Monatsarchive: Juli 2013

das weisse Zimmer

Die heissen Tage und mein … naja, Schattendasein in unseren dämmrigen Zimmern hat mich irgendwie emsig gemacht; Ich räume. Ich räume auf und um und wirble durchs Haus wie die verzauberten Fegbürsten alter Disney-Klassiker. Es tut so gut, Raum zu schaffen. Dem Licht mehr Platz zu schenken und all dem verstaubten Trödel in den Ecken Lebewohl zu sagen…

Gestern war das Zimmer von Kind1 dran. Oh ja, und wie.
Das weisse Zimmer

Es ist schon eine ganze Weile her, dass Kind1 in seine kleine, weisse Kammer gezogen ist. Alles ist weiss hier, von den Wänden, über die Decke bis hin zum selbst eingelegten Dielenboden aus billigen Estrich-Latten. Auch das schmale Sideboard, das die ganze Zimmerbreite unter der Dachschräge ausfüllt, ist weiss, aus denselben Brettern getischlert und mit derselben Lasur gestrichen wie der Boden.

Ich mag diesen Raum. Es ist einer meiner allerliebsten Orte hier in diesem alten Haus. Vielleicht weil er ursprünglich für mich gedacht war?
Da war ein alter, kaputter, mit Dachziegeln (!) vollgepackter Kaminschacht, der sich vor’s Fenster drängte und das Zimmer verdunkelte, da war die zerschlissene Tapete und der grüne, knautschige Linoleum-Boden, da waren versteckte Balken und ein dickes Vorhangbrett über dem kleinen Fenster… und um all das hat Herr Kirschkernzeit sich gekümmert, damals vor 7 Jahren bald, als wir ganz frisch hier einzogenm mit Sack und Pack und zwei kleinen Kindern.
Der Kamin wurde abgebrochen, die Tapete abgekratzt, der Linoleum herausgerissen, die Balken freigelegt und abgeschliffen, das Vorhangbrett kam weg und ein hübscher, neuer Holzboden wurde -Brett für Brett, als eine Art Pilot-Projekt- ins Zimmer eingefügt. Ich musste nur laut träumen- und all meine Wünsche wurden erfüllt. Mein Zimmer. Mein Raum. Das weisse Zimmer.

Nun, heute lebt Kind1 darin. Und ich glaube, er fühlt sich genauso wohl hier wie ich seinerzeit.

Als Kind1 umzog nahm er nicht viel mit aus dem blauen Zimmer, das er ein paar Monate lang mit seinem Bruder geteilt hatte. Mit 10, mittlerweile 11 Jahren passen die meisten persönlichen Habseligkeiten noch in eine grosse Truhe, und genau die fand auch als Allererstes ihr Plätzchen, die grosse, schwarze Musiker-Truhe, die so gut zu diesem Kind passt und jetzt auf Briefe, Erinnerungs-Stücke, Walkman (yep, so was gibt’s noch immer im Hause Kirschkernzeit) und selbstgemachte Schätze achtgibt.

Das Bett ist alt und hässlich, mein Bett aus Kindertagen aus gebogenem, schwarz lackierten Holz, mitsamt den Kratzern und Kerben der letzten 20 Jahre. Ich halte Ausschau nach etwas Schönerem, und mir schwebt ein altes Eisenbett vor oder ein schönes, geschnitztes Holzbett, das wir frisch bemalen, in Weiss, auch in Tintenschwarz, wenn es denn sein muss… doch Kind1 lehnt dankend ab. Mit Nachdruck. „Ich mag dieses Bett, Mama. So eines wollte ich schon immer.“
Na, wenn das so ist…

Auch der Tisch ist alt, ein Sperrmüll-Fund ohne Schublade (Dank Herrn Kirschkernzeit -einen recht kräftigen Applaus bitte- hat er nun wieder eine). Der angeschliffene Stuhl lag in Zürich am Strassenrand, sein brauner Zwilling stand beim Trödler in der Ecke und wartete auf mich. Die Dinge, die darauf Platz finden, wechseln ständig. (Genauso auch die Bilder an den Wänden. Das USA-Bild zum Beispiel wurde gestern abgenommen. Nun ist die Wand wieder weiss und still und wartet.) Aber es sind immer Schätze und Erinnerungs-Träger, ganz bestimmt. Sie erzählen von Charakter und einem Kinderleben, das sich verändert, mit jedem Tag ein bisschen mehr…

Für einen Schrank war kein Platz im Zimmer, doch als Herr Kirschkernzeit auf meinen Wunsch hin die hohe, breite IVAR-Regalwand im gelben Zimmer kleiner sägte, blieb ein Stück übrig, das haargenau in die Schrägung unter dem Fenster passt und all die Kleider, Schulsachen und sonstigen Kleinigkeiten in sich aufnimmt, die ein 11-jähriger Junge heute so braucht.

