Monatsarchive: Oktober 2013

This moment: neugierig

 Nach einer Idee von Soulemama: eine Erinnerung, ein Bild, vielleicht nur wenige Worte.
Um Luft zu holen und die Erinnerung zu bewahren.


Mit eigenen Augen
sehen und verstehen
und die Welt
bis in die hintersten Ecken erforschen.
Das ist Kind-Sein.

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berührt: Kindermund

“Berührt” heisst für mich;
Einmal pro Woche möchte ich mein Augenmerk auf all die Dinge und Momente richten,
die mich wirklich berühren.
Wo mich etwas  inspiriert, anrührt, wo ich fühle, spüre, zum Denken komme.
Wo sich etwas bewegt, innen im Verborgenen oder ganz greifbar und sichtbar vor meinen Augen.
Mal voller Freude, mal nachdenklich oder sentimental, mal montags, mal sonnabends, wortreich oder stumm…
So wie es im Augenblick gerade richtig scheint.
(Und wer immer mitmachen möchte, ist ganz herzlich eingeladen.)

“Mama”, sagt mein Mädchen eines Abends beim Insbettgehen ganz unvermittelt.
“Mama, weisst du, was du bist?”
Ich: “Nein, was denn?”
Sie: “Ein Huhn!”
Ich mache grosse Augen. “Ein Huhn?”
“Nein, also eigentlich eher “än Güggäl” (Schweizer Wort für “Hahn”).
Du krähst nämlich auch immer so.”

Eigentlich nicht unbedingt ein Kompliment, aber in gewisser Weise wohl die Wahrheit, direkt und unverblühmt. Und die Wahrheit kann heilsam sein, denke ich. Manche Dinge müssen einfach mal gesagt sein. Punkt. Und wenn die Wahrheit derart nonchalent daherkommt, wirkt sie doppelt nach, weil der innere Abwehrmechanismus sich nicht sofort auf Verteidigung einstellt, sondern hinhört. Und lächelt. Lacht sogar, ein bisschen, obwohl ich weiss, dass es stimmt, dass ich zu oft durch die Gegend krähe wie ein wildgewordener Güggel im Hühnerstall. Aber dem Charme eines Kindermundes kann ich einfach nicht widerstehen, da werde ich weich wie Butter. Selbst wenn die Wahrheit, die er spricht, mich nicht gerade als Heldin dastehen lässt…

Veröffentlicht unter Augenblicke, aus meinem tagebuch, berührt, Familienalltag, Kinder, Themen-Reihen | 16 Kommentare

Wochen-Ende: American Pie

An diesem Wochen-Ende…

… versenkte sich Kind1 in den Zauber von Origami und dreidimensionaler Geometrie. Würfelfalten aus Papier macht ihm mehr Spass als ich mir wohl je vorstellen kann, und sobald es zu irgendwelchen Blablabla-edern kommt, ist er so richtig in seinem Element. Zum Glück beschränkt sich mein Part bei dem Ganzen auf das einfache Bewundern der kleinen Kunstwerke. Darin immerhin bin ich auch nicht eben schlecht.

… leerten wir eine grosse Kiste Herbst-Äpfel immerhin soweit, dass ich mir keine Sorgen mehr zu machen brauche, sie würden uns vor unseren Augen davonschimmeln (was auch schon vorgekommen ist). Der “American Apple Pie” aus meinem allerneusten und jetzt schon heissgeliebten Backbuch  (“Backen mit Leila” von Leila Lindholm) braucht allein schon 12 grosse Äpfel und ist dabei so köstlich, einfach und bodenständig, dass ich mir um den Rest in der Kiste nun wirklich keine Gedanken mehr mache…

… kam ein neues Bild von meiner allerallerliebsten Zeichen-Künstlerin Irena Sophia an die Wand; ihr “Parrot Mädchen”, eine blasse, zerbrechlich wirkende junge Frau mit Papagei auf der Schulter, verfolgt von einer kleinen, sonderbar geformten Regenwolke. Ich mochte dieses Bild auf Anhieb. Und nun hängt es bei mir im lila Zimmer und macht mich glücklich. Einfach nur so. (So wie eigentlich alle meine Irena-Bilder. Abgehängt wird auf jeden Fall keines, obwohl es immer mehr werden. Sie wandern vielleicht ein bisschen hin- und her, bis jedes sein Plätzchen findet- Und müssen mit der Zeit dann wohl ein wenig näher zusammenrücken, schätze ich mal…)

