Monatsarchive: Januar 2011

über das Bloggen oder: eine Grenzerfahrung

Die Tage nach jenem unschönen Samstag waren friedlich und beschwingt genug, um mich psychisch wieder auf die Beine zu bringen, und beim Lesen eurer Kommentare wurde mir wieder einmal bewusst, wie viel Gutes die Welt doch zu bieten hat; Menschen, die verstehen und trösten und Mut machen… 
Vielen , vielen, VIELEN Dank, ihr Allerliebsten! Ihr seid eine Quelle der Kraft für mich (das klingt jetzt vielleicht abgedroschen, aber ganz, ganz ehrlich; es stimmt!). 
Ihr lest hier so treu mit, nehmt euch die Zeit, mir zu schreiben, manchmal ellenlange Kommentare, die schon fast selber Post-Format haben… während ich mich rar gemacht habe in der letzten Zeit bei euch… das ist nicht böse gemeint, glaubt mir! Ich merke einfach, wie ich an meine Grenzen komme, nicht nur im realen Alltag, sondern auch hier mit diesem Blog- und mit meinem… nun ja, meinem Blogger-Leben generell, mit seinen wundervollen Bekanntschaften und euren “Tage-Büchern”, in denen ich blättern darf voll von euren Erlebnissen und Kunstwerken und Gedankengängen.
Glaubt mir, ich möchte so gerne regelmässig bei euch allen lesen, mich mitteilen und Anteilnehmen an dem, was euch beschäftigt, genau wie im echten Leben eben, euch zurückbesuchen und euch ein paar Worte da lassen, als Dankeschön und um euch zu unterstützen in euren Schreiben und Tun, genauso wie ihr das so oft macht bei mir. Aber ich muss einsehen, dass ich das schlichweg nicht schaffe. Nicht in dem Mass, wie ich es im Grunde will.
Meine Tage enden meistens erst um ca. 21:30 Uhr. Mein Laptop bleibt in der Regel geschlossen bis dahin, weil ich meinen Kindern einfach Vorrang geben möchte. Der Tag gehört ihnen, der Abend mir. Dann setzte ich mich hin, lade meine Fotos auf den Computer, sortiere, archiviere, lese meine e-mails und beginne meinen Blog-Post. Der dann lange, lange dauert, bis er fixfertig hier veröffentlicht wird… In der Regel schreibe ich drei bis vier Posts pro Woche -einer davon ist der an sich einfache “This moment”-Post- und durchschnittlich brauche ich für jeden dieser Posts über 1.5 Stunden Zeit, tendenziell eher mehr. Das bedeutet, so ein Blog-Post nimmt den ganzen Abend fast schon für sich alleine ein… Und an dieser Stelle fängt ja meine eigentliche Reise durchs Bloggerland erst richtig an…!
Eigentlich ist das in Ordnung so. Das Verfassen macht mir Freude (meistens) und bildet einen Fixpunkt in meinem eher strukturlosen Alltag. Nur kommt schon manchmal der Moment, an dem ich mich frage, ob mir das alles nicht langsam die Haare vom Kopf frisst… Wenn ich nämlich nur schon 20 von euch für, sagen wir, 3 Minuten besuche -was völlig utopisch ist, bei der Fülle die mich da herzlich Willkommen heisst- sitze ich bereits wieder eine Stunde vor dem Bildschirm. Auf meiner Liste stehen aber selten nur 20 Blogs…
