Monatsarchive: Januar 2015

Versteckt vor Wind und Wetter

Also, an sich hatte ich ja heute unser Wichtelgeschenk Nr. 5 auf dem Plan -Aber hey, schon morgens sah ich draussen nichts als tanzende Flocken, und es ist kalt und winterlich und alles, alles in mir zieht es wie magisch in Richtung Ofen, Richtung Wolle, Richtung Strickvergnügen…
Und genau das habe ich auch gemacht heute. Gestrickt. In meinen Wollpullis gekramt und mich warm eingemummelt. Meine Wolle sortiert und einmal mehr gedanklich Paare gebildet aus Garnknäueln und verlockenden Strickprojekten. Hach. Gut, so gut.
Nachdem ich Herrn Kirschkernzeits dunkelgraue Wolldecke (endlich) von den Nadeln hatte, wusste ich ganz zu Anfang gar nicht recht, wohin als nächstes mit meinen Händen, mit meiner Zeit, meiner Energie. Aber ich fühlte mich noch immer so richtig schön im Strick-Schwung und ging ziemlich rasch wieder auf die Suche nach etwas Nettem, Kleinen, das mir Nadeln und Hände warm und in Schwung halten, aber auch in absehbarer Zeit wieder Platz für Neues machen würde. Grosse, Zeit-intensive Projekte sind etwas Wunderbares, aber manchmal ist mir einfach nur nach Überschaubarkeit, nach  Kleinigkeiten.
Gut haben wir Winter. Denn der Winter verlangt nach Wolle satt und hält mehr als nur ein wolliges Strickprojekt bereit, das dann auch wirklich gebraucht wird, sehnsüchtig erwartet vielleicht sogar…

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So wie diese kleinen, magenta-farbenen, fingerlosen Handschuhe, auf die mein Mädchen sich richtig gefreut hat, kaum wusste sie, was sich da auf meine Nadeln geschlichen hatte. Ihre Hände sind immer wahnsinnig schnell trocken, wie Schmirgelpapier, vor allem oben auf den Fingerknöcheln, kaum bläst der Wind. Die Fingerlinge, die ich ihr immer wieder angeboten hatte, mochte sie gar nicht gerne, weil sie Mühe hatte, sie richtig anzuziehen, ohne dass ihre Finger sich unterwegs verirrten, und für dicke Fäustlinge aus der Schnee-Ausrüstung, war das Wetter zum Teil einfach zu warm.
Ich notierte „dünne Fausthandschuhe“ und „fingerlose Handschuhe“ auf meiner imaginären Wanna-do-Liste, kramte nach einem Nadelspiel Nr. 3  und fischte nach geeignetem Garn (ein wenig mehr als 1 Knäuel Drops „Alpaca“) für die „Dreaming of Spring Fingerless Gloves“ aus „More Last Minute Knitted Gifts“. (Ein Buch, das ich sehr liebe, und das sicherlich auch in seiner deutschen Variante „Geschenke aus dem Wollkorb“ eine feine Sache ist) Von diesen gestrickten Handschuhe ohne Fingerspitzen, hatte ich schon lange, lange geträumt -seit Selinas schönem Post damals ganz bestimmt- aber irgendwie war da immer so eine Art Hemmschwelle zwischen mir und diesem Projekt, wegen dem Daumen-Teil wahrscheinlich oder wegen den Zunahmen an der Seite, keine Ahnung. Mehr als drei Jahre lang schaffte ich es nicht, diese Hürde zu überwinden. Bis in diesem Januar. Bis ich den Anblick der rauen, kleinen Hände nicht mehr länger ertragen konnte. Bis mich die Stricklust übermannte. Und das alles in einer einzigen, Energie-verleihenden Kombination.
Innerhalb von zwei Tagen (nur zwei Tage!) waren die Handschuhe fertig. Und ich vollkommen zufrieden. Handschuhe stricken wirkt sehr erfüllend, müsst ihr wissen, vor allem, wenn es sich um fingerlose Exemplare handelt, die kaum auch nur den Hauch von kompliziert werden, sondern schöne, proportional zum ganzen Projekt gesehen relativ lange, entspannte Phasen in sich tragen.

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Und das beste am Ganzen: Auch mein Mädchen mag sie. Sehr sogar. Genauso wie ihre empfindsamen Kinderhände, die sich nun ein kleines bisschen besser vor Wind und Wetter zu verstecken wissen.

PS: Eine sehr, sehr schöne, deutsch-sprachige Anleitung für ganz ähnliche Erwachsenen-Handschuhe findet ihr hier bei Mme Ulma. Und wer sich nicht an die (ganz einfach zauberhafte!) eingestrickte Verschönerung traut, lässt sie ganz einfach schlicht unifarben, so wie 19nullsieben in ihrer dunkelgrauen Variante. Für alle, die auch mit englischen Anleitungen gut zurecht kommen, wären vielleicht „Wabi Knits“ aus etwas dickerem Garn eine Option. Soulemama hat sie aus handgefärbter, blauer Wolle gestrickt, und sie sehen fantastisch aus, finde ich.

