Monatsarchive: Dezember 2009

Ein neues Jahr taget…

Jahreswechsel so mittendrin irgendwie. Der Winter hat kalendermässig ja eben erst begonnen, und wenn wir uns am Jahreskreislauf orientieren, gleiten wir lückenlos von einem Stückchen Leben ins nächste… Nur die 10 wird neu.
Aber Neujahr finde ich eigentlich etwas Schönes; das “unbeschriebende Blatt-Syndrom”, das ich einfach gerne mag, verleiht den Tagen nach den Tagen (für manche sind Dezembertage die schönste Zeit des Jahres, ja? Und auch für mich bleiben sie etwas Besonderes, trotz allem.) einen einmaligen Optimismus. Gute Vorsätze geben mir einen Vorgeschmack dessen, wie ich leben oder sein könnte, und auch wenn ich kaum einen Punkt auf dieser Jahres-To-do-Liste abhaken werde schlussendlich, helfen sie mir, meine Wünsche vom Sein und Leben wieder einmal schwarz auf weiss vor mir zu sehen.
In diesem Bereich hier nehme ich mir vor, öfters einmal eine Fotostrecke mit minimalem Text zu posten, im Stile der “Dezemberbilder” dieses Jahres, allerdings vollständiger und besser organisiert. Die geplante “stille (Kirschkern-) Zeit” in diesem Dezember wurde immer wieder unterbrochen von einem offenbar recht grossen Mitteilungsbedürfnis meinerseits- aber ich setze mal darauf, dass sich das auch irgendwann etwas beruhigt.
Fototage finde ich nämlich (als Blog-Leserin) immer wieder schön. Die universelle, tiefgreifende Sprache des Bildes fasziniert mich; die Fotos, denen ich zum Teil auf euren Blogs begegne, wirken tief in mir weiter, sebst nachdem ich den Computer ausgestellt habe. Sie hinterlassen ihre Spuren, genauso wie eure Geschichten.Im Zusammenhang mit der Fotografie wollte ich euch schon den ganzen Monat jemanden vorstellen: 17 Jahr, blondes Haar (noch), eine junge Frau, mit einem unheimlichen Auge für aussergewöhnliche Szenen.
Meine kleine Schwester Esther (klingt doch wirklich rappermässig…Schwester Esther, jo!) knipst mit Leidenschaft, was ich mir leidenschaftlich gerne ansehe, den Wintersonnenaufgang ganz oben zum Beispiel. Ich denke, wir werden hier im nächsten Jahr öfters das Vergnügen haben mit ihr, respektive mit ihren Bildern…
Bis dahin; lasst die Korken knallen und empfangt die nächsten 365 Tage Lebenszeit mit neuem Elan!
Ich freu mich auf die Zeit bei und mit euch!

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alles neu macht der… Dezember?

Eure freundlichen Reaktionen auf meine letzten beiden Posts hin, machen mich richtig froh! So viel Lob und Schulterklopfen bin ich gar nicht mehr gewöhnt- aber ich könnte mich dran gewöhnen
Habt einfach meinen innigsten Dank dafür; es tut gut, gut, gut, so liebe Worte zu lesen.

Das Jahr liegt in seinen letzten Zügen; Neuanfang dehnt sich aus und zieht seine Kreise. Ich bemerke einen enormen Drang, alles, alles zu durchforsten, von der Schublade mit dem Küchenkrimskrams bis hin zur mit Zeitschriftenbildchen aus den 80er beklebten Kartonschachtel voller uralter Briefe und Postkarten. Ausmisten, entrümpeln, durchlüften, freimachen, loswerdenen.
Am liebsten würde ich wie Disneys Schneewittchen mit Staubtuch und Besen “Sei vergnügt, sing ein Lied”-trällernd durchs Haus tanzen und dem Chaos endlich ein Ende bereiten. Doch geben wir uns erst mal zufrieden mit einem deutlich abgespeckten Kleiderschaft und einem Müllbeutel unbrauchbarem Kram aus der Gerümpelkammer.

Haareschneiden ist auch ein ganz einfacher Ausdruck dieses inneren Drängens nach einem Neu-Anfang. Fort mit ins Auge pieksenden Fransen, weg mit dem Pumuckl-Look, wirrer-Professor-Schopf adé. Wir gehen niemals zum Frisör, keiner von uns (mein letzter Frisörbesuch liegt 10 Jahre zurück- der Tag meiner Hochzeit, fällt mir grade ein), die Haarpracht meiner Familie, ich inklusive, liegt allein in meiner Hand, einer nicht unbedingt geübten Hand in diesen Belangen, aber einer Hand, die mutig zuschneidet ohne Rücksicht auf Verluste. Zur Einstimmung unserer Winterfeier, zitierte ich Mann und Söhne auf den Frisierschemel, einer nach dem anderen, und “schnipp- schnapp”, wurde meine Welt um ein paar Zentimeter ordentlicher (von den Haarschnippeln überall mal abgesehen).

