Monatsarchive: Juli 2013

aus dem Vollen

Wie friedlich es ist… war…
Die letzten paar Tage gehörten nur uns dreien, meinen beiden Mädchenkindern und mir. Die Männer des Hauses genossen die Sommersonne, Wildnis und Rauheit auf der anderen Seite der Schweizer Berge und wir drei Damen, wir machten es uns daheim gemütlich, nach allen Regeln der Kunst, lullten uns ein ins süsse Nichtstun, in friedliche Ruhe und in alle möglichen kleinen, feinen Projekte, die sich über unsere Tage verteilten wie wilder Mohn im Kornfeld; grobwürfig, kostbar, einfach und schön...

Wir verbummelten die Abende (die Nächte schon fast) und verschliefen unsere Morgen. Wir verstecken uns drinnen vor den glühend heissen Sommertagen (34 Grad! Gewaltig!), tauchten ab in unsere eigene, heile, stille Welt voller Geschichten, Kuschelstunden und Versteckenspielen in allen Zimmern des Hauses. Und abends stellten wir den Rasensprenger an im Garten, gossen Blumen und Tomaten und rannten durch Vorhänge von Tropfen über das gelb gebrannte Gras.
Es gab Berge von belegten Broten, Mousse au Chocolat -nur für uns drei- mit den nestfrischen Eiern vom Bio-Hof  und sandtrockene Brownies, die zu lange im Ofen waren. Wir räumten um, auf, aus. Die Wohnzimmer-Regale und -schubladen. Alle. Ausnahmslos. Und -nach dem Aussortieren und Putzen- wieder ein. Diesmal aber schon sehr viel weniger und nur wirklich geliebte Dinge, mit einem ganz wunderbaren, befreiten, puren Gefühl.
Manche Stunden gehörten unserer kreativen Schöpferseite, mit Schere, Papier und ModPodge, manche Stunden verlangten mehr nach Tierarzt-Koffer und Höhlenbett. Und manche Stunden waren so schnell verstrichen… ohne dass ich mich erinnern könnte, wie oder womit.
Süsse Tage, verzauberte Tage, gemächlich, zeit-los, rahmen-los, losgelöst von allem, was den Alltag ins Korsett legt.

Ich glaube nicht, dass ich sehr viel Zeit für mich hatte. Da war einfach kein Platz für einsame Stunden auf dem Sofa mit Strickzeug und Eiskaffee, denn ob zwei oder vier; Kinder suchen einem, und sie finden, immer, das weiss ich, das will ich vielleicht auch gar nicht anders, wer weiss das schon so genau… Aber obwohl Frei-Räume fehlten für mich, fühlte ich mich trotzdem irgendwie frei. Und gelöst. Leichter, netter, mehr zentriert und … irgendwie angekommen -mal wieder- da wo ich bin, da wo ich hingehöre. Hier.
Erstaunlich, was ein paar Tage ausserhalb des gewohnten Rahmens so mit einem machen können… Aber vielleicht war es auch nur das Mousse au Chocolat.

Heute kehren sie nach Hause zurück, unsere Männer. Das Damentrio löst sich auf und wird wieder zu der grossen, lauten, ein klein wenig verrückten Familie, als die wir gedacht sind. Mit Ecken und Kanten und anderen liebenswerten Eigenheiten.
Das Haus wird sich füllen, die Ordnung sich zerstreuen -in Windeseile sogar, oh ja!- die Stille wird gebrochen werden und mein Tages-Rythmus erneut ins Rollen kommen, mit mehr oder weniger fixen Essenszeiten, Ämtli-Plan, mit neuen Wäschetürmen und Gute-Nacht-Ritualen.
Ich freue mich darauf. Ja.
Und ich möchte mir ein klein wenig dieser inneren Ruhe und Gelassenheit bewahren, die jetzt noch in mir und über allem liegt, so gut es eben geht, sie miteinflechten in meinen Alltag als Mutter von vieren. Denn das wünsche ich mir, von ganzem Herzen. Eine Mutter zu sein, die kräftig, gesund und genährt genug ist, dass sie selber Kraft, Trost und Nahrung schenken kann. Geben, weil man empfangen hat, reich ist, erfüllt, gesegnet. Ich möchte aus dem Vollen schöpfen.

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berührt: klein

“Berührt” heisst für mich;
Einmal pro Woche möchte ich mein Augenmerk auf all die Dinge und Momente richten,
die mich wirklich berühren.
Wo mich etwas  inspiriert, anrührt, wo ich fühle, spüre, zum Denken komme.
Wo sich etwas bewegt, innen im Verborgenen oder ganz greifbar und sichtbar vor meinen Augen.
Mal voller Freude, mal nachdenklich oder sentimental, mal montags, mal sonnabends, wortreich oder stumm…
So wie es im Augenblick gerade richtig scheint.
(Und wer immer mitmachen möchte, ist ganz herzlich eingeladen.)

