Monatsarchive: Februar 2012

Aus meinem Tagebuch: ein schlechter Start

Heute morgen

Heute morgen… sitze ich hier und blicke in meine leere Tasse Morgenkaffee (Was, schon wieder alle?)

Heute morgen… bin ich ein Jammerlappen, ein triefender.

Heute morgen… habe ich viel zu lange geschlafen. Und jetzt bin ich grantig, weil ich mir schrecklich faul vorkomme, faul, verantwortungslos (Welche Mama schläft schon länger als ihre Kinder!?) und schlichtweg unfähig jemals einen ordentlichen, einigermassen gut organisierten Haushalt zu führen oder die Art Mama zu sein, die ich so gerne wäre, geduldig, liebevoll, präsent. Und das schon morgens um 7:00. Nicht erst wenn die Sonne schon längst scheint, als gäbe es kein Morgen. (Okay, es war 8:30 Uhr. Immerhin noch nicht Mittag.)

Heute morgen… habe ich die Kinder angeschrien, weil sie mit Räucherstäbchen (Feuer! … Oder?) herumgespielt und mir dabei zwei Brandflecken (kleine) auf dem Küchentisch zurückgelassen haben.

Heute morgen… bin ich vielleicht zu ungeduldig (wahrscheinlich), zu aufbrausend (ziemlich sicher) und zu sehr in meiner eigenen Gefühlswelt gefangen, um mich auch nur ansatzweise in die Köpfe und Herzen zweier heranwachsender Jungen versetzen zu können, die in einer kleinen, duftenden Rauchschwade noch keine Gefahr sehen, sondern einzig ein Wunderwerk, das es zu erforschen gilt und in dem sie so sehr aufgehen in Begeisterung und Freude, dass sie alles um sich herum vergessen. Auch alle Vorsicht.
Ich wünschte, ich könnte das manchmal…

Heute morgen… finde ich nur Fehler. Bei anderen. Und auch bei mir.

Heute morgen… möchte ich die Augen zutun und mich endlos, endlos wegträumen. Denn was ich hier sehe, macht mich ganz hilflos: Arbeit bis zum Halse, Schmutz, zu viel Krempel, zu viel Unerledigtes, zu viele offene mails, zu viele nicht erfüllte Kinderwünsche, zu viele Träume, die in der Luft hängen bleiben…

Heute morgen… erinnere ich mich daran, dass bald schon vier Kinder hier antraben werden, um mit Kind1 Mannschafts-T-Shirts bei mir zu malen für einen Sportanlass. Ich erinnere mich ausserdem daran, dass ich die T-Shirts noch hätte vorwaschen sollen…

Heute morgen… weiss ich, dass ich irgendwann die Schoko-Kiste werde plündern müssen. Um meine Nerven bei Laune zu halten, wenigstens. Wenn ich es schon nicht bin.

Heute morgen… singt mein Mädchen neben mir am Frühstückstisch ein zauberhaftes, kleines Lied in ihrer ganz eigenen Sprache. Und ich muss plötzlich lächeln, während ich ihr dabei zuhöre und meine Seele sich schon ein bisschen leichter anfühlt, so freigeschrieben und irgendwie nicht mehr ganz allein mit alldem.

Heute morgen… beginnt der Tag nicht ganz so, wie ich es mir wünschen würde. Aber wer weiss… Vielleicht sollte ich die Augen offen halten. Für das kleine Glück, falls es doch noch kurz vorbeischaut *zwinker*.

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das lila Zimmer: heute

So. Nach einem vollen Wochen-Ende Blog-frei nehme ich mir jetzt endlich,endlich (endlich!) die Zeit, euch herein zu lassen. In mein lila Zimmer, so lila und aufgeräumt wie es jetzt noch ist, so kurze Zeit nach unserem Einzug in seine vier Wände.
Als wir in dieses alte Haus hier einzogen, wusste ich gleich, dass ich  eines Tages ein Zimmer ganz in violett oder flieder oder lila haben würde. So ein richtiges Mädchenzimmer, das einem das Gefühl gibt, sich in einem warmen Schoss  zu verkriechen, wenn man es betritt… Und, naja, jetzt habe ich es! Obwohl es ganze 5 Jahre gedauert hat, bis ich diesen intuitiv gefällten Wunsch wahr machte…
Und ich mag, wie er ausschaut, dieser Wunsch, so in real.

Hereinspaziert also, meine Lieben!