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viermal gewichtelt: für Stifte

In diesem Jahr waren wir zum ersten Mal sechs Wichtel in unserer Runde. Mit ihren 2.5 Jahren dufte meine Kleine nun ebenfalls mitmischeln und ich fand es wunderschön, auch sie mit dabei zu haben. Allerdings bestand ihr Wichtelchen-Part in ihrem Debutantinnen-Jahr noch hauptsächlich darin, ihr eigenes, kleines Päckchen auszupacken (Welches? Das verrate ich im nächsten Wichtel-Post!) oder in unseren Gedanken mitzuwandern, wenn wir uns auf die Suche machten, nach dem passenden Geschenk für sie. Das mit dem be-wichteln, war nämlich doch noch eine Nummer zu gross für diese kleine Maus, vor allem, weil auch sie einen ihrer Brüder gezogen hatte und die männliche Spezies in diesem Haus doch eher in Richtung Herausforderung geht beim Beschenken. Aber wozu gibt es Supermama, die Hüterin aller Geheimnisse? Und so schwierig war ihr Wichtel-Partner auch gar nicht. Nicht für mich *heldenhaft schief grins*, weil, eine Geheimnishüterin kennt natürlich das eine oder andere still gehütete Wunsch-Geheimnis -eine heldenhafte sowieso- und ich wusste: Kind1 wünscht sich sehnlichst einen elektronischen Spitzer. Weil es ihm zu anstrengend ist, immerzu seine Bleistifte von Hand zu spitzen, sagt er (das ist natürlich geschwindelt, in Wahrheit ist es ihm bloss zu langweilig und er giert nach neuem elektronischem Spielzeug).
Also wurde Herr Kirschkernzeit eingeweiht und losgeschickt, irgendwo eines dieser Dinger aufzutreiben, keinen Monsterspitzer bittedanke, bloss die Mini-Variante, klein und handlich, damit er das kleine, handliche Format von Kind1’s weissem Zimmer nicht überschwemmt. (Ausserdem bin ich nicht so der Fan von Batterie-betriebenen Sachen, je kleiner, desto besser also…)
Soweit so gut. Der kreative Part nahte: Im Sommer wird Kind1 zum Oberstufenschüler werden. Ein grosser Junge also. Sein altes Schul-Etui, dem er -genau wie seinem Schulthek- seit seinem allerersten Schultag treu geblieben ist, wird dann wohl ziemlich klein aussehen neben ihm, klein und irgendwie… deplatziert. Ich dachte mir, auch wenn er vielleicht für seine Oberstufen-Zeit ein ganz anderes, eigenes Stifte-Etui aussuchen wird, eines von irgendwo anders, vom Laden vielleicht sogar (Gott bewahre!), könnte es vielleicht doch einen Versuch wert sein, ihm jetzt schon mit einer ganz schlichten, mamagenähten Mäppchen-Variante den Mund ein wenig wässrig zu machen…

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Eine sehr schöne Näh-Anleitung fand ich bei Herzekleid (unter Downloads), besann mich aber auf die Jungshaftigkeit meines Kindes und liess das mit der Applikation schweren Herzens weg. Er mag es schnörkellos und maskulin, einen Kick jung und frech, daher fand ich den schwarzen Wollfilz (von Atelier Ariadne) ganz passend, weil er schlicht ist, aber trotzdem irgendwie besonders (leider sieht man darauf allerdings sofort jeden Fussel). Der pinkfarbene Reissverschluss war eigentlich eine Notlösung, ich hatte nämlich keinen anderen, aber Kind1 mag Pink (insgeheim) an sich ganz gerne, wohldosiert natürlich, am besten nur in Details, und am allerliebsten in knalligstem Neon. Neonpink ist mein Reissverschluss zwar nicht, aber ich dachte, das Pink könnte noch knapp unter knallig, jung und frech durchgehen und wagte es einfach mal so. Für das Futter wählte ich einen schwarzen Stoff mit diskreten Sternchen, aus meinen Vorräten, genauso wie das Strickimicki-Label, von denen ich einfach nie genug bekommen kann. (Hoch leben gut bestückte Vorrats-Boxen!)
Kombiniert mit einem kurzerhand mit Geschenkpapier verschönten Bleistift, einem neuen Gummi und dem heiss ersehnten elektronischen Spitzer wanderte alles dann in einen Bogen recycliertes Geschenkpapier, und nur Stunden später dann in die Hände von Kind1, der sich sehr darüber freute.