Ein leeres Bett, Stille, Ordnung… das weisse Zimmer ist für ein paar Tage verwaist, und es fühlt sich sonderbar an und ein klein wenig traurig, wenn ich durch den Türspalt in die Dunkelheit sehe.
Und sonderbar, sehr sonderbar ist auch, was aus meinem Mädchen wird, meinem grossen, bald 4jährigen Mädchenkind, sobald es in die kühlen Laken seines Bruders klettert und sich einkuschelt für ein bisschen Zeit mit sich allein; klein wird sie plötzlich. So klein.
Als würde sie in den Fussstapfen ihres Bruders stehen. Ihr kleiner, feiner Mädchenfuss in diesem grossen, schweren, festgetretenen Abdruck  11jährigen Lebens.
Wie viel Platz da bleibt. Wie viel Luft. Wie viel Zeit. Wie viel.

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ein Bild erzählt: Vogelperspektive

Manchmal sagt ein Bild mehr als tausend Worte. Und manchmal hilft ein Bild auch, Worte zu finden, Dinge neu zu sehen, den Moment besser zu erfassen, den Alltag zu ent-wirren, Alltags-Erinnerungen zu schaffen. So wie hier.
Ein Bild erzählt

Was dieses Bild erzählt…

  • meine kleine Büro-Ecke verlangt ganz, ganz dringend nach einer starken, ordnenden Hand. Nach System… und ich offensichtlich nach ein paar stillen Minütchen für mich allein, wo mein Geist ein bisschen zur Ruhe kommt. Chaos und Hektik im Inneren bleiben meistens nicht allzu lange wirklich unsichtbar
  • mein Laptop hängt an der Strippe. Das lange, eher nicht sehr ästethisch aussehende Kabel sichert mir meine Kirschkernzeit-Momente, solange bis der Funk-Kontakt (oder was auch immer) wieder besser funktioniert. Nicht gerade schmückend, aber manchmal Gold wert, so ein Kabelsalat.
  • Rosa Hobans “Happy Summer Vest” liegt zum 2. Mal auf meinen Nadeln, gerade frisch angeschlagen, ein klein wenig vorangestrickt, ein klein wenig wieder aufgelassen (dieses Loch-Muster, also wirklich! Beim 1. Mal- schwuppdiwupp – und beim 2. Mal ein Desaster… aber man lernt nie aus; Beim Yarnover/Umschlag wird der Faden von hinten und unter der rechten Nadel durchgezogen, nicht von hinten her drüber oder so. Merk dir das, Frau Kirschkernzeit.)
  • obwohl die Welt voll ist von wunderhübsch bebilderten und ganz bestimmt auch gnadenlos köstlichen Rezept-Büchern, liegt hier bei mir noch immer dieser ur-ur-uralte “Tiptopf” rum, schäbig und fleckig und längst schon mindestens 2 Mal überholt (eine Neu-Ausgabe neu zB. hier erhältlich). Der Grund: Nirgendwo sonst findet sich dieses unglaublich gute, sündhaft süsse, zum hinknien schokoladige Brownies-Rezept… Es gibt Dinge, die lassen sich einfach nicht mehr toppen. Die “alten” Tiptopf-Brownies (und nur die “alten”!) gehören ganz bestimmt dazu.
  • ich stricke an Socken. Immer noch. Aber nicht mehr lange (hoffe ich. Die Hitze schlägt einem aufs Woll-Sockenstrick-Gemüt, muss ich sagen). Fehlen noch zwei Socken-Spitzen in wunderschön meliertem Grünbraun (ja, das ist die, die ihr da in der Schattenecke links unten seht) plus eine halbe Socke aus einer Wolle namens “Echsenbaum”, was einmal mehr ein einfach fantastischer Name ist für eine von Brigittes Woll-Kreationen. Ich mag es, kleine Persönlichkeiten verstricken zu dürfen, Wolle mit eigenem Charakter, jedes mit Namen, jedes einzig-artig.
  • wenn man weiss, wo man suchen muss, findet man in diesem Durcheinander sogar… Kunst. Oh ja, Kunst wie ich sie liebe, zart, zurückhaltend, poetisch und einfach nur schön, schön, schön. Was mich daran erinnert, dass ich schon vor einer ganzen Ewigkeit einen … öhm… Lieblings-Kunst-Post geplant hatte. Hatte. Mit Giveaway sogar (meinem ersten. In über 3 Jahren.) Aber ich schaff’ das noch. Irgendwann. Bestimmt.

