Monatsarchive: September 2013

Wochen-Ende: Markt

An diesem Wochen-Ende…

… wurde gefeiert. Ganz gross und intenisv, um nicht zu sagen exzessiv. Zwei volle, reiche Tage lang schwelgte dieses Dorf in Festtages-Stimmung, rund um die Uhr beinahe (und für manche wahrscheinlich sogar buchstäblich), und ich liess mich mittreiben in dieser einmaligen Athmosphäre von Fröhlichkeit, Bewegung, Abenteuer und Feierlichkeit, genoss die Menschentraube, die Musik, fremde Dinge, Klänge und Gerichte (indisch haben wir gegessen und thailändisch) und den Ausnahmezustand, der dieses Wochenende so anders macht, es abhebt vom Rest des Jahres. Harmonisch, dynamisch, und einfach perfekt.

… habe ich Ausschau gehalten nach den letzten Rest Sommersonnenstrahlen, versteckt hinter einer meterdicken Nebeldecke, die kaum Licht durchlässt, aber trotzdem irgendwie gemütlich wirkt, wenn ich warm eingemummelt durch die Gassen schlendere. Der Nebelhimmel ist mir so vertraut wie das Grau der diesigen Tage. So bin ich aufgewachsen, so wachsen meine Kinder auf. Und wisst ihr was? Ich mag es. Ganz ehrlich. Und wenn dann unverhofft ein bisschen Himmelblau hervorblitzt- umso besser!

… musste ich staunen, mit wie viel Einsatz und Leidenschaft manche Menschen sich auf so ein Dorf-Fest vorbereiten. Wochenlang, manchmal sogar monatelang wird geplant, organisiert, in den Vereinen und Komitees debattiert, Verkaufsstände werden bestückt mit Stricksocken, Plachentaschen, Kinderlätzchen und Töpferschalen… und alte Schätze werden ausgegraben und auf Hochglanz poliert. Einzig aus dem diesem einen und ganz und gar wunderbaren Grund: Damit andere sich daran freuen. Wie dieser alte, lagunenblaue Traktor (ein Prachtstück!), der eigentlich ein Feuerwehrauto ist, bzw. war, damals in jenen alten Tagen, in denen man das Löschwasser noch aus dem Bach pumpen musste. *hach* Gute alte Zeit. Und gutes, neues Hier und Jetzt.

… wird geschlemmt und getrunken als gäbe es kein Morgen. Alkohol gibt es zwar keinen im Hause Kirschkernzeit (ausser vielleicht ab und zu ein Sommertags-Bierchen für den Hausherrn), aber dafür Zucker in Höchstform: Zuckerwatte, gebrannte Mandeln, weiss-pink geringeltes Softeis, Zartbitterschokolade mit knackigen, kleinen Stückchen getrockneter Aronia, der Rest Geburtstags-Linzertorte meines nun nicht mehr ganz so kleinen Jungen, frisch gebackene Berliner vom hiesigen Beck mit Aprikosenmarmelade oder Vanillecreme- und mehr als ein halbes Dutzend zertrümmerter Mohrenköpfe. Vom Mohrenkopf-Schiess-Stand. Das hat Tradition, lange Tradition sogar. Falls ihr meine Jungens sucht; die findet ihr dort. Ganz bestimmt.

