Monatsarchive: September 2010

vor vier Jahren und zwei Tagen…

… wurde ich zum zweiten Mal Mutter, mein Mann Papa von zweien und Kind1 ein grosser Bruder.
Mit 16 Jahren war ich dabei, als mein zweitjüngster Bruder zur Welt kam. Für die Geburt meines kleinsten Bruders vier Jahre später liess ich meine Klassenkameraden ohne mich auf Maturareise fahren. Beide Male war ich tief ergriffen von dem, was geschah. Doch wenn jemand das Wort “schön” im Zusammenhang mit einer Geburt fallen liess, konnte ich nur wenig damit anfangen. “Schön” war einfach etwas anderes.
Meine eigene erste Geburt verlief problemlos und mit ihren zwei Stunden relativ rasch, doch ich war viel zu überrumpelt von der Tiefe der vor allem innerlichen Veränderungen und hatte bald einen einen harten Kampf zu kämpfen gegen die Postpartale Depression, die ihren kalten Schatten über meine ersten zwei Jahre Muttersein legte. “Schön” war wirklich etwas anderes.
Doch vor vier Jahren und zwei Tagen, als ich zum zweiten Mal Mama wurde, durfte ich meine Meinung ändern: Kind2 kam zur Welt, und alles, was sich an Erinnerung  an dieses für mich so bedeutende Ereignis eingegraben hat in mein Herz, ist durch und durch schön.
Damals:
Erwachte ich um 4:00 zwar mit der Gewissheit, dass das Baby in meinem Bauch ziemlich bald geboren werden würde- aber ohne Wehen. Ich stand auf, trank ein Glas Milch und rief meine Mutter an, die ca. 40 Minuten weit entfernt wohnte. Sie war geplant als Babysitter und Taxichauffeuse. Dann wählte ich die Nummer des Gebärsaals: “Grüezi. Ich habe zwar noch keine Wehen, aber ich komme trotzdem gleich vorbei.”
Ich legte mich aufs Sofa, horchte in mich hinein, während mein Mann, seine Nervosität unterdrückend, ein Gomfibrot ass, um bei Kräften zu bleiben für die nächsten Stunden…
Um 4:30 die erste Wehe.
Um 4:45 die Türglocke. Meine Mama aufgeräumt und superkompetent wie ein Fels in der Brandung, mein Mann fahrig in seinen Bewegungen vor lauter Aufregung, Kind1 hellvergnügt, ich wie ein Pingpongball der Kontraktionen, die mich beinah in die Knie zwangen auf dem Weg zum Auto, kraft-voll, ohne aber richtig weh zu tun. Ich weiss noch, wie meine Mama, die selber 8 Kinder geboren und über 10 Jahre im Gebär-Saal eines grossen Spitals gearbeitet hat, bei einer meiner Wehen meinte: “Die sind aber schon recht stark.” Und ich dachte: “Naja, es geht.”
Trotzdem wusste ich mit absoluter Sicherheit, dass ich nicht mehr warten konnte, als man mich und meinen Mann um ca. 4:55 draussen im Wartesaal des Spitals (kurz) warten liess: Im Untersuchungsraum schaffte ich es nicht einmal mehr, irgendwelche wahrscheinlich administrativen Fragen zu beantworten, geschweige denn mich auszuziehen, und kaum auf der Liege (zum Untersuchen wie weit die Geburt schon war, haha), kam Kind2 zur Welt,  um 5:16 plattnasig und wunderschön, bereit, seine Familie im Sturm zu erobern. Mein Mutterherz hielt er längst in seiner kleinen Kinderhand…
Ein paar Stunden später reisten mein Mann, mein Baby und ich per Tram wieder nach Hause. Aufgekratzt und ergriffen (jaja, die lieben Hormone). Schön, oh ja…
Noch immer fühle ich eine tiefe Dankbarkeit, wenn ich an diesen Tag zurückdenke. Kind2 ist ein lustiger kleiner Kerl, voller Witz und eigenem Gedankengut, der die Menschen mag, Wurst, Donald Duck Comics und das Wasser. Mein kleiner Lausebengel…
 
