Monatsarchive: Juni 2013

berührt: übrig geblieben

„Berührt“ heisst für mich;
Einmal pro Woche möchte ich mein Augenmerk auf all die Dinge und Momente richten,
die mich wirklich berühren.
Wo mich etwas  inspiriert, anrührt, wo ich fühle, spüre, zum Denken komme.
Wo sich etwas bewegt, innen im Verborgenen oder ganz greifbar und sichtbar vor meinen Augen.
Mal voller Freude, mal nachdenklich oder sentimental, mal montags, mal sonnabends, wortreich oder stumm…
So wie es im Augenblick gerade richtig scheint.
(Und wer immer mitmachen möchte, ist ganz herzlich eingeladen.)

Babyfüsschen berühren mich. Sowieso. So knubbelig, so zart, so kitzlig und weich und duftend. Und wenn man an den kleinen Zehen zupft, hört man es kichern und glucksen und runde, blanke Äuglein blitzen auf.
Oh, ja, ich liebe Babyfüsschen.
Aber diese hier… diese hier sind etwas ganz Besonderes für mich, gerade so, in dieser Stellung, leicht verknotet, aneinander geschmiegt, wie um Halt und Sicherheit zu finden oder nicht zu verlieren oder vielleicht auch einfach so, wer kann das schon sagen…
So kam das Babykind zur Welt. Mit Füsschen, die sich sofort ineinander verschlangen. Wenn sie da lag, damals noch so winzigklein und zerbrechlich, mit heller, süss duftender Pfirsichhaut und dieser Ausstrahlung absoluter Reinheit und Vollkommenheit, dann schmiegten sich ihre kleinen Beinchen immer eng an den Bauch, ein Bündelchen Mensch, mit Füssen, die sich ineinander verdrehten wie zwei biegsame Pflanzen.
Als hätten sie neun Monate in genau dieser Stellung verbracht.

Noch heute sitzt sie oft so da, mein Baby, mein kleines Mädchen, mein dickes, knuddliges Babykind. Und ich blicke auf ihre Füsschen… und erinnere mich… Es ist -denke ich- wohl alles, was übrig geblieben ist aus ihrer Zeit in meinem Schoss…

Veröffentlicht unter Augenblicke, aus meinem tagebuch, berührt, Kinder | 8 Kommentare

Mit allen Sinnen

Donnerstag 20. Juni. 2013
9:00 Uhr

In diesem Augenblick

In diesem Augenblick …

… sehe ich: wie unheimlich grün alles ist. Grün in ganz verschiedenen Tiefen, vor allem aber dieses satte, saftige Grasgrün, das irgendwie so viel Geborgenheit und Heimat ausstrahlt für mich. Ja, ich glaube, dieser blaue Planet ist für mich eigentlich grün, ein grosses, grünes Zuhause.

höre ich: sehr, sehr viel Lärm; Baumsägen, Motoren, ein Zug, der vorbei rumpelt, laute, dröhnende Rasenmäher, die Fräsen und Presslufthammer von der Baustelle, ein Flugzeug, das beschleunigt… Daneben das leise Schnaufen und Brabbeln des Babys zu meinen Füssen, ein winzigkleiner Punkt Menschlichkeit im rumorenden Klangteppich…

… schmecke ich: Kaffee und Eis. Ich weiss, ich sollte weniger davon trinken. Allein schon unserer Erde zuliebe, denn bereits eine einige Tasse Kaffee verbraucht ganze 140 Liter Wasser (!), und eigentlich möchte ich ja gut sein, gut zur Umwelt und auch sonst… Und egal, dass es Bio-Kaffee ist und ohne Koffein wegen meinem Milch trinkenden Babykind; 140 L Wasser sind 140 L Wasser, und das ist eine ganze Menge. Zum bewussten Genuss gehört wohl auch eine gute Portion Verzicht, erst dann tut es der Erde wirklich gut, denke ich. Lieber einmal kein Kaffee, die Schuhe ein Jahr länger austragen, eine Hose flicken, einen Tag lang vegetarisch (oder auch eine Woche, einen Monat, ein Leben lang)- weniger ist manchmal mehr, und verzichten bisweilen besser als jede Bio-Knopse. Allein, das Fleisch ist schwach, so schwach… Dabei wächst hier gerade so schöne Pfefferminze, gleich in Griffweite…