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Im nächsten Jahr wird meine Kleine vielleicht schon intensiver mitwerkeln bei unseren Wichtel-Geschenk-Vorbereitungen, und ich freue mich auch darauf, ganz, ganz ehrlich. Für diesmal aber war ich gar nicht so unglücklich mit meinem Part als einspringende Heldin, bewehrt mit Nadel, Faden, Filz und ein klein wenig moderner Technik…

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Nur Kleinigkeiten

Dieses Jahr hat irgendwie sonderbar begonnen. Ganz und ganz ohne Vorsätze, ohne Pläne, ohne grosse Umwälzungen oder Veränderungen. Ich spüre, dass ich wahnsinnig gerne umräumen würde. Aufräumen, weggeben, Neuem den Weg ebnen… aber gleichzeitig waren die letzten Monate geprägt von sehr viel Pragmatismus und Demut, was meine Ziele und To-do-Listen angeht. Die lang anhaltende Übelkeit, meine rasche Ermüdung, jene Schwangerschafts-Tage, die müde beginnen und in absoluter Erschöpfung enden, die Abende, die ich schlafend neben meiner Kleinen im Bett verbringe, mit einem Klotz im Magen, mit Kopfweh und alles einfach so, so satt… Das alles hat mich gelehrt, meinen Körper über alles andere zu stellen, mir Ruhe zu gönnen, Langsamkeit, Faulheit, auch wenn mir dieses Schon-Programm manchmal selber wirklich übertrieben vorkommt.
Ich mache nur noch kleine Schritte bei allem, was ich tue. Ich plane kaum noch, verschiebe Treffen oder Besorgungen auf andere Zeiten, lerne, zu delegieren und mich mit einfachen Tagen daheim zu begnügen, mich auch im Haushalt oder im kreativen Bereich an Mini-Erfolgen zu freuen.
Mein Jahr 2015 begann damit, dass ich mir vornahm, mir einfach einmal nichts vorzunehmen. Gar nichts. Nur das hier vielleicht: In diesem Jahr werde ich auf meinen Bauch hören, nehmen, was kommt und hoffentlich das mir Bestmögliche daraus machen. Ich freue mich darauf, im April mein Kind zur Welt zu bringen und mich noch einmal voll und ganz auf dieses wunderbare, anspruchsvolle, zuckerüsse Abenteuer einzulassen, ein klitzekleines Leben zu begleiten, hinein ins seine Anfänge. Alles andere darf und muss warten. Alles andere wird warten. Aber ich hoffe, dass ich es trotzdem immer wieder schaffen werde, die eine oder andere nährende Kleinigkeit einzumanövrieren; eine Kindersocke hier, ein frisch aufgeräumtes Zimmer da, vielleicht eine baumwollene Zwergenmütze für meine Kleine oder die pinkfarbenen Beinstulpen, die ich meinem Mädchen schon so lange versprochen habe…

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Stricken kommt mir -im Gegensatz zum Nähen- fast immer irgendwie machbar vor, selbst in turbulenteren Zeiten. Das Tempo mag sich drosseln und manches bleibt vielleicht über viele Tage, Wochen, Monate unberührt liegen oder wird schneller wieder aufgeribbelt, weil die Geduldsfäden rascher reissen als sonst, aber stricken kommt und geht und schleicht sich immer wieder ein, da und dort, wo sich gerade ein Plätzchen findet.
Im Augenblick sind es vor allem Kleinigkeiten, die mich ansprechen. Kleine Dinge, die machbar erscheinen und auch tatsächlich in absehbarer Zeit fertig werden. Ich schlage zum Beispiel Kinderfäustlinge an (zum ersten Mal in meinem Leben!), stricke meiner Tochter fingerlose Handschuhe, kette endlich meinen Dreiecks-Schal ab (Blogposts folgen!). Ich träume voraus, bestelle (schon wieder) neue Wolle (Kaschmir!), nuusche in meinen Vorräten, sortiere Strickanleitungen, blättere in meinen Büchern, schöpfe aus dem Vollen. Und das alles tut so wahnsinnig gut! Kleinigkeiten nur, ich weiss. Aber auch kleine Happen können satt machen und ziemlich glücklich, wenn man sich die Freiheit nimmt, sie grosszügig zu verteilen. Und sie auch wirklich auszukosten. Bis zum letzten Bissen. Yam!

Veröffentlicht unter aus meinem tagebuch, Stricken, what makes me happy | 7 Kommentare

berührt: mens‘ work

“Berührt” heisst für mich;
Einmal pro Woche möchte ich mein Augenmerk auf all die Dinge und Momente richten,
die mich wirklich berühren.
Wo mich etwas  inspiriert, anrührt, wo ich fühle, spüre, zum Denken komme.
Wo sich etwas bewegt, innen im Verborgenen oder ganz greifbar und sichtbar vor meinen Augen.
Mal voller Freude, mal nachdenklich oder sentimental, mal montags, mal sonnabends, wortreich oder stumm…
So wie es im Augenblick gerade richtig scheint.
(Und wer immer mitmachen möchte, ist ganz herzlich eingeladen.)

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Vor dem Schnee und nach dem Schnee.
Es wird im Garten gearbeitet,
mit Muskelkraft, Powertools und vereinten Kräften.
Szenen, die mir ein gutes Gefühl geben.
Wie immer, wenn sie zusammenspannen
um unser Zuhause wachsen und reifen zu lassen.
Gemeinsam
für uns alle.

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Veröffentlicht unter berührt, Familienalltag, Kinder, this moment, Zuhause | 6 Kommentare