Monatsarchive: Mai 2012

Some things I love right now…

Ich fühle mich zwar gerade wie ein Papagei, aber selbst wenn ich es zum Millionsten und Abermillionsten Mal sagen tät, würde es noch von Herzen kommen: Ihr seid so wunderbar! Danke für die vielen, vielen wohltuenden Worte und eure eigenen Vor-Geburts-Erlebnisse, die ihr mit mir (und allen, die die Comments unter meinem letzten Post gelesen haben) teilt: Ich fühle mich verstanden und getröstet und nach dem Lesen eurer Zeilen schon sehr, sehr viel besser. Danke, Danke, Danke! (Wie gesagt; ein Papagei *zwinker*)

Gerade ist es auch wieder recht ruhig in meinem Bauch; der Spuk scheint vorbei zu sein, und ich bin dankbar dafür, doch. Auf der anderen Seite wirkt es auch irgendwie beruhigend, die vorzeitigen Kontraktionen oder Vorwehen oder Senkwehen oder was immer das war, als “Übung” anzusehen (Danke, übrigens 19nullsieben und Raniso, für diese Sichtweise), mitsamt dem raschen Einspringen meiner Mama in Sachen nächtliches Babysitting und dem Spurt ins Auto mit Mann, Korb und Unterlagen fürs Spital.
Zu sehen, wie schnell man schlussendlich bereit sein kann, und wie wenig im Grunde vorbereitet sein muss, wenn ein Baby kommen will, entlastet mich ein bisschen vom Druck, den ich mir vielleicht vorher gemacht habe, mehr unbewusst wahrscheinlich als bewusst.
Das Haus muss nicht auf Vordermann gebracht sein zuvor, es ist auch nicht so schlimm, wenn der Kühlschrank nichts als gähnende Leere vorzuweisen hat, die Gartenbeete überleben auch eine Unkraut-Invasion und selbst wenn die Kinder die ersten zwei, drei Tage in ihren verdrecktesten Gammelklamotten herumlaufen müssten, weil ich es nicht geschafft habe, den Wäscheberg noch VOR Einsetzen den (echten) Wehen zu bewältigen; das alles wäre kein Weltuntergang. Denn nichts davon ist nicht das, worauf es schlussendlich ankommt.
Im Grunde sind nur zwei Dinge wirklich wichtig für den Fall der Fälle: meine Mama, die meine Kinder zu sich nimmt und liebevoll betreut, wenn ich ins Spital fahre, und der Mann an meiner Seite, der sich auf sein Baby freut… Und natürlich das Baby! Dass es bereit ist für den Beginn seiner eigenen kleinen Lebens-Geschichte. Aber darauf vertraue ich jetzt einfach…
Viel mehr ist gar nicht nötig, oder? Wenngleich auch nichts einzuwenden wäre gegen ein schönes, selbstgemachtes Set für die Heimreise, mit Body, Hose, Wollsöckchen Strickjäckchen… Und ja, ein Babyquilt wäre auch nicht übel… Aber das muss ja nicht sein. Obwohl es ganz nett wäre. Eigentlich.

Es geht mir wieder gut.
Wie schön sich das schreibt… Es geht mir gut.
Und gerade scheinen mir wieder hunderttausend Dinge in den Sinn zu kommen, die meine Tage reich machen, jetzt, in dieser Zeit, wo es Sommer wird und die Luft schwirrt vor Verheissung, dem Duft nach Heu und Holunderblüten.

