Monatsarchive: Dezember 2011

What makes me happy: kreative Inseln

In letzter Zeit ist mir einmal mehr klar geworden, wie kostbar so diffuse Dinge wie „Zeit“ und „Energie“ und „Gelassenheit“ sind. Und wie elementar wichtig für mich. Wenn ich innerlich zerstreut bin, mich manchmal wortwörtlich „nicht mehr finde“, wenn ich müde bin und ausgelaugt und den ganzen Tag lang nur schlafen könnte oder nicht mehr die Gelassenheit finde, um das Chaos auszuhalten, das jedes Backen und Werken mit Kindern (aber auch ohne!) veranstaltet, dann fehlt mir etwas vom Wichtigsten in meinem Leben: die innere Freude.

Diese innere Freude blüht auf, wenn ich das Gefühl habe, meinen Tag aktiv gestalten zu können, wenn ich mich ganz und gar in ein kreatives Projekt vertiefe und die Nähe zu meinen Kindern spüre, während wir gemeinsam auf ein kleines Ziel hinarbeiten. Es tut mir gut, wenn ich sehe, was unsere Hände erreichen können. Dass vieles möglich ist, wenn man sich wirklich darauf einlässt, Neues wagt und sich selber die Zeit gibt, die man braucht, um zu lernen und zu erschaffen.


Im Moment bin ich sehr, sehr dankbar, wenn solche Momente, diese kleinen Inseln kreativen Glücks, auftauchen. An manchen Tagen scheinbar einfach aus so, aus dem Nichts. Manchmal sind sie planbar, aber manchmal wirft das stinknormale Alltagsleben mit seinen Launen und Wichtigkeiten auch alles durcheinander. Dann sind andere Dinge im Vordergrund, Ausruhen, Trösten, Essenmachen, Streitigkeiten schlichten, kaputte Puppen flicken, verlorene Teddys suchen, Kindergartenerlebnissen lauschen… Und das soll auch so sein. Denn alles hat seine Zeit– und auch die Kreativität findet wieder einen Weg, um sich ihren Platz an der Sonne zu erobern *zwinker*. Wenn es Zeit dafür ist…

Diese Phasen, in denen etwas entsteht unter unseren Händen -Kleingkeigkeiten nur wahrscheinlich, aber Kleingkeiten, in denen ein Stückchen Herzblut liegt- die sind für mich wie… Seelengold. Ich weiss, ich kann sie nicht festhalten, diese Momente, aber geniessen und so tief in mir aufnehmen wir nur möglich.

Und die Dinge, die dabei zustande kommen, die wirken auf ihre Weise kleine Wunder: sie tragen eine Erinnerung in sich und nähren die Hoffnung. Daran dass noch viele solche kreativen Inselchen auf mich warten. Alle mit ihren eigenen Schätzen.

Und wenn vielleicht auch heute mal wieder alles drunter und drüber geht, wenn es auch morgen oder übermorgen wieder ganz so ausschaut, als gäbe es rein gar keinen Platz für eine gemütliche Runde um den Basteltisch, als wären selbst ein paar Reihen Stricken völlig unmöglich… Sie kommen wieder, diese perfekten, kreativ lebendigen, vollen, von innen heraus fröhlichen, selbstvergessenen Augenblicke. Das tun sie immer. Ganz bestimmt.

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Nach einer Idee von Soulemama: eine Erinnerung, ein Bild, vielleicht nur wenige Worte. Um Luft zu holen und die Erinnerung zu bewahren, wenn die Woche zu Ende geht.

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Küchengeflüster (und hausgemachter Puderzucker)

Es geht mir besser. Mit jeder Woche mehr. Und ich bin so dankbar und glücklich darüber, dass ich jeden Energie-vollen Moment auskoste und nutze, wann immer es geht… Manche Tage sind besser, andere weniger, aber die Momente, in denen ich entweder mit meinen 3 Kindern oder für mich ganz alleine irgendwo an irgendwas werkle und tüftle (anstatt mich endlich mal um meinen vernachlässigkten Haushalt zu kümmern wie es sich für eine oderntliche Hausfrau gehören würde *räusper*), reihen sich schon dichter aneinander. Ein gutes Gefühl. Es fühlt sich definitiv mehr nach Leben an als diese schwachen, kränklichen Zeiten, die mich in meinen Dornröschen-Schlaf zwangen…

