Monatsarchive: August 2013

this moment: Gipfelstürmerin

 Nach einer Idee von Soulemama: eine Erinnerung, ein Bild, vielleicht nur wenige Worte.
Um Luft zu holen und die Erinnerung zu bewahren.

Charakterstark

Veröffentlicht unter Augenblicke, Familienalltag, Kinder, Themen-Reihen, this moment | 6 Kommentare

Zur Zeit…

Zur Zeit…

* Zur Zeit… fühle ich mich oftmals  wie… gefangen. In einer Art goldenem Käfig. Mit Baby auf dem Arm, Kochlöffel in der einen und Vorlesebuch in der anderen Hand, die Schürze um den Bauch und alles voller Mehl oder Schokolade oder Legoteilchen, und irgendwie sind meine Ohren müde geworden, und empfindlich. Meine Augen genauso, sie haben Mühe, das Schöne zu sehen zwischen all den Hürden und Haufen an Arbeit und schon wieder von vorn beginnender Aufgaben. Mir scheint, hier gibt es kein Enrinnen. Nur die Zeit. Sie arbeitet für mich. Denn es wird alles leichter werden, irgendwann. Darauf vertraue ich. Voll und ganz. *

* Zur Zeit… brauche ich ganz, ganz viel Luft, Leere und … so viel Ordnung wie nur irgend möglich (also nicht so wahnsinnig viel *hüstel*, das dann aber unbedingt). Und jede Ecke, die neu und frisch wieder entlassen wird aus meiner ordnenden Hand, macht mir Freude, unglaublich viel Freude. Sie wirkt wie… eine Pauseninsel hier in meinem Ozean, wo nichts jemals stillzustehen scheint und Woge über Woge mein Gleichgewicht ins Wanken zu bringen droht. So ein Blick auf eine weisse Pinnwand zum Beispiel, befreit von wild übereinander gesteckten Näh-Anleitungen, Ideensammlungen und Krimskrams, dafür jetzt fein bestückt mit Kinderkunst (yep, die Papier-Männchen-Reihe meines Mädchens hing vorher in der Küche) tut so gut! Oder meine zwar winzigkleine, dafür wieder tadellos saubere Info-Ecke (rechts unten im Bild).  Eine Agenda, Steck-Igel für hübsche Zeichungen oder Arzttermine, ein alter Toasthalter für Rechnungen und Schul-Info-Blätter oder für Post, die zum Briefkasten muss- sie mag klein sein, aber sie funktioniert. Und alles, was funktioniert ist gut.
Und sobald es funktioniert und erst noch hüsch aussieht, betrachte ich es definitiv als Wunder. *


* Zur Zeit… sitze ich immer wieder still und staunend bei meinem Baby. Das eigentlich kein Baby mehr ist, seit Juli schon nicht mehr, aber irgendwie… eben doch. Für mich zumindest. Für mich wird sie wohl noch eine ganze Weile das Babykind bleiben, das Babykind, das nun mit allergrösster Leidenschaft Treppen, Stühle und Leitern besteigt, als wäre sie allein dazu geboren, die höchsten Gipfel zu erklimmen, die sie findet in ihrem kleinen, immer grösser werdenden Universum. Das Babykind, das keine Angst zu kennen scheint, nur Ziele, Ziele, die es anvisiert und fest im Auge behält, verteidigt gegen Mamas Einwände und Ablenkungsmanöver, koste es was es wolle. Das Babykind, das sofort ahnt, wofür die kleinen, bunten Wachsstift-Würfelchen gedacht sind, und das trotzdem staunt und sich freut, wenn die Linien, die seine Hände damit fahren auch tatsächlich auf dem Papier erscheinen, kunterbunt und wie durch Zauberei. Wenn man 1 Jahr alt ist, steckt die Welt noch voller unbekannter Möglichkeiten, voller Zauber und Wunder. Schön. Auch für mich, die ich mit eintauchen darf in diese Welt. Still und staunend. *