Things I really love right now

: Die ersten Erdbeeren aus der Region. Zum Frühstück, Dessert und Zvieri. Und eigentlich immerzu und überall. :

: Kinder, die mit Inbrunst testen und experimentieren und noch so richtig schön begeissterungsfähig jede neue Erfahrung feiern :

: Ein schlichtes, braunes Paket voller Goodies. Ich meine; OMG(!), seht euch nur die zwei Strang handgefärbter Sockenwolle an! Diese Farben, diese Kombination! Selbst einem Stein müsste dabei das Herz im Leibe lachen, nicht wahr? Und hey; wer einmal im Leben ein Knäuel BabyAlpacaSilk von Drops in den Händen gehalten hat, der wird es wohl nie wieder loslassen wollen… (Dreimal dürft ihr jetzt raten, womit ich das Jäckchen für mein Baby stricke, hihi…) :

: Diese ungeheure Faszination, die alles, was da kreucht und fleucht auf einem ausüben kann. Wenn man ein Kind ist. Oder wie ein Kind. Neugierig, offen, noch zu begeistern und zu überraschen. Und ohne Berührungsängste. :

: Umfilzte Steine. Ganz einfach weil sie schön sind, so farbenprächtig oder schlicht wie man mag. Und weil sie ungemein angenehm in den Händen liegen, sowohl beim Filzen als auch nachher, wenn sie in ihrem bunten Pelz auf dem Jahreszeitenboard stehen und einem immer wieder dazu verführen, ein bisschen über ihre Wolle zu strubbeln… :

: The quick change trousersNoch ein Paar. Und vielleicht noch eines… Wer weiss? Kann man eigentlich je genug davon haben? :

: Kinderkunst auf vom Wasser glattgeschliffenen Strandsteinen. Ich mag es, wie sich der Skorpion und die geringelten Schlangen von Kind1 irgendwie fast maskulin von meinen eigenen Spitzenmustern abheben. Weibliche Rundungen im Kontrast zu rabiaterer Bodenständigkeit. Ein bisschen wie Ying und Yang… :

: Sonnenlicht, das durch ein Fenster fällt. Und alles, was es berührt, vollkommen verzaubert. :

: Erinnerungen, die gut tun. Sie geben mir Halt und Hoffnung und oftmals die treibenden Kraft, die ich brauche, um weiter zu gehen. Erinnerungen lassen sich vielleicht nicht wiederholen… Aber sie zeigen mir, was alles möglich ist. Auch morgen wieder. Und übermorgen. Und an jedem einzelnen Tag, der anbricht. :

Tief einatmen, das Strickzeug zu Hand nehmen, einen warmen Blick auf meine Rasselbande werfen- und das Leben in meinem Bauch noch einmal ganz bewusst und dankbar wahrnehmen:
So kann Glück aussehen.
So und noch ganz anders.

Veröffentlicht unter Dankbarkeit, Familienalltag, what makes me happy | 8 Kommentare

Angst

Der gestrige Tag war schwierig für mich. Nachts erwachte ich plötzlich mit einem steinharten Bauch und einer leisen Vor-Ahnung, und als die Kontraktionen schön rhythmisch alle 5 Minuten kamen, geriet ich geradezu in Panik; Noch fünf Wochen, dann wäre ich für eine Geburt bereit, aber jetzt…?

Im Spital war der Spuk dann urplötzlich vorbei. Das heisst, eigentlich entspannten wir, mein Bauch und ich, uns just in dem Augenblick, als ich meine Mama unten zur Haustür reinkommen hörte und wusste, dass ich jetzt “in Sicherheit” war. Von uns zum Spital braucht es nicht mehr als einen Katzensprung. Und Spitäler flössen mir genügend Ehrfurcht und Vertrauen ein, um selbst den wildesten Sturm an Ängsten und ausser Kontrolle gegangenen Emotionen zur Ruhe zu bringen. Meine Mama hat über 10 Jahre lang in genau diesem Gebärsaal gearbeitet, als Hebammen-Hilfe aus Leidenschaft. Sie brachte morgens neben einem Sack frischer Croissants oftmals auch die eine oder andere neue Lebens-Geschichte mit nach Hause, und ich sog sie alle auf wie diesen speziellen Duft an ihren Händen, nach Desinfektionsmittel und Babyhaar.
Ich glaube, ich bin ein Spital-Typ. Vielleicht sogar der Prototyp des Spital-Typen *zwinker*.

