Monatsarchive: Mai 2014

In meiner Vorstellung…

… tragen Landfrauen wallende Röcke und kleine Landmädchen süsse, lufige Kleidchen. Und Kopftücher. Alle. Lange Zöpfe blitzen darunter hervor, dick und satt geflochten, oder es sind Lausemädchen-Kringel-Löckchen, die sich nicht bändigen lassen wollen und im Sonnenlicht schimmern wie Gold-Dukaten.

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Ich stelle mir vor, wie auf dem Feld das Heu gerecht wird, mit Rocksäumen bis zum Knöchel oder barfuss unter den kürzeren Mädchenkitteln. Schafe blöken beim Heimkommen abends auf der Weide, sie betteln um Möhren oder ein paar Streicheleinheiten. Wäsche tropft von langen Leinen im Garten. Wenn es windet flattern Hemden und Bett-Tücher, als wären sie lebendig geworden und die Rocksäume schnellen entsetzt hoch, sobald sich eine freche Böe zu ihnen verirrt. Erbsen werden ausgepuhlt, Bohnen beim Klatschen und Tratschen entfädelt, vom Hollerstrauch kommen dicke Blütendolden ins Zuckerwasser, für Flaschen, voll mit hellgelbem Holundersirup bis zum Rand. Und wenn Obst eingekocht wird, dann kräuseln sich die Löckchen unter’m Tuch und der dicke Zopf wiegt schwer zwischen den Schulterblättern.
Niemals schmeckt der Tee besser als in der einbrechenden Abend-Dämmerung, wenn die Grillen zirpen, die Kinder unter ihre Decken kriechen, der Wind im Holunder spielt und nach getaner Arbeit alles von Frieden spricht, mit einer heissen Tasse süssem Tee in den Händen, auf der Bank vor dem Haus, das Kopftuch gelöst und mit offenem Haar…

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Natürlich ist das alles lächerlich romantisch und absolut weltfremd und unrealistisch. Aber schön. Sehr schön. Und beim Träumen gelten andere Regeln. Meine Regeln gegen jede Vernunft.
In Tat und Wahrheit ist es ganz anders, das Landleben, ich weiss. Auch mein Leben, so wie es aussieht heute. Das Bauernhaus fehlt mitsamt seinem Bänkchen, hier gibt es weder blökende Schafe noch Heu-Ernten für mich, dafür rauschender Verkehr rund um die Uhr, und obwohl der Holunder gerade herrlich blüht und himmelweit duftet wie der junge Frühling, obwohl die Hemden draussen an der Leine winken und ich zum Sirupkochen und Obst-Einmachen nicht auf die Erfüllung meines Traumes zu warten bräuchte, spüre ich, dass es einfach nicht dasselbe wäre. Noch ist es nicht soweit.
Aber, ich weiss; Da ist ein Gärtchen und da sind Blumen. Ein dicker Zopf in meinem Rücken. Ein Lausemädchen mit Kringel-Löckchen, barfuss unterm Bullerbü-Kleidchen. Und da ist ein Kopftuch, frisch genäht für mein Landkind, aus einem Rest Sternchen-Stoff (“Tilda Star Grey Brown”), nach einer Anleitung aus “Carefree Clothes for Little Girls” (wie schon die Meerjungfrauen-Tunika und das ärmellose Rüschnenkleidchen).

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Für einen Hauch von Landleben und Bullerbü-Romantik im alltäglichsten Alltag.
Genau wie in meinen allerbesten Träumen.

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Dankbarkeit: kleine Boten des Glücks

Ich arbeite da an ein paar kleinen Dingen. An manchen intensiver, an anderen mehr sporadisch, aber im Moment fühle ich mich mehr als nur hingezogen… richtig gefesselt vielmehr von allem, was durch zwei Hände zum Leben erweckt werden kann. Es kommt mir so einfach vor gerade, das mit dem Glücklichsein…

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Ein paar Dinge sind schon richtige Langzeit-Wegbegleiter geworden -wie die blauen Socken aus Brigittes Wolle, an denen ich schon seit Monaten und Monaten stricke, immer nur häppchenweise und nie lange an einem Stück (das wird wohl auch der Grund dafür sein, dass ich immer noch bei Socke Nr. 1 festsitze). Anderes entsteht im Kraftfeld einer spontanen Idee, einfach, weil einem die Lust packt und nicht mehr loslässt. Die schlichte Filzbrosche zum Beispiel, nach Tiny Happys Vorbild (wobei ihre viel hübscher sind, ungelogen, und das freut mich im Grunde, denn Original soll Original bleiben, hab’ ich recht) Oder wie die umfilzten Steine, die die Kinder und ich am letzten Wochenende gemacht haben, bei Sonnenschein und sanftem Frühlingswind, und wo der eine Stein, den ihr auf den Bildern seht, der Violett-Türkisfarbene, unser Haus bereits wieder verlassen hat *snif*, weggeschenkt von meinem Mädchen, der spontansten Verschenkerin, die ich kenne. (Kurze Anleitungen zum Steine-Umfilzen findet ihr übrigens u.a. bei den Naturkindern oder als Regenwetter-Idee in der Wachstumsschubalde. Ich selber habe die Idee aus einem der alten Ravensburger Bastelbücher.)

