Monatsarchive: April 2011

Regentage

Draussen

… schimmernde Tropfen … wolkenverhangen wohin das Auge reicht … grau aber hell die Tage… durstig schlürfende Natur …  fruchtbare Böden, die sich vollsaugen wollen … schwach schimmerndes Abendrot … Lebensquelle Wasser …
Diese paar Tage Regenwetter wurden sehnlich erwartet und dankbar entgegengenommen: Endlich kann die Natur sich wieder satt trinken! Ich spüre, wie mir das Herz leicher wird, mit jedem Tag Regenwetter.
Drinnen

  

… auch kleine Schrittchen wertschätzen … sich zusammen freuen an gemeinsam Gemachtem … eine Schemel-Husse zusammenschnurpfen und glücklich sein dabei … heisser Earl Grey mit Zucker … Kinderkunst zum Verschenken … Glücksstoff-Seiten … auf der Suche nach dem richtigen Projekt …
“Heute ist der Beginn eines guten Tages”, sagt Kind2 beim Frühstück und kriecht zu mir auf den Schoss. Ich sehe ihn an und muss lächeln.
Wie Recht er doch hat, mein Junge!
Veröffentlicht unter Familienalltag | 9 Kommentare

this moment (in Worten)

Als abends um sieben -wir sind bei Oma und allen zu Besuch- der Regen aus den Wolken stürzt und dicke Tropfen auf die Erde klatschen, läuft Kind2 hinaus auf die Terasse. Einen Moment lang bleibt er stehen, die Schultern leicht hochgezogen in angespannter Erwartung auf das, was von oben kommt.
2 Sekunden Stille.
Doch dann bricht es aus ihm heraus, mit einem lauten, ehrlichen Juchzer, die Augen blank wie Tropfen, die Handflächen offen wie Sprungtücher; die Freude am Leben. Pur. Ohne auch nur einen Kleckser Trübung.
Mein Mädchen, das all das aufmerksam beobachtet hat, lacht auf und rennt zu ihm hinaus in den Regen…
3 Minuten später sehe ich sie auf den Knien über eine Pfütze gebeugt, halb darin badend (sie ist ja noch so klein…), wie sie versucht, das Wasser von den Steinplatten zu trinken. Ihre klitschnassen Brüder spielen Fangen mit dem jüngsten Onkel, den sie haben, dass es nur so spritzt auf alle Seiten. Das Lachen und Quietschen mischt sich mit dem Prasseln des Regens um mich herum.
Und inmitten all dieser überbordenden Fröhlichkeit steht nass und wunderschön meine Schwester (auf den Tag genau 26 Jahre alt). Ich sehe ihr zu, wie sie barfuss durch die Pfützen tanzt, bald mit meinem kleinen Mädchen an der Hand, das mich in so vielem an sie erinnert.
Perfect Bliss…
Ein Augenblick, zu dem ich sagen möchte :”Verweile doch, du bist so schön.” Den ich festhalten möchte… und gleichzeitig dankbar bin, keine Kamera zur Hand zu haben: Mit offenen Augen, ganz dem hingegeben, was ich sehe und mit-erlebe, fange ich in diesem Augenblick vielleicht viel mehr davon ein als hinter einer Linse, die vorgibt, die Vergänglichkeit des Lebens aufhalten zu können…

This moment.
PS. Das Bild stammt aus einem anderen Augenblick, damals während meiner Foto-Reihe. (ich habe dann das mit dem Regenmäntelchen gewählt für meinen Tages-Post)… Aber wunderbarerweise sind die Gefühle, die es auslöst bei mir so schön ähnlich… Gute Momente finden sich wohl wirklich überall und immerzu, nicht?
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Mein allererster Woll-Pullover in Erwachsenengrösse

