Monatsarchive: Mai 2013

Ach, Tinki…

Vor genau 10 Tagen schrieb mir Tinki von “Wolle und Puppenkinder” diesen traurigen und offenen Comment auf meinen Post über die Vergänglichkeit hin:

Das schlimme ist – das solche “schnellen” Todesgeschichten keinen wirklich Abschied ermöglichen, keine “Begleitung” und kein Verstehen mehr…
Ich habe meine Mutter auch früh verloren – meine Schwester hat sie kaum kennengelernt, aber sie war krank und wir hatten irgendwie noch Zeit, uns darauf einzustellen, einen Abschied kommen zu sehen und so langsam auch für sie zu wünschen, einfach endlich ohne Qualen sein.
Ich kann nur sagen, dass ich seit dem ein anderes Verhältnis zum Tod entwickelt habe und manchmal einfach nicht mehr so emotional bin, weil ich denke, dass wir uns viel zu wenig mit der Tatsache auseinandersetzen, dass der Tod dazu gehört und man sich auch darauf einrichten muss, dass es jederzeit vorüber sein kann!
Trotzdem ist es für jeden, der jemanden gehen lassen muss furchtbar – endgültig und elendig verletztend… Und ich hoffe wirklich, dass ich solche Erfahrung nicht nochmal in meinem näheren Umfeld so schnell machen muss!
LG Tinki

Ich war berührt und wollte mich eigentlich bei ihr melden, ein bisschen austauschen, einfach mal wieder “persönlich” reden… Die wunderbare von ihr selbst gemachte Puppe, die Tinki meinem Baby geschenkt hat, als es zur Welt kam, wurde diese Wochen so oft geknuddelt, bekam sogar einen Namen (Susi) und mehr als einmal dachte ich an Tinki mit einem ganz warmen, dankbaren Gefühl der Verbundenheit- und einem etwas schlechten Gewissen, weil ich ihr das alles so gerne wieder einmal sagen wollte und einfach nie die Ruhe dazu fand…
Dafür ist es nun zu spät.
Tinki ist gestorben. Ganz überraschend. Ihre Schwester hinterlässt uns ein paar abschliessende Worte in einem kleinen Comment unter Tinkis allerletztem Post, einem so stolzen und glücklichen Post über diese wunderhübschen, hauchfeinen, selbstgewobenen Bändchen, der mir nun die Tränen in die Augen treibt… Ich bin so traurig. So erschüttert. Fassungslos. Und wenn ich ihre Worte über den Tod, über das Gehenlassen und das Zurückbleiben durchlese, immer und immer wieder, dann schüttelt es mich… Ich kann es wirklich nicht fassen. Tinkis eigene Geschichte wiederholt sich; sie hinterlässt zwei Töchter, eine davon noch ganz jung…
Ach, Tinki, es kann doch noch gar nicht vorbei sein…

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Ein Baby Raglan Pulli

Morgen ist der letzte Tag des grossen Drops Supersale. 35 Prozent auf eine ganze Reihe schöner, warmer Garne… und wisst ihr, wie viel ich eingekauft habe? Bloss 5 Knäuelchen. Ein Rekord in Sachen Zurückhaltung ist das. Aber immerhin; 5 Knäuel “Karisma” haben es zu mir geschafft, bestimmt für eine kunterbunte Wintermütze nach demselben Strickmuster wie die “Sibirische Winter-Mütze”, die Herr Kirschkernzeit letzten Dezember von mir geschenkt bekommen hat. Meine Schwiegermama war nämlich vom Fleck weg verliebt in diese Mütze, fand sie dick und warm und kuschelig, und naja, solche Sachen sieht man gern, Leute die mögen, was man macht und kleine Wünsche mit Blick auf deb Strick-Korb äussern (die man natürlich nur zu gerne erfüllt)…
Jedenfalls liegen nun 5 Knäuel “Karisma” bei mir, in ganz untypisch leuchtenden Farben. Nur 5 Knäuel. Nicht mehr. Dabei bin ich Drops-Käuferin. Eine ganz begeisterte sogar. Aber ich glaube, so langsam, langsam entdecke ich, wie gross und vielfältig die Welt der Garne im Grunde ist, bevölkert und bereichert durch so viele verschiedene Garn-Sorten diversester Garn-Labels…