“Uns ist es lieber, Sie kommen einmal zu oft, als einmal zu wenig”, sagte die Hebamme zu mir, als sie nach einer halben Stunde ein vollkommen unauffälliges CTG aus dem Apparat zog: Baby-Herztöne super, Gebärmutter-Kontraktionen gleich null. Einzig das Köpfchen des Kindes liegt jetzt schon so weit unten, dass es auf den Muttermund drückt, sobald der Bauch sich -in absolut normalen Vorwehen- zusammenzieht.
Ich fühlte mich schrecklich dumm. Dumm, dumm dumm. Drei Kinder und trotzdem kann ich keine Vorwehe von einer echten Geburts-Wehe unterscheiden? Deshalb klingle ich meine Mama morgens um vier Uhr aus dem Schlaf?! Hetze meinen Mann aus dem Haus, belege ein ganzes Gebär-Zimmer für eineinhalb Stunden?!


Aber die Angst blieb. Den ganzen Tag, obwohl ich mich selber schon nicht mehr ganz ernst nehmen konnte. Bei jedem Spannen unter der Bauchdecke, begann mein Herz wieder wie verrückt zu klopfen, die Angst machte sich breit, eine regelrechte Angst vor dem, was auf mich zukommen könnte und vor dem, was auf mich zukommen wird. Obgleich ich drei schnelle und gute Geburten ohne Komplikationen erleben durfte bisher, habe ich jetzt Angst vor der nächsten. Keine Geburt gleicht der anderen, soviel habe ich verstanden. Jede ist so individuell und unvorhersehbar wie das neue Leben, das durch sie seinen Anfang nimmt.

Sobald mein Bauch sich verkrampft, verkrampfe auch ich mich innerlich: Ich will das alles nicht. Ich will dieses Kind, ja, natürlich, ich freue mich darauf wie verrückt, aber ich will nicht gebären müssen.

Irgendwie ist er grausam, dieser Zustand, ja, grausam, das kann ich jetzt nicht leugnen, auch wenn es ganz viele, ganz wunderbare Seiten an einer Schwangerschaft gibt, die einem erfüllen und beflügeln und einem wie das pure Glück auf Erden vorkommen, vor allem, wenn man gerade nicht schwanger ist. Aber an gewissen Punkten fühlt man sich vielleicht auch gefangen. Ich zumindest tue das. Ich bin gefangen in einer Situation, aus der es kein Zurück mehr gibt, nur noch ein Vorwärts. Und der einzige Ausgang bedeutet: Schmerz.


Nachts um zehn kam eine Phase, in der es sich so langsam schon anfühlte wie Muskelreissen auf der einen Seite… Oder war es nur das Kind, das mit seinen wilden Bewegungen mittlerweile sämtliche umliegende Organe in Aufruhr gebracht hatte? Irgendwie wusste ich überhaupt nicht mehr, was sich jetzt wo wie anfühlte; unterhalb meines Bauchnabels war nichts mehr als ein einziges, wundes, überempfindliches Etwas.

Ich sass auf der Bettkante und die Tränen tropften mir aufs Nachthemd.
Dann war alles ruhig. Urplötzlich. Die Ruhe nach einem Tag voller Sturmböen.

Und heute morgen?
Heute morgen scheint die Sonne wieder. Mein Bauch ist ruhig, so wie ich.
War das alles nur ein böser Traum?
Egal; ich werde heute jedenfalls stricken.
Ein lammfellweiches Baby-Jäckchen ganz in wollweiss.
Denn Stricken hilft immer. Vor allem gegen die Angst.

Veröffentlicht unter aus meinem tagebuch | 23 Kommentare

Pfingst-Wochen-Ende: farben-froh

Oh, bunt, bunt, bunt waren sie, die letzten drei Tage! Und so wahnsinnig belebt und bewegt! Drei Tage, drei Städte- dabei waren wir noch nicht einmal im Urlaub…
Aber zuhause sein, zwischenzeitlich ausfliegen wie ein kleiner Schwarm Bienen so durstig nach frischen Eindrücken und einer Priese Abenteuer, und dann wieder heimkehren in unser sicheres Nest, satt, bewegt und ordentlich müde; das sind freie Tage, wie wir sie lieben, glaube ich.