Eine Weile habe ich hier unter euren Comments eine Rückmeldung verfasst, um mich nicht allzu sehr zu verzetteln. Zum Teil tue ich das heute noch, vor allem bei Fragen, die euch alle interessieren könnten oder wenn ich merke, dass ich mich unklar ausgedrückt habe und Stellung nehmen möchte. Aber das sind Ausnahmen. Mit der Zeit fand ich diese Art von Kommunikation nämlich zu… unpersönlich. Ihr müsst, um meine Anwort zu lesen, nämlich immer wieder hierher zurückkehren, eine Extra-Tour zu mir zurück also, dabei wäre die Reihe wirklich an mir… wenn man von Geben und Nehmen sprechen will… 
Das ist auch mein Stichwort: Geben und Nehmen. Eure Reaktionen sind jedes Mal derart warmherzig, lebensklug und offen- einfach unglaublich! Das Erste, was ich empfinde ich immer einer ungeheure Freude, wenn ich meine e-mails öffne… das Zweite dann ein leise nagende Art von Schuldgefühl, weil ich euch nicht sofort antworten kann… Mir scheint, ich nehme immer ein bisschen mehr, als ich überhaupt geben kann. Ein blödes Gefühl.
Natürlich habe ich wieder nachgedacht, gegrübelt vielmehr. Mir ist es wichtig, hier zu schreiben, weiterhin drei bis vier Mal wöchentlich, solange das möglich bleibt. Mir ist aber auch wichtig, dass eine Beziehung bestehen bleibt, zwischen mir und den Frauen, die hier lesen, also möchte ich gerne mindestens einmal die Woche eine Runde drehen im www. Falls ihr mal nicht dabei seid, seid bittebittebitte nicht böse- vielleicht seid ihr einfach untergegangen, versehentlich weggeklickt, oder die Zeit reichte einfach nicht mehr dazu… Meint ihr, das könnte so für euch noch stimmen?
Und zum Schluss möchte ich das Wort gerne an euch weitergeben. Ich habe schon oft von euch lernen dürfen (Danke noch für eure Tips fürs Fenster-Putzen!!!), darum würde ich wirklich gerne von euch wissen: Wie schafft ihr es, das Bloggen in euer Leben zu integrieren, ohne dass es krebsartig wuchert darin? Wie setzt ihr Grenzen, wie löst ihr das… “Beziehungs-Problem” wo ständig die Zeit zu fehlen scheint fürs Lesen und Schreiben bei anderen?
Falls jemand diesem Thema einen ganzen Post widmen möchte (ich sehe immer wieder das riesengrosse Potential eurer Antworten!), wäre ich enorm lese-begierig! Es wäre schön wenn du dann einen Link zu dir, hinterlassen würdest, damit ich den Weg auch finde;-)
Habt einfach mein allerallergrösstes Dankeschön für jeden Schritt den ihr hierher macht! Ich schätze das und weiss, dass ihr mir damit einen Teil eurer Zeit schenkt . Und die ist so kostbar!
eure Bora
Veröffentlicht unter über das Bloggen | 21 Kommentare

