Monatsarchive: Juni 2014

Wochen-Ende: Nur kurz

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An diesem Wochen-Ende…

… wohnte die kleine, kanariengelbe Krabbenspinne, die ich samstagmorgens auf einer meiner Nachtkerzen im Garten gefunden hatte, zwei Tage lang bei uns, auf einem Büschelchen weisser Wilde-Möhren-Blüten. Nur so zum Test und aus reiner Neugierde: Schafft sie es wirklich, ihre Körperfarbe so stark anzupassen? Von Knallgelb zu Grün-Weiss? Bisher ist sie … na, sagen wir mal grünlichgelb. Aber so oder so; Heute nacht darf sie wieder nach Hause, zurück in ihren Garten, zu den Nachkerzen. Schönes Tier.

… gab es die allerersten Kirschen des Jahres, schöne, dicke, unglaublich satt-dunkle Bällchen, die herrlich knacken, wenn man hineinbeisst und wo einem der Saft in feinen, auberginen-farbenen Linien über den Bauch läuft, wenn man zwei ist und isst wie ein Kind, mit allen Sinnen und vollem Körpereinsatz. Süss.

… habe ich die dicksten Beeren von unseren Cassis-Büschen gepflückt und Sirup eingekocht. Genau eine einzige Flasche voll. Aus einer recht schweren Schüssel, an der ich eine halbe Ewigkeit gesammelt habe. Aber es schmeckt herrlich. Cassis-Sirup ist mit das Beste, was ich mir vorstellen kann aus diesen Beeren. Ich mag ihn sehr- und habe trotzdem die ganze Flasche verschenk. Zusammen mit dem ersten, kleinen Glas Stachelbeer-Gelee (diese Stacheln! autsch!), mit dem Zugbeutel (aus demselben Stoff und nach derselben Anleitung wie dieser hier) und der kleinen, bestickten Filz-Brosche, die ich schon seit einer Weile fertig hatte. Alles, alles für meine Mama, die Beste aller Besten, die heute Geburtstag hatte. Wie schön, wenn man so richtig von Herzen geben kann. Wie schön aber vor allem, dass sie da ist in meinem Leben.

… stand ein kleiner Strauss Gartenblumen auf dem weissen Regal in meiner Küche, gepflückt von meinem Mädchen, umzingelt von allerhand Krimskrams, und ich fand es so schön, dieses Stilleben aus Blüten, Blümchentassen, handgetöpferten Schalen und zwei der Metall-Schilder, in die ich mich dann und wann vergucke. Ich musste es fotografieren. Eine Hommage an die kleinen Schönheiten des Alltages. Genau wie der Regenbogen, der sich heute abend über die Dächer spannte. Licht aus dem Regenwetter. Perfektion im Dämmerlicht.

“Heute nur kurz”. Ich fange viele meiner E-mails so an- und meistens wird dann doch ein halber Roman daraus. Kurzfassungen scheinen einfach nicht meine Stärke zu sein… Aber trotzdem: Heute nur kurz. Weil, ich wünsche mir heute abend nichts sehnlicher, als dieses Wochen-End-Gefühl noch ein klein wenig mehr auszudehnen, mich vor meinen Laptop zu verkrümeln, ein weiteres Hörbuch mit Hercule Poirot anzuklicken, mein Strickzeug zu schnappen, mir ein Tässchen selbst gesammelten Melissen-Tee einzuschenken und noch ein wenig weg zu dämmern in die letzten dieser guten, satten Wochen-End-Stunden…

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berührt: exotisch

“Berührt” heisst für mich;
Einmal pro Woche möchte ich mein Augenmerk auf all die Dinge und Momente richten,
die mich wirklich berühren.
Wo mich etwas  inspiriert, anrührt, wo ich fühle, spüre, zum Denken komme.
Wo sich etwas bewegt, innen im Verborgenen oder ganz greifbar und sichtbar vor meinen Augen.
Mal voller Freude, mal nachdenklich oder sentimental, mal montags, mal sonnabends, wortreich oder stumm…
So wie es im Augenblick gerade richtig scheint.
(Und wer immer mitmachen möchte, ist ganz herzlich eingeladen.)