Das Bedürfnis nach mehr Ordnung, Luft und Überschaubarkeit hat mir plötzlich einen glasklaren Einkaufsverstand beschert, der sich an dem freut, was ich NICHT gekauft habe- sogar im Brocki, das ich meistens erst wieder verlasse, wenn die Nähte meiner Einkaufstaschen krachen. Diese Aversion gegen Neuanschaffungen mag vorübergehender Natur sein, ja bestimmt ist sie das, denn ich mag hübsche Dinge einfach viel zu gerne, aber ich dachte mir, ich könnte sie gleich mit einem kleinen Selbstversuch koppeln, den ich schon lange mal wagen wollte; ” Kaufe 1 Monat nur, was du zum Leben brauchst”. Es gibt da ein Buch zu dieser Thematik, soweit ich mich erinnere, bloss tat sich die Autorin dieses Kaufkorsett für ein volles Jahr an- spannend auf alle Fälle.
Meinen shoppingfreien Monat starte ich wohl im Februar, denke ich. Der Januar verlangt doch noch ein paar schwer einzuordnende Anschaffungen, eine neue Agenda zum Beispiel (vielleicht die hier, wie immer, ein TRAUM) oder nochmals ein Knäuel Garn für ein zweites PixieMützchen- Ich bin mir nämlich noch nicht so ganz sicher, ob solche Dinge wirklich zu den notwendigenDingen des Lebens gehören…

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Feste feiern, wie sie fallen

Mein letzter Eintrag über unser merkwürdiges Feierverhalten hat mich selber ziemlich nervös gemacht, muss ich zugeben. Mir flattern jedes Mal die Nerven, wenn ich einen neuen Kommentar dazu entdecke, und ich gebe mir grosse Mühe, mich auch auf Kritik gefasst zu machen, denn das Thema hat doch recht emotionales Potential… Obwohl mir klar ist, dass ich mich hier in öffentlichem Raum befinde, und genauso mit negativen Stimmen rechnen sollte, wie mit freundlichen, macht mir dieses Risiko Angst, und es freut mich darum ungemein, dass bisher keine “Schimpfe” kam… MERCI!
Ich bin übrigens nicht nur “Papierchristin” (hab ich aus einem eurer netten Kommentare -nochmals DANKE!- ein tolles Wort, gefällt mir wirklich gut!), sondern quasi FleischundBlut-Christin, mit 18 nochmals getauft, Freikirchenbesucherin in Zürich. Das aber nur nebenbei; beim Wiederlesen meines Textes ist mir einfach aufgefallen, dass ich das noch überhaupt nie erwähnt habe, dabei wär dieser Fact vielleicht noch ganz hilfreich so als “Hintergrundwissen”…Nun aber zu was anderem – oder vielmehr zu einem vorläufigen Höhepunkt dieses Themas. Wir haben als Familie damals für uns beschlossen, dass auch wir im Grunde gerne ein Winterfest hätten (wenn die halbe Welt doch schon in diesen Genuss kommt, nicht wahr). Ein Fest, an dem wir uns auf die Neuanfänge rund um uns herum besinnen; Neuanfänge, die bereitliegen in der noch schlafenden Natur, in den länger werdenden Tagen, das neue Jahr, das beginnt etc. Auch religiöse Neu-Anfänge (ja, auch die Geburt Jesu) gehören für uns mit dazu, und je nach Alter unserer Kinder, angepasst an die gerade aktuellen Themen auch in unserem Familienleben, möchte wir das eine oder andere miteinfliessen lassen, so dass es uns bereichert ohne dass Rituale uns “versklaven”. Vielleicht wird sogar eines Tages ein schön geschmückter Christbaum bei uns stehen, wer weiss? Wenn’s passt…
Vorgestern dann kam eine ziemlich spontane, um nicht zusagen überstürzte kleine Feier am Wasser zustande. Die Weihnachtsferien dauern nicht mehr endlos lange, das Wetter war annehmbar, wir gerade in Stimmung- man soll die Feste feiern wie sie fallen, nicht wahr?

Ort: auf der einen Seite die einsam daliegende Thur, auf der anderen eine vereiste menschenleere Landschaft.

