Monatsarchive: September 2012

this moment : güxlä

Nach einer Idee von Soulemama: eine Erinnerung, ein Bild, vielleicht nur wenige Worte.
Um Luft zu holen und die Erinnerung zu bewahren, wenn die Woche zu Ende geht.

this moment

PS. “güxlä” ist eines meiner Lieblingsworte im Schweizer Deutschen und bedeutet so viel wie ” ein bisschen gucken/ heimlich ein wenig spionieren” das aber immer auf eine eher niedliche, harmlose Art und Weise…
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6 Jahre auf den Tag genau…

… bin ich die Mama dieses kleinen, ganz besonderen Kerlchens! Und ich bin es gerne, wirklich. Ich mag seinen feinen Sinn für Humor, der oft überrascht, gerade weil mein Junge meistens eher still und zurückhaltend ist und leicht übersehen wird- bis er mit einer klugen Antwort oder einem verblüffend treffenden Kommentar aus seiner unscheinbaren Nachdenker-Ecke auftaucht. Ein Kind mit vielen Überraschungs-Momenten, ein stilles, ziemlich tiefes Wasser, das seinen grossen Bruder über alle Massen bewundert und liebt und seine kleinen Schwestern wohl genauso, allerdings auf subtilere, geduldige Art und Weise, in kleinen, unvorhersehbaren Schwallen der Zärtlichkeit.

Ich mag es, wie Kind2 es schafft, andere scheinen zu lassen, Bewunderung und Anerkennung ganz offen und ehrlich zu empfinden und auszudrücken, ohne sich selber dabei klein zu fühlen. Er gönnt anderen ihre Freude und bleibt ihnen treu in seiner Freundschaft. Es ist schön, das zu sehen, schön, ihn dabei zu begleiten, wie er langsam und vorsichtig Schritt für Schritt hinaus in die Welt wagt, nicht immer ohne zu stolpern, denn vieles erscheint ihm oft mühsam und die Menschen manchmal rätselhaft in ihrem Verhalten, doch er geht weiter, tapfer und sich selber treu. Ich bin stolz auf ihn, darf ich das sagen? Ich bin stolz auf all die kleinen und grossen Dinge, die er schon gelernt hat und darauf, wie er das tut; In aller Stille meistens. Mit einer Bescheidenheit, die mich immer wieder berührt.

Es war ein guter Tag heute, mein Kleiner. Ruhig und gesammelt, so wie du.
Und es waren 6 gute Jahre. Mit dir. 6 Jahre schon…
Schön, dass du zu uns gehörst! Du würdest uns sonst sehr fehlen…

Happy Birthday! Und ein fabelhaftes 7. Jahr!

PS. Ein paar Details, für alle Fälle: Das Kissen stammt vom Online-Foto-Service unsrer Migros. Kind2 hat es sich selber zusammengestellt und arrangiert, ein Foto-Kissen mit Fotos nach Wahl (er hat sich allesamt Bilder aus unserem letzten Camping-Urlaub in Le Prese ausgesucht, kein Wunder). Ich war überrascht, wie einfach so etwas geht, muss ich zugeben. Überzeugend!
Die Karten sind Quartett-Karten, nigelnagelneu (Happy Birthday!). Kind2 lieeeeeeeebt Quartett-Spiele! Überhaup Spiele, die man gemeinsam spielen kann und wo das Verlieren nicht so doll weh tut.
Und das da im CD-Player, was so spät nachts, wo selbst 6jährige Geburtstags-Kinder längst schlafen sollten, noch läuft, ist das neueste Lieblings-Hörspiel meiner Bengels: “Gregs Tagebuch 3″ . Ziemlich frech, aber auch ziemlich cool.
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im Wald

Im Wald. Endlich. Denn wisst ihr; wenn ich ehrlich bin, dann muss ich zugeben, dass ich in diesem Jahr irgendwie alles andere als ein natur-verbundenes Leben geführt habe… Ich meine, im Frühjahr, ja da liess ich mich überglücklich und überschwänglich hineinplumpsen in die erwachende Natur, durchstreifte die Wälder, pflückte Bärlauch, sog jeden Sonnenstrahl in mich hinein, gierig und halbverhungert nach den entbehrungsreichen, düsteren Monaten der Früh-Schwangerschaft.

