Monatsarchive: Dezember 2012

Zwischentage

Das Jahr hat viele Tage. Ganze 365. Die meisten davon sind All-Tage, normal, ein bisschen vorhersehbar, zumindest ansatzweise mit Plan (sofern man Kinder im Schul-Alter hat). Dann gibt es Tage, die  tragen Namen, die heissen Ostern, Geburtstag, Weihnachten oder Silverster, erster Schultag, Muttertag, Examen… so in der Art. Dann wiederum gibt es welche, die haben zwar keine Namen, sind aber trotzdem keine gewöhnlichen Alltage, weil der Stundenplan fehlt und der Wecker morgens nicht schrillt. Ferien nennen wir das, und das Wort schmeckt wie ein Sahnebonbon, süss, dekadent und definitiv nach mehr.
Und dann… dann wären da noch jene Tage, die ein bisschen aus dem Rahmen fallen; Die Tage zwischen Weihnachten und Neujahr, Tage, in denen die Seele sich fallen lassen darf und wir neuen Atem holen für ein neues Jahr voller unbekannter Möglichkeiten. Frei sind sie, namenlos und in ganz besonderer Weise plan-los und entspannt oder ausser-ryhtmisch, wie Rita mal gesagt hat, denn anders als bei ganz normalen Schul-freien Tagen, sind sie zu kurz für grosse Pläne und liegen derart weich eingebettet zwischen den Feierlichkeiten, dass sie sich anfühlen wie das Zentrum eines Karussells, wo alles ein bisschen anders läuft, langsamer, zurückgelehnt, während es an allen anderen Punkten der Peripherie lustig und laut zu und hergeht und vielleicht auch ein wenig hektisch.
Nach Weihnachten, vor Silverster…

Luftblasen-Tage

Kein Wecker, flexible Essens-Zeiten, je nach Hunger, Lust und Laune, spontane Ausflüge in überfüllte Warenhäuser, wo wir in den Ausverkaufs-Körben wühlen, sowieso nichts finden (und das auch nicht unbedingt wollen, made in China und so, ihr wisst schon…), uns aber freuen wie verrückt, wenn wir dann doch noch ein besonders schönes Schnäppchen machen. (In diesem Jahr? Bloss Socken. Bio. Immerhin.)
Wir lassen uns Zeit. Für alles. Und ignorieren, was auch nur im Entferntesten nach Druck oder Stress aussieht. Luftblasen-zwischen-Tage sind nämlich wie geschaffen für alles Faule, Genüssliche und sehnlichst Erwartete wie; Schlaf (au fein!), einfaches Essen, Weihnachts-Schokolade, ungestörte Lesestunden, Spielen stundenlang, rasche Besuche im Dorf-Brocki, Füsse-Vertreten bei strahlendem Sonnenschein. Und Baustellen, die schon viel zu lange leer gestanden haben, weil Alltage geizig sind mit ihren Stunden und zum Umbauen und Kreativ-Sein einfach zu wenig spendabel… Es tut so gut, für eine kurze Weile blindlings in den Tag hinein zu leben und einfach nur zu sein

In diesem Sinne; geniesst sie noch, eure Zwischen-Tage, sie sind so rasch vorüber…
Und danach ein wunder, -wunderbares, neues Jahr euch allen!

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this moment: Feuer und Flamme

Nach einer Idee von Soulemama: eine Erinnerung, ein Bild, vielleicht nur wenige Worte.
Um Luft zu holen und die Erinnerung zu bewahren, wenn die Woche zu Ende geht.

men’s world

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Aus meinem Tagebuch: in diesem Augenblick