atme ich: Sommer! Den Duft von warmem Babyhaar, das in seinem ganzen bisherigen Leben noch kein Shampoo gesehen hat und darum noch so süss und menschlich riecht, salzig, lebendig, und -wenn der Wind sich darin verfängt- ein klein wenig nach Meer

denke ich: an Kind1 und an das Sichtmäppchen mit seinen Ufzgi (=Hausaufgaben), das er heut früh zuhause liegenlassen hat. Als ich es entdeckte, puhlte ich sofort das Babykind aus dem Bett und machte mich noch im Schlampenschlabberlook, das Babykind mit klitzkleinen Schlafäuglein auf der Hüfte, auf den Weg zum Schulhaus. Denn das bin ich; Mein Kind vergisst, ich renne. (Heisst es nicht: „Wer keinen Kopf hat, hat Mutti“?) Erinnert mich irgendwie an Bänz Friedli, der – ich zitiere- seinem Hans, weil der irgendwas vergessen hatte, „ich schwörs, schon im Pischi bis ins Schulhaus nachgerannt“ ist. „Wenn ich Glück hatte, hielten die Leute es für einen Joggingdress.“ *kicher* Liebster Bänz, du bist eine(r) von uns, definitiv.

glaube ich: ich bin die grottenschlechteste Gärtnerin aller Zeiten. Den Salat habe ich immer noch nicht geerntet, und all die schönen Blumen, die Kind2 und ich zusammen ausgesäht haben, sind von den Schnecken gefressen worden, kaum lugten ihre Triebspitzchen aus der Erde. Bloss weil ich es nicht über mich bringe, Schneckenkörner auszustreuen. Herr Kirschkernzeit schon. Hätten wir sonst so viel Salat?

… freue ich mich: auf die Brownies aus meinem allerneusten und unglaublich schönen Backbuch („Noch ein Stück“ von Leila Lindholm). Ein Blick auf Seite 102 in die Schokobomben-Brownies-Sparte genügt, und es ist aus mit jeglicher Selbstbeherrschung, Widerstand zwecklos. Also gebe ich mich gleich von vornherein geschlagen und geniesse meine Niederlage in vollen Zügen: Heute nachmittag im Hause Kirschkernzeit „Devil’s Food Peanut Brownies“. Mit dunkler Schokolade, Peanut Butter, sahnigem Doppelrahm-Frischkäse und gerösteten Erdnüssen. Auch ein Stück?

… spüre ich: dass etwas in der Luft liegt. Die grossen Ferien kommen näher, grosse Wechsel stehen an für Kind1 und Kind2 (nicht aber für mein Mädchen, das noch ein Jahr länger bei mir daheim bleiben darf), Abschiede, Abschluss-Feiern, ein Luftschlösschen, das weiterhin vor sich hinwackelt… Und in diesem Augenblick frischt der Wind auf. Ganz hinten am Himmel wird es grau. Ob Regen aufzieht?

… bin ich: dankbar, still und zufrieden. Aber auch hungrig nach „mehr“. So friedliche Momente wie dieser hier sind rar und kostbar wie schillernde Perlen. Ich hätte gerne mehr davon. Einen ganzen Perlenkettentag vielleicht….

