Monatsarchive: August 2010

erinnert: Spukgeschichten

Die Reaktionen auf meinen letzten Post hin, waren wunderbar; So viele schöne Kindheitserinnerungen kamen hoch bei euch und sprudelten in eure Kommentare, dass es eine wahre Freude war, sie zu lesen! Wer weiss, vielleicht möchte die eine oder andere von euch einen ganzen Memory-Post bei sich schreiben? Ich würde selber gerne mehr Geschichten aus eurer Kindheit hören…
Susanne von „Ein Häuschen für Rapunzel“ hat mich in ihrem langen Kommentar gefragt: „Magst du noch mehr erzählen?“ Und ob ich mag! Gut, dass meine Kinder spielen und das Baby schläft, denn eben kam mir diese Sache in den Sinn, die ich gemeinsam zwei meiner vier Brüder vor vielen, vielen Jahren erlebt habe, eine merkwürdige Sache, eine äusserst merkwürdige Sachen, man könnte fast sagen, eine mysteröse Sache…
Wir waren noch klein, ich vielleicht sieben oder acht, meine Brüder fünf und drei, vier Jahre alt, und wieder einmal zu Besuch bei meiner Oma auf dem Lande. Wie meistens trollten wir uns nach dem Zvieri nach draussen, planlos, aber voller Entdecker-Lust. In der ungemein spährlich gesähten Nachbarschaft (vier, fünf Bauernhöfe), gab es nur wenige Kinder, aber immerhin; zwei davon, Susanne und Stefan, zwei rotbackige, kerngesunde Blondschöpfe, waren unsere Ferienfreunde, mit denen wir viel Zeit verbrachten. An jenem Wintertag also, durchstreiften wir gemeinsam die Gegend. Meine Oma wohnte in der Steigung einer durch und durch grünen Hügellandschaft, völlig „näbädussä“ (=ausserhalb), ringsum gab es eigentlich nur eine holprige Landstrasse, Bauernfelder und etwas weiter weg Wald. Und ganz zuoberst ein altes, verlottertes Bauernhaus, von dem niemand so richtig zu wissen schien, wem es gehörte. Der verschlungene Weg dorthin kam auch nicht vom Weiler meiner Oma her, sondern aus einer ganz anderen, mir unbekannten bekannten Richtung. Ich kann mich nicht erinnern, dort oben jemanls eine Menschenseele gesehen zu haben. Es war mir immer ein wenig mulmig zumute, wenn ich das grosse, dunkle Gebäude von unten her sah, doch an jenem Tag gerieten wir Kinder aus irgendeinem Grund genau dorthin. Vielleicht wollten wir uns aus Spass den leicht verschneiten Hügel herunterrollen lassen, vielleicht hatten wir auch Verstecken gespielt – jedenfalls standen wir plötzlich vor diesem Haus und blickten auf einen kleinen, überwucherten Garten. Ein Teich lag darin, vereist und dunkel wie ein Tierauge. Daneben ein hölzernes Gartenhäuschen, ein Spielhäuschen vielmehr. Über allem lag eine bedrückende Stille. Zögernd schlichen wir auf das Häuschen zu und äugten durch die staubigen, kleinen Fensterscheiben. Im Halbdunkel sahen wir alte Puppen, Teddybären, Bücher, uralt und abgenutzt und wie zerwühlt. Ich weiss noch, dass mich ein unerklärlich unbehagliches Gefühl beschlich, als ich das Spielzeug sah. Es kam mir so verloren vor… Die Tür muss abgeschlossen gewesen sein oder wir waren einfach alle zu ängstlich, jedenfalls hielt es uns nicht lange im Garten. Wir schlichen ums Haus. Kein Licht, kein Geräusch. Aber Vorhänge an den Fenstern. Es gab zwei Türen. Eine Haustüre, um die wir einen weiten Bogen machten, und eine niedere Brettertüre, wahrscheinlich zum Stall hin. Ich erinnere mich nicht mehr, wer von uns es war, doch einer von uns besass den Mut, vielmehr die Dreistigkeit, am Kettenschloss zu „gfättärlä“, das die wacklige Scheunentür zuhielt, und brachte es irgendwie zustande, dass das Schloss aufsprang. Die Tür öffnete sich ohne weiteres . Vielleicht gab es aber auch gar kein Schloss, sondern nur meine weise Kinderangst, die mich zurückhalten wollte, vor dem, was sich vielleicht hinter dieser Tür verbergen könnte…
Wie eine Herde verlaufener Schafe, betraten wir den Raum – Und blieben wie angewurzelt stehen. Denn was wir hier sahen, verschlug uns den Atem: mitten in der grossen, dunklen Scheune, auf einer Art Tribühne, stand- wir trauten unseren Augen kaum- ein riesengrosses Himmelbett, weit wie ein Trampolin, bezogen mit den allerschönsten, feinsten Kissen und Decken in den leuchtendsten Farben. Ringsum lagen Staub und Heu, doch das Bett schien wie überirdischen zu leuchten. Ich konnte kein Fenster erkennen, auch keine Lampe, das Licht wirkte, als käme es direkt vom Bett selber… Atmelos schlichen wir die Stufen hoch, fassten in die weichen Stoffe, legten uns vorsichtig hin und betrachteten voll stummen Staunens, wie die Luft um uns herum glitzerte wie glimmender Goldstaub. Es war, als wären wir eingetaucht in eine verwunschene Märchenwelt.
Doch plötzlich zerriss ein heller Kinderschrei den Zauber; mein kleiner Bruder, der irgendwo unten gestanden war, rannte wie ein Wiesel zur Türe raus. Wir alle natürlich hinterher, obwohl keiner von uns eine Ahnung hatte, weshalb. Wir rannten wie vom Teufel verfolgt, aus der Scheune, den Hügel hinab zum Haus meiner Oma und dort noch weiter bis in die warme Küche, wo meine Mama mit Oma gemütlich Kaffee trank. Erst da blieben wir stehen, holten Atem und sahen uns mit grossen Augen an.
Mein Bruder behauptete später, er hätte einen Totenkopf gesehen. Und Schritte gehört, schwere Schritte wie von Stiefeln.
Erst viele Wochen später, imfröhlichen Licht des Sommers, wagten wir uns noch ein letztes Mal nach oben zum „Geisterhaus“, wie wir es nannten. Doch als wir vorsichtig einen Blick in die Scheune warfen, fanden wir dort nichts weiter als Dunkelheit, Heu, Staub und Gerümpel. Das Bett war, mitsamt seinem seltsamen Zauberlicht, verschwunden.
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what makes me happy: Milch vom Bauern

