Monatsarchive: Januar 2010

kreativ am Rande 7: zum Spass

Also eure Reaktionen auf meinen letzten Post hin haben mich schlichtweg umgehauen; die angeregte Kommentar-Runde hier auf meinem Blog und eure freundlichen Worte… herrlich! Ich komme mir ein bisschen vor, als wäre ich auf Abenteuerreise… plötzlich entdecke ich Neuland in den Weiten der Ideologien und Weltbilder, und komme mit wildfremden Menschen in Verbindung, die mir Bruchstücke aus ihrer Welt zeigen, zwar aus meinem eigenen Kulturkreis, in meiner eigenen Sprache, aber trotzdem; spannend!
Bevor ich meine letzten beiden Einträge in den Äther geschickt habe, war mir schon ein wenig mulmig zumute bei so viel Ernsthaftigkeit. Die kann leicht in einen moralischer Fingerzeig kippen, was ich wiederum gar nicht liebe…
Heute bleiben wir dafür ganz locker. Zum einen weil Kontraste immer gut sind und zum anderen, weil ich mich gerade durch ein Energie-Tief schleife, das null Reserve für hochgestehende Ziele oder aufregende Debatten bietet. Darum bin ich auch äusserst nachsichtig mit mir zur Zeit. Haus und Stofflager verwildern zusehends, doch ich streife einfach Scheuklappen über, in der Hoffnung, dass meine Kräfte wiederkehren, bevor ein Bulldozer notwenig wird, und widme mich wichtigeren Dingen, die da wären Kind 1, 2 und 3 und ein paar völlig unspekatkuläre, kleine Projekte in Arbeit, die mich begleiten von hier nach da und wieder zurück während meiner Tagesstunden.
Schon seit immer möchte ich einen Quilt nähen. Einen Stapel Hosen flicken. Meinem Sohn ein 2.Paar Socken stricken. Für Kind 2 den längst versprochenen grünen Drachen häkeln… Meine Liste ist schwindelerregend, lang, gespickt mit Herausforderungen, die ich mir eigentlich gar nicht zutraue. Und sie wird immer länger.
Manchmal aber ist einfach nicht die Zeit fürs Listen-Abarbeiten.
Manchmal ist es Zeit für ein völlig glanzloses Projekt so ganz nebenbei, keine Erwartungen, keine Ambitionen, nichts, mit dem ich Eindruck schinden könnte. Nur so, einfach zum Spass.
Zum Beispiel dieser Vogel. Oh ja, wir zwei hatten wirklich eine gute Zeit. Aus zwei rasch zugeschnippelten Stoffresten zusammengeschnurpft, mit Stoffmalfarbe wieder und wieder bekleckert, darf er heute Vodoo-Puppe spielen… ähm, ich meinte natürlich, Nadelkissen.
Und dieser runde kleine Filzkorb, den ich immer dann zur Hand nahm, wenn gerade ein Minütchen frei wurde in meinem Tag für mich selber. Seepferdchen, weil ich Seepferdchen so gerne mag, und weil es mich hinweg tröstet über das Tilda-Seepferdchen, das ebenfalls auf meiner Liste stände… Mein Baby mag diesen Filzkorb übrigens ganz besonders; er ist weich und bunt und steckt immer voll leckerer Dinge, wie zB. Pixiebüchlein mit furchtbar appetitlichen Pappseiten…
Oder diese Strickarbeit. Ein Desaster. Zwei Mal gestrickt, zwei Mal wieder aufgeribbelt. Eine grosse Mütze, wirklich gross, mit Nadel 15 gestrickt aus einer Wolle, die bald schon als Filz-Kammzug durchgehen könnte. Das Strickmuster hatte einen Fehler, was Versuch Nr. 1 scheitern liess, beim 2. Anlauf gerieten aus unerfindlichen Gründen zu viele Maschen in den Anschlag… Mittlerweile will ich alles nur noch loshaben; Wollbälle (echte Tunderteile!) und dieses dumme Gefühl, das unbeendeten Vorhaben eben so anhaften. Bonus: Das Stricken ist diesmal echt lustig, weil ich von vornherein mit dem Schlimmsten rechne und so locker in die Maschen haue wie selten zuvor. Perfekt für die süssen Momente, in denen das Baby sich eine Viertelstunde seines knappen Tages-Schlafpensums gönnt und Kind2 bei mir Chasperli-Kassetten hört…
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kreativ am Rande 6: andere unterstützen

