Monatsarchive: Juni 2012

this moment: ein gestreifter Freund

Nach einer Idee von Soulemama: eine Erinnerung, ein Bild, vielleicht nur wenige Worte.
Um Luft zu holen und die Erinnerung zu bewahren, wenn die Woche zu Ende geht.

ein Moment
der strahlte
beim Begrüssen eines
neuen
kleinen
gestreiften Freundes

Danke, Rita!

Veröffentlicht unter Augenblicke, this moment | 3 Kommentare

ein alle-Jahre-wieder-Ding

Es gibt sie noch, selbst in unserer eher bewegten Zeit, wo alles sich immerzu und permanent zu verändern scheint und sich nur wenige auf nur weniges festlegen möchten; die Fixpunkte unseres Lebens. Dinge, die immer irgendwie gleich ablaufen, weil wir sie genau so und nicht anders haben wollen und weil sie nach Jahren des Wiedersehens einfach dazugehören. Alle-Jahre-wieder-Dinge eben. Auf die man wartet, auf die man sich freut, auf die man sich verlässt.
Und gute, verlässliche Sachen machen das Leben immer auch ein bisschen schöner, findet ihr nicht auch?

So sehr ich es auch versucht habe; in gewissen Bereichen unseres Familien-Lebens herrscht noch immer mehr Chaos als Verlässlichkeit. Gerade die grossen traditionellen Feiertage wie Weihnachten oder Ostern machen mich nach wie vor etwas ratlos und viele wichtige Fragen rund um diese Feste stehen ungeklärt im Raum: Wie möchten wir sie feiern? Wann? Und vor allem: warum?
Irgendwie bin ich da heilfroh, dass es auch noch anderes zu feiern gibt im Jahreslauf; der Wechsel der Jahreszeiten zum Beispiel, erste Schultage, letzte Schultage oder all die grossen und kleinen Meilensteine eines Kinderlebens wie das Ausfallen eines Milchzahnes oder das Trockenwerden eines kleinen Wichts… und ja, vor allem: Geburtstage!
Wie bin ich dankbar, dass es Geburtstage gibt!

Ein Geburtstag, das ist für mich… das Ereignis des Jahres, glaube ich. Bei jedem Familien-Mitglied aufs Neue. Fünf Mal das Ereignis des Jahres also. Und obwohl jeder Geburtstag wieder ganz anders ausfällt, einfach deshalb schon, weil jeder von uns ja auch ganz anders ist und ganz andere Wünsche und Bedürfnisse zeigt, fühlt es sich doch ein wenig so an, als wäre da ein gemeinsames Grund-Gefühl, das diese Tage für mich zu wahren Schätzen meines Lebens macht… Vielleicht ist es ja das Lachen und Strahlen der Menschen um mich herum…?

Im Juli ist es wieder so weit: die zwei ersten Geburtstage unserer Familie fallen bei uns gleich beide in den Sommermonat Juli. Und falls dieses Baby in meinem Bauch es pünktlich nimmt, könnten es bald sogar drei Juli-Kinder sein, die es zu feiern gibt…

Kind1 macht  den Anfang. Am 12. Juli. Dieser Tag ist jeweils Boy Zone pur *grins* und ich muss zugeben, dass ich das auch das sehr geniesse. Mal einen Tag lang kompromisslos in jungshafter Abenteuerlust zu schwelgen, das macht diesen Geburtstag einfach so richtig zu seinem Fest-Tag…

Kind1 und ich haben da allerdings auch ein kleines, gemeinsames Ritual, das eigentlich so ganz und gar nicht ins rotznasige Jungs-Schema passen will…

… die Geburtstags-Socken.

Als Kind1 ca. 4.5 Jahre alt war, beschloss er plötzlich, keine Socken mehr zu mögen. Egal was ich ihm auch anbot, er weigerte sich standhaft Socken auch nur anzuprobieren. Entweder sie waren ihm zu „gschtabig“ (= schweizerdeutsch für zu steif) oder zu rubbelig oder zu eng oder wie auch immer. Jedenfalls kam irgendwann der Herbst und mit ihm das Aus für Barfusslaufen und Sandalen… Das Sockenproblem machte sich gerade unangenehm breit in unserem Alltag- als plötzlich die Lösung auftauchte! In Form eines urgrossmütterlichen Handstrick-Geschenks; Woll-Socken, na klar!
Ich hätte es mir ja nie im Leben träumen lassen, aber wollene Stricksocken wurden auf Anhieb zur absoluten Socken-Liebe meines kleinen, eigensinnigen Jungen.
Und daran hat sich bis heute nichts geändert.