Mittwoch 26. 12.2012  11:30

Weihnachten ist vorüber und ich sitze hier in meiner Küche auf dem Boden und spiele mit meinem quietschfidelen Baby. Der Geschirrspühler rattert, während er die Teller und Gläser vom gestrigen Festtags-Schmaus wäscht. Neben mir steht noch der Dosen-Berg voller Weihnachtsplätzchen, und oben höre ich die Kinder spielen. Ich bin gelöst und guter Dinge, die letzten Tage waren fröhlich und leicht und vergingen wie im Flug, was immer ein ziemlich gutes Zeichen ist.
Gestern waren wir draussen im Grünen, machten uns ein Lagerfeuer und brieten Würste unter einem freien, langsam schwarz werdenden Dezember-Himmel. Die Kinder sprangen übers Feld und freuten sich über das Lichtermeer des Dorfes zu unseren Füssen. Wir hörten den Abend stiller werden, sahen die Nacht anbrechen, und als es ganz dunkel war, zündeten wir uns Fackeln an und machten uns auf den Heimweg, durch den stockfinsteren Wald, durch die Wildnis, wo werweisswas in den Schatten hätte lauern können (*schauder*), wäre das nicht das Licht gewesen in unseren Händen, Licht das uns Mut machte, uns alle Schauermärchen vergessen liess und mir wieder ins Bewusstsein rief, wie unvergleichlich kostbar alles Helle und Warme doch ist für unser Leben. Je dunkler die Nacht, desto dankbarer wird man dafür.
Spannend war das. Und wunderschön. Licht im Dunkeln. Hände, die sich aneinander festhalten. Ein gemeinsamer Weg, ein gemeinsames Fest, eine neue Erinnerung, die uns verbindet… Ja, ich bin gelöst und zufrieden. Genau hier, genau jetzt…

in diesem Augenblick

In diesem Augenblick… trommelt der Regen an unsere Fenster. Es ist mild, fast frühlingshaft. Und nass. Zumindest heute morgen. Der Wind, der draussen die kahle Natur zerzaust, erinnert mich an den Frühling und schafft es -trotz Weihnachtskeksen und vier brennenden Adventskranz-Kerzen- eine ganz, ganz leise, aber schon ein wenig kribbelnde Vorfreude aufkommen zu lassen. Aufs Frühjahr, das neue. Auf alle Neue eigentlich…

In diesem Augenblick… liegt noch immer das rote, reich bestickte Tischtuch auf dem Küchentisch. Wo gestern noch Kartoffelauflauf, Pastete, Mousse au Chocolat und Zimtsterne lagen, stehen jetzt nur noch ein paar Gläser und die fast abgebrannte Bienenwachs-Kerze, die ich mir am diesjährigen Weihnachts-Markt von einem Imker gekauft habe. Bienenwachs, weil ich Bienen mag, den Duft ihrer Waben, und weil mich ihre warme, honigbraune Farbe irgendwie erinnert, an meinen grossen Traum vom Leben auf dem Lande…

In diesem Augenblick… bricht unversehens die Sonne durch die Wolken, ein seltener, aber immer gern gesehener Gast um diese Jahreszeit. Hier leben wir düstere Dezembertage. Meistens hängt der Himmel voller Grau und von den Böden steigt Nebel auf. Das macht mir nicht viel aus, denn ich liebe den Nebel und die Erlaubnis zum Faulsein und Mich-Verkriechen, die nasse Wintertage mir schenken. Aber dem Optimismus, den so ein Strahl Sonne versprüht, genau hier, genau jetzt, auf meinem alten, handbestickten, schon etwas löchrigen Leinen-Tischtuch, kann auch ich mich nicht entziehen. Zauberhaft…

In diesem Augenblick… liegen ein paar Strang neuer Wolle (empfohlen von einer lieben Leserin) auf meinem Fensterbrett. In Sichtweite. Absichtlich. Denn jetzt, wo alle Wichtelgeschenke fertiggestellt und in gute Hände gekommen sind, brauche ich wohl wieder ein bisschen mehr Motivation, um zu meinen Nadeln zu gelangen. Stille Momente sind nach wie vor rar, und es fällt mir nicht leicht, mir die Freiräume auch wirklich zu erkämpfen ermöglichen, die ich bräuchte, zum Arbeiten, zum Kreativ- oder einfach mal nur Still-sein. Wir rasch gebe ich anderem den Vortritt; der Wäsche, zwei streitenden Kindern, dem leeren Kühlschrank oder einem läutenden Telefon. Dabei weiss niemand besser als ich selber,  wie wahnsinnig gut mir diese Zeit nur für mich und meine eigenen Bedrüfnisse tun würde.
Vielleicht reicht der Charme dieser sechs Stränge ja aus? Alpaca, Wolle, Leinen. Hmmm… klingt tatsächlich verlockend…

