Monatsarchive: Februar 2010

Papierflut

Eure zum Teil fast ein wenig besorgten Reaktionen auf meinen Vorsatz-Post hin, haben mich einerseits total gefreut, weil sie so beteiligt klangen, und andererseits auch zum Grübeln angeregt, weil das, was ihr schreibt, immer irgendwie Hand und Fuss hat.
Bin ich tatsächlich zu wenig vertreten auf meiner langen Liste? Ist sie wirklich zu lange? Überfordere ich mich selber, wenn ich mir ganze 21 Punkte “auferlege”- oder sind diese Punkte sowieso “nur” Insipration?… Alles gute Fragen, denen ich noch ein wenig nachgehen werde.
Habt alle ganz herzlichen Dank für eure Denk-Anstösse!
In einem Punkt bin ich mir allerdings schon sicher; mehr Struktur und Ordnung in meinem eher spontanen, richtig chaotischen Alltagsleben, wo ausser dem einfachen Stundenplan meines Erstklässlers kein einziger Fix-Termin die Freiheit meiner Woche einschnürt, wird mir selber wahrscheinlich am meisten nützen. Ich kann recht diszipliniert sein, wenn es denn sein muss. Aber die Zeiten, in denen es sein musste, sind längst vorbei… (Ich glaube, sie endeten mit der Geburt meines ersten Kindes oder so.)
Wahrscheinlich werden mich nicht einmal 21 gute Vorsätze an die Kette legen können…Während ich so nachdenke über eure Comments -habe ich schon gesagt, dass ich mich darüber gefreut habe? Ich meine, wirklich gefreut habe?- stromere ich ein wenig durchs Haus und sehe viele, viele, viele Dinge. Achtlos irgendwohin gepfercht. In der Warteschlaufe. Weil verlässliche Raumdefinitionen noch fehlen, genau wie Regale oder Schränke, die bleiben, und weil man vielleicht alles noch brauchen könnte. Oder auch nichts davon.

100 Dinge will ich loswerden.
An die 50 (oder mehr) bin ich wohl bereits losgeworden. In nur zwei Tagen.
Briefe!
Postkarten!
Uraltes Raschelpapier, das unser Wohnzimmer überflutete, nachdem ich es aus der grossen Kartonschachtel, auf der sich bereits der Staub der letzten 20 Jahre festgesetzt hatte, ans Tageslicht beförderte.
Bevor ich die unangenehme Bekanntschaft mit dem Thema “Umziehen” gemacht habe, zumindest mit Umzügen, für die ich selber verantwortlich war, hielt ich mich für eine nostalgische Person, die jeden Schnipsel aufbewahren muss.
Nach dem 6. Mal Umziehen in 10 Jahren sehe ich das anders.
Jetzt will ich loswerden.
Unbarmherzig wurden Couverts und Karten ausgemustert. Gnadenlos.
Zum Beispiel hatte ich in meiner knospenden Jugendzeit fünf Brieffreundschaften, an die ich mich überhaupt nicht mehr erinnern könnte, wären da nicht die schriftlichen Beweise (die nun nicht mehr sind). Oder die unzähligen Feriengrüsse mit nix als “Hier ist es wunderschön, ich freue mich auf Zuhause”.
Weg, weg, weg!
Nostalgisch wurde ich dann aber doch ein wenig, als ich die Briefe meiner Mannes in den Händen hielt, die er mir als 20 jähriger, junger Mann aus seinem USA-Aufenthalt schrieb. Und aus seiner Zeit als Rekrut. Da waren wir ganz, ganz frisch verliebt, blutjung und so sehnsüchtig… Ach ja…
Diese Briefe bleiben.
Genau wie noch viele andere auch. Weil sie Erinnerungen tragen.
Der Rest trug allerdings auch etwas.
Etwas, das meinen beiden Jungen in Verzückung brachte…

Briefmarken!
Eine neue Leidenschaft lodert in unserem Haus.
Unter all den Briefen versteckt, lagen auch ein paar Briefmarken-Sammel-Sets, themensortiert (Schmetterlinge, Flugzeuge, Urzeit-Tiere…), zum Teil atemberaubend schön und
wie ein süsses Bonbon, eine Extra-Freude für meine beiden.
Ich muss zugeben; für mich auch,
weil ein paar dieser winzigkleinen, gezackten Bildchen, hab’ ich sofort
für mich selbst abgezwackt…


Nur etwas beschäftigt mich noch: Nun, da die Kartonschachtel zum Recycling muss, stellt sich die Frage, wie ich die Post, die mir am Herzen liegt, am schönsten und besten archiviere…
Wo lagern eure papierenen Schätze?