* Zur Zeit… verändern sich die Winkel in meinem Haus. Der Herbst zieht ein, ganz langsam, in kleinen, vorsichtigen Schrittchen. Ein bisschen Sommer, ein bisschen welkes Laub, eine Stimmung, die mich anrührt, weil sie melancholisch ist und doch auf stille Art froh. Ich sitze mit dabei, während der Sommer sich zum Abschied bereit macht, ich sehe die Wärme, die nun nicht mehr wirklich spürbar, aber immer stärker sichtbar wird, nicht nur draussen, im Laub, im Licht, im Graublau des Himmels, in den Tomaten und Kürbissen… sondern auch drinnen, wo ich plötzlich den alten, handgemachten Tonkrug wieder hervor geholt habe, für einen schlichten, schweren Strauss Wermut aus dem Garten. *

* Zur Zeit… bin ich dankbar und jedes Mal verblüfft, wenn die Sonne sich aus dem frühen Morgennebel schält. Es ist August, immer noch, eine wunderbare, üppige und nährende Zeit, aber eingepackt in Nebelgrau vergesse ich den Sommer so leicht. Dann fühle ich mich überrumpelt und betrogen, weil es mir vorkommt, als wäre dieses Jahr alles viel zu schnell gegangen, ein Wechsel ohne Abschied, vom Sommer direkt und ohne Umschweife mitten hinein in den Herbst. Doch dann bricht die Sonne durch. Und aus dem Herbst wird wieder Sommer, ein August, so warm und schön, wie er sein soll. Ja, dafür bin ich dankbar. Für die Sonne, den Sommer und die Zeit des Abschieds. Es tut gut, wenn noch Zeit bleibt für ein Lebewohl. *


* Zur Zeit… sammle ich Kräuter, Gartenkräuter, die den Wildwuchs in meinem Garten überlebt haben. Es sind nicht viele, Minze, Malven, ein paar Ringelblumen, etwas Schafgarbe, Thymian, von allem nur ein paar Handvoll, mehr nicht. Aber für ein Tässchen Tee reicht es allemal. Sogar für einen kleine, getrockneten Vorrat davon. Mit Berghonig aus dem Puschlav schmeckt er Schluck für Schluck nach einem besseren, selbstbestimmteren Leben, nach den Heilkräften der Natur… und ein bisschen auch nach Hustensaft *grins*. *

* Zur Zeit… überfällt mich manchmal, meistens schon frühmorgens, sobald die Jungens aus dem Haus sind, dieses absolut verzehrende Verlangen, zu nähen, zu stricken, kreativ zu sein, so richtig, stundenlang und ungestört, einfach nur ich und ein wilder Tanz von Farben, Mustern und Ideen. Doch die Realität ist nüchtern im Moment, sie berechnet genau und weiss, was möglich ist. Und was eben nicht. Nun… viel wird nicht genäht zur Zeit. Auch gestrickt wird nur wenig und selbst das schleppt sich träge dahin… Aber für diese ganz einfache Tasche aus einem alten Vorhang in kräftigem Rot und einem altmodischen Stückchen Retroprint musste die Zeit einfach reichen… *

*Zur Zeit… stehe ich ab und zu ganz versunken vor meinem alten, weissen Sekretär und sehe mir die Stoff-Stapel an, die sich in seinen Schubladen und Fächern stapeln. Meine Augen ruhen in Mustern und Farben und meine Hände arrangieren und probieren immer wieder neue Kombinationen aus, ganz von alleine. Es ist ein Spiel. Nur für mich. Eines, das mir Mut macht und Freude und irgendetwas in mir zur Ruhe bringt. Einfach nur indem ich Harmonien erschaffe, da wo vorher noch nichts zusammengehörte.*

* Zur Zeit… möchte ich versinken in Bildern wie diesem. Die Zeit anhalten, festhalten, eintauchen darin… Ein schlafendes Baby, ein Kuschelhase, der -zum 2. Mal schon- dazugehört, geliebt wird, gebraucht wird, ein Nest aus Kissen und Decken, Geborgenheit und Ruhe, Zuflucht… Ja, das ist es, wonach ich mich sehne. -Und genau das habe ich ja bereits, hier und jetzt, ein Baby, ein Daheim, einen Kuschelhasen, Liebe und alle Geborgenheit, die ein Mensch sich nur wünschen kann. Wunderbar eigentlich. *

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berührt: (B)Engelchen

“Berührt” heisst für mich;
Einmal pro Woche möchte ich mein Augenmerk auf all die Dinge und Momente richten,
die mich wirklich berühren.
Wo mich etwas  inspiriert, anrührt, wo ich fühle, spüre, zum Denken komme.
Wo sich etwas bewegt, innen im Verborgenen oder ganz greifbar und sichtbar vor meinen Augen.
Mal voller Freude, mal nachdenklich oder sentimental, mal montags, mal sonnabends, wortreich oder stumm…
So wie es im Augenblick gerade richtig scheint.
(Und wer immer mitmachen möchte, ist ganz herzlich eingeladen.)

