Monatsarchive: Januar 2015

berührt: die andere Seite der Unordnung

“Berührt” heisst für mich;
Einmal pro Woche möchte ich mein Augenmerk auf all die Dinge und Momente richten,
die mich wirklich berühren.
Wo mich etwas  inspiriert, anrührt, wo ich fühle, spüre, zum Denken komme.
Wo sich etwas bewegt, innen im Verborgenen oder ganz greifbar und sichtbar vor meinen Augen.
Mal voller Freude, mal nachdenklich oder sentimental, mal montags, mal sonnabends, wortreich oder stumm…
So wie es im Augenblick gerade richtig scheint.
(Und wer immer mitmachen möchte, ist ganz herzlich eingeladen.)

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Auch das Chaos
hat seine
Schokoladenseite.
Man nennt sie
-glaube ich-
Gemütlichkeit.

Veröffentlicht unter Augenblicke, aus meinem tagebuch, berührt, Familienalltag | 7 Kommentare

einfache Kinderstulpen

Meine Post-Abstände wachsen… aber ich glaube, mehr schaffe ich einfach nicht. Nicht jetzt. Nicht in den nächsten paar Wochen. Vielleicht nicht bis dieses Baby da ist. Vielleicht (sehr wahrscheinlich) auch, bis dieses Baby geboren und ein wenig gewachsen sein wird, bis meine Zeit wieder freier ist, mein Körper wieder mehr mir gehört. Ich habe gelernt, kleinere Schrittchen zu machen, wenn ich nur schwer vorwärtskomme, und ich lerne immer noch… Kinderschrittchen sind manchmal die Lösung. (Obwohl gerade kleine Kinder mir ihren kurzen Beinchen verblüffend schnell und wenig sein können). Eines nach dem anderen nehmen. Eine Pause einlegen. Warten. Atem schöpfen. Weitergehen. Langsam. Achtsam. Nur so schnell und nur so weit, wie die eigenen Kräfte reichen.

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Und zwischendurch geht es dann plötzlich wieder ganz ordentlich vorwärts, an einem besonders guten Tag oder weil es wirklich aufwärts geht. Dann wird auf einmal sogar ein Ausflug möglich, mit den Kindern, mit dem Liebsten, raus in eine fremde Stadt zum Fische-Beobachten in einer wunderschönen Unterwasserwelt, von der einem nichts weiter trennt als dicke Glasscheiben…
Wir hatten eine gute Zeit gestern nachmittag. Ich fühlte mich wohl und irgendwie in mir ruhend und so richtig da, für die Kinder, für mich, für uns. Und diese Ruhe und der Zauber der Szenen, in die ich so ein klein wenig eintauchen durfte -mit dem Gesicht ganz, ganz nah an die Scheiben gedrückt und ein bisschen Fantasie- taten mir genauso wohl wie die Nähe und das Staunen meiner Kinder…

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Das dunkel melierte Paar Beinstulpen, das meine Kleine hier vor einem der Süsswasser-Aquarie trägt, ist übrigens so ein Projekt für kleine Schrittchen, eines, das nicht müde macht, sondern einfach nur froh. Gestrickt in Kinderschrittchen (bloss rechte und linke Maschen im Wechsel, nichts weiter) für Kinderschrittchen (und darum auch extra schnell fertig). Ich habe es schon vor einer ganzen Weile gestrickt, gerade, als es mit dem Winter so langsam ernst zu wurde und meine Kleine, die Finken wie Socken so lange auszieht bis ihre besorgte Mama es aufgibt, ein bisschen mehr Wärme für ihre kleinen, nackten Füsschen gebrauchen konnte. Über ihre Leggins gestreift (also eigentlich sind es ja meistens Strumpfhosen mit abgeschnittenen, weil total zerlöcherten Fussteilen), bleiben die Beine schön warm, und weil diese Strickstulpen bis hinunter zu den Fussknöchelchen gehen, bekommen auch die Füsse ein wenig ab von Wolle und Wärme. Eine feine Sache. So simpel. So gut.

