Monatsarchive: Februar 2014

this moment: Nach dem Stricken

Nach einer Idee von Soulemama: eine Erinnerung, ein Bild, vielleicht nur wenige Worte.
Um Luft zu holen und die Erinnerung zu bewahren.

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just
fulfilled

PS. Nicht nur meine fertige Jacke, auch eure lieben Worte haben mich mit ganz, ganz viel Freude erfüllt! Vielen, vielen herzlichen Dank für jedes einzelne davon! Ich lese eure Kommentare immer ganz begierig und bin jedes Mal ganz gerührt, dass sich jemand jetzt extra Zeit nimmt, um mir ein paar persönliche Zeilen zu hinterlassen (vor allem, weil ich selber ja nur noch wenige Blog-Runden fertig bringe)… Das ist für mich immer wieder ein reines Wunder, wisst ihr, und alles andere als selbstverständlich. Darum: Danke! Danke! Danke!
Ach ja… als ungemein erfüllend empfinde ich auch das kleine, dicke Bündel auf meinem Arm. Schwer und knuddelig und einfach zum Anbeissen…

Veröffentlicht unter Augenblicke, Dankbarkeit, Familienalltag, Stricken, this moment, what makes me happy | 5 Kommentare

Für mich.

Ich bin ein Mensch, der sich vollkommen verströmt. Jemand, der alles, wirklich alles gibt für seine Familie, alles bis zum allerletzten Tropfen “Ich”. Und irgendwann ist es dann zu viel, oder zu wenig vielmehr, zu wenig, das übrigbleibt für mich selber. Ich falle aus mir selbst heraus, wie ein Bild aus seinem Rahmen. Ich werde dünn, sehe müde aus, verbraucht, meine Nerven liegen blank und mir ist, als würde sich mein Leben vor mir auftürmen wie bedrohliches Gestrüpp, woraus es kein Entrinnen gibt, bloss kämpferisches Durchkommen, Durchkraxeln, Durchbeissen. Dass ich den Punkt verpasst habe, wo Geben das gesunde Mass überschreitet, merke ich meistens erst zu spät.
Aber gottlob; Ich lerne. Ich lerne mit den Jahren und aus Riesenmengen an Fehlern (alle selbstgemacht), und jetzt mit meinem vierten Kind, merke ich, dass vieles, von dem, was mir früher schwer fiel, mir auf einmal leichter von der Hand geht, mehrheitlich deshalb, weil ich lernen musste, dass ich es niemals, tatsächlich niemals schaffen werde, perfekt zu sein. Termine absagen zum Beispiel fällt mir heute leichter. Zufrieden sein mit einem einfachen, schnörkellosen Lebens-Alltag. Die Kinder einmal so richtig wild durchs Haus toben lassen und innerlich ruhig bleiben dabei. Mein schlechtes Gewissen zum Schweigen bringen, wenn ich am Herd mal wieder versagt habe und einsehen muss, dass aus mir wohl niemals die umsichtige, engagierte, bewusst gesund kochende Mama werden wird, die ich mal werden wollte. Geduldig sein mit einem weinenden Baby, das -und es ist wirklich noch gar nicht lange her- Tag um Tag um Tag um Tag getragen werden will. Nachdrücklich bleiben, wenn mir etwas wichtig ist, selbst wenn ich mir kleinlich vorkomme dabei. Nachsichtig sein, wenn ich merke, dass ich ein Kind genau damit überfordere. Manches wird einfacher für mich. Anderes wird mir wohl niemals leicht fallen. Manches wohl auch gar nie gelingen.

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Muttersein ist unglaublicher Weg. Mit der Zeit meint man vielleicht, ihn zu kennen- doch dann nimmt er plötzlich eine scharfe Biegung, und alles ist anders. Mit jedem Kind auf ganz neue, andere Art und Weise, Kind für Kind, Phase für Phase.
Ich hatte nie das Gefühl, eine tolle Mutter zu sein. Aber jetzt, nach bald einmal 12 Jahren (unfassbar, nicht?), habe ich immerhin auch nicht mehr das Gefühl, eine absolut schreckliche Mutter zu sein. Ich sehe mich so: Ich bin einfach.