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Gesehen bei einer meiner Bauernhaus-Besichtigungen
(wie ich sie ab und zu so mache, man hat ja sonst nichts zu tun *hüstel*):

ein kleiner, verwilderter Blüten-Büschel (Hornveilchen?)
als einziges, lebendiges Fleckchen
grün-violett
inmitten einer steinigen, ausgemergelten, und vollkommen hart getretenen Einöde
Leben in der Wüste sozusagen, selbst ohne Oase
wie unglaublich tapfer

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Louisa Dress

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Zuerst wollte ich heute einfach mal Blau machen, Blog-Blau, aber dann kam mir in den Sinn, wie sehr sich dieser Post hier schon verspätet hat, wie sehr sich dieses Kleidchen hier schon verspätet hat, und irgendwie sitze ich jetzt doch wieder am PC und tippe meine Zeilen… Darum; Heute, hier und jetzt; mein Louisa Dress. Voilà.
Dass ich das noch erleben würde, hätte ich in manchen Momenten seiner Entstehungs-Geschichte ja kaum zu hoffen gewagt, so ehrlich muss ich schon sein. Zeitweise schien der Saumripper fast schon angewachsen zu sein an meinen Fingern, so oft und ausdauernd musste ich meine Nähte wieder auftrennen. Die paspelierte Tasche -das Schmuckstück dieses Kleidchens und eine wirklich, wirklich süsse und charmante Idee von Marte!- habe ich zunächst ganz falsch gemacht, genäht durch alle Lagen, kreuzverkehrt also, aber ich war mir so sicher dabei, sonderbarerweise. Nun, zum Glück macht Übung den Meister, und heute fühle ich mich immerhin als echter Auftrenn-Profi. Ein prima Gefühl. Sehr patent.
Weniger patent kam ich mir beim Nähen vor. Nicht weil die Anleitung nicht gut wäre, nein, sondern schlicht und ergreifend darum, weil die Frau Kirschkernzeit mit ihrem ganz offenbar nicht vorhandenen Talent fürs Lesen technischer Details, der immerzu gährenden Unruhe in diesem Haus und ihrer offensichtlichen Unfähigkeit, sich bei all dem auch noch einigermassen konzentrieren zu können, für richtiges Nähen, fürs echte Kleider-Nähen einfach noch nicht bereit ist. Oder sagen wir, ganz bestimmt nicht, wenn sie unter Zeit-Druck steht.
Andererseits; ohne Martes “Louisa”-Aktion mit uns Bloggerinnen, und ohne jenes fixe Datum, an dem meine Louisa-Version eigentlich hätte vorzeigbar sein sollen, wäre es vielleicht gar nie zu diesem Kleidchen gekommen. Sehr wahrscheinlich nicht, so wie ich mich kenne. Dinge, die mir anspruchsvoll vorkommen, schiebe ich klassischerweise immer Ewigkeiten vor mir her. Bis irgendwann. Und bei diesem niedlichen Mädchenkleid wäre das wirklich, wirklich schade gewesen.

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Was ich besonders mag am Louisa-Dress, ist wie gesagt, die ganz raffiniert konstruierte Schürzen-Tasche, die auch dann nicht am Kleidchen ziept, wenn sie vollgestopft ist mit Kinderschätzen. Und ich mag die dreiviertel-langen Ärmel, weil ich so was noch nie gemacht habe bei einem Kleidchen, und weil diese Länge einfach herrlich zu sein scheint für all die Zwischenzeiten des Jahres, auch für kühlere Sommertage und für den Winter -mit einem Strickjäckchen oder so getragen- sowieso. Ich mag die Paspel-Partie (ging ganz einfach, mit einem zweckentfremdeten Schrägband in meinem Fall). Ich mag den Stoff (Anna Maria Horners “Little Honey” aus “Little Folks” einer ihrer bisher allerschönsten Kollektionen). Ich mag auch das weisse, weiche Unterkleidchen (aus einem meiner alten Nachthemden) und den eingesetzten Reissverschluss am Rücken.
Obwohl ich gerade beim Unterkleidchen und dem Reissverschluss lange Zeit gezögert habe. “Little Honey” ist so ein schönes, leichtes und einmalig kühlendes Material, und ursprünglich schwebte mir ein Sommer-Flatter-Kleidchen daraus vor, direkt auf der Haut getragen, so sanft und fliessend wie eine kühle Sommerbriese. Aber bei der General-Anprobe befand mein Mädchen die Nähte als zu kratzig und insgeheim war ich sogar froh darüber, weil ich mir bei ordentlich gefütterten Sachen immer unverschämt (und unverhältnismässig) professionell vorkomme. Der Reissverschluss wiederum hätte ja nahtverdeckt sein sollen (das wäre vielleicht profimässig gewesen, Junge, Junge), aber irgendwie kam mir das Kleidchen recht schmal geschnitten vor, selbst an meinem ziemlich schlanken, geschmeidigen Kind und ich dachte eine ganze Weile darüber nach, statt dem satt abschliessenden Reissverschluss eine variablere, dehnbarere Variante zu wählen. Bindebänder zum Beispiel. Oder Häkchen mit kleinen Ösen, wo man das eine oder andere offen lassen kann.