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Schlichte Kinderstulpen

Für: Meine 2.5jährige Tochter, passt rein vom Umfang her aber auch meinem bald 6jährigen Mädchen und allen Altersstufen dazwischen. Nur die Länge müsste dan auf jeden Fall angepasst werden.

Garn: In diesem Fall hier “Malabrigo Rios” (ein Rest von ihrer “In Threes” damals), 100gr/192 m. Ich habe den ganzen 40 gr. Ball an Garn-Rest, den ich noch in meinem Vorrat hatte, aufgebraucht. Für höhere oder kürzere Stulpen braucht man aber natürlich je nachdem mehr oder weniger Wolle, die gerne auch gemischt zu Ringeln verstrickt werden darf.

Nadeln: Nadelspiel der Stärke 4.5

Maschenprobe: ca. 4.5 Maschen für 10 cm, die Reihenhöhe spielt hier keine Rolle

So gehts

36 Maschen anschlagen (man kann auch schmalere Stulpen oder breitere machen, die Maschenzahl muss einfach durch 4 teilbar sein, damit nachher jeweils 2 rechte Maschen auf 2 linke Maschen treffen). Zur Runde schliessen.
In der 1. Runde jeweils 2 rechte M, 2 linke M im Wechsel stricken. So lange 2re/2li weiterstricken, bis die gewünschte Höhe erreicht ist. In diesem Fall hier habe ich etwa 17 cm gestrickt (dann war der Garn-Rest zu Ende), ein wenig höher wäre aber auch nicht schlecht gewesen.
Für das Abketten habe ich ein elastisches Abketten gewählt, damit der Rand schön dehnbar bleibt, auch wenn die Beinchen sich mit den Jahren runden. Dieses Anleitungs-Video von Wollfein kann ich absolut und wärmstens empfehlen für alle, die nicht recht wissen, wie so was geht (oder es, wie ich, immer wieder vergessen).

PS: Über den caramelfarbenen Strickpullover, den meine Kleine trägt -ein Baby Raglan Pulli von Ela-strickt- habe ich hier geschrieben. Und die hübsche Postkarte mit den Hagebutten drauf, die stammt von Frau Krähe (schön, nicht?)

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Uneingelöst

Also da wäre ja zum Beispiel mein Post vom Wichtelgeschenk Nr.5. Ein noch immer uneingelöstes Versprechen, was mich ehrlich ein bisschen beschämt, denn naja, wir haben Januar, den 23sten, und Weihnachtsgeschenke werden spätestens ab Anfang Januar so langsam uninteressant und wirken total überholt und verstaubt, sobald die ordentlich für die Müllabfuhr bereit gestellten Christbäume von den Strassenrändern verschwunden sind und nichts als ein Häufchen Nadeln hinterlassen haben. Jetzt, kurz vor Februar, noch ein (letzter) Wichtel-Post? Ja, unbedingt. Auch wenn mein Timing immer schlechter wird und mir die Zeit davonrennt. Allerdings; ein paar Tage wird es noch dauern, bis ich es schaffen werde, über das kleine, an sich sehr, sehr einfache Geschenk zu schreiben, das Kind2 für unsere Kleine genäht hat, ein schlichtes Etwas, das ich selber aber wahnsinnig süss finde. Das Wetter ist permanent diesig und das Licht einfach grottenschlecht, vor allem drinnen und es fällt mir gerade unheimlich schwer, einigermassen hübsche Bilder hinzubekommen… Lasst mir also noch ein wenig Zeit. Noch ist ja nicht Februar…

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Das mit der Zeit ist überhaupt so eine Sache im Moment. Sie läuft mir nicht nur beim Bloggen, Texten und Fotos-Machen davon, sondern auch bei all den anderen Dingen, die ich so schrecklich gerne endlich anpacken oder abschliessen würde. Diese Woche zum Beispiel hatte ich das Gefühl, alles, was mir lieb und teuer ist, immer wieder weglegen und für viel zu lange liegenlassen zu müssen. Weil mir wieder so schlecht war. Weil ich mich schon vormittags abolut ausgelaugt fühlte und mich bis zum Mittagessenmachen (belegte Brote, klar) nochmals hinlgegen musste. Weil mein Körper immer wieder vollkommen verrückt spielt und trotzdem alle Fäden in seiner Hand hängen. Die meisten Abende liege ich vor neun Uhr abends im Bett. Schlafend. Und diese Abend-Zeit, diese Zeit für mich selber, für meine Dinge, in meinem Tempo, die vermisse ich sehr. Manches hätte ich so gerne längst fertig, und treffe jedes Mal, wenn ich meinem Strickkorb begegne, immer wieder nur ein unberührtes Knäuel wolliger Maschen an…