In diesem Augenblick… kann ich mir ein Schmunzeln nicht verkneifen, wenn ich meinem Baby so zusehe. Sobald sie auf dem Rücken liegt, zieht sie sich zusammen wie ein Gummiband, elastisch und weich, und ihre kleinen Fingerchen greifen fast schon reflexartig nach ihren Füssen, tasten, zupfen, lutschen am grossen Zeh… Sie sieht so zufrieden und knuffig und unglaublich süss aus dabei, dass  sie meistens nicht lange so liegenbleibt- sondern sofort in Mamas Armen landet und mit  Küssen fast zugedeckt wird. Hach Babies

In diesem Augenblick… duftet es nach frisch geröstetem Müesli. Zur Geburt meines Babys bekam ich einen ganz wunderbaren Korb voller hausgemachter Köstlichkeiten von einer lieben Freundin geschenkt, unter anderem auch mit einem Einmach-Glas selbstgemachter Frühstücks-Flocken samt dranbaumelndem Rezept. Meine Kinder waren hell begeistert und das Glas im Handumdrehen leer geknuspert… Genau daran musste ich heute vormittag plötzlich denken (ja, auch an dich natürlich, Susi!), und weil es gerade so wunderbar ruhig war um mich herum und mir noch die Energie einer langen, erholsamen Nacht in den Knochen steckte, machte ich mich hurtig ans Knusperflocken-Backen. Eine sehr sinnliche, einfache Sache, wie ich finde, mit lauter bodenständigen, ehrlichen Zutaten wie Honig, Haferflocken, Apfelsaft und Nüssen.
Schön, so ein Glas. Gesund, schlicht, gut und herrlich selbstgemacht.

In diesem Augenblick… verabschiede ich leise den Advent. Nur so für mich. In aller Stille. Die Kerzen bleiben noch ein wenig, der Kalender wird bald weggeräumt, unsere Wichtel-Geschenke rutschen hinein in ihr erstes Jahr Gebraucht-und-geliebt-Werden im Hause Kirschkernzeit.
Alles floss irgendwie so dahin in einem langsamen, stetigen Ryhtmus, vom Dekorieren der ersten weihnachtlichen Ecken, von aufkommenden Wichtel-Ideen und gemeinsamen, heimlichen Näh-Sessions im abendlichen Dämmerlicht, bis hin zum Weihnachts-Frühstück im Kindergarten, dem grossen Familien-Treffen mit zig fröhlichen Onkels und Tanten im Haus meiner Eltern. Und unserer eigenen, kleinen, fackel-erhellten Feier in der Schwärze der Nacht.
Wir hatten es gut. Das Gefühl von Dankbarkeit und Ruhe liegt noch immer über mir wie eine warme, weiche Decke. Unsere Feiertage waren reich und beschaulich und sehr, sehr erfüllend. Genau so wie ich es mir gewünscht hatte. Und dafür bin ich  zutiefst dankbar.

So long also, Weihnachts-Zeit! Mach’s gut- bis zum nächsten Dezember.