Sein vierter Geburtstag wurde ein fröhlicher Fest-Tag, wie er ihn sich gewünscht hatte. Mit Schoko-Sahne-Torte und Marzipan-Rüebli, mit liebem Besuch und Jubel-Trubel vor der Haustüre, wo unser Dorf-Fest gefeirt wurde. Einer der Tage, die die Familie zusammenschweissen, weil man sich gemeinsam aneinander freut.
Und natürlich gab es auch Geschenke…
 Verpackt in einfaches Zeitungspapier, wie es die Familientradition verlangt,
neben Kerzen, Babyfotos und Blumen aus dem Garten
ein schlicher Gabentisch
Ich wusste eigentlich schon lange, was ich meinem Geburtstagskind schenken wollte, denn als ich “Sewing deliberated” von Meg mc Elwee zum ersten Mal durchblätterte, blieb ich sofort bei Megs wunderschönen, mit Marienkäfer und Hund applizierten Kindertaschen hängen…
Nur wollte Kind2 nicht wirklich einen Hund haben, auch keinen Marienkäfer, dafür einen Stoff mit Pumas drauf, den ich ihm mal im Internet gezeigt (und GottseiDank auch klammheimlich ersteigert!) hatte.
Also eine Kinder-Umhängetasche mit Pumas. Mit kleiner Innen (bzw. Aussen-)Tasche mit Extra-Puma.
Zum Wenden, einfach, weil Wende-Sachen mehr Spass machen.
 
 Und Spass macht diese schlichte Tasche wirklich. Auch beim Nähen, denn die Anleitung ist genial gut verständlich, das Prinzip auch für Anfänger bestens geeignet. Die Schlaufen-Bänder zum Zusammenbinden brauchen etwas Zeit, zugegeben, aber sie sind die Kniffel-Wende-Arbeit tatsächlich wert und geben dem Projekt das gewisse Etwas, das es zu einem Lieblingsstück machen könnte für Jahre. Der Schlüsselanhänger ist das Geschenk von Kind1, das für seinen kleinen Bruder extra eine ellenlange gelbe Schnur fingergestrickt hat. Und dann dieselbe nochmals. Und nochmals. Bis er eine wunderbare, dicke Kordel fertig hatte. An die kam noch ein Glöckchen dran.
Auch für mein Mädchen, wie es scheint.
Ganz Frau ergriff sie natürlich die erstbeste Gelegenheit, um sich mit dem Objekt der Begierde aus dem Staub zu machen…
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bunt

Wenn mich jemand nach meiner Lieblingsfarbe fragt, sage ich immer fast automatisch “Violett” oder manchmal auch “Grün”. Und es stimmt schon, dass ich mich angezogen fühle von monochromen Farbkombinationen in Lila-Bordeau-Violett (Beerentöne, ihr wisst schon…) und auch von Grüntönen in allen Schattierungen. Aber im Grunde mag ich fast jede Farbe (ausser Orange und Gelb), wenn sie sanft abgetönt und natürlich ist und bei ihren Farb-Verwandten bleibt. Ein bunter Vogel bin ich wohl eher nicht, fürchte ich, denn kraftvollen Farben gegenüber fühle ich mich… naja, unsicher und überfordert. Ich trage nur, was ich seit Jahren kenne: Erdtöne, verwaschenes Grün, Jeansblau und alles weiche aus der Beerenfraktion und wohne am liebsten weiss mit naturbelassenem Holz und sanftem Pastell. Das ganze Jahr über eigentlich fühle ich mich ein bisschen dem Grundsatz: “Weniger ist mehr” verpflichten.
Immer- ausser im Herbst.
 Die dritte Jahreszeit betört mich mit ihrer bombadierenden Farben-Pracht und schafft es tatsächlich, mich ein klein wenig zu begeistern für die Farbe “bunt”…
 Im Herbst kaufe ich plötzlich…
…farbenfrohe Tabletts und bunte(re) Tischtücher beim Trödler.
Oder- auch bei meinem allerliebsten Dorf-Brocki, wo ich wohl an die 30% unseres Haushalts herhabe, glaube ich bald- ein Set handgestrickter Putzlappen, die ich schon hunderttausend Mal in euren Blogs bewundert und schon lääääängst auf meiner eigenen To-do-Wunschliste habe (aber vermutlich nie wirklich gestrickt hätte…). 
 Jetzt lachen mir diese bunten Tücher fröhlich entgegen, wenn ich verschüttete Milch aufwische…
Meine Kinder sehen allerdings rund ums Jahr öfters aus wie kleine Zigeuner…
 