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Mein Cashmere-Projekt zum Beispiel. Ein Schal soll es werden, ein mittellanger, ganz simpler Schal mit schwarzen und dunkelgrauen Streifen, den Kind1 sich für seine Snowboard-Lagerwoche wünscht- und genau dieses Lager beginnt schon übermorgen!
Kind1 gehört zu der winzigkleinen Gruppe von Kindern strickender Mütter, die tatsächlich keinen einzigen Schal in ihrer Skisachen-Box haben. Nicht mal einen gekauften. Wenn es nach Herrn Kirschkernzeit gegangen wäre, dann hätte das Kind schon längst ein Halstuch aus Polyester-Fleece, von Aldi wahrscheinlich, billig, aber weich, doch ich brachte es schlichtweg nicht übers Herz, so ein Ding hier ins Haus zu lassen. Vor allem deshalb nicht, weil Kind1 mein Mutterherz längst zum Stricken überredet hatte mit der glasklar geäusserten Bitte,  einen wirklich, wirklich kuschlig weichen Schal für ihn zu stricken, einen, der ganz bestimmt nicht kratzt, trotzdem aber mollig warm hält, auch bei winterlichen Minus-Temperaturen hoch oben auf den Schneepisten der Schweizer Berge. Ich meine, wenn zwölfjährige Jungens sich Mamas Stricksachen wünschen…

Klar kaufte ich ihm die allerweichste Wolle, die ich mir überhaupt vorstellen (und leisten) konnte: Cashmere Premium (von Lang), ein unfassbar softes, kuscheliges Garn. Allerdings wusste ich anfangs noch gar nicht, wie genau dieser Schal überhaupt aussehen sollte, wieviele Knäuel an Wolle ich brauchen und -nicht zuletzt- was so ein Luxus-Schal zum Schluss schliesslich kosten würde. All diese Fragen waren noch ungelöst, als ich frisch fröhlich zwei Knäuel “Cashmere Premium Grau Mélange” beim Strickcafe bestellte, zusammen mit zwei Knäueln in Tiefschwarz, die ich mir ursprünglich für einen neuen Rundstrickschal für Kind2 zur Seite legen wollte.
Das Garn fanden sowohl ich als auch Kind1 auf Anhieb absolut unwiderstehlich und sogar richtig elegant. Nur all die anderen Punkte -Schal-Design, Garnmenge, sowie der letztendliche Wollpreis- gaben uns noch eine Weile lang Stoff zum Knobeln (bzw. Wiederaufribbeln *seufz*)… Doch darüber ein ander Mal. In einem hoffentlich baldigen Cashmere-Schal-Post, mit einem noch hoffentlicher von A bis Z zu Ende gestrickten (und eine Woche lang glücklich in Schnee und Eis getragenen) Streifenschal. Da liegt nämlich noch knapp ein freier Tag vor mir (plus ein Abend, wenn mein Magen mitspielt), und in ihm die allerletzte Chance, wenigstens mein Winterwollschal-Versprechen noch vor Lager-Beginn einzulösen. Denn die Hoffnung stirbt zuletzt, hab’ ich Recht?

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Ach ja; Für so einen einfachen, hin- und hergestrickten Schal ohne jedes eingestrickte Muster braucht man natürlich keine Maschenmarkierer, schon gar nicht in zwei unterschiedlichen Grössen. Obwohl sie sich ganz gut machen, diese Muscheln und Kugeln auf dem matten Schwarz und Grau, oder? Aber die sind nur für euch dort. Als kleines Amouse-Bouche für alle Strickerinnen unter euch. Denn habe ich euch nicht auch eine zweite Runde Giveaway an Strickjuwelen versprochen? Nun… auch dieses Versprechen wird noch eingelöst werden. Versprochen. Denn drei neue Sets Maschenmarkierer (auch diesmal von Lavenderhillknits) mit kleinen Muscheln und echten Halbedelsteinen (zum Auswählen diesmal) warten bereits hier auf einen eigenen Verlosungs-Post. Und auf eine glückliche Gewinnerin. Eingelöste Versprechen sind nämlich einfach die besten.