Das grosse, weisse Bett, in dem mein Mann, ich und unser kleines Mädchen jetzt schlafen, kam mehr als eine Art … Notlösung zu uns, als aus Überzeugung. In Wahrheit, mag ich es gar nicht besonders, dieses Bett, aber mein Mann wünschte sich ein “echtes” Bett, nach Jahren auf dem Familien-Bett-Matratzenlager, welches ich so sehr mochte und gegen alle Einwendungen leidenschaftlich verteidigte *grins*. Und da das weisse Bett bei meinen Eltern daheim just in dem Augenblick entsorgt werden sollte, wo wir uns in unserem ersten “richtigen” Elternzimmer einrichten wollte, erfüllte sich sein Wunsch. Was nur fair ist, oder? Ich meine, welcher Mann verzichtet Jahre lang auf Rost und Nachttischchen, nur der Liebe wegen? Eben!
Und … sobald ich ein schönes, altes, helles Holzbett sichte, so eines, in das man sich richtig verlieben kann, schmuggle ich das einfach ein. Irgendwie.
Bis dahin allerdings tröste ich mich mit den zwei Quilts über meinem Bett: Der kleine, blau-grün-rosa Quilt ist der hier, genäht von einer wundervollen Dawanda-Anbieterin, gequiltet von mir, designt von uns gemeinsam. Der riesengrosse, rosa Quilt -ein schweres, dicht gequiltetes Stück- ist ein Geschenk meiner Mama (Ein ganz besonders tolles Geschenk, nicht wahr!)
Quilts und schöne, alte Bettwäsche… da braucht das Bett eigentlich gar nicht mehr so besonders zu sein irgendwie, oder? Und für den Fall der Fälle habe ich da noch diesen kleinen Vorrat an handgehäkelten Tagesdecken über dem Schrank …

… oder ganz zuunterst einen kleineren Plain-Quilt, den ich mir einmal aus einer jener mit den Jahren wundervoll weich gewordenen antiken Bettwäsche genäht habe, wie man sie manchmal beim Trödler finden kann, wenn man ein wenig Geduld und Glück hat. Alte Decken-Masse sind meistens zu klein für heutige Daunen-Duvets, aber für Quilts sind sie eigentlich genau richtig, finde ich.

Diesen alten, weiss lackierten Rattansessel liebe ich auch sehr.  Sehr, sehr, sehr sogar. Meine Mama hat ihn letztes Jahr irgendwo in einem Brockenhaus entdeckt und sofort an mich gedacht, weil sie weiss, wie gerne ich weisse Möbel mag und wie stark mein Herz für solide, gut gemachte Dinge schlägt, die eine Geschichte erzählen…
Meine Mama, dieser Engel! Ich glaube, ein ziemlich grosser Teil meiner Schätze kam nur durch sie zu mir. Sie hat das Auge und das Herz, sie zu finden- und so viel Mutterliebe, sie an mich weiter zu geben, obwohl ich ahne, dass ihr das nicht immer leicht fällt… (Danke, Mami! Du bist ein Schatz, wusstest du das?)

Dieses Bild -mittlerweile hängt es sogar an der Wand, wie es sich gehört-  ist aber eines jener Dinge, über die ich selber gestolpert bin. Ein Ölbild auf Leinwand, durch puren Zufall bzw. ziemlich viel Glück beim Trödler ausgegraben, versteckt unter ein paar abgegriffenen anderen Bildern. Ich war augenblicklich hin und weg. Es gibt wahrscheinlich kein Bild der Welt, das mir mehr am Herzen liegt… Diese Farben, diese Tiefe, dieses Märchenhafte, das mich immer wieder minutenlang wie gebannt davor stehen bleiben lässt. Selbst heute noch. Wer hat wohl so malen können? Woher kamen die Inspiration, die inneren Bilder, die Emotionen,  die aus diesem Gemälde sprechen und es zu etwas so Besonderem für mich machen? Und: Wie kam so ein Kunstwerk nur dazu, irgendwo in einem düsteren Brockenhaus zu verstauben? Das alles wird mir wohl auf ewig ein Rätsel bleiben…

Der Kartenständer neben dem grossen Spiegelschrank stammt übrigens für einmal nicht vom Flohmarkt. Im Gegenteil: er war brandneu, als wir ihn von meinen ehemaligen WG-Genossen zur Hochzeit geschenkt bekamen, gefüllt mit Postkarten voller weiser Sprüche zum Thema Ehe *grins* und lauter guten Wünschen für unsere gemeinsame Zukunft. Ein Geschenk, das ich noch immer hoch in Ehren halte. Nur die Postkarten wechseln immer mal wieder. Mit den Lebensabschnitten der letzten 12 Jahre…

Und wo wir gerade beim Thema Lebensabschnitt sind: Selina von 19nullsieben hat sich ein Babybauch-Foto gewünscht. “Ach ja, ich fände ja wieder mal ein Bauchfoto schön, bin ja sehr neurig. Also natürlich nur, wenn du ihn herzeigen möchest…”, bat sie mich neulich, was mich sehr gefreut hat. Denn welche werdende Mama ist nicht auch ein bisschen stolz auf ihren runder werdenden Bauch?