Festmahl (ok. ihr dürft jetzt lachen): Chips und Spitzbuben (Ich sagte doch, eine spontane Feier…).

Steine werfen, spielen, beobachten, wie die Nacht hereinbricht und sich mit ihr alles, alles so tiefgreifend verändert. Auch unsere Wahrnehmung.

Die Dankbarkeit für das Licht und die Wärme des Feuers, das uns anzieht wie ein Magnet (ausser J, das Kind das mit 3 Jahren furchtlos in die Nacht hinausläuft) und uns vor Augen führt, wie verloren wir wären in einer Welt voller Dunkelheit. Wünsche werden ausgesprochen (“Ich möcht ämal is Schloss Chillon gaa!”), mit dem Feuer gespielt (keine Bange, mein Mann ist bei der Feuerwehr), Chips geknuspert, dem Geräusch des Wassers gelauscht, mit der Taschenlampe gezündelt…

Als das Feuer verglimmt, entzünden wir drei Fackeln daran und machen uns gemeinsam auf durch den nachtdunkeln Wald,
heimwärts.

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Konferenz

Die Festtage sind beinahe um… und wir haben keinen einzigen davon gefeiert.
Als wir vor 7 Jahren Eltern wurden, beschlossen wir, all die traditionellen, “regulären” Feste im Jahreskreis vorerst zu stornieren, sprich: keine Ostern, kaum 1.August (unser Nationalfeiertag), kein Weihnachten, kein Samichlaus und Silvester nur am Rande. Zum Teil weil wir nicht glücklich waren mit der “herkömmlichen” Art, so einen Feiertag zu begehen, aber auch einfach deshalb, weil es uns wichtig war, herauzusfinden, ob, wann und wie WIR als neu gegründete Familie diese speziellen Tage des Jahres begehen wollten. Geburtstage zu feiern hingegen fiel uns sofort leicht, vielleicht darum, weil der Sinn dieses Festtages einfach und klar umrissen ist, während sich bei vielen anderen Feiern Religion(en), nationale und familiäre Traditionen und (leider) ein gewisser wirtschaftlicher Einfluss stark vermischen. Irgendwann musste ich mir eingestehen, dass ich schlicht und einfach keinen blassen Dunst davon hatte, WIE man sich seine Familienfeiertage selber zimmert, so dass sie zu uns passen, mit unseren religiösen Überzeugungen vertretbar und unseren recht unterschiedlichen Tempramenten gerecht werden.
Eigentlich hoffte ich, unsere eigenen Feiertags-Rituale würden sich irgendwie wie von selbst ergeben. Ich wartete bequem auf UNSERE Traditionen, als würde ich eine Art Vision erwarten, doch Weihnachten kam- und ging, ungefeiert. Ostern kam und ging- ungefeiert. Der Jahreswechsel wurde mal verschlafen, mal wegen “Desperate Housewives” (die hammermässige erste Staffel auf DVD, ausgeliehen natürlich) verschwitzt.- Keiner fühlte sich so richtig verantwortlich, dieses Thema mit dem nötigen Ernst und Elan anzugehen. Das 7 Jahre lang.
Bis in diesem Dezember.
Aus einer Diskussion über Geschenke an Weihnachten entwickelte sich plötzlich ganz von selbst unsere allererste Familienkonferenz, ein eineinhalb Stunden langes intensives, sehr ordentlich und fair geführtes Gespräch zwischen meinem Mann, mir und unserem Ältesten.
3jährige und Babies scheinen solchen Konferenzen eher wenig Positives abgewinnen zu können, aber 7jährige könnentatsächlich fantastische Diskussionspartner sein, überraschend fantastische sogar. Ich denke, unser Kind war es auch, das uns dazu animierte, endlich Nägel mit Köpfen zu machen. Mit Begeisterung stürzten wir uns alle ins Thema, denn es zeigte sich bald, Feste feiern, das wollten wir ganz unbedingt, oder wie unser Junge es beeindruckend erwachsen ausdrückte: “Gar nüüt machä, das stimmt für mich eifacht nöd”. (“Gar nichts machen, das stimmt für mich einfach nicht.”)
Heraus kam ein gemeinsam erarbeiteter Feiertags-Vertrag, eine schön detailierte Liste mit unseren persönlichen Familienfesten, ihrem Sinn, ihrer Struktur, ihrem Zeitraum, besiegelt mit unseren Namen.
Ich fühle mich richtig beflügelt; Pläneschmieden gehört doch zum Inspirierendsten überhaupt!
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Veröffentlicht unter besondere Tage | 8 Kommentare