Monatsarchive: Dezember 2010

heute


Heute…

  •  …bin ich erneut mit meinem kleinen Mädchen daheim zurückgelassen, weil ein Familien-Neujahrs-Treffen zwar wichtig ist und schön, aber nicht für eine vor Erschöpfung überreizte Mama und ihr kränkelndes Kind.
  • muss ich beim Duschen ständig um die Brause kämpfen, denn mein Mädchen duscht mit.
  • sehe ich bei jedem Schritt durchs Haus einer weitere verunordentlichte Ecke und frage mich: “Wird es hier JE ANDERS aussehen? (Und wenn ja, wer wird wohl dafür sorgen???)
  • möchte ich mich gerne hübsch fühlen, sehe aber aus wie immer: langweilig und vernachlässigt.
  •  …fühle ich mich unbedeutend und niedergeschlagen.
  • esse ich 1 Tafel fairtrade Milchschokolade zum Frühstück und weiss nicht, was ich mittags essen soll (noch eine Tafel vielleicht…?)
  • mache ich mir Gedanken über Agenden, Notiz- und Tagebücher und über Blogposts, und versuche, so etwas wie organisiert zu wirken dabei.
  • hoffe ich, dass ich es schaffe, allem, was die kommenden 365 Tage mir bringen werden, einigermassen würdevoll, bewusst und mit dankbarem Herzen entgegen zu treten.

Heute ist sein Tag, dem ich nur wenig Feierliches abgewinnen kann.
Ein Tag, nur, ein Tag.
Einfach so wie er ist.
Wie eine Perle an einer Kette, einer neben anderen.

Ich stehe ihm gegenüber, Achselzuckend, ein bisschen müde
und sage mir:
Jeder Tag trägt diese wundervolle Chance eines Neu-Anfangs!
Jeder Moment.
Heute, morgen, übermorgen…
…auch
this moment

Habt einen erfüllenden Start ins neue Jahr!

Veröffentlicht unter aus meinem tagebuch, this moment | 17 Kommentare

For body and soul

Wenn ihr zu jener Gruppe von Menschen gehört, die bei Besuchen ganz heimlich und leise im Badezimmer Schränkchen stöbern, wenn sie zur Toilette gehen- ich könnte mir denken, dass diese Gruppe mehr Anhänger hat, als man ahnt…- dann würdet ihr bei mir wahrscheinlich ziemlich verdutzt vom Klo zurückkehren…
Ich habe nämlich kaum Kosmetika.
 