Ich kam, sah und siegte. (Ähäm… nun ja, ich dachte, ein wenig Pathos wäre angebracht). Ihr wart übrigens klasse Anfeuerinnen: Danke euch allen!
Auf alle Fälle trage ich gerade, nebst dem Sieg über -genau, mich selbst- diesen kuschelweichen, wunderbaren Woll-Pullover, mit roten Backen vor lauter Stolz. Die könnten aber auch von der Hitze kommen: Bei +18 Grad wird es einem doch etwas warm in diesem Teil…
“Was willst du denn jetzt noch mit nem Strickpulli, wir haben Hochsommer?” hat Sarah von Alfarascha nach meinem letzten Post (augenzwinkernd) gefragt. Hochsommer? Das könnte tatsächlich in etwa hinkommen. Es ist so sonnig und trocken, die Kirschblüten längst alle verwelkt, dafür leuchtet es wieder goldgelb von den Wiesen, wo Löwenzahn und Hahnenfuss um die Vorherrschaft kämpfen. Sommerhoch im April. Liebe Sarah, da stehen die Chancen doch gar nicht so schlecht, dass der Herbst nicht lange auf sich warten lässt, oder? Und bis dahin wird es uns bestimmt nicht langweilig, meinem Pulli und mir. Wahrscheinlich kommt der erst gar nicht zum Kleiderschrank, sondern strandet irgendwo in Eingangsnähe, wo er gnadenlos jedem Besucher vorgeführt wird (Meine Leute sind geduldige Menschen, gottseidank).
Schliesslich war es ein langer, wenn auch schöner Werdegang, der hinter und uns beiden liegt, etwas mehr als vier Wochen, die wir intensiv zusammen verbracht haben. Damals ganz zu Beginn zum Beispiel, dann hier, als der Frühling sich langsam zeigte, immer wenn meine Kinder sich draussen tummelten und ich mich für einen Moment frei genug fühlte für ein paar Reihen… In so vielen Momenten klapperten die Nadeln, manchmal kurz, manchmal länger…
 Wir hatten von Anfang an eine gute Zeit, wir zwei.
Die Anleitung habe ich von Drops. Das Garn aus meinem Dorfbrocki. Ein Glücksfund, ganz zweifellos: 11 (oder waren’s 12?) unversehrte Knäuel samt Banderole für 20 Fr. (also ca. 12 Euro). Schurwolle, Mohair und ein kleiner Anteil von 7% Syntethik. Um den bin ich eigentlich doch noch recht froh, muss ich sagen, denn das Garn ist eher locker und unregelmässig versponnen und dieser Extra-Halt könnte daher ganz nützlich sein. Normalerweise kaufe ich radikal nichts Synthetisches, weder zum Anziehen noch zum Verarbeiten, aber hier stimmte der Preis, die Farben waren Liebe auf den ersten Blick, die Garnstärke passte in etwa zum Strickmuster, in das ich mich kurz vorher verliebt hatte… da drückt man schon mal ein Auge zu, nicht? Und ich mag das flauschige Gefühl auf der Haut. Fühlt sich 100% natürlich an, würde ich sagen.
Das Stricken an sich war… ein Wunder! Bis auf den einen Patzer, von dem ich euch im letzten Post berichtet habe, lief alles problemlos (uff!). Fast unheimlich war das… Obwohl, da gab es eine kurze Phase mit anschliessendem Aufribbeln (bloss wenig), in der mich plötzlich das Vertrauen in die Anleitung verliess. (Ich hege tatsächlich ein latentes Misstrauen gegenüber Anleitungen. Will mir das vielleicht irgendetwas sagen?)
Ärmel und Körperteil werden jeweils nahtlos in Runden gestrickt (Nadelstärke 4.5 in meinem Fall), was mir sehr recht kommt, weil ich nichts mehr hasse als stundenlang Strickteile zusammen zu puzzlen. So supereinfach, dass es eine wahre Freude ist!
Alles in allem muss ich sagen: Einen Tusch für das Drops-Team, das mit diesem Pullover ein echtes Lieblings-Stück kreiert hat! Wunderbar die Anleitung, wunderbar das Stricken, wunderbar das Ausarbeiten, wunderbar das Resultat, wunderbar das Tragen. (Das findet übrigens auch Pia Holzknopf von Kreatives aus dem Moos: Unglaublich, aber wir beide hatten dieselbe Idee! Wunderschön…)
Ich bin richtig rundum glücklich gerade, Freunde!
Da gibt es nur ein klitzekleines Problem.
Seit das letzte Fadenschwänzchen vernäht ist, langweilen sich meine Hände schaurig…
Ich fürchte fast, die warten auf mehr!
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Der Countdown läuft…