Meine Wurzeln mütterlicherseits verlieren sich zu einem Achtel irgendwo in den Tiefen Russlands. Von meinem Vater aber habe ich zutiefst urschweizerische Gene geerbt: Seine Eltern, beides geborene Bergbauern, die es dann aber in ein „Heimät“ (= ein Bauerngrundtsück) im Toggenburg verschlug, stammen ursprünglich aus dem Kanton Uri, aus Bürglen, wo auch WillhemTell gelebt haben soll, will man der Legende glauben. Ich war zeitlebens stolz auf diese Wurzeln und habe es immer geliebt, bei Oma und Opa zu sein, wenn Heu-Ernte war oder Kirschen-Zeit oder Weihnachten oder wenn meine Mama einfach so mit uns zu ihren Schwiegereltern fuhr. Ich erinnere mich an bergeweise Schnee im Winter , an Schlittenfahren, Omas wollenes Kopftuch um meinen Kopf und den „Chuänagel“, wenn einem die Hände so kalt gefroren waren, dass das Auftauen schrecklich schmerzte. Ich erinnere mich an die freiesten Stunden meiner Kindheit, wenn ich alleine war mit meiner Oma, und sie mich ziehen liess in die nahen Wälder, wo ich zum ersten Mal in meinem Leben so richtig alleine war und doch so geborgen. Wilden Bärlauch gesammelt habe im Frühjahr fürs Butterbrot zum Znacht oder Lehm aus dem Bach, mit dem ich Schalen tonte, die doch nie richtig hielten. Ich erinnere mich an heisse Sommer auf dem Feld, wenn mein Onkel Toni auf dem alten, roten (oder war er grün?) Hürlimann Traktor sass, die Frauen das Heu zusammenrechten und wir Kinder nichtstuend in der Sonne schwitzten, mit einem komischen Geschmack im Mund vom lauwarmen Citro, das es immer gab zum Znüni, zusammen mit Landjäger und diesem fürchterlichen Ruchbrot vom hiesigen Beck, die Hände klebrig vom Raketen-Wasserglace, das meine Oma uns hurtig aus dem Keller geholt hatte. Ich erinnere mich an Kaffee aus der Termoskanne, schwarz und heiss und immer mit Zucker. An die Geräusche der Kühe im Stall, die ich nachts im Bett hören konnte, wenn ich das Ohr an die Holzwand hielt. An das Rascheln über mir, denn es gab Mäuse in der Zimmerdecke. An das Klappern der Milchkessel, frühmorgens, wenn Opa die Kühe molk. Oder an die grossen Milchkannen in der Küche, gleich vor der Holzanrichte mit dem Laib Brot. Manchmal schwammen Fliegen darin, doch die wurden abgeseiht, bevor die Milch fortkam in die Chäsi und ich genoss sie „einäwäg“ (=trotzdem), die dampfend heisse Morgenovi, die immer für mich auf dem Tisch bereit stand, wenn ich noch ganz verschlafen die Treppe herunter in die Küche tapste. Ich erinnere mich… an so vieles, das mir lieb und teuer ist. Meine Grosseltern haben mich mitgeformt, denke ich, indem sie mich ihren Bauernalltag miterleben liessen, ungekünstelt, nicht immer mit viel Zeit für mich vielleicht, aber doch immer mit einer gewissen, selbstverständlichen Liebe und Wärme. Ihr Hof war ein Stück Daheim für mich. Und das Land, das ihn umkränzte eine Wildnis, die mir vertraut erschien, gefahr-los und voller Magie, wie eine Insel in einer für mich als Kind schon eher bedrohlichen Welt.
Wenn ich jetzt alle paar Tage zum Bio-Bauern im Dorf radle mit meinen eigenen Kindern, das Milch-Chessi sauber geschrubbt für die zwei Liter Milch, die wir brauchen, dann fühlt sich das so richtig an. Stampfende Kühe, die der Bauer beim Namen kennt, zu „Mädli“gerechtes Gras vor dem Hof, Rauchschwalben im Stall-Gebälk, frische, dampfende Morgen-Ovi…
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what makes me happy: „Verrückt nach Schokolade“ von Trish Deseine