Selber kreativ zu sein ist ein wundervolle Sache, wahrscheinlich sogar eine essentielle Sache, und ich glaube, Gott hat uns als durch und durch kreative Wesen geschaffen, die schöpferisch sein müssen, um glücklich zu sein.
Freude am Gestalten, Freude am Gestalteten- eure Blogs sprechen Bände zu diesem unerschöpflichen Thema.
Merkwürdig, dass die Welt sich so weit entfernt davon, denn das Handwerk wird immer mehr in Frage gestellt.
Die zunehmende Mechaninisierung macht mir Angst. Wo der Mensch durch Maschienen ersetzt wird, verliert nicht nur das Produkt an Wert, gleichzeitig sinkt auch unsere Wertschätzung gegenüber den Dingen, die uns umgeben, die wir essen oder anziehen.
Das kann einfach keine gute Sache sein.
Preissenkungen stehe ich darum immer kritisch gegenüber. Ich frage mich öfters, wem dafür der Lohn gekürzt werden musste…
Billigpreise sind sehr verlockend, zugegeben, aber sie tun meistens keinem wirklich etwas Gutes.(Ausser wir stehen wie so oft im Brocki oder vor einem Flohmarktstand oder in der Kleiderbörse.)
Ich würde mich ja jetzt gerne als Kaufwunder feiern lassen (und ihr müsstet dann alle „Bravo! Du machst das so super! Hoch lebe unsere grüne Heldin Bora!“ schrei(b)en), aber leider fällt es mir leichter, hier ein grosse Klappe zu führen, als selber radikal umzudenken, bzw. Worten auch Taten folgen zu lassen. In der Praxis hechle ich meinen eigenen Idealen oft eher hinterher… Mein Korb steckt nie voller Bio-Produkte, und erst kürzlich konnte ich wieder nicht wiederstehen; ein petrolblaues, samtweiches Nicki-Jäckchen im Sonderangebot…
Aber meine Ziele liegen anderswo, und lobenswerte Ziele zu haben ist doch auch schon mal was.
Zum Beispiel steht auf meiner Gute-Vorsätze-Liste-fürs-neue-Jahr auch: Unterstütze andere!
In ihren Bemühungen. In ihrer Hand-Arbeit. In ihrem kreativem Schaffen. Das mag nicht gleich den Weltfrieden bringen, aber immerhin ein wenig Freude.
Mit meinen Gedanken bei den Menschen in Haiti, bin ich vorgestern hier gelandet. Links auf der verlinkten Homepage von Helvetas findet ihr unter „Haiti“ zwei Blech-Kunstwerke: Bunt und froh in Anlehnung an eine haitische Tradition, ein Symbol für das Leben wie es sein könnte… wie es hoffentlich sein wird eines Tages… auch für dieses Land.
Kreativität ist wie eine kostbare, empfindliche Pflanze; sie braucht viel Zuwendung und Zuspruch, um nicht zu verdorren. Indem ich andere in ihrem Schaffen unterstütze, hier in der Schweiz oder draussen in Haiti, gebe ich meinen Teil dazu, diese machtvolle Pflanze am Leben zu erhalten, damit sie die Welt verändert hin zum Besseren.
PS. An dieser Stelle möchte ich mich von Herzen bedanken bei euch! Eure Kommentare sind es, die mich immer wieder vor den Computer locken, muss ich zugeben. Weil es mich ermutigt, zu sehen, dass da jemand liest, was ich schreibe. Weil es schön ist, Menschen zu begegnen- virtuell zwar, aber Begegnung bleibt Begegnung- die sich Gedanken machen, über sich und die Welt, und darüber auch selber schreiben… Spannend ist das für mich, und aufregend und auf gewisse Art auch tröstlich. Vielen Dank also für eure in Worte gehaltenen Fussstapfen hier!
Habt ihr die Kommentare zu meinem letzten Post schon gelesen?- Kreativbergs kleine Geschichte aus dem Leben hat mich völlig aufgestellt, vielleicht tut sie euch genauso gut…
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Ich zünde eine Kerze an