Wunderkräfte

Ich weiss gar nicht genau, wann es anfing.
Der Morgen war fröhlich, verheissungsvoll, die Müdigkeit diskret im Hintergrund… wann also fing alles an? Das Hochschnellen meiner Augenbrauen, wenn eines der Kinder die Nase schon wieder sehr geräuschvoll hochzog und so tat als hätten wir nicht mindestens 200 Taschentücher im Haus (10 davon sogar bunte Stoff-Nastücher, die ich heimlich still und leise hier einziehen lasse, bis sie eines Tage *husch* ihre weissen Wegwerfkollegen gänzlich ersetzen… aber psst…). Meine Standpauken auf jedes Anzeichen von Geschwisterzwist hin, meine deprimierende Unfähigkeit, mich auch nur 10 Minuten lang richtig einem meiner Kinder zu widmen, mein Geschimpfe, mein Türenknallen, meine wachsende Verzweiflung über mein eigens Verhalten, die Schwere meiner Glieder, der Druck in meinem Kopf, der mir sämtliche Gedankengänge zu blockieren drohte, bis kaum mehr etwas durchzusickern schien, und ich leer war, leer…
Wann genau es anfing, weiss ich nicht. Ich weiss nur, dass es ein dummer Tag war. Surreal und verzagt, so ein trüber Tag, der mich hier beladen mir Schuldgefühlen ganz allein zurücklässt,
Manchmal wünsche ich mir, wieder klein zu sein, mich im Schoss einer Mutter zu vergraben, die gross und standhaft und ein Hafen der Sicherheit ist. Ein bisschen weinen und schniefen, um dann ihre Hand auf meinem Haar zu fühlen, die mir schwer, wie sie ist, alle Schuld und allen Kummer wegstreichelt.
Heute ist so ein manchmal-Moment. Wenn ich meiner eigenen Hässlichkeit mehr als genug ins Auge blicken musste und einfach fix und fertig bin von diesem Anblick…
Als ich dann im Bett liege neben meinem kleinen Mädchen, das zum dritten Mal innerhalb einer Stunde weinend erwacht ist, geschieht etwas Sonderbares: Wie ich sie tröste und in den Schlaf streichle, werde ich innerlich langsam still. Die ganze Raserei dieses Tages verfliegt zu Schall und Rauch. Während ich mein Kind ansehe, dieses zerbrechliche Wesen, das sich selbst nach diesem Tag vollkommen vertrauensvoll an meine Brust kuschelt, geborgen bei mir, satt, durch und durch daheim…  da weiss ich mit einem Schlag wieder, was es heisst, loszulassen… von Neuem anzufangen… sich hineinzugeben in den Moment und zu vergeben… vor allem aber, Vergebung zu erfahren. 
Ich hänge eine Weile in diesem Bewusstsein wie eine Feder in dünnem Geäst, dann schäle ich mich sorgfältig aus der Umarmung meines schlafenden Mädchens und tripple zum Bett meiner beiden Jungen.
Eine enge, feste Umarmung, ein Blick in kleine, klare Kinderaugen, Hinsehen, Hinhorchen.
“Es tut mir so Leid…”
Ich kenne kaum einen Satz, der grössere Kraft hat, Steine ins Rollen zu bringen (und Gespräche zum Fliessen) mehr Licht, Erleichterung und Nähe schaffen könnte. Dieser Satz hat Wunderkräfte.
Gefolgt von leisen Kinderfüssen, die – kaum bin ich zurück bei meinem Mädchen im Bett- zu mir unter die Decke schlüpfen und sich an den meinen aufwärmen, wirkt diese Kraft bis hinein in mein Herz. Statt Tränen und Selbsthass pumpt es jetzt die Hoffnung, dass diese Nacht alle Schatten mitnehmen wird und mir einen neuen Tag zurücklässt, den ich neu beginnen kann, liebe-voll, geduldig, weise und wach.
Süsse Träume…
Veröffentlicht unter aus meinem tagebuch, Familienalltag | 18 Kommentare

this moment

Nach einer Idee von Soulemama: Freitags Fotos, eine Erinnerung.  
Nur wenige Worte. Kommentar-los (darum die ausgeschaltete Comment-Funktion).
  Ein immergleiches Ritual zum Wochen-Ende, wenn der Blick zurückfällt und es Zeit wird für eine Pause.