Irgendwann im Februar, glaube ich, als ich es nach langer Zeit wieder einmal in die Stadt geschafft hatte, fand ich mich plötzlich im kleinen, hiesigen Woll-Laden wieder, vor einem Regal mit absolut hinreissendem Garn, einer Mischung aus Baumwolle und Leinen, in den herrlichsten Farben; dieser Handspun-Charakter, unregelmässig aber fein und dabei -im Gegensatz zur Bourette-Seide, die ich in meinen letzten Projekten (1 Mal “Kanoko Pants” und 1 Mal “Pebble Vest”) verstrickt habe- sehr, sehr robust. Widerstand zwecklos. 4 Knäuel  ” Samea” (von “Lang Yarns”, in der Farbnummer 806.0015) mussten mit. Und ich habe es keine einzige Sekunde lang bereut. Ehrlich.

Eine kleine Weile lang hatte ich sie auf meinem Büro-Tisch liegen, gleich neben dem Laptop, immer in Griff- und vor allem in Sichtweite. Um mich daran zu erinnern, dass sie auf ihre Bestimmung warteten. – Aber natürlich auch deshalb, weil ich sie mir einfach gerne ansah, so zwischendurch. Wie Kaffeepause für die Augen.
Und irgendwann dann, dank Ravelry, fand ich das perfekte Projekt für dieses (ebenso perfekte) Garn: Den “Baby Raglan Pulli” von Ela-strickt, einen wunderschönen, schlichten Kinderpullover!

Als erstes fiel mir bei dieser Anleitung auf, wie kurz sie ist: Knappe 2 Seiten nur, mit viel Raum auf zwischen den Zeilen, prima beschrieben und schön übersichtlich dargestellt. Ich dachte: “Was so einfach klingt, kann wohl nicht so schwer sein, oder?” und wagte einen verwegenen Sprung ins eiskalte Wasser. Denn; einen Raglan-Pullover hatte ich noch nie zuvor gestrickt…

Die Arbeit floss nur so zwischen meinen Fingern hindurch. Da dieser Pulli von unten nach oben gestrickt wird, hatte ich jede Menge Zeit, mich mental auf das Abenteuer “Raglan” vorzubereiten und zuerst einmal die schöne Struktur des Garns zu geniessen. Ein Garn zum ersten Mal zu verstricken, ist immer wie… eine Art Reise für mich, wo ich alles zum ersten Mal sehe, zum ersten Mal spüre, eine Forschungs-Reise für die Sinne, ins Land der Farben und Strukturen, die niemals, niemals ihren Reiz verliert…

Anders als bei den meisten Raglan Pullis werden die Ärmel vom Bündchen her rund gestrickt und dann auf Achselhöhe in das Körperteil eingearbeitet. Ich war zeitweise etwas verwirrt von all den Markierungs-Fäden auf meinen Nadeln (bittebitte nehmt euch bei Raglan-Projekten die Zeit, um wirklich alle Markierungen sorgfältig und genau einzusetzen. Sie sind absolut Gold wert und vereinfachen einem die Arbeit enorm!). Aber irgendwann schaffte ich es durch den ganzen Faden- und Zähl-Dschungel und sass dann plötzlich da, ein bisschen plemplem von der ganzen Konzentriererei (tolles Wort, nicht?), ein wenig erschöpft und wie vom Donner gerührt, vor allem aber sehr, sehr glücklich- mit einem waschechten, kleinen Raglan Pullover in meinen Händen.

