Monatsarchive: August 2013

berührt: Mondkind

„Berührt“ heisst für mich;
Einmal pro Woche möchte ich mein Augenmerk auf all die Dinge und Momente richten,
die mich wirklich berühren.
Wo mich etwas  inspiriert, anrührt, wo ich fühle, spüre, zum Denken komme.
Wo sich etwas bewegt, innen im Verborgenen oder ganz greifbar und sichtbar vor meinen Augen.
Mal voller Freude, mal nachdenklich oder sentimental, mal montags, mal sonnabends, wortreich oder stumm…
So wie es im Augenblick gerade richtig scheint.
(Und wer immer mitmachen möchte, ist ganz herzlich eingeladen.)

Mein Mädchen ist ein Mondkind. Keiner, der sie kennt, könnte daran zweifeln. Sie sieht ihn, sobald auch nur ein Spitzchen von ihm irgendwo am Himmel auftaucht, selbst am hellichten Tag, im Sommer sogar, falls er sich zeigt, ganz am Rande, von der Sommersonne in den Schatten gestellt. Dann freut sie sich und lacht und zeigt ihn jedem, der es wissen will.
Wenn er abends nicht zu sehen ist, weil Wolken ihn verdecken oder der Nebel ihn nicht durchlässt, dann kann es Tränen geben („Ach Mama, ich bin so traurig, es ist Leermond!“) Ja, sie liebt ihn, den Mond, ihren Mond. Sie wartet auf ihn, sie vermisst ihn. Sie malt ihn, sie bastelt ihn, lässt die Fensterläden offen, nur für ihn, denkt sich Mond-Geschichten aus… und sie redet mit ihm. Als könnte er jedes einzelne Wort verstehen, laut und liebevoll wie zu einem guten Freund, der über sie wacht. Wie neulich, als er rund und gross wunderwunderschön am Horinzont aufstieg und sie ihm -aufs Fensterbrett gestützt wie diese jungen Frauen auf alten, schwärmerischen Bildern- beim Wandern zusah:

„Liebe Mond, ich han dich so gärn. Du bisch so schön und lüüchtisch so hell. Ich schick dir än Gruäss, gäll? Und säg a dä Sunnä au än Gruäss vo mir. Und säg ihrä dankä, dass sie üs Liecht gitt und warm. Also, guät Nacht, liäbä Mond, schlaaf guät!“

„Lieber Mond, ich hab‘ dich so lieb. Du bist so schön und leuchtest so hell. Ich schicke dir einen Gruss, ja? Und bitte sag der Sonne auch einen Gruss von mir. Und sag ihr danke, dass sie uns Licht gibt und warm. Also, gute Nacht, lieber Mond, schlaf gut!“

PS. Hm… das Foto hat ja nun nicht gerade Museums-Wert, ich weiss… Aber ein besseres wollte mir einfach nicht gelingen. Und das nachts im Halbdunkeln, zu nachtschlafender Stunde…

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this moment: Schattenrisse

 Nach einer Idee von Soulemama: eine Erinnerung, ein Bild, vielleicht nur wenige Worte.
Um Luft zu holen und die Erinnerung zu bewahren.

Licht und Schatten

zwei, die
einfach zusammengehören
irgendwie

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Zum Selbermachen: Glücks-Stoff