Kind1 ist mutig, klug und wissbegierig, aber alles andere als ordentlich, und weil Mama und Papa ihr Kind nur zu genau kennen, schnitt Herr Kirschkernzeit nochmals ein Brett zurecht, lackierte es weiss und befestigte Vorhang-Schienen daran, während ich im Brocki (ein Wunderort, ich schwör’s!) auf absolut geniale Klammern mit Vorhang-Gleitern dran stiess und ein altes, stabiles Leintuch aus meiner Sammlung zupfte. Als Schrank-Vorhang. Zum Kaschieren. Für einen an sich ganz simplen, improvisierten Kleiderschrank, der nun fast schon etwas Romantisches, irgendwie Französisches an sich hat und sich ganz wunderbar in den Raum einfügt, ordentlich und aristokratisch elegant aussieht- selbst wenn hinter seinen Vorhängen Jeans und T-Shirts wild durcheinander liegen.

Und darüber Flugzeuge, kleine, grosse, selbstgebaute oder eifrig gesammelte, einer davon sogar gewonnen an seinem allerersten (und bisher einzigen) Schach-Turnier…

Mein Bruder wollte Pilot werden, seit er klein war. Und das wurde er auch, er fliegt heute die ganz grossen Maschinen. Auch Kind1 möchte Pilot werden, Militärpilot, was seine Mama offen gesagt weit weniger begeistert als ihn… Doch ein Himmel voller Flugzeuge, das kann er haben… Ich liebe diese Ecke hier! Ganz ehrlich. Obwohl ich selber am liebsten mit beiden Beinen auf der Erde bleibe…

Überhaupt mag ich dieses Zimmer. Noch immer. Es ist klein, übersichtlich und strahlt unheimlich viel Geborgenheit und Ruhe aus. Und es ist hell, freundlich, zuversichtlich, ein bisschen verbraucht zwar schon mit all seinen Rissen und Striemen, aber irgendwie wirkt es so rein auf mich…
Und jetzt, nach meinem sommerlichen Frühjahrs-Putz-Einsatz ist es das wohl auch…

Zumindest vorübergehend. (C’est la vie)
Mittlerweile hat nun alles sein Plätzchen gefunden. Und überall, in jeder Ecke, sehe ich Kind1, seine Handschrift in den Dingen, in der Art wie sie arrangiert (oder eben nicht arrangiert) sind. Jetzt ist es seines. Das weisse Zimmer.

Veröffentlicht unter Kinder, Zuhause | 19 Kommentare

Wochen-Ende: Wurzeln an der Wärme

Ein sonderbarer Titel, nicht wahr? „Wurzeln an der Wärme“… Aber warm ist es, das lässt sich nunmal nicht leugnen, warm, so warm, dass ich drei, vier Mal täglich unter die Dusche schlüpfe, um mich wieder einigermassen als Mensch zu fühlen und nicht als klebriges, tropfendes Etwas auf zwei Beinen… Ich wünsche mir Wasser, Wasser bitte, so ein richtig schönes, kühlendes Sommergewitter, das uns alle ein wenig runterkühlt – und dann erfrischt in das nächste Dutzend glühender Ferientage entlässt. Doch der Himmel strahlt türkisblau, kein Wölkchen am Horizont, nur ein feiner, schläfriger Wind, streift einsam durchs Kornfeld. Die Schatten sind tief und schwarz, die Farben leuchten um die Wette.
Wir räkeln uns -ein letztes Mal für 2 Wochen, schätze ich- in Omas Pool und schälen gwundernasig die kleinen, russischen Schokoladenbonbons, die sie uns aus Berlin mitgebracht hat, aus ihrem kunterbunten Papier. Genau wie die handgemachte russische Matroschka erinnern sie uns alle an meine russischen Wurzeln- oder Würzelchen vielmehr *hüstel*, denn in meinen Adern fliesst nur wenig russisches Blut, 1/8 nur, genau genommen… Doch meine Kinder sind so stolz auf diesen alten, kleinen Zweig russischer Vergangenheit in ihrem Stammbaum, dass man meinen könnte, wir würden vom Zaren persönlich abstammen *grins*. Und ich glaube, das bin ich auch. Stolz. So ein bisschen. Ich, wir… keiner von uns wäre, was er heute ist, ohne den kleinen Bauernhof damals, ganz nah der Ostdeutschen Grenze, wo meine Oma herkam irgendwann nach dem Krieg…