Farben überall, wahrscheinlich gar nicht so viel intensiver oder häufiger als sonst, aber mir fallen sie plötzlich stärker auf. Vielleicht weil ich schon Ausschau halte nach Spuren von Rot oder Gelb in allen Baumkronen, den Zeichen der nahenden kahlen Jahreszeit. Weil in mir doch auch dieses leise Lied schwingt von Sehnsucht und Abschiedsschmerz, das der Herbst jedes Jahr aufs Neue anstimmt…
Doch bis der Winter da ist, geniessen wir noch! Die letzten sonnig-warmen Tage voller unbeschwerter Kinderspiele unter blauem Himmel, Ausflüge zum Bio-Bauern, um Milch, Eier, Sirup und Gemüse zu holen oder einfache Nachmittage draussen im Garten, die Jasskarten griffbereit neben dem Korb mit meiner roten Strickarbeit… Herbstliebe.
Und dann die leuchtenden Töne der Herbst-Festlichkeiten kommender Monate, auf die ich mich immer so schaurig freue;  ein farbenfroher Herbstmarkt-Buden-Wald in greifbarer Nähe (mit Mohrenkopf-Schiessen…), fröhliches Geburtstagsbunt, das Leuchten der Räben am Räbäliechtli-Umzug wenn es kühl und neblig wird…
Welche Farben bringen euer Herz zum Klingen?
PS. Ich sehe grad, dass alle Fotos plötzlich Rahmen haben… keine Ahnung warum. Mal sehen, wie ich das wieder weg kriege…
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this moment

Nach einer Idee von Soulemama: Freitags ein Foto, eine Erinnerung. Keine Worte oder nur wenige. Kommentar-los.
 Ein immergleiches Ritual zum Wochen-Ende, wenn der Blick zurückfällt und es Zeit wird für eine Pause.


spätnachts 
leises Kinderfüssetrippeln
“Mami, weisch… ich chann nöd schlaafä…”
(“Mama, weisst du, ich kann nicht schlafen…”)
Zeit finden für Worte, die sonst so schnell untergehen im Lärm der Familie
Zeit fürs Zuhören, fürs Beieinandersein, fürs Zusammen-Einwickeln in die Sofa-Wolldecke
Mutter und Kind
Geborgenheit
this moment
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Jetzt darf der Herbst kommen!

Ja, jetzt darf er definitiv kommen!
Zu frieren brauch’ ich jetzt nämlich nicht mehr so schnell mit dieser Woll-Weste aus reiner Schurwolle. Gemacht aus meiner allerliebsten Wolle von Brigitte, handgefärbt für mich in meinen Wunschfarben. Beerentöne, so kuschelig warm, auch fürs Auge…
Es ist das erste Mal, dass ich etwas, das grösser ist als ein Schal für mich selber gestrickt habe, und anfangs lag mir immer diese Angst im Nacken, die Angst vor Fehlern und meilenlangen Woll-Fäden, gewellt wie Zapfenlocken vom vielen Aufribbeln… Doch dann reihte sich Masche um Masche aneinander, leicht und fröhlich und unbelastet, ich wiederum mit jeder Reihe zuversichtlicher und begann, den Prozess so richtig zu geniessen. (Zum ersten Mal, muss ich gestehen, weil, ich bin ein bisschen so was wie ein gebranntes Kind, was Komplikationen beim Hand-Arbeiten angeht…)
Vielleicht blieb ein bisschen von dieser inneren Zufriedenheit hängen im Maschengeflecht, so wie glänzende Fische im Fischer-Netz; ich trag’ sie nämlich unheimlich gerne, diese Weste (was man auch bereits sieht, aham)!
Das Strickmuster hab’ ich hierbei Drops gefunden. Die Knöpfe dann letzten Donnerstag in der Nachbarsstadt, nachdem ich bei uns nirgendwo schöne Holz-Knöpfe finden konnte. Und Holz sollte es schon sein, fand ich irgendwie. Holz, so warm und bodenständig wie das Gefühl, das mich durchflutet, wenn ich in meine neue, selbstgemachte Weste schlüpfe.PS. Ich habe meine Version in Grösse L gestrickt, denn ich mag es nicht allzu figurbetont. Für meinen Geschmack ist aber auch Grösse L noch reichlich schmal geschnitten und dürfte gut und gerne noch drei, vier Zentimeter länger sein. Bei mir fehlt noch die Strick-Blüte, die das Original so wunderschön ergänzt, das seh’ ich jetzt auch, doch dafür blieb’ einfach keine Geduld mehr übrig… Und auch keine Zeit, denn das nächste wirklich dringende Projekt liegt bereits wieder auf meinen Nadeln…

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