Monatsarchive: Dezember 2009

drinnen

Während draussen der Winter regiert, rücken wir hier drinnen näher zusammen. Feuer wäre schön, auch hier in der guten Stube, aber bis wir eins haben, freuen wir uns einfach an den Heizungsdingern an den Wänden, denn Wärme ist Wärme, und die ist schon mal gut, wenn einem draussen ein Lüftchen mit -12 Grad wie ein eiskalter Waschlappen ins Gesicht fährt.

Ein lieber Gruss, mit Schätzen aus dem Reformhaus und etwas Literatur für mich, hat mich heute erreicht und mich zurückversetzt in eine halb vergessene Zeit: meine Gotte macht Geschenke noch genau wie vor 20 Jahren, als ich ein Kind war, das eine grosse Schachtel mit lauter kleinen, schön verpackten Überraschungen vom ihr unter dem Christbaum vorfand: Geschenke für mich, aber auch für alle meine Geschwister, denn das Teilen ist Teil des Schenkens und eine der schönsten Gaben an sich. Ich liebe Traditionen. Und ich liebe es, wenn Menschen an dem festhalten, was ihnen Freude macht.


Es wird massenhaft gespielt in diesen Tagen. Kartenspiele, Kinderspiele, Spiele im Alleingang (auf dem 2. Bild unten, läuft gerade eine von x Autorennen-Varianten, diesmal sogar mit akustischen Spezialeffekten), gemeinsame Spiel, Puzzles, Bauarbeiten en miniature…


Gebacken hingegen wird auf Sparflamme. Mit meinem Baby, dem Tragling, empfinde ich das Kochen und Backen als wenig entspannendes Unterfangen. Das Tragetuch bietet in diesem Fall auch keine geeignete Lösung, weil die kleine Hüpfdohle alles GANZ GENAU sehen will und am liebsten gleich mitanpacken möchte. Angebunden zu sein, während ich die lustigsten Dinge treibe, wie Teig kneten oder Schokolade hacken, das geht ja nun gar nicht. Findet zumindest meine Kleine.
Nun ja, hier gehen die Meinungen zwischen mir und meiner Tochter WEIT auseinander, aber ich akzeptiere ihren Bewegungsdrang und schraube meine Küchenaktivitäten auf ein für beide akzeptables Mass zurück.
Es sei denn meine hauseigenen Heinzelmännchen erklären das Guäzlä zu ihrer Mission, so wie heute…


Die Hüpfdohle entfaltet ihre Hände. Nicht erst seit heute, aber die Entwicklungen sind auf einmal UNÜBERSEHBAR. Es ist ein Freude für mich, mein Baby reifen zu sehen. Da ist bisher nichts, was ich aufhalten möchte- bisher, ja…
Ich weiss, irgendwann kommt der Punkt, an dem die Entlastung gross genug ist, um wehmütig zu werden. Ein Kind zu haben lehrt mich, einen Menschen über alle Massen zu lieben- und ihn genau deshalb immer wieder von neuem loszulassen. (Was nicht einfach ist, oh nein)


Es liegt ein immenser Drang, zu testen und erforschen in der Natur des Kindes, fällt mir auf. Manchmal kann ich sogar mitlernen. Wusstet ihr zum Beispiel, dass Bio-Gummibärli sich innerhalb von kürzester Zeit auflösen, wenn man sie in ein Glas Wasser legt? – Ich war bisher immer der Meinung, Gummiesszeugs wird höchstens grösser und glibberig wie Froschlaich. Aber dass es verschwindet?