… bin ich einmal mehr entzückt von der absolut betörenden Schönheit einer Reihe bunter Seidenschals. Ich bleibe jedes Jahr davor stehen und vergesse für einen Moment alles um mich herum; diese Farben! Dieser schimmernde Perlmutt-Glanz! Und wie fein und doch stark und robust sie sind, diese hauchdünnen, leicht noppigen Fäden im Gewebe… Am liebsten hätte ich sie alle, alle gekauft, auch die Pinktöne und sogar das Senfgelb… denn zusammen, zusammen sind sie ein Gedicht, diese Farben. Und jeder einzelne Farbton spielt seine eigene, kleine Melodie…
Trotzdem musste ich mich entscheiden. Der Verkäufer brachte mir zuerst ein warmes Türkis, das mir sehr gut gefiel und auch erstaunlich gut stand, aber die ungewohnte, starke Farbe hätte mich überfordert, denn mein Schrank steht voller Erd- und Beerentöne, was hätte ich damit auch anfangen sollen? Ausserdem bin ich so blass wie ein Schweizer Käse, vor allem im Winter, bleich und eintönig, und einem vitalen Türkis wohl nicht recht gewachsen.
“Sie sollten Lippenstift tragen”, meinte der Verkäufer. “Natürlich nicht gerade Knallrot, aber schon ein Hauch von Farbe zaubert Leben in ihr Gesicht. “ Und dann brachte er mir diesen smaragdgrünen Seidenschal. Auch ein “Hauch von Farbe”. Ich kaufte ihn sofort. (Und das mit dem Lippenstift, das merke ich mir…)

 

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Der Tag davor

Eigentlich wollte ich mir heute einen Abend Blog-frei gönnen. Ja, das hatte ich vor. Und das wird er auch werden, dieser Abend, Blog-frei, so halbwegs zumindest, wenn dieser kleine Post hier seinen letzten Punkt gesetzt bekommen hat. Aber ich möchte das einfach festhalten, nur ganz kurz, diesen Moment, am “Abend davor”, überhaupt Eindrücke dieses Tages, dem Tag vor dem “grossen Tag”, dem Tag, an dem mein Zweit-Geborener 7 Jahre alt wird.
Geburtstage sind sind mir unwahrscheinlich lieb und kostbar. Ich glaube, sie sind überhaupt die allerwichtigsten und schönsten Tage des Jahres für mich, Tage voller Erinnerungen an jene Zeit, als meine Kinder -das Kostbarste, das ich habe- ihren ersten Atemzug taten. Durch mich, bei mir- und doch ohne, dass ich so wirklich Herrin der Lage gewesen wäre… Geburtstage erinnern mich an die Kraft, die in uns (Frauen) liegt, diese ungeheure Kraft, Leben auszutragen, Leben zu schenken, Leben zu nähren, über es zu wachen und es an der Hand zu leiten, solange es uns braucht.
Und sie erinnern mich an diese andere, grosse Kraft, die uns überhaupt fähig macht, all dies zu tun, eine Kraft, die ungeheuer gross ist, rätselhaft auf iher Weise und die über alles, was ich hier erlebe, denke, bin hinausgeht, selbst über meine Tage hinaus und über die meiner Kinder. Geburtstage erinnern mich an Gott und die Welt und den Lauf der Dinge. Und daran, dass ich dankbar bin für das alles.
Geburtstage machen mich immer ein bisschen sentimental (wie ihr sehen könnt *hüstel*)
Aber sie machen mich auch froh, ganz hibbelig und nervös vor lauter Freude, denn das Leben ist schön und ein Geschenk, und ganz besonders am “Tag davor” scheint das Haus zu vibrieren und zu blinken wie eine dieser fröhlichen Leuchtreklameschilder irgendwo in einer Grossstadt. Ich schlage morgens die Augen auf, und bin sofort mittendrin, beschäftigt und voller Pläne und unverhofft einschlagender Ideen, was man alles noch machen könnte, damit dieser Tag ein ganz besonderer wird, ein richtiger Feiertag, der mein Kind glücklich macht und ihm zeigt, wie viel es uns allen bedeutet, wie wichtig es ist für uns und wie wertvoll sein Leben. Also backe ich Cookies, ganze Wagenladungen voll, Cookies mit Schokolade, Cookies mit Erdnussbutter, mehr und immer mehr, ich nehme das Angebot meiner Mama -sich um die Geburtsgagstorte zu kümmern- dankend an (selbstgemachte Linzertorte wünscht er sich) und nutze die Zeit, ein klein wenig Ordnung zu schaffen, Geschenke einzupacken, mit Geschwisterkindern in Geheimniskrämereien zu schwelgen – und Wolle zu wickeln. Für mein letztes Geschenk. Das ich mit allergrösster Wahrscheinlichkeit nicht fertig haben werde, wenn mein Junge seine seine Geschenke auspackt. Denn bis morgen, das ist nicht viel Zeit, wenn man einen Schal stricken will, einen der den Hals umschmiegt wie ein Kätzchen und sich auch so seidenweich anfühlt, warm und kuschelig (kein Wunder; das Garn ist ja auch reine Seide)… Aber die Hoffnung stirbt zuletzt, nicht wahr, und weil mir jetzt doch noch ein paar stille Nachtstunden bleiben, zum Stricken, die ersten paar Runden zumindest, darum setze ich hier einen Punkt.
Und fange an. Schön, so ein Abend davor. Immer wieder etwas ganz Besonderes.