Mit blossen Händen grub ich all meine Gartenbeete um (ich, die ich mich sogar vor Regenwürmern fürchte!), setzte es durch, dass das Trampolin auf den Rasen verschoben wurde und ich mir ein weiteres Stückchen Garten zum Garten machen konnte, noch mit dicken Bauch und allem jätete ich mich verbissen und amitiös und voller Pläne durch den Unkraut-Dschungel…

Aber dann, naja, dann war meine Energie irgendwann am Ende. Schluss. Aus. Finito. Statt mit meinen Kindern raus in die grünen Ecken unserer Welt zu ziehen, zog ich mich zurück. Ich richtete ich mich drinnen gemütlich ein mit meinen Lieben und überliess die grossen Out-door-Abenteuer den anderen.

Wenn ich jetzt zurückblicke auf dieses Jahr -und ich denke, im Herbst, da fängt das wohl so langsam an, das die-Dinge-Revue-passieren-lassen- dann sehe ich mich und meine Familie vor allem so: dicht beisammen, warm und sicher eingenistet, wartend, empfangend, uns neu formierend.
Es war ein “Home sweet Home-Jahr”. Kuschlig, langsam, friedlich. Ein Jahr, das ganz und gar meinem Babykind gehörte. Sowohl damals, als es wurde in meinem wachsenden Bauch, als auch die letzten bald 3 Monate über, in dem es sich seinen Platz suchte im Familiengefüge und zu dem kleinen Menschlein wurde, das uns allen so vertraut geworden ist.
Ich mochte es so. Ganz genau so. Dieses unspektakuläre, faule, stubenhockerisch gelebte Jahr fühlte sich einfach richtig an.

Aber wie ich jetzt, an einem nebelverhangenen Morgen mit Babykind und Rucksack einem ganzen Rudel Kinder samt Kindergärtnerin in den Wald hinein folge, spüre ich auf einmal, wie sehr ich das alles vermisst habe. Ohne es jemals zu bemerken…

Ich fühle mich wie … aufgetaucht aus einem tiefen Brunnen, und alles scheint mit einem Schlag so viel heller und klarer, selbst die Töne und der Geruch des Feuers, das in unserer Mitte so langsam zum Leben erwacht.

Die Kinder fügen sich ganz selbstverständlich in die Landschaft ein; die einen verschwinden im Dickicht der Bäume, werden Feen und kleine Forscher, andere bleiben ums Feuer und kümmern sich mit ihrer Kindergärtnerin um die Apfelschnitze, die sie später über der Glut garen wollen. Jedes Kind findet sein Plätzchen. Reibungslos, fliessend.

Ein paar Jungens kommen plötzlich mit einer Schaufel und roten Backen bei mir an; “Schau mal, ein Schnabeltier!”
Dass das winzige, leblose Tierchen eigentlich eine Spitzmaus ist, da glauben sie mir sofort, wahrscheinlich, weil es im Grunde überhaupt keine Rolle spielt, aber dass es tot sein soll… Naja, das müssen sie zuerst noch genauer überprüfen. “Weisst du, wir legen es hier auf diesen Baumstamm, neben diese Pfütze hier. Damit es trinken kann, wenn es Durst bekommt. Vielleicht schläft es ja nur.”
Ich bin fasziniert von der Selbstverständlichkeit, mit der diese Kinder die Dinge hinterfragen. Und sich alle Antworten offen lassen.

Ein Junge steht knietief in einer grossen schlammigen Wasserlache. Er jauchzt, holt mit der Schaufel weit aus- und lässt sie aufs braune Wasser niederplatschen, dass es nur so spritzt. Dunkle Fontänen schiessen in die Höhe und prasseln ihm auf Kopf und Körper. Ich bin kurz unsicher, ob ich ihn einfach so machen lassen soll, der beschützende Mutterinstinkt in mir regt sich bereits, aber dann sehe ich seinen Regenanzug, die Gummihose, die hohen Stiefel. “Mach doch die Kapuze hoch”, rufe ich nur. Er hört mich nicht; sein Lachen übertönt meine Worte. Wie schön, denke ich. Wie schön, wenn Kinder noch so frei und von ganzem Herzen unvernünfig sein können.