Am kirschfarbenen Raglan-Jäckchen arbeite ich noch immer, und “arbeiten” ist hier auch wirklich das richtige Wort, denn ich betreibe mittlerweile echte Studien damit, übe mich im Zerschneide (huh!)  von Gestricktem und im Wiederzusammenfügen, lerne, dass man ein Strickstück tatsächlich in 2 Richtungen stricken kann, nicht nur (wie ich bis anhin glaubte) von unten nach oben, sondern auch von oben nach unten, und ich gfätterle und schwitze wie Kind1, wenn er seine ferngesteuerten Fahr-und Flugvehikel auseinander nimmt (im Moment hat er sich in der alten, ungenutzten Küche unterm Dach eine kleine Werkstatt eingerichtet. Süss!)
Es macht Spass, ich kann die Welt und all den Rest so wunderbar vergessen dabei, aber es braucht auch Zeit, sehr viel Zeit. Die vorletzte und vorvorletzte Nacht sass ich bis weit nach Geisterstunde in einem Meer aus abgeschnittenen, gekräuselten, kirschroten Fäden, neben mir ein offener Laptop, der mich ununterbrochen mit Youtube-Strick-Videos speiste… Gestern dafür war ich vollkommen ausggelaugt und so müde, dass ich meinen 2-Tages-Blogpost-Rythmus einfach verschlief…

Dafür stehle ich mich heute, in einer kurzum organisierten Mittagsruhepause (wie es sie sonst kaum je gibt in diesem Haus) an den PC. Und tippe. Und sortiere Fotos. Und freue mich schon wieder auf den Abend, wenn es dämmert und Ruhe einkehrt und es Zeit wird für mich und diese kleinen Dinge, an denen ich arbeite. Und die mir wie Sternschnuppen vorkommen, funkelnd und lichtbringend, kleine Boten der Glücks.

Veröffentlicht unter Dankbarkeit, kreative Ideen, Nähen, Stricken, what makes me happy | 6 Kommentare

this moment: Kinderspiel

Nach einer Idee von Soulemama: eine Erinnerung, ein Bild, vielleicht nur wenige Worte.
Um Luft zu holen und die Erinnerung zu bewahren.

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bestes Spielzeug

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diesmal mit Schmetterlingen

Es ist längst kein Geheimnis mehr; Meine Selbstbeherrschung lässt zu wünschen übrig bisweilen. Vor allem, wenn mir ein besonders hübscher Stoff ins Blickfeld gerät. Oder Wolle mit dem gewissen Etwas (gerade in diesem Augenblick kämpfe ich wieder gegen mich an, mit der Strickcafe-Site im Hintergrund offen… da ist so ein weicher, sanft gewölbter Strang Wolle zu sehen in diesem betörenden Nachthimmelmeeresblau… Madelintosh. Hach… stark bleiben, Bora, stark bleiben…)
So ging es mir auch damals beim Kirschkern-Spucken-Stoff, dem Sanftblauen mit seinen prall-roten Kirschen und dem fast versteckten, kleinen, weissen Mäuschen drauf, das so spitzbübisch mit Kirschkernchen um sich spuckt (von Kissa). Daraus wurde dann mein erstes “Crossover Tee” (aus Meg MCElvees Buch “Growing Up Sew Liberated” , das es auch auf Deutsch zu kaufen gibt mit dem Titel “das Mama-Nähbuch”).
Ich liebte den Stoff, nun liebe ich das Shirt aus dem Stoff (und den Stoff. Noch immer.)

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Dass ein zweites “Crossover Tee” entstehen würde, war … unweigerlich, so quasi Karma (okay, schlecht gewählt, dieses Wort, aber es fiel mir grade so ein) und nur eine Frage der Zeit. Allerdings blieb der Rauschkauf, was den Stoff anging, dieses Mal aus.
Da gibt es Hunderte von herrlichen bis herrlichsten Stoffen, mit Blümchen und Pastell und Streifen und einem Stückchen Sternenhimmel (ehrlich. Der hier zum Beispiel ist doch einfach fabelhaft, nicht?) und ich kann mich kaum sattsehen an all der Schönheit. Doch meistens ist es Baumwolle, gewoben und stabil. Stretch-Stoffe, Interlock, Jersey, und wie sie alle heissen, kommen mir viel rarer vor und irgendwie oftmals auch weniger charmant als Stoffe aus Popeline, Cotton Lawn, Flanell oder Voile.

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Trotzdem fand dieser weiche, sanfte Schmetterlings-Interlock-Stoff hier (auch von Kissa, bestellt beim Strickcafe) seinen Weg zu mir, zu guter Letzt, inspiriert von Jennifer, der begeisterten und mit unglaublich viel Herzblut arbeitenden Puppenmacherin vom “Puppenhandwerk Pärsch”; Als ich das einfach hinreissende Kleidchen sah, das sie daraus für Neles Puppe geschneidert hatte, mit Rüschen und Täschchen und einfach nur *Hach*, da war es um mich geschehen. Schon wieder. Ja, diesen Stoff musste ich haben (am liebsten gleich MIT Püppchen, klar, aber wir üben uns ja hier in Selbstbeherrschung *hüstel*).

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Und vom Stoff zum Crossover Shirt – ein klein wenig verändert, ohne das Ribbing-Band am unteren Saum, mit gekürzten Ärmeln und erst nach dem Zusammennähen angebrachten Ärmelbündchen (ca. 8.5cm/17.5cm)-  war der Weg nicht mehr weit.
Sie passen zusammen, finde ich. Schmetterlinge in Altrosa und ein schlichtes, weiches Shirt, geschaffen zum Wohlfühlen und die Seelebaumelnlassen. Und dazu mein Lausemädchen, das es fertigbringt, selbst im gleissendsten Sonnenschein noch mit Gummistiefeln (Knallorange!) daher zu kommen…

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Wenn schöne Dinge ein gutes Plätzchen finden… dann macht mich das so richtig
von Herzen froh.

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