Monatsarchive: Juli 2012

Samtpfötchen

Also doch noch! Mein Samtpfötchen-Post kommt tatsächlich noch zustande; ich hatte die Hoffnung schon fast aufgegeben, irgendwann noch ein freies halbes für mich Stündchen zu finden… Wie hektisch, bzw. voll die Tage werden können mit einem Baby, hatte ich ganz vergessen (oder verdrängt wahrscheinlich), aber mit dem einen Arm, der mir noch bleibt zum Arbeiten, Umarmen, Tippen und Werken, komme ich einfach nicht weit.


Das ist in Ordnung so. Es ist Baby-Zeit, und wenngleich ich glücklich bin darin, so richtig glücklich und dankbar und immer auch ein bisschen sentimental; wo Licht ist, ist auch Schatten, selbst in der rührseeligsten, rosarotesten Babykuschelphase.

Es gibt immer wieder diese ganz üblen Momente, wo ich wirklich an meine Grenzen gerate. Weil das Baby schreit. Weil ich den halben Tag noch nicht dazu gekommen bin, etwas anderes zu essen als Schoggistängeli. Weil die Kinder ununterbrochen streiten. Weil die Geburtsanzeigen noch immer auf dem Stubentisch liegen. Weil mich die ständig wachsende Unordnung krank macht. Weil es Tage, fast Wochen her zu sein scheint, dass wir es gewagt haben, unser sicheres Nest zu verlassen und ein wenig frische Luft (und Weite und Freiheit und Himmelsgewölbe! Ach…) zu schnappen.
Weil, weil, weil, weil.
Ich finde immer einen Grund, mich aufs Bett zu werfen und ein paar bittere Tränchen zu vergiessen. Aus Erschöpfung. Aus Selbstzweifeln. Aus bitteren, dummen Gefühlen, die ich so gar nicht annehmen mag, denn wie gesagt; ich bin ja glücklich. Aber manchmal auch einfach nur sehr, sehr müde. So richtig zum den-Kopf-in-den-Sand-stecken-müde.

Allerdings stecke ich den Kopf nicht in den Sand, sondern… vor den Bildschirm. Spät-abends, wenn die Kinder alle schlafen und das Baby bei mir auf dem Schoss liegt. Dann gönne ich mir -entgegen all meinen eigenen, eisernen Regeln und Prinzipien vom fernsehfreien Leben- den Luxus mich so richtig schön zurieseln zu lassen mit seichter Unterhaltung (mit „Mc Leods Töchter“ zB., Staffel-weise!) und fühle mich für eine Weile allen Pflichten, allen Schuldgefühlen und Sorgen enthoben. Es ist wie Aussteigen aus einem sich zu schnell drehenden Karussel.

Aber genau das hat auch seine Tücken. Denn man steigt ja nicht aus, man lässt es sich nur vorgaukeln auszusteigen. Wenn die DVD zu Ende ist, ist alles beim Alten. Nur die Nacht ist nicht mehr jung, und ich weiss, ich bräuchte den Schlaf…
Andererseits; das Ganze hat auch sein Gutes! Kleine, weisse Samtpfötchen nämlich…

Die süssen „Baby Socks“ aus „more last minute knitted gifts“, die auf meinem Schoss entstehen, während die tapferen Mc-Leods-Töchter auf ihrer australischen Farm ihren Mann stehen nämlich. Sie sind nach dem tollen Strickmuster, gestrickt aus Seide und Leinen und ganz fabelhaft für mittelwarmes, leicht windiges Sommerwetter, wo zarte Babyfüsschen ein wenig Wärme zwar ganz gut gebrauchen können, aber trotzdem leicht ins Schwitzen kommen, sobald die Sonne sich mal zeigt.