Liebe Selina: hier, für dich *zwinker*.
Und für alle anderen, die ein bisschen neugierig sind (genau wie ich, hihi).
Auf das lila Zimmer musstet ihr ja lange genug warten…

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this moment

Nach einer Idee von Soulemama: eine Erinnerung, ein Bild, vielleicht nur wenige Worte.
Um Luft zu holen und die Erinnerung zu bewahren, wenn die Woche zu Ende geht.


slowly
going on

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das lila Zimmer : vorher…

Die liebe Steffi hat natürlich Recht, wenn sie schreibt: “Liebe Bora, wie immer ist es schön, Deinen Post zu lesen. Aber ich bin sooo gespannt auf das lila Zimmer! Bitte mache uns bald einen schönen Post daraus, wir freuen uns schon alle darauf!”

Ich rede und rede davon, aber mein Post über unser neues, lila gestrichenes Schlafzimmer lässt jetzt schon drei volle Wochen (oder sogar schon länger?!) auf sich warten! Das geht natürlich gar nicht...
Darum, bevor das Leben wieder dazwischenfunkt und seine eigenen, scheinbar manchmal so schrecklich dringlichen Posts schreibt (*zwinker*), packe ich die Gelegenheit beim Schopf und mache mein Versprechen endlich mal wahr. Zumindest teilweise. Weil… ich befürchte, besonders viel Lila werdet ihr hier heute doch nicht zu Gesicht bekommen. Noch nicht. Bevor mein Zimmer nämlich lila wurde, war es ganz und gar weiss, und lag ganz zuoberst im dritten Stock eines unserer 2 Hausteile, mit eigenem Treppenhaus und eigener Haustür, eigener kleiner Küche und eigenem kleinen Bad. Um dorthin zu gelangen mussten wir früher einmal die Schuhe anziehen, durch die Haustür unsere Wohnung verlassen und gleich nebenan wieder zur anderen Haustüre rein.

Kompliziert, das Ganze, nicht? Aber so kann es gehen, wenn man ein uraltes Haus kauft. Mit vielen verwinkelten Ecken und einigem an Zimmerchen. Ursprünglich als Gesindehaus für eine Art… Fabrik gebaut, machte das natürlich Sinn. Für uns als Familie dann schon eher weniger… Und so kauften wir dieses Haus, das damals aus drei Wohneinheiten bestand, und begannen, es so umzugestalten, dass es passte für uns.

Ein paar Wände fielen, ein paar Durchgänge wurden geschlagen, Farben und Tapeten kamen dazu oder weg, Holzböden wurden verlegt, Deckbalken freigelegt, ein kleines WC entfernt, eine ganze Küche verschoben… und selbst nach 5 Jahren ist noch kein Ende in Sicht.

Aber das ist in Ordnung so. Vollkommen. Irgendwie ist das Umbauen zu einem Teil unseres Lebens geworden, einem Teil, der immer auch ein bisschen Spannung mit sich bringt und uns immer wieder daran erinnert, dass schlussendlich alles veränderlich ist- und es vor allem auch bleibt. Ich glaube, ich brauche diese Erinnerung mittlerweile fast schon…

Selbst nach so viele Jahren, in denen wir dieses Zuhause mit unseren eigenen Händen gestaltet haben (denn mein Mann macht wirklich praktisch alles ganz alleine, ausser beim Entfernen von Wänden, da beraten wir uns mit einem Statiker. Sicher ist sicher…), bin ich tief in meinem Herzen dankbar, zu wissen, dass wir dieses Daheim hier zwar behalten und beleben dürfen, so lange wir wollen… es aber niemals müssen. Diese Freiheit ist ungeheuer wichtig für mich, habe ich gemerkt.