Sonntag-Nachmittag.
Ich sitze auf einem unserer verblichenen Klappstühle draussen im Garten und stelle mich endgültig der Herausforderung: 1 fertiger Strick-Pullover Ende dieser Woche. So war es abgemacht. Zwischen mir und… ähm.. mir. 

Die Sonne wärmt uns, trotz Wolkenvorhang (perfektes Timing für einen dicken, warmen Wollpulli also) . Von der alten Zinkwanne her plätschert es ununterbrochen; mein Mädchen klatscht Tücher und Plüschtiere ins Wasser, steigt rein und raus und saugt den letzten Tropfen aus ihrem pitschnassen Teddy. Die Jungens kreischen vor Vergnügen. Während sie mit ihrer Grossmutter ein gemeinsam erfundenes Ballspiel ausprobieren, sausen sie im Trampolin wie wild durch die Luft (Trampolinball… oder so ähnlich). Vor allem Kind1 fliegt dabei immer höher und höher. Dieses Kind ist kein Floh, nein, es ist eine Rakete. Ich würde mich nicht wundern, wenn es plötzlich zischte und knallte, und er mit Karacho davonflitzen würde, ab in den Weltraum, um ferne Galaxien zu erforschen…
Merkwürdig eigentlich, dass ihn dieses Thema nicht stärker interessiert. Seine schönsten Zukunftsvisionen spielen sich eher in einem sauberen Luxus-Büro in der Grossstadt ab, zwischen edlen Möbeln, wo er in seinem Chef-Drehsessel thront, vor einem gigantischen Flachbildschirm, Prinzenrolle-Kekse in seinen Kaffee tunkt und Millionen bis Milliarden verdient, während er so tut, als würde er arbeiten. (In Wahrheit spielt er alle Computer-Games, die ich ihm bis dahin vorenthalte *kicher*). Hach ja, süsse Kindheitsträume…
Kind2 lacht genauso laut und schadenfroh, wenn das Grosi beim Spiel den Ball verfehlt. Er kann sehr ausgelassen sein, mein Sandwich.Kind, hat immer ein Scherzchen auf Lager… trotzdem wirkt er niemals so aufgeladen wie sein grosser Bruder, den er liebt, verehrt, anbetet. Auch jetzt sehe ich, wie glücklich es ihn macht, einfach nur mit mit ihm zusammen zu sein. Zwei Bruderherzen, vollkommen verschieden… und schlagen doch im selben Takt.
Solche und andere Gedanken gehen mir durch den Kopf, während ich mich Masche um Masche voran arbeite.

Plötzlich halte ich inne. Ein mulmiges Gefühl beschleicht mich: Stimmt die Maschenzahl wirklich??? Ich lese nach, rechne nach, zähle nach… Mein umgerechnetes Ergebnis stimmt, meine Maschenanzahl nicht. Also  wieder aufribbeln… Zum Glück nicht allzu viel. Er ist noch zu schaffen, mein Wettlauf gegen mich selbst, gegen die Versuchung aufzuhören, die Sachen entnervt zurück in den Strickkorb zu schmeissen und zu hoffen, dieser Pullover, mein grösstes Strickprojekt ever, stricke sich von selbst…
Nein, ich will das jetzt. Es schaffen. Mein Ziel erreichen.
Und der Countdown läuft…

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