Monatsarchive: Januar 2014

Wohlfühl-Sachen

In letzter Zeit denke ich ab und zu an England. An Sherlock Holmes‘ London im Nebel, ans Dartmoor und eine schöne heisse Tasse Tee in einer gemütlichen Landhausstube mit tiefer Decke und Schatten rund um ein flackerndes Kaminfeuer, an Bettsocken und gute Freunde und im Winterwind klappernde Fensterläden. Alles in mir lechzt nach ein paar Stunden im Bett, mit Knabberzeug und einem fesselnden Buch (gerade lese ich mit grossem Vergnügen „Das Haus der Freundin“ von Victoria Clayton, zum dritten Mal innerhalb von 10 Jahren). Gemütlichkeit ist wohl gerade genau das, was ich brauche, Gemütlichkeit und Zeit zum Vertrödeln und EsMirGutGehenlassen. Ich würde meine dicken Kissen aufschütteln, mir ein, zwei Quilts und meine gestreifte Wolldecke bis zum Kinn hochziehen, süssen Grüntee trinken und das Licht soweit dämpfen, dass ich die Buchstaben auf den Seiten gerade noch entziffern kann, es aber trotzdem schaffe, mich mitreissen zu lassen, fort von hier, fort von meiner Normalität, hin zu… irgendwohin, ins Land der Geschichten, wo einfach alles anders ist und mir darum so bereichernd und wohltuend vorkommt.

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Und natürlich würde keine Jeans tragen. Sondern Schlabberschlupf-Hosen, weich und bequem und absolut hinreissend anschmiegsam, von der Sorte, wie man sie seinen kleinen Kindern anzieht, von Geburt an, sofort, sich selber aber immer ein bisschen komisch vorkommt darin, wenn man sich dann so rauswagt, um die Zeitung zu holen oder -in meinem Fall, denn ich lese niemals Zeitung- zum Dorfladen rübergeht, um sich einen Kranz Brötchen und einen Liter Milch zu holen. Versteht mich nicht falsch; Ich bin ein absolut loyaler Schlabberschlupf-Hosen-Fan. Schlabberschlupf-Hosen sind super! Genial, frauenverstehend, befreiend und total solidarisch, im Grunde ja das einzig Wahre, wie ich finde… aber ich spüre, dass es schon ein wenig mehr Selbstsicherheit von mir verlangt, mich in diesem Aufzug nach draussen zu wagen, mit wogenden Hosenbeinen rein ins Getümmel, wo einem werweisswas erwartet, als mit Jeans, die straff und souverän sitzen und einem wie von selbst nahtlos eingliedern ins Massenblau der hosentragenden Menge. Sagen wir es so; mit Jeans fühle ich mich wie … eine von allen, wie eine, die dazugehört. Mit Schlabberschlupfhosen, egal wie gut geschnitten sie auch sein mögen, fühle ich mich wie… ich, wie ich, das Individuum, ein bisschen anders, ziemlich authentisch, unverhohlen ungeziert und ein wenig gammelig. Auch das ist gut, aber an Orten, wo ich mich sicher und daheim fühle definitiv entspannender als beim Lehrergespräch in der Schule…
Wie dem auch sei, just in diesem Augenblick trage ich gerade eine schwarze Jersey-Hose von Hess Natur, mit feinen Bundfalten und wirklich sündhaft teuer, aber so unglaublich bequem, dass ich sie niemals mehr ausziehen möchte und mich frage, warum man überhaupt Pijamas braucht, wenn man es doch jede Stunde des Tages so bequem und unverkrampft haben könnte…