… wurde aufgeräumt, und zwar eine ganze Menge, und weggeworfen, auch nicht eben wenig. Eine ganze Sammlung über 15 Jahre alter Texte musste daran glauben. *snif. Aber mein Leben braucht mehr Fokus auf jetzt und morgen, und weniger Anhaften am Alten und Vergangenen, das spüre ich. Also löse ich mich, couragiert, Schritt für Schritt. Packe weg, verschenke, übergebe manches dem Feuer (oder weniger romantisch ausgedrückt; der Kehrricht-Verbrennungsanlage *hüstel*) oder dem Werkhof. Und trauere ein klein wenig dabei. Die neu gemachte Unordnung der Kinder inmitten der frisch geschaffenen Leere ist dann manchmal reine Medizin; so lebhaft und auf tröstliche Art und Weise… ablenkend. Und so ein kleiner Spatz in seinem hausgemachten Durcheinander ist ja ohnehin Seelenbalsam in allen Lebenslagen, hab’ ich Recht?

… gab es Sonnenschein und Regenwetter, und beides war mit gleichermassen recht und lieb; die Sonne, weil sie uns Licht und Optimismus durchs Fenster schickte und mir nebst meiner Haut auch die Seele wärmt, sogar durch die geschlossenen Scheiben hindurch. Und der Regen wegen der Geborgenheit und Gemütlichkeit, die ich jedes Mal dann empfinde, wenn es hart und rythmisch aufs Dach trommelt und die Gräser sich biegen unten im Garten.

… wurde ein neues Paar Kindersocken angestrickt. Für mein Mädchen. Wieder mit dem Garn   “Santa Fe” von “Aslantrends” (diesmal “Grape Vines”), so wie die letzten zwei Paar Mädchensocken für meine beiden Jüngsten, obwohl ich damals ja nicht unbedingt beste Erfahrungen gesammelt habe mit diesem Garn. Aber mein Vorrat ist gross und ausdauernd, und das Stricken mit dem, was ich habe, macht mir im Moment irgendwie enorm viel Freude, also kam auch dieser Strang aus der Schublade. Wo nun noch zwei weitere, diesmal dschungelgrüne Strange “Santa Fe” liegen und mit mir -um ihretwillen- um die Wette hoffen, dass diese Socken dereinst einmal nicht so schrecklich schnell verfilzen wie ihre Vorgänger…

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What makes me happy: eine Ringelmütze

“Wow - so viele Socken?????? Wann schläfst du da überhaupt????”, schrieb mir eine liebe Leserin auf meinen letzten Sockenpost hin.
“Wann ich schlafe? -Niemals!”, schrieb ich zurück, aber das war natürlich nicht ernst gemeint, obwohl … schon ein klitzekleines Körnchen Wahrheit darin steckt. Schlaf ist definitiv nichts, was ganz oben auf meiner Prioritätenliste steht, gelinde ausgedrückt. Schlaf ist… ein eher schwieriges Theme für mich, etwas, das wichtig ist und auch gut tut, gut tun würde, wäre bloss der Tag nicht immer so fürchterlich schnell vorbei, der Feierabend vor allem, der, kaum hat er begonnen -ratsch!- schon wieder zu Ende geht. Tagsüber fallen mir beim Vorlesen manchmal fast die Augen zu (okay… nicht nur fast… bisweilen…), aber abends… nachts… da ringe ich mit mir und meiner Vernunft, schinde noch ein Viertelstündchen hier, noch eines da hinaus, bloss noch kurz ein Glas warme Milch, nur noch zwei, drei Seiten lesen, noch ein paar Runden stricken, noch ein paar mehr, ach komm schon, jetzt, wo ich bald fertig bin… Und schon ist es wieder weit nach Mitternacht und meine Chance auf wenigstens ein Gnadenhäppchen Schönheitsschlaf dahin. (Gut, dass es so viel regnet, das wirkt hoffentlich ausgleichend)