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Happy Summer Vest (In deutscher Fassung)

Heute morgen verliess eine kleine Elfe das Haus. Der Morgennebel und die frische Herbstluft verwandeln meine beiden Nesthäkchen in Zwerge und Elfenkinder. Sobald der Herbst soweit fortgeschritte ist, dass der Niesel im Gesicht prickelt, kramen wir Zwergenmützchen und Elfenhut aus der Wollsachenkiste, und mein Mädchen trägt heute sogar Strumpfhosen dazu, einen Wollpullunder, die wattierte Regenjacke und Regenhosen mit Flies für über die Gummistiefel.
Euch jetzt, mit diesem Bild vor Augen, mein bordeaux Sommerleibchen (das zweite) vorzustellen, das fühlt sich etwas… schräg an (vor allem auch, weil ihr es schon mindestens 3 mal gesehen habt bisher; hier zum Beispiel, hier und hier…). Aber die letzten 2 Tage waren warm und sonnig, und ich weiss; sobald die Sonne sich ihren Weg durch den Herbstdunst gebahnt hat, wird auch dieser Tag so sein, ein Frühherbst-Tag in Grün und Gold.

Fast wie vor 5 Wochen. Noch war Sommer, ja, aber das Licht… das Licht war dasselbe. Golden und weich, genau wie heute…
Das Babykind spielte draussen, barfuss in ihrer (fast) neuen “Happy Summer Vest”, die beinahe ein bordeaux Strickkleidchen geworden wäre. Röcke und Kleidchen sind etwas ganz Wunderbares für mich, wirklich, und ich freue mich auf die Zeit, in der meine Kleine in Blümchenkleidern und flatternden Tanz-Jupes um mich herumwirbelt- aber für ein Krabbelkind sind Hosen einfach unschlagbar. Jeder lose Stoffstreifen kommt ohnehin sofort in die Quere, und ich glaube, Kinder in diesem Lebens-Abschnitt brauchen vor allem Platz, Freiheit und Geborgenheit, damit sie sich in ihrem Tempo entwickeln können, mit Sinnen, die sich voll und ganz auf die wirklich wichtigen Dinge in ihrem kleinen, spannenden Leben konzentrieren dürfen, und nicht auf sich verheddernde Rockbündchen.
Mamas Röckchen-Fimmel kann warten.

Und so schwierig ist das auch gar nicht, das Warten. Tunikas mag ich nämlich fast genauso gerne, je flattriger, desto lieber, und wenn die Länge stimmt, dann sind wir beide seelig, ich mit meinem Knubbelmädchen in Bordeaux, und das Babykind im weichen, fliessenden Strick, der warm hält, aber nicht zu warm, und der sitzt ohne einzuengen und die kindliche Entdecker-Lust zu hemmen.

