Monatsarchive: Juli 2011

Von der Natur… auf den Tisch

Nicht dass ihr glaubt, ich sei eine leidenschaftliche Köchin. Bin ich nicht. Definitiv.
Aber es gibt immer wieder Phasen, in denen ich es lieber bin als in anderen…
Meistens sind es die Jahreszeiten, die wechseln und ihre besonderen Früchte, Beeren, ihr eigenes Gemüse mitbringen, und damit etwas ablösen, das wir wirklich bis zum Schluss ausgekostet haben
(und manchmal -offen gestanden- fast nicht mehr sehen können).
Verwöhnprogramm das ganze Jahr über: Holundersirup vom Frühjahr.
Ich bin zwar nicht sehr fürs süsse Trinken, aber ehrlich, hausgemachtem Sirup
kann ich wirklich nur schwer widerstehen…
Kurz aber intensiv: Kirschen zB. für Clafoutis.
Die wunderbaren, schweren, tiefschwarzen Kirschen aus Basel sind so sinnlich
und schön und süss… Und die Kirschen-Saison wie immer viel zu kurz.
Wenn die Schnecken was übrig lassen und ich mich zum Rüsten durchringen kann…
Garten-Salat mit Schnittlauch, Minze, Apfelstückchen und meiner Lieblings-Sauce
mit Balsamico, in die ich immer ein wenig Honig einrühre.
Seltene Fülle: Basilikum und Johannisbeeren.
Bisher ging mir vor allem der Basilikum immer rasch ein, aber in diesem Jahr reicht es sogar
für ein paar Gläser Pesto Genovese!
Und Johannisbeer-Gelee, das aussieht wie rotes Glas im Glas…
Blüten zum Doppeltgeniessen, mit den Augen und dem Gaumen.
Ich schneide ab und zu ein wenig Kapuzinerkresse und Ringelblumen fein und
gebe sie dann zB. in den Kräuterquark, den Kind2 unheimlich zu Pellkartoffeln liebt.
Unsere Garten-Königin: Die Zuchini!
Sie beherrscht nicht nur ihr Beet 😉 Gebraten, gefüllt, in der Tomatensauce oder
als Zuchetti-Sauce- Zuchetti ist momentan fast überall drin.
Sehr zum Ärger von Kind1, der inbrünstig hofft, dass seine Kürbisse
eines Nachts das Zuchinibeet überfallen und vernichtend schlagen würden, hihi…
Unsere Lieblinge: die süssen, kleinen Cherry-Tomaten!
Mein Mädchen stibitz sie meistens gleich frisch vom Strauch, aber auch so reicht es
immer wieder für einen Tomaten-Mozarella-Salat oder dieses herrliche Rezept von Monalisa,
bei dem ich mich so richtig freuen konnte über die Verbindungen,
die das Bloggen so schafft, und das bis hinein in unsere Kochtöpfe…
Exotisch: Randen.
Ich habe in meinem ganzen Leben noch keine Randen gekocht, geschweige
denn gepflanzt oder geerntet. Bis jetzt. Und ich sage euch: das war nicht das letzte Mal!
Der intensive, rote Saft, der mich früher immer gestört hat beim Schälen und Schneiden
meiner vakuumierten Kaufhaus-Variante, kommt mir jetzt plötzlich wunderschön und
ungeheuer faszinierend vor.
Wie kann eine simple Knolle nur eine so wahnsinnig ausdrucksvolle Farbe haben?
 Das Wunderbare am Kochen mit den Jahreszeiten ist wahrscheinlich gerade dieses Prinzip von Überfluss und Genuss– bis man übersatt ist. Und etwas Neues kommt. Genau dann, wenn wir es brauchen. Ist das nicht wunderbar?
So schwingt das Pendel immer hin und her… und hin und her… und steht nie still.
Genau wie das Leben da draussen.
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Das Wunder im Pfefferminz-Sirup

