Monatsarchive: Januar 2014

this moment: Suchbild

Nach einer Idee von Soulemama: eine Erinnerung, ein Bild, vielleicht nur wenige Worte.
Um Luft zu holen und die Erinnerung zu bewahren.

DSC_1087-002Ein Zwerg unter Riesen

Veröffentlicht unter Augenblicke, berührt, Jahreszeiten, Kinder, Themen-Reihen, this moment | 6 Kommentare

Einblicke; Januar

“Einblicke”; Posts wie eine Bonbon-Dose, gefüllt mit ein bisschen Lebens-Alltag in kleinen, feinen Etappen-Happen. Bruchstücke eines Tages wie jeder es sein könnte…

Morgen

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* schlecht erwachen nach einer viel zu kurzen Nacht, nichts Gutes erwarten, nur Kaffee wünschen und auch bekommen * dann die Sonne sehen, wie sie alles verzaubert mit ihrem Licht, und unweigerlich trotzdem irgendwie an das Gute glauben * einkaufen gehen, nur zu zweit, ganz kurz eigentlich, dann aber einfach hängenbleiben unter Menschen, lange, lange schwatzen und plaudern unterwegs, mit der alten Dame von nebenan, mit der Kassiererin und einem flüchtig bekannten Gesicht. Das tut gut. Sich verbunden fühlen. Nicht alleine sein. Innerlich auftauen * Wolle geniessen (Poncho aus der Familien-Erbstück-Kiste, Zwergenmütze von damals und die Stulpen von Brigitte). Ein von Kopf bis Fuss in Strick gepacktes, kleines Mädchen, das ich anbeissen möchte vor Liebe * zuhause eine Imker-Geschichte vorlesen, Kräutertee trinken -gemeinsam- Honig degustieren, dreierlei Sorten, einer besser als die andere * essen und Tee sippen und lachen und reden und wieder da sein, ganz bei mir, mit Freude am Tag, am Muttersein und an den Schätzen der Natur *

Nachmittag

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* die Sonne durchs Haus wandern sehen -ohne Kopfschmerzen heute- und dankbar sein, dass es mir gut geht und das Licht und die Wärme so unglaublich schön sein können, ganz ohne zu pochen zwischen den Schläfen und in der Stirn * das Babykind kurz schlafen legen, eine winzigkleine Pause in mir aufsaugen, als wäre es Wasser in einer Wüste voller Wanderwege * mit den Kindern Musik hören, wippen dabei, tänzeln und hopsen, mich vollkommen lächerlich machen und jede Menge gute Laune tanken (Ich mag: das hier, die Kinder mögen: FreiluftfreiheitshippieSound) * stricken dabei, oh ja, richtig stricken, ganze, wunderbare, aufribbel-freie Reihen, die sich langsam Richtung Kragen schlängeln * den Tag zum Bummeltag erklären und mich entspannen, weil ich weiss, dass ich heute nirgendwo mehr hin muss und niemand irgendwas erwartet von mir * ein Brot kneten, alleine, und urplötzlich eine ganze Horde kleiner Bäckermeister um mich finden, die sich Teigbatzen um Teigbatzen klauben, bis meine Schüssel leer ist * daher Vollkorn-Brot und Zopfteig-Tierli backen (Yeah!) * eine lange vor mir hergeschobene Aufgabe in Angriff nehmen und meinen Küchenschrank (beinahe) radikal von Tupperdosen befreien * die Kinder im leergeräumten untersten Schrank-Regal spielen lassen, bevor ich meine Vorrats-Gläser einstaple, sie träumen lassen vielmehr, eingeigelt wie in einer Höhle, während wir weiterhin simultan backen und ordnen und Kinderhörspiele hören *