Ich habe lange, sehr lange nachgedacht, ob ich dieses wundervolle Strickmuster für euch übersetzen soll (das Original von Rosa Hoban ist in Englisch verfasst).
Normalerweise bin ich vorsichtig mit solchen Dingen, ich möchte achtsam und verantwortungsvoll umgehen mit dem (Gedanken-)Gut anderer und gebe mir grosse Mühe, mich nicht mit fremden Federn zu schmücken, sondern offen und ehrlich zu bleiben und klar zu zeigen, woher ich die Ideen und Anleitungen für ein Projekt habe. Alles andere kommt mir falsch vor. Undankbar.
Bei Rosa Hobans Happy Summer Vest ist es nicht anders.  Ich liebe dieses Leibchen und bin absolut begeistert von seinem einfachen, bezaubernden “Schnitt”… Aber Mrs. Hoban scheint irgendwie … im www. verschollen zu sein: Seit 2009 kein neuer Blog-Eintrag, keine Updates mehr auf Ravelry, keine Reaktionen auf meine E-mails… Es macht mich immer traurig, festgefrorene Momente auf meinem Bildschirm zu sehen, Lebens-Zeichen, ein Blogpost, ein Foto, eine selbstgemachte Strick-Anleitung- und dann nur noch Schweigen zu hören, eine Stille, die es umgibt und von Vergänglichkeit erzählt…

Darum werde ich Rosa Hobans “Happy Summer Vest” übersetzen. Für euch. Und für sie. Aus Dankbarkeit und Wertschätzung, weil ich mir wünsche, dass dieses kleine, feine Stricktop/Kleidchen noch so viel Freude wie möglich in die Welt hinausträgt.

Happy Summer Vest
von Rosa Hoban
(in einer Art Kirschkernzeit-Variante)

Ich habe Rosa Hobans Leibchen ein bisschen abgewandelt (aber wirklich nur ein bisschen) und auch mit anderem Garn gestrickt als sie. Je nach Garn fällt natürlich auch die Grösse des Leibchens ein bisschen anders aus, selbst wenn man ein Garn mit derselben Lauflänge nimmt, kann das Resultat recht unterschiedlich gross sein: Bei meinem ersten Top habe ich zum Beispiel mit “Muskat” von Drops gearbeitet, bei der Tunika für mein Babykind hier mit Lang “Sigma”, und obwohl beide dieselbe Garnstärke aufweisen, ist meine erste “Happy Summer Vest” praktisch eine ganze Grösse weiter geworden als diejenige für das Babykind. Eine Maschenprobe wäre sicherlich nicht übel, schätze ich…
Für die Übersetzung hier bleibe ich möglichst nah an Rosa Hobans Strickangaben, ersetze aber die eine oder andere Angabe und füge persönlichen Notizen beider “Happy Summer Vest”-Versionen überall dort hinzu, wo es mir sinnvoll erscheint.

Diese “Happy Summer Vest” passt für Kinder im Alter von: 1-2 (3-4/ 5-6) Jahren.
Sie wird bis zur Passe rund gestrickt und dann in zwei Teilen hin und zurück fertig gearbeitet.

Material

Garn: Lauflänge 100m/ 50gr. zB. “Muskat” von Drops oder “Sigma” von Lang
Garnverbrauch: 2 (3, 4) mal 50gr. (je nachdem, wie lang man sie haben will, als Tunika oder Kleidchen vielleicht sogar, nimmt man natürlich mehr Garn)
Nadeln: 3.5
Maschenprobe: 22M/ 31R = 10cm/10cm

128M (154M / 176M) anschlagen
Runde 1: alle M re
Runde 2: alle M li
Runde 3: 1M re, *1Umschlag, 2M re zus.str.*   (*bis* wiederholen bis zum Rundenende) (Im Original wird das Lochmuster mit *yarnforeward, 2M re zus.str.* gemacht, aber ein Umschlag ist einfach leichter zu machen und ergibt in etwa dasselbe Muster (sagt Providencia. Auch ein anderes Durchbruchmuster sieht bestimmt zauberhaft aus, denke ich und kann so oft wie man mag wiederholt werden. Ich habe bei meiner 2. Version das Lochmuster 2 Mal gestrickt und werde das ganz sicher wieder so machen. Wenn nicht noch ausgiebiger…)
Runde 4: alle M li
Runde 5: alle M re

Nun glatt rechts weiterstricken bis das Teil 22cm (25cm / 27cm) misst. (Wer es gerne länger mag -so wie ich!- der strickt einfach weiter. Ein Kleidchen wäre sicher wunderhübsch!)

