Monatsarchive: Mai 2010

Rose

Unser kleiner Garten hinter dem Haus ist ein Flickwerk; verwildert, völlig undurchdacht, bepflanzt, besamt, bestückt mit allem, was uns gerade gefällt. Manches wächst sich fest und macht sich breit, manches wird von Unkraut oder unerwartet dicht wachsenden Pflanzen verdrängt, manches fühlt sich einfach nicht recht wohl an seinem Plätzchen.
Ein paar wenige Pflanzen aber leben hier schon seit eh und je: die dichte Tuja in der Ecke, die uns von der Strasse abschirmt, Osterglocken und Tulpen ( leider jedes Jahr weniger dank meiner schlimmen Jät-Technik)
und ein paar Rosensträucher.
Ihre Stärke ist erstaunlich; Als hätten sie letzen Sommer keinen ziemlich rabiaten Umzug in ein frisch angelegtes Beet verkraften müssen, blühen sie heuer sogar früher als alle anderen Rosen in der Umgebung in leuchtendem Pink und verströmen einen Duft, der einem die Augen verdrehen lässt vor Wonne.
Die Rose ist und bleibt die Prinzessin unter den Blumen.
Und für eine kleine Prinzessin, die heute ihren 6. Geburtstag feiern durfte, habe ich Samstagabend diese kleine Mädchen-Tasche genäht. Die Stickerei ist schon recht alt und stammt von meinem Lieblingshändler, einem kleinen, lustigen Herrn, der mit seinen wundervollen Sachen von Ort zu Ort zieht. Er ist selber ein erklärter Handarbeits-Liebhaber und Profi im Gebiet antiker Spitzen und Stickereien. Mit ihm zu plaudern verdreht einem geradezu den Kopf: Wann immer ich ihn treffe, kehre ich mit leerer Geldbörse und vollen Tüten heim…
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das wollte ich euch noch zeigen

Obwohl eigentlich kein Tag vergeht, an dem mir nicht zig schöne Projektfantasien den Kopf vernebelt hätten und kaum einer, an dem ich meine Hände nicht wenigstens für ein paar kostbare Minütchen mit irgend einer kleinen, kreativen Spielerei beschäftigt hätte, arbeite ich fast nur abends so richtig daran. Meine Kinder sind noch klein und ich bin keine ruhige, versierte Handarbeiterin, sondern gehöre eher in die Kategorie Nervenbündel mit Patchhändchen- wenn ich euch jetzt erzählen würde, was bei meiner Kinderstrickjacke in Dauerarbeit wieder alles schief gelaufen ist, ihr würdet euch die Haare raufen bei der blossen Vorstellung… Fertig ist sie natürlich auch noch nicht. Dabei wären die letzten kühlen, regnerischen Wochen das perfekte Timing gewesen dafür!
Naja, sie ist Kind1 ohnehin noch an die zwei Nummern zu gross…
Anstelle einer Strickjacke sind aber andere Sachen entstanden! Der Türkranz zum Beispiel, von dem ich euch schon vor einer Weile erzählt habe. Ich wollte, dass er das ganze Jahr über passt, darum ist immer ein Viertel einer Jahreszeit gewidmet, nur ganz subtil im Stoffdesign, weil ich er trotzdem einheitlich bleiben sollte.
(Die Stoffe sind durchs Band Restfitzelchen, das Vögelchen ist aus Woll-Filz, von Hand genäht und sachte mit Rohwolle ausgestopft. Leider fühlt es sich ein bisschen einsam, so alleine, was natürlich nicht kein Zustand sein kann; Ich werd’ ihm wohl oder übel einen kleinen Piepmatz-Freund nähen müssen…)
Weil ich Filz so irrsinnig schön finde und beim Vogelnähen so richtig auf den Geschmack kam, stichelte ich diese kleine Papeterie zusammen. Mittlerweile enthält sie hübsche Postkarten, Couverts samt Briefmarken und vorne einen netten Stift; bereit verschenkt zu werden.
(Die Anleitung dazu habe ich aus “handstiched felt” von Kata Golda, einem Buch, das ich gerade wegen seiner Einfachheit immer wieder gerne zur Hand nehme.)
Verschenkt habe ich auch diese Rosen-Briefmappe. Sie reiste ins Ausland zu einem neugeborenen Mädchen, um dort eine wahre Flut an Glückwünschen aller Art in Obhut zu nehmen…
(Der Stoff war ein alter Kopkissenbezug, gestärkt mit einer Zwischenlage dünnem, festen Vliesline. Ich habe wieder, wie schon hier, nach der Anleitung in “handmade home” von A. Soule genäht.)
Eigentlich habt ihr Steckenpferdchen “Luzi” schon gesehen… aber er wollte unbedingt nochmals aufs Foto, der eitle Fratz!
Und diese süssen Käfer auch. Nach einem meiner nahezu täglichen Besuche bei “mamas kram”, wusste ich nämlich gleich, was aus der schwarzen Schokolade und der offenen Packung Mandeln werden würde… Die Kinder waren hellauf begeistert!
Und dieses einfache Täschchen wird bald an der Hand eines demnächst 5jährigen Mädchen baumeln und Perlenketten tragen, Bonbons oder Barbie…
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Fundstücke

