Monatsarchive: Oktober 2014

Selbermachen: Schmuckstück-Magnete

Neulich war ich mit meiner Mama im Brocki und hätte um ein Haar eine alte, etwas verbeulte aber sehr, sehr charmante Osterhasen-Form mit nach Hause gebracht, in der man früher vielleicht Butterhasen geformt hat oder so. Ich hatte sie sogar schon reserviert (meine Geldbörse lag nämlich daheim *hüstel*) und war bereits wieder auf dem Weg nach Hause, als mir plötzlich bewusst wurde, dass ich eigentlich gar keine Verwedung und vor allem keinen wirklichen Platz dafür habe. Ich liebe alte Dinge wirklich innigst. Vieles von dem, was meine Regale, Schubladen oder Kommoden bevölkert ist alt und darum schön in meinen Augen, aber irgendwie habe ich angefangen, zögerlicher zu werden, wenn es darum geht, Sachen in mein Haus einzulassen, die für mich nicht unbedingt praktischen Wert haben und die ich entweder nicht benutzen kann oder -wenn ich ganz ehrlich bin mit mir selber- einfach kaum benutzen werde.
Meine Mutter meinte: “Naja, sie war schon schön, diese Form. Gute, alte Handarbeit” und ich erinnere mich, wie ich ihr antwortete: “Weisst du, ich bekomme haufenweise gute, alte Handarbeit von meinen Kindern geschenkt“,und es auch so meinte. Meine Kinder sind nicht unbedingt alle die eifrigsten Bastler oder Maler, einige von ihnen sind diesbezüglich doch eher zurückhaltend (*snif*), aber selbst mit dieser Interessen-Konstellation wächst meine kleine Kinder-Kunst-Sammlung mit jeder Woche, die vergeht, weiter und weiter und ein Ende ist -sehr zu meiner Freude!- noch längst nicht in Sicht.

DSC_6897DSC_6898 DSC_6902 DSC_6917 DSC_6922 DSC_6924 DSC_6928

Ton-Figuren, Bügelperlen-Tiere, Modellbogen-Burgen, Ketten und Girlanden (zur Zeit arbeitet mein Mädchen immer mal wieder an einer total süssen Einhorn-Girlande, die sie ihrer Oma zum Geburtstag schenken will), vor allem aber: Kinder-Zeichnungen, Kinderzeichnungen, Kinderzeichnungen.
Sie bewohnen meine Kühlschrank-Seite. Sie baumeln von einer Kette über dem Sofa. Sie hängen gerahmt an meinen Wänden. Sie lehnen auf Sidebords und auf Regalen. Und sie belegen buchstäblich jeden einzelnen Zentimeter unserer eigens dafür aufgehängten Magnetwände.
Vor einer Weile haben wir das gelbe Zimmer meines Mädchens ein wenig umgestellt und eines meiner wichtigsten Anliegen war immer: Mehr Platz für ihre Kunst-Galerie. Was bedeutet, dass bei ihr drei Magnetwände hängen. Und jede Menge Platz ist für Bilderrahmen, das Einhorn, das Kind1 für sie zu ihrem 5. Geburtstag gemalt hat oder andere baumelnde Objekte. (Ein “das neue gelbe Zimmer”-Post wäre schon lange geplant… eigentlich…) Was uns noch fehlte, waren Magnete. Schöne Magnete, so richtig schöne, nicht bloss diese langweiligen, plastiküberzogenen Dinger, die ich im Kaufhaus fand. Und Magnete mit Figuren drauf wollte ich nicht unbedingt, weil so eine Magnetwand ohnehin schon schnell voll und unruhig wirkt.
Aber “schön”… was für ein grosses, weites Wort, nicht wahr?