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Aber zu guter letzt, nach sehr, sehr, sehr viel Nachdenken und Forschen und Grübeln, kam ich zurück auf den guten alten Reissverschluss, beliess es aber dabei, die bereits fertig genähte und verstürzte Seitenkante wieder aufzulassen, einen (diesmal blauen!) Reissverschluss zwischen die Lagen zu schieben (ein bisschen nach unten versetzt für etwas mehr Weite beim Hals-Ausschnitt), ihn anzuheften und dann von Hand mit kleinen Rückstichen fest zu nähen.
Diese Nähte sieht man natürlich, aber das macht mir nichts aus, im Gegenteil; Ich spiele gerade mit dem Gedanken, ein bisschen entlang der Halskante zu sticheln, nur so zum Spass und für ein bisschen extra Handmade-Flair…

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Mein Mädchen trägt ihr neues Kleidchen mit Stolz. Und ich bin erleichtert, ermutigt und voller neuer Pläne: Mein allerliebstes Strickcafe hat neu Liberty-Stoffe im Angebot! Liberty-Stoffe! Mit Blümchen! Zuckersüss und so herrlich nostalgisch! Vielleicht für ein Louisa-Kleidchen mit einem Touch Sommerblumenwiesen-Romantik? Hm…

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Wochen-Ende: wie Schirmblumensamen

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Wieder eine Woche um, wieder ein Wochenende, über das die Nacht hereinbricht… Ich habe aufgehört, zu zählen. In letzter Zeit vergesse ich oft, welchen Wochentag wir haben, welchen Monat, welches Datum. Im Löwensommer scheint die Zeit gleichzeitig still zu stehen, zu verpuffen wie Seifenblasen und eins schliesst das andere nicht aus. Wie sonderbar. Leben wie auf Schirmblumensamen, langsam aber stetig auf dem Weg nach irgendwo.
Ich bin so rasch so schrecklich müde, ganz gleichgültig wie viel oder wie wenig ich auch tue, je entspannter desto müder scheint es, ein weiters Paradoxon, das sich festsetzt in meinem Leben. Ich lechze nach Freiheit und Faulsein und bin irgendwie trotzdem unheimlich glücklich über jeden Handstreich, der überhaupt zustande kommt, und was gelingt, wird gefeiert, genossen, ausgekostet, gerade weil es nicht viel ist. Eine hübsch aufgeräumte Büro-Ecke mit einem angefangenen Wollpulli, aufgelassen bis über die Hüften -weil ich ihn zu eng fand und es mir keine Ruhe liess- bereit für einen zweiten Anlauf. Ein dicker Büschel Melisse, aufgehängt zum Trocknen. Ein Louisa-Kleidchen. Fertig (ja, fertig!!!). Mit Reissverschluss und allem, getragen sogar zum allerersten Mal (nur ohne Blogpost bisher, aber der kommt noch, versprochen). Wäsche an der Leine, sauber, adrett.
Ein guter Start in eine neue Woche.
Ein Wochenende wie dieses macht mir wieder einmal bewusst, wie sehr ich mir Sommerferien herbei-sehne. Zeiten, die rein nur unseren Stempel tragen, ausgebeinelt aus dem Stundenplan-Korsett (obwohl genau das natürlich auch jedes Mal seine Tücken hat). Mit Zeit für lange Morgenschläfchen, Zeit für spätnächtliches Blogpostgetipsel (ups, halb eins schon bald wieder…), Zeit für alles und nichts, auch für ein bisschen Stricken und Nähen, hoffe ich, wünsche ich, Zeit mit meinem Mann an meiner Seite, der -für eine wie immer viel zu kurze Weile- ein wenig mittragen kann von dem, was tagtäglich so anfällt. Gemeinsam wiegt alles viel weniger, finde ich. Dafür fliegt die Zeit noch schneller. Freie Tage schweben immer pusteblumenleicht dahin.
Das Wochenende ist vorüber. In ein paar Stunden; bereits wieder Montag.

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