Monatsarchive: März 2010

auf der Suche nach… System

System!
Was für ein vielversprechendes Wort; wenn die Geburt eines Babys den ohnehin schon bloss notdürftig sturkturierten Alltag nachhaltig durcheinanderwirbelt, dann klingt das einfach nur nach entlastemder Klarheit. S-T-R-U-K-T-U-R, nicht unbedingt melodisch, merk’ ich grad, aber man muss hier jetzt einfach die inneren Werte sehen…
Ich bewege mich gerade in einer dieser sonderbaren Phasen, wo man spürt, dass Veränderngen anstehen, vielleicht sogar schon im Gange sind, und von irgendwoher mit einer merkwürdigen Energie gespiesen wird, die einem hilft, nicht locker zu lassen, sondern ein altes, dummes Thema endlich anzupacken. Vielleicht hängt es mit dem Frühling zusammen. Oder mit unserem Haus-Umbau. Oder ganz einfach damit, dass mir klar geworden ist, wie oft ich kräftemässig an der absoluten Grenze entlangschramme.

Es muss sich etwas ändern. Es wird sich etwas ändern.
Ich fange im Kleinen an und lese, wie ihr schon wisst, in meinem schlauen, neuen Buch die Tricks und Kniffe der Profis, wie man mit dem Rohstoff Zeit bewusster umgehen könnte.
Einer der ersten konkreten Schritte, zu denen dieses gar nicht mal üble Buch rät, ist das Tagesprotokoll:
Um mir ein realistisches Bild davon zu vermitteln, was ich so alles in meinen Tag reinpacke, schreibe ich an 6 normalen Wochentagen alle halbe Stunde auf, was ich in dieser Zeit gemacht habe, von der Katzenwäsche, über den Geschirrspüler ausräumen, zum Bilderbuchvorlesen etc. Dazu notiere ich mir die Zeiträuber, die mich im Grunde nur behindert haben (Telefon-Verkäuferin zB.) oder Stör-Faktoren (die streitenden Kinder, die mich immerzu ablenken, beim Briefeschreiben oä.). Ganz zum Schluss schreib’ ich noch auf, wie ich mich fühle, ob ich müde bin oder gestresst oder beschwingt oder so, weil, ich will ja rausfinden, wo die Kriesenherde liegen, wie sie entstehen, um auf dieser Grundlage dann nach Wegen zu suchen, die diese Situationen entschärfen könnten.
Das klingt nach unverhältnissmässig viel Schreib-Arbeit, zugegeben, paber mir macht die ganze Sache richtig Spass, muss ich sagen. Diese kurzen Notizen in mein Protokollblatt verleihen meinem profanen All-Tag ein gewisses… Gewicht. Als wäre ich Probandin in meinem eigenen, spannenden Forschungsprojekt.
Mitten in diesem Drängen nach mehr Ordnung, Struktur und Entrümpelung, habe ich letzten Freitagabend das hier gemacht:
Unsere Familienpinnwand.
Ich mochte den braunen Kork nicht mehr sehen, jetzt, wo’s draussen so schön grünt nach der braunen Matsche der Schneeschmelze. Also hab’ ich das Board einfach mit einem alten Baumwollstoff, den ich schon immer mochte, eingefasst, und hinten festgetackert, bzw. festgepinnt, denn mein Tacker war leer, während die Dose mit Reissnägeln geradezu überquoll.
Die Taschenleiste unten ist eine Art Patchwork-Streifen, zusammengenäht aus 5 ausgedienten Babybodies und T-Shirts meiner Kinder, damit jedes seine eigenen kleinen Bereich hat unter all den gemeinsamen Terminen und Notizen darüber.
Hier in diesen Taschen finden Extra-Zettel Platz, oder der Brief, der zu Post muss- oder die Ämtli-Karten, die meine Kinder seit neuestem jede Woche für sich ziehen müssen. (“Ämtli” ist das schweizerdeutsche Wort für eine Kinder-Aufgabe im Haushalt, wie den Tische decken etc.) Mir ist es wichtig, dass meine Kinder sich als wichtigen Teil einer Gemeinschaft sehen, der mitarbeiten kann und soll. Ausserdem ist mir jede noch so kleine Handreichung eine grosse Hilfe, denn mit meinem Baby komme ich nach wie vor zu… na sagen wir nur zur Hälfte des Notwendigen. Mit der Ämtlikarte wird ein gewähltes Ämtli sozusagen amtlich; die Karte, beschriftet und mit Zeichnung versehen, erinnert meine Kinder immer wieder an ihre Aufgabe und verleiht ihr Gewichtigkeit, was eine völlig neue Dynamikmit ins Spiel brachte.
Besser als Stofftaschen wäre vielleicht ein abgetrennter, offener Pinnwand-Teil, damit Aufgaben etc. noch besser sichtbar weren… Und ein Bereich nur für Wünsche würde mir auch gefallen, denn die gehen doch viel zu schnell unter…