Mein Mädchen ist in der Spielgruppe, zum allerersten Mal in ihrem Leben (und von nun an also einmal pro Woche für 2.5 Stunden). Sie hat sich absolut unbädnig gefreut, den ganzen Weg lang wurde an meiner Hand gezupft und gezerrt, als hätte ich einen jungen Hund an der Leine, und es war pure Freude, die da so rupfte, Hüpfkindfreude, denn richtige Schritte konnte sie keine mehr machen, nur noch Hüpfer und Hopser. Und ich habe jetzt Muskelkater in den Wangen. Vom Dauerlächeln. Fröhliche, glückliche Kinder sind Glückstoffe, die besser, länger und intensiver wirken als jede Confisserie-Praline. Und das will was heissen.
Um mein Glück noch voller zu machen; Mein Baby schläft. Tatsächlich. Einfach so. Mitten am heiterhellen Vormittag. Ich habe Zeit. Ein klein wenig (also 30 min, aber wir wollen jetzt mal das volle Glas sehen, ja?), Zeit zum Schreiben und für mich, mit noch wachem Geist und energievollem Körper fühlt sich das sehr viel besser an als nachts um zehn, wenn der grösste Teil von Bora Kirschkernzeit schon halb ins Schlummerland enrückt… Wunderbar ist das, hier so zu sitzen und zu tippen! Wie Ferien vom Dienstagmorgenleben. Hach.
Ich bin ja von Natur aus eher der Pessimist, ich rechne -aus Prinzip- schon mal mit Stolpersteinen im Weg und sehe die Kathastrophen kommen, noch bevor sie sich abzeichnen, wie ein Wach-Hund der angibt, weil er von weit her Verdächtiges wittert. Auf diese Art werde ich weniger enttäuscht, seltener überrumpelt – und erlebe eigentlich hauptsächlich positive Überraschungen *grins*. Als Pessimist kannman sich ja noch richtig schön freuen. Weil es oftmals doch viel besser kommt als erwartet.

So wie vor ein paar Tagen, als ich mit meinen beiden Mädels vor drei (!) pappvollen Bananenschachteln mit alten Kinderkleidern vom Speicher kniete und -halb begraben unter Hosen, Pullis, T-Shirts und Ringelsocken- aussortierte. Das meiste davon stammte noch von Kind2, ein paar Sachen von ausserhalb, wo nette Frauen mir die abgelegten Sachen ihrer Kinder zum Durchsehen geschenkt hatte, bevor daraus Kleidersammlungsgut wurde. Mein Mädchen ist gewachsen. Das tun sie ja immer, unsere Kleinen; wachsen, wachsen wie junges Getreide, schlank und hoch und biegsam. Und die Kleidertürmchen im Schrank fallen immer öfters zusammen, weil vieles gar nicht mehr passt, bloss Platz verbraucht, und weil gewühlt werden muss, bis man fündig wird.
Wir sassen also da und teilten die Kistenkleider in drei Haufen, in „Ja, super!“, „Nein, bitte nicht“ und „Hm. Daraus lässt sich doch bestimmt noch was machen“ (letzteres nach alter Crafter-Manier). Vieles wanderte in Haufen Nr. 2 (nicht weil die Kleider so schrecklich waren, nein, aber wir sind ja hier in „Simplify-your-life-Stimmung“), zwei, drei Sachen kamen in Haufen Nr. 3 und, doch, ja, ein paar Kleider fanden sich auch im ersten Haufen wieder. Unter anderem auch ein blütenweisses, einfaches Mädchen-T-Shirt.
Und genau das war so eine dieser schönen, durch und durch positiven Überraschungen des Lebens. Also nicht unbedingt das T-Shirt selber- aber das, was daraus wurde

Ein weisses Shirt ist ja nun nicht gerade der Stoff aus dem Mädchenträume sind, als „Traumlandkulisse“ aber sind sie einfach unschlagbar! Irgendwann fiel nämlich das Wort „malen“ bei uns, mitten ins grösste Kleiderschaos hinein, und „drucken“ und „Marienkäfer“ und „Jetzt, sofort? Au ja!“. Schon sassen wir unten in der Küche mit Freezer Paper, Stoffmalfarben, Schere und Bügeleisen. Und machten meinem Kind ein ganz spezielles T-Shirt; eins mit einem Marienkäferchen drauf. Mein Mädchen liebt nämlich Marienkäfer. Wie die meisten kleinen Mädchen mag sie auch Hello Kitty ganz gerne, aber Marienkäferchen…? Eine ernst zu nehmende Konkurrenz (Gott sei dank!).