Statt herkömmlichen Deo steht bei mir ein Deo-Kristall hinter der Spiegeltüre. Anstelle von Bodylotion nehme ich Jojoba-Öl für meine trockene Haut, das ich mit ätherischem Ölen wie Jasmin, Sandelholz und Ylang Ylang zum Duften bringe. Zum Waschen verwende ich Seife (im Moment mit Freuden die handgesiedete Engelsseife von Mona Lisa), für die Haare seit langem Pantene pro V und gerade versuchsweise die Aleppo Haarseife von Waschbär, wo ich auch meinen geliebten Bio-Merino-Pulli herhabe (damals ein Sonderangebot *freu*). Da ich meine Haare nur alle 10 Tage waschen muss, bin ich noch nicht ganz sicher, ob das Waschen mit Haarseife sich bei mir so bewährt wie bei MonaLisa, denn bisher wurden meine Haare eher strähniger davon…
Aber der Gedanke reizt mich einfach, mehr und mehr auf Natürliches umzusteigen. Er treibt mich richtiggehend vorwärts… Und Seife gehört für mich zu den Ur-Pflege und -Reinigungsmitteln, so unverfälscht, ursprünglich und… so einfach!
Ich verstehe, warum Mona und Lisa so leidenschaftlich gerne in ihren Siedetöpfen rühren, Düfte ausprobieren, Pflegewirkungen aller möglichen Kräuter und ätherischer Öle erproben, Mischungen kredenzen…
Das alles verströmt eine Magie… Hexenhaus-Zauber… Faszinierend!
Vor drei Jahren brachte mir Kind1 ein ganz spezielles Geschenk mit aus dem Kindergarten: eine selbst gemachte Salbe! (Gekocht gemeinsam mit über 20 Kindern. Manche Kindergärtnerinnen sind unglaublich taffe Frauenzimmer!)
Gerührt stellte ich das Gläschen ins Badezimmer-Schränkchen, wo es ja reichlich Platz fand, und gönnte mir immer, wenn meine sensible Haut spannte, einen Klecks davon.
Mit Liebe gemacht, mit Liebe benutzt.
Als der Winter in diesem Jahr so schneereich hereinbrach, erinnerte ich mich wieder an diese Salbe. Und an das Rezept, das mir besagte taffe Kindergarten-Frau damals vor drei Jahren bereitwillig kopierte.
Mein Körper hat nämlich eine Schwachstelle: meine Hände.
Ihre Haut wird von Jahr zu Jahr hypersensibler. Bei Wind und Kälte, in Herbst und Winter also, sind sie fast immer rau wie Sandpapier und reissen an den Knöcheln in Schrunden auf, sollte ich es tatsächlich wagen, eine Pfanne ohne Gummihandschuhe abzuwaschen oder draussen den Schnee mit nackten Händen vom Trampolin zu schaufeln…
Bis ich nicht mehr an der Wolle hängenbleibe beim Stricken dauert dann es meistens Tage
Jojobal-Öl reicht hier nicht mehr aus. Und die meisten Handcremes leider auch nicht.
Kürzlich gab ich mir also einen Ruck und machte mich ans Kindergarten-Creme-”Kochen”…
Mit dem Resultat, dass ich-  ganz verzaubert von diesem Vorgang und begeistert von dem, was dabei herauskam-  plötzlich ständig nach meinem weissen Salbendöschen krame, um mir irgendwo irgendwas einzureiben oder den Kindern einen dicken Klecks davon auf den Wangen zu verstreichen.
Und mir dabei so schön mütterlich vorkomme.
Cremes erscheinen mir urplötzlich so… unverzichtbar *grins*…
Oder suche ich vielleicht bloss nach der nächsten Gelegenheit, wieder Alchemisten-Luft zu schnuppern…?
Für all jene, die neugierig geworden sind, habe ich hier das Rezept aus dem Kindergarten (leider ist mir die Quelle nicht bekannt. Aber ich werde noch im Kindergarten nachfragen):
Hautcreme
Zutaten:
  1. 12gr. Lanolin
  2. 5gr. Bienenwachs, weiss
  3. 4gr. Kakaobutter
  4. 40gr. süsses Mandelöl
  5. 40gr. destilliertes Wasser
  6. einge Tropfen Ätherisches Öl (zB. Rose oder Jasmin, besser aber keine Zitrusfrüchte wegen der Sonnenempfindlichkeit der Haut und keine Minze wegen der Augen)
  7. ein spezielles Termometer fürs Kochen

Zubereitung:

  • Lanolin, Bienenwachs und Kakaobutter werden (wie Schokolade) auf dem leise kochenden Wasserbad geschmolzen, bis sich alles gut verflüssigt hat.  Dazu stellt man zB. eine Schüssel auf eine Pfanne mit köchelndem Wasser.
  • Das Mandelöl zufügen und die Mischung auf 55 Grad erwärmen. Es erwärmt sich im heissen Gefäss dann noch auf etwa 60 Grad weiter.
  • Das destillerte Wasser auch auf 55 Grad erwärmen. Es ist wichtig, dass das Wasser und die Mischung sich nicht um mehr als 2 Grad voneinander unterscheiden, also besser ein wenig hin-und her messen.
  • Unter ständigem Rühren das Wasser in die Fette geben und weiterrühren, bis die Creme erkaltet ist (mein Lieblingsteil bei diesem Vorgang!)
  • Mit 5 Tropfen Ätherischem Öl nach Wahl parfumieren (das ist nicht stark vom Geruch her!) und in zwei Cremedöschen abfüllen. Ich habe mein Lieblingsöl gewählt, Jasmin.
  • Nach Wunsch die Dosen beschriften und eher kühl lagern, im Sommer evtl sogar im Kühlschrank.
Diese Creme ist ohne Konservierungsstoffe gemacht und nicht so lange haltbar wie gekaufte Cremes. Da sie sehr fettreich ist, passt sie gut auf raue Kinderwangen und tut auch den Händen gut. Allerdings zieht sie nicht so schnell ein wie herkömmliche Handcreme und darf gerne etwas einmassiert werden. Sie hinterlässt auch eine Weile einen schützenden Film auf der Haut, praktisch gegen Wind und Wasser.

PS. HERZLICHEN Dank für eure netten Worte wegen meinem kranken Mädchen! Sie ist wohl über’n Berg und hustet sich ihre Grippe hoffentlich bald ganz aus dem Leib… Ich bin dankbar, dass ich ihr so viel Nähe und Ruhe geben konnte, denn heute abend kommen meine “Männer” wieder nach Hause. Partyzeit statt Lazarett-Atmosphäre…


Nachtrag: Eine sehr nette, umsichtige Bloggerin mit Rühr-Erfahrung hat mich darauf aufmerksam gemacht, dass in diesem Rezept keinerlei hygienische Massnahmen erwähnt werden. Sie hat natürlich völlig recht damit! Daran habe ich selber auch gar nie gedacht, muss ich gestehen…
Auf dieser tollen Seite könnt ihr mehr zum Thema erfahren und euch besser einlesen. Und hier hat sie mir sogar ein anderes Selbermach-Rezept mitgegeben, eines ohne Wasser drin, was auch wieder weniger keimanfällig wäre.
Vielen Dank dafür!!!