Aber für den Moment reicht mir, was ich habe. Manchmal braucht es nur wenig, und der Stein, der ins Rollen kam, löst eine Lawine aus… Eine von der guten Sorte diesmal.

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auf der Suche nach… dem Osterhasen

Dieser Titel ist natürlich mit einem Augenzwinkern getippt, denn erstens glaube ich seit der ersten Klasse nicht mehr an den Osterhasen, zweitens habe ich mit der Osterhasenmärchentradition ohnehin gebrochen, und drittens wäre diese Suchen sowieso noch etwas verfrüht, so ein Woche vor Ostern, wo alle osterhasengläubige Welt doch weiss, dass er da noch Tag und Nacht Eier bemalt…
Ne, auf der Suche nach dem Osterhasen bin ich nun wirklich nicht.
Ich hab ja den hier:Vor etwa eineinhalb Jahren habe ich, um wieder richtig stricken zu lernen, diesen kleinen Meister Lampe gemacht.
Ich war damals schwanger mit meinem Baby, und mir war sooooo hundelend wie immer, wenn ich schwanger bin, nur schlimmer.
Lesen ging nicht, weil, da wurde mir nur noch schlechter (ich konnte selber kaum glauben, dass es von dieser unglaublichen, alleslähmenden Übelkeit überhaupt eine Steigerungsfrom gab). Auch stricken ging nicht, was mich sehr quälte, denn ich befand mich damals gerade in dieser euphorischen Phase des Handarbeiten-Wiederentdeckens, in der ich wie benommen vor Glück über all die unfassbaren Möglichkeiten auf meinen Nadeln von Projekt zu Projekt taumelte. Sobald ich wieder zwei, drei Maschen zustande brachte, ohne mit Schweissausbrüchen aufs Kissen zurückzusinken (ich verbrachte die ersten vier Monate fast ausschliesslich irgendwo herumliegend), griff ich wieder zu diesem kleinen lustigen Wicht, und hatte ihn dann plötzlich, schwupps, fertig.
Das Garn war natürlich das Falsche, die Ohren ein Desaster, aber ich fand ihn ganz okay. Meine Kinder lachten sich allerdings erst mal schief, als sie ihn zum ersten Mal sahen, doch da war er noch splitternackig, und für Kindern im Kindergartenalter wahrscheinlich eine Art Pointe auf zwei gestrickten Beinen. Nachdem Schlappohr ein T-Shirt aus dem zu klein gewordenen Lieblingsshirt von Kind1 und ein Paar gestreifte Hosen aus einem Stoffrest gekriegt hatte, wurde der Glückliche dann doch noch herzlich aufgenommen in den erlauchten Kreis ihrer Kuscheltiere.

Nun habe ich seit 7 Monaten das Baby, das damals in meinem Bauch heranwuchs, bei mir.
Die schlimme Übelkeit und das Ezetera ist zwar nicht direkt vergessen, aber verziehen und ins rechte Licht gerückt: für dieses süsse Energiebündel hat es sich milliardenfach gelohnt.

