Monatsarchive: Dezember 2011

Winter

Winter! Erst ein paar Tage jung und doch fühlt es sich er sich an, als wäre er schon seit Ewigkeiten hier, dieser Winter… Vielleicht, weil all die Weihnachtlichkeiten in mir immer ein ganz tiefes “Es wird sicher gleich schneien”-Gefühl hervorruft und das Bedürfnis, mich mit meinen Lieben ganz tief in eine behaglich warme Höhle (das Wohnzimmer geht auch) zurück zu ziehen, Geschichten zu erzählen und heisse Schokolade zu schlürfen.


Alle Weihnachts-Lieder reden von Schnee und Eis und manche von Popcorn am Feuer. (Genau so ein Song geistert mir schon seit Tagen im Kopf herum. Ich habe ihn sogar schon auf Video gesungen, weil ich hoffte, mich beim Selber-Abhören ausreichend abzuschrecken. Vergeblich…) Aber Weihnachten kam und ging, und Schnee liegt hier noch immer keiner. Alles ist Frühlings-Sommer-Herbst-(Winter!)-Grün wie eh und je. Nur der Wind riecht plötzlich eisiger.
Was ich bis jetzt an Winter zu sehen und zu spüren bekam, war eigentlich gar nicht besonders winterlich. Oder nur am Rande. Andererseits, warum soll der Winter immer weiss sein? Kühl, stürmisch, dunkel. Auch das sind winterliche Züge. Alles scheint zu schlafen. Ein Leben im Warte-Zustand unterhalb der braunen, manchmal hartgefrorenen (bin ich froh, sind die Tulpenzwiebeln schon im Boden!), manchmal mehr matschig feuchten Erdschicht. Stille. Verharren.


Winter heisst Warten. Auf das Licht des Frühjahres. Auf Wärme und Wachstum. Auf den Start-Ruf der Natur, wenn alles Leben sich von neuem ausrollen darf, ausbrechen aus der Enge seiner Höhlen und Hüllen, hinein in ein neues Jahr voller Möglichkeiten und Geschichten. Es ist ein hoffnungsvolles Warten. Ein Warten mit Zukunft.

Ich warte mit. Viele Menschen warten wohl mit. Denn auch wir sind Teil dieser Schöpfung. Wir werden uns ihren Rhytmen niemals ganz entziehen können, egal wie weit wir uns von ihr weg-industrialisieren. Und irgendwie empfinde ich dieses Warten nicht nur als etwas Bedrückendes: Je mehr ich in diesen Winter hineinrutsche, desto mehr wächst auch eine gewisse Vorfreude in mir, eine Vorfreude auf all das, was noch kommen wird. Auf all das, was mir jetzt in der Kälte und Starre dieser Jahreszeit vielleicht fehlt. Vieles habe ich als selbstverständlich hingenommen: die langen Tage, das frische Grün, Salate, Beeren, knackiges Gemüse, die laue Luft auf meinen Wangen, Barfusslaufen… Jetzt kommen mir diese Dinge wie kleine Wunder vor, und in gewisser Weise bin ich froh, dass ich mich jetzt so richtig auf sie freuen darf. Manches müssen wir wohl erst verlieren, um es wieder richtig schätzen zu lernen…
Ich glaube, das Leben gewinnt an Tiefe durch seine Täler und Windungen, und in gewisser Weise ist auch der Winter so eine Art Tal, ein Tal der Demut und der Geduld. Die Jahreszeiten können uns vielleicht dabei helfen, unser Leben immer wieder von Neuem als etwas Lebendiges zu betrachten, wo sich alles ständig verändert, hin und her schwingt von hell zu dunkel, von quirlig zu bedächtig.
Und in jeder Phase seines Laufes liegt ein neuer Zauber, eine neue Chance, eine neue Erfahrung: Selbst im allertiefsten Winter.

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What makes me happy: in Genüssen schwelgen

Mein Mädchen und ich sind heute zweisam allein zuhause und haben den ganzen Tag und das ganze Haus nur für uns ganz alleine… Mädels-Zeit also! Und was tun Mädels am liebsten? Genau, shoppen! (Bitte entschuldigt, wenn ich jetzt ein bisschen sehr tief in die Klischee-Tüte greife, aber mein Mädchen sitzt mir gerade auf dem Schoss, kneift mich die ganze Zeit in die Wangen und quietscht dabei schelmisch in ihrem Versuch, mich vom Bilschirm los zu eisen. Das bringt mich, ehrlich gesagt, ein wenig aus der Fassung *räusper*…)
Jedenfalls, meine Lieben, war das genau, was wir heute Vormittag in der Stadt getan haben: Ausgiebig herumgestöbert… nach Leckereien!