Abend

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* hausgemachten Milchreis mit viel Zimt-Zucker aus wachsweissen Schälchen löffeln * irgendwie zufrieden und gelassen einen wirklich guten Tag ausklingen lassen, mit kleinen Ritualen, wie der Kinderstunde im Radio, wo Klaus und Klara heute Wiener Würstchen an Goldfische verfüttern und so viele Flausen im Kopf haben, dass wir alle laut losprusten vor dem Radio * den Mädchen zusehen, wie sie sich gemeinsam unter eines meiner Kopftücher betten, mit den Beinen schlenkern, sich ansehen und so breit grinsen, dass es mir warm wird ums Herz und ich denken muss; “so gross schon sind sie geworden, meine beiden Kleinen…” * in Frieden kleine Zähne putzen, kurzerhand aufs Pijama verzichten (bei Schlabberschlupf-Hosen und weichen Sweatshirts kein Problem) und “Die Kinder aus Bullerbü” zur Hand nehmen, gerne, denn ich liebe dieses Buch. Vielleicht sogar noch mehr als meine Kinder es je tun werden. * vorlesen, erzählen und mir klar werden, dass genau das, das Vorlesen und Erzählen, wahrscheinlich zum Schönsten gehört, was ich mir vorstellen kann * staunen, wie rasch es ruhig wird heute, ganz anders als gewöhnlich, wo der Abend sich hinzieht wie warmer Kaugummi, bis endlich Stille einkehrt * mich vorfreuen auf noch mehr Stricken, auf pflaumenrote Ärmel vielleicht schon, aber ganz bestimmt auch auf ein paar Zentimeter dieser herrlichen blauen Socken-Wolle von Brigitte, Sockenrippchen, die sich zusammenschlaufen wie Butter, so fliessend und mühelos *

Was für ein Tag!

Veröffentlicht unter Augenblicke, aus meinem tagebuch, Dankbarkeit, Familienalltag, Kinder, kreativ am Rande, Stricken, Themen-Reihen | 12 Kommentare

Lock-Stoff

Es gibt Leute, die freuen sich darauf, ihre Lieblings-Shops nach neuen Kleidern oder Schmuck und Schuhen und anderen schönen Dingen zu durchforsten. Es gibt Leute, die sind ganz verrückt nach Büchereien und tun nichts lieber als in den Stapeln voller Neu-Ausgaben und Must-Haves aus den Bücherspalten der Zeitung herum zu stöbern. Es gibt Leute, die geniessen einen ausgedehnten Bummel durch den Wochen-Markt, wo sie frisches Obst, Gemüse vom Bauern und Blumen und marinierte Oliven aus Italien immer wieder neu entdecken und mit allen Sinnen geniessen. Es gibt Leute, die kaufen am liebsten überhaupt nichts und ihr Haus ist ganz bestimmt rein und hell und ganz anders als meines. Und dann wiederum gibt es Leute, die könnten ausflippen und vor Freude Schwanensee tanzen, sobald sie in einem Woll-Laden stehen. Oder auch nur die Website ihres Lieblings-Online-Woll-Shops am Bildschirm öffnen, nachts nach zehn zum Beispiel, wenn alles ruhiger geworden ist im Haus.
Und genau diese Art von Mensch bin ich.
Wollverliebt. Wollvernarrt. Süchtig nach Wolle.
Ich kleide mich in Wolle, ich spiele und arbeite mit Wolle, ich sammle Wolle… und heute ist mir klar geworden, dass ich sogar mein Zuhause mit Wolle dekoriere. Überall liegen Knäuel und zum Wickeln bereit gelegte Stränge, angefangene (Langzeit-)Projekte, auf die mein Blick fällt, strategisch bewusst so platziert, dass ich keinen Tag lang an ihnen vorbeikomme, ohne dieses sehnsüchtige Ziepen in der Brust, denn schöner Wolle kann ich einfach nicht widerstehen…

