Archiv der Kategorie: besondere Tage

wollig gute Zeiten

Mir geht es gerade rundum gut.
Ehrlich!
Obwohl ich meinen Eisen-Infusions-Termin nun schon wieder um eine Woche oder mehr verschieben musste (Babysitting-Probleme), fühle ich mich einfach… zufrieden. So ausgefüllt irgendwie. Aber nicht überlastet. Meine Nächte sind besser geworden; die Mädchen schlafen nun alle beinahe durch, was ein Novum ist, eine Neuheit, ein erste Mal seit über 16 Jahren nun… Und es tut so dermassen, wahnsinnig, unsagbar gut, wisst ihr! Einfach schlafen, wann ich will. Und so tief, wie Schlaf eben sein soll. Ich fühle mich mindestens 10 Jahre jünger! (Auch wenn das keiner sieht.) Sogar, wenn es spät wird -und das tut es, glaubt mir nur, meistens bringe ich die Selbstdisziplin nämlich nicht auf, vor 23 Uhr ins Bett zu gehen- bin ich niemals mehr so gerädert und durch den Wind wie früher… Das ist wunderbar. Ein neues Lebensgefühl, das mich wahnsinnig dankbar macht und richtig glücklich.
Ich bin wieder ich.


Gestern habe ich übrigens zum allerersten Mal einen Abend mit Netflix verbracht. Strickend selbstredlich, denn Wolle und Nadeln, das muss schon sein. Mein Liebster hat mir alles eingerichtet und ich bin vollauf begeistert über das Programm hergefallen, um alles mögliche an historischen Filmen und kitschigen Serien zusammenzusammeln und auf meine Liste zu setzen. Ich liebe Kostümdramen. „Downton Abbey“ wäre schön, „Mr. Selfridge“ oder die „Miss Marple“-Serie, aber da es all diese Schätzchen leider bei Netflix nicht zu haben gibt, tröste ich mich vorerst mit „Landgirls“.
„Du bist ja richtig modern geworden!“, meinte meines Schwester J. gestern nachmittag, als sie mit meinem kleinen Neffen (süüüsss!!! Für ihn stricke ich auch das silbergraue Zwergenmützchen) spontan zu uns zu Besuch kam und mich erzählen hörte. Sie ist das nicht gewohnt, ich weiss. Es hat 38 Jahre gedauert, bis ich „Ja“ sagen konnte zu einem Handy, und bis gestern habe ich DVDs gekauft, wenn ich mir einen Film ansehen wollte. (Was für ein Unsinn! Das Zeug stapelt sich nachher ungenutzt in meinen Schränken, weil ich mir nur wenige Filme mehrmals ansehe, „Hercule Poirot“ und „Chocolat“ mal ausgenommen).
Aber wisst ihr was? Ich finde es grossartig, dieses moderne Zeug! Ich und mein Handy zum Beispiel, sind ein prima Team. Wir lassen und gegenseitig leben und jedem seine Zeit, aber wenn ich es brauche, dann ist es da. Für kurze Grüsse oder ein Foto an eine Freundin dann und wann. Für ein Kinder-Interview an Oma. Für Sprachnachrichten oder spontane Einladungen und all die Dinge, die einem so unheimlich gut tun, aber sofort vergessen gehen, wenn man sie zu lange aufschiebt. Ich fühle mich den Menschen sehr viel… näher, jetzt, wo ich auch einfach mal nur „kurz anklopfen“ und einen Gruss oder eine Randnotiz mit etwas besonders Schönem hinterlassen kann, statt gleich anrufen zu müssen und dann eine halbe Stunde am Telefon zu sitzen, obwohl ich dazu eigentlich gar keine Zeit habe… Mir macht das so viel Spass. Das Vernetztsein. Es muss ja nicht gleich rund um die Uhr sein; die meiste Zeit liegt das Handy ohnehin einfach bloss still und stumm in einer Ecke.