Bei einem meiner letzten Streifzüge durch die Welt des Abgelegten, Verschmähten und Entrümpelten machte ich Bekanntschaft mit ein paar Kleinoden, die unbedingt und ohne Widerrede mit mussten mit mir, der Sachensammlerin und Hüterin alter Geheimnisse. Denn, wer weiss schon, was die süsse, alte handgehäkelte rosa-Decke alles mithören durfte, während flinke Hände ihr Leben einhauchten (da das bestimmt Jahre dauerte, könnte da tatsächlich einiges an Lebensgeschichte zusammengekommen sein- oder einfach an Fernsehprogrammen…). Die Bilderbücher von Herrn Heinzel stammen noch aus den 50er Jahren, die ultimativ nettesten Kinderillustrierten voller bildschöner Zeichnungen aus den 80ern und 90ern (ob’s “Spiel mit” noch immer gibt???). Kleine Häkeldeckchen, wie dieses wandern hier ohne Rast und Ruh von Raum zu Raum, und landen schlussendlich vielleicht sogar schon bald auf einem noch-zu-nähenden Sofakissen oder auf dem Geburtstagstäschchen eines kleinen Mädchens…
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Tag 4, 5 und 6: So tun, als ob

Unser neues Wohnzimmer hat weite Kreise gezogen: das alte Wohnzimmer wurde zt. geräumt und zum Kinderspiel- und Teilzeitschlafzimmer erklärte, Kind1 kam zu einem eigenen Zimmer, das Eltern-Baby-öfter-als-nicht-auch-Kinder-Schlafzimmer wechselte ebenfalls. Eigentlich blieb nur das Büro, wo es vorher war… Nebst Mini-Bad und Küche.
Interessant ist allerdings, dass wir die neue Stube tatsächlich noch gar nicht richtig bewohnen. Weil uns noch Möbel fehlen, weil der frische Anstrich an Tisch wie Stühlen noch nicht richtig durchgetrocknet ist etc. Mein Mann wird noch eine Kommode bauen, Fotos für drei grosse Bilderrahmen sollte ich auch noch aussuchen- und va. die Vorhänge nähen, denn wir wohnen ziemlich ungeschützt direkt an der Strasse, wo wir den Gästen im Lokal vis-à-vis fast ins Bierglas spucken könnten… Vorhänge müssen leider sein.
Und ein paar definitive Entscheidungen, wie wir unser Haus längerfristig einteilen möchten, müssen auch langsam sein, finde ich, denn ich bin das ständige Hin-und Herschieben von Möbeln, Kisten und Zimmernamen satt. Ich wünsche mir, einfach sagen zu können: Das ist mein Schlafzimmer. Das ist ein Kinderzimmer. Hier ist unsere Waschküche.
Ich möchte mich endlich richtig niederlassen, Bilder aufhängen, Bettwäsche nähen, passend zum Teppich, Spielnischen einrichten und einen Raum gestalten, bis er sich nach “Zuhause” anfühlt. Das Provisorium quält mich.
Um die Untätigkeit besser ertragen zu können, bis zumindest das Wohnzimmer wirklich fertig ist -Möbel lackieren oder -bauen gehört definitiv nicht zu meinen Talenten und wäre mit Baby und zwei neugierigen Jungens auch keine so gute Idee- greife ich zur Vogelstrauss-Taktik: Baustellenstau ignorieren, mein inneres Drängen beiseite schieben und so tun, als wäre alles ganz normal. Wenn weglaufen schon nicht geht, dann wenigstens wegschauen. Wieder etwas Alltagsroutine zulassen und einfach da sein
den verregneten Mai tief einatmen und draussen Pfeilbogen schnitzen 

ganz spontan noch kurz vor dem Mittagessen Steckenpferd “Luzi” und “Fanny” basteln für meine unerschrockenen Ritter, die den Nachmittag dann mit Turnier-Wettkämpfen hoch zu Ross verbringen (oh, sie hatten so vielSpass!)Naturfundstücke heimtragen

 

uns freuen an dem , was wir schon haben (Kind1 liebt sein “neues” Zimmer!) 

den Wäsche-Mount-Everest bezwingen (und all die anderen Everests, die sich so auftürmen hierzulande) 

und abends dann in aller Stille ein wenig die Nadeln klappern lassen…

 

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