Ich glaube, etwas vom Wichtigsten für mich ist, offen zu bleiben. Auch offen für meine eigene Fehlerhaftigkeit. Zu lernen. Bereit zu bleiben, die Dinge neu, anders anzugehen und meinen Blickwinkel zu überprüfen, ohne allzu sehr zu vergleichen. Ich möchte nicht vergleichen. Nicht meine Kind mit anderen Kindern, nicht mich mit anderen Müttern. Vergleichen ist nichts Schlechtes an sich, denke ich. Aber es ist heikel. Man kippt zu leicht ins Extrem, macht die eine Seite zu klein, die andere zu gross oder auch umgekehrt, und wird doch meistens niemandem gerecht, denn wahrscheinlich haben alle ihre Stärken aber auch Schwächen und sind -wie alles Leben- eigentlich gar nicht wirklich messbar aneinander.

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Wichtig ist für mich aber auch; Mich selber nicht vergessen. Nicht so ganz und gar und so schonungslos, wie mein eigentliches Wesen es aus sich selbst heraus tun will. Sicher, für diese richtigen Ich-Momente, wo ich mir wirklich volle Stunden, Halbtage, Tage oder gar ein Wochen-Ende zugestehen würde, ganz alleine nur für mich und über Hindernisse und meine eigene, strenge innere Stimme hinweg, dafür reicht es nicht. Noch nicht. Aber es reicht für kleine, süsse Liebesdienste. Für Schokolade und Kekse und vom Kind eigens für mich gebackenen Kuchen (Mein Geheimtip: Streicht den Abwasch von Familien-Hausarbeits-Liste, und setzt einfach mal “Schokoladenkuchenbacken für Mama” dort ein. Zumindest ab und zu. Das tut vielleicht gut!). Es reicht fürs Hörspiele-Hören bis morgens um halb eins oder dafür, abends um halb zehn gleich mit dem jüngsten Kind ins Bett zu fallen und einfach so weg zu dösen, bis am nächsten Morgen dann. Fürs Wolle-Kaufen, wann immer ich mich in ein Knäuel verliebe, reicht es, fürs Stoffe-Shoppen einfach nur so, aus purer Freude. Und fürs Nähen und Stricken. Nicht nur für andere. Auch für mich selbst.

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So wie diese pflaumenrote, mollig weiche Strickjacke, die viele, viele Stunden in Anspruch genommen hat und einzig und allein für mich bestimmt ist. Dafür, dass ich es warm habe und kuschelig, und dass ich mich ab und zu ein bisschen hübsch fühlen darf.
Ich glaube, ich mag diese Jacke. Genauso wie Marta sie mochte (Wir haben uns -ganz unabhängig voneinander- sogar in dieselbe Wolle verliebt, in haargenau demselben Farbton!). Ich mag ihre Zartheit und dieses Schlichte, Angepasste, das weich wirkt und ehrlich und dank dem handgefärbten, unregelmässig versponnenen Garn (Drops Loves You # 3, verstrickt mit Nadel Nr. 4) trotzdem irgendwie eigensinnig. Die Kokosknöpfe mit der schönen dunkelbraunen Glasur (“Jim Knopf” vom Strickcafe) passen gut dazu, finde ich. Sie haben dasselbe unauffällig unaufdringlich Exotische an sich.
Das Strickmuster (leider namenlos; Drops 112-26) war wunderbar einfach und -bis auf zwei, drei Aufribbel-Passagen, weil ich zum Teil einfach zu müde war zum Stricken und zu unkonzentriert- eigentlich problemlos. Von den 500gr. Garn, die ich für diese Jacke vorgesehen hatte, blieb kein Fitzelchen mehr übrig, und hätte ich damals in einem meiner Wolle-Rausch-Einkäufe nicht gleichzeitig noch ein paar Strange mehr davon gekauft, für andere Projekte (wie dieses hier zum Beispiel), dann hätte ich irgendein anderes Garn anzapfen müssen, um die einzelnen Strickteile zusammen zu nähen. (Allerdings muss ich zugeben, dass ich die Jacke an sich sicher 3 cm länger gestrickt habe als angegeben. Ansonsten hätten 500gr. tatsächlich ausgereicht.)