Veröffentlicht unter kreativ am Rande, Rezepte | 11 Kommentare

verschwommen und verschroben

Aus dem trotz Fieber, Schnupfen und Husten gestern noch fröhlichen Kind, das mit mir malen wollte und über meine Spässe lachte, ist ein erbärmlich aussehendes, zerknautschtes Würmchen geworden mit glühenden Wangen und schlafzimmerschweren Augenlidern. Meinem armen Mädchen geht es wirklich nicht gut. Sie braucht mich rund um die Uhr und wimmert jedes Mal laut auf, wenn sie aus einer ihrer kurzgehaltenen Halbschlaf-Etappen erwacht, gleichgültig ob sie nun in meinen Armen liegt oder nicht.
Ich war froh, dass meine Mama mir einen Teller Mittagessen mitbrachte, so kam ich wenigstens einmal zu einem richtigen Essen…
Mein Tag ist zerfallen. Morgenmittagabend… alles geht übergangslos ineinander über, einzig erkennbar am Licht, das sich verändert und irgendwann um fünf von Glühbirnen erstsetzt werden muss.
Und nicht nur diese Strukturen wanken; ich habe fast den Eindruck, auch die Grenzen zwischen mir und meinem Kind verschwimmen allmählich irgendwie, ähnlich wie in der allerersten Säuglingsphase…
Krankheits-Zeiten sind sonderbar bewusstseinsverändernd, nicht wahr?
Oder liegt es ganz einfach an meiner Schwester Esther?
Dank ihr stelle ich mir nämlich plötzlich die abstruse Frage:  “Wäre ich ein guter Japaner?”
Mich beschäftigt auch plötzlich der Gedanke “sind die Ausserirdischen schon lang als Jogurt unter uns?” oder “darf ich zulassen, dass meine Frau beim Fernsehen Verbrecher bewundert?”
Ob ich sicher bin, dass es mir gut geht?
Klar! Denn wisst ihr, mein Körper mag gerade ans Bett gefesselt sein, mit einem kleinen, schlafenden Fieberkind im Arm und an der Brust, aber mein Geist reist kichernd durch das Reich der Hirngespinste… gemeinsam mit Peter Fischli und David Weiss, deren Fragen-Sammlung “Findet mich das Glück?”, mir viel Spass macht.  Meine Schwester es sie mir gestern mitgebracht (zusammen mit der schönen auberginenfarbenen Schüssel im Hintergrund übrigens), .
Also wisst ihr, im Grunde ist dieses Buch ja eine Frechheit. Ein paar schwarze Seiten mit Fragen zu füllen und uns  (unbeantwortet!) als Buch zu verkaufen, finde ich ja schon etwas dreist… Aber mir gefällt’s! Wahrscheinlich weil ich einen recht seltsamen Humor abgekriegt habe? Jedenfalls musste ich beim Durchlesen ein paar Mal richtig laut lachen (mein Mädchen auch, als ich ihr einige Kostproben vorlas, jaja, der Apfel fällt…)
Apropos Humor: Mein Lieblingswitz war ja jahrelang der mit den strickenden Kühen auf dem Baum, wo ein Jogurt vorbeifliegt und sagt: “Heute ist Donnerstag” (doch, ehrlich, den gibt’s). Aber seit Kurzem kenne ich einen, den ich noch lieber mag. Einen aus dem herrlichen Repertoire meines 4jährigen Jungen (Kinder und ihre Witze, ach ja…). Der geht so:
” Also, der Titel ist… “äs Schoggistängeli”…
(die Witze von Kind2 brauchen immer einen Titel, müsst ihr wissen)
Warum sind Blondinen braun?
(Trumpf in der Stimme) Weil sie ein Eiskanal sind!”
Ideen hat das Kind…
Oder der:
“Zwei Blondinen laufen durch eine Windel. (bitte was?!).
Was finden sie ? (Schweigen)
Einen Salat!
Und wer hat ihn gefunden? (öhmm…)
Die mit dem Hering!  (was eigentlich “die mit dem Ehering” heissen sollte, wie sich später herausstellte, aber Heringe sind auch ganz nett.)”
Was, ihr findet das nicht witzig? Also ich habe Tränen gelacht, Tränen, sag ich euch… *verhaltenkicher*
So, aber jetzt schmeiss ich mal den Laptop aus dem Bett und widme mich weiter der tiefgründigen Frage:
“Soll ich nachts bei Sturm
im Winter mit Fieber
und nassen Kleidern draussen
Spazieren gehen?”
Oder vielleicht geh’ ich auch einfach nur duschen.
Veröffentlicht unter besondere Tage, Bücher | 5 Kommentare