Weil Schablonieren mit Freezer Paper so herrlich einfach ist, konnte mein Mädchen fast alles selber machen, und sie war wirklich mit Herz und Seele dabei; Die Marienkäfer-Silhouette auf die matte Papier-Seite zeichnen, das ging ganz fix, wenngleich etwas … ähm … kritisch („Was? Nicht ausmalen? Aber ein Marienkäferchen braucht doch Punkte!“).  Das Ausschneiden habe dann ich übernommen, die Ränder müssen nämlich sehr sauber sein, dürfen keine Risse haben und auch auf gar keinen Fall gerissen werden. Nach dem Aufbügeln der Schablone auf die Shirt-Oberseite und mit einem zusätzlich eingebügelten Extra-Blatt Freezer Paper als Durchdruck-Schutz in der T-Shirt-Innenseite, kam dann aber mein Kind wieder an die Reihe, zum Malen. Sie pinselte den oberen Teil mit schwarzer, den unteren Teil mit knallroter Textilfarbe aus, seelenruhig und schön von Seite zu Seite (Das heisst- da wir in Rot bloss noch Stifte hatten, wurde hier eben gestrichelt. Geht auch. Prima sogar.) Eine schwarze Mittel-Linie markiert die Flügel, Punkte werden entweder mit der Rückseite des Pinsels oder mit einem schwarzen Textilstift aufgetupft bzw. aufgemalt. Voilà. Einfach und gut. Und doch so raffiniert. Aber  sind die besonders guten Dinge das nicht meistens? Einfach, gut und raffiniert?

Über Mittag musste der Käfer dann trocknen. Vorerst noch ohne Fühler oder Beine. Die kamen erst nach dem Entfernen des aufgebügelten Papiers dazu -schwupps, schwupps- mit ein paar knappen, beherzten schwarzen Strichen aus der Hand meines Mädchens.
Wo wir gerade von Glücks-Stoffen sprachen; Auch Kinderkunst macht mich glücklich. Bis über beide Ohren. Und spazierengetragene Kinder-Kunst macht sogar noch glücklicher, und nicht nur das; sie kann sogar richtiggehend süchtig machen. Wappnet euch also Freunde…

Ach ja,ehe ich’s vergesse; ratet mal, was mein Mädchen heute trug für ihren allerersten, heiss ersehnten, voller Freude erwarteten Spielgruppen-Morgen?…

Vorfreude + Marienkäferchen + Kinderkunst + die Gunst der Stunde
= Glücksstoffe en masse.
Neu sogar mit lila Sommerblumenwiese.
Könnte sein, wir haben gerade den Glücks-Code geknackt.

 

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Wochen-Ende: mittendrin

Im Augenblick habe ich das Gefühl, wieder so richtig mittendrin zu stehen, zu schwimmen in all den grossen und kleinen Alltags-Trubeln, und das Leben ist so voll und so reich und so warm wie die Natur, die gerade dabei ist, zu vollenden, was sie angestrebt hat in all ihrem Wachsen und Blühen; es wird Erntezeit. Überall. Ferien gehen zu Ende, Globetrotter kehren zurück, Kinder gehen wieder zur Schule, die Städte füllen sich erneut, und alles fängt von vorne an, nur ein vielleicht ein bisschen entspannter und reicher an Erlebtem.
Wie immer bin ich erstaunt, wie rasch man wirklich zurück ist. Zurück im Alltag, zurück in allem, was vorher schon war. Egal wie lange der Unterbruch dauert und wie weit man der Normalität entfliehen konnte- zwei, drei Tage, und sie hat einem eingeholt, da gibt es kein Entrinnen. Aber ist das schlimm? Hm… ich weiss nicht so recht. Ich glaube, nicht wirklich. Irgendwie ist es wahrscheinlich genau das -der stinknormale Alltag mit all seinen Gewohnheiten, den scheinbar unbedeutenden Ritualen und eingespielten Abläufen, mit seinen altbekannten Gesichtern, den vertrauten Wegen und sich ständig wiederholenden Aufgaben das- was wir Heimat nennen. Und wieder zuhause zu sein, zurück in der Heimat, das ist doch eigentlich etwas ganz Wundervolles, finde ich…

