Monatsarchive: November 2014

Einblicke

“Einblicke”; Posts wie eine Bonbon-Dose, gefüllt mit ein bisschen Lebens-Alltag in kleinen, feinen Etappen-Happen. Bruchstücke eines Tages wie jeder es sein könnte…

Morgen

DSC_7302 DSC_7323 DSC_7307Ich erwache absolut verquollen und verschlafen, aber irgendwann im Verlaufe der ganz normalen Vor-der-Schule-Alltags-Routine mit Ovi-machen, Schularbeiten zusammensammeln, Kinderkleider-aus-dem-Schrank-zupfen, plaudern, die Agenda überfliegen und immer wieder auf-die-Uhr-schauen, nehme ich mir vor, es heute einmal organisierter anzugehen, das alles. Mit einem Plan. Einer To-do-Liste. Auch wenn ich schon um zehn Uhr vollkommen hinterher hinke und statt Brotteig zu kneten draussen mit der Nachbarin schwatze, bringe ich doch tatsächlich das eine oder andere zustande. Kind1 wird diese Nacht in frisch gewaschener Bettwäsche schlafen, jedes Zimmer ist gelüftet, die Betten ordentlich gemacht (was für ein Anblick!) und statt der geplanten 5 Minuten räume ich etwa 10 Minuten in jedem Kinderzimmer Sachen weg und um. Der Rest muss warten. Tut er auch.
Ich könnte nicht behaupten, dass alles glänzt und prunkt. Aber als an sich ordnungsliebende Seele fühle ich mich sofort um ein gutes Dutzend Glücks-Koeffizient besser.
Zum Mittagessen werden Kartoffeln geschält, gekocht und zu Stock passiert, und das gute Gemüse, das Herr Kirschkernzeit samstags kurz vor Ladenschluss gekauft hat, endet in einem grossen Topf Ratatouille (Nicht unbedingt saisongerecht, ich weiss. Aber man nimmt, was man hat.). Hinterher sieht die kurz zuvor geputzte Küche aus wie nach 7 Tagen Junggesellendasein. Ein nimmermüder Kreislauf, dem ich wohl niemals Herr werden kann.

Nachmittag

DSC_7317 DSC_7311 DSC_7308Ich spüre schnell, dass heute mal wieder so ein Tag sein wird; draussen absolut grau und frustrierend, drinnen voller Arbeit und einer kleinen Horde irgendwie unentschlossener Kinder. Obwohl diese Horde recht klein ausfällt schlussendlich, weil Kind1 und Kind2 nach ihren Hausaufgaben beschliessen, sich einen Weg durch den Herbstnebel zu bahnen und drüben auf dem Skaterpark gleich um die Ecke ein paar Runden zu drehen. Eine ganze Menge Runden sogar, wie sich herausstellt, so viele, wie 2 Stunden Scooterfahren nur fassen können. Ich bin glücklich darüber. Froh, zu sehen, dass sie sich ihr Glück selber schmieden, dass sie auf diese Weise ein bisschen Luft haben für sich und ganz unter Jungs (Mädchen sieht man nur selten dort), abseits vom Familiengewusel, ausser Reichweite von Mamas guten Ohren und ihrem abwägenden Blick. Ich merke immer wieder, wie gut ihnen das tut. Das Freisein in einem sorgfältig gewählten, in gewisser Weise für mich noch immer überschaubaren Rahmen. Kind1 vor allem, der nun 12 ist und immer weiter hinauswächst aus meinem Glucken-Schwingen-Bereich. Die Veränderungen sind langsam aber stetig, und ich habe das Gefühl, in diesem Tempo, mit immer wieder kleinen, weiter gesteckten Frei-Zonen, fällt es mir leichter, Schritt zu halten, als wenn ich ihn zurückhalten will und dann eines Tages buchstäblich überrannt werde von seinen Teenager-Sprüngen.
Die Mädchen und ich machen es uns derweil gemütlich, suchen nach Inspirationen in meinen Bastel-Büchern, trommeln auf alten Dosen und wirbeln auch sonst allerlei Staub auf. In der Küche zum Beispiel, wo aus den geplanten Zuckerkringeln eben Zuckertaler werden, weil irgendwie 2 statt nur 1 Ei im Teig landen und der zum Ausstechen dann viel zu klebrig wird. Aber das spielt ohnehin keine Rolle mehr; die Kinder -mit Einbruch der Dunkelheit kehren auch meine Jungens wieder nach Hause zurück- sind alle plötzlich viel zu erschöpft von ihrem Tagwerk, um auch noch Plätzchen mit zu formen…