Ich liebeliebeliebe sie!
Ohne in Rippen gestrickte Sockenhälse rutschen sie zwar leicht, und man muss schon ein wenig Acht geben, dass Baby sie nicht verliert, aber ich finde kleine Füsschen sehen schlichtweg unwiderstehlich aus darin! Die Anleitung ist prima verständlich, finde ich, und mit Nadel Nr. 3.5 gestrickt gehen sie auch ziemlich rasch von der Hand. Perfekt eben für einen wunderbar entspannten Abend vor der Mattscheibe…

Ich glaube, diese Art von Entspannungs-Technik werde ich beibehalten.

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Loslassen

Der Titel ist falsch. Eigentlich sollte irgendwas mit „Samt“ und „Pfötchen“ da oben stehen, und ich wollte über Babysöckchen schreiben. Aber dann habe ich in meinen Fotos geblättert. Und das war wohl ein Fehler, wenn auch ein verzeihlicher, denn ein Post braucht einfach seine Fotos und ich muss ab und zu ein wenig blättern in meinen Archiven, sonst würde die Hälfte meiner Bilder in Vergessenheit geraten, noch bevor ich sie benutzen konnte, so viele, wie ich tagtäglich knipse. Das Dumme ist nur: Jedes Mal, wenn ich zurückscrolle durch die letzten unfassbar kurzen zwei Wochen, die ersten zwei Wochen mit meinem Baby, dann werde ich … traurig.

Wobei, „traurig“ ist vielleicht das falsche Wort. Es ist eher so ein melancholisches, sentimentales Gefühl, so ein bisschen wie in diesen Dokumentarfilmen, wo sie kleine, verwaiste Tiere finden, vor dem sicheren Tod retten und dann, wenn sie gross und stark geworden sind, wieder in die Wildnis  entlassen. Wie in diesem grossen Augenblick, wenn sie das Türchen zur Freiheit öffnen: Man möchte weinen und lachen gleichzeitig. Sich freuen über das geschenkte Leben und die Kraft, die darin liegt. Und weinen, weil einem nichts anderes übrig bleibt, als es ziehen zu lassen. Loslassen aus Liebe. Obwohl es wehtut. Selbst in Happy Enden kommt so was vor.

Mit dem Kinderkriegen ist das so eine Sache: Man muss, darf, will und kann gar nicht anders als sie zu lieben. Mit einer Liebe, die man vorher nicht für möglich gehalten hätte, einer andauernden, unzerbrechlichen, alles ertragenden, wärmenden, einhüllenden, nährenden Art von Liebe, von der einem das Herz überfliesst.

Man liebt es auf unfassbar innige Art und Weise und vom allerersten Atemzug an, dieses rothäutige, runzelige, duftende Wesen mit den winzigkleinen Fingerchen und Zehen, das plötzlich auf unserem Bauch lag, kaum waren die Wehen überstanden.

Man empfängt es. Und liebt. Und genau so soll es  sein. Von Anfang an.

Doch … in diesem Anfang liegt, klein wie ein Samenkorn, schon ein erstes bisschen Schatten. Und dieser Schatten ist es, der mir zu schaffen macht. Ich weiss, was er bedeutet: Abschied. Ein Abschied in Raten, in winzigkleinen Schrittchen, von denen manche für viele Menschen vielleicht ganz unbemerkt verlaufen, aber nicht für mich. Denn ich sehe und spüre sie scheinbar schon bei jedem Schluck, den mein Baby trinkt, während es grösser wird und kräftiger, wie jene verwaisten Tierkinder, für die sich irgendwann das Türchen öffnet…

Loslassen.
Ich muss lernen, lozulassen.
Den samtigen Babyduft einatmen, ohne traurig zu werden, während er langsam, langsam verblasst wie eine welkende Blume, die ihre Zeit hatte.
Den abgefallenen Nabelschur-Rest wegwerfen und nicht weinen dabei, auch wenn es mich zerreissen möchte, zu sehen, wie das letzte Sinnbild unserer körperlichen Verbundenheit verschwindet. Für immer.
Die ersten zu klein gewordenen Kleidchen wegpacken.Sie einmotten. Für -wer weiss?- vielleicht ein nächstes kleines Kirschkernchen. Meinem Baby hier werden sie jedenfalls nicht mehr passen. Nie mehr.
Das Rumpeln in meinem Bauch ignorieren. Nein, da ist kein Strampeln, kein Boxen, kein Lebenszeichen mehr: Er ist leer. Das Herz, das darin schlägt, ist nur mein eigenes.