Vor kurzem lag ein Paket im Briefkasten. Ich hatte keine Ahnung, warum es da lag, noch was drin sein könnte… Meine Hände flatterten wie zwei Schwalben, als ich die Laschen löste, und als der Inhalt vor mir auf dem Tisch lag, knisterte die Luft förmlich vor Spannung, vor Verzückung, vom gierigen Schnüffeln des wilden Schokoladentigers in mir…
Meine Freundin Sabrina hat mit ihrem Überraschungs-Geschenk den Nagel direkt auf den Kopf getroffen, denn „Verrückt nach Schokolade“ ist ein bildgewaltiges Nasch-Werk, das einen Schokoholic wie mich noch vor dem Frühstück an den Herd treibt, um mit einem „Schokoladen-Müsli“ beschwingt in den Tag zu starten, einen „Brownie-Crunch mit dreierlei Schokolade“ für eine nachmittägliche Schokoladen-Orgie vorzubereiten oder den „Kuchen von Jean-Francois, der immer in der Form klebt“.
Das Buch ist gebunden und handlich, mit meistens ganzseitigen, wunderschönen Fotos von allen Leckereien, die es hier zu entdecken gibt. Die Aufmachung kommt erfrischend modern daher, und der lockere Schreibstil der Autorin tut so gut nach all den eher trockenen „man nehme…“Standartwerken, die ich so kenne. Trish Deseine leitet jedes der acht umfangreichen Kapitel ganz charmant mit ein paar humorvollen Anekdoten ein, was das Lesen und Blättern schon mal sehr amüsant macht. Und wie gesagt, die Fotos sind allein schon ein Augenschmaus!