DSC_6626 DSC_6631DSC_6628 DSC_6635

Nun, ich glaube, für mich selber habe ich sie gefunden; richtig schöne Magnete. Zum Selbermachen (nach einer tollen Anleitung von “Not Martha”), ganz individuell und ganz, ganz einfach. Ein feines, kleines Lieblingsprojekt, das richtig entspanned wirken kann, vor allem beim Blättern durch alte Hefte (auch klein kopierte Kinderzeichnungen sind super!), beim Sujets-Aussuchen und Ausschnippeln -sofern man nicht gerade eine kleine, eifrige Mithelferin neben sich hat, die es auf den definitiv nicht alterskonformen Sekundenkleber abgesehen hat…
Die Magnet-Rohlinge habe ich ganz schnell im Coop Bau und Hobby gefunden, wo es sie in verschiedenen Grössen und Magnet-Stärken zu kaufen gibt, die durchsichtigen Glas-Nuggets sind von der Landi (Ganz wichtig: nehmt nur glasklare, keine milchigen!). Beim Klebstoff haben wir zuerst Uhu Alleskleber ausprobiert, was für die Magnete selber ganz gut ging, unter den Papierbildchen aber unschöne, feucht wirkende Flecken hinterliess (wie man auf den Fotos vielleicht sieht). Mit “Cyanolit universal Superschnellkleber”, den ich noch am selben Nachmittag bei unserer Post-Stelle in der Papeterie-Nische entdeckte, bleibt dieser Effekt auf ein Minimum begrenzt, und wenn man die Bilder wirklich sorgfältig und möglichst glatt anpresst, bleibt er sogar ganz aus und die Sujets wirken frisch und klar und wunderschön.
Für mich schön. Zweifellos. Und mit sehr viel Raum für neue Interpretationen…

DSC_6641

Zum Beispiel mit den alten Miniautos, die Kind2 einst aus seinen Überraschungs-Eiern gezogen und aufgehoben hat und die jetzt mit einem Magnet auf der Unterseite über seine Zeichnungen flitzen. Zwar nicht unbedingt mein Favorit unter den “schönen Magneten”, aber ganz klar der Liebling von Kind2. Und über Geschmack lässt sich ja bekanntlich nicht streiten.

Nachtrag: Leserin Noelle hat mir den guten, von ihr bereits mit einer Schulklasse erprobten Tipp gegeben, normalen Weissleim zu verwenden anstelle von Sekundenkleber. Bei ihr hält das super, braucht zwar lange zum Trocknen, ist aber viel ungefährlicher für Kinderhände als Superschnellkleber. Danke, Noelle für die gute Idee!

Veröffentlicht unter kreativ mit Kindern, kreative Ideen | 6 Kommentare

Wachgeküsst

DSC_6630 DSC_6679 DSC_6668 DSC_6689 DSC_6700 DSC_6856 DSC_6690 DSC_6830 DSC_6868 DSC_6863

Nach den langen Wochen der Stagnation, die Schwangerschaft und die vergangenen Krankheits-Tage unweigerlich mit sich brachten, ist es mehr als nur wunderbar für mich, zu sehen, wie langsam alles in diesem Haus wieder zum Leben erwacht. Genau wie in Dornröschens Märchen, wenn der Kuss alle aus ihrem Schlaf erweckt, die Fliegen an der Wand wieder los-summen, die Pferde ihre Mähnen schütteln und der Koch seinem Laufburschen die schallende Ohrfeige verpasst, für die er ein volles Jahrhundert gebraucht hat; Alles findet zurück ins Leben. Es ist, als wäre überhaupt nichts gewesen.
So ähnlich geht es mir auch im Moment. Die Dinge laufen wieder an, praktisch rückstandslos, machen sich frei aus ihrer Vereisung und geraten erneut in Bewegung, eins nach dem anderen, während ich wieder anfange zu kochen, zu stricken (auch für mein Baby!), ein klein wenig nähe dann und wann, mit den Kindern kleine Bastelprojekte in Angriff nehme und mich langsam wieder vollkommen einfüge, einfühle in mein Alltags-Leben mit all seinen alltäglichen Aufgaben und Freuden.
Die Zeit “davor” schimmert nur noch als weiches, verschwommenes Etwas irgendwo halb in meiner Erinnerung, halb schon in jener merwürdigen Schwarz-Zone meines Gedächtnisses, in der so viele Erlebnisse und Augenblicke aus Schwangerschaft und Geburt aufgefangen und auf ganz sonderbare Art und Weise abgerundet und verklärt werden -Die nicht so rosigen ganz besonders.
Ich merke, wie wohl mir dieses Erwachen jetzt tut. Vor allem, wenn ich meine Kinder ansehe, die plötzlich wieder viel mehr zu lachen scheinen und auf einmal mit eigenen, kleinen Ideen zu mir kommen, die Bügelperlen-Kiste anschleppen und stundenlang zusammen bunte Bilder puzzlen, sich zusammensetzen, als grosse, friedliche Runde, um zu zeichnen und zu malen, farbenfroher als auch schon, habe ich das Gefühl, befreiter und grossflächiger und vor allem entspannt, geerdet. Jetzt, wo ich selber mich wohler fühle in meinem metamorphen Zustand, gibt es wieder so viel Raum für ein jedes von ihnen, Raum und Kraft und Zuwendung, die jedes so sehr braucht, um sich geliebt und geborgen zu fühlen. Mit jedem Lachen, jeder Zeichnung, jedem Bügelperlenbild, mit jeder dieser friedlichen, innigen Momente, wird mir leichter ums Herz.
Vielleicht bilde ich es mir nur ein, aber ich empfinde uns alle wirklich als… wachgeküsst.