Einzig der Kragen stellte sich noch etwas quer. Ich weiss nicht genau, woran es lag, ob an der für mein Baby noch etwas zu grossen Grösse (80/86) oder vielleicht an meiner Strickfestigkeit, jedenfalls wirkte der Hals-Bereich irgendwie ein kleines bisschen zu kurz und gleichzeitig zu weit, so als würden da ein paar Zentimeter fehlen zwischen Schulter und Hals. Das Garn ist nicht unbedingt Sommer-tauglich, trotz dem Leinen und der Baumwolle. Es ist eher dick und schwer (fast 200 gr.), und ich fand, eine Pullover wie dieser könnte einen hoch-geschlossenen Kragen ganz gut vertragen…
Nun, an sich sträubt sich ja alles in mir, wenn ich eine fertige (und hier auch bereits verstätete) Arbeit wieder auflassen soll, aber dieser Pulli machte mir so viel Freude, und die wollte ich mir einfach nicht trüben lassen… Also aufribbeln, nicht viel, bloss die 5 letzten Runden Kragen-Rippchen und nochmals 5 Runden, damit Platz frei wurde für ein paar Abnahmen zuästzlich (für einen engeren Hals-Ausschnitt) und für etwa 5 glatt rechte Extra-Runden nach den Abnahmen, damit der Kragen höher wird. Leider habe ich mir die einzelnen Schritte nicht notiert, aber auf alle Fälle gab es zum Schluss noch 72 Maschen abzuketten, und ich erinnere mich, dass ich nach dem Auflassen anstelle der vorher benutzten Nadel Nr. 3.5 ein Nadelspiel Nr. 4 verwendet habe, für ein bisschen elastischere Maschen.
Und ja, wie schön, es passt!

Ich mag diesen Pulli wirklich unglaublich gerne. Und ich mag dieses Garn, diese Farbe irgendwo zwischen Haselnuss und Caramel. Irgendwie sieht mein Baby so weich aus darin, so richtig zum Verknuddeln weich und warm und kuschlig und zum Fressen süss (Ne, ich knabber sie schon nicht an. Obwohl ich alles Süsse liebe. Höchstens vielleicht ganz, ganz sanft und vorsichtig…)
Das Problem bei all diesen heissgeliebten Babysachen ist immer; eines (gar nicht mal allzu fernen) Tages, werden sie zum letzten Mal angezogen. Und dann schweren Herzens weggepackt. Und noch schwereren Herzens eingemottet. *seufz* Babys wachsen einfach immer viel zu schnell, oder? Und da ist im Moment so gar kein Geschwisterchen, das die abgelegten Lieblings-Stücke meiner Kleinen dann nachtragen könnte… Ich glaube, wir Strickerinnen müssten mindestens 10 Kinder haben. Oder Enkel gleich im Anschluss. Oder gleich beides zusammen!

Naja, der Haselnuss-Caramel-Raglan-Pulli wird dem Babykind immerhin noch eine Weile passen. Ich habe den ganzen Pulli etwa 1-2 cm länger gestrickt, im Moment krempel’ ich die Ärmel noch hoch, und falls der Kragen dann doch noch zu eng werden sollte- was soll’s, lassen wir ihn eben nochmal auf. Und wenn er dann eines Tages tatsächlich nicht mehr passt… Mal sehen, was dann kommt. (Falls ich anfangen sollte, mir Babypuppen in Lebensgrösse zu kaufen, wisst ihr wenigstens warum…)
Festhalten lässt sich diese Zeit nicht, nein, keine Sekunde davon bleibt für länger. Aber geniessen kann ich, sehen und fühlen und dankbar bleiben für den einzigartigen Zauber, den ich miterleben darf… Und immerhin; Das Stricken wird bleiben. Mein Weg, ein bisschen Liebe und Fürsorge greifbar zu machen und die, die ich liebe, in Wärme und Schönheit zu packen. Als Zeichen für das, was ich mit ganzem Herzen bin und bleiben werde, egal wie rasch meine Babys ihren Pullovern entwachsen; eine Mutter. Und eine Mutter bleibt eine Mutter. Ein ganzes  Leben lang.