Der Winter bringt jedes Mal ein Versprechen mit sich, bzw. ich lese eines in seiner Nebeldecke, in die er uns alle hier hüllt; er verspricht Zeit. Zum Basteln und Stricken, zum Nähen und zum Malen. Manchmal, da fliesst es tatsächlich… Aber auch in diesem Jahr bleibt dieses Versprechen nur zur Hälfte eingelöst, fürchte ich. Weil ich ein Baby habe, das mich braucht mit Haut und Haaren, und weil besonders J., das Kind in der Mitte, zur Zeit mehr Interesse zeigt am Spielen mit seinem grossen Bruder-Helden als an Mamas Hand-Arbeits-Vorschlägen. Also versuche ich, mich zu freuen an dem, was entsteht, und mich damit abzufinden, dass in unserem Haus eben nicht so viel kreiert wird wie in anderen. Hier hilft nur: Geduld, Geduld… und ein paar simply simple Projekte für mich, für die winzig kleinen Gelegenheiten zwischen Tür und Angel, wenn ein Moment frei wird für einen Stich, eine Masche oder zwei. (Diese leichten Arbeiten möchte ich euch demnächst vorstellen, ganz besonders auch die Inspirationsquelle dafür, die ich zur Zeit wirklich schätze!)

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Ich liebe meinen Briefträger

Nein, der Titel hält nicht, was er verspricht; Seitensprünge gibt es hier keine zu beichten. Mein Mann, den ich tatsächlich noch sehr mag, liest hier jede Zeile, und zudem wäre unser Briefträger sowieso eine sie…
Aber die Post, die er bzw. sie heute brachte, enthielt nebst ödem Werbekram eine freudige Überraschung für mich (einen „Kram“ der besonderen Art, aber das war jetzt ein Insider).
In Form eines grossen Couverts, mit einem wunderschönen, mir (und bestimmt euch einigen von euch) wohlbekannten Stempeldrauf.
Das Päckli, das zum Vorschein kam, sah nicht weniger märchenhaft aus…


Ein Heft voller Traum-Strickereien! Diese Farben, diese Formen- es reisst mich förmlich hin zu meiner Garnkiste… (Mit Anleitungen in Französisch hab‘ ich zwar noch nie gestrickt… aber was in Englisch geht, mithilfe toller Internetseiten, wird in Französisch wohl auch klappen- hoffe ich!)


Und die zarte Sterngirlande, die ich so bewunderte, und die wunderbarerweise auch mit durfte zu mir, bringt nun einen Hauch Winter in unsere Küche…


Die fantastische Doris von Mamas Kramist nicht nur einfach unfassbar fleissig und kreativ, nein, sie ist erst noch unheimlich nett!
Liebe Doris, mit diesem Geschenk und deinen herzlichen Kommentaren immer wieder bei mir, machst du mir eine ganz besondere Freude: Vielen, vielen Dank dafür!

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Winter

Oh ja, Winter! Die Zeit der Kinder (und der Snöber und Skifahrer, zu denen ich nicht gehöre) ist gekommen! Toben in weissen Wattewelten, Schlachten schlagen, die nicht weh tun (sollten, eigentlich), rutschen, sausen- überall, an Eisstängeln lutschen, Schnee essen, eiskaltes Wasser aus Waldbächlein trinken, Spuren suchen und hinterlassen- und immerzu staunen über die Schönheit vor unseren Augen… Unser Wochenende trieb uns an zwei Tagen hinaus in die winterweisse Natur, hinein in den Wald, der plötzlich so märchenhaft dalag wie nie zuvor (was ich wohl jedes Jahr aufs neue denken). Wir feierten den ersten richtigen Schneefall, den Geburtstag meines Mannes, und das Leben.

Eiszapfen, gross wie ein Kind, ziehen jeden Jungen magisch an. Die eigenen Kräfte messen, wo geht das besser als in der Wildnis, die einem die stillsten, geduldigsten Gegener stellt.
A. zerrte und trat und prügelte auf diese gefrorenen Skulpturen ein, in einem wahren Feuereifer, der seine Backen rötete und seinen Atem in weissen Schwaden in den Himmel trieb. Stundenlang. Bis schliesslich das Eis krachte und sich der Bach unter ihm mit weissen Schollen füllte.

Wasser lockt immer. Immer. Selbst in der unfreundlichsten Kälte, kommen Kinder noch auf die Idee, Treibgut aus dem Bach zu fischen oder ein paar Schlückchen wie ein Reh daraus zu trinken. Und Mütter, klug vorbereitet auf alle Eventualitäten, nutzen den Vorteil ihrer kniehohen Gummistiefel, um die Fährfrau zu spielen, die ihre kleinen Passagiere trocken ans andere Ufer bringt. Oder um die kalte Kraft an den Füssen zu spüren, die ungeduldig stromabwärts an uns vorbei drängt.

