Monatsarchive: Dezember 2014

heute

DSC_7491 DSC_7497 DSC_7498

Heute habe ich …

… jedes Kind auf seine Weise in den Morgen hineinbegleitet, in unserer ganz individuellen Morgenroutine, die mit keinem Kind und an keinem Tag genau gleich ausfällt, je nach Temperament und  Müdigkeitslevel und je nachdem, was ansteht an diesem neuen Tag. Mit warmer Ovi und etwas Zeit zum Plaudern oder Sachenzusammensuchen, mit Jogurt und immer hektischerene Blicken auf die Uhr, mit klemmenden Reissverschlüssen und einem fleckigen T-Shirt, das -bereits an der Haustür und schon in den Schuhen-  unbedingt noch rasch ausgetauscht werden muss …

… ein weiteres Windpocken-Kind aus dem Bett geklaubt und mich am Gedanken gewärmt, dass Windpocken eine einmalige Sache sind und mit meiner Kleinen nun alle meine vier Kinder ein Leben lang davor verschont bleiben werden.

… mir einmal mehr die Wäsche vorgeknöpft. Diese Wäsche! Kaum glaubt man, sie unter Kontrolle zu haben, tauchen neue Zainen auf, allesamt voll von sich verlierenden Socken, Shirts mit Saucenflecken, Hosen, die über dem Knie zerreissen und Wollpullis für die Handwäsche. Herr Kirschkernzeit ist diesbezüglich übrigens mein absoluter Held: Er wäscht (und bügelt!) alle seine Kleider selbst. Freiwillig und -offen gestanden- sehr viel souveräner als ich. Ein Traummann!

… ein paar Reihen gestrickt beim Puppen-Kaffee-Klatsch mit meiner Kleinen. Da ist eine Wolldecke, die unbedingt fertig werden muss. Und zwar innerhalb der nächsten zwei Tage. (Uack!)

… einen Riesenberg Crepes gebacken. Mit Pilzen. Und im zweiten Gang dann süss mit dem Johannisbeer-Gelee von Herrn Kirschkernzeit, auf das wir alle hier ganz versessen sind. „Mama, du hast aber fein gekocht!“, lobten die Kinder zwischen zwei gierigen Bissen, aber ich weiss natürlich, dass das gar nicht so viel mit meinen Kochkünsten zu tun hat; mit Crepes, sahnigen Champignons und Johannisbeer-Gelee kann man einfach nichts falsch machen.

… mit einem meiner Jungs die ersten Schritte gemacht in Richtung strengstens geheimes Wichtelgeschenk …

DSC_7499 DSC_7514DSC_7515-002

… Wörter und Sätze diktiert. Ziemlich lange. Weil, in der 2. Klasse schreibt man Diktate, und Kind2 fühlt sich jedes Mal absolut verloren, wenn er in der Schule mit dieser Flut an komplizierten Wörtern konfrontiert wird. „Wieder“ mit -ie- oder „kaputt“ mit zwei -t. „Wie kann man sich das alles nur merken?“ fragt er. Und ich weiss es auch nicht so genau …

… meine rot gesprenkelte Kleine herumgetragen und gehätschelt und eins ums andere Mal mit Salbe betupft, bis sie aussah, als hätte sie mit einer Flasche TipEx Visagistin gespielt.

… es geschafft, einen klitzekleinen Pausenmoment zu nutzen. Für ein paar Zeilen an einen lieben Menschen. Es ist schon merkwürdig: so viele Worte werden hier gesprochen in diesem Haus. Aber jeder Satz, der nach aussen kommen soll bleibt tagelang -manchmal sogar über Wochen- auf halbem Weg hier liegen …

… Brot gebacken. Ein kleines für sofort und ein grosses für die nächsten Tage. Und dabei meinen ganzen Sauerteig aufgebraucht. Jetzt sollte ich wohl neuen ansetzen, ihn definitiv fleissiger „füttern“- und beim nächsten Brot vielleicht alle Zutaten vorher abwägen, bevor ich alles zusammen in eine Schüssel kippe …

… den Abend wie eine Wilde strickend und Kakao trinkend im Bett neben meiner schlafenden Kleinen verbummelt. In Gesellschaft der „Gilmore Girls“, die ich früher als Teenager so sehr mochte, aber kaum je zu sehen bekam, weil ich schon damals mit 18, als ich von zuhause auszog, keinen Fernseher mehr hatte und auch keinen wollte. Kürzlich habe ich mir die ersten drei Staffeln gegönnt. Und die geniesse ich jetzt von Zeit zu Zeit, langsam und bewusst und ganz für mich allein, als wären es edelste Pralienen …