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Ich stricke wirklich unheimlich gerne. Obwohl mein Selbstwertgefühl genau in diesem Bereich alles andere als gut ist, eher realistisch, würde ich sagen, geprägt von den vielen, vielen Runden und Reihen, die ich wieder auflassen musste, weil ich Fehler mache (immer noch) und manches nicht so werden will, wie ich es mir vorstelle…
Erst kürzlich sass ich wieder einmal da, auf meinem Bett -die pflaumenrote Strickjacke, an der ich nun schon eine ganze Weile arbeite (mit Unterbrüchen, ich geb’s zu) auf dem Schoss- und besah mir die Misere; kreuzfalsch verteilte Knopflöcher (9 cm statt 6 cm Abstände), zu viele Seiten-Abnahmen am 2. Vorderteil, Fehler, die nicht sein sollten. Schliesslich seufzte ich zweimal tief, zog die Nadeln raus – und begann mit Auflassen. Ganze 20cm. Nur um dann wieder neu anzufangen.
Nicht unbedingt erhebend, dieser Moment.
Aber das gehört dazu, denke ich. Nicht zu verzweifeln und den Mut nicht zu verlieren, auch den Kopf nicht und vor allem nicht die Freude. Sich einen Ruck zu geben, nach ein, zwei Schock-Momenten, die Schultern straffen und dem ganzen eine neue Chance zutrauen. Wieder und wieder.
Ich glaube manchmal, beim Stricken lernt man mehr als nur stricken. Man lernt Geduld, Zuversicht, in Visionen zu investieren und auch in emotional harten Momenten irgendwie bei sich zu bleiben. Stricken ist so was wie eine Lebens-Schule für mich. Und eine ganz besondere Freude in meinem Leben. Schule, die wirklich gut tut also…

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Folgendes ist schwer für mich: Zeit finden dafür. Im Getümmel des Familien-Lebens einfach die Stricknadeln hervor zu kramen und mir ein, zwei Runden zu zutrauen, trotz Lärmpegel und zupfenden kleinen Fingerchen. Und dann auch zufrieden zu sein damit. Mit Appetit-Häppchen-Stricken statt der ausgedehnten, erfüllenden Strick-Stunde, denn die wäre es natürlich, die ich mir wünsche, die und noch viel mehr.

Das aber ist einfach: Mich freuen darauf. Auf das ganz grosse Stricken (wann immer es möglich sein wird). Und mich freuen daran, wenn es sich -ja, es gibt sie noch, diese kleinen, feinen Alltags-Wunder!- doch einmal ergibt. An der Wolle auch, an den herrlichen Farben, an ihrer ganz unterschiedlichen Ausstrahlung und an dieser Fülle prachtvoller Projekte, die ich mir zusammensammeln darf, über Tage, Wochen, Jahre, und wo ich immer wieder neue Lieblings-Stücke finde, wie seltene Blumen.
Wahrscheinlich ist das alles auch Teil des Strickens. Ein wichtiger Teil vielleicht sogar, wer weiss. Auf alle Fälle aber ein Teil, der seinen festen Platz gefunden hat in meinem Leben und der das Stricken darin verankert hält, selbst in Dürrezeiten, wo nicht viel Platz bleibt für mehr.

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This moment: Veränderungen

Nach einer Idee von Soulemama: eine Erinnerung, ein Bild, vielleicht nur wenige Worte.
Um Luft zu holen und die Erinnerung zu bewahren.

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Immer wieder aufregend und enorm beflügelnd;
Veränderungen.
Und sei es nur in Form von Spiegel-Quadraten
an einer Wand, wo es hin und her geht, hinein und hinaus,
eine Brücke von drinnen zu draussen.
Jetzt weiss ich endlich, wie ich manchmal aussehe, bevor ich das Haus verlasse;
wie frisch aus dem Bett gefallen nämlich
mit verwuscheltem Haar, mit fleckigen, ausgebeulten Hosen
und dem Babykind auf meinem Arm läuft die Nase…
Das wird jetzt anders. Von nun an.
Kein weisses Spitzen-Taschentuch, das
-nur noch an einem Zipfelchen in meinem hinteren Hosensack verfangen-
hinter mir herflattert wie eine traurige Fahne,
und wenn ich mich auf ein Volg-Märkli (“10Fr.”) gesetzt habe, entdecke ich es,
bevor es ein anderer tut…

Veränderungen sind gut. Ich mag sie.
Was für ein Moment!

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