Abnahme-Runde: immer 2 M re zus. str. = 64M (76M / 88M)

Nun beginnt das Perlmuster. (Ich persönlich stricke gerne vor der Teilung in Vorder- und Rückseite 2-3 cm weiter Perlmuster in Runden, damit die Passe kompakter bleibt. Aber das ist so nicht vorgesehen im Original und muss auch gar nicht unbedingt sein.)

Passe

Für die Passe wird jeweils 1 Voderseite und 1 Rückseite im Perlmuster in Reihen hin und zurück gestrickt. Dafür trennt man zuerst einmal die Maschen in zwei gleichgrosse Hälften und legt die eine Hälfte still (mit einer Nadelklammer oder einem langen, dicken Restfaden). Dann strickt man auf 2 langen Nadeln im Perlmuster wie folgt:

1M re, 1M li, 1M re, 1M li… bis Ende der Reihe
1M li, 1M re, 1M li, 1M re… bis Ende der Reihe

So weiterstricken bis Vorder- und Rückenseite ca. 8-9cm (ca. 10cm / ca. 12 cm) messen.
Mit einer Linken Seite enden.

Träger und Ausschnitt:

Rückenseite:
8-10 M (je nach Vorliebe auch mehr oder weniger Maschen) im Perlmuster stricken, dann alle Maschen re abketten bis nur  noch 8-10 M (inkl. der Masche auf der linken Nadel) übrigbleiben. Das sind die Träger-Ansätze, die später mit den Trägern der Vorderseite zusammengenäht werden. Diese Maschen stilllegen.

Vorderseite:
8-10M (je nach Rückenseiten-Träger) im Perlmuster stricken, dann alle Maschen re abketten bis nur noch 8-10 M (inkl. der Masche auf der linken Nadel) übrigbleiben. Das sind nun die Träger.
Diese Träger jeweils ca. 9-10 cm (ca. 8cm / ca. 10 cm*) im Perlmuster stricken
(* Hier habe ich noch keine erpropten Masse, muss ich zugeben. Probiert das Top am besten an und entscheidet spontan!)

Träger zusammennähen:

Die Träger der Vorder- und Rückenseite werden im Maschenstich zusammengenäht. Dafür ist es wichtig, dass die Träger-Maschen der Vorderseite und die Träger-Maschen der Rückenseite dieselbe Reihenfolge haben. Also zB.

Träger der Vorderseite:  1 re, 1 li, 1 re, 1 li
Träger der Rückenseite: 1 re, 1 li, 1 re, 1 li

Die Maschenstich-Maschen wiederum werden dann genau im Perlmuster gemacht, also so:

Träger der Vorderseite:   1 re, 1 li, 1 re, 1 li
Maschenstich-Maschen: 1li, 1 re, 1 li, 1 re
Träger der Rückenseite:  1 re, 1 li, 1 re, 1 li

Für den Maschenstich gibt es hier eine tolle Merkliste, die ich ganz besonders hilfreich finde. Oder das geniale Video von Ingrid aus der Strickpraxis, das ich mir immer wieder ansehen.

So. Fertig. Nur noch Fäden vernähen und anziehen und das Kind verknutschen!
Diesen Teil mag ich im Grunde wohl am allerliebsten.


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berührt: wahr-genommen

“Berührt” heisst für mich;
Einmal pro Woche möchte ich mein Augenmerk auf all die Dinge und Momente richten,
die mich wirklich berühren.
Wo mich etwas  inspiriert, anrührt, wo ich fühle, spüre, zum Denken komme.
Wo sich etwas bewegt, innen im Verborgenen oder ganz greifbar und sichtbar vor meinen Augen.
Mal voller Freude, mal nachdenklich oder sentimental, mal montags, mal sonnabends, wortreich oder stumm…
So wie es im Augenblick gerade richtig scheint.
(Und wer immer mitmachen möchte, ist ganz herzlich eingeladen.)