Die richtige Balance zwischen Ruhe und Lebhaftigkeit ist nicht immer leicht zu finden, je grösser und vielfältiger eine Familie wird, desto schwieriger wird das wohl auch. Nur allzu rasch gerät einer dieser beiden Komponente aus den Fugen und überschwemmt oder lähmt einem mit seinem Übermass. Aber wenn alles stimmig ist, wenn wir es schaffen, für jeden von uns wenigstens ein paar Wünsche in Erfüllung gehen zu lassen, ohne einen anderen damit zu überfordern, dann kommt das der Idylle schon ziemlich nahe, oder?

Kostbare Momente sind das. Kostbar einerseits, weil sie niemals so häufig vorkommen, wie ich es mir wünschen würde, kostbar andererseits, weil sie einfach unheimlich schön sind. Familien-Zeit, die gut tut, ohne mich auszulaugen (Was zwischendurch ja doch auch der Fall ist…).

Dieses Wochen-Ende

Dieses Wochen-Ende brachte uns …

  • … warme, sonnendurchflutete Tage in voller Blüte.
  • … diese immense Sehnsucht nach ein bisschen kreativem Erleben, kreativem Ausdruck, kreativem … Wunderland. Für meine Hände, meine Sinne und vor allem gegen diese sonderbare innere Unruhe, die es in letzter Zeit immer wieder schafft, mich mit starkem Griff zu umklammern …
  • … märchenhafte Einblicke in die Welt unter Wasser, wo fluoreszierende Quallen zu sanfter Musik ihr Wasserballett tanzen, Haie zwischen bunten Fischen kreisen und jedes Plätschern vom Unbekannten spricht, das unter der Wasser-Oberfläche auf uns wartet …
    Obwohl wir im Auquarium doch meistens durch eine Scheibe von alldem getrennt bleiben, ist es doch wie Eintauchen in ein fremdes, verwunschenes Reich, von dem man irgendwie nie so ganz alles zu wissen und zu verstehen scheint, egal wie tief die Forscher auch tauchen mögen. Noch immer gibt es Meeres-Zonen, die unergründet sind. Und das ist auch gut so; die Erde braucht sie vielleicht noch, ihre letzten Geheimnisse
  • good vibrations und für meine beiden Jungens den allerersten Ritt auf einem regelrechten Trampeltier. Und das mitten in der Stadt! Begleitet von zwei Tuareg mit indigo-blauen Turbanen, dem Duft nach afrikanischen Gewürzen und merkwürdig schönen Klängen aus fernen Ländern; das Afrika-Festival brachte uns eine vollkommen fremde Kultur plötzlich ganz, ganz nahe. Sehr Beeindruckend.
  • … knusprig-heissen Flammkuchen mit Frühlings-Zwiebeln und saurer Sahne, Seite an Seite zubereitet von meinem kleinen Mädchen und mir (Wer mag, darf mich gerne nach dem Rezept fragen!).
  • … wassergrüne Hände und jede Menge Wale auf blütenweissem Stoff…
  • … einen nigelnagelneuen Hand-Rasenmäher, der weder Benzin noch Strom frisst, sondern einzig ein paar kräftige Beine und beherzte Hände braucht, um unseren Rasen zu stutzen. An diesem Wochen-Ende kam er übrigens gleich vier Mal dazu; Offenbar gibt es hier zwei wackere, kleine Kerle, die ziemlich fasziniert zu sein scheinen von dieser handfesten Art von Technik. Sie nennen ihn “Calvin”, nebenbei bemerkt…

 

