Monatsarchive: November 2009

Bühne frei für doppelte Nummern

Lasst mich heute über eine winzig-kleine, für mich aber lächerlich aufregende Veränderung im Kinderzimmer paudern: Das erste richtige Bild im Kinderzimmer, sogar mit Rahmen! Da wir seit bald 3 Jahren mitten in einer Baustelle leben, die sich irgendwie völlig unvorhersehbar durch’s ganze Haus zu bewegen scheint, bleibt jeder Raum nur provisorisch eingerichtet. Alles muss veränderbar bleiben, und mit Nägeln-Einschlagen bin ich wirklich schrecklich zögerlich. Dementsprechend sieht es auch aus bei uns: Zeichnungen, die mittels Abdeckband an den Wänden kleben, Körbe, die fressen, was kein richtiges Daheim findet, Chaos im Bücherregal mit Zeichnungen, Krimskrams und Bastelarbeiten meiner Kinder , das Sofa als Ablageort für so ziemlich alles, was wir kurz aus den Händen legen wollen und dann einfach vergessen, nicht zu vergessen, der…- Halt! Ich lass mich hinreissen… eines meiner Lieblingsthemen, „mein Haushalt und sein Eigenleben“…Aber dazu dann ein andermal.
Auf alle Fälle hatte ich ungeheuer Lust, ein bisschen mehr Farbe ins Kinderzimmer-Provisorium zu bringen. Immer nur weisse Wände mit alten Flecken, das ist nicht unbedingt der Innbegriff der Wohnlichkeit (obwohl ich weiss als Wohnfarbe überaus gerne mag!) Jetzt, da die Farben draussen weichen, braucht der Mensch daheim was Lustvolles fürs Auge.
Bei einem meiner Aufräum-Versuche stöberte ich einen Stapel Urwald-Aufkleber auf (alle Schweizer unter Euch werden sie nur allzu gut kennen, zumindest diejenigen mit Kindern!) Unser Nationalsymbol, der orange Supermarkt-Riese mit dem M, hat uns Kunden vor ein paar Monaten mit einem Sachet Regenwald-Sammelbildli pro 20Fr.-Einkauf beglückt, alle wirklich grandios fotografiert, und ich fand diese ganze Aktion wirklich fabelhaft, nebenbei bemerkt.
Nun ist dieses Marketing-Projekt längst kalter Kaffee, unser Album voll, die Sammelwut vorüber. Der Stapel mit den überzähligen Klebebildchen wartete geduldig im Schrank auf seine Entsorgung- oder Verwertung! In einem alten weisslasierten IKEA-Rahmen, machen sie sich nämlich jetzt mindestens so gut wie im Sammelband. Die Kinder haben dafür einfach kreuz und quer alles aufgeklebt, was ihnen besonders gut gefällt; Zuerst natürlich Vogelspinnen und Skorpione, giftige Frösche, Käfer, Raupen… Zusammen ergibt das eine wunderbar farbenfrohe Collage. Unser Fenster in eine exotische Sommer-Welt mitten im Winter.

Ps. Der kleine, grüne Hüpfer ist ein Wekr meines Ältesten; eine prima, garntiert kinderleichte Bastelarbeit aus der Kinderzeitschrift STEINI von Pro Natura. Vielleicht bring ich mal eine detaillierte Anleitung zustande, sozusagen ein „making of“…

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auf meinen Nadeln

Herbst und Winter. Diese Jahreszeiten sind wohl die Fruchtbarsten (wer jetzt „die Furchtbarsten“ gelesen hat, so wie ich eben, hebe die Hand) für Handwerks-Liebhaberinnen wie mich. Weil,

a) Shopping spektakuläre Formen annimmt, wenn plötzlich in jedem Altersheim und Dorflokal Marktstände voller handgemachter Schätze locken und weil

b) unsere Hände an diesen dunklen Tagen und langen Abenden so ganz ohne Gartenarbeit oder Grillfest (Welches Grillfest eigentlich?)regelrecht nach Beschäftigung schreien. Meine sind jedenfalls schon meilenweit zu hören, das kann ich euch sagen. Und ich ertrage Lärm so schlecht. Darum her mit den Nadeln, her mit der Wolle! Natürlich könnte ich diese Gelegenheit auch nutzen, um ENDLICH wenigstens einen der drei vollen Wäschekörbe zu leeren oder die Bodendielen unter den Krümeln, Schnipseln und Staubmäusen wieder zum Vorschein zu bringen, aber meine Hände sind ein anspruchsvolles Pärchen,müsst ihr wissen, die sich nur schwer abspeisen lassen. Frisch nach Oscar Wilde haben wir an Herbsttagen wie diesen einen ganz einfachen Geschmack; simply the best. Und was könnte besser sein, als ein paar Knäuel weiches Baumwollgarn und ein Strickmustern, so einfach, dass ich sogar im Hexenkessel meiner wilden, kleinen Kinderschar keine Masche verliere?

Allerdings sind kinderleicht Projekte zur Zeit Bedingung, denn:
Baby strickt mit!
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überraschender Besuch

Wir leben in einer Gegend, die den ganzen Herbst und den Grossteil des Winters im Nebel liegt. Bis nach Mittag hüllt er jedes Haus, jeden Baum in seinen feuchten, milchig-grauen Mantel und lässt uns den Himmel höchstens erahnen.
Ich mag diese Zeit. Im Nebel fühle ich mich zuhaus und geborgen. Die Stille dieser Jahreszeit tut mir gut. Märchen werden plötzlich wieder glaubwürdig, nachdem der Sommer mit seinem grellen Licht uns Klarheit und Nüchternheit brachte.
Fällt aber unerwartet ein Sonnenstrahl durch die

Nebeldecke über unseren Köpfen, und zerreisst eine plötzlich wieder lebensfrohe Spätherbstssonne die Trübheit entzwei, dann freue ich mich, als würde ich unverhofft einen lieben, alten Freund wiedersehen.

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Arm in der Schlinge

Babymutter-Sein bedeutet für mich immer auch, mit nur noch einem Arm zu leben. Es ist, als trüge ich den anderen in einer Schlinge, wobei er eigentlich nur selber zur Schlinge geworden ist. Morgens bis abends balanciere ich dieses wervolle, warme, achsogutriechende Bündel Mensch von Zimmer zu Zimmer, treppaus, treppab, koche, tische, esse damit, erzähle Bilderbücher, in denen zwei kleine Händchen herumpatschen, putze mir und anderen die Zähne, helfe, Briobahnen zu bauen, versorge einen wackligen Stapel Wäschen (der natürlich im Regal sofort in sich zusammenfällt und dafür sorgt, dass unsere Kleiderschränke immer ausschauen wie nach einer Kneipenschlägerei), giesse die Pflanzen beim Telefonieren, wechsle die Kinderkassette im Recorder, spiele TschauSepp und Drachenland und tröste den Verlierer, hebe Legosteine auf (die morgen schon wieder herumliegen werden, datiere Kinderzeichnungen, ordne, werke, helfe, spiele- alles mit nur einem Arm.

Über all dem ist es Abend geworden. Das Bündel schläft mit roten Backen neben mir im Bett. Mein Arm ist leer geworden.
Ich muss daran denken, wie schnell die Zeit kommen wird, in der ich alles wieder ganz für mich allein haben werde, Körper, Haus und Zeit. Weil das Kind reift, gehen lernt und von mir weg sein Leben selbst leben will. Dann werde ich mich vielleicht danach sehene, dieses kleine Bündelchen Mensch wieder ganz nah bei mir zu tragen.

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