Abend

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Und so endet dieser Tag mit einem vollen Teller bunter Zuckerkekse zum Abendbrot und einer Tasse von diesem herrlichen, leicht würzigen Kakao, den ich -liebevoll verpackt, zusammen mit einem wunderhübschen Stickdeckchen und einem duftenden Lavendelsäcklein- ganz überraschend von der Strick-Juwelen-Gewinnerin Daniela geschenkt bekommen habe. Ein süsser Moment, wie wir mampfen und schlürfen und der Tag verblasst. Er lässt mich fast vergessen, dass der Löwenteil auf meiner To-do-Liste noch immer kein Häkchen bekommen hat, dass das Brot noch bis in die Nacht hinein vor sich hinbacken wird (von wegen Timing *hüstel*), ich den Kindern eigentlich die Haare waschen wollte, dass die Hosen von Kind2 heute ungestopft bleiben, mit viel zu langen Hosenbeinen, 2 Zainen schrankfertiger Wäsche bereits seit 4 Tagen auf mich warten, die letzten Osterglocken unbedingt noch diese Woche gesetzt werden müssen und… und… und… Aber hey, first things first. Und Kekse und Nachtschlaf haben heute einfach Vorrang. Frau Kirschkernzeit fällt nämlich, kaum hat sie die letzte Seite von Miss Harriets Abenteuer-Reise erzählt, den Kindern gute Nacht gewünscht und die Kleine mit sich ins grosse Bett unter die warme Decke gemummelt, sofort in tiefen Schlaf (dabei wollte sie doch so gerne noch stricken). Vielleicht nicht der Schlaf des Gerechten… aber ganz bestimmt der Schlaf einer rechtschaffen Erschöpften.

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Zwergen-Herbst

Heute -ich kam gerade vom Einkaufen nach Hause- blieb ich sicher drei, vier Minuten lang auf der Treppe vor der Haustüre stehen, liess die vollen Taschen auf den Boden sinken und sah mir den grossen Birkenbaum an, der das Grundstück meiner alten Nachbarin säumt.
Ich weiss, drei, vier Minuten, das klingt nach gar nichts, das scheint bloss kurz, aber drei, vier Minuten können sehr voll und gross sein, wenn man einfach nur so dasteht und nichts tut, nichts anderes als bloss hinzusehen. Wie die Blätter fallen. Wie der Wind, obwohl er nur ganz sachte bläst, alles alte, trockene Laub von den Zweigen klaubt und langsam zu Boden rieseln lässt wie gelber Schnee.
Das sind die letzten Züge des Herbstes, einen Sturmwind nur noch entfernt von den kahlen Wipfeln der nahenden Wintermonate. Honiglicht und bunte Laubkronen sind verschwunden. Alles ist dunkler, fahler, winterstarriger. Und irgendwie aufgeräumt. Auf eine ganz eigene, braune, eintönige Art.
Er hat sich so sehr verändert, der Herbst.

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Und verändert hat sich auch unser Jahreszeiten-Fensterbrett.
Mir war einfach danach. Sehr sogar. Weil der Herbst draussen so anders wird und weil ich mich nach Märchen sehne, nach Ruhe, Besinnlichkeit und einem Blickpunkt, an dem meine Augen sich ausruhen können, jetzt, wo wir wieder so viel Zeit drinnen verbringen, immer näher und näher zusammenrücken und das Wohnzimmer langsam aber beständig wieder zum lebendigen, pulsierenden Herzen unseres Hauses wird, zusammen mit der Küche, in der zur Zeit fast immer heisser Kakao auf dem Herd dampft. Nach dem eher bunten, zusammengewürfelten Fundstück-Sammelsurium, das diesen Herbst bisher in unserer Jahreszeiten-Nische repräsentiert hat, wünschte ich mir ein bisschen mehr stille Lebendigkeit, ein klein wenig Magie, ein Türchen in diese Wunderwelt, die wir uns wohl alle irgendwie erträumen.
Und… nun ja… ein bisschen fühlt es sich tatsächlich so an, wie eine richtige, kleine Herbst-Wunderwelt, wenn ich mich vor unsere Herbst-Wald-Landschaft setze und meinen Blick wandern und dabei zur Ruhe kommen lasse. Da ist der schöne, grob gesägte Baumstamm, den ich letzte Woche zum Geburtstag geschenkt bekommen habe, da ist das Fliegenpilz-Würfelspiel, das mein Mädchen sich gebastelt hat… und jede Menge andere, liebgewonnene Schätze; Die niedlichen Zwergen-Brüder von Ingrid aus der Strickpraxis (eine rieseige Freude, genau wie all ihre anderen handgemachten Schätzen -Mutter Erde und ihre Wurzelkinder zum Beispiel, die letztes Mal unseren Winter belebten), die Filztiere meiner Mama, Ton-Pilze, die Kind1 und ich vor Jahren einmal getöpfert und bemalt hatten, das kleine, süsse Zwergenmännlein mit seinem violetten Zündholzschachtel-Häuschen, das mein Mädchen eines Tages vom Kindergarten mit nach Hause brachte, Steine aus dem Puschlav, unsere selbst umfilzten Steine… All diese Dinge sind mir schon so bekannt und vertraut- und doch wieder wunderbar neu und faszinierend so als Zwergen-Herbst im November…

DSC_7274Ganz besonders nachts bei Kerzenlicht…

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this moment: Abend

Nach einer Idee von Soulemama: eine Erinnerung, ein Bild, vielleicht nur wenige Worte.
Um Luft zu holen und die Erinnerung zu bewahren.

