
Jetzt wo der Morgen zwar noch frisch ist, aber immer öfter wundervoll sonnig , spüre ich, wie auch ich mich irgendwie viel beschwingter und motivierter in den Tag wage. Kein Grübeln mehr im Bett, bevor ich aufstehe, kein dreimal-Umdrehen und den Wecker verwünschen (oder zumindest seltener); Wenn die Sonne mich wachkitzelt, bin ich dem Tag einfach gnädiger gestimmt.
Perfekt, dieser Frühling, nicht?
Ganz anders als im trüben Winter, wo mich manchmal keine 10 Pferde vor die Tür bekommen, habe ich jetzt plötzlich schon morgens Lust auf einen kleinen Spaziergang an der kühlen Luft, und mein Mädchen trägt begeistert Jacke und Elfenmütze zusammen (die muss immer mit!), schlüpft in ihre blauen Gummistiefelchen- und weg sind wir!
Zum Beispiel zu einem vormittäglichen Kuchen-Picknick im Wald…



Das Licht, der Wind, das kühne Blau des Himmel, das Zwitschern, Krähen und Pfeifen von allen Seiten, von oben und unten, hinten und vorne und im Kreisherum … das alles tut mir gut. Unheimlich gut. Frühlingserwachen pur. Eine Zeit des Erblühens auch innendrin. Ich stehe mit beiden Beinen fest auf der Erde- und lasse doch die Gedanken fliegen, mit dem Wind, den wilden Flatterkrähen, den vorbeiziehenden Wolken hoch oben …

Friedlich sind sie, diese Momente da draussen im Wald. Friedlich und still. Und irgendwie perfekt.
Absolut vollkommen wird so ein Augenblick, wenn ich dabei mit meinem kleinen Mädchen in aller Ruhe schon ein wenig von dem sammeln kann, was die Natur jetzt schon für uns bereit hält, ein bisschen ernten, was ich gar nicht gesäht habe. Das Gefühl, verbunden zu sein mit allem, was ist, von und mit der Natur zu leben, ist einzigartig beruhigend und erfüllend. Irgendwie einfach… kräuterhexenartig gut *grins*.

Die Wildkräuter-Küche hat mich schon lange fasziniert. Aber immer auch abgeschreckt, obwohl ich eigentlich gar nicht so recht weiss, wieso. Ich glaube, es liegt daran, dass ich es mir einfach nicht recht zutraue, wilde Kräuter und Blumen richtig zu identifizieren und dann auch richtig zu verwenden. Ich kenne zwar die eine oder andere Pflanze, aber gerade die “Unkräuter” der Waldwiesen und Ackerwegränder sind mir schon eher fremd. Oder schrecken sie mich ab mit ihren Abwehrmanövern und sonstigen Eigenheiten: An Brennessel-Spinat zum Beispiel habe ich mich noch niemals gewagt. Mein Respekt vor ihren Brennhaaren ist schlichtweg zu übermächtig. Und Löwenzahn-Salat? Wenn ich an den weissen, bitteren Saft denke, der aus ihren Stengeln fliesst, dann schaudert es mich fast ein bisschen…

Aber das ist Kleindenken. All diese Widerstände zeigen mir nur, wie weit ich mich schon von der Natur entfernt habe- und wie wichtig es gerade für mich wäre, auch einmal über meinen Tellerrand zu blicken. Um die Ecke, durch den Türspalt, hinein ins Grünen und Wachsen der Schöpfung…
Mit so etwas Vertrautem wie Bärlauch, der mich so schön beruhigend an Schnittlauch erinnert oder an ganz gewöhnlichen Salat, ist das gottlob nicht allzu schwierig.

Aus meinem allersten Kessel Bärlauch aus dem Wald wurde das, was mich schon so oft im Bloggerland oder in Zeitschriften beeindruckt hat und was ich eigentlich schon lange, lange einmal selber versuchen wollte…

Nämlich ein
Bärlauch-Pesto
Man braucht:
- 100 gr. Bärlauch, gut gewaschen und abgetropft oder trockengeschleudert
- 60 gr. bis 80 gr. Pinienkerne oder einfache, geschählte und gemahlene Mandeln
- 60 gr. fein geriebenen Parmesan
- 1.5 dl Rapsöl oder Olivenöl
- ca. 1.5 bis 2 Tl. Salz
- evtl. etwa 2 Tl. Zitronensaft
- Pfeffer zum Abschmecken (wobei ich das Pesto schon so sehr scharf fand…)
Der Bärlauch wird in Stücke geschnitten und mit den Pinienkernen/Mandeln, dem Käse und dem Öl ganz fein zB. mit dem Stabmixer puriert oder im Cutter feingehackt.
Wer mag, gibt den Zitronensaft und etwas Pfeffer dazu zum Abschecken.
Das Pesto wird in heiss ausgespühlte, blitzsaubere Einmachgläser gefüllt und entweder sofort mit Spaghetti (und noch mehr Reibkäse zum Drüberstreuen!) ausprobiert oder mit einer Schicht Öl bedeckt gut verschlossen an einem kühlen, dunklen Ort aufbewahrt. So hält es sich gut einige Wochen.
Dieses Pesto ist übrigens nichts für empfindliche Gaumen, meine Lieben! Ich fand es selber ziemlich scharf (aber zu gut zum Aufhören!) und meine Kinder schoben ihre Teller schon nach dem ersten Bissen weit von sich *kicher*… Aber wer Basilikum-Pesto mag und auch nicht vor ein bisschen Kribbeln im Mund abgeschreckt wird, könnte es möge, denke ich.

Also für mich war es eine Art… Offenbahrung, dieses Pesto zu machen. Ein bisschen ein Initationsritus zur Wildkräuterküche fast schon, bei dem ich ein wenig meine Scheu verlieren und ein Stückchen Selbstvertrauen gewinnen durfte, was Neues und Wildes angeht. Eigentlich könne wir doch fast alles, oder? Wenn wir es wollen. Und den Mut fassen, einen ersten Versuch auch tatsächlich zu wagen.