 

Veröffentlicht unter Augenblicke, aus meinem tagebuch, Dankbarkeit | 11 Kommentare

Babyspeck und Huck Finn

OhmeinGott. Ich sag’s ja nicht gerne, ehrlich nicht, denn lange genug haben wir ihn uns doch herbeigesehnt, den Sommer, und nun wo er endlich da ist, möchte ich mir meine Dankbarkeit so lange wie möglich bewahren… Aber. Es. Ist. Heiss. Nicht mehr nur warm, nein heiss, heiss, heiss. Und das ist auch gut so. Denn, ja, so ist er, der Sommer, so schmeckt er, salzig, verschwitzt, nach Eiscreme und Paprika Chips und eisgekühltem Espresso mit ein klein wenig Zucker und viel Milch und noch mehr Eiswürfeln. Wenn ich aus dem Pool steige, rinnen mir eisblaue Tropfenperlen ins Gesicht. Sie glitzern auf der Haut meiner Kinder, zeichnen unter ihren Füssen Spuren auf dem glühend heissen Boden.
Ich mag ihn, den Sommer. Nicht immer, denn im Grunde meines Herzens bin ich ein Herbst-Kind, aber im Moment, da liebe ich ihn, so wie er ist, heiss wie ein Backofen, hell und einnehmend, mit allem drum und dran.

Trotzdem. Es ist heiss. Ich sitze hier auf meinem Sessel, in meiner kleinen Büro-Ecke, summe ununterbrochen diesen Song hier vor mich hin, und tippse auf meiner Tastatur diesen Post hier, aber innerlich liege ich bereits im Bett auf einem kühlen Laken und lasse mir vom Ventilator Luft zufächeln, wie eine edle Dame in den Tropen der Kolonialisierungs-Zeit… Ich kann mir gar nicht recht vorstellen, jemals wieder ellenlange Blogposts zustande zu bringen, ohne dabei in der dämmrigen Abendhitze über meiner Tastatur einzuschlafen. Die Sonne macht schläfrig. Und ein Tag mit vier sonnenhungrigen Bade-Ratten tut sein Übriges dazu, um mich wie eine tote Fliege in meine Kissen sinken zu lassen…

Was ich definitiv nicht mag am Sommer; Wenn die Hitze nachts alles niederdrückt. Wenn ich nicht auskomme ohne frische Luft von aussen und die Strasse abends dröhnt vor Motorenlärm, so dass das Baby aufwacht und weint und kaum wieder einschlafen kann, weil es so schwitzt. Oder wenn die Pensions-Gäste vom Hotel vis-à-vis bei offenem Fenster bis morgens um vier in voller Lautstärke fernsehen, so wie letzten Sommer zum Beispiel, als ich hochschwanger nachts wachlag und unfreiwillig quer über die Strasse irgendwelche Gangster-Filme mithören musste. Ich mag keinen Sonnenbrand, ich mag keine Sonnencreme und ich mag es nicht, wenn der Schweiss einem die Haut verklebt. Das Thema Sommerkleidung bereitet mir jedes Jahr aufs Neue Kopfzerbrechen. Zum einen möchte ich mich und meine Kinder vor der Sonne schütze, so gut es geht, zum anderen aber möglichst viel Luft an unsere Haut lassen, und ein bisschen hübsch aussehen würde ich natürlich auch ganz gerne, im Sommer vor allem, wo es auf den Strassen nur so wimmelt von Schönheits-Königinnen im Mini mit wallendem Haar und Bronze-Teint. Ich dagegen sehe sommers genauso blass aus wie immer, nur wirke ich noch blasser, weil der braungebrannte Rest der Welt mein Käsegesicht noch stärker hervorhebt, genauso wie all die schönen, kräftigen Waden unter ihren Shorts meine Hühnerbeinchen wie Karikaturen aussehen lassen.
Ich trage nie Shorts. Auch keine kurzen Röcke. Darin würde mich keiner mehr ernst nehmen. Und als Mama bin ich doch angewiesen auf ein gewisses Mass an autoritärer Würde *grins*.
Das Problem haben meine Kinder gottlob ja nicht. Die tragen Shorts und Kleidchen und sie sehen kerngesund und wunderhübsch aus damit. Nur bei meinem Babykind mache ich mir ab und zu Gedanken, was ihr wohl gut tun würde bei so viel Sommer…