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zusammen wortlos zufrieden

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Ein Bild erzählt: ausgebüchst

Manchmal sagt ein Bild mehr als tausend Worte. Und manchmal hilft ein Bild auch, Worte zu finden, Dinge neu zu sehen, den Moment besser zu erfassen, den Alltag zu ent-wirren, Alltags-Erinnerungen zu schaffen. So wie hier.
Ein Bild erzählt

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Was dieses Bild erzählt…

* Ich komme selten mehr fort von daheim. Sehr, sehr, sehr selten, seit ich wieder schwanger bin sogar niemals, eigentlich, und schon gar nicht alleine… was nicht schlimm ist im Grunde, aber manchmal schon wie ein Druck von oben, wenn die Decke sich allzu tief nach unten zu beugen scheint… An meinem Geburtstag diese Woche war mein Wunsch darum: Ausfliegen! Ausbüchsen! Teiweise ich, ganz für mich alleine, teilweise mit Herrn Kirschkernzeit, zum Fein Essengehen und Reden, lange und ununterbrochen und ganz anders als zuhause am Tisch mit vier lautstarken Kindern. Hier sitze ich also, in meiner Nur-ich-Phase an einem langen Tisch im Café. Stillvergnügt, bestens versorgt und niemand stört meine Kreise. Ein Stückchen Himmel, wenn man so will. Für mich, in jenem Augenblick auf jeden Fall manifestierter Frieden. *

* Ich trinke Tee. Ihr wisst das ja schon, aber für mich ist es immer wieder erstaunlich; dass ich tatsächlich keinen Kaffee mehr mag. Vorübergehend, nehme ich an, so wie die vier Mal zuvor auch. Anfangs der Schwangerschaft, bzw. die ersten drei, vier Monate, wurde mir allein vom Geruch der Kaffeemaschine schon unglaublich schlecht, mittlerweile kann ich das immerhin wieder ertragen. Nur trinken kann ich ihn nicht. Eine Tasse grüner Jasmin-Tee mit wenig Zucker ist aber auch etwas Gutes, irgendwie Edles, und als ich den Beutel aus dem Glas ziehe, muss ich meine Nase eins ums andere Mal tief über den dampfenden Tee beugen, um diesen unvergleichlichen Duft einzuatmen. Ich liebte ihn schon immer, den Duft von Jasmin. Für mich der schönste aller Blütendüfte (obwohl ich Lavendel auch unwiderstehlich finde) mein Lieblingsduft seit ich als Teenager zum ersten Mal an einem blühenden Jasminbusch vorbei gegangen bin. In der Türkei war das, glaub ich, oder in Sizilien, ganz sicher aber im Urlaub. Und dunkel war es, und darum umso intensiver und überraschender. Ein Tee mit sizilianisch-türkischem Aroma in der Nase für meinen Kleinst-Urlaub vom Alltag- wie passend. *

* Meine Strickarbeit kommt nur langsamst voran. Aber sie macht mir viel Freude. Ein Dreickes-Schal im Entstehen, aus luxuriösem Seiden-Leinen-Garn von einem sehr vielversprechenden, jungen Schweizer Unternehmen mit dem ebenso vielversprechenden Schweizer Mundart-Namen “Siidegarte”,  das ich vor kurzem erst via Ravelry entdeckt habe. Das Seiden-Leinen-Garn “Siide-Buschper”, das ich hier in der Farbe “Suurhamsle” verstricke, ist noch sehr fremd für meine Hände, und ich muss gestehen, dass ich die Elastizität und Weichheit von Wolle zwischen meinen Fingern ein bisschen vermisse, während ich den strammen, eher groben Faden Masche für Masche über meine Finger gleiten lasse. Aber Leinen wird weicher mit dem Waschen und Tragen (sagt man), und ich wünsche mir, dass mein Tuch sich zum Schluss so kühl und fliessend um meinen Hals schmiegt, wie ich es mir vorstelle, wenn ich die Worte “Seide” oder “Leinen” nur schon höre. Kühl und fliessend für die eher wärmeren Tage, für Zwischenzeiten wie Spät-Frühling oder Früh-Herbst oder wenn ich beim Arbeiten ins Schwitzen komme und die Wollfasern zu jucken beginnen über meiner feuchten Haut. Ob sich dieser Wunsch erfüllt mit diesem Tuch? Ich hoffe es. Auf jeden Fall wollte ich diesen für mich noch so unbekannten Fasern eine Chance geben, dem Leinen vor allem. Und ein Abenteuer -ein Strick-Abenteuer- ist es allemal… *

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