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Kinder haben es hier ganz klar besser. Meine Mädchen zum Beispiel. Sie tragen Leggins unter Kleidchen, weiche Stoffhosen mit Flatterleibchen, Strumpfhosen mit abgeschnittenen (da hoffnungslos verlöcherten) Fuss-Teilen zu kunterbunten Patchwork-Jupes: Schlabberschlupf-Sachen also in allen möglichen (und gerne auch unmöglichen) Kombinationen. Und dabei sehen sie immer genau so aus, wie sie sind; frei und fröhlich, vom Wind zerzaust und ungestüm und zuckersüss, aber niemals, wirklich niemals irgendwie no go. Kinder tragen, was ihnen gefällt, worin sie sich wohl fühlen und fast ausnahmslos nur, was sich auch wirklich gut anfühlt auf ihrer Haut. Und sie machen damit das einzig Richtige, finde ich. So weit weg vom Mode-Diktat wie möglich, hin zu wirklich lebensfreundlichen Sachen, die den Körper wärmen und kleiden, ohne Besitz von ihm zu ergreifen. Das finde ich so wichtig. Und ungeheuer inspirierend und schön.
Darum nähe ich weiter. Für sie (und vielleicht auch für mich, eines Tages). Schlabberschlupf-Hosen. In lila zum Beispiel aus einem gefärbten Stück alter, seidenglatter Baumwoll-Bettwäsche. Auch wenn sie vielleicht manchmal nach Pijama aussehen. Und fülle die Mädchen-Schrank-Regale damit, so weit ich eben komme mit meiner Zeit und Energie. Neue Hosen sind hier jedenfalls stets willkommen, alle Naselang schon fast, wie mir scheint, so schnell wachsen diese schmalen Kinderbeine aus ihren Säumen heraus.

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Kinder, also damit könntet ihr euch eigentlich ruhig ein bisschen mehr Zeit lassen…

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auf dem Weg zur Langsamkeit

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Irgendwann im Verlauf des Jahreswechsels packte es mich; das Aufräum-Fieber. Ich spürte, dass es diesmal mit Staubsaugen und ein paar vom Boden aufgepickten Spielsachen nicht getan sein konnte. Ich wollte ran an die Front, hinein in den Kriesenherd und kämpfen und radikal für Ordnung sorgen… Und das tat ich dann auch (und tue es noch): Fast zwei Tage lang stand ich in meiner Gerümpelkammer, knöcheltief in Stapeln von Stoff, Knäueln von Wolle, umgeben von Kisten voller Kinderzeichnungen und alten Andenken. Manches wurde losgelassen, anderes umgepackt, neu sortiert und mit einer Idee versehen. Vor allem die alteren Stoffe in meinen Vorräten brauchen das, eine Idee, eine Bestimmung, denn so lange wie sie nun schon bei mir lagern, scheinen sie allmählich zu verschwinden wie ein Chamäleon, sich anzugleichen an mein Haus und zum Hintergrund-Acessoir zu werden, das einfach nur sein will, Staub ansetzend in meinen Regalen und niemals mehr in Frage gestellt wird.
Dabei will ich genau das; In Frage stellen, was ich habe. Brauche ich das? Möchte ich das wirklich? Warum? Wozu?
Müssten wir umziehen, ich habe keinen blassen Schimmer, wie all diese Dinge ihren Ort wechseln sollten. In Schiffs-Ladungs-grossen Mulden? In Baustellen-Lastern? Ich wäre gern ein bisschen leichter, was meinen Besitz angeht…

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Viele meiner Stoffe liegen mittlerweile in Stapeln bereit oder lagern in Kisten. Alte Kleider auch, mit schönen Stoffen oder aus besonders gutem Material. Aus ihnen sollen Hosen werden für meine Mädchen, eine Tasche vielleicht aus verfilzten Pullovern, Sommerkleidchen aus alten Kissenbezügen, ein Kindheits-Quilt aus den allerliebsten Babysachen meiner Mutterzeit… Es gibt vieles, das auf mich wartet, auf freie Zeit, freie Hände und ein bisschen Musse, aber auf der anderen Seite spüre ich, dass ich gerade viel Luft brauche und ein bisschen mehr … Mut zur Langsamkeit.

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Bisher hatte ich ein gutes Gefühl mit diesem noch ziemlich blutjungen Jahr. Alles döselt so vor sich hin, ich atme tief und bewusst langsam, wenn mir die Hektik des Tages ins Blut fahren will, und eigentlich geht es mir gut, sehr gut sogar. Ich meine, ja, es ist mitunter sehr, sehr anstrenged, dieses Leben, vor allem auch mit meinem Babykind, das ein unglaublich anlehnungsbedürftiges, schutzsuchendes Kind ist, mit kaum zu bändigendem Forscherwillen, ein kleines Wesen, das mich Tag und Nacht braucht und um sich haben will und mit seinen 1.5 Jahren noch immer den Löwenanteil ihrer Energie aus Muttermilch bezieht. Aber auf der anderen Seite bin ich mir nur mehr als bewusst, wie gut ich es habe. Mein Leben ist das einer Prinzessin, wenn man so will, und überall funkeln unbezahlbare Schätze, Liebe, Familie, Sicherheit, Gesundheit, eine Zukunft, die noch Platz hat für Träume… Was ich aber auch gelernt habe; Wie wichtig es ist, mein Tempo zu drosseln. Nicht noch mehr machen/haben zu wollen. Anzuhalten, auszutmen und dann langsam -ganz langsam- wieder ein.