Zwar trägt er heute auch mal fabrikgefertigte Baumwoll-Socken zur Not, aber wenn er wählen kann, geht im Sommer barfuss in Sandalen und zieht sich in allen anderen Zeiten des Jahres ein Paar seiner geliebten, bunten Stricksocken aus der Schublade.

Und wenn der Juli naht, hole ich mir meine feinen Stricknadeln in Dicke 2.5 und ein Knäuel Sockenwolle aus meinen Vorräten. Um ein neues Paar für ihn zu stricken. Geburtstags-Socken für mein Wollsocken-Kind.

Seit er fünf Jahre alt ist, rollen wir dieses Ritual Jahr für Jahr wieder auf. Er wählt die Wolle und ich stricke und versuche so viel Liebe und gute Wünsche wie nur irgend möglich in meine Maschen hineinfliessen zu lassen…

In diesem Jahr wird es 10, mein Woll-Socken-Kind. Werden ihm die farbigen Stricksocken nicht langsam peinlich? Ich meine, ganz ehrlich… welches andere 10-jährige Kind trägt heutzutage noch von Mutti gestrickte Ringelsöckchen??? Und vor allem, welcher wirklich coole Junge würde so etwas tun, in Zeiten wo der Irokesen-Schnitt eine absolute Rennaissance erlebt und man es, wenn man als Junge dazugehören will, kaum wagen darf, sich auch nur ansatzweise als Justin-Biber-Fan zu outen ?

Als ich meinem Jungen eines Abends das neueste Paar Geburtstags-Socken zum Anprobieren rauf in sein Zimmer brachte, beschlich mich plötzlich ein mulmiges Gefühl beim Anblick der beiden blau-weiss-türkisen Strümpfe in meinen Händen…

“ Du…“, begann ich zaghaft. Er war gerade dabei, sich die erste Socke überzustreifen. “ Du, haben die anderen noch nie was gesagt wegen deinen Socken? Ich meine, es könnte ja sein, dass sie dich auslachen deshalb oder so…“
Kind1 besah sich seine blau besockten Füsse und lächelte. „Passt!“ sagte er. Und dann: „Naja, manchmal versuchen sie schon, mich zu nerven damit. Aber das schaffen sie nicht. Mir ist das nämlich egal, weil, ich finde Woll-Socken gut.“

So ist er. Mein Junge.

Allerings habe ich mir fest vorgenommen, ihm von jetzt an immer auch ein paar Knäuel unifarbene Wolle in unauffälligerem Schwarz oder Grau anzubieten…

Veröffentlicht unter Kinder, Stricken | 16 Kommentare

Sommer-Launen-Filzen

Heute nacht war es geradezu tropisch. Rund und schwer wie ich mittlerweile bin, rollte ich mich hin und her und wartete auf ein kühles  Lüftchen von Richtung Fenster… Vergeblich. Aber das ist okay. Es wird Sommer, da muss man ein paar schweisstreibende Nächte schon in Kauf nehmen, oder?

Die Tage sind genauso; warm, üppig, unter einem weiten, freiem Himmel. Denn obwohl das Haus verlockend schattig auf uns wartet, zieht es uns doch immer wieder alle wie kleine Magnete nach draussen in den Garten, und vieles wird jetzt unter dem Sonnenschirm erledigt; Wäsche-Falten, Geschichten-Vorlesen, Hausaufgaben-Machen, Zvieri-Essen… Der Garten als letztes Zimmer. Unsrer Sommer-Zimmer.

Ich merke, wie ich mich um-orientiere und meine Sinne auf das Draussen richte: Ganz automatisch suche ich zum Beispiel nach Spielen oder kreativen Ideen, die sich leicht in den Garten verlegen lassen. Seifenblasen, Wasser-Spiele oder weiche Bälle haben jetzt Hochkonjunktur. Genauso wie heisse Seifenlauge und bunt gefärbte Schaf-Wolle…

Es ist wieder Filz-Zeit!

Filzen und Sommer, das sind zwei Gesellen, die einfach hervorragend zusammenpassen, finde ich. Der eine nass und aktiv, der andere heiss und träge; wunderbar, wie sich die beiden ergänzen, nicht? Und drinnen, auf einer unterlegten Fläche zu filzen, das scheint irgendwie über meine Relax-Fähigkeiten zu gehen; ich muss ständig an das viele Seifenwasser denken, das mir da über den Tisch-Rand in die Boden-Ritzen schwappen könnte… Und das ist immer viel, sehr viel Wasser bei mir! Wenn ich filze, dann werde ich nämlich zum Tier *grins*! Ihr sollte mich mal sehen, wie ich mit hochgekrempelten Hemdsärmeln in die Wolle greife und alles so kräftig und verbissen durchknete, als würde ich für die nächste Weltmeisterschaft im Armdrücken trainieren. Walken nennt man das, glaube ich.

