Monatsarchive: August 2011

Ich will

Kennt ihr das? Dieses Gefühl, innerlich zu vibrieren, wie eine Pappel im Wind? Und das ganz ohne Kaffee (naja, fast ohne).

Wenn man merkt, wie einem jeder Ton ins Ohr schneidet und die Hektik nur so aus den Poren tropft, obwohl es im Grunde weder einen Grund gibt zur Eile, noch dafür, sich unter Druck gesetzt zu fühlen. Denn da ist niemand, der mich antreibt, keiner, der mir Noten verteilt für meine tagtäglichen Leistungen (oder Misserfolge). Der Tag liegt brach. Ich bin so frei, wie man als daheimbleibende Mama dreier kleiner Kinder nur sein kann. Im Grunde könnte ich tun und lassen, was ich will. Nur: Was will ich? Was will ich eigentlich?
Der Tag liegt noch kaum angefangen vor mir, ich spüre wieder dieses innere Pappelzittern und weiss genau, dass ich heute irgendwas ganz Besonderes brauche. Irgendetwas, das mich stark macht, mich wärmt und einhüllt, einen kleinen Freudenfunken in mir entfacht, etwas, das dieses Beben in mir zur Ruhe bringt.  Ja, ich brauche will irgendwas… Nur… was?

 

Neben meinen Füssen sehe ich die unschönen Sprenkel überall auf demn Fussboöden, die weder Farbe sind noch Holzmaserung, sondern einfach nur Dreck und nichts anderes.
Das will ich nicht, soviel steht fest.
Ich höre die Kinder oben streiten, während ich meine Kaffeetasse mit beiden Händen festhalte wie einen Pausenanker. Erst 10 Minuten sind sie wach. Aber das Gezanke geht schon mindestens drei Stunden, könnte ich schwören.
Das will ich auch nicht.
Ich werfe im Vorbeigehen einen Blick in meine Agenda. Um ein Haar hätte ich mittwochs den Arzt-Termin mit meinem Mädchen vergessen. Um 1 Haar! Den Geburtstag einer meiner besten Freundinnen habe ich verpasst, und den meiner Schwester auch *schäm*…
Wie könnte ich so etwas wollen?
Ich sehe hunderttausende von Baustellen in meinem Alltag, meinem Haushalt, meinem Leben, ich sehe manchmal nichts als Unordnung, Kinderzwist, verlauerte Termine und meine eigenen Mängel, und jeder einzelne dieser Bereiche, wirft mir denselben Satz zu: “Du musst das in Ordnung bringen, Frau Kirschkernzeit!”

 

Ich will Ordnung, Frieden, System. Ich will, dass es funktioniert. Alles. Reibungslos.
Oder immerhin manches. Besser.
Ich will… End-Resultate. Und ja, ich sehe es ja ein: End-Resultate lassen sich nicht kaufen. Nicht einmal herbeiwünschen. Nur erarbeiten.
Aber genau dazu fehlt mir so oft die nötige Kraft. Dieser Endlos-Reigen an Anforderungen überfordert mich immer wieder, selbst wenn viele darunter wirklich läppisch sind, Peanuts.Was ist schon dabei, einen Fussboden zu staubsaugen, den Kindern nach dem Essen die Zähne zu putzen, ihnen eine Geschichte vorzulesen, wenn sie sich verloren fühlen, die Tomaten zu giessen (das bitte, bevor sie halbverdorrt den Boden küssen), oder zur rechten Zeit eine nette, kleine Glückwunsch-Karte an einen netten Menschen zu schreiben? Peanuts…

 Aber für mich werden diese Peanuts manchmal zu einem Berg an Erdnüssen, die bedrohlich aussehen, wie dicke, rollende Bomben. Dann sehen ich mich wieder unvermindert stark nach… etwas Undefinierbarem. Nach den Endresultaten, die Ordung und Freude, Geborgenheit und Sicherheit in sich tragen. Natürlich. Klar.  The big picture. Die Zukuft, auf die ich immer noch hoffe und die ich im Auge behalten möchte.
Aber jetzt, genau jetzt, heute, an diesem Tag; Was brauche ich heute? Wonach fragt mein pappelzitterndes Ich?
Womit wir wieder beim Anfang dieses Posts angelangt wären. Wahrscheinlich, weil ich die Antwort für heute selbst noch nicht gefunden habe (bestimmt aber noch weitersuchen werde, keine Bange):
Was will ich wirklich? Was tut mir gut?

Manchmal, wenn ich keine Antwort auf Fragen wie diese finde, wühle ich in der Stifte-Schublade, ziehe einen meiner Edding-Stifte hervor und setze mich für eine kleine Weile draussen auf Treppe. Dann zeichne ich. Ohne Sinn und ohne Zweck, einfach nur rhythmische Muster und Spiralen in langsamen Strichen immer im Kreis. Wie Spitzendeckchen. Oder Mandalas. Um die Zitterpappel in mir zur Ruhe zu bringen.

  

 Meistens hilft es.