 gestärkt
this moment

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aus meinem Tagebuch

26. Januar 2011  14:30
Einen Moment Atemschöpfen im 10Minutenschreiben. Kopflos. Im Gedankenstrom.
Ich bin allein. Obwohl unter Kindern. Alleine an einem ihrer Spiel-Orte. Dort wo ich sitze: Leere. Am Tisch nur ich. Mit einem Buch blanker Seiten und einem einsamblauen Stift, der melancholische Gefühle -oder sind es Wesenszüge?- festzuklammern versucht.
Ich spüre eine sich anbahnende Veränderung: Meine Kinder wachsen mir davon. Eines ganz besonders. Es zieht an der Leine, die einstmals eine Nabelschnur des Brauchens und Gebrauchtwerdens war, wo es früher auch zog daran, aber damals hungrig, mit gierigem Mund oder fragendem Blick. Damals konnte ich geben, aus dem Vollen schöpfen, weil ich der Mensch war, der gemeint war bei allem.
Heute erahne ich, dass die Richtung, in die sie wachsen eine fremde Quelle ist: es werden andere sein. Andere werden irgendwann die Zeit, Zärtlichkeit und Antwort bereithalten, die meine Kinder sucht.
Mein Junge.
Er ist gross geworden.
Zu gross?
Ich weiss nicht. Wachsen, Werden, Er-Leben…das alles gehört zu seinen Aufgaben als Kind. Es ist richtig, dass ich ihn wachsen lasse, auch wenn es bedeutet, dass er gross wird. Und eigen. Mit Grenzen, die er zieht. Zwischen sich, mich, uns.
Freundeskreise, Lagerwochen, Slang, hinter sich geschlossene Türen… Ganz leise, kaum hörbar, kündigt sie sich an, die Distanz, die wahrscheinlich einfach bestimmt ist für die nächste grosse Phase seines Lebens.
Am liebsten würde ich der Pubertät die Türe vor der Nase zuschlagen.
Aber damit renne ich gegen Felsen an.
Alles, was sicher ist, ist der stetige Wechsel. Weil er bedeutet, zu leben.
Gott hat uns nicht in Stein gemeisselt. Wir sind kein Fresko. Ich kann nicht die still lächelnde Mutter in der linken Ecke sein, die ihr Baby stillt und ein Buch in der freien Hand hält, aus dem sie ihren anderen Kindern vorliest. Sie sitzen dich beieinander wie Welpen und blicken mit halb verträumtem, halb gebanntem Blick hoch zu ihr. Rechts dampft eine Pfanne auf dem Tisch. Ich glaube, es ist Suppe. Dazu der Duft von Brot aus dem Ofen, und draussen singt eine Amsel, denn es ist Frühling. Verheissungsvoll Frühling.
Wie gerne möchte ich manchmal so eine Bild-Figur sein: eingepackt in diese Idylle, die sich stur jedem Werden und Vergehen entzieht…
Aber… nun denn. Es sei.
Mir bleibt, die Hände zu falten und auf mein Stichwort zu warten, denn die Rollen verändern sich nicht vollends, glaube ich. Eine Mutter bleibt eine Mutter bleibt eine Mutter.
Liebe und Hingabe strömen weiter, das Interesse am Kind, der scharfe Blick für das, was es braucht, was ihm gut täte, die Gedankentürme, die sich darum winden. Anders wird vielleicht nur das Mass, das alles zu leben, nicht die Intensität, in der wir empfinden.
Und noch ist ja Zeit. Mit 8 Jahren, mit 9 sogar ist man noch ein Kind, richtig?
Mir bleiben also noch Jahre…
5einhalb Stunden später:
Heute abend nehme ich “Pippi Langstrumpf” zur Hand. Gutenachtgeschichte.
Ich bin müde und sehne mich nach einem Restchen stiller Abendstunden.
Als ich die Kinder aber in ihre Kajütenbetten scheuchen will, wird die Stimme meines Erstgeborenen plötzlich schmeichelnd: “Ach komm’…Wollen wir nicht lieber bei dir im Bett vorlesen? Hier ist es doch viel gemütlicher…
Und schon sitze ich mit “Pippi Langstrumpf” in einem zerwühlten, kissenüberfüllten Familienmatratzenlagerbett, Kind2 anschmiegsam wie ein Kätzchen zu meiner Linken, ein turnendes, kleines Mädchen auf meinem Bauch, an meiner Brust, quer über meinem Vorlese-Buch… und rechts von mir Kind1 an meine Schulter gelehnt. Er stupst mich geistesabwesend  ins Bein, dehnt und streckt meine Finger, ohne den Blick von den Kinderbuch-Illustrationen zu lösen.
Ja, noch ist Zeit.
Es gibt kein Gestern mehr, ein Morgen wird es vielleicht geben, vielleicht auch nicht- aber da ist ein Heute. Ein Jetzt.  Darum schliesse ich meine Hand.
Ein Haschen nach Wind, das ist mir bewusst.
Und gerade darum so kostbar, innig und berührend.
Dankbar hier und jetzt zu nehmen, was ist, ist alles, was ich tun kann.
Den Rest besorgt ein anderer.
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Veröffentlicht unter aus meinem tagebuch, Kinder | 18 Kommentare