eingeschneit

Über Nacht ist Schnee gefallen. Viel Schnee. Der Anblick macht mich glücklich. Wenn ich mir vorstelle, wie viele Kinder (und Erwachsene) sich jetzt freuen über weisse Weihnachten, wird mir ganz warm ums Herz.
Wenn ich zum Fenster hinaus schaue, sehe ich eine leere Strasse und Restaurants ohne Licht. Ausser der Beiz vis-à-vis, wo die Besitzer keine Weihnachten feiern (sagt Kind1 zumindest, der mit der Beizen-Tochter zur Schule geht.).
Ich fühle mich ein bisschen wie eingeschneit. In einer abgelegenen Berghütte, eingepackt in diese kleine, auf mich und mein Mädchen reduzierte Welt drinnen, fernab von allen Alltagsrhythmen, die meinen Tag normalerweise mehr oder weniger zuverlässig lenken.
Ich fühle mich gelöst.
Und erfüllt von Dankbarkeit.
Obwohl mein Mädchen gestern abend plötzlich zu fiebern begann und ich jeden Gedanken an gemeinsame Ausflüge oder Besuche bei Freunden fahren lassen muss, weil das Kind jetzt nichts Dringernderes braucht als Ruhe, Schlaf und seine Mama.
Mit dem Ablegen meiner Rolle als Mutter von dreien in einem mehr als turbulenten Familien-Haushalt ist eine Lücke entstanden. Aber während sie zu Anfang noch weh tat, empfinde ich sie jetzt als… Segen.
Der Fokus ist so klar geworden; leben im Hier und Jetzt, ohne Zeitpläne, ohne inneres Zerrissensein zwischen mehreren Menschen (mich selbst miteingerechnet). Einfach nur Dasein für mein krankes Mädchen.
Ich bin so dankbar im Moment…
 … für die Stille, die mir Kraft gibt, eine Pause,
eine Zeit-Insel, um zurück zu mir selbst zu finden …
 … für das Zusammensein mit meinem Mädchen rund um die Uhr,
für das gute Gefühl, voll und ganz für sie da sein zu können
in ihrer Krankheit, und ihr das zu geben,
was sie braucht, um wieder gesund zu werden …
 … für jene winzigen Projekte, die jeden meiner Ortswechsel
innerhalb eines Tages mitmachen,
um zu wachsen, sobald sich eine Lücke zeigt …
 … für die innere Gelassenheit zur Zeit,
die mich stark genug macht, dieses Chaos hier auszuhalten
(oder weg zu räumen)…
 … für den unwillkürlichen Gedankenausflug in die Zukunft,
wenn der Frühling wiederkehrt und mit ihm die Wildbienen,
die in dieser wunderschönen, handgemachten Bienenpension
ein neues Zuhause finden sollen …
 … dafür, dass Gott uns Frauen so perfekt geschaffen hat (ja, euch Männer auch),
als Nährende für den Körper und die Seele unserer Kinder.
Mein Mädchen mag nicht essen im Moment. Aber sie mag trinken.
Als würde sie Zuflucht finden bei mir an der Brust,
kehrt sie immer wieder zu mir zurück und wird plötzlich ganz still und weich.
Es stärkt mich in meinem Vertrauen an mich als Mutter
 - und hier wohnen viele, viele Zweifel! -
wenn ich sehe, wie viel Kraft mein Kind schöpfen kann bei mir…
 … für den Schlaf, in dem so ein kleiner Körper heilen kann,
für Kuschelfreunde und diesen Anblick,
der mich immer wieder lächeln lässt.
Schlafende Kinder.. ihr wisst, was ich meine, Mütter...
… und nicht zuletzt für jene Mussestunden, in denen ich an die Nähmaschiene komme. Irgendwie stecke ich noch immer fest im Strickmodus, aber vier von vier Squares sind seit gestern fertig, und das lässt mich hoffen. Hoffen darauf, dass ein gewisser Puppen-Quilt vielleicht doch noch in diesem Jahr fertig wird…

Ach ja, als frischgebackener Kina Grannis-Fan, gibt’s natürlich auch heute musikalische Untermalungvon ihr…

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