Möglichst wenig auf der Haut? Oder eben doch -gerade nachts, wo sie oft mit schweissnassem Köpfchen neben mir im Bett liegt (und das ganz ohne Decke)- etwas Dünnes, Weiches, das viel Feuchtigkeit aufnimmt? Jersey oder Baumwolle? Oder am besten Seide? Aber die ist so leicht durchgescheuert an den Knien, und genau dort braucht sie auf jeden Fall ein bisschen schützenden Stoff, denn mein Baby ist ein Krabbelkind, fast ständig in Bewegung -wenn sie nicht bei mir auf der Hüfte sitzt- und im Moment sehr gerne auf allen Vieren unterwegs… Ich glaube beim Anziehen eines Kindes ist es wie mit allen anderen Mama-Themen auch: Es hilft, wenn man seinem Herzen vertraut. Wenn man sich auf das Kind vor einem konzentriert, beobachtet, sich einfühlt, nachfragt, Nähe zulässt, wieder beobachtet… Selbst ein neugeborenes Baby gibt einer Mutter so viele Signale und Möglichkeiten, sein Wesen und seine Bedürfnisse kennen zu lernen, und ich glaube fast, diese besondere Art, intuitiver Kommunikation gehört mit zum Schönsten und Berührendsten, was wir erleben dürfen in dieser ersten Zeit eines noch ganz jungen Lebens.

Als der Sommer kam, hatte ich plötzlich das Bedürfnis, Hosen zu nähen. Sommerhosen. Für mein Mädchen, aber auch für mein Babykind, das gar nicht aufhören will, aus seinen Sachen herauszuwachsen (Muss es auch nicht. Obwohl… könnte sie nicht wenigstens ein klein wenig länger Baby bleiben? Bloss noch ein bisschen…) Ich wollte etwas Leichtes, sehr Bequemes und trotzdem Robustes, das auch unseren Dielenböden und Feld, Wald und Flur standhält. Keine Baumwoll-Strickhosen also. (Die müssen warten, bis das Kind läuft) Dafür solche aus unkomplizierter Baumwolle, am besten mit nur wadenlangen Hosenbeinen, so, dass sie lang genug sind, um die Knie vor dem Wundscheuern zu bewahren, aber noch so kurz, damit der Wind über die erhitzten Babybeinchen streifen kann. Nichts geht über eine feine Briese an einem Tag voller Sonnenschein, oder? Und nichts geht über Babyfüsschen mit Knubbelringen, richtig?

Die „Huck Finn Pants“ aus „Weekend Sewing“  (auch als Taschenbuch erhältlich) ist für diesen Zweck einfach perfekt, finde ich. Der Schnitt wirkt klassisch und irgendwie „angezogen“, und ich mag seine Einfachheit, den bequemen Gummibund und die sauber vernähten Nahtzugaben, die mit einer zweiten Naht direkt am Hosenbein versäumt werden und so nicht mehr kratzen oder fransen. Eine schlichte Hose, die Babys noch knuddliger aussehen lässt, als sie ohnhin schon sind- falls das überhaupt möglich ist. Ich glaube, es liegt am verkürzten Hosenbein, ganz ehrlich, die Art und Weise, wie es beim Sitzen oder Krabbeln hochrutscht und dabei diese unwiderstehlichen, kleinen Babyspeck-Röllchen sichtbar werden lässt…

Ich glaube, davon brauch ich noch mehr.
Babyspeck und Huck Finn Pants. Am allerbesten gleich in Kombination…

Veröffentlicht unter Jahreszeiten, Kinder, Nähen | 9 Kommentare

berührt: ein erster Brief

„Berührt“ heisst für mich;
Einmal pro Woche möchte ich mein Augenmerk auf all die Dinge und Momente richten,
die mich wirklich berühren.
Wo mich etwas  inspiriert, anrührt, wo ich fühle, spüre, zum Denken komme.
Wo sich etwas bewegt, innen im Verborgenen oder ganz greifbar und sichtbar vor meinen Augen.
Mal voller Freude, mal nachdenklich oder sentimental, mal montags, mal sonnabends, wortreich oder stumm…
So wie es im Augenblick gerade richtig scheint.
(Und wer immer mitmachen möchte, ist ganz herzlich eingeladen.)

mehr als
nur Worte

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