Anfänglich gibts „ein paar Tipps zu Beginn“, Grundrezepte für Rühr-und Biscuitteige, diverse Saucen, für Caramels, Cremes und Schäumchen. Danach lernt man unter „Schokolade zum Knabbern“, wie man Truffes, Schokoladen-Häppchen, Cookies und Plätzchen zaubert. Bei „Schokolade ganz klassisch“ findet man süsse Klassiker „ein wenig überarbeitet“, während die „Schoko-Therapie“ (mein Lieblingsteil, ohne Frage!!!) einem richtiggehend überschwemmt mit schokoladensatten Genüssen, die bestimmt direkt aus dem Schlaraffenland importiert wurden… Weitere Kapitel sind „Schokolade für Kinder“ mit Ideen, die man gerne auch mit schokoladenverliebten Kindern gemeinsam erarbeiten kann oder die speziell für einen Kinderanlass gedacht sind, und „Schokolade ganz chic“, das Kapitel für kleinere aber extra feine Dessert-Kreationen nach einem guten Essen. Ganz zum Schluss findet man noch ein paar Worte zum richtigen „Werkzeug“ und Umgang mit Schokolade ( Schmelzen und so).

Ich bin wirklich ungeheuer begeistert von diesem Koch-und Backbuch. Von meinen bereits 7 Dessert-Büchern, vier davon allein zum Thema Schokolade, ist mir „Verrückt nach Schokolade“ das allerliebste. Der einzige Schönheitsfehler: Bisher kam ich noch gar nicht dazu, eines der Rezepte auszuprobieren… Das muss natürlich sofort nachgeholt werden!

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what makes me happy: gute Anleitungen

Als ich in der Grundschule mein erstes Paar Socken im Handarbeitsunterricht stricken musste, waren meine Hände schweissfeucht und die Socken die reinste Zangengeburt. Ich wurstelte mich durch, trug die Dinger- grün gestreift waren sie- sogar, sagte mir aber : Einmal und nie wieder!
Dass ich später nochmals Strickbücher wälzen und mit der Häkelnadel vor youtube-Anleitungsfilmchen sitzen würde, um diese Handarbeiten wieder zu lernen, hätte ich mir im Leben nie träumen lassen (youtube gab’s da sowieso noch gar nicht, nicht mal Internet wahrscheinlich…). Aber so ist es. Und es macht mir wirklich viel Freude. Viel mehr als damals. Obwohl ich weder das Stricken noch das Häkeln so richtig durchschaue und noch oft vor einer Anleitung sitze verzogenen Augenbrauen und diversen Knoten im Kopf: Was für andere völlig klar ist, kommt mir immer wieder fremd vor und ein bisschen bedrohlich, wie ein Wagnis in unbekanntes Gelände.
Umso dankbarer bin ich für Anleitungen, die sich quasi zu mir herunterbeugen, mit deutlichen Bildern und einer Erläuterung, die mir auch die Zwischenschritte erklärt und „selbstverständliche“ Dinge, wie Randmaschen oder dergleichen nicht vergisst. Wenn ich beim Trödler oder auf dem Flohmarkt auf Beutejagd gehe, stöbere ich seit kurzem auch bei den Staplen vergilter Strickzeitschriften, denn dort findet man ab und zu wirklich prima Vorlagen. Für den umhäkelten Stein zum Beispiel, nach dem mich kreativberg schon vor einer Weile gefragt hat… 

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