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Ich denke, jedem von uns tut es gut, sich ab und zu Zeit zu stehlen, nur für uns ganz alleine. Zeit, Effort, Präsenz, nur um sich selber damit ein Geschenk zu machen. In diesem Fall hier wortwörtlich; ein Geschenk -pflaumenrot und mollig und zum Einhüllen-
von mir für mich.
Manchmal muss das einfach sein.

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Eine Mütze für ihn.

Herr Kirschkernzeit hat einen ziemlich klugen Kopf, mit aber leider immer weniger Haaren drauf. Was mich offen gesagt je länger je stärker beschäftigt, nicht weil ich haarlose Männer nicht attraktiv fände (das Gegenteil ist der Fall), sondern weil mein hochsensibler, weiblicher Umsorgungs-Instinkt mir eines sagt; Sie ist kalt, die Welt da draussen, eiskalt, besonders im Winter. Und wenn das dicke Fell fehlt, dann bekommt man das zu spüren, unweigerlich.
Nun, das dicke Fell fehlt (in doppelter Hinsicht). Und was es braucht ist klar; Liebe. Auch in doppelter Hinsicht. Einmal mit dem Herzen, einmal von Herzen und am besten kombiniert…

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Diese Mütze ist für Herrn Kirschkernzeit, den Mann an meiner Seite. Für Herrn Kirschkernzeit, den (für mich) einzig Wahren, the one and only. Eine Mütze in seinen Farben; Blau und Grau. Weil das einfach passt zu ihm.
Allerdings muss ich zugeben, er hat mich nicht direkt darum gebeten, für ihn zu stricken. An sich kann er sich, glaube ich, nicht so richtig erklären, warum wir Strickerinnen so viel Zeit und Konzentration auf etwas verwenden (=verschwenden), was wir sehr viel einfacher, je nach Material mitunter günstiger, möglicherweise sogar um einiges perfekter irgendwo kaufen könnten… Ausserdem mag er Mützen an sich gar nicht so gerne, weder gekaufte, noch selbstgemachte (mein Versuch mit der Sibirischen Version schlug leider fehl. Zu eng, zu dick. *snif*). Weil, die zerquetschen einfach alles, was sie an Frisur erwischen können, und manchmal kratzen sie ganz blöd an der Stirn. Und weil ein rechter Mann keinen Schmerz kennt und weder eisige Winde noch Ohrenstechen scheut, wanderte Herr Kirschkernzeit mit roten Ohren, aber ohne mit der Wimper zu zucken, durch Herbststürme, Wind und Wetter.
Ich runzelte derweil die Stirn, machte mir meine Gedanken und schmiedete heimlich Mützen-Pläne; Mögliche Farben; Blau, Grau, vielleicht etwas Braun oder Schwarz. Dünn sollte sie sein, seine Mütze. Damit sie ein Fall wird für die Jackentasche, stets griffbereit mit dabei, für den Notfall, sollten Sturm und Schnee selbst dem hartgesottensten Kerl zu brutal zu Leibe rücken. (Ich sage auch meinen Kindern immer; “Du musst sie nicht anziehen. Du musst sie bloss mitnehmen.”)
Dünnes Garn hatte ich in Hülle und Fülle, das meiste noch von Brigitte, aus ihrer Woll-Shop-Zeit und nach einer ausgiebigen Stöberrunde im Netz fand ich auch eine passende, wunderbar einfache und leicht verständliche Anleitung: Tatjanas einfache Umschlagsmütze. (Ich habe statt 21 cm 24 cm bis zu den Abnahmen gestrickt.)