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Vielleicht läuft manches tatsächlich schneller, wenn ich mich selber antreibe, vielleicht wird manches schöner oder besser. Ein Strick-Körbchen, das sich ein paar Wochen früher wieder leert, eine Familien-Malstunde mehr, ein Paar selbst gestrickte Socken zusätzlich, Essen, auf das ich stolz sein kann, weil meine Hände es waren, die es zubereitet haben… Aber da ist immer auch ein Preis zu zahlen. Für alles eigentlich. Und „schneller, besser, mehr“ kann sich gut anfühlen zeitweise, vor allem, wenn man beide Hände frei hat und sich (wie ich) nach einem selbst-bestimmteren Leben sehnt, ganz, ganz nah bei der Natur sein möchte, bei Gott und den Menschen, die man liebt.
Aber wenn die Hände besetzt bleiben, über Jahre hinweg, und wenn der Spagat, da zu sein, für vier grundverschiedene Kinder mit ganz unterschiedlichen Bedürfnissen, in ganz unterschiedlichen Kindheits-Abschnitten, an einem zerrt, dann ist es vielleicht besser, das Tempo zu drosseln. Einmal nicht stricken, keine neuen Hosen zu nähen, obwohl es mich richtiggehend magisch hinzieht zur Nähmaschine und meinen Stoff-Stapeln, den Kochherd kalt zu lassen oder schon wieder Griessbrei zu kochen mit Zimt und Zucker, zum dritten Mal in Folge…
Ich glaube, ich habe meinen Fokus gefunden, mein Leit-Thema für dieses Jahr, für diese Zeit: In der Ruhe liegt die Kraft. In der Langsamkeit, in der Gelassenheit. Und alles, was mich dem näher bringt, ist gut.

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Vielleicht werden ab und zu zwei oder sogar drei Tage vergehen zwischen zwei Posts, vielleicht werden sie kürzer ausfallen bisweilen, vielleicht werde ich weniger stricken in diesem Jahr als sonst und dafür erst noch länger brauchen als bisher, und aus den bereit gelegten Stoffen wird ganz bestimmt nicht über Nacht ein neu aufgestockter Hosenvorrat für meine Kinder entstehen… Aber das ist okay. Alles hat seine Zeit. Und ich nehme mir meine, Schritt für Schritt, und versuche, im Rhythmus zu bleiben, in meinem Rhythmus.
Offen gesagt… dass etwas entstehen wird, daran zweifle ich nicht. Niemals. Wir Menschen sind zum Schöpferisch-Sein geboren, wir können gar nicht anders.

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berührt: Spital

„Berührt“ heisst für mich;
Einmal pro Woche möchte ich mein Augenmerk auf all die Dinge und Momente richten,
die mich wirklich berühren.
Wo mich etwas  inspiriert, anrührt, wo ich fühle, spüre, zum Denken komme.
Wo sich etwas bewegt, innen im Verborgenen oder ganz greifbar und sichtbar vor meinen Augen.
Mal voller Freude, mal nachdenklich oder sentimental, mal montags, mal sonnabends, wortreich oder stumm…
So wie es im Augenblick gerade richtig scheint.
(Und wer immer mitmachen möchte, ist ganz herzlich eingeladen.)