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Geschenke

Weihnachten naht und ich kann mir lebhaft vorstellen, wie es überall wuselt, in der Stadt, im Dorf, in den Häusern, wie eingekauft wird, gebastelt, hergerichtet und vorbereitet. Weihnachten. Und das schon ganz, ganz nah.
Ich mag diese Zeit. Und auch wieder nicht. Ich finde, niemals sonst im Jahreskreis schlägt die Stimmung schneller um als jetzt, im späten Advent, wo so viele Erwartungen auf eine Realität treffen, die oftmals nicht Schritt halten kann mit unserer Vorstellung von einem harmonischen, perfekt durchdachten, sinn-vollen und erfüllenden Weihnachts-Fest. Es ist eine spannende Zeit, aufregend, weil so vieles möglich erscheint und dieses Geheimnisvolle, Erwartungs-frohe, das so knisternd in der Luft liegt, mich irgendwie beschwingt, ob ich will oder nicht. Aber diese Spannung… kann auch belasten. Das kippt manchmal fast schneller als man denkt…

Vor Jahren haben wir uns entschieden, Weihnachten nur noch so zu verbringen, wie es uns als Familie entspricht. Wir haben für uns alles radikal reduziert und uns viel Zeit gelassen, unser Weihnachten für uns neu zu gestalten, denn vieles fühlte sich einfach nicht mehr richtig an für uns… Vor allem war da die Sache mit den Geschenken, wir uns anders vorstellten: Wir wollten weg vom Konsum en masse und von dieser überbordenen Erwartungs-Haltung, in die man als Kind (und als Erwachsener) so rasch hineingerät, hin zu einer ruhigeren, einfacheren, bewussteren Form des Gebens und Empfangens. (Was gar nicht so einfach war…).

Viele Jahre haben wir Geschenke einfach ganz weggelassen. Die Kinder kannten es ohnehin nicht anders und wir, wir fühlten uns richtiggehend erleichtert dabei. Es war gut so, schlicht und entspannt. Aber irgendwie… Es begann mir zu fehlen. Das Schenken vor allem. Menschen, die ich liebe zu beschenken, macht mich -genau wie euch, möchte ich wetten- einfach glücklich, egal zu welcher Jahreszeit, und jetzt in dieser dunklen Jahreszeit, wo die Abende sich aufblähen, als wollten sie die Weltherrschaft erringen, wandern meine Gedanken sowieso fast unmerklich immer wieder Richtung Näh-Maschiene, Richtung Strick-Korb, Richtung Backofen… Weil mir so schrecklich danach ist, ein wenig Licht und Zerstreuung, ein erreichbares Ziel hinein zu bringen in diese langen Nächte und diese engen Tage drinnen in unseren vier Wänden.

Es macht mich unheimlich froh, für andere zu nähen, zu stricken oder zu backen. Wenn ich stichle und büeze und dabei meine Gedanken um meine Lieben kreisen lasse, dann tut mir das einfach zu gut, um darauf zu verzichten. Und ich glaube fast, meinen Kindern könnte es genauso gehen. Schenken kann verbinden und ich habe das Gefühl, ein Geschenk selber zu machen, vertieft diese Verbundenheit noch, einerseits beim Entstehen selber, andererseits auch später, wenn das, was wir gemacht haben seinen Platz findet im täglichen Leben, geliebt, benutzt, gebraucht wird, und einem immer wieder an die Familien-Bande erinnert, die es hervorgebracht haben.
Darum: In diesem Jahr wird das ein wenig anders werden. Die Zeit scheint reif zu sein dafür. Wir werden wichteln. Ob klein oder gross, jeder wird für einmal zum Wichtelchen und denkt sich eine kleine Überraschung aus für ein zuvor ausgelostes Mitglied der Famile. Ganz im Geheimen, versteht sich. Und nun wird gearbeitet, versteckt und ausgeheckt. Und tüchtig in Geheimnissen gekrämt. Kleine Wunder im Enstehen…

Aber wisst ihr, was das allergrösste Wunder für mich ist im Augenblick? Dass es meinem Babykind wieder so viel besser geht!

Sie lacht wieder, trinkt gierig und genussvoll und strampelt mit den Beinchen, wenn sie sich freut. Ihre Neugierde ist zurück, ihre Freude am Leben und an allem, was um sie herum geschieht. Sie ist wie verwandelt, jetzt wo es ihr besser geht, und ich so unsagbar erleichtert und dankbar; ich habe mein Kind wieder! Ist das nicht wunderbar? Für mich, ein Geschenk des Himmels…

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