Es waren gute Tage, wirklich. Und ich hoffe auf weitere gute Tage, jetzt wo wir hier wieder neu in eine Woche starten, von der ich weiss, dass auch sie mich wieder näher zu dem Tag hinbringen wird, wo wir zu sechst sein werden. Das klingt jetzt vielleicht blöd, aber  ich spüre, wie da in mir ein Countdown begonnen hat und alles, was ich tue oder denke sich in immer kleiner werdenden Kreisen um dieses Baby dreht, das bald kommen wird. Ich bin froh um Zeiten wie dieses Pfingst-Wochen-Ende. Sie lenken mich ab, bringen mich zurück dahin, wo ich hingehöre: in meine Familie, ins Hier und Jetzt, auf den Boden, wo ich stehe und gehe und das Leben sich auch tatsächlich abspielt.

Habt eine sonnige, fröhliche und unbeschwerte Woche, ihr alle!
Denn genau das wünsche ich mir auch für  mich selbst…

Veröffentlicht unter besondere Tage, Familienalltag, Wochen-Ende | 9 Kommentare

this moment: fragiles Wunder

Nach einer Idee von Soulemama: eine Erinnerung, ein Bild, vielleicht nur wenige Worte.
Um Luft zu holen und die Erinnerung zu bewahren, wenn die Woche zu Ende geht.

Die Natur bedarf keiner Erläuterung;
um ihre Schönheit zu verstehen,
genügt ein offener Blick
und ein empfängliches Gemüt.

(Karl Detlef)

Veröffentlicht unter Kinder, Natur, this moment | Hinterlasse einen Kommentar

Aus meinem Tagebuch: Stadt-Bummel ohne alles


Ein Morgen in der Stadt. Es ist noch früh, meine Mama hütet die Kinder, und ich schlendere ziellos im Enten-Watschel-Gang einer Frau im bald 9. Monat durch die Gassen. Leer sind sie noch, was mich eigentlich verblüfft, denn die Sonne strahlt schon mit all ihrer Kraft und lockt und schmeichelt wie eine Frau auf Männerfang.

Die Wände leuchten. Selbst die allergrauesten von ihnen schimmern jetzt irgendwie orientalisch weiss, und ich finde, meine Stadt sieht schön aus. Jetzt besonders.


Hier bin ich 6 Jahre lang zur Schule gegangen, da war ich 13. Hierher bin ich gezogen, in meine WG, damals, als ich auf eigenen Füssen stehen wollte. Hier habe ich manchmal morgens gesessen und im Früh-Morgen-Nebel kitschige Herbst-Gedichte geschrieben. Hier in dieser Stadt (in einer Kabine des Warenhaus-Klos, um genau zu sein, hihi…) habe ich erfahren, dass ich schwanger bin mit meinem 4.Kind (nein, ich konnte nicht warten mit dem Test, bis ich zuhause war *grins*).

Über 30 Wochen ist das nun her, aber ich erinnere mich, als wäre es gestern gewesen. Überhaupt kommen mir viele Dinge wieder in den Sinn, jetzt in diesem Moment, wo ich diese, meine Stadt, so ganz für mich alleine habe. Erlebtes, fast Vergessenes, Lebens-Fragmente, Erträumtes, Gefühltes.


Auch meinen Mann habe ich hier kennengelernt, mich hier mit ihm heimlich noch ein Stündchen länger herumgetrieben, als meine Mama es mir eigentlich erlaubt hatte… Wie jung ich war und wie verliebt! Die erste Liebe meines Lebens- und sie hat gehalten, so viele Jahre schon…

Ein bisschen nostalgisch macht es mich, dieses Licht: Es sieht aus, als denke es schon wieder ein wenig an den Herbst, jedenfalls anflugsweise.


Aber vielleicht liegt das auch nur an den warmen, langen Schatten, die die Bäume der Allee noch werfen. Wahrscheinlich sogar. Schliesslich ist es Mai und warm und das Jahr hat doch erst angefangen!
Eine dieser Zwischen-Zeiten, wo man nicht recht weiss, ob es jetzt noch Spät-Frühling oder schon Früh-Sommer ist. Angenehm, sehr, sehr angenehm im Grunde. Mild, prächtig, belebend. Ich mag sie wirklich gerne, diese Sommer light Version.