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Ein unglücklicher Sturz, das Kind versucht zu schreien, bekommt keine Luft und sackt ohnmächtig in meinen Armen zusammen. Dann -nach ein paar Sekunden- ein Schnappen nach Luft; Sie ist wieder da. Aber ich fühle mich, als wäre mein Herz stehen geblieben.
Meine Mutter kommt, meine Schwester auch, sie fährt mich und das Babykind ins Spital zur Kontrolle, obwohl alles wieder ist wie immer, als wäre nicht gewesen, doch die Ärzte wollen sie sehen. Mir sitzt der Schreck noch immer in den Knochen.
Es ist später Abend, Pflegepersonal im Schichtwechsel. Wir warten im Untersuchungsraum. Das Babykind freut sich an den bunten Bildern an der Wand und wühlt vergnügt in einer Kiste mit Holzspielsachen. Je mehr Zeit verstreicht, desto wacher wird sie.
Im Zimmer nebenan weint ein Kind zum Steinerweichen. Ich kann es hören und fühle mit, auch das Babykind läuft immer wieder zur Türe, mit ausgestrecktem Finger und fragendem Blick, und ich weiss, dass sie nach dem Kind sucht, das da weint. Ich höre das Schluchzen und sehe wie wohl mein eigenes Mädchen ist, wie unversehrt, wie kräftig und schön, und plötzlich komme ich mir unglaublich fehl am Platz vor.
Der Arzt taucht auf, in Schal, Mütze und Jacke. Nach 14 Stunden Krankenhaus-Arbeit ist er nun auf dem Weg nach Hause, will aber noch kurz nach dem Kind sehen und entscheiden, ob wir über Nacht bleiben müssen. In meiner Tasche stecken ein paar hastig zusammengesuchte Dinge, wie Zahnbürste, Deo, Kindersocken, mein Strickzeug und „Der Weg des Künstlers“. Mir ist längst klar; wir werden nichts davon brauchen, dem Kind geht es blendend, da hatte einer seine Hand über uns.
Dann könne wir gehen, bestens versorgt mit Ratschlägen und eine Reihe von eingebläuten Alarmzeichen im Kopf, für den Fall der Fälle, wenn wir wiederkommen müssten. Ich glaube nicht daran, aber ich höre zu, das Babykind auf dem Schoss, das wie ein trotziger Zwerg auf meinem Schoss sitzt und seine Lippen versiegelt. Ihre Stirn ist gerunzelt, der Blick abschätzend und skeptisch. Sie kommt mir so stark vor, so eigenwillig und selbstbestimmt, dass ich meine Arme nur noch fester um sie schlinge, aus lauter Liebe und Erleichterung.
Draussen auf dem Flur zeigt die Uhr zwanzig nach neun. Wir warten auf Herrn Kirschkernzeit, der uns abholen will. Er atmet auf am Telefon, „Klar, ich fahre sofort los!“
Das Babykind läuft die Gänge rauf und runter, nur in Socken, keine Schuhe, die ist sie einfach nicht gewöhnt. Sie lacht und quietscht und stört die Nachtruhe des Portiers an der Reception, aber ich fühle mich leicht wie eine Feder, so dankbar bin ich, so gross und warm fühlt es sich an, mein Glück: Dass ich mein Kind noch habe, mein kleines, weiches, kerngesundes Babykind mit seinen warmen, dunklen Augen, mit dem Flaumhaar und dem festen Blick… das ist mir mehr als Worte je erfassen könnten.

Ein kleiner Nachtrag: Das alles liegt jetzt schon ein paar Tage zurück und noch immer geht es dem Kind prächtig. Der Kinderarzt, bei dem wir heute zur Vorsorge-Untersuchung waren, löste auch meine letzten Ängste und Unsicherheiten auf und erklärte irgendetwas von „empfindlichem vegetativem Nervensystem“ und so… Auf alle Fälle bin ich nun gleich noch froher, dankbarer und gelöster; Alles ist gut, was für ein Glück!
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# 14: ein Rüschenkleidchen aus „Carefree Clothes for Girls“