Den zauberhaften Blütenkranz auf dem Bild oben mit all den Blüten meines Gartens, hat mir übrigens mein Kindergartenkind gemacht. Einfach nur so. Als ich zum Kaffeetrinken in die Küche kam, hatte sie bereits alles für mich vorbereitet, liebevoll und aufgeregt, weil es ja eine Überraschung war, und Überraschungen sind immer aufregend. Ich fand das so süss von ihr!
Die grüne Strickwolke neben meinem Blütenreigen ist der „Tama“-Pulli meiner Kleinsten. Er ist mittlerweile fertig. Aber noch nicht so richtig fertig. Die Fäden sind noch zu vernähen und das Waschen und Blocken stehen kurz bevor. Ich hoffe inständig, dass die Passform dann irgendwie besser aussehen wird. Bis jetzt schaut es mehr aus wie ein grüner Kartoffelsack und ich bin ein wenig enttäuscht. Vor allem der Armausschnitt ist ziemlich voluminös geraten, die Ärmel ungeheuer geräumig. Weil ich unbedingt einen Pulli für meine 3jährige wollte und keinesfalls einen für meine 6jährige (der er wohl besser gepasst hätte), habe ich die Ärmel für ihren Umfang eher kurz gestrickt und mit einem langen Bündchen versehen, damit er sich umklappen lässt und mitwächst. Beim Bauch habe ich nochmals aufgelassen und ebenfalls ein Bündchen gemacht statt der angegebenen Krausrippe. Jetzt ist alles ein wenig schief und sonderlich… Mal sehen, wie das noch herauskommt. Manchmal ist ein Bad allerdings alles, was ein Strick-Projekt braucht, um einem schlussendlich doch noch positiv zu überraschen…


Und da wir gerade von „überraschen“ sprechen; seht euch dieses Paket hier an! Ein Wunder! Ein Häkelwunder!
Rita hat ein ganzes Jahre lang geschuftet und kreiert und eine wahre Flut an kunterbunten, absolut perfekten Häkelfrüchtchen und Häkelgemüse geschaffen… und sie alle mir und meinen Mädels geschickt! Unfassbar! Habe ich etwa den Jackpot geknackt?!
Ich kann mein Glück kaum fassen… So viel Schönheit, so viel Grosszügigkeit und Herzlichkeit macht mich einfach sprachlos…
Eines ist jedenfalls schon mal klar; von diesen herrlichen Schätzen wird nur ein Teil in der Puppenküche landen- Birnen, Kürbis, Apfel, Radieschen, Kirschen und Co. (sogar Erbschen gibt es!!!) sind nämlich einfach viel zu schön, um im Kinderzimmer zu verschwinden. Die kommen auch auf den Esstisch. Aufs Fensterbrett. Zu meinen Filz-Engeln. Neben mein Bett. In Nischen und freie Plätzchen zu all den Szenerien, die sich hier immer wie von Zauberhand zusammenfinden mit Zeichnungen, Sammelsurien aus Postkarten, Spielfiguren und Jahreszeitenkram, ein Abbild vom Alltagstrubel und dem ständigen Wechsel im Jahreslauf. Gerade lachen mich die entzückenden Fliegenpilzchen an. Der dicke, orange Patchwork-Kürbis (*schmacht*). Ein roter und ein grüner Schneewittchenapfel. Ach was… da lacht alles. Die ganze Obst-Gemüse-Box.
Mein ganzes Herz.
Ich freue mich so, dass wir jetzt mit Ritas zauberhafter Häkelkunst leben dürfen!

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in der Vergangenheit

Ich wollte zuerst „gewöhnlich“ über diesen Post schreiben. Und auch davon berichten. Dass nichts geschieht. Im Moment. Alles ist so normal und langweilig wie eh und je. Aber gleichzeitig stimmt es nicht, das mit dem „gewöhnlich“, denn irgendwie geschieht gerade auch sehr viel, einfach innerlich, nicht aussen.
In den letzten Tagen war ich immer ein wenig… abwesend. Mental und emotional. Nicht so recht bei der Sache und auch öfters am Handy als sonst, als normalerweise, wo ich nicht wirklich oft darauf herumtippse, sondern versuche, den Fokus auf das zu legen, was vor mir liegt und wirklich wichtig ist im Augenblick, also auf die Kinder hauptsächlich und auf so ordinäre Dinge wie eine Mahlzeit, die gekocht werden will und ein Bett das noch rasch in allerletzter Minute vor dem Schlafengehen bezogen werden sollte, während die Bettwäsche noch immer draussen in der Dämmerung flattert (oh ja, es wird früher dunkel, ich sehe es und ja, ich fange allerlei an und vergesse es dann).
Ich kenne solche Phasen. Seifenblasentage. Sie haben keinen offensichtlichen Grund, nur Auslöser. Ich verschwinde ein wenig in mir selbst. Denke nach und werde still dabei, versunken in einer sonderbaren Welt, die sich in sich selbst einigelt, ohne einsam zu sein dabei. Meistens begleitet mich ein Grundgefühl von träger Sinnlichkeit, entrückt, sensitiv und beobachtend und empfänglich für alles, was emotional stärker schwingt. Und fast immer muss ich über irgendwas sinnieren. Übers Landleben. Über das Muttersein. Über den Mut historischer Figuren, anders zu sein, ihr Leben gegen alle Konventionen nach ihrem Herzen zu leben. Über fremde, mir schier unvorstellbare Möglichkeiten, zu leben und zu werden und der Realität völlig neue Wendungen zu geben.