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sich ausrichten


So viele Kommentare bei meinem letzten Post; das macht mir wirklich riesig Freude! Danke euch allen; Ich weiss mittlerweile selber, wie viel Zeit es kostet, immer wieder ein paar Worte zu hinterlassen, und schätze diese nette Geste von euch darum wirklich unheimlich!
Einge habe mich ja ganz nett getröstet und mir geraten, mich jetzt nicht unbedingt um Haushalt und Co. zu kümmern, sondern erst mal wieder richtig auf die Beine zu kommen, womit sie natürlich vollkommen Recht haben.
Trotzdem spüre ich, dass diese Sehnsucht in mir nach Ordnung und Ruhe tiefer geht; es ist das Bedürfnis nach mehr Struktur generell in meinem Leben, meiner Familie, das sich lauter und lauter bemerkbar macht…
Nun, liebes aufbegehrendes Bedürfnis; Ich habe dich gehört.
Sei gewiss: Es wirdÄnderungen geben, Pläne, To-do-Listen… Nur Geduld, Geduld…Gerade eben habe ich nach meiner gute-Vorsätze-Liste für dieses Jahr gesucht, und sie auch gefunden, allerdings in traurigem Zustand, als Suddel auf irgendwelchem Abfallpapier. Na, das geht natürlich gar nicht: Wer Struktur sucht, braucht zuallererstmal gut sichtbare Ziele, die er anvisieren kann, die ihm ins Auge stechen, wenn die Haltlosigkeit droht.
Darum hab’ ich mir gedacht, ich versorg’ das gute Ding am besten gleich hier, wo ich mich ohnehin jeden zweiten Tag aufhalte. Schlau, nicht?

Bevor es also zu sehr frühlingt und die ganze Sache allzupeinlich wird…

…meine Jahresziele:
1. Mehr beten. Täglich bestimmt, für mich alleine oder auch mit den Kindern, ganz wie’s passt.

2. Geduld üben. Abwarten, beobachten, bevor ich reagiere. Vor allem, wenn ich mit den Kindern unterwegs bin.
3. Jede Woche eine Familien-Malstunde veranstalten.
4. Weniger Stubengehocke: Gemeinsam jeden zweiten Tag nach draussen gehen. Auch bei Regen.
5. Einen Menüplan austüfteln für jede Woche, am besten gleich mit Kindern und Mann.
6. Dankbarer sein; Wege finden, Dankbarkeit auch auszudrücken.
7. Geburtstage nicht vergessen. Daran denken und Karten schreiben statt e-mails.
8. Unsere lokalen Bauern unterstützen, indem ich Äpfel, Eier, Brot u.a direkt bei ihnen kaufe.
9. Weniger kaufen.
10. Dafür öfter geben.
11. Ein paar Pulswärmer stricken, die zu meinen braunen Sachen passen.
12. Eine Geburtstags-Girlande nähen.
13. Extra viele Schmetterlingsblumen aussähen.
14. Wieder Raupen züchten.
15. Dem Gemüsebeet besser Sorge tragen, und aussähen, was wir auch gerne essen (nicht bloss pflegeleichte Pflanzen…)
16. Die Kinder in die Gartenarbeit miteinbeziehen.
17. Die Woche zumindest grob strukturieren, also zB. einen Backtag einführen und ähnliches.
18. Die Bilder meiner Kinder endlich einrahmen und aufhängen.
19. 100 unbenutzte Dinge loswerden.
20. Aus jedem meiner Nähbücher wenigstens ein Projekt wagen.
21. Mutmacherin sein und andre unterstützen.

Was immer ich davon in die Tat umsetze; es ist villeicht nur ein Schritt- aber immerhin ein Schritt in die richtige Richtung.