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Das Stricken schien ewig zu dauern -klar, bei dünner Sockenwolle, feinen Nadeln und 132 Maschen im Entstehen, und ich hatte zwischenzeitlich schon das Gefühl, niemals mehr an etwas anderem stricken zu können als an dieser an sich wirklich sehr, sehr einfachen, schlichten Rippenmütze… Aber ich irrte mich. Gottseidank. Denn eines Tages war sie fertig. Blau und Grau und angenehm dehnbar, dünn wie ein Pfannkuchen, aber durchaus warm genug für den Fall aller Fälle, für Wind und Wetter und die Augenblicke im Leben, in denen einem Albert-Einstein-Wirrkopf-Frisuren von Herzen schnuppe sein dürfen.

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Was mich freut: Er trägt sie. Nicht nur in Notfalls-Fällen.
Und -was ihr hier nicht sehen könnt, weil der gute Mann gerade im Laden steht, Eiscreme kauft oder so was und sich vom Kind doublen lässt- sie sieht sogar gut aus an ihm. Und nicht nur an ihm; Auch Kind2 -der sich heimlich wohl ein kleines bisschen in die blau-graue Farbe verguckt hat- stibitzt sich Papas Strickmütze ab und zu aus der Mützenbox…

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Aber nur im Notfall, versteht sich. Im Ausnahmefall.
Von wegen hartgesottene Kerle und so.

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berührt: Medizin

“Berührt” heisst für mich;
Einmal pro Woche möchte ich mein Augenmerk auf all die Dinge und Momente richten,
die mich wirklich berühren.
Wo mich etwas  inspiriert, anrührt, wo ich fühle, spüre, zum Denken komme.
Wo sich etwas bewegt, innen im Verborgenen oder ganz greifbar und sichtbar vor meinen Augen.
Mal voller Freude, mal nachdenklich oder sentimental, mal montags, mal sonnabends, wortreich oder stumm…
So wie es im Augenblick gerade richtig scheint.
(Und wer immer mitmachen möchte, ist ganz herzlich eingeladen.)

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Ich weiss; etwas für sich selber tun, ist schwierig.
Aber elementar wichtig. Und einfach nur schön, schön, schön.

In dieser Woche gab es zwei ziemlich belastende Tage für mich, wo ich mich regelrecht durchschleppen musste, emotional verheddert und irgendwie als Mutter und Mensch durch und durch in Frage gestellt. Vor allem von mir selber. Natürlich. Aber das machte die Sache auch nicht unbedingt einfacher.
Ohne es richtig zu bemerken, sass ich dann plötzlich an der Nähmaschine, mit Kindern rings um meinen Tisch, einer unerbittlich Richtung Essenszeit hin tickenden Uhr und einem Haushalt, der nun wirklich ausser Rand und Band geriet, aber ich versuchte, meine Energien zu bündeln, trat auf das Gaspedal und schoss los, Richtung Zukunft, Richtung “alles wird besser”, Richtung “wir kennen das Ziel und werden das Kind schon schaukeln”.
Das war meine Medizin, das und das völlige Abblasen jeglicher Verpflichtungen. Nur noch ich, meine Familie und dieser geschützte Raum, den ich mir selber radikal frei halten wollte, fürs Nähen, fürs Stricken, fürs Werden-lassen, koste es, was es wolle.

Nun… es wirkte. Bestens sogar. Wie durch ein Wunder lösten sich die Knoten, es kam zu guten Gesprächen und ganz neuer Zuversicht, auch weil ich gemerkt habe, dass ich stärker geworden bin in meinen Jahren als Mutter, stärker und bestimmter und überlegter, und gleichzeitig auch feinfühliger, was die Gefühle anderer betrifft; Ich glaube, man wird milder mit der Zeit. Und versteht. So gut manchmal, so gut, sich selber genauso wie andere…
Und zu wissen, dass ich einen Weg gefunden habe, auch schwierigere Phasen für eine Weile lang einigermassen ruhig und geerdet zu überdauern, mit Nähen, mit Stricken, (mit Schlafen auch oder Lesen), bis es weitergeht mit allem, das wirkt beruhigend.
Ausserdem sind die Nebenwirkugen dieser Art von Therapie auch nicht zu verachten; Wenn man Glück hat, liegt einem nämlich plötzlich der eine oder andere lang gehegte Projekt-Traum fixfertig in den Händen…

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