Ich habe ein Mädchen, das hat seinen ganz eigenen Kopf.
Daran gibt es nichts zu rütteln.
Sie weiss, was sie will und trägt ihr grosses Herz nicht nur auf der Zunge, sondern überall, weil sie lebt, was sie fühlt und ihr Gegenüber (noch) nicht scheut, sondern blind und offen in den Tag hineinwandert und alles, was sie denkt, glaubt und fühlt ungefiltert ausdrückt,
egal wann, egal wo.
Das ist nicht immer einfach für mich. Manchmal ist es sogar
ausgesprochen unangenehm, vor allem, wenn wir unter Menschen sind.
Doch andererseits…
Es hat so etwas Extravagantes an sich, dieses Kind,
etwas, liebenswert Exzentrisches,
das mich als Mutter zwar herausfordert, das ich
-insgeheim-
aber auch ein klein wenig bewundere
und eigentlich auch sehr, sehr liebe

Sie ist und bleibt ein
Lausejunge im Mädchenformat.
Ein Klasse-Rasseweib
mit Engelslöckchen.

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Es gut sein lassen

Manche Dinge ändern sich ja nie. Aber widerum dann gibt es Dinge, die überraschen eine, weil sie anders sind als erwartet, anders als gewohnt…
Der Sommer zum Beispiel war nie so wirklich meine Jahreszeit. Zu heiss, zu grell, zu laut, zu hektisch, zu … Party. Doch in diesem Jahr… In diesem Jahr war alles ganz anders. Ich kann es mir selber nicht recht erklären, aber ich glaube, ich habe angefangen, den Sommer zu mögen, dankbar für ihn zu sein, auch für seine Wärme und Helligkeit.

Es fing schon damit an, dass er sich enorm viel Zeit liess, der Sommer. Dass er zeitweise unheimlich nass war, so richtig Regentage-durchtränkt, so kühl und nass und unsommerlich, dass sogar ich mich langsam zu freuen begann, auf den Moment, wo er endlich richtig ankommen und (bittebitte) auch bleiben würde, für eine kurze, aber wunderbare Saison.
Das tat er dann auch; die Sommerferien wurden hell und heiss, so brütend heiss und blendend, dass ich den Löwenteil davon daheim im Schatten verbrachte- und genau das in vollen Zügen genoss, ganz ohne Gewissensbisse, ohne dieses dumme Gefühl, versagt zu haben, weil ich meinen Kindern vielleicht nicht den Spass oder die Freiheit bieten kann, der den Sommer anderer Kinder ausmacht, wo entspanntere, energie-reichere Mütter mit ihnen ins Freibad pilgern oder an den Fluss, wo Kinder tagelang draussen im Quartier herumstrolchen dürfen wie kleine Abenteurer und richtig echte Urlaube möglich sind, solche am Meer oder in fernen Ländern… Solche Dinge kann ich nicht bieten. Wirklich nicht. Dazu bin ich zu müde, zu verbraucht, zu besorgt und zu beschränkt in meinen Möglichkeiten, nur schon rein örtlich, wo ich manchmal das Gefühl habe, umzingelt zu sein von Strassen, hier in unserem kleinen Gärtchen.
Aber… ich glaube, in diesem Sommer war das -zum allerersten Mal wahrscheinlich, seit ich Mutter bin- einfach nur … vollkommen okay

Ich bin was ich bin. Und ich gebe mein Bestes. Und wenn dieses Beste darin besteht, zwei, dreimal die Woche ein bisschen unseren Dorf-Bach entlang zu spazieren, den Blick über die Felder und Wiesen gleiten zu lassen, etwas Waldluft zu schnappen, sich im Horizont zu verlieren- und dann wieder zurück zu kehren, in den kühlen, sicheren, kuscheligen Schoss der Familie, in unser Zuhause, wo wir alles finden, was wir lieben und brauchen… dann muss das reichen.
Und es reicht. Ganz ehrlich. Es ist vollkommen in Ordnung so, schön sogar, auf seine Weise…

