Monatsarchive: Januar 2011

Winter

Wenn ich meinen Kopf ein paar Grad nach links drehe, sehe ich durch ein kahles Fenster, wie draussen kleine Schneeflocken unter der Strassenlaterne tanzen. Sie sind flaumartig weich und bleiben nicht haften, aber ja, es ist wieder Winter geworden. Der Schnee lässt sich nicht leugnen, trotz seines zurückhaltenden Auftretens. Schnee ist gut, so oder so. Und Winter bleibt Winter; kalt, beissend, stumm und edel.
Ich bin ihm gut gesinnt dieses Jahr. Keine Ahnung weshalb, denn im Grunde steht er auf dem allerletzten Platz in meiner Jahreszeiten-Hitparade. Gefolgt vom Sommer, mit einigem Abstand.
Doch wie gesagt, in diesem Jahr scheint der Winter mein Freund zu sein. 
Ich mag ihn irgendwie zur Zeit.
Ich mag…
 
 …die dunklen, sagenhaft langen Nächte 
aus denen Lebens-Lichter strahlen…
 … seine Schneekrumen überall
 …wie er Altes mit einer neuen Schicht Patina überzogen 
in den Frühling ziehen lässt…
 
 …die starken Kontraste, die er schafft und vertieft…
…Mützen immerzu und überall, 
sogar im winterkalten Auto, bis die Heizung greift…
Ganz besonders mag ich den Winter aber von weitem. Geborgen in meinem Zuhause, das niemals wärmer und freundlicher zu sein scheint als jetzt, wo die Kälte draussen klirrt wie Schwerter im Kampf.
Aber selbst Zuhause bleibt der Winter sichtbar…
 
 …auf dem Jahreszeitentisch…
 …in Kinderkunst-Werken…
 …in der Art und Weise, in der wir unsere Tage verbringen…
 …in den Details, verstreut im ganzen Haus, 
wie hier der alte Hirte mit seiner Herde Schafe, der mich erinnert 
an das Leben da draussen, an Wolle und das Glück, 
immer eine feste Zufluchtstätte zu haben…
 …an den Bergen von Büchern und Comics, 
verschlungen von meinen Kindern…
 …an den Sternen, oh ja, noch immer an den Sternen
die uns begleiten werden bis zum ersten Grün des Jahres…
 …an den verhängten Fenstern für ein Minimum an Privacy…
den ich noch immer gernhab‘ wie am ersten Tag…
Ich bin so wahnsinning dankbar für die Jahreszeiten und den Wechsel, den sie mit sich bringen. 
Für dieses Rad, das sich ständig weiterdreht…
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Projektwoche: Geduldsfaden

Ja, es gibt sie, diese genial einfachen und trotzdem schönen Projekte, die wir vor allem deshalb leidenschaftlich verehren, weil sie eines sind: schnell gemacht. Viele von euch sind Mütter oder arbeiten sonst sehr intensiv, aber die Flamme brennt, das kreative Feuer, und es sucht ständig nach Nahrung, egal ob euer Alltag es zulässt oder nicht.
Ihr kämpft darum. Oder lasst los für eine Weile und schickt den Geist auf Entdeckungsreise durch Strickbücher, Bastelhefte, kreative Blogs… bis die Zeit reif ist und die Hände wieder frei. (Ja, Maria, auch deine Hände werden wieder frei werden, vertrau mir ruhig.)
Es gibt sie, diese simplen Arbeiten, und wir alle lieben sie heiss.
Nur war das hier ganz bestimmt keine davon!
Das war minutiöses Arbeiten. Ausdauerndes Arbeiten. Konzentriertes Arbeiten. Hingebungsvolles Arbeiten.
Und ich habe jede einzelne Minute, die ich damit verbrachte, genossen!
Als ich letztes Jahr in Geninnes unglaublichem Kunst-Blog dieses süsse Vögelchen zum Nachsticken entdeckte- damals war es ja noch kaum Frühling und alles, was auch nur im Entferntesten frühlingshafte Gefühle in mir auslöste, brachte mich in Verzückung- da wusste ich sofort, dass mir keine Wahl blieb, dass das Schicksal schon entschieden hatte: ich musste so einen Vogel haben.
Besser gesagt, ich musste ihn machen.
Das tat ich dann auch.Ich zerschnitt eines meiner alten, leinenen Handtücher und übertrug darauf dann Geninnes Vorlage.