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Anker-Momente

Sonntags schnappte ich mir meine Kamera (die ich irgendwie viel zu selten zur Hand nehme) und liess sie mich begleiten, während ich meine Runden zog, durch den Tag, durch das Haus, wo alles permanent in Bewegung zu sein scheint, mehr ein Ameisenhaufen als ein stilles Fleckchen Erde. Wenn ich das Wort “Daheim” höre, dann sehe ich unwillkürlich eine dieser ruhigen, entspannten Szenen vor mir, wie Anker sie gemalt hat. Menschen, die mit ihren Händen arbeiten, Hühner füttern, Briefe schreiben, stricken oder lesend ihr schlafendes Kind in den Armen halten. Und über allem schwebt dieser Frieden, diese weiche, wattige Ruhe.
Aber “Daheim” sieht auch ganz anders aus. In meiner Realität ist es laut und wuselig zuhause. Ich komme nur mit Mühe zu ein paar hektisch hingeworfenen Zeilen, stricke in winzigen Pausensequenzen, mitten im grössten Gewühl meiner spielenden, lärmenden, streitenden Kinder oder spät abends, im Dämmerlich meiner abgedimmten Nachtischlampe, und auch wenn mir Hühner zum Füttern fehlen, habe ich manchmal alle Hände voll zu tun damit, meine Lieben satt und zufrieden (und möglichst gesund) zu halten. Mit einem “Anker-Daheim” hat das nicht immer viel gemeinsam… oder vielleicht doch?

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Es war mir vorher nicht ganz klar, nicht bevor ich mich hinter meine Kamera stellte, das, was ich sah im Verlaufe dieses Tages genauer wahrnahm und auch nachträglich am PC noch auf mich wirken liess: Wie viele fried-volle, erfüllende Augenblicke ich selbst an diesem einen Tag antraf, manche ausgedehnt und unüberseh-, unüberfühlbar, andere nur kurz und flüchtig und halb verdeckt von der nächsten Aufgabe, die gleich um die Ecke auf mich wartete.
Die Kinder, wie sie über Stunden hinweg völlig in ihr Spiel mit Brio und Holztierchen versanken. Meine Jungens beim Lesen, mit Donald Comic Stapeln rund um sich herum verteilt. Das weiche Schafffell-Bett auf dem Fensterbrett, wo mein Mädchen sich immer wieder mit ihren Einhorn-Kuschelfreunden zurück zog, Papa draussen beim Arbeiten im Garten zusah und sich so richtig einmummelte in Decken und Kissen. Schmuseweiches Cashmere auf meinen Nadeln, dampfend heisse Gerstensuppe in unseren Tellern, unseren Bäuchen, Kuchen, das herzerwärmende Stilleben schlafender Winterzwerge auf unserem Jahreszeitentisch (mein Mädchen hat umgestellt, aus Herbst wurde schliesslich doch noch Winter). Und immer wieder Hände, die schaffen, bauen, kochen, stricken, Suppe löffeln, Tierkinder füttern (wenn auch bloss plüschige)…
Ich glaube, jedes Zuhause kennt Anker-Momente, wo alles friedlich, geborgen und wunderbar fliessend und harmonisch ist. Sie kommen auf leisen Sohlen, diese Momente, und man weiss nie, wie lange sie bleiben, aber auf eines darf man sich trotzdem verlassen: Sie kehren wieder. Und sie zehren sich nicht auf, wenn man es wagt, voll und ganz bis über beide Ohren einzutauchen in sie.
Anker werfen, für eine Weile lang still stehen, den Wellengang des Lebens fühlen… und einfach reinspringen, eintauchen, mittreiben… Das nehme ich mir vor für diese Woche.

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