 

Veröffentlicht unter aus meinem tagebuch, Familienalltag | 21 Kommentare

berührt: Lebkuchen

“Berührt” heisst für mich;
Einmal pro Woche möchte ich mein Augenmerk auf all die Dinge und Momente richten,
die mich wirklich berühren.
Wo mich etwas  inspiriert, anrührt, wo ich fühle, spüre, zum Denken komme.
Wo sich etwas bewegt, innen im Verborgenen oder ganz greifbar und sichtbar vor meinen Augen.
Mal voller Freude, mal nachdenklich oder sentimental, mal montags, mal sonnabends, wortreich oder stumm…
So wie es im Augenblick gerade richtig scheint.
(Und wer immer mitmachen möchte, ist ganz herzlich eingeladen.)

DSC_7436sie
jetzt auch

Veröffentlicht unter Augenblicke, aus meinem tagebuch, berührt, Familienalltag, Themen-Reihen | 4 Kommentare

Winterblumen

Kleider waren für mich eines der Haupt-Themen diese Woche. Kein Wunder eigentlich, bei so vielen Menschen in diesem Haus. Ich habe unglaublich viel gewaschen (dafür sind jetzt praktisch sämtliche Wäschekörbe des Hauses leer, die Schränke voll und meine Waschküche piekfein und sauber. Eine kostbare Seltenheit!).
Und wenn ich dazu kam, trug ich die Sachen meiner Kinder Schicht für Schicht aus ihren Kleiderschrank-Stapeln ab, breitete sie auf dem Fussboden aus- und begann zu sortieren. Was passt noch? Was nicht mehr? Welche Sachen werden kaum je richtig benutzt und warum? Wegen der Farbe? Einem unbequemen Schnitt? Einfach, weil das Stück nicht zu meinem Kind passt? Wo muss einfach nur geflickt oder abgeändert werden?
Alles, was geliebt, getragen oder demnächst ganz sicher in Gebrauch kommen wird, liegt jetzt wieder zusammengefaltet in den Regalen. Manches (weniges, um ehrlich zu sein) sogar geblätzt oder umgenäht. Alles, was keinen richtigen Anschluss finden konnte in unserer Familie, steckt in einer Tüte für die Kleidersammlung. Und der Rest -geliebte, aber zu klein gewordene Kleider- lagert bis die Tage in Boxen: Sachen, die ein nächstes Kind in der Geschwister-Reihe noch anziehen wird, auf dem Dachboden. Alles andere, wovon ich mich nicht trennen kann, ohne in einem Meer nostalgischer Emotionen zu versinken, in meiner Gerümpelkammer, also jede Menge Shirts, Stoffkleidchen, Babystrampler oder selbstgestrickte, aber durchlöcherte Wollsocken (jawohl, Wollsocken!). Für später. Für Enkelkinder (hach!) oder Kindheitsquilts oder Wandbehänge mit Geschicht oder für sonstwie vernähte Erinnerungen.
Die Kleidertürmchen, die schlussendlich zurückbleiben sind manchmal viel kleiner als vorher, manchmal kaum verändert, aber immer, wenn ich eine Hose, einen Pullover oder süsse, kleine Kindersöckchen, aus denen ein Kind definitiv herausgewachsen ist, zur Seite legen muss… zögere ich für einen winzigkleinen Moment. Ich glaube nicht, dass man das sehen könnte, wahrscheinlich ist es mehr so ein Gefühl von „nein, ich will noch nicht ganz loslassen“, das mich durchfährt. Und natürlich lasse ich dann doch los. Schlussendlich. Die Kisten werden voll, Deckel drauf. Ein Stückchen Mutter-Kind-Geschichte erhält einen Punkt mehr gesetzt. Ein Kapitel endet, ein neues wird begonnen. Bittersüss, aber der Lauf der Dinge.