Speziell gutes Sahne-Eis wie aus einem amerikanischen Film, mein Lieblings-Bio-Vanille-Eis (Vanille-Eis mache ich sonst am liebsten selber, aber das hier schmeckt wirklich noch nach Vanille und viel sämigem Rahm: Yumm!), echt schottisches Shortbread (zum halben Preis dank dem soeben wieder für ein Jahr lang aus der Mode gekommenen Santa Claus…), mit Meersalz gewürzte Edel-Chips aus geheimnisvoll roten Kartoffeln…

Etwas vom Schönsten an den Fest-Tagen ist für mich diese Stimmung, die einem offiziell erlaubt, für eine kleine Weile ein bisschen in Luxus zu baden. Und auch wenn jeder das Wort “Luxus” für sich ein wenig anders definiert, so bedeutet es doch für alle etwas Besonderes, Schönes, Gutes, etwas, das einem gut tut und ein sattes, reiches Gefühl zurück lässt- gerade, weil es vielleicht zu teuer oder zu extravagant ist, um es sich jeden Tag zu gönnen…

Exotische Früchte sind für mich so ein Luxus. Genau wie die Gourmet-Varianten von Kartoffelchips und Sahne-Eis oder sündhaft teure Butter-Kekse. Im Laufe der Jahre habe ich das regional und saisonal orientierte Einkaufen so sehr verinnerlicht, dass es mir meistens gar nicht mehr in den Sinn kommt, Bananen oder Papaya oder Mango auf den Poschtizettel zu schreiben… (Abgesehen davon gibt es bei uns im Dorfladen ohnehin nur eine kleine Auswahl an fremdländischen Früchten oder Gemüse. Dafür immer frisches Obst der hiesigen Bauern -Erdbeeren zum Beispiel im Frühling oder tiefschwarze Kirschen im Sommer- was ich ganz besonders sympathisch finde…) Ich wähle bewusst lieber Sand-Dorn statt Orangensaft und geniesse ein Glas schaumig gemixte Banananmilch zwar sehr- aber einfach nur alle paar Wochen, so als wären es Pralienen…

Jetzt in dieser festlichen Zeit des Jahres, macht es mir dafür umso mehr Freude, einmal so richtig nach Herzens-Lust in all diesen exotischen Dingen zu schwelgen, die ich im Grunde sehr liebe: Berge von Litschis, fleischige, süsse Datteln, leuchtend rote Granatapfel-Kerne…

Ich komme mir ein bisschen vor wie eine Prinzessin aus 1001-Nacht, während ich denlieben langen Tag schmatzend um die Obst-Schale auf dem Küchentisch herumflaniere. Herrlich!
So ein bisschen hemmungsloser Luxus, das ist schon was Feines, nicht? Irgendwie schon ein kleines Fest für sich… Fast zum Dran-Gewöhnen…

Und ihr? Was geniesst ihr jetzt gerade besonders? Die letzten Weihnachtsguezli? Ein Abend über dem Fondue-Caquelon, bei Weisswein und frischem Weissbrot? Oder einen schönen heissen Teller Gersten-Suppe nach dem Ski-Fahren in den Bergen?

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this moment

Nach einer Idee von Soulemama: eine Erinnerung, ein Bild, vielleicht nur wenige Worte. Um Luft zu holen und die Erinnerung zu bewahren, wenn die Woche zu Ende geht.

Stern-Stunden

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What makes me happy: Schätze von der kreativen Insel

Wir alle sind wohl so etwas wie unverbesserliche Schatzsucher, nicht? Wir suchen Muscheln am Strand, Kiesel am Fluss, sammeln vielleicht alte Kaffeetassen auf Flohmärkten oder schönen Stoff bis unser Stoff-Regal platzt (oder wir einen ganz besonders grossen Lieblings-Quilt draus nähen) oder sind einfach immer auf der suche nach jenen kostbaren Augenblicken, in denen wir uns ganz fühlen. Besonders glücklich, besonders berührt, besonders geliebt, besonders verbunden, zur rechten Zeit am richtigen Ort. Wir suchen und sammeln unentwegt. Wahrscheinlich gehört das einfach zu uns Menschen, dieses die-Augen-offen-halten für die Kostbarkeiten des Lebens. Und solange sich diese Suche noch genügend Platz  lässt zum Geniessen des Augenblicks und wir uns immer bewusst sind, dass Glück weder allein im Materiellen noch im Erreichen irgendeines weit entfernten Zustandes liegt (oder im heiss ersehnten Bauernhaus mit riesigem Garten und zwei wuscheligen Angora-Katzen vor dem Kamin *räusper*- jaja, ich muss mich da wirklich an der eigenen Nase nehmen…), solange empfinde ich es als etwas ungemein Motivierendes, immer einen Wunsch in der Tasche zu haben, zu träumen, zu planen, nebenbei so ein wenig Ausschau zu halten nach etwas ganz Besonderem.