„So, jetzt gehörst du wieder ganz dir“, sagte eine meiner Hebammen einmal bei einem ihrer letzten Wochenbett-Besuche zu mir. Ganz mir… Ich wusste irgendwie nicht wirklich, wie ich mich darüber freuen sollte. Wenn ich jetzt die lose gewordenen Schwangerschaftshosen in eine Kiste packe, dann kommt mir das nicht wie ein Befreiungs-Schlag vor, sondern eher wie… Abschiednehmen.
Loslassen. Ich muss das alles … gehen lassen.

Ich glaube, die ersten paar Wochen sind immer ganz besonders schlimm. Es geschehen so viele Dinge, unglaubliche Dinge, und alles verändert sich so rasen schnell. Das Baby, dieses warme Bündelchen Unschuld, diese winzigkleine Menschenseele, die sich an mir festkrallt, sobald ich ihr Fäustchen auch nur berühre, spinnt sich nach und nach aus seinem Neugeborenen-Kokon: Es wird wacher, das anfangs zusammengezogene, kleine Körperchen streckt sich, die Sinne erforschen ständig immer weitere Kreise der Umgebung. Mein Baby, eben noch in meinem Bauch geborgen, eins mit mir, wächst.
Es wächst mir davon.

Dann, eines Tages; der erste Blick. Beim Stillen heben sich die Augenlider und ein Paar klare, schwarze Kirschenaugen sehen mich an. Sie fixieren mich. Mein Baby kann zwar nicht sprechen, aber seine Augen haben plötzlich eine Sprache: „Hallo Mama. Ich bin es. Und du bist es. Wir beide. In diesem Augenblick.“ Mein Herz lacht.

Es bedeutet nicht nur Verlust, das Kind wachsen zu sehen, auch wenn es wahrscheinlich stimmt, dass es uns wegwächst, dass jeder Schritt, den es tut und den wir mit Freude und Stolz beobachten, schlussendlich ein Schritt in seine eigene Zukunft ist, wo wir nicht mehr gebraucht werden oder vielleicht einfach vollkommen anders als bisher.

Ich glaube, wir bekommen auch etwas, wir bekommen sogar sehr viel: Erinnerungen, die wir gemeinsam mit unserem Kind sammeln, ein Gegenüber, dem wir dabei zusehen dürfen, wie es sich entfaltet, wie es wird und sich selber findet, eine Beziehung, einmalig, wie es keine zweite gibt, nirgendwo und niemals wieder.

Es gibt den Zauber dieser ersten Zeit.
Den Zauber des Neuen, Zerbrechlichen, des absolut Reinen.
Und es gibt den Zauber des Sich-Antastens, des Vertraut-Werdens.

Möchte ich die Zeit zurückdrehen?
Ich weiss es nicht.
Ich weisses wirklich nicht.
Vielleicht. Vielleicht aber auch nicht…

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Wochen-Ende: auf die Schnelle

Was??? Das Wochen-Ende ist schon wieder vorbei, sagt ihr? Ups… Mein Post kommt nämlich erst jetzt, einen vollen Tag zu spät mal wieder, was ja eigentlich ganz gut zu mir passt, jetzt, wo ich irgendwie mit allem und jedem zu spät oder gar nicht fertig werde… Keine sehr produktiven Zeiten sind das, das lässt sich nicht leugnen. Und nicht immer fällt es mir leicht, mit der neuen Langsamkeit umzugehen, die mein Leben momentan beherrscht. Slow motion statt Schnelldurchlauf. Wobei: Gerade jetzt entwickle ich eine gewisse Vorliebe für alles, was schnell geht und dabei trotzdem „richtig“ herauskommt. Wie Fast Food. Oder einer gut funktionierenden Waschmaschine. Wie kleine, feine Näh-Projekte, die fast schon vollendet sind, kaum hat man sie angeschnitten.
Mit einem Baby auf dem Arm und drei Kindern am Rockzipfel lerne ich die Vorzüge moderner Technik und vorgefertigter Massenware für einmal doch in wenig schätzen. Manche Dinge können einem das Leben wirklich einfacher machen und dabei helfen, Zeit frei zu schaufeln. Ein Hoch auf den Komfort des 21. Jahrhunderts- und das in aller Kürze.