Denn… mal ganz ehrlich; Wie viel Aussergewöhnlichkeit braucht ein Kind zum Glücklichsein? Ich glaube, ein Kind braucht Liebe, Liebe grenzenlos und warm und wie ein Fluss, der niemals versiegt. Und dann braucht es das Gefühl, geborgen zu sein, ein Segen zu sein, ein Geschenk, ein Teil von uns, der nicht mehr weg gedacht werden will, und nicht eine Last oder etwas, das zuerst noch bearbeitet, studiert und behauen werden muss, bevor es “richtig” ist und liebens-wert. Ich glaube, mein Glück und meine Zufriedenheit, wird ein Stück weit auch zu seinem Glück, zu einem warmen, weichen, sicheren Nest.
Und die Abenteuer? Die Reisen? Die grossen Erfahrungen, die einem formen und den Horizont erweitern?
Das hat Zeit.
Es mag wunderschön sein und unbezahlbar wertvoll, aber es hat Zeit.

Ich glaube, das Glück liegt vor allem im Zusammenhalt, in der Geborgenheit der Familie, für mich zumindest, aber ich denke, ganz besonders auch für ein Kind, denn das Kind hat eigentlich nur dieses eine; die Familie. Glück ist, dass es weiss, “wir gehören zusammen”, Glück liegt in den liebenswerten Kleinigkeiten des Alltäglichen, in der Beständigkeit und Routine, in der Verlässlichkeit, dass Menschen da sind und sich kümmern, Tag für Tag, immer, dass sie vielleicht gehen- aber wiederkommen, und dass da offene Ohren sind für Kinder-Sorgen und Kinderträume, offene Augen für die kleinen Alltags-Wunder, die ihm begegnet sind, für Errungenschaften und gemeisterte Schritte, dass es offene Hände gibt, die es tragen, wenn es müde wird, Arme, die auffangen und Geborgenheit schenken. Das ist es, was ich mir wünsche, und daran arbeite ich, immer wieder, jeden Tag eigentlich (mal mit mehr mal mit weniger Erfolg). Auch indem ich es zulasse, dass ein weiterer Sommer ins Land zieht ohne Ferien am Meer, ohne wild romantische Tage mit Zelt und Rucksack irgendwo in der Wildnis, ohne täglich selbstgemachtes Brot oder handgenähte Sommerkleidchen, ohne dies und ohne jenes, und indem ich so manchen Wunsch und manches Ideal einfach mal loslasse -vorerst- weil ich merke, dass es einfach noch keinen Platz findet in meinem, in unserem Leben. Noch nicht. Weil es Zeit hat.

Was zählt ist, dass bei allem, was ich tue Herzblut mit dabei ist, Freude und Echtheit und echtes Da-Sein bei allem, was ich schaffe (und das ist nicht wirklich viel, fürchte ich), in meinem Tempo und mit meinen Ressourcen und Möglichkeiten.
Natürlich ist das nicht immer möglich. Es gibt gute Tage, es gibt weniger gute und es gibt immer wieder auch grottenschlechte, ganz miserable Tage, an denen ich kein Tröpfchen Herzblut abgeben könnte, ohne einen Kreislaufkollaps zu riskieren. Das weiss ich. Und trotzdem versuche ich, auf meine innere Stimme zu hören, so oft es nur geht, mir und meinen Kindern die Wünsche zu erfüllen, die möglich sind, und alles andere… ruhen zu lassen. Bis es Zeit ist dafür. Und diese fiese innere Stimme, die ihre Sätze immer nur mit “Du musst aber…”, “Es ist total wichtig dass…”, “Andere Mütter machen aber…”, “In “Wir Eltern” steht, dass…”, die überhöre ich einfach. Oder ich versuche es.
Und manchmal gelingt es mir sogar, und wir haben eine richtig gute, entspannte, sehr, sehr verbindende Zeit zusammen, in aller Einfachheit und Schlichheit.
So wie diesen Sommer.

Nach den Sternen zu greifen ist etwas ganz Wunderbares, ehrlich. Aber im Augenblick fühlt es sich einfach richtiger an, in meinen kleinen Garten zu gehen und statt Sternen… Blumen zu pflücken.
Die letzten Blumen eines reichen, gesegneten Sommers.

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