Ich schlendere weiter, unter einem grünen, noch ziemlich dichten Blätterdach hindurch, die Augen weit offen, das Herz leicht wie eine Feder, während das Babykind so tief und lange schläft unter meiner Jacke wie wohl noch nie in seinem jungen Leben. Diese Luft ist Balsam. Wie alles hier irgendwie.

Dann treffe ich Kind2. Meinen Jungen mit den wilden, dicken, blonden Locken. Meinen kleinen Krauskopf. Er strahlt eine unheimliche Ruhe aus. Er, der oft so ernsthaft und antriebslos wirkt in letzter Zeit, kommt mir auf einmal ganz gelöst und zufrieden vor. “Hier hat er alles, was er braucht”, denke ich. “Wie kommt das nur?”
Er lächelt, nimmt wortlos meine Hand, und zieht mich mit sich, hinein in seine eigene kleine Welt. Ich bin gerührt. Und einmal mehr zutiefst dankbar für dieses grosse Wunder der Verwandlung, das die Natur für jeden bereit hält, der sich ihr mit offenem Herzen nähert…

Ich glaube nicht, dass ich diesen Herbst gross anders verbringen werde als den ersten halben Teil des Jahres, dazu ist der Stubenhocker in mir gerade viel zu bequem (und viel zu müde). Aber wer weiss… bald wird die Erde bunt, bald locken die Wälder fast unwiderstehlich, bald ruft mich der kräftige Herbstwind, den ich so sehr liebe… Vielleicht tausche ich dann Pantoffeln gegen Wanderschuhe…?
Alles hat seine Zeit.
Und es war wunderbar inspirierend und belebend, wieder einmal daran erinnert zu werden, was da draussen auf mich warten würde…

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Mein Geburts-Begleiter

Irgendwann im Frühling sassen mein Mädchen und ich draussen im Garten und malten. Ich hatte Stoffmalfarben dabei und eine ganz konkrete Idee im Kopf: Ich wollte Hand-Wale machen aus den Abdrücken ihrer kleinen Patsche-Händchen, Hand-Wale für die sie dann die Unterwasser-Meeres-Welt malen sollte, eine Ozean-Kulisse, so mit Wellen und Schwärmen kleiner Fischchen und so. Dachte ich.

Das mit den Handabdrücken klappte ganz gut, aber schon hier hatte ich bald das Gefühl, sie irgendwie bremsen zu müssen, denn natürlich fing mein Mädchen sofort Feuer, als ich Farbe auf ihre Handflächen strich. Kinderhände voller Farbe, das wird intuitiv und expressiv. So ein Handabdruck aber verlangt doch eher nach einem eingermassen ruhigen Händchen…

Kaum waren ihre Hände wieder fei von Farbe und die Wale ein wenig angetrocknet, griff sie nach dem Pinsel. Hoch konzentriert begann sie, den bedruckten Stoff zu gestalten. Die Ozean-Kulisse.
Ihre
Ozean-Kulisse.

Ich hatte eigentlich im Sinn gehabt, die Farbpalette streng limitiert zu halten. Nur helle und dunklere Blautöne für die Wellen. Alles schön harmonisch, monochrom, leicht und frisch. Für die Fische dann vielleicht etwas Lila oder so, man würde sehen. Doch bald schon mischte mein Mädchen Rot ins Wasser-Blau hinein (Rot!?) und irgendwie dann auch Grün und aus den Wellen wurden Tupfen und wilde Striche quer durchs ganze Bild, Fingerschlieren sogar…
In mir wurde es unruhig: Das ging hier ganz und gar nicht nach Plan.
Ganz im Gegenteil. Und obwohl ich eigentlich wusste, dass dieses Wal-Bild nicht mein Projekt sein sollte, sondern das meines Kindes, wurde mir plötzlich bewusst, dass ich mit meinen Ratschlägen und Anweisungen permanent dabei war, es zu meinem Projekt zu machen.