Stickfäden habe ich eine ganze Dose voll in Grün und Braun, Lila, Rosa, Gelb und Orange, alles zum Schnäppchenpreis aus dem Brocki, was mir irgendwie den Rücken stärkte, vielleicht weil ich mich richtig verschwenderisch versenken konnte in diese Fadenflut, ohne mich schon von vornherein im Woll-Laden auf Farben festlegen zu müssen.
Ich stürzte mich freudig auf die ersten paar Stiche… doch dann verliess mich der Mut irgendwo zwischen Köpfchen und Bauch. Ich liess andere Projekte vor, liess mich in den Sommer treiben, in einen wald-intensiven Herbst, strickte Socken und Hosen und Zwergenmützchen in einem schneereichen, verlangsamten Winter… und während all dieser Zeit verblasste auf dem alten Leinen die aufgebügelte Konturenfarbe.Als ich mein Vögelchen neulich wieder zur Hand nahm, motiviert von der Zuversicht eines frischen Jahres, blieb mir nichts anderes übrig, als alle verschwundenen Linien während dem Sticken freihand neu zu erfinden.
Sticken wie Malen mit Nadel und Faden.
Ich glaube, dieser Teil an der Arbeit gefiel mir eigentlich fast am besten…
Obwohl ich zugeben muss, dass ich mit dem Blütenkopf wirklich einen harten Kampf auszufechten hatte. Nie wurde er auch nur ansatzweise so wie ich ihn haben wollte, nicht einmal jetzt ist er so, wie ich ihn gerne hätte. Glücklicherweise ist Leinen hart im Nehmen und verzieh mir das viele Auflassen und Wieder-Neu-Sticken…

Jetzt hängt der kleine, freundliche Vogel im Wohnzimmer an der Wand, an einem eigenhändig eingeschlagenen Nagel. Ein so winzigkleines, unspektakuläres Bild, dem man die vielen Stunden Entstehungszeit eigentlich gar nicht ansieht. Ausser ich vielleicht.
Ich sehen ihn an, jedes Mal auf dem Weg zur Küche  (der ein vielgegangener ist) und sehe wie weit ein Geduldsfaden reichen kann, wenn man ihm nur Zeit lässt, sich langsam zu dehnen.

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this moment

Nach einer Idee von Soulemama: Freitags Fotos, eine Erinnerung.  
Nur wenige Worte. Kommentar-los (darum die ausgeschaltete Comment-Funktion).
  Ein immergleiches Ritual zum Wochen-Ende, wenn der Blick zurückfällt und es Zeit wird für eine Pause.
beim Vater
geborgen
this moment
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what makes me happy: small changes (zum Guten)

Draussen fällt Schnee; der Winter hat sich wohl erinnert, dass seine Zeit hier doch  noch nicht ganz um ist, und lässt es wieder frieren und rieseln, wie es sich gehört für Januar.
Das Licht ist herrlich schläfrig, geradezu romantisch und der Verkehr draussen besänftigt.
Mich macht das alles von Herzen froh. Nichts ist schöner als Dinge, die so sind wie sie sein sollten…
Inspiriert von der Frische und Sauberkeit draussen, habe ich heute eine kleine Sache angepackt, die mir schon länger ein Dorn im Auge war: das Badezimmerfenster.
Ungeputzt seit über einem Jahr und bisher mit einer Plastik-Fensterfolie von Ikea verkleidet, sah es einfach nur billig aus. Spätestens seit irgendwelche kleinen Scherzbolde mit den Fingernägeln „SOS“ und „LOL“ hineingeritzt hatten und sich die Ecken vom ständigen Rumknubbeln lösten, dann richtig hässlich
Folie also beherzt abgezerrt, Fenster sauber geputzt und in der Gerümpelkammer nach einer Lösung gesucht (ja, bei uns verstecken sich Lösungen mitunter auch dort). 
Et voilà: zwei süsse alte Baumwoll-Vorhänge mit aufgestickter Parkbank-Idylle. Die perfekte Aussicht fürs stille Örtchen…
Meine Schwiegermama hat sie letzten Herbst extra für mich aus einem alten, zum Abbruch freigegebenen Haus gerettet. Jetzt hängen sie in unserem XXS-Bad und machen mir eine lächerlich grosse Freude damit.
 
Ich bin ganz begeistert von der veränderten, heimeligen Atmosphäre, die so ein paar alte Vorhänge zu zaubern vermögen! Mein Mädchen wiederum ist fasziniert von den vielen vom Himmel tanzenden Schneeflocken draussen… Schönheit drinnen und draussen– kann man so viel Glück fassen?
Manchmal braucht es wirklich gar nicht viel, um einen Tag mit guter Laune zu krönen. Und  mit dem warmen Gefühl, etwas richtig Sinnvolles geleistet zu haben.
Selbst wenn es nur ein paar aufgehängte Vorhänge im Bad sind.
Ach ja, wo ich schon mal dabei bin, mich mit euch über so unheimlich spannende Dinge zu unterhalten (ihr wisst schon, übers Wetter und Vorhänge): Ich putze meine Fenster immer mit heissem Wasser und einem Spritzer Essig und Putzalkohol. 
Und ihr?
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