Die Kinder zelten dieser Tage. Im Haus. Das hat zwar kaum den Charme einer lauen Nacht unterm Sternenfirmament, aber im Augenblick ist das alles, was ich bieten kann und immerhin etwas, oder? Für mehr reichen meine Kräfte einfach nicht zur Zeit, fürchte ich. Aber es wird besser. Versprochen, Kinder.

Das Drinnensein tut gut. Drinnen, im Halbdunkeln, wo Hitze und Licht nur schluckweise Zutritt finden. Ein Schutzort. Mein Schutzort. Hier habe ich für einmal nicht das Gefühl, vier unsichtbare Leinen in meinen Händen zu halten, und es zupfen und zerren zu spüren, während ich hier spitze Steinchen aus der kleinen Faust schäle, Wasserkrüge auffülle, Veloketten wieder einfädle, Geschwisterzwist schlichte und die Kinder zum 55sten Mal (mindestens!) am Tag bitte, mit ihren Fahrrädern und Kickboards doch bittebitte l.a.n.g.s.a.m um die Hausecke des Wohnblockes zu flitzen fahren, wo ältere Menschen leben, die zum Teil nicht mehr ganz so sicher sind auf ihren Beinen…

Draussen belegt der Sommer alle Plätze. Doch hier drinnen, hier drinnen ist Pausen-Stimmung. Zumindest manchmal. Kaffeezeit, Lesezeit, Schreibzeit, Kirschkernzeit… Ich bin wirklich dankbar für jeden noch so kleinen oder kurzen Augenblick, der mir gehören darf. Mir und meinem Buch, mir und meiner Strickarbeit, mir und meiner Tafel eisgekühlter Milchschokolade, mir und dem frischen, perlenden Wasser, das aus der Brause auf meinen Körper rieselt… Ich glaube, ich bin einfach reif für die Insel. Aber sind wir das nicht alle manchmal?

Veröffentlicht unter Familienalltag, Jahreszeiten, Themen-Reihen, Wochen-Ende | 5 Kommentare

Sommer in Bordeaux

Sommer, oh ja, Sommer! Wir schwimmen alle förmlich in der Sommerglut und ich werde gerade Tag für Tag daran erinnert, wie ungeheuer praktisch es doch wäre, einen Führerschein zu haben… Das Auto steht da, vor unsrem Haus, die ganze Woche lang, völlig untätig und allzeit bereit für ein kleines Fährtchen ins Blaue, oder noch besser, für eine spontane Reise hinaus ans Wasser, zu Mamas Pool oder an einen stillen See, zum Fluss, rauf in den Wald zu dem kleinen, lustigen Bächlein, wo die Kinder Köcherfliegen-Larven sammeln und allerlei Getier unter den Steinen aufschrecken könnten… Aber ich hör‘ jetzt besser auf damit. Die Möglichkeiten wären endlos, ich weiss, und allesamt einfach zu verlockend… Doch Tatsache ist; Mein Führerschein steht nach wie vor irgendwo in den Sternen (hoffe ich doch!) und mit Autofahren und kurz-einmal-der-Hitze-entrinnen wird wohl nichts werden im Moment. Aber was soll’s? Sommer ist Sommer und immerhin, wir haben schulfrei, und die Kinder sind genauso gelöst und zufrieden wie ich nachdem wir den ganzen Vor-Ferien-Stress mit all seinen hunderttausend (an sich ja schönen) Events und Verabschiedungen ein für alle Mal hinter und gelassen haben (bis zum nächsten Sommer. Natürlich). Ich will nicht klagen. Es ist heiss, ja, aber die Tage sind gut zu uns. Und einmal mehr bin ich dankbar, dass wie so herrlich viel Raum und Luft auch drinnen haben. So können wir uns zwischendurch etwas im kühlen Halbdunkel unserer Zimmer verkriechen und die gröbste Mittagshitze verdösen, verspielen, mit Kuchenbacken oder ein klein wenig Haushalten vertun… Oder mit Stricken. Wenngleich nur in allerwinzigsten Dosen, jetzt wo dank Sommersonnenschein alles vom ersten Hahnenkräh bis nachts um elf auf den Beinen ist und Mamas Augen, Ohren, Arme und Schoss buchstäblich rund um die Uhr gefragt ist (*seufz* ja, ihr lest richtig. Das Babykind macht gerade halbe Nächte durch…)
Wolle
verstricken, das wäre aber sogar mir zu heiss. (Obwohl; Sehe ich da hinten in der Ecke nicht Woll-Socken auf meinen Nadeln? Was, zwei Paar sogar?… Hm…) Aber Baumwolle? Das geht immer. Vor allem wenn man einen so ähm… reichhaltigen Garn-Vorrat hat wie ich, wo Garnknäuel um einiges schneller dazu- als an die Reihe kommen. Ein neues Projekt anzustricken fühlt sich dann immer an wie Reinemachen *grins*.