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Aus meinem Tagebuch: Das Gras wächst

(Ein Text vom letzten Sonntag)
Wenn ich nicht ganz genau wüsste, dass wir bereits Ende (!) Mai (!) haben, ich würde mir meine Winterjacke vom Speicher holen und Handschuhe und Strickmütze bereithalten. Für den Herbst, der ja offenbar über uns hereingebrochen ist.
Es ist so schrecklich, schrecklich kühl! Nachts 3 Grad zum Teil. Und kaum je mehr als 10 Grad tagsüber… Bei Brigitte hat es sogar geschneit, jawohl, geschneit. Schneeflocken auf Fliederblütendolden (falls bei ihr der Flieder auch schon blüht), na ich weiss nicht… Wo in vier Wochen doch schon Sommer sein soll…
Aber wisst ihr was? Irgendwie belastet mich das gar nicht so sehr. Natürlich, ich spüre, dass hier irgendetwas nicht ganz ist, wie es sein sollte, und das, ja das beunruhigt mich schon. Wenn die Natur aus dem Rythmus gerät, dann macht mir das Sorgen, die tief gehen, denn die Natur ist und bleibt das Fundament, auf dem unser Leben gedeiht, auch im Zeitalter des Junk Food, wo Bananen aus Übersee die heimische Erdbeere im Notfall ersetzen und Tiefkühl-Vorräten Gemüse hervorzaubern, wenn der Frost die hiesige Ernte zerfressen hat…

Ich mache mich schon Gedanken. Ich suche nach Zeichen des Frühlings und freue mich über jeden noch so winzigkleinen Sonnenstrahl, der es bis zu uns hin schafft, und ich hoffe, oh ja, ich hoffe so sehr, dass es langsam warm und wärmer wird und unser Leben wieder weiter und freier wird nach all der Zeit drinnen, wo die Heizung weiterläuft, als wäre der Winter gar nie zu Ende gegangen… Aber ich merke, dass ich innerlich ruhig bleibe dabei. Manche Dinge kann man einfach nicht ändern. Man kann sie nur annehmen und lernen, mit ihren zu leben. “Das Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht.” Nein, das tut es wirklich nicht. Im Gegenteil. Ich glaube, es wächst sogar schöner und besser, wenn ich ihm seine Zeit lasse und mich dafür ein bisschen um mich kümmere, darum, dass ich bei Kräften bleibe und so glücklich und zufrieden, wie ich es nur sein kann in diesem Moment. Denn dass es wächst, das Gras, daran besteht gar kein Zweifel.

Heute, als ich auf dem Weg zum Dorfbrocki durch’s Dorf wanderte und der Wind mir durch die viel zu dünne Strickjacke pfiff, wurde mir mit einem Mal bewusst, wie unheimlich grün alles schon geworden ist. Trotz Wind und Wetter und buchstäblich eisig-kalten Nächten. Ich kann mich kaum an sonnige Abschnitte erinnern, weder in dieser Woche noch in der letzten, aber die Bäume schossen ins Grün, dass ich jedes Mal, wenn ich das Haus verlasse, kurz stutze; Was? Noch mehr Blätter? Kastanienblüten? Tatsächlich? Und- wie?- bereits wieder verblüht? Okaaay…

Dort, wo vor kurzem noch einzig nasse, braune Erde in unserem kleinen Garten zu sehen war, wuchert nun plötzlich Unkraut und Kraut- und ich weiss manchmal gar nicht, welches nun was ist oder ob mir die ausgesähten Zinnien tatsächlich so viel lieber sind als die “wild” gewachsenen Vergissmeinnicht oder die violetten Flockenblumen, die überall in unserem Garten auftauchen, ohne dass ich mir erklären könnte, woher… In Nachbars Garten, da leuchten weisse Margarithen als wogende Insel im Rasenmeer und dicke Pfingstrosen quetschen mir ihre Köpfchen durch den Maschendraht entgegen. Wunderbar…

Es wächst und grünt und das so stetig, optimistisch und geduldig, dass es richtig gut tut. Die Natur kennt keine Niederlagen. Nur neue Herausforderungen. Die Obstbäume spriessen, öffnen ihre Blüten und lassen sie wieder verwelken, sie tragen Früchte, Herbstlaub, kahle Äste, die Blumen keimen, wachsen, blühen und versamen sich, das Gemüse genauso, jeder Grashalm, jedes Farn, jedes Moos und jede Flechte; alles wächst und gedeiht und wird zu dem, wofür es gedacht ist, in seinem Tempo, auf seine Weise, in seinem ur-eigensten Rythmus, allen Widerständen zum Trotz.