Veröffentlicht unter aus meinem tagebuch, berührt, besondere Tage, Dankbarkeit, Familienalltag | 9 Kommentare

berührt: Überraschung

“Berührt” heisst für mich;
Einmal pro Woche möchte ich mein Augenmerk auf all die Dinge und Momente richten,
die mich wirklich berühren.
Wo mich etwas  inspiriert, anrührt, wo ich fühle, spüre, zum Denken komme.
Wo sich etwas bewegt, innen im Verborgenen oder ganz greifbar und sichtbar vor meinen Augen.
Mal voller Freude, mal nachdenklich oder sentimental, mal montags, mal sonnabends, wortreich oder stumm…
So wie es im Augenblick gerade richtig scheint.
(Und wer immer mitmachen möchte, ist ganz herzlich eingeladen.)

DSC_6622
Es ist einer dieser nicht so guten Schwangerschaftsmomente. Ich ringe mit meiner Übelkeit und der offensichtlichen Unfähigkeit, eine einigermassen entspannte, zufriedene oder immerhin tapfere Schwangere im ersten Trimester zu sein und versuche, nach langer, aber wirklich langer Computer-Abstinenz, ein Mindestmass an Ordnung in meine E-Mail-Liste zu bringen. In Rekordzeit, wenn möglich, aber was sein muss, muss sein.
Meine Kleine spielt bei mir mit Steinen und einem alten Setzkasten, die Jungens sind in der Schule. Plötzlich taucht mein Mädchen neben mir auf.
“Tut mir leid”, nuschle ich zwischen zwei falsch getippten Buchstaben und in Gedanken gerade ganz wo anders (Multitasking ist nicht unbedingt meine Stärke), “Tut mir leid, mein Kind, aber im Moment habe ich wirklich keine Zeit für dich. Nur noch diese E-Mail, okay? Dann komme ich gleich zu dir. Versprochen. Es dauert bestimmt nicht mehr lange.”
Sie verschwindet, ich tippe weiter. Bis sie wieder auftaucht. “Komm aber bald”, sagt sie, “Es ist nämlich eine Überraschung.”
Dieses Szene wiederholt sich noch ein paar Mal; Sie steht plötzlich neben meinem Laptop, wortlos. Und geht wieder. Genauso wortlos. Ich tippe und klicke und bin dann endlich fertig. Ich stehe auf, nehme meine Kleine auf den Arm und mache mich auf den Weg. Hin zu meiner Überraschung.
Und das finde ich vor:
Ein frisch gebettetes Bett, das vorher ganz bestimmt noch keins war, mit Decken und Kissen, die kurz zuvor noch an allen möglichen Orten im Zimmer gelegen hatten -auf dem Boden, über dem Sessel, im offenen Fenster zum Auslüften- alles mühsam mit kleinen Kinderhänden zusammengesammelt und auf der Matratze ausgebreitet, mit vollem Körpereinsatz wahrscheinlich, nach bestem Wissen und liebevoll zugeordnet. Auf den Kissen liegen Zeichnungen, die ich bisher noch nie gesehen habe, schlichte, blaulinige Kugelschreiberbilder auf grossen, weissen Bögen. Daneben mein Mädchen.
“Siehst du, der Drache hier auf Papas Kissen, der ist für Papi”, sprudelt sie hervor. “Er kann fliegen und Feuerspeien. Und das hier, das ist ein Einhorn, ein grosses, eine Einhornmutter, das bist du, und hier, gleich daneben, das Einhornkind, für E. (die kleine Schwester), ich habe extra das kleinste Kissen für sie hingelegt, so haben alle ihren Platz. Eine schöne Überraschung, findest du nicht auch, Mama?”

Also ganz ehrlich; von dieser Art Überraschung kann ich gar nie genug bekommen!