Ich setzte mich hin und horche. In mich hinein.

Gerade jetzt, in diesem Augenblick.
Ich…

fühle: mich gelöst. Ganz bei mir, so allein, wie ich es gerade bin. Erfüllt.

höre: das Plätschern der Stadt-Brunnen. Das Klacken von Stöckelschuhen auf dem Asphalt. Leben, das die Gassen so langsam erfüllt, mit plaudernden, alten Damen in Zweier-Grüppchen, die sich auf einen Kaffee in die Stadt begeben und mit Männern in Arbeits-Overalls, die laut mit den Türen ihrer Kastenwagen knallen. Geräusche einer kleinen Stadt, in der es niemals ganz still sein wird, aber auch selten so richtig hektisch und laut.

sehe: das Licht. Dieses Licht! Auf den Wänden, in den Schaufenstern, im Haar der vorbeigehenden Passanten… Es spiegelt sich auf meinen roten Schuhspitzen und kriecht mir in die Handtasche. Man kann ihm nicht entrinnen, diesem Spät-Frühlings-Früh-Sommer-Licht. Aber wer will das schon?

spüre: einen feinen Wind-Hauch: meinen liebsten Begleiter. Wind liebe ich über alles. Nur mit ihm werde ich für eine Weile zur Sonnen-Anbeterin. Und Hunger habe ich. Frühstücks-Zeit. Hoffentlich haben sie noch Croissants im Café!

wünsche mir: die Zeit möge stehen bleiben. Bloss ausnahmsweise und ganz kurz. Für mich. Denn Aus-Zeiten wie diese sind ein Lebens-Elixir, von dem ich noch lange zehre.

freue mich: auf den Stoffladen und seine Überraschungen in den Regalen. Stoffe… wie Bonbons für die Seele; bunt, verführerisch, unwiderstehlich

weiss: dass ich heute mit nicht mehr ganz so vollem Portemonnaie nach Hause gehen werde *zwinker*. Dass der Kaffee im Migros-Restaurant einfach am allerbesten schmeckt. Dass der Mai den Leuten tatsächlich ein Lächeln ins Gesicht zaubert (den Beweis liefert mir gerade diese Strasse). Dass ich jetzt Lust hätte auf ein Glas eisig kalten, mittelsüssen Eistee mit Zitrone.

Auf dem Heimweg bin ich müde aber guter Dinge. Kaffee habe ich keinen mehr getrunken, weder Tagebuch geschrieben, so wie ich es mir vorgenommen hätte, noch ein paar Runden gestrickt. Dafür liegt in meiner Tasche ein grosses Stück himbeerfarbenes Leinen für eine Klein-Mädchen-Sommerhose, etwas lila Punkte-Stoff für eine gewisse junge Dame, die Stoffe (und Lila!) genauso gerne mag wie ihre Mama, ein neues MC-Abenteuer der “Fünf Freunde” für meine Jungens (und mich!) und jede Menge kleine Leckereien, die es im Dorfladen (noch) nicht gibt, sondern nur in der Stadt, und die uns deshalb so aufregend luxuriös vorkommen (Gemüse-Chips zum Beispiel. Oder Wassermelonen. Schwarze Bio-Schokolade mit Cranberries).

Schön, so ein Morgen in der Stadt. Schön, so ganz alleine, ganz ohne Haushalts-Fragen, ohne kreative Lock-Stoffe im Strick-Körbchen, ohne schmeichelnde Kinderstimmen, die mich zum Vorlesen oder Mit-Spielen verführen wollen, ohne die Grenzen meiner eigenen vier Wände.

Wie zufrieden man sein kann, für eine gute Weile so ganz “ohne alles”…

Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...
Veröffentlicht unter Augenblicke, aus meinem tagebuch | 9 Kommentare