Ich stehe auch endlich wieder in der Küche. Und das mit sehr viel mehr Neugierde als sonst bei mir üblich. Es kommt mir fast abenteuerlich vor, ein fremdes Rezept auszuprobieren und ein bisschen wie Urlaub vom Alltags-Trott, wenn ich mich für eine Weile ganz und gar dem Rüsten, Rühren, Probieren und kulinarischen Entdecken widme. Vielleicht liegt das daran, dass ich fast ständig nur daheim bin. So hole ich mir ein Stückchen Fremde ins Haus. Ein bisschen Abwechslung und … naja, auch Risiko *grins*. Meine Kinder sind nämlich alles andere als experimentrier-freudig, wenn es ums Essen geht…

Wie dem auch sei, ein Blick über den Teller-Rand tut jedenfalls ihrer ohnehin zu dünn gewordenen Mama überaus gut. Und nach einem Teller heisser Suppe, ist sie auch gleich viel zufriedener und geduldiger

In meiner Küche zur Zeit:

: geröstete Griess-Suppe wie zu Omas Zeiten (aus Betty Bossis „Aus Mutters Kochtopf“) und eine köstliche, einfache Gemüse-Suppe, die besonders mein Mädchen wahnsinnig gerne mag. Mit möglichst vielen Gemüse-Vorräten aus dem Kühlschrank und ein klein wenig Reis (aus Betty Bossis „Vielseitige Gemüseküche“). Schnell, einfach, gesund und köstlich! :

: Pfannkuchen, gefüllt mit Blatt-Spinat und geschmolzenem Schweizer Käse, und zum Nachtisch dann mit Marmelade und Gelee bestrichen. Wobei die Kinder sich immer sehr viel mehr auf die süsse Variante freuen als ich… :

: Süsser, sahniger, schwedischer Reispudding mit heisser Kirschen-Sauce, den wir alle sofort liebten, allerdings jeder auf seine Weise: Kind1 mag ihn am liebsten pur, ohne Sauce, Kind2 kann dafür genau von den heissen Kirschen nicht genug bekommen, mein Mädchen pickt die Kirschen raus, schenkt sie ihrem Bruder und schlürft den Saft mit Hochgenuss- und ich finde die Kombination aus alldem am allerbesten. (Die Kirschen sind von Susi aus dem Dorf (Danke!!! Sie waren superfein!!!), das Rezept aus dem wunderschönen Weihnachts-Koch-und-Länder-Buch „Weihnachten weltweit“ von Hanne Kruse) :

: pikante Muffins mit Käse und Schinken, die lauwarm am besten schmecken, und zwar nicht unbedingt jedermanns Sache sind, aber mit einem schönen, bunten Salat eine aussergewöhnlich, kleine Mahlzeit ergeben, die einfach… ein bisschen anders schmeckt (aus dem neuen „Tiptopf“, DEM Schweizer Schulkochbuch per se, das hier fast jeder daheim hat, fast wie das Schweizer Armee-Sackmesser) :

: Lucia-Brötchen mit Safran, nach einer alten schwedischen Dezember-Tradition. Etwas, das ich spätestens seit Petterson und Findus unbedingt ausprobieren wollte und mit den Kindern auch ganz bestimmt wieder backen werde. Obwohl ich mir vorstelle, dass es noch bessere Rezepte für diese leicht süssen Hefebrötchen gibt, irgendwo da draussen, als dasjenige, nach dem wir unsere Erstlings-Lucia-Brötchen gemacht haben… (Unser Rezept stammt auch aus „Weihnachten weltweit“ und schmeckt auch nicht schlecht) :

: Unsere Advents-Guezli-Bäckerei hält sich in einem … ähm… ziemlich bescheidenen Ausmass dieses Jahr. Spitzbuben sind nämlich die einzigen Weihnachts-Plätzchen, die wir in diesem Advent gebacken haben. Dafür hatten wir alle viel Spass und ein noch grösseres Nasch-Vergnügen dabei. Mit dem selbstgemachten Johannisbeergelee vom Sommer kam sogar ein Hauch Ferienstimmung auf dabei und dass ich dann zum Schluss keinen Puderzucker mehr zum Bestäuben hatte, war auch kein Drama: Puderzucker lässt sich nämlich supereinfach improvisieren! :

Hausgemachter Puderzucker:

  • 1 Tasse normaler Zucker
  • 1 Päckchen Vanille-Zucker
  • 1 EL. Maisstärke

Alles zusammen im elektrischen Mixer mahlen für etwa 2 Minuten, bis das Gemisch typisch „puderzuckrig“ wird.
Vielleicht nicht gaaaaaaanz so süss und fein wie echter Puderzucker- aber eine tolle Notlösung, die zudem noch das Selbstvertrauen stärkt, weil man sich ganz allein aus der Patsche helfen konnte *zwinker*

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für mein Mädchen: die Beeren-Weste

Als ich damals, vor einer ganzen Weile schon (die mir wie eine Ewigkeit vorkommt) Brigitte Kälins beerenfarbene Schurwolle verstrickte, fiel mir sofort auf, wie beruhigend diese warmen, harmonischen Farben auf mich wirkten. Cassis, dunkles Rosa, ein bisschen Braun und Lila; eine einfach wunderschöne Mischung, die mich so herrlich an warme Beerengrütze erinnert, an den Herbst und an vollreife Trauben bei der Weinlese.