Genauso wichtig aber ist es mir, dass dieses Haus niemals aufhört, sich an die Bedürfnisse seiner grossen und kleinen Bewohner anzupassen. Und wenn der Wunsch nach mehr Freiraum laut wird, dann möchte ich ihn nicht überhören…

Als Kind 1 sich in einem unserer allerwinzigsten Kämmerchen unter der Dachschräge sein Nest einrichtete, freute er sich sehr über diesen ersten “eigenen” Raum, wo er seine Dinge unterbringen, sich sein Reich erschaffen konnte. Ich verstand das. Sehr gut sogar.
Als er sich aber mehr Platz wünschte, da verstand ich das genauso gut. Und Platz hatten wir ja. Eigentlich. Wir mussten ihn nur zugänglicher machen…
Also untersuchte mein Mann die Trennmauer im obersten Stock und fand tatsächlich einen Durchgang, der irgendwann im Laufe der Jahre einmal ganz simpel mit Backsteinen aufgefüllt worden war! Ein paar (naja, eher viele Paare!) an Steinen wurden wieder herausgepuhlt, und voilà: Eine neue Türe! (Die Bilder oben zeigen ein wenig, wie das so ging)
Dem neuen Kinderzimmer stand nichts mehr im Wege, und es machte uns allen viel Spass, Möbel zu verrücken, kleine Schätze zusammenzutragen und ein einfaches, aber schon bald innig geliebtes Reich zu erschaffen.

Ein Jungen-Zimmer. Voller Lego und dunklen, alten Möbeln, bestückt mit den Dingen, die meinem kleinen Räuber am Herzen lagen.

Was ich aber nicht bedacht hatte: Meine Kinder sind Herdentiere.  Wir scheinen sogar eine ganze Familie von Herdentieren zu sein. Wo eines hingeht, da folgen ihm die anderen. Und schon bald versammelten sich alle meine drei Kinder für Stunden im neuen Reich. Manche blieben sogar über Nacht.

Und das gelbe Zimmer verwaiste.
Ich weiss, dass ich meine Kinder nicht festhalten kann. Ich weiss, dass ich es auch gar nicht soll. Aber… diese Art von Rückzug, war mir zutiefst unheimlich. Ich zuunterst in der Küche oder irgendwo im Haus, und sie alle drei ganz zuoberst im Haus, eingekreist von zwei Treppenhäusern mit zum Teil nicht ganz ungefährlichen Balstraden und ungeheuer tiefen, leich zu öffnenden Fenstern  (okay, ich bin manchmal etwas überängstlich)… das war irgendwie einfach mehr, als mir lieb war. Zu viel Platz zwischen uns, macht mich einfach unruhig.


Also kam das Thema Kinderzimmer, nur gerade 10 Tage nach dem grossen Umzug der Räuberhöhle, von neuem auf den Tisch und wurde … ähm… ziemlich intensiv von uns allen durchdiskutiert. Es gab Widerstände, auch in mir, das muss ich zugeben. Denn bei aller Freude am Einrichten und Umgestalten: jede Veränderung nimmt auch ungeheuer viel Platz in Anspruch. Im Haus selber, aber auch im Alltagsgefüge und in der Seele eines jeden von uns. Nicht für alle Menschen sind Veränderungen leicht zu ertragen, denke ich. besonders bei Kinder beobachte ich öfters, dass da Ängste aufkommen, die manchmal heftiger sein können, als erwartet. Und wenigstens zwei meiner Kinder reagieren mitunter recht heftig darauf, wenn die Dinge sich verschieben…


Aber tief in meinem Innersten wusste ich, dass dieser erneute Wechsel gut für uns war. Auch für meine Kinder. Vielleicht sogar besonders für sie. Insbesondere für Kind1, das zwar immer wieder nach einer Nische für sich sucht, aber doch noch so viel Nähe und Geborgenheit braucht. Alleine zu schlafen zB. kann sich keines meiner Kinder vorstellen. Sobald es dunkel wird, suchen sie Nähe. Wie kleine Tiere. Oder wie… Menschen eben.

Wir beschlossen schliesslich, unser altes Familien-Schlafzimmer gleich neben dem gelben Kinderzimmer, in dem immer Platz war für jeden, der sich mit-einkuscheln wollte, zu räumen. Anstelle des riesengrossen Matratzenlagers für alle, ein Raum für zwei heranwachsende Brüder, die sich ungern trennen, und doch immer wieder eine Ecke ganz für sich suchen. Ein gelbes Spielzimmer verbunden mit  einem Brüderschlafzimmer.
Und oben unter dem Dach ein echtes Eltern-Kleinkind-Schlafzimmer. Für uns zum ersten Mal, seit wir Eltern sind…

Spannend.
Und der Anfang unseres lila Zimmers…

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