Bei meinem letzten „richtigen“ Projekt, dem ersten dieses Jahres und meinem zweiten überhaupt (wie erfahren ich doch bin *räusper*), kam diese Walk-Freude endlich mal wieder richtig zum Zug: Nachmittags legte ich die Wolle aus, träufelte dampfend heisse Lauge darüber, begann erst zaghaft, dann immer kraft-voller die Fasern zu massieren- und als ich dann schlussendlich eine vollständig verfilzte Fläche vor mir hatte, war es bereits Mitternacht! Nun ja, ich war schon immer ein bisschen extrem…

Das Problem lag wohl vor allem daran, dass ich nicht nur eine einfache Fläche haben wollte, sondern eine doppelte Lage, getrennt mit einem Stück Noppen-Folie. Für eine in Form gefilzte kleine Tasche, so ein bisschen wie dieses wunderwunderwunderhübsche kleine lila Täschchen, in das ich mich so unheimlich verliebt habe bei Jenmuna. Aber mein Talent scheint doch (noch) kleiner zu sein als mein Selbstvertrauen… Denn egal wie schön regelmässig ich die Wolle auch auslegte, es gab immer wieder dünne Stellen, die ausgebessert werden wollten. So streichelte, rieb und walkte ich immer wieder von vorne los. Bis zur Geisterstunde eben.

Aber es waren gute Stunden! Kreative, intensive Flow-Stunden! Ab und zu stiess eines der Kinder zu mir, um mir eine Weile beim Walken zu helfen, und zu sehen, wie sich das eine oder andere doch ein bisschen beeindrucken liess vom Prozess, der hier im Gange war, machte diese Zeit gleich nochmals so erfüllend für mich. Kindern etwas von der eigenen Begeisterung mitzugeben, sei es nun Gartenarbeit oder Kochen oder Filzen oder wasauchimmer, tut doch einfach immer wieder gut, oder?

Bei diesem kleinen Täschchen wurde mir das ganz besonders bewusst. Dass die Stunden, die ich mit und neben meinen Kindern kreativ sein kann und darf zu den allerschönsten Momenten gehören in meinem Leben.


Wenn ich ich sein darf, mit ihnen, bei ihnen, die ich so sehr liebe, ich, mit dem ganzen, manchmal recht extremen Wirrwar an Gefühlen, an diffusen Sehnsüchten und Ängsten, wenn ich dieses ganze verworrene Innere auf die eine oder andere Art in meinen Handarbeiten zum Audruck und zur Ruhe bringen kann… dann bin ich angekommen. Mit Leib und Seele.


Kreative Inselchen im Alltag sind mein Rettungs- Anker geworden. Meine Oase. Mein Jung-Brunnen. Glücks-Horte. Und diese Erfahrung mit meinen Kindern zu teilen, das macht mich… einfach froh.

Das Täschchen, das damals entstanden ist, an einem jener ersten, so richtig sommerlich warmen Tage dieses Jahres, ist anders geworden, als ich es mir vorgestellt hatte. Ziemlich anders sogar. Ich bin eigentlich eher der monochrome Typ, dem starke Kontraste oder zu viele Farben auf einmal schnell einmal zu viel werden. Für meine erste Filz-Tasche hatte ich an lila-violett-rosa gedacht (klar Jenmuna-inspiriert). Oder an grün-blau. An rot-orange-gelb oder weiss-blau-türkis (wie damals bei unserer Filz-Ente)… Ich hatte in kleine, wohlgeordneten Farb-Dimensionen gedacht- aber in wilden, verschlungenen Kombinationen gearbeitet!

Jetzt habe ich keine stille grün-blaue, keine rot-orange-gelbe oder lila-violett-farbene Tasche, sondern gleich alles miteinander! Auch gut. Sommerlich gut. Der Sommer ist bunt und hitzig und voller Leben… warum sollte so ein Filz-Täschchen das nicht auch sein dürfen?