Ich glaube, für mich ist dieses Garn- das Brigitte auf meinen Wunsch hin extra für mich gefärbt hat- farblich gesehen eines der Schönsten, die ich kenne. Und dass es sich um reine Schurwolle handelt, trübt meine Freude daran auch nicht unbedingt, denn Schurwolle ist zwar etwas steif und nicht gerade edel und kuschlig, aber irgendwie mag ich ihren unverfälscht bodenständigen Charakter doch ganz gerne.
Die Weste, die ich daraus strickte, wurde aber nie so ganz zu dem Lieblings-Stück, das ich mir erträumt hatte: Sie war einfach einen Deut zu kurz für mich, schlackerte um meine Taille, und beim Armausschnitt war mir ein blöder, kleiner Fehler unterlaufen, der in meinen Augen einfach immer störte… Ich trug sie zwar ab und zu, meine Weste, ja, aber nie so richtig gerne. Und als mir klar wurde, dass ich sie nur darum nicht im hintersten Eckchen meines Kleiderscharnkes verschwinden liess, weil ich ihre Farben so sehr liebte, enschloss ich mich schweren Herzens zum einzig richtigen Schritt: Schere her und auftrennen! (Das war damals, an jenem Wochenende.) Vielleicht gäbe es ja eine 2. Chance für mich und meine Wolle. Denn die Hoffnung stirbt zuletzt. Und alte Liebe rostet nicht. (Was es nicht alles für weise Sprüche gibt!)

Seither ist wieder sehr viel Zeit vergangen. Brigittes Beeren-Wolle wurde nach und nach neu aufgewickelt, ein kleines, feines Kinder-Strick-Projekt fing auf meinen Nadeln zu wachsen an, und ich entdeckte die Faszination des Feierabend-Strickens vor dem wärmenden Kamin, während ich langsam (unglaublich langsam) Reihe und Reihe zusammensetzte, in Gedanken mal hier, mal dort und ab und zu auch bei Brigitte, ihrer Wolle, bei meiner noch jungen, aber intensiven eigenen Strick-Geschichte und bei meinem kleinen, quirligen Mädchen, dem ich dieses Projekt – das zweite Leben meiner Beeren-Wolle- schenken wollte.
Es war ein sehr entspanntes, gemächliches Schaffen. Genau wie es Beeren-Töne verdienen: gemütlich, ruhig, verlässlich.

Und schliesslich, letzten Freitag, wurde sie fertig! Meine kleine Kinderweste. Für mein Mädchen, den Wildfang mit dem unzähmbaren Haarflaum (wie Beethofen. Oder Einstein, hihi…)

Gestrickt (fast) ganz genau nach der Anleitung des „kuschligen Pullunders“ aus dem mittlerweile leider vergriffenen Buch „Traumhafte Strickideen zum Kuscheln und Träumen“ von Lucinda Guy. (Ich mag dieses Buch sehr. Die Kirschkernzeit-Kinderjacke ist massgeblich inspiriert davon. Mit ihren Grössenangaben bin ich nicht immer ganz einverstanden, denn diese Weste sollte theoretisch einem Kind zwischen 3 und 4 Jahren passen, was ich mir aber beim besten Willen nicht vorstellen kann. Ich finde, für meine Kleine mit ihren bald 2.5 Jahren ist sie allerdings perfekt. Und mehr wollte ich ja auch gar nicht…)

Und diesmal, diesmal liebe ich nicht nur Brigittes Wolle, nein, diesmal liebe ich ganz und gar alles! Die Farben, den Schnitt, die süssen Details wie die Häkelkanten und die kleine Tasche mit ihrem Schleifen-Bändchen- und mein kleines Wichtelmädchen, das nie ohne ihren zerzausten Teddy das Haus verlässt, ihre Westentasche tatsächlich mit Lego- Ninjas und Darvida füllt…

… und in Wahrheit genauso frech und lustig ist, wie sie ausschaut.

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