Gerade kocht es fast über in meiner Küche (also bildlich gesprochen): Der Sommer bringt so langsam aber sicher seine Ernte ein, und ich versuche, so viel ich kann davon zu verarbeiten. Zumindest mehr als die letzten Jahre über, was keine besonders grosse Kunst sein dürfte *grins*
Es ist schön, unser Essen aus der Erde zu ziehen oder von den Büschen zu klauben, und damit in die Küche zu kommen, und besonders gerne arbeite ich mit Kräutern: Dieser Duft, der einem dabei umgibt, verzaubert meine Küche für eine kleine Weile in eine… sinnliche Oase.
Bei Pfefferminze ist dieses Gefühl besonders intensiv, denn ihr Geruch fliegt einem um die Nase wie eine wilde kleine Libelle.
Kein Wunder fühlte sich mein Mädchen letzten Samstag so wohl bei mir in der Küche. Wir setzten nämlich Pfefferminz-Sirup an, unseren allerersten Pfefferminz-Sirup!
Wie verzaubert zupfte sie Blättchen von den abgeschnittenen Minze-Zweigen und verteilte das meiste davon gleich in die halbe Melone, aus der sie immer wieder ein Stückchen herausfischte. Als Zwischenstärkung.  Oder Puppensuppe. *Hach* Kinderküche… Süsser als Schokolade…
Die Minzeblätter kamen dann für 24 Stunden in eine Schale mit Wasser und aufgelöster Zitronensäure. Ich bin mir nicht ganz sicher, warum das sein muss, weil man die Pfefferminze für Tee ja auch direkt im heissen Wasser ziehen lässt und der Geschmack sich dabei voll entfalten kann… Aber das Rezept wollte es so, und wo ich sowieso gerade lerne, mich an Rezepte (oder Strickanleitungen *räusper*) zu halten, nahm ich die Gelegenheit gleich mal wahr. Also ein Säurebad für meine Pfefferminze.
Aber nicht nur für die…
Als ich nach etwa 2 Stunden das Grün in der Schüssel ein bisschen bewegte, kam mir ein Zweiglein in die Hände, an dem ein kleiner, fast durchsichtiger Schmetterlings-Kokon hing. Das arme Kerlchen… Mir tat der Anblick allein schon richtig weh: Nach 2 Stunden Säurebad war hier wohl nicht mehr allzu viel Leben hinter den hauchdünnen Wänden… Ein trauriges Ende.
Raupen in der Pfanne, Kokons im Sirup… Wenn das Essen aus dem Garten kommt, wird einem so richtig bewusst, dass sogar dieser Garten nicht uns gehört. Er ist kein Zimmer. Er ist ein zur Verwaltung geliehenes Stück Natur, das wir mit all dem Krabbel-, Kriech-, und Flattergetier teilen müssen.
Erst gestern hab‘ ich mit meiner Mama telefoniert und ihr von den Raupen erzählt, die mein Gemüsebeet bevölkern.
„Ich habe noch keinen einzigen Schwalbenschwanz gesehen in diesem Jahr“, sagte ich. „Und auch kein Tagpfauenauge. Aber Kohlweisslinge gibt es in Massen. Die ganze Zeit flattern ein paar im Garten herum.“
„Ja“, antwortete sie, „es gibt wirklich viele dieses Jahr. Viel zu viele. Eigentlich sind sie fast schon Schädlinge.“
Dann züchte ich also Schädlinge in meinem Kohl, überlegte ich ein bisschen nachdenklich und nahm mir vor, zumindest keine ihrer grünen oder gestreiften Raupen in mein Schmetterlings-Hotel zu lassen…
Heute vormittag stand ich draussen im Garten, und sah den Kindern auf dem Trampolin zu, als ich plötzlich etwas Flatterndes in unserer Schmetterlings-Kiste bemerkte… Ein weiss-gelblicher Falter mit zwei schwarzen Punkten an den Flügeln…
Ein Kohlweissling!
Geschlüpft aus dem Kokon, der ganze 2 Stunden lang in Zitronensäure eingelegt war. Ich hatte es nicht übers Herz gebracht, ihn einfach so mit den Grün-Abfällen zu entsorgen und ihn  ins Hotel gelegt. Zum Vergessen. Und er? Er hat überlebt! Ich traute meinen Augen kaum. Und glaubt mir, ich habe mich gefreut wie noch über kaum einen anderen Falter in diesem Jahr.
Ich jubelte die Kinder herbei, staunte und guckte, und konnte es kaum fassen, wie robust so ein kleines, zerbrechliches Tierchen sein kann… Dann öffnete Kind1 den Verschlag für ihn. Als er hinaus in die Freiheit flog, hinaus zu seiner eigentlich viel zu grossen Familie über unseren Blumenrabatten, musste ich an Phoenix  aus der Asche denken.
Ich lächelte.
Ich lächelte auch, als ich eben, mit Einkaustüten beladen, an unserem Schmetterlings-Hotel vorbeikam.
Und mit den Kohlweisslingen sehe ich das so: Ich züchte sie nicht. Keineswegs.
Ich gewähre ihnen nur Asyl 😉
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Naturtalent