Ich glaube, der allergrösste Stolperstein beim kreativen Werken mit Kinder ist im Grunde weniger die Angst vor Unordnung und Flecken oder fehlendes Know-How. Ich glaube, viel hinderlicher sind -zumindest bei mir- oftmals die falschen Erwartungen an diese gemeinsame Zeit. Wenn ich uns kreative Zeit einräume, die Malsachene hervorhole und mir hübsche Dinge für uns vornehme, weil ich kreativ sein will und meine kreative Seele nähren möchte, dann kann ich wahrscheinlich nur schwer damit umgehen, wenn eines der Kinder zB. keine Lust hat, mitzumachen. Oder wenn es -wie mein Mädchen bei unserem Wal-Fisch-Szenario- sogar viel zu viel Lust hat, mitzumachen und sich so sehr einbringt, dass all meine eigenen Pläne und Vorstellungen über Bord gehen.

Manchmal sind kreative Seelen einfach unheimlich hungrig. Sie brauchen Futter. Grosse wie Kleine. Und nun war eine kleine Seele an der Reihe, eine kleine Mädchen-Seele, die sichtbar sprühte vor Begeisteung und Freude, die Hände voller Blau und Rot, der Stoff längst wirr vor lauter Linien. Meine schöne Ozean-Kulisse…

Ich atmete einmal tief durch und… liess los. Auch als mein Mädchen mit dem Stoffmalstift den Wal durchkreuzte, versuchte ich, loszulassen. Sie machen zu lassen. Frei. Unbeschwert. Glücklich mit ihren Striche und Schlieren und Klecksen. Es sollte ihr Bild sein, und ich ihr Gehilfe, der ihr neue Farbe anmischte, Wassergläser wechselte und zuhörte, wenn sie erzählen wollte. Das sollte war ihre Zeit sein, ihr Projekt, Nahrung und Spielfeld für ihre kleine, hungrige Kinderseele.

Als sie fertig war, sich den Malkittel über den Kopf streifte und davon sauste zum Spielen, sah ich, dass sie glücklich war, zufrieden mit sich und der Welt und dem, was sie gemacht hatte.
Und ich war es genauso. Ich blickte ihr nach und sah dann auf das Bild, das feucht auf der Tischplatte klebte. Ich konnte nur staunen: Es war wunderschön geworden! Wirr und kindlich und … einfach fabel-haft ihres.

Aus dem Ozean meines Mädchens nähte ich dann eine einfache Tasche. Ich fütterte sie mit blauem, starkem Stoff, machte stabile, gefütterte Henkel dazu und suchte mir ein paar der süssen, alten Pinguin-Borten aus meiner Bänder-Dose. Zum Zu-Binden.
Aus einer alten, verschlissenen Kinder-Hose, die schon mein 6 Jahre jüngerer Bruder getragen hatte, schneiderte ich eine kleine Innen-Tasche zurecht, fürs Portemonnaie und Schlüssel und all die Kleingkeiten, die nur allzu rasch im reichen Innenleben einer beschäftigten Mama-Taschen verloren gehen.

Beim Nähen dieser Tasche war ich unheimlich glücklich und voller Vor-Freude. Ich wusste, wohin sie mich begleiten würde. Ich wusste es vom allerersten Augeblick an und füllte sie mit weichen, kleinen Dingen bis sie so kugelrund war wie ich selbst zu diesem Zeitpunkt.

Und dann… ja, dann kam der Tag. Der 5. Juli (Bittebitte sagt mir, dass das nicht bereits schon bald wieder 3 Monate zurückliegt!). Ihr Tag. Der Tag, an dem mein Baby-Kind zur Welt kommen wollte. Ich schulterte meine Wal-Tasche und fuhr los. Vollkommen guter Hoffnung …

So kam es,  dass ein kleines Stückchen Kinder-Kunst und die Erinnerung an eine ganz besondere Stunde mit meinem kleinen Mädchen mit dabei war, als das Babykind geboren wurde. Mein ganz persönlicher, kleiner Geburts-Begleiter, der nicht nur Wärmendes für mein neugeborenes Kind bereit hielt, nicht nur Babydecke und Strampler, sondern auch warme Erinnerungen und tröstliche Gedanken. Wärme und Trost von innen. Dann als ich es am allermeisten brauchte.


Es gibt Dinge, Menschen und Momente, an die verliert man sofort sein Herz.
Und manchmal, manchmal da finden gleich alle drei zusammen…

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