DSC_7460 DSC_7465 DSC_7469

Vielleicht verbrachte ich darum jenen Abend unten im Wohnzimmer, über den Tisch und eine grosse Bahn Bio-Jersey-Stoff gebeugt. (Herrlich; „Sommerblumentraum“ von Kissa. Für mich sind das jetzt Winterblumen.) Um ein neues Shirt zu schneidern für mein Mädchen, das Kind mit den am schlimmsten geschrumpften Kleiderschrank-Stapeln. Schneidern, um aufzustocken und ihre Garderobe eine Spur persönlicher zu gestalten. Schneidern, um das Bittere am Wachsen ein klein wenig zu mildern.
Es ist ein weiteres Crossover-Tee geworden (aus „Growing up Sew Liberated“, auf deutsch erhältlich als „Das Mama-Nähbuch“) mein drittes, bzw. das dritte, das mein Mädchen jetzt tragen wird, schön alternierend vielleicht, sehr wahrscheinlich aber eher mit längeren Pausen zwischendurch, je nachdem, wie lange die Warteschlaufe wieder werden wird für all die Schmutzsachen in den Wäschekörben. Ihr „Crossover Tee“ mit den Kirschkern-spuckenden Mäuschen zieht sie vielleicht zu Ringelleggins und den dreiviertel-langen, geflickten Jeans ihrer Brüder an. Das andere, das mit den altrosa Schmetterlingen möglicherweise über einem kurzärmligen, hellen Kleidchen oder zu einem dieser einfachen, schlichten Jupes im Stil ihres Shocking-Pink-Röckchen, so wie schon so oft. Und dieses neue, noch so wunderbar straffe, unangetastete, geradezu bemerkenswert fleckenlose Shirt hier (das viel zu bald schon um einiges gealtert aussehen wird *hüstel*)? Vielleicht so wie heute; kunterbunt kombiniert mit dem, was sie gerade so ganz zuoberst in ihrem Kleiderschrank findet. Mit pink-weiss-gestreiften Leggins, ausgebleichten, grauen Kniesocken, einer Hose, die Mama aus einem alten, grün eingefärbten Kissenbezug genäht (und schon wieder geflickt) hat- und mit diesem ihr eigenen, absolut spitzbübischen Grinsen.

DSC_7471 DSC_7477 DSC_7473
Egal, was dieses Kind trägt; Neben ihrem Lausemädelgesicht mit seinen blitzenden Augen und dem verschmitzten, meist irgendwie verdächtigen Schmunzeln verblassen Schnitte, Farben, Stoffwahl- die ganze, wilde Mischung…

Veröffentlicht unter Familienalltag, Nähen | 7 Kommentare

Fels in der Brandung- Eine Mützen-Liebe

DSC_7239

Ich bin ein Gewohnheitsmensch. In gewisser Weise zumindest. Ich mag es, jeden Morgen genau gleich zu beginnen (zur Zeit mit heissem Kakao, klar), und ich weiss gerne, was auf mich zukommt. Auch beim Stricken. Oder beim Nähen. Und überhaupt bei allem, woran ich mich wage. Irgendwie erstaunt es mich längst nicht mehr, dass meine Socken immer haargenau gleich ausfallen -strickmustertechnisch gesehen. Gäbe es da nicht diese umwerfende Vielfalt an wundervollen, am liebsten handgefärbten Garnen, sie würden allesamt aussehen wie multiple Zwillinge. Ich stricke sie einfach so, wie ich sie kenne, mag und kann. Nach altbewährtem Stricksockenrezept sozusagen.
Einmal ins Herz geschlossen, bleibt eine Strickmuster-Liebe wohl ein Leben lang lebendig. Wirklich gute Projekte geben wir so schnell nicht wieder her, vor allem dann nicht, wenn sie uns so richtig schön vertraut geworden sind, so bekannt und heimatlich, dass wir fast schon blind unseren Weg durch den Anleitungsdschungel finden. Solche Dinge sind unschlagbare Tröster in schweren Zeiten, Mutmacher in kreativen Durststrecken, Aufbauer, wenn andere Strick- (oder Näh-) Versuche misslingen oder irgendwie nie so werden wollen, wie wir sie uns erträumen. Es gibt einfach Strickmuster, die bleiben stehen, wenn alles andere wackelt und bricht. Felsenfest. Sich daran ein bisschen festhalten, tut manchmal Wunder…