Mittlerweile spielt meine Baby selber mit Lutschhasi-Schlappohr, sehr gern sogar, obwohl er bereits jede Menge Konkurrenz gekriegt hat…

Falls jemand von euch noch auf der Suche ist nach einem netten, weichen Schmuse-Osterhasen für ein glückliches Kind oder sich selber, dann hat diese Suche nun ein Ende:
die wirklich gute Anleitung habe ich hier gefunden.
Vielleicht eher eine Last-Minute-Idee, aber noch ist eine volle Woche Zeit…

 

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auf der Suche nach… Frühlingsfrische

Beim Ausmisten meiner Stubenregale kürzlich, habe ich es doch tatsächlich übers Herz gebracht, einige meiner gehorteten Wohnzeitschriften auszumustern (*Schulterklopf*). Für einen richtigen Frühlingsputz reichen weder meine Energie noch meine Zeit, aber ein paar freigeschaufelte Zentimeter in der Wohnwand, habe bereits die Kraft so das eine oder andere Glückshormon tanzen zu lassen!
Nur: Viele der Zeitschriften-Bilder sind schlichtweg viel zu hübsch zum Wegwerfen.
Also haben wir Seite um Seite rausgerissen, Bilder ausgeschnippelt, Texte seziert und damit kleine Collagen zum Thema Frühling gemacht. Als begeisterte Besitzerin eine Laminiergerätes sah ich natürlich sofort die Chance der Saison für den grossen Auftritt meines Lieblings und liess den Laminierkasten für eine Weile ins Wohnzimmer einziehen, wo sogar Kind2 mit seinen 3 Jahren Untersetzer, Tischsets, Lesezeichen oder Frühlingsschild machen konnte.
Zeit, alte Freundschaften ein wenig zu beleben: mit einem frischen Frühlingsgruss frisch aus meinem Laminiergerät!Auf der anderen Seite, habe ich schlicht einfarbiges Papier verwendet und wie eine Postkarte beschriftet.
Mit dem Locher gestanzte Löcher oben verwandeln die Karte dann ratzfatz in ein Türschild oder, bei einem kleineren Format, in ein frühlingsfrisches Lesezeichen.

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auf der Suche nach… Frieden

Nach ein bisschen Frieden.
Nach dem kleinen, stillen Stückchen Frieden, dem man manchmal, ganz unverhofft begegnet, wie einem Freund in der Altstadt.
Nach der Art Frieden, der jeden grauen Gedanken an das öde Einerlei des Alltages auflöst in einen Teppich von Sonne.
Nach der Art Frieden, die einem fast schon nervös werden lässt, weil sie so flüchtig ist und so schwer zu halten wie ein fremder Vogel, den es weiterzieht, und weil nun jede Minute zählt im Versuch, ihn -für eine kurze Weile nur- für mich zu zähmen.
Nach dem kleinen, stillen, durch und durch prosaischen Frieden eben, der sich
sogar in einem Haus voller Kinder, Arbeit, Dreck und lautem Werkzeug dann und wann niederlässt.
Wenn Kind1 den Papa für eine gemeinsame Werk-Idee begeistern konnte…
…wenn Kind2 das Sofa entkleidet und sich eine warme Höhle baut…
…und das Baby friedlich schlummert…
Dann packt Mama kurz der Schrecken, denn es gilt, diese Kostbarkeit an freier, friedlich-stiller Zeit zu nutzen, und das
a) sofort, b) sinn-voll und c) mit grösstmöglichem Erholungs-Wert. Schwierig, schwierig.
Was tut Mama also?
Sie greift zum angefangenen Kinder-Woll-Jäckchen…
… und strickt.
(Allerdings erst nach den Fotos.)
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Veröffentlicht unter Familienalltag, Stricken | 6 Kommentare