Na, auf jeden Fall, was ich euch eigentlich sagen wollte: Ich bin ein Schlendrian. Glaube ich. Ich mag nicht rechtzeitig zu Bett gehen, brauche für vier Paar einfache Kindersocken sage und schreibe über 12 Wochen, mehr als eine volle Jahreszeit also und stricke überhaupt nur sehr langsam, ziemlich unregelmässig und selten wirklich sorgenfrei an meinen in letzter Zeit durchwegs kleinen Projekten (bzw. Projektchen). An mir ist ganz bestimmt nichts Wonderwoman-mässiges, an mir mit Stricknadeln schon gar nicht. Aber Freude macht’s. Das Stricken. Trotzdem. Sehr viel Freude sogar.
Und das Beste daran; Diese Freude darf überfliessen, immer wieder, hinein in eines dieser kleinen, aber irgendwie feinen Dinge, die man ganz zum Schluss dann in Seidenpapier einwickelt, mit einer Schleife versieht und -mit noch mehr Freude sogar- einem besonders lieben Menschen in die Hand drückt. “Hier. Das hab’ ich selbst gemacht. Extra für dich.”

Die Mütze für meine Schwiegermama jedenfalls war genau so ein Fall, so ein Freuden-Szenario von A bis Z. Natürlich kamen die ersten Maschen erst viel zu spät auf meine Nadeln, zwei Tage nur vor ihrem Geburtstag, hoffnungslos, eindeutig- aber fröhlich und optimistisch und voller Elan, nichtsdestotrotz. Vor allem mit Freude. Genau. Mit dieser traumtänzerischen Freude am kunterbunten Faden-Gnuusch auf meinem Schoss und jenem leisen Gefühl der Verwunderung, das mich immer begleitet, wenn etwas, was ich mache, einfach nur so reibungslos dahinplätschert, langsam und stetig und unerklärlicherweise völlig unversehrt, trotz später Stunde und zu viel Kaffee, zu viel Schokolade, zu viel Koffein und obwohl das Babykind sein Nickerchen bereits nach 40 Minuten wieder vom Bett auf meinen Schoss verlegt hat…

Ich glaube, dass ich diese Mütze so unheimlich gerne gestrickt habe, liegt weder am Garn (“Karisma” von Drops, ein eher … na, sagen wir gewöhnliches Wollgarn) noch an den Farben (Gelb und Orange vor allem gehören nun wirklich nicht zu meinen Favoriten). Ich denke, das Muster ist es. Das Strickmuster (aus “Einfach Stricken”). Dieses ganz schlichte und so herrlich einfache Mützen-Strickmuster, das ich nun schon zum fünften, nein zum sechsten Mal bereits gestrickt habe (hier auf jeden Fall, aber auch hier und hier), ein klein wenig abgeändert diesmal, mit einem durchgehenden Rippenmuster und vielen unregelmässigen, breiten Streifen. Mittlerweile kenne ich jeden Schritt in diesem Projekt. Ich fange mit Zuversicht an, verliere nicht mehr die Geduld beim extra-breiten Krempen-Bündchen, mache geduldig und gelassen meine Runden und freue mich, wenn die Abnahmen kommen, weil ich weiss, der Schluss, der ist schnell und das Resultat eine Freude, ganz bestimmt, eine Freude mehr. Vertraute Dinge sind immer etwas Gutes, finde ich. Das Leben bringt uns jeden Tag so viel Unvorhergesehenes und Neues, da braucht das Herz etwas, das ist wie … jedes Mal, gut wie immer.

Natürlich wurde meine Mütze nicht rechtzeitig fertig. Mit beinahe einer Woche Verspätung kam sie, in eine Schicht hellgrünes Seidenpapier gewickelt und versehen mit einer Karte voller lieben Worten, zur Post, begleitet von meinen besten Wünschen und der Hoffnung, dass sie meiner Schwiegermama und jedem, der sie trägt nur Gutes bringen möge. Wärme auf jeden Fall. Und Freude. Oh ja, Freude. Freude zu finden, auch in den ganz einfachen Dingen des Alltags, und Freude zu verschenken, das gehört wohl mit zu den allerallerschönsten Dingen im Leben, hab’ ich Recht?

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