Das alte Jahr mag vergangen sein, und mit ihm so mancher meiner alten Gedanke, Ideen und Vorsätze, aber ich glaube, dieser hier, dieser Vorsatz wird sich weiterspinnen und mich begleiten, auch in diesem Jahr und vielleicht sogar noch weiter, denn so gerne wie ich Nähbücher kaufe und so tief und seelig ich auch in all diesen wundervollen Ideen, Bildern und Tagträumereien versinke, ich brauche die Erinnerung und immer wieder diesen kleinen, aufmunternden Anstupf; Hey, Zeit, die Ärmel hoch zu krempeln und es selber zu wagen!
Ein Projekt mindestens aus jedem meiner Bücher, so war die Idee damals Anfang letzten Jahres, und je mehr ich mich einliess auf diesen Gedanken, desto stiller wurden die Zweifel. Ich bin keine Göttin an der Nähmaschine, vieles wird noch immer schief und falsch und von meinen Fluch-Tiraden will ich gar nicht erst sprechen, wenn ich mal wieder eine Naht auftrennen muss oder merke, dass der Gummizug eine Schlabberschlupfhose schon zum dritten Mal zu weit geworden ist (beim nächsten Mal dann natürlich wiederum zu eng)… Aber das Nähen macht mich glücklich, das habe ich gelernt, glücklich auf eine recht belebende, euphorisierende Art und Weise.
Und vor allem macht es mich glücklich, wenn ich andere glücklich machen kann damit…

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Mein Mädchen zum Beispiel, das am Abend unseres Winterfestes ihr Wichtelgeschenk auspackte (eingewickelt in eine Geschenkhülle aus einem alten, bestickten Leinen-Handtuch) und dann dieses Kleidchen hervorzog. Den „Dress with Ruffle Trim“ aus „Carefree Clothes for Girls“, ein klein wenig abgeändert, das Kleidchen, an dem ich Abend für Abend in aller Heimlichkeit für sie genäht hatte, ganz, ganz leise, damit das Babykind nicht aufwachte, nicht bevor ich wenigstens diese eine Naht oder nur noch diesen einen Schrägband-Falz fertig hatte… Viele Nähte, Schnitte und verschwitzte Momente liegen zwischen meinem beherzten Entschluss und diesem bunten, weichen Überziehkleid, das da an seinem Bügel baumelt, Momente in denen ich müde und möglichst geduldig über das Bügeleisen gebeugt dastand und Schrägstreife bügelte, aus einem der Folksy-Flanell-Stoffe von Anna Maria Horner, genau wie das ganze Kleidchen auch aus ihrem Flanell besteht, bis auf das Unterkleid, das blütenweiss ist und aus den Resten eines alten, feinen Nachthemdes.
Die Anleitung war klar gewesen, der Schnitt ziemlich einfach, aber ich konnte es nicht lassen; Ich änderte hier die Strategie (alle Naht-Zugaben wurden unsichtbar, die angedeuteten Ärmchelchen fielen weg), verzichtete auf die ausgefransten Säume des Originals und versäuberte alles, was sich finden liess, fügte da ein Paar zusammengepatche Taschen hinzu, hier eine alte Spitzenborte aus meinen Vorräten…
Ich hatte viel Freude dabei, sehr viel Freude sogar. Ein einziges Kleidchen nur und ich konnte mich kaum lösen von all den schönen Möglichkeiten, die es in sich trug (hm… vielleicht zwei Reihen Spitzenbesätze? Oder lange Ärmel und kontrastierende Manschetten?) Ich hatte so lange schon nicht mehr genäht, nicht so wirklich richtig jedenfalls, und nun, wo ich mir Zeit und Energie abzuzweigen wagte für dieses für mich ganz besondere Projekt, für mein Mädchen, das ich schon richtig vor mir sah darin, verspielt und quirlig aber trotzdem charmant und ungeheuer mädchenhaft, tauchte ich richtiggehend ein in diesen Prozess…
Das allerschönste aber kam erst noch. Beim Auspacken nämlich, als wir alle zusammen am Tisch sassen und einer nach dem anderen sein Päckchen aufschnürte. Sie löste das Band, zog ihr gelb-buntes Knäuelchen an Rüschenkleid hervor, breitete es aus… Ihre Augen wurden gross, ihr Gesicht strahlte und wie in einer dieser herrlichen Filmszenen, wo alles gut wird und das Ende happier nicht sein könnte, seufzte sie immer und immer wieder nur seelig: „Also… also das ist sooooo schön! Das ist … also… das ist eigentlich viel zu schön finde ich…“

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Mein Herz setzte mindestens drei Schläge aus vor Glück.
Das
ist es, was ich meine, wenn ich nähen möchte für meine Lieben. Genau das.

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