Das hier bin ich.
Man erkennt das an der grossen, grünen Brille (Obwohl meine eigentlich rot ist, weinrot, dem für mich schönsten unter den Beerentönen). Meine Brille, die ist wichtig und dominant, sie gehört zu mir, so wie der lange, schwere Zopf, der zwischen meinen Schulterblättern liegt oder wie die rauen, schmalgliedrigen Hände, die sich in kühleren Jahreszeiten manchmal anfühle wie Sandpapier (laut Kind1 *hüstel*).
Für meine Kinder bin ich wohl so. Ein bisschen laut, ein bisschen launisch, mal fröhlich, mal bedrückt, aber immer wichtig und gross in ihrem Leben, immer dairgendwie, und mit grossen, weit offenen Augen, die versuchen, zu sehen(manchmal aber trotzdem blind bleiben, ich weiss, ich weiss), mit ebenso grossen, kräftigen Händen, die mit anpacken können, wenn es sein muss, die sehr viel streicheln und Halt und Schutz geben- oder auch mal eine Türe lautstark ins Schloss schlagen lassen (*doppelhüstel*), dass die Wände nur so zittern.

Ja, das bin ich. Unter anderem. Mein Mädchen jedenfalls hat mich genau so gezeichnet, mit riesengrossen Hände, einem Wusch an braunen, dicken Haaren auf dem Kopf und einer Brille, die das halbe Gesicht bedeckt. Bloss der Mund fehlt. (Möglicherweise bin ich für sie doch nicht so laut und schnauzig wie ich mir manchmal vorkomme, da besteht also vielleicht noch Hoffnung.)

Ich mag dieses Bild. Es ist schön, zu sehen, dass ich wichtig bin für mein Kind und dass es mich sieht und wahrnimmt. Und mehr noch; Seht ihr die weit ausgestreckte, grosse Hand rechts? Und den etwas kleineren, schmalen Arm links? Das eine Bein ich kürzer als das andere und meine Brillenaugen sind ganz verwackelt. Ich renne, müsst ihr wissen. Ich renne, nein, hechte im Spurtsprintsprung hin zur Treppe, wo das Babykind gerade dabei ist, die steilen Stufen emporzukraxeln und dabei sein kleines Leben aufs Spiel setzt. Hinter mir auf dem Tisch steht noch die Tasse Kaffee, voll bis oben hin, ein einziger Schluck fehlt vielleicht, vielleicht aber auch nicht, denn Zeit zum Kaffeetrinken bleibt nicht, jetzt wo das Babykind die Welt unsicher macht und mich, die Mama mit den Argus-Augen und den grossen, Schutz-bietenden Händen auf Trabe hält wie ein Kutscher sein Zugpferd.
Ich bin auf dem Sprung, fast immerzu. So ist das Leben mit einem lebhaften, wissbegierigen Kleinkind (Ha! Da haben wir es! Aus dem Baby wird ein Kleinkind!), herrlich, zuckersüss, wunderschön und einfach einmalig. Aber auch anstrengend, kräfte-zehrend, voll und ganz einnehmend.
Und mein Mädchen sieht das. Sie beobachtet und nimmt auf, nimmt wahr, mit den Augen, vor allem aber auch mit dem Herzen. Auch mich, ihre Mama.
Ich glaube, das ist das ganz Besondere für mich an diesem Bild.

PS. Mein allerallergrösstes und innigstes DANKESCHÖN an Raniso (dieser Schatz, also wirklich…), die für mich eine Kopie dieses Textes wiedergefunden und ihn mir  in Windeseile zugeschickt hat, nachdem ich Schussel den Post versehentlich gelöscht hatte und ganz und gar verzweifelt war… DANKE, Raniso! Du bist ein Goldstück!

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