Das bordeaux-rote, mercerisierte Baumwollgarn („Muskat“ von Drops) lag bereits eine ganze Weile in meinen Vorräten. Ich glaube, es war Teil irgendeiner Supersale-Bestellung (genau so eine wie sie jetzt gerade wieder läuft bei Drops), und weil man da ja meistens ein bisschen mehr zusammenramscht als eigentlich vorgesehen, blieb das Garn eine Weile ohne Projekt und sah -gemeinsam mit einer ganzen Reihe „Muskat“-Kollegen in anderen Farben- zu, wie der Staub der Zeit sich langsam auf dem Dosendeckel breit machte.
Die Farbe aber, dieses warme, intensive Wein- fast schon Granatapfelkern-Rot, liess mich nicht mehr los. Ich bin ein bleicher, immer ein wenig kränklich wirkender Typ Frau, und viele würden vielleicht denken, ich würde mich vor allem zu romantischen Pastelltönen hingezogen fühlen- doch das Gegenteil ist der Fall; warme, sättigende, runde Farben ziehen mich geradezu magisch an, Schokoladenbraun, Caramel, weiche, satte Erd- und Beerentöne, Farben wie Erntekörbe, wie vollreife Früchte, Samt und Milchkaffee. Bordeaux passt immer. Finde ich.
Und schliesslich entdeckte ich auch das richtige Projekt dafür: die „Happy Summer Vest“ von Rosa Hoban, ein kleines, feines Träger-Leibchen, das, etwas länger gestrickt, zur wunderschönen Tunika wird. Oder sogar zum Sommerkleidchen…

Ich habe die Anleitung ein klein wenig für mich abgeändert, und das ging alles wunderbar fliessend vor sich; zum Beispiel stricke ich lieber in Runden als zwei Teile hin und zurück (Ich habe Grösse 3-4 Jahre gewählt und dafür dann 152 Maschen angeschlagen). Und die Rücken-Passe ist bei mir auf jeder Seite 2 Maschen breiter als in der Anleitung angegeben, damit sie den Rücken schön deckt, etwas, das ich wieder so machen würde, denke ich, vielleicht sogar bei der vorderen Passe, sagen wir 2 Maschen mehr oder so.
Für die Träger habe ich beim Rückenteil die 8 Maschen (statt der angegebenen 5) nicht wie in der Anleitung beschrieben abgekettet, sondern vor und nach dem Halsausschnitt auf Sicherheits-Nadeln stillgelegt, dann auf der Vorderseite mit 8 Trägermaschen weitergearbeitet bis die Träger ca. 8 cm lang waren (die Original „Happy Summer Vest“ nimmt hier volle 19 cm (!) als Längenangabe). Die vorderen 8 Trägermaschen werden dann zum Schluss mit den hinteren, stillgelegten 8 Maschen im Maschenstich verbunden. Ich liebe den Maschenstich. Er macht zwar ein klein wenig Arbeit und 5 Minuten vollkommene Ruhe, damit die Hände dem Kopf folgen können, und nichts dabei verloren geht, aber ich finde, das Resultat ist einfach unglaublich, sauber und herrlich angenehm zu tragen, weil sich keine Naht bildet, bloss eine zusätzliche kleine Reihe rechter Maschen, ganz diskret. Die rechten Maschenstich-Maschen sind nun zwar nicht ganz das, was man sich wünscht in einem Perlmuster wie dem der „Happy Summer Vest“- Passe, aber ich glaube, mit diesem kleinen Schönheitsfehler (ja, man sieht ihn, wenn man genau hinsieht, auf Bild3 zum Beispiel) kann ich gut leben… Hauptsache, es kratzt nichts. Denn das wäre wohl das Ende der glühenden Liebesbeziehung, die schon beim Stricken und während den kurzen Zwischen-Anproben zwischen meinem Mädchen und ihrem neuen, bordeaux-roten Sommerleibchen entflammte…