Wenn auch nur in Gedanken. Denn mein Baby liegt neben mir im Bett und wälzt sich so unruhig hin und her, dass ich mich kaum zu bewegen traue. Doch es braucht nicht unbedingt eine Kerze, um sich zu sorgen.
Um Menschen, die man eigentlich überhaupt nicht kennt, denen man sich aber doch verbunden fühlt, einfach, weil es Menschen sind.
Ich habe keinen Fernseher. Ich sehe mir folglich auch keine Nachrichten an. Ich höre noch nicht mal Radio, und falls doch, drehe ich die Lautstärke ab, sobald irgendwelche News kommen. Auch Zeitungen bleiben unberührt auf dem Post-Stapel liegen, es sei denn, mein Mann schafft es, einen Blick hinein zu werfen, bevor sie im Altpapier landen. Um die Schlagzeilentafeln beim Kiosk mache ich einen weiten Bogen.
Trotzdem erreichen mich die wichtigsten Ereignisse immer auf irgendeine Art und Weise, weil die Menschen reden, wenn das Weltgeschehen sie beschäftigt. Nur dauert es seine Zeit, bis solche Nachrichten bis zu mir vordringen…
Heute habe ich von den schlimmen Erdbeben in Haiti gehört, wahrscheinlich knapp eine Dreiviertelwoche später als der Rest der Welt, aber egal, denn auch heute noch hält das Elend an, und wenn ich mir vorstelle, wie viele Kinder dort zwischen den Trümmern herumirren und nach ihren Eltern rufen… wie viele Mütter um ihre Kleinen weinen… das drückt mir schlicht das Herz ab.
Mir gehen die Worte aus.
Heute also kein „kreativ am Rande“, nur ein wenig Stille. Ich zünde eine Kerze an, in Gedanken bei den Menschen, denen es nicht möglich ist, sich den Kopf darüber zu zerbrechen, warum sie nicht so viel zustande bringen wie andere, nicht so schön nähen, stricken, malen oder fotografieren können, sondern deren Kopf vielleicht versucht, zu vergessen oder fieberhaft Wege sucht, um nicht zu verhungern und daran fast zerbricht.
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kreativ am Rande 5: Brot

Früher, vor der Geburt meines Babys, vor einer Ewigkeit also, da habe ich öfters Brot gebacken.
Eine befriedingende Sache: Mehl, Salz, Hefe, etwas Öl bei Vollkornbroten, Wasser, alles verkneten, ruhen lassen und sich dabei zufrieden den Teig von den Fingern klauben mit dem Gefühl, schon jetzt etwas Grossartiges geleistet zu haben. Dann Brote formen, gleich mit den Kindern, die Brotteig viel lieber mögen als schnöde Knete, Ofen heiss, Brot rein. Fertig. Manchmal knet‘ ich noch Samen rein und Kerne. Schmeckt nach mehr, macht aber nicht mehr Arbeit, was immer eine feine Sache ist.
Einfacher geht es eigentlich kaum, und Brotbacken ist im Grunde wohl etwas vom Alltäglichsten, was es so gibt an schöpferischen Tätigkeiten- zumindest, wenn man sich die enorme historische und globale Brotback-Kultur so vorstellt… Bei uns in der Schweiz gibt es so an die 300 verschiedene Brotsorten, sogar spezielle Brote für Festtage, wie zB. den Dreikönigskuchen, der eigentlich ein Kranz heller, leicht süsslicher Brötchen ist, oder diese kleinen, ungemein leckeren Dingerchen mit Kümmel drin, die die Basler in der Fasnachtszeit backen (Hach, Fasnacht!)…
Mein Brot gehört wohl eher in die Kategorie „Backen für Minimalisten“. Kein Sauerteig, nur selten geröstete Nüsse, keine sanft geschmolzene Butter für Sonntagszopf, Vorteig nur manchmal, und bloss wenn überhaupt frische Hefe zur Hand ist nicht nur Instant-Hefe aus dem Vorrat. Ich schmeiss einfach alles rein in den Teig, was mir grade in die Quere kommt und brotmässig adäquat genug ausschaut, knete eisern meine 10 Minuten durch, nicht ohne ab und zu einen flehenden Blick Richtung Uhr zu werfen (jetzt wisst ihr auch, warum mein Ofen seit Baby kein frisches Brot mehr beherbergen durfte).
Mein Brot sieht nie schön aus. Vielmehr… urchig. Bei zu viel Dinkelmehl fiel es auch schon flunderähnlich aus…
Aber wenn ich einen meiner völlig schiefen Laibe mit seinen typischen Tausend Rissen auf unserem Frühstückstisch sehe, so wunderbar selber gemacht, fühle ich mich ein Stückchen näher an dem Punkt, an dem ich eigentlich stehen möchte als Frau und Mutter.
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