Ich glaube diese Ur-Sehnsucht nach Erfüllung, hat auch in der Kreativität ihre Finger mit im Spiel. Bei mir zumindest. Nähen oder Stricken tut mir besonders gut, wenn ich gerade mal wieder das Gefühl habe, auf der ganzen Linie zu versagen. Dann etwas entstehen zu lassen, das in etwa so wird, wie es sein sollte, schön und gerade und ganz nach Plan, das tröstet mich über manchen Faux-Pas des Tages hinweg und stärkt, macht mir neuen Mut, auch in ganz anderen Lebens-Bereichen weiter zu gehen. Mit Kraft und vielleicht einem ausgiebigen Blick aus einem anderen Winkel.  Das Handarbeiten als Seelenklempner *zwinker*.
Die meisten Dinge, die ich mache, finden ihren Anfang, weil ich irgendwo -meistens bei einem Menschen, den ich auf irgendeine Art sehr bewundere- etwas entdecke, das mich so richtig mitreisst. Die Shalom war so eine Sache. Zum ersten Mal gesehen bei Soulemama (meiner geheimen Heldin, ich kann es nicht leugnen, auch wenn es mir ein bisschen peinlich ist irgendwie) und dann bei immer mehr Bloggerinnen, die mich faszinieren, wuchs langsam aber sicher dieser Wunsch, mir auch so etwas Wunderschönes zu stricken.
So eine Jacke kann – ganz unbewusst- ein bisschen zum Sinnbild werden, so als würde man sich ein klitzekleines Stückchen eines fremden, schillernden Lebens stricken, eines Lebens, in das man sich immer wieder hineinwünscht -obwohl man genau weiss wie unsinnig das im Grunde ist…
Viele meiner Projekte werden, so gesehen, fast ein wenig zum Fan-Artikel (oh mein Gott, wie das jetzt wieder klingt!). Selbstgemachte Fan-Artikel von Soulemama, von Mamas Kram, von Nikkibag, von Naturmama, von Jen Mun(a) (und vielen, vielen anderen faszinierenden Frauen im Netz!). Und alle diese Dinge, an denen ich stichle, stricke, werke, filze, tragen eine Hoffnung in sich. Einen jener Sehnsüchte, die uns wohl immer begleiten werden…
Vielleicht die Sehnsucht nach einem Leben im Einklang mit der Natur. Die Hoffnung auf eine Zeit, in der die Kreativität einen festen Platz in meinem Leben findet und nicht mehr nur eine Schatten-Nische. Der Wunsch danach, noch mehr Zeit mit der ganzen Familie zu verbringen…
Und sogar in den kleineren Projektchen, wie sie in letzter Zeit wieder öfters entstehen, liegt verborgen die eine oder andere hineinprojezierte Sehnsucht. Schätze von der kreativen Insel sind wohl immer auch Seelen-Perlen mit ihrer eigenen Botschaft…

: ein Friedens-Vogel aus einer älteren Winter-Ausgabe von Living Crafts- meine Sehnsucht nach Ruhe und Frieden (und -ganz prosaisch- nach der immensen Kraft der amerikanischen Craft Szene) :

: der Scallo-Pie , das absolut perfekte Kinderhalstuch, das ich immer bei Mairlind im Da Wanda-Shop bewundert habe- meine Sehnsucht nach mehr Liebe zum Detail in meinem Leben, wo jedes Ding seinen Wert hat, selbst ein schlichter Kinder-Schal :

: die von den Kindern mit Hingabe gerollten Kerzen aus Bienenwachs-Platten- meine Sehnsucht danach, auch alltägliche Notwendigkeiten mit Freude und Kreativität und Gemeinschaft zu verbinden :

: ein etwas grösseres Elfen-Mützchen in Lila für meine Schwester- meine Sehnsucht nach Verspieltheit und einem Hauch von Märchen auch mitten im trockensten Alltag :

: mein allererster Nadelfilz-Versuch, ein dünner, ziemlich bunter …ähm… Fliegenpilz (oder so), nach einer wundervollen Vorlage vom Living Crafts-Blog- meine Sehnsucht danach, wenigstens einen winzigkleinen Splitter vom Filz-Talent meiner Mama geerbt zu haben. Und eines Tages vielleicht genauso schöne Dinge aus roher Wolle zum Leben erwecken zu können wie sie… :

Es wäre bestimmt spannend, die vielen Kostbarkeiten im Bloggerland einmal genauer zu analysieren: Ich glaube, viele verraten viel mehr über ihre Künstlerinnen, als es auf den ersten Blick erscheint …

PS. Gaaaaaaaaaaanz wahnsinnig happy machen mich auch euer wunderbaren, lieben Comments und Mails!!! Ich bin immer ganz gerührt und überwältigt, gerade in letzter Zeit wieder, wie viel Freundlichkeit mir da entgegenweht… Das tut SO gut!!!!  VIELEN Dank aus allertiefstem Herzen an euch!!!!!!!!!!!!!!

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