Baby. Ob Winter, Frühling, Sommer, Herbst; Baby findet immer seinen Schlaf. Unter gefühlten tausend SchichtenWinterstrick wärmen wir uns gegenseitig.
Die freie Natur bringt gibt mir die Möglichkeit, ganz ich selbst zu sein, das erstaunt mich jedes Mal aufs Neue. Ich fühle eine Ruhe und Gelassenheit, wie ich sie niemals sonst empfinde. Es ist, als wäre die Natur der Platz, für den ich eigentlich geschaffen bin.

Ohne ein Feuer ist kein Waldtag vollkommen. Feuer muss einfach sein, zum Aufwärmen und Zusammendrängen, zum Zentrieren und Würst-Braten. Ich verstehe vollkommen, dass das Herdfeuer seit jeher zum Zentrum der Familie gehört.

PS. Ich wurde gebeten, einmal ein echtes „Seelenwärmerli“ zu zeigen- und endlich; hier ist es! Es wärmt wirklich schön.

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es fliesst

20:30 Uhr
Zeit zum Schlafengehen. Für die Kinder zumindest. Und für mich ist es Zeit, Feierabend zu machen.
Körper und Geist verlangen um diese Zeit nach Ruhe; Meine innere Uhr ist erschreckend präzise.
Aber heute abend wird sie ausgestellt.
Emsig wuseln die Kinder bei mir in der Stube herum. Eine friedliche, still vergnügte Geschäftigkeit belebt den Abend.
J. bemalt eines seiner Kappla-Hölzchen mit Glitzerleim, ich nähe ein Korb-Futter aus einem alten Tischtuch. A. kämpft mit zwei inneren Stimmen: „Ei Stimm seit, b’halt’s , ei Stimm seit, gib’s…“ Nach einer kurzen, ernsthaften Pause:“ Aber diä wo seit, gib’s, isch schtärchär.“ Er bastelt ein kleines Etikett. Für das Miniatur-Gomfiglas, in dem er den kleinen Salzkristall aufbewahrt, den er im Technorama selber gezüchtet hat. Sein Schatz, Sein ganzen Stolz; ein glitzerndes Berglein aus Salz, dem er seit Tagen mir grossen Augen beim Wachsen zusah. Auf dem Etikett steht: „A.’s 2. Kristal. Für Papa.“


Wir stecken mitten in den Geburtstagsvorbereitungen für einen ganz besonderen Menschen; für meinen Mann und Papa meiner Kinder. Zum Glück geniesst er in diesem Moment ein feines Geschäfts-Weihnachtsessen, so bleibt uns dieser freie Abend, um fertig zu stellen, was in unserem vollen Tag keinen Platz mehr fand.
Flow. Alles fliesst; unsere Kreativität, die Pläne für diesen speziellen morgigen Tag, die Freude daran, Freude zu machen, und das wundervolle Gefühl, zusammen zu gehören, EINE Familie zu sein.


21:30
In einem alten Migros-Einkaufskörbli aus dem Brocki liegt mein Tischtuch-Futter, das von heute an Schrauben, Hammer, Zangen und Co. griffbereit halten soll, wenn mein Mann weiter werkelt in unserem Baustellen-Haus. Die Geschenke sind verpackt und gut versteckt. Auch meine ganz einfachen Rahm-Kaffee-Pralienen und die 16 Laugenbrezeln, die ich heute tagsüber mit Hilfe meiner Mama gebacken habe, als Überraschungs-Znüni-Vorrat für ihn, der „Butterbräzel“ sehr liebt, sich aber nie welche kauft.
Das Weihnachtsessen scheint sich hinzuziehen. Ich liegen zufrieden zwischen meine 3 Kindern, warm unter die Daunen gekuschelt und höre mir mit ihnen schon die zweite Globi-Kassette an. Ausser dem Baby an meiner Brust schläft niemand. Meine innere Uhr meldet sich wieder, doch ich stelle sie von neuem aus, bevor sie zu protestieren wagt. Abende wie dieser sind etwas ganz Besonderes.

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