Veröffentlicht unter aus meinem tagebuch, berührt, Dankbarkeit, ein Bild erzählt, Familienalltag, Kinder | 10 Kommentare

Herbst auf dem Fensterbrett

Also… heute bin ich fast ein bisschen sprachlos… Ich meine… DANKE ihr Lieben! *überwältigt-ein-Tränchen-wegblinzel*
So wahnsinnig viele, überwältigend liebevolle, mit-freuende, Mut zusprechende und ganz herrlich optimistische Reaktionen auf einen einzigen Babybauchpost von mir hin!
Und der fiel ja, offen gesagt, nicht unbedingt so beschwingt und fröhlich aus, wie ich selber ihn mir gewünscht hätte… Weil diese ersten Monate tatsächlich viel zu viel Düsternis und Schwere an sich hatten, viel mehr als mir lieb war, das ganz bestimmt. Rosa Posts sind mir auch lieber, gerade wenn es ums Kinderkriegen geht- wenn sie von Herzen kommen und auch wirklich so erlebt werden. Aber mit jedem Tag fällt ein klein wenig dieser Schwere von mir ab. Die Sonne kehrt wieder; Ein kleines bisschen mehr Appetit. Eine halbe Stunde länger, in der mein Magen ganz still und zufrieden bleibt. Neue Energie an einem neuen Tag. Eine halbe Stunde Stricken mit vollem Elan. Die plötzliche Lust, auszugehen, beim Trödler zu stöbern (nach Wochen zum ersten Mal!), uns etwas ganz Besonderes zu kochen… Mein Körper gewöhnt sich an seinen winzigkleinen Bewohner. Er findet sich neu ein in seinen Aufgaben, entspannt sich, wird wieder kräftig und gesund und jedes dieser kleinen Schrittchen ist wie ein Wunder für mich, das mich erfüllt bis in die hinterste, kleine Ecke. Die Welt sieht so viel schöner aus, von einem “zufriedenen” Körper aus betrachtet. Und die Freude findet plötzlich wieder viel mehr Raum zum Scheinen und Strahlen.
Erstaunlich eigentlich, wie stark Körper und Seele miteinander verbunden sind und wie gross der Einfluss ist, den sie wechselwirkend aufeinander haben…

DSC_6697
Der Herbst fand bisher eigentlich ohne mich statt. Zum allergrössten Teil. (Im Bett sind alle Jahreszeiten gleich, schätze ich.) Und obwohl ich jedes Krümelchen an Herbstgefühl gierig in mir aufsaugte, sobald ich es nach draussen schaffte -in den Wald, auf den Spielplatz unter den Kastanien,  vorbei an den bunt belaubten Bäumen unsere Strasse auf meinem Weg zur Post oder zum Bahnhof, all das äusserst sporadisch aber genau darum umso eindrücklicher- kommt es mir so vor, als würde es erst jetzt richtig Herbst werden für mich.
Auch unser Jahreszeiten-”Tisch” bekam für eine ganze Weile nicht besonders viel Aufmerksamkeit von mir. Es blieb -anders als auch schon- den ganzen Sommer über leer und verlassen. Keine Blumen, kein Spitzendeckchen, nur das nackte, braune Holz des Fensterbrettes. Es war ganz stimmig so für uns. Irgendwie fehlte allen der Blick für diese kleine, normalerweise sehr geliebte Ecke unseres Hauses, anderes war einfach wichtiger in dieser Zeit, das Leben ohnehin verlagert in ganz andere Richtungen.
Aber jetzt… Jetzt, wo mir so vieles wieder ganz neu ins Auge fällt, das Licht am Morgen, Eicheln draussen am Wegrand, die wunderschönen, umfilzten Regenbogen-Steine von “Fairyfolk”, in die ich mich vom Fleck weg verliebt hatte (auch die vielen Filzperlen und die Filz-Eicheln sind von Fairyfolk)… Jetzt packt mich auf einmal die Lust, in meinen Kisten zu wühlen, Filztiere und Handgemachte Kostbarkeiten hervorzuholen, Naturschätze und einen Haus von Herbst von draussen mit nach Hause zu bringen und all dem ein Plätzchen zu schaffen, ein herbstlich gemütliches Plätzchen…

DSC_6643 DSC_6646 DSC_6651 DSC_6653 DSC_6657 DSC_6658 DSC_6664
Jede Jahreszeit ist ein kleines Wunder für mich. Und diesem Wunder hier, in meinem Zuhause, eine eigene Nische zu schaffen, mit Hilfe meiner Kinder am liebsten, die eifrig sammeln, basteln (oder auch einfach spielend “umarrangieren” *zwinker*) ein wenig zu nuuschen und zu bäschelen und meine eigene, kleine Winter-/Frühlings-/Sommer-/Herbstwelt entstehen zu lassen… das gehört zu meinen ganz persönlichen Hausfrauen-Lieblingsfreuden.

Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...
Veröffentlicht unter Dankbarkeit, Familienalltag, Jahreszeiten, kreativ am Rande, kreativ mit Kindern, kreative Ideen, Zuhause | 11 Kommentare