Im Augenblick ist es gerade der englische Bürgerkrieg der 1640er Jahre, der mich regelrecht fesselt. Ich bin wie besessen, lese alles dazu, was ich finden kann, Internetseiten hauptsächlich, deshalb auch meine exzessivere Handynutzung. Die Ideen dieser Zeit, unglaublich grosse und bahnbrechende, ja irrsinnige Ideen für diese Phase der Geschichte, bewegen mich, auch wenn Themen wie persönliche Freiheit, Rechtsschutz und Gleichheit vor dem Gesetz und den Menschen für mich ja heutzutage selbstverständlich sind und mich nicht mehr gross in Begeisterung versetzen können.
Aber wenn ich mir vorstelle, was damals in England vorgegangen sein muss… bekomme ich Gänsehaut. Dieses radikale Umkrempeln in den Köpfen und Tagen der Menschen, für die ein König Gott sein konnte, abgekoppelt von Gut und Böse, das eigene Leben winzig und vergänglich wie ein Regenbogen. Plötzliche Möglichkeiten in buchstäblich alle Richtungen. Und keiner weiss, wann der Wind umschlägt, wer das Rennen macht,  ob bald die ganze Welt in Flammen steht. Ich möchte nicht tauschen, auf keinen Fall, aber der Tumult dieser Revolution vor der eigentlichen Revolution (die in Frankreich, meine ich), fasziniert mich zutiefst. So wie die 68er Bewegung es tut. Woodstock. Die Studentenbewegung. Der Exodus in die „Neue Welt“.

Der Film „The Devil’s Whore“, in dem es gar nicht um Huren geht und an sich auch nicht um den Teufel, obwohl er darin vorkommt, hat genau dieses Gewichtige, dieses Alles-oder-Nichts beeindruckend in Bilder und Lebens-Geschichten gefasst und dem Thema „English Civil War“ für mich ein Gesicht gegeben. Er ist extrem blutrünstig, dieser Film, keine Frage, wirklich zu grausam und anschaulich für eine Frau wie mich… aber das Gefühl stimmt. Und fliesst. Macht Hunger nach mehr. Wissensdurst.
Historische Filme wie dieser sind zwar eigentlich too much für mich. Aber nicht ganz unmöglich.
Wenn, dann schaue ich sie mir übrigens folgendermassen an: Ich klicke mich zuerst in grossen Steppstich-Schritten voran, springe sofort weiter, wenn es zu viel wird für mich. Bis ich in etwa weiss, ob ich es wagen kann, genauer hinzuschauen und ob es sich überhaupt lohnt. Manchmal lasse ich es ganz sein. Manchmal sehe ich mir auch bewusst das Ende zuerst an, nur um vorgewarnt zu sein. (Ich brauche zumindest einen Hauch von Happy End! „The Devil’s Whore“ hat keines.). Manchmal habe ich aber auch Feuer gefangen und muss es unbedingt wissen. Dann spuhle ich den Film behutsam voran, in kleineren Schritten und versuche, mir zu merken, wo es schlimm wird oder unheimlich oder Bilder kommen, die ich gar nicht sehen will. Vielleicht habe ich jetzt bereits genug Informationen bekommen und mein gefilterter Einblick reicht aus. Vielleicht aber auch nicht. Dann setze ich mich nochmals hin und sehe mir den Film richtig an, überspringe aber dabei aber all meine persönlichen Delete-Szenen und hoffe, nichts Gravierendes dabei zu verpassen. Wenn ich Pech habe, klappt das allerdings nur mässig und ich rätsle nachher wie wild an nun doch irgendwie schleierhaften Windungen herum oder an Anspielungen auf Momente oder Dialoge, die ich ausgelassen habe. Es kommt tatsächlich vor, dass ich mir den Film deswegen nochmals anschaue (Himmel, ja ehrlich! Auch ich finde das krass) oder dass ich wie vergiftet in Rezensionen oder Summaries nach den Auflösungen suche (ich kann sehr verbissen sein).
Bei „The Devils‘ Whore“ kam ich echt ins Rotieren; zu viele Kriegs- und Kampf- und Hinrichtungsszenen, bei denen ich mit geschlossenen Augen und den Händen auf den Ohren dasass, hinterliessen schlussendlich mehr Fragen als Antworten, und da mir das englische Fach-Vokabular zu geschichtlich-politischen Dingen nahezu völlig fehlt, bekam ich zuerst wirklich nur einen Bruchteil der Handlungen mit, obwohl ich mich bereits ein wenig eingelesen hatte ins Thema und nun auch in etwa wusste, was ein „Leveller“ war oder ein „Roundhead“ oder so. Aber egal; Noch mehr Nachlesen, Schmökern, Nachdenken, Vergleichen, die Lücken füllen.
Ich brauche das gerade.
In fremde Zeiten entschlüpfen.
Manchmal bin ich recht extrem.