Und wo der Sommer ist, da sind auch Blumen. Ich konnte gar nicht anders: aus den letzten Filz-Schnippelchen, die nach dem Zuschneiden der Taschenlasche übrig blieben, schnippelte ich spontan ein paar Blütenblättchen zurecht und nähte sie vorne an die Taschenlasche, zusätzlich fixiert mit einem zweiten der absolut traumhaften Jim-Knopf-Knöpfe (vom Strick-Café). Denn wenn es schon wuchert und blüht, dann auch richtig üppig…

„Oh! Die nehm ich gleich mal mit…“ scherzte meine Mama, als sie das kleine, trubelbunte Filz-Täschchen neulich bei mir sah. Ein sehr gutes Zeichen: Meine Mama sagt das nämlich immer, wenn ihr etwas so richtig gut gefällt.

Ihr ahnt jetzt bestimmt auch schon, für welchen Geburtstag meine Blüten-Filz-Tasche in Sommerlaune bestimmt ist, oder?

PS. Die Filz-Wolle war übrigens eines jener Goodies, die ich mir schon im Winter gegönnt habe. Von Hand und pflanzengefärbt in einer sozialen Werkstätte in der Schweiz; eine echte Kostbarkeit für mich!

PPS. Für alle, die ihre Nase jetzt gerne ein bisschen tiefer in Gefilztes stecken möchten, hier ein paar Links zu meinen Lieblings-Filzerinnen: Kunst-Frau Allerleirauh,Filzkünstlerin Swig, oder Tinki, die jüngst den allersüssesten, kleinen Wassermann gezaubert hat, den die Welt je gesehen hat! Aber auch beim Filzquadrat findet man immer wieder so schöne Ideen… wie zB. diese herrliche gefilzet Stifte-Rolle!
Es gibt noch mehr von euch talentierten, tollen Frauen, ich weiss, und ich bin auch jedes Mal mehr als beeindruckt, wenn ich wieder einem gefilzten Kunstwerk im www. begegne; meine drei Links sind ja auch bloss ein kleiner Ausschnitt der Inspiration Bloggerland…

Veröffentlicht unter Filzen | 18 Kommentare

Wochen-Ende: auf der Suche nach Frische

Auf der Suche nach Frische… oder so; denn heiss war es schon an diesem Wochen-Ende, samstags ganz besonders, und wir sind es wohl alle nicht mehr so gewöhnt, dass es auch anders sein kann als kühle 12 Grad mitten im Juni *räusper*…

Aber jetzt scheint er es ernst zu meinen, dieser Sommer, bzw. seine Vorläufer-Tage!
Und wir, wir geniessen gemeinsam die Sonne, den lauen Wind, der ab und zu über unsere nassgeschwitzte Haut streichelt, wir geniessen das Licht, die langen Schatten der Bäume, wenn es langsam Abend wird, die grossen und kleinen Entdeckungen, die sich selbst zwischen den Unkräutern und Kräutern des winzigkleinsten Gartens verstecken können …

Wir geniessen…

Wir geniessen Geschenke aus fremden Gärten, die uns manchmal ein lieber Mensche einfach so vorbeibringt (Danke, Simi, für die Johannisbeeren; du bist und bleibst ein Lieblings-Schwager!) oder frisch geputzte Eckbank-Schubladen. Wir geniessen Farbe, die auf sonnenerwärmtes Papier tropft und heisse Steine, auf denen kleine Vögel entstehen. Wir geniessen meerblaue Wolle die bald klitzekleine Fuss-Sohlen kitzeln wird …

… und ab und zu auch einen Sprung ins kalte Wasser!

Was wäre so ein Sommer ohne all die kleinen und grosse Momente der Erfrischung?
Ohne Wind und Schatten, ohne Augenblicke der Versenkung in unseren ganz eigenen Lieblings-Projekten, ohne jene Minuten oder -wenn wir ganz grosses Glück haben- Stunden, in denen wir die Seele baumeln lassen, damit auch sie Luft bekommt und ein bisschen ein Gefühl von Weite und Freiheit.

Allzu rasch werde ich eingeholt vom Immergleich gewisser Tage, und ich bin mir eigentlich nie so ganz sicher, ob es nun ein „zu viel“ oder ein „zu wenig“ ist, das mich nun zur nörgelnden, ungeduldigen, ungeniessbaren Alltags-Hexe werden lässt…
Dann merke ich, dass ich suche.
Frische für Körper, Geist und Seele; Das ist es wohl, wonach ich im Moment ganz besonders intensiv suche. Und manchmal finde ich es auch, genau das. Frische, die mich belebt. Manchmal sogar ausgerechnet am allerheissesten Tag des Monats …

Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...
Veröffentlicht unter Dankbarkeit, Familienalltag, Wochen-Ende | 9 Kommentare