Mittendrin

: … entstehen manchmal wunderbare Dinge, ganz spontan und unverkrampft. Und ich staune, dass sie tatsächlich noch möglich sind (mit etwas Glück), diese kleinen Nischen im Alltag, diese plötzliche Lust und Begeisterung, etwas zu erschaffen, aus dem Nichts entstehen zu lassen. Einfach nur so. Weil es Freude macht :

: … reifen erste Cherrytomaten an den Sträuchern, rot und rund und süss und haargenau richtig für hausgemachte Tomatensauce, Pizza à la maison- oder für kleine Schleckmäulchen, die alles, was gut ist, direkt von den Ästchen naschen :

: … ist ein Fussballfieber ausgebrochen, das mein Mutterherz zum Strahlen bringt; meine zwei Jungs, wie sie im Garten Pflanzenstäbe einbuddeln, als Tor, und in den ausgetragenen Fussballklamotten meines Bruders einem lumpigen, zerkratzten Ball nachjagen, barfuss oder in Sandalen. Aber sie tun es gemeinsam. Und das ist, was für mich zählt :

: … steht da eine einzelne Sonnenblume. In einer Vase in meiner weissen Küche. Und strahlt. So wie der grosse, dicke Strauss im Schulzimmer am allerersten Tag meines kleinen, grossen Schulkindes. Sonnenblumenstrahlen für eine weitere Woche Erstklässler-Sein. :

: … liegen Kürbisse in unserem Garten-Djungel, ein bisschen orange, ein bisschen grün. Und spannen eine Brücke. Vom Sommer zum Herbst :

: … spüre ich den Drang zu ordnen und Angefangenes zu Ende zu bringen. Ich sortiere, reduziere, arrangiere. Es tut gut, leere Plätze zu sehen in den Regalen und Schränken. Schönes oder Heissgeliebtes braucht einfach Platz zum Leuchten :

                                                                                   *

Es war eine gute, reiche, aber auch anstrengende Woche, meine letzte. Das Babykind kam gar nicht gut klar mit seiner Impfung, und bis zu diesem Samstag fühlte ich mich wie zurückversetzt in die ersten neun Monate mit ihr, wo ich sie buchstäblich rund um die Uhr an meinem Körper trug… Nur sitzt sie mir heute mit ein paar Kilo mehr auf den Hüften. Heute ist sie wieder das stille, anhängliche aber zufriedene kleine Speckröllchenbaby, das sie normalerweise ist. Und ich bin mehr als dankbar dafür. Gesundwerden macht einfach glücklich. Und demütig.
Ein Kind wurde Fünftklässler, mit grosser Verantwortung (Nein, diesmal lief ich nicht mehr noch halb im Pijama zu ihm ins Schulhaus, um ihm das vergessene Englischbuch zu bringen… Diesmal nicht. Nicht mehr. Aber es war hart. Für mich.), ein Kind wurde Erstklässler, brachte erste Hausaufgaben mit nach Hause und ein riesengrosses Bedürfnis nach Nähe, Ruhe und Aufmerksamkeit,  wie so viele Kinder auch, denke ich.
Zum Schulkind zu werden, das kann Angst machen, Versagens-Angst vielleicht oder ein Gefühl von Verlorensein in diesem grossen, fremden Gebäude voller unbekannter  Türen, Situationen und Gesichter. Doch sie wachsen. Sie wachsen da hinein, genau wie ihre Mütter, und irgendwann ist nichts von all dem mehr bedrohlich, sondern vertraut und – hoffentlich – sogar geliebt, so wie man sein Dorf lieben kann, seinen Häuserblock, seine Region. Oder seinen Alltag. Einfach deshalb, weil das alles zu einem gehört, weil es Heimat ist, vertraut, einzigartig, blind zu erkennen, wie die eigene Hosentasche. Und weil man mittendrin steht. Im Abenteuer namens Leben.

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