Heute ist nicht mein Tag. Ich fühle mich aufgequollen und allem überdrüssig, was dieser Tag mit bieten könnte. Ich komme mir unnütz vor und unbeachtet und von der Welt vergessen.
Und obwohl ich weiss, dass Tage wieder dieser mit dazugehören zum Leben, nicht anders als die schönen, hellen, in denen man platzen möchte vor Lebens-Lust, macht das keinen Unterschied. Gefühle sind Gefühle: Sie fühlen sich jedes Mal von neuem an, als wäre man ihnen noch nie zuvor begegnet. Ihre Kraft und Intensität nutzen sich so langsam ab -wenn überhaupt- dass man es eigentlich kaum bemerkt.
So hat Gott es eingerichtet, und im Grunde bin ich sehr dankbar für den Gefühlsreichtum, diesen  grossen Schatz, der für uns in unseren Herzen bereit liegt . Von Geburt an (oder schon zuvor?).
Und ich weiss: Wo Licht ist, ist auch Schatten.
Immer. In der Natur, wie in der Seele.
Aber, wie gesagt, Gefühle haben diese Macht und zeitweise einen enormen Geltungsdrang. Sie wollen die Weltherrschaft über ihre eigene, kleine Menschheits-Geschichte und besetzen manchmal gleich das ganze Herz.
So wie heute eben. Wo diese leise, aber beharrliche Traurigkeit versucht, mich mit Haut und Haaren einzulullen, und es auch schaffen würde- wären da nicht diese 3 kleinen Menschen in meinem Leben
… mein Mädchen, wie sie sich still vergnügt in ihrem Sand vergräbt, dem Sand auf ihrer Haut, in ihren Händen, dem Wasser, dem Schlick so völlig hingegeben, dass sich in mir ein Knoten löst und mir das Herz aufgeht, während ich beobachte, wie glücklich sie ist in ihrer Welt.
… mein kleiner Junge mit seinem verschmitzten Lächeln und der entwaffnenden Art, mit der er -völlig unerwartet- Charme und Humor sprühen lässt, so dass ich einfach losprusten muss und mir einen Grossteil der Schwere von der Seele lache.
… und mein Sohn, mein Grosser. Der einfach nur wortlos die Arme um mich legt, weil er spürt, dass mich etwas bedrückt. Verbundenheit, die Wurzeln schlagen lässt.
Ich finde nicht, dass Kinder uns glücklich machen müssen. Oder uns trösten. Das ist nicht ihre Aufgabe.
Aber genau das tun sie so oft, nicht wahr?
Jedes auf seine ureigene Art, ohne es zu wissen vielleicht und immer, ohne etwas dafür zu erwarten.
Es liegt wohl irgendwie in ihrer Natur.
Danke. Danke, ihr drei.
PS. Also eigentlich war dieser Tag gestern… und heute geht es mir schon wieder sehr viel besser. Nicht, dass ihr euch noch Sorgen macht;-)
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What makes me happy: Ich und mein Garten

 