Und manchmal, da denke ich, im Leben ist es ganz ähnlich. In meinem Leben auf jeden Fall. Es gibt so viele Baustellen immer, und wird eine geschlossen, geht eine nächste auf. So viele Bereiche, wo ich merke, dass es sich nicht (mehr) gut anfühlt und Dinge verändert werden wollen, so wie der Frühling, der irgendwo tief unten in der Wurzel einer Pflanze seinen Anfang nimmt, als leiser Wunsch zunächst, der immer stärker wird und nicht abebbt, sonder beharrlich bleibt und langsam und stetig wächst, sich seinen Weg nach oben gräbt bis hinein in einen neuen Keim, in neue Blätter, Triebe, Blüten und Früchte.

Als Mama zum Beispiel stehe ich immer wieder vor neuen Herausforderungen. Meine Kinder verändern sich, und mit ihnen auch die Rolle, die ich spiele und die Grenzen und Freiheiten, die ich schaffen möchte für sie. Ich glaube, niemals sonst in meinem Leben fühle ich mich stärker gefordert (und, ja, oftmals auch überfordert, ganz, ganz ehrlich) als als Mutter. Meine Kinder sind lebhaft, sehr, sehr individuell und charakterstark, und es gibt kaum einen Tag, an dem ich nicht irgendwann an einen Punkt komme, wo ich am liebsten laut schreiend zum nächsten Flughafen rennen würde -allein- mit nichts als einem Flugticket in der Hand, in Richtung irgendeiner einsamen, kühlen, stillen Gegend, wo meine Sinne wieder zur Ruhe kommen können; dieses Haus hier gleicht manchmal mehr einem Sack voll wildgewordener Flöhe mit Hunderten von überdrehten kleinen Wesen als einem Zuhause von “nur” 4 Kindern…
Auch hier gehen immer wieder neue Baustellen auf, Punkte, wo ich wahrscheinlich strenger oder manchmal auch gelassener werden sollte, wo mehr Freiheiten oder eine klarere Linie nötig wären, damit es wieder stimmt. Für alle. Veränderungen, die sich anbahnen. Tag für Tag. Wünsche wie Keimlinge. Und viel zu oft möchte ich am Gras ziehen, damit es doch bittebitte etwas schneller wächst.


Nicht nur wenn es um Kindererziehung geht. Die Bereiche eines Lebens sind wohl endlos, und alles, alles steht in stetiger Veränderung und nicht immer ist es einfach, zu erkenne, wie viel wir wirklich tun müssen, um diese Veränderungen zu erreichen. Manchmal ist es Schwerstarbeit, ja, manchmal braucht es tatsächlich Kraft und Einsatz, damit ein kleiner Frühling möglich wird in meinem Leben. Der Führerschein zum Beispiel -den ich noch immer nicht habe, tztztz- wird sich niemals von alleine in meine Tasche schleichen. Oder dieser absolut ungeregelte Haushalt hier. Ein klein wenig mehr Systematik und Durchhalte-Wille könnte hier ganz bestimmt nicht schaden…

Aber manches braucht gar nicht so unheimlich viel Einsatz, sondern vor allem eines; Zeit. Geduld. Vertrauen. Demut. Es gibt auch Themen, wo ich lernen musste (und weiter lernen muss), zu warten. Mit meinem Baby zum Beispiel, wo all meine Freiheiten und Möglichkeiten so extrem beschnitten sind. Ich komme (buchstäblich) keine Minuten wirklich zur Ruhe, tagsüber wie abends, wo das Kind bei jedem Pieps wieder aufwacht und eigentlich nur in meinem oder Herrn Kirschkernzeits Armen richtig tief schläft. Ich bin oft angrundtief erschöpft von all diesen Aufgaben, diesem permanenten Gebrauchtwerden… Doch ich weiss, dass auch das sich verändern wird und ich möchte versuchen, dem Gras sein Tempo zu lassen, mich selber zu stärken, wo ich nur kann, ohne die Geduld zu verlieren mit dem Wachstum und den Eigenheiten meiner Kinder.