Veröffentlicht unter aus meinem tagebuch | 25 Kommentare

Wochen-Ende

Diese Woche endet…
… mit einem weiteren rauschenden Sippentreffen,
umringt von früchte-tragenden Weinreben
und Wettrennen veranstaltenden Wolken und Kindern …
… im Duft von Rosen, die einen Hauch der Extravaganz vom gestrigen Abend
hinein in meine alltägliche Familien-Küche retteten …
 … mit einer kleinen Pfütze Apfelgelee, und drei randvollen Einmachgläsern,
diesmal kombiniert mit vollreifen Williams-Birnen und einem Hauch Zimt …
 … begleitet von diesem Prachtskerl von Kürbis, der mit seinen 5 kg Gewicht
wahrscheinlich Suppe für eine ganze Armee liefern wird …
 … im Flow von noch mehr Filz und ein klein wenig Häkelei,
wobei das Filzen bei weitem grössere Schritte machte als meine Häkelweste
(naja, immerhin 2 Reihen, wir wollen dankbar bleiben…)
 … mit kleinen Schauern des Entzückens, sobald mein Blick von der Küche aus
auf diesen zauberhaften Scherenschnitt fällt,
den ich beim Trödler entdeckt und freudestrahlend mit nach Hause gebracht habe.
Glaubt mir, dieser Scherenschnitt und ich sind füreinander gedacht
… immer in Bewegung irgendwie aber trotzdem gemächlich und gemütlich,
geborgen im Schoss der Familie.
 Und jetzt bin ich müde. Bettreif schon nachts um halb zehn (naja, es wurde auch recht spät die letzten zwei Nächte…). Aber bevor ich mich zu meinen lieben unter die Decke verkrieche,  pflück ich noch rasch die grüne Wolle und meine Häkelnadel aus dem Durcheinander, das nach solchen Tagen zurückbleibt.
Ein paar Reihen mehr… zum meditativen Ausklang.
Und für nächste Woche freue ich mich auf…
  • ein erstes fertiges Mutter-Kinder-Filz-Projekt
  • Kürbis in allen Variationen
  • Häkel-Stäbchen bis zum Umfallen, denn sobald ich die Halspasse meiner Weste fertig habe, wird es kaum noch etwas anderes zu häkeln geben. Nicht gerade spannend, aber äusserst Kleinkinder-kompatibel
  • einen Morgen ganz allein in der Stadt, wo ich im neu wiedereröffneten kleinen Woll-Laden vielleicht nach Garn für Shalom Nr. 2 sehen könnte- oder einfach nur Kaffeetrinken und mein Tagebuch vollkritzeln…
  • einen langen Spaziergang mit den Kindern in den Wald. Das milde Wetter verlangt geradezu danach.
  • einen Abstecher zum Bauern für Milch und frische Eier und noch mehr Äpfel, damit ich meinen Dörrex endlich ausprobieren kann.
  • ein rasches Näh-Projekt (oder auch zwei, wenn sie wirklich schnell sind), wie den Kinderturn-Beutel, den Kind2 gerade ganz dringend brauchen könnte
  • in bisschen mehr Schlaf (3:30 war definitiv zu spät)

Und welche Alltags-Freuden erwarten euch?

Veröffentlicht unter Wochen-Ende | 11 Kommentare

Ich bin dankbar für…

 
… dieses ungeheuer belebende … 
… und alle möglichen Kräfte mobilisierende Gefühl,
das einem durchströmt …
… wenn man sich endlich,
nach viel zu langer Zeit …
… an Dinge wagt,
die man sich eigentlich nicht zugetraut hätte…
Das war ein Spass!
 Und zudem wirklich gar nicht schwierig (ganz, ganz ehrlich).
Ich bin den fantastischen Anweisungen aus meinem allerliebsten Kinderbastel-Buch gefolgt: “Der neue Ravensburger Bastelspass” (auch in meiner Bücherliste ganz rechts, by the way) hat ein ganzes Kapitel an Filzsachen zum Selbermachen, mitunter wirklich zauberhafte Dinge, die trotzdem noch “un-perfekt” genug aussehen, um die eigene Fantasie zu beflügeln und sich selber einfach mal im Tun zu versenken. Ich meine, das hier ist nur eine … ähm… Filzdecke oder ein Spielfilzteich für Legomännchen oder ein Kaffeetisch-Deckchen oder so, aber ich denke, doch, aus dieser neuen Bekanntschaft, ich und der Filz, könnte eine tiefe Freundschaft entstehen.
Um nicht zu sagen eine Liaison…
  Ich kann es euch wirklich ans Herz legen. Das Buch und das Filzen.
 Nur Mut!
Veröffentlicht unter Filzen, kreative Ideen | 13 Kommentare

this moment

Nach einer Idee von Soulemama: Freitags Fotos, eine Erinnerung.  
Nur wenige Worte. 
   Ein immergleiches Ritual zum Wochen-Ende, wenn der Blick zurückfällt und es Zeit wird für eine Pause.

 
Selbstvertrauen
Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...
Veröffentlicht unter this moment | 7 Kommentare