Oder besser : Mein Garten und ich?
Egal, auf alle Fälle scheint es eine spezielle Beziehung zu sein zwischen uns. Eine einseitige noch dazu, denn während ich (zeitweise) doch Freude, Zuneigung und Dankbarkeit empfinde diesem Fleckchen eigener Erde gegenüber, wenn zB. die Tomaten reifen oder das Schmetterlings-Beet von Kind2 als orange-weisses Blütenbeet aufflammt, kümmert er, also mein Garten, sich so gut wie gar nicht um mich.
Er ist freiheitsliebend und weiss genau, dass mir die Geduld und die Leidenschaft fehlen, ihn so richtig nach allen Regeln der Gartenkunst zu domestizieren. Des Lebens von Herzen froh, wuchern seine Schlingpflanzen. Im Broccoli-Beet wütet der Kohlweissling, und die Radieschen, so wunderschön ihr Pink auch leuchtet, sind uns allen einfach eine Spur zu scharf und werden darum in der Erde vergessen, bis sie zu Riesenradiesen werden. Oder der Salat zum Leuchturm in seinem Beet, weil ich zu faul bin zum Waschen und Sezieren…
Es ist immer dasselbe: Im Frühling blühe ich zur Höchstform auf im Garten. Es ist diese grosse Lust auf Grün und Luft und Veränderung nach den graubraunweissen Monaten. Ich steche um, plane Beete und bin bei all dem mit wilder Vorfreude erfüllt. Jeder Keimling wird begrüsst wie ein König. Oder eine neues Baby. Jedes schön verwurzelte Pflänzchen macht mich stolz. Jede frisch erblühte Blume unterstreicht meinen Vorsatz: In diesem Jahr! In diesem Jahr wird das ein richtiger Garten. Ein Familiengarten. Mit Gemüse, Beeren und Blumen. Ein Garten, der uns mit Essen und Schönheit versorgt, von und mit dem wir leben. Und ich, ich werde seine Gärtnerin sein.
Es klingt, wie eine Liebeserklärung.
Und das ist es auch!
Nur leider verflüchtigt sich diese erste Verliebtheit schon nach ein paar Wochen oder spätestens in der Hitze des Sommers. Wie gesagt, mein Garten liebt seine Freiheit. Er greift nach den Sternen, wo er nur kann, buchstäblich, Zuchetti und Kürbis klammern sich überall fest, die Bohne versucht sogar, die Wolken zu fassen zu kriegen…

 

Zuerst schiebe ich dem allem einen Riegel, schneide zurück, binde ab oder hoch, zupfe freche Wicken und fiese Hahnenfüsse… Aber irgendwann bin ich es einfach Leid, immerzu die Spassverderberin spielen zu müssen. Also lasse ich es wuchern, kringeln, überschäumen.
Und schliesse Frieden mit den salatfressenden Schnecken, den Erdkröten, den Würmern und Junikäfern oder mit den Raupen im Broccoli. Von dene ich kürzlich übrigens eine mitgekocht hab‘. Schön durchgegart lag sie neben den Broccoli-Röschen im Dampfkochtopf. In mir kämpften Tränen mit Ekel. Den Kindern hab ich nichts davon erzählt, sondern das arme Tierchen nur stumm ähm… entsorgt. Und dann meine Portion Gemüse an die Kinder verteilt 😉
Dieser Garten, so klein und wild und eigensinnig wie er ist, ist wichtig für mich. Sehr sogar. Er ist ein Teil meines Zuhauses und mein Tor zur Natur. Zur Natur, so wie sie eben ist, voller Leben und Getier und dem Kampf ums Überleben, ungeschönt, authentisch. Ich merke, wie ich manchmal zurückschrecke vor ihren hässlichen Seiten, dem Gekrabbel und Gekrieche oder dem Fressen oder Gefressenwerden. Spinnen und Engerlinge lassen mich aufquieken, ich gerate schon beinahe in Panik, wenn  mir beim Umgraben ein Wurm begegnet und  ich hasse es, zu sehen, wie die Ameisen über einen Falter herfallen.
Aber all das gehört dazu. So ist das Leben. 
Danke, lieber Garten, dass du mich immer wieder daran erinnerst.
Du bist mir ein wunderbarer Lehrer. Auch in Sachen Loslassen-Lernen…
Ich bin dankbar, dass ich dich habe.
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Veröffentlicht unter what makes me happy | 14 Kommentare