Dieses Wochen-Ende …

* habe ich … mich des kleinen Bergleins Babywäsche angenommen, den ich neben meinem Mutter-Baby-Schlaflager im weissen Zimmer (davon wisst ihr noch gar nichts, stimmts?) liege hatte. Dabei vermied ich es, den grossen schier unbezwingbaren Koloss von Schmutzwäsche, der den Rest der Waschküche füllt, auch nur anzusehen. Scheuklappen helfen. Manchmal. *

* habe ich … kleinen Leuten beim Schmusen zugesehen. Und selber auch ein bisschen mitgeschmust. Man muss die Fester feiern wie sie fallen, oder? Carpe diem!

* habe ich … die Nähmaschine endlich ordentlich versorgt. Auf ihren alten, weiss bemalten Holzstuhl mit der abblätternden Farbe, der nicht mehr zum Draufsitzen taugt, aber als Näh-Liesl-Parkplatz eine ganz gute Figur macht, wie ich finde. Allerdings lief es so wie jedes Mal, wenn ich mich dazu aufraffe, irgendwo Platz und Ordnung zu schaffen: Die Leere und die ungewohnte Sauberkeit ziehen neue Ideen an wie ein Magnet. Ein ultrastarkes, dem keiner zu widerstehen vermag. Ich schon gar nicht: Nach nur einer Stunde war der freie Platz auf dem Stubentisch wieder vollgestellt, der endlich geleerte Wassertank des Bügeleisens dampfte und zischte und unter meiner Nähmaschine jagten weisse Stoffbahnen hindurch, für ein kleines, rasches Kinderzimmer-Projekt.  Alles Glücks-Stoffe, die gut tun.

* habe ich … mal wieder endlose Stunden mit Vorlesen verbracht. Genau wie mit Rätseln und Knobeln.  Nach den „white stories“ sind nun auch die „Blue stories“ bei uns eingezogen. Zu einem prima Zeitpunkt, denn wie gesagt; alles, was schnell geht, ist mir zur Zeit herzlichst Willkommen!

* habe ich … meiner Liebe zur Migros Fertig-Back-Mischung für Brownies gefrönt. Einarmig zwar aber trotzdem nach Herzenslust. (Was ich sonst nie tue, ehrlich). Ich will ja hier nicht allzu dick auftragen, aber diese Brownies aus der Packung sind wirklich klasse- und dabei so simpel, dass sogar mein kleines Mädchen damit klarkommt, wenn man ihr die Butter abwägt und einschmilzt. Besonders nett finde ich ja die fertige Backform zum Zusammensetzen. So kommt man nebst dem Backspass gleich noch zu einer Runde Bastelfreude! Zwei in einem– so was nenn ich Vorzüge des modernen Lebens!

* habe ich … eine Socke zu Ende gestrickt! Jawohl, eine Socke! Wo die zweite bleibt? Ähm… ich weiss nicht so recht. Bis zum Winter wird sie wohl auftauchen, denke ich. Und bis dahin trägt mein Mädchen sie schon mal ein wenig ein…

Ich wünsche euch allen eine ganz, ganz gute Woche!
Ob langsam und geniesserisch oder im Schuss und voller Pläne…
Eure Bora
(die sich schon auf die letzten drei Brownies freut, die sie unten in der Küche, ganz hinten im Kühlschrank für sich versteck hat, hihi)

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this moment: pure love

Nach einer Idee von Soulemama: eine Erinnerung, ein Bild, vielleicht nur wenige Worte.
Um Luft zu holen und die Erinnerung zu bewahren, wenn die Woche zu Ende geht.


pure love

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