DSC_7413 DSC_7417 DSC_7421 DSC_7428
Genau so ein „Fels in der Brandung“ ist diese Mütze hier für mich. Also nicht nur diese Mütze an sich -obwohl die meisten ihrer Maschen tatsächlich in eher düsteren Momenten der Erschöpfung und Mutlosigkeit entstanden sind- es ist vor allem auch das Strickmuster an sich. Nach dieser Anleitung (ursprünglich aus einem bereits älteren, schon vergriffenen Buch) habe ich meine allerersten Mützen überhaupt gestrickt. Zuerst für Herrn Kirschkernzeit (damals in einem waldgrünen Melange-Garn), bald darauf für meine Jungens (aus derselben Wolle, weil ich mich noch nicht traute, etwas Neues zu versuchen), einmal für meine Schwester, für meinen Bruder. Und noch einmal für Herrn Kirschkernzeit (diesmal doppelt verarbeitet, damit sie schön kuschelwarm gibt), später kunterbunt geringelt für meine Schwiegermama, diesen Herbst dann in schillerndem Rosenkäfergrün für Kind2 und nun, weich und blaugraubraun, abermals für einen meiner Jungens …
Ein ewiger Kreislauf, ein ständiger Prozess (vor allem, weil unsere Mützen immer mal wieder auf unerklärliche Art und Weise wie vom Erdboden verschwinden…). Aber immer wieder aufs Neue ein gutes Gefühl; beim Wolle-Auswählen (in diesem Fall hier „Malabrigo Rios“ in der Farbe „Playa“), beim Anschlagen der ersten Runde, beim Stricken des Bündchens, der Kopf-Form, beim Abnehmen, wo dann plötzlich dieser herrliche Stern zum Vorschein kommt… Zu stricken, was ich kenne, so richtig gut und aus eigener Erfahrung, über Jahre hinweg und bei jeder einzelnen Mütze, jedem Garn wieder aufs Neue, macht das Stricken… zu einem Stückchen Daheim für mich. Wo ich mich auskenne und loslassen darf. Andere Projekte mögen spannender sein, lehrreicher, faszinierender und ganz bestimmt um einiges beeindruckender als diese simple, höchst alltägliche Mütze hier, nach der sich wahrscheinlich keiner je umdrehen wird. Aber nur wenige haben so viele wohltuende Eigenschaften. Und mein vollstes Vertrauen.

DSC_7401 DSC_7400 „Fels in der Brandung“

Garn: Malabrigo Rios oder ein anderes Garn mit ca. 90m-100m/50gr. Lauflänge
Garnverbrauch: ca. 60gr.
Nadelstärke: Nadelspiel Nr. 5
Maschenprobe: ca. 17-18M pro 10cm.
Für eine gute Herrengrösse wären ca. 14M pro 10cm nötig.
Sie passt: grösseren Kindern und Teenagern bis mittelgrossen Erwachsenen-Köpfen. Für eine grössere Mütze schlägt man mehr Maschen an, strickt mit dickeren Nadeln oder wählt ganz einfach ein etwas dickeres Garn. Für kleinere Grössen sollte das Garn dünner sein und/oder die Nadeln feiner oder man schlägt weniger Maschen an. Mützen sind da sehr schön variabel und nehmen alles nicht so genau (eine ihrer grössten Stärken).

Stricken:

Anschlagen: 68 M auf 4 Nadeln verteilt anschlagen.

Bündchen: Alle Maschen in Runden stricken, jeweils 2re/2li, bis das Bündchen etwa 12cm hoch geworden ist. (Nicht erschrecken, die Mütze wirkt am Anfang wegen dem Rippen-Muster enorm eng! Das gibt sich dann aber später wieder. Versprochen.)
Das Bündchen wird übrigens später umgekrempelt und darum ziemlich hoch gearbeitet.

Kopf: Nach dem Bündchen alles glatt rechts stricken, bis die ganze Mütze etwa 28 cm misst. (Bei Kindern eher 26cm)
Alternativ kann man auch alles im Rippenmuster 2re/2li weiterstricken bis zu den Abnahmen. Diese Mütze sitzt dann satter am Kopf.

Abnahmen: Alle Abnahmen werden glatt rechts gestrickt.

Rd1 : Jeweils die 16. und 17. M auf jeder Nadel rechts zusammen stricken
Rd2- Rd4 : glatt re
Rd5 : immer die 7. und 8. M re zus. str.
Rd6- Rd8 : glatt re
Rd9 : immer die 6. und 7. M re zus. str.
Rd10 : glatt re
Rd11 : immer die 5. und 6. M re zus. str.
Rd12 : immer die 4. und 5. M re zus. str.
Rd13 : immer die 3. und 4. M re zus. str.
Rd14 : immer die 2. und 3. M re zus. str.
Rd15 : immer jeweils 2 M re zus. str.

Die letzten 8 M mit dem Faden zusammenziehen und den Faden verstäten. Voilà. Jetzt nur noch: Tragen und Sich-Freuen daran! Der schönste Teil jedes selbstgemachten Projektes überhaupt.

DSC_7423 DSC_7425

Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...
Veröffentlicht unter Stricken, Tutorial, what makes me happy | 4 Kommentare