Oder mein Bauernhaus-Wunsch-Traum, der mich zeitweise richtig matt gesetzt hat in der Vergangenheit. Er hat aufgehört, mich zu quälen. Ich spüre plötzlich, wie viel leiser er geworden ist. Ich wünsche mir noch immer, eines Tages hinaus aufs Land zu ziehen und neu anzufangen, mit mehr Erden-Nähe, mehr Dreck und Luft, aber irgendwann im Verlaufe der letzten 6 Monate habe ich angefangen, wirklich loszulassen; Ich suche nach wie vor nach dem Haus unserer Träume, aber ich lasse es gut sein, wenn es seine Zeit braucht. Seine Zeit, nicht meine. Ein bisschen habe ich wohl auch Wurzeln geschlagen hier, glaube ich. In vollem Vertrauen. In letzter Zeit denke ich öfters in Langzeit-Termen, überlege, einen Baum zu pflanzen im Garten oder hecke mit Herrn Kirschkernzeit neue Pläne aus für den Umbau unseres Hauses.
Es ist wie es ist, und ich glaube, ein bisschen mehr Gelassenheit hilft mir, Frieden zu finden da, wo ich jetzt stehe, auf dem Weg dahin, wo ich eines Tages gerne stehen möchte.

Gerade sitze ich draussen, vor der Haustüre, ganz alleine mit meiner Tasse heissem Salbeitee und ein paar Vollkorn-Keksen (keine Schokolade *schulterklopf*- die spare ich mir für den Abend auf, hihi). Der Himmel steht voller Wolken und der Wind fühlt sich kalt an auf meinen Wangen. Frühling? Herbst? Wer weiss das schon so genau? Doch die Beete werden grüner und der Flieder blüht büschelweise lila, eine Amsel schmettert ihr Frühlingslied hinaus in den kühlen Nachmittag. Und das Gras wächst. Ganz von alleine.

Veröffentlicht unter aus meinem tagebuch, Familienalltag, Jahreszeiten, what makes me happy | 8 Kommentare

Wochen-Ende: verschlafen

: einen Pulli zu Ende gestrickt : dem Gras beim Wachsen zugesehen : “Ich-Zeiten” in kleinst-möglichen Dosen genossen (in Form einer langen, heissen Dusche zum Beispiel oder mit einer Tasse Tee draussen vor der Haustür’) : wackligen Konstruktionen beigewohnt : gekleistert und kleistern lassen (zum Beispiel eines dieser süssen, kleinen Windlichter) : heisse Holunderbeeren getrunken und dem Kratzen im Hals den Kampf angesagt : Regentropfen prasseln gehört, tropftropftropf, den lieben, langen Tag lang :

Ich bin müde. Die Nase kribbelt, der Hals ist rauh und vom Reden erschöpft, das Babykind weint und zahnt und irgendwie will es einfach nie still werden hier. Das Wetter schlägt uns allen aufs Gemüt, und dieses grosse -nein riesige- Haus kommt mir plötzlich zu klein vor für uns alle… Es soll Frühling werden. Endlich. Das ist das, was wir alle brauchen. Wärme, Licht, einen freien Himmel über dem Kopf. Und mehr Pausen. Pausen zum Duschen, zum Abwarten und Tee trinken, zum Kleistern, Stricken, Spielen. Und Schlafen. Das vor allem. Zum Schlafen.

Gönnt euch auch ein wenig Ruhe, ja?
Und habt eine gute Woche, mit Pausen und ein klein wenig mehr Sonnenschein.

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