 

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ein Bild erzählt

Nach über 3 Jahren Kirschkernzeit, ist sogar mir eines klar geworden: Ich bin keine Frau weniger Worte, oh nein. Egal wie sehr ich mich auch bemühe, meine Posts platzen zum Schluss meistens aus allen Nähten (bis auf die “this moment”, meine “berührt”-Posts, oder auch die “zu meinen Füssen”-Foto-Reihe jener 14 Tage wahrscheinlich, weil ich da einen Rahmen habe, der mir so quasi Einhalt gebietet *kicher*)… Am allerschlimmsten sind ja meistens die Momente -ausgerechnet!- wo ich zuerst einmal lang und breit erkläre, dass das hier nun ganz bestimmt ein “Kurz-Post” werden wird und warum und wieso und blablabla, und schwuppdiwupp, schon plappert es drauflos und sinniert und rattert und tippselt und man muss ganz ordentlich nach unten scrollen, bis man dann endlich zum Schlusswort findet. Ja, ich muss der Wahrheit ins Gesicht sehen: Meine Mitteilungs-Bedürfnis scheint (ganz offensichtlich) grenzenlos zu sein. Besonders hier, an diesem kleinen, geschützen Eckchen Welt, wo keine Kinder an mir zupfen und ich die seltene Freiheit habe, meine Gedanken einfach so ein bisschen schweifen zu lassen, frei wie ein Vogel mit weit offenen Schwingen, hierhin, dorthin…

“Die Gedanken sind frei”, wie wahr, wie wahr. Aber nicht immer komme ich dazu, sie auch zu Ende zu denken. Denn im Alltag schiebt sich oft, oh ja, so oft etwas oder -vielmehr noch- jemand dazwischen, der mich unterbricht in dem, was ich gerade -für mich- tue, denke, bin, jemand Kleines meistens (oder gar mehrere davon), der meine Aufmerksamkeit sucht, ganz und gar, und der mich so schnell dann nicht mehr loslässt- wenn überhaupt… In meinen Kirschkernzeit-Posts kann ich ein wenig von dem nachholen, was mein Tag nicht zu liess für mich, ein paar Sätze (ein paar? Viele! Ganze Wagenladungen voll davon!), ein paar Bilder, Gedankenkarussell-Fahrten und Erinnerungen an das, was war, und ich tue es gerne, ganz ehrlich, so wahnsinnig gerne, auch wenn das alles immer spät abends beginnt und in keiner Weise so ungestört und entspannt vor sich geht, wie ich es mir eigentlich wünschen würde: Kaum ein Post, der nicht 4 bis 5 Mal unterbrochen wird von einem Babykind, das beruhigt und wieder in den Schlaf gewiegt werden will. Meine Schreib-Zeit beginnt spät und endet noch später, in den meisten Fällen nach Mitternacht, nach durchschnittlich 2 Stunden Texten, Gestalten und Bilder-Einsortieren…

Es ist gut so wie es ist. Es reicht. Ich bin dankbar dafür, für jeden einzelnen Augenblick, den ich hier verbringen darf, und vor allem für das warme, so wahnsinnig bewegende Echo, das ich hören darf: Ihr seid ein ganz wunderbares Völkchen, ihr! Keine Worte können ausdrücken, wie sehr ich davon zehre und wie viel Kraft mir jeder einzelne Kommentar von euch gibt, Kraft zum Weitermachen, da wo ich stehe, Kraft zum Schreiben und Gestalten und dafür, das alles zu teilen. Habt Dank dafür, von ganzem Herzen.

Manchmal aber… da sehne ich mich auch nach ein wenig mehr Einfachheit. Gerade jetzt nach der Ruhe, Musse und Entspannung einer elementar einfachen “zu meinen Füssen”-Foto-Reihe. Knappe Posts, Worte, die kommen wie sie kommen, ganz ungefiltert und simpel, ohne literarische Zensur, ein bisschen dies, ein bisschen das, plaudern aus dem Nähkästchen… Etwas mehr Kargheit inmitten der Fülle. Genau deshalb habe ich mich da ganz radikal dem Blick zu meinen Füssen verschrieben (hab’ ich schon erwähnt, wie sehr ich das genossen habe?) und genau dafür möchte ich mir auch in Zukunft eine Nische schaffen, eingebettet zwischen meinen Quasselposts: Die “Ein Bild erzählt”-Reihe, wird jeweils einmal pro Woche (oder alle zwei Wochen oder einfach dann, wenn es sich gerade ergibt, es soll ja kein Korsett werden) ein einzelnes Foto einstellen, zu dem ich dann ein bisschen die Gedanken fliessen lasse, direkt aus dem Bauch heraus, ganz gelassen und gerade so knapp oder lang-atmig wie die Situation es erlaubt. (In der Hoffnung, dass mich der Rahmen -nur ein einziges Foto und kein bisschen mehr!- etwas im Zaun hält *grins*).
Bis dann also. Morgen? Übermorgen? Bei meinem allerersten “ein Bild erzählt”.

PS. Apropos Blog-Posts und Zeit; am letzten Post (“das weisse Zimmer”) habe ich noch 2 Tage danach getüftelt *grins* Ein paar Bilder ersetzt, um-arrangiert, Satz-Fragmente eingeschoben, die mir noch in den Sinn kamen… Ich sag’s ja; keine Frau weniger Worte…

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