Ich glaube, es ist die Aufbruchstimmung an sich, die mich anzieht in all dem. Leidenschaften, hehre Ziele und der Mut zur Tat. Zu wissen, dass Unmengen an Menschen die Geschichte dieser Welt, meiner Welt, zu dem gemacht haben, was sie heute ist, manche unwissentlich, rein durch ihr kleines, scheinbar bedeutungsloses Leben, andere mit voller Hingabe einer Idee verpflichtet, die sie für das Beste hielten, was uns allen geschehen konnte. Ich meine… alles, was heute ist, was wir haben oder sind, hat seine ureigene, lange, lange, lange Geschichte. Und für jede Freiheit, jede Wahrheit, jeden Neu-Anfang wurden Opfer gebracht. Opfer verlangt auch, was ich nicht verherrlichen möchte, denn Krieg ist immer schrecklich, und Revolution nichts anderes als Krieg, eine Macht, die das unterste zuoberst kehrt und Veränderungen erzwingt, für die niemals alle bereit sind. Und doch folgen alle nach. Oder gehen unter. „Was sich nicht beugt, wird brechen.“
Das stimmt mich nachdenklich.
Aber auch dankbar in gewisser Weise. Dankbar für alle jene Menschen, die für mehr Gerechtigkeit, für die Befreiung und den Schutz der Schwachen gekämpft haben, für das Gute (nur was ist es, das Gute?) Gerade für mich als Frau wäre das Leben ein vollkommen anderes, ein engeres und leidvolleres, würde ich die Uhr zurückdrehen bis ins Jahr 1642… Und doch; wieviel Blut geflossen ist, selbst für jeden „guten“ Sieg, kann man sich wohl kaum vorstellen. Und will es auch nicht. „So many blood for so little.“

Die Fotos oben sind übrigens absolut nicht verlinkt mit diesem Text hier. Wie denn auch? Es gibt keine Bilder zu den drehenden Rädchen in meinem Kopf oder zu der Seifenblase, die mich gerade umgibt. Aber es sind Einblicke in das Leben, das ausserhalb von alldem weiterläuft, rings um mich herum, die Kinderspiele, die welkenden Blumen und das Licht der Sonne, das nachmittags warm ist und abends so schnell blass und blau. Langsam tröpfle ich zurück. In meinen Alltag. Seifenblasentage sind nicht dafür gemacht, lange zu bleiben. Sie bewegen sich ständig entlang ihrer Hülle, fliessen an sich selbst hinunter, werden dünn und dünner, bis sie zerplatzen.
Und alles wieder so ist.
Wie immer.

 

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Start in den Septmember

Oje… wie konnte nur so viel Zeit vergehen, ohne dass ich es auch nur ein (!) Mal (!) an den PC zum Texten oder Fotos rüberladen geschafft hätte…
Ich kann es mir selbst nicht erklären.
Oder doch?
Ja, es war viel los hier. Unheimlich viel. Aber im positiven Sinne. So viel Leben und Lebendigkeit und so viel Bewegung und Hand-Werk und Geselligkeit! Das Hin- und Her des Schulalltages hat auch seine schönen Seiten, finde ich;
Kinderfreunde, die sich nachmittags treffen zum Spielen oder -so wie heute- zum Fussball-„Grümpi“-Sonntag auf dem Schulhausplatz.
Eine Regelmässigkeit in der Tagesstruktur, die ich alleine wohl nicht unbedingt hinkriegen würde.
Die Vormittage nur mit meiner Kleinsten ganz alleine zuhause, wo wir zusammen gemütlich in der Küche Kaffee trinken und ein Croissant essen, das wir auf dem Heimweg im Dorfladen noch rasch gekauft haben für uns.
Der Besuch auf dem Bauernhof, wenn die Bäuerin ihren Verkaufsmorgen abhält, Gemüse aus dem Gewächshaus holt, Eier frisch aus dem Hühnerstall und immer Zeit hat für ein Pläuschchen und eine Tasse Tee.

Und ich freue mich über die Gespräche mit anderen Schulkind-Müttern (und ab und zu auch mit einem der Papas), wenn wir denselben Weg zum Kindergarten haben oder uns bei Einkaufen über den Weg laufen.