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dankbar in diesem Moment

Sonntagnachmittag, ca. 17:00Seit einer Woche habe ich kaum öfters als 2 Mal über zwei Stunden am Stück geschlafen, weil das Baby schrecklich schlecht schläft und viel weint, obwohl es wie immer bei mir schläft,
zwei meiner Kinder sind fiebrig und krank und wir alle ziemlich erkältet,
ich drohe im Chaos zu ertrinken,
jede Faser meines Seins ächzt unter der Sehnsucht nach einem hübschen, frühlingsleicht hergerichteten Daheim, mit fester Zimmerordnung und der Erleichterung eingerichteter Räume, die ein Haus erst zum Zuhause machen,
während die Realität eine einzige Baustelle darstellt…

Und doch: In diesem Augenblick geht es mir so gut!

Weil ich spüre, dass mein Körper der drohenden Grippe standhalten wird
(eine Mama darf ja niemals nicht krank werden!)
Weil mein Mann mit dem Baby im Tragetuch und einem bewegungsfrohen Kind1 für eine Weile spazieren ist, und ich so eine gute, stille Dreiviertelstunde für mich ganz alleine hab’,
während ein krankes Kind2 in seinem friedlichen Nachmittagsschlaf die beste Medizin erhält,
die sein kleiner Körper jetzt braucht.
Weil meine Schwester wohlbehalten aus Kambodscha zurückgekehrt ist, wie immer nicht mit leeren Händen; handgemachte Anhänger aus Kokosnuss, exotische Früchte und
eigentümliches, wunderschönes Gebäck.
Weil der selbergemachte grüne Eistee gerade so lecker schmeckt.
Weil ein fleissiges Heinzelmännchen heimlich in meiner Küche mit Staubauger und
Putzlappen hantierte (Danke, Mama!!!)
Weil es mir so viel Freude macht, an einem Tisch voller Köstlichkeiten vom Bauernhof zu sitzen.
Weil einer der wichtigsten Räume unsere Hauses bald, bald bereit sein wird, um von uns bewohnt und belebt zu werden.
Weil ich fest daran glaube, dass ich irgendwann die Zeit und Kraft finden werde, hier Ordung zu schaffen- mit Hilfe kleiner Helfer vielleicht?Weil der Frühling heute kurz vorbei schaute und sein fröhliches Licht noch lange zurückliess
wie ein Versprechen, das er bald einlösen würde.

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Rosemarys Wimpelkette

Vorgestern nachmittag habe ich Rosemarys Paket auf Reisen geschickt; in höchstens 2 Wochen wird ihre Mama mein Päckli öffnen, gefüllt mit Schweizer Schokoladetafeln, landeseigenen Hustenbonbons, handgemachten Bambi-Pins für die Mädchen, einer alte Medaille mit eingraviertem Oldtimer für ihren Sohn, besticketen Taschentücher – und mit Rosemarys Wimpelkette!

In diesem paar Winpelchen stecken so viele Gute Wünsche und so viel Liebe!
Ich habe Rosemarys Girlande aus alten Mädchen-Cordhosen genäht, von denen ich wusste, dass sie mir für mein Baby einfach zu “gschtabig” sein würden, deren Stoff in den Farben aber so wunderbar harmonierte, dass ich sie unbedingt zusammen vernähen wollte.
Ich mag verwaschene Töne so unheimlich gerne.
Weil mir einfach kein schönes Einfassband in die Hände fallen wollte (wir Schweizer sind punkto Bänder wirkliche Stiefkinder- in unseren Textilläden finde ich bloss uni Schrägbänder und eine mickrige Auswahl an bestickten Borten…), schneiderte ich mir kurzerhand selber eins zurecht, aus einer alten Tasche diesmal.
Diese Knöpfe mussten dann einfach noch sein: die Blümchenknöpfe sind aus Keramik und meine heimlichem Lieblinge in der Knopf- Schatulle. Den oberschnuckligen Mäusemutti-Knopf hat mir einmal meine Schwiegermama aus einer ihrer Brockenhaus-Touren mitgebracht:
Ich habe mich nur schweren Herzens von ihm getrennt, aber wenn ihn Rosemary mag,
dann ist er genau am richtigen Ort…

Eine Vintage-Dose mit wilden Rosen; perfekt für eine kleine RoseMary, oder?
Alles passte wunderbar hinein. Und die Aquarell-Karte, die ich mal während einer unserer Familien-Mal-Stunden gemacht hab’, wollte ich schon immer mal an jemand Liebes schicken…

Ich hoffe von ganzem Herzen, dass mein Paket ein wenig Freude bringen wird in Rosemarys Zuhause!

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