alles gut ging, wie schön, wenn die Stimmen höher werden und ein bisschen kindisch klingen vor lauter Entzücken. Weil da ein klitzekleines Babykind liegt und hohe, kindische Stimmen einfach zum Begrüssen eines Babys gehören. Es ist schön, nette Worte zu hören, ein Kompliment vielleicht, viele “Jö”-s und “Oh wie süss!” und das Werweisen, wem sie jetzt am allermeisten gleicht und warum.
Und dann natürlich die Geschenke… Die zuckersüssen gestrickten Pantöffelchen, die ich heute auspacken durfte zum Beispiel (Ein Foto? Wird gemacht!), ganz zauberhaft in Grün und Grau, absolut perfekt und zuckersüss mit Blümchen und kleinem Knopf. Oder dann diese hinreissende Baby-Häkeldecke, die Raniso extra für mein Baby gemacht hat. In stundenlanger Handarbeit und mit sehr viel Mitfreude und Mitfiebern… Hach ja. Ich fühle mich so gesegnet. Wirklich, wirklich gesegnet. Und so wahnsinnig glücklich im Moment. Irgendwie ist alles perfekt im Augenblick, so zum Herzanschwellen perfekt und wunderbar, manchmal möchte ich Jodeln können oder so richtig von Herzen juchzen wie ein Schweizer Alphirt.

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Zur Zeit… Ja, zur Zeit bin ich vollkommen wohl und angekommen, da wo ich bin, so wie ich bin. Eine Zeit ohne Wünsche. Weil ich mich erfüllt fühle, reich und geborgen und ohne jeden Hunger nach “mehr”, nach “schneller, weiter, wichtiger und besser”. Ganz ehrlich; Mein Glück ist vollkommen. Ich wüsste nichts, das mir noch fehlt.

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