So aber bleibt die Liebe bestehen. Für mindestens diesen Sommer lang. Nichts zwickt, keine rubbeligen Gummibänder wie beim gesmockten Sommerkleidchen, sondern nur weiche, anschmiegsame Baumwollmaschen, die unten schön glockig fallen und jede, wirklich jede Bewegung mitmachen…

Ich muss zugeben, dass ich etwa in der Mitte des Glockenteils etwas ins Hadern kam mit meiner Materialwahl. Ich war mir plötzlich ganz, ganz sicher, dass ich mercerisierte Baumwolle überhaupt nicht leiden kann. Zu glatt, zu starr, zu glänzend, zu modern und unpersönlich, zu… sophisticated. Warum ich damals schon die türkisfarbene Strickhose meines Babys mit der „Muskat“ gestrickt und dann sogar noch mehr davon bestellt hatte, war mir mit einem Mal ein Rätsel. Kurz zögerte ich. Sollte ich wirklich weitermachen? Oder alles wieder aufribbeln und neu beginnen, mit einem anderen, matteren, sanfteren Garn?
Doch die „Happy Summer Vest“ wurde fertig. Aus der „Muskat“. In Boreaux. Und: Ich bin vollkommen glücklich damit.
Nach der ersten Handwäsche fürs Spannen (damit sich die süsse Lochmuster-Borte unten nicht immer nach oben einwellt) ist ein gesunder Grossteil des Glanzes verschwunden. Stattdessen liegen die Maschen nun seidenmatt, weich und griffig in den Händen, und ich bin sicher, sie fühlen sich ganz wunderbar an auf der Haut.
Mein Mädchen schlüpft auf jeden Fall gern hinein, in ihr neues Sommerleibchen. Wenn sie es findet. Rechtzeitig. Vor mir. Denn ich glaube, ich bin selber ganz darin verliebt, und meinem Babykind passt es ebenfalls, vielleicht nicht ganz so angegossen wie meinem Mädchen, aber diese Farbe… der feminine, schlichte Schnitt… die Kleidchen-Glockigkeit… das Hautgefühl… Unwiderstehlich.
Ich denke, ich werde diesen Sommer wohl noch ein wenig mehr Zeit mit Stricken verbringen.
In Bordeaux.

PS. Ein paar Strickangaben im Schnelldurchlauf: Nadelstärke 3.5, Garn „Muskat“ in der Farbe „Burgunder“ von Drops, Garn-Verbrauchetwas mehr als 3 Knäuel (je nach Länge), gestricke Grösse 3-4 Jahre. Und ACHTUNG: In der Original-Anleitung ist der Verfasserin ein Fehler unterlaufen; Rücken- und Vorderteil sind bis zur Passe natürlich genau gleich lang!

PPS. Den pinkfarbenen, wunderhübschen Hut, der da mit-turnt, hat uns übrigens Blog- (und auch sonst-)Freundin Rita gehäkelt.

Veröffentlicht unter Jahreszeiten, Stricken | 17 Kommentare

zu meinen Füssen #14

„Ich will sehen, was sich abspielt zu meinen Füssen, mit wachem Geist und weit offenen Augen, sehen, was ich antreffe und erkennen, wo ich gebraucht werde, da sein, mit allen Sinnen. „Zu meinen Füssen“ heisst diese Reihe mit lauter Bildern von dem, was ich sehe, wenn mein Blick nach unten fällt. Der Boden, auf dem ich stehe, die Arbeiten, die auf mich warten, Brotkrümel, verstreute Nudeln nach dem Mittagessen, Licht, das die Holzdielen erwärmt, Füsse, grosse und kleine, Kinderspiel und Hausarbeit;
Ein Grossteil meines Alltages spielt sich am Boden ab. Und wer sieht, was ich sehe, kann mit daraus lesen…“

Wie hätte ich da widerstehen können?

Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...
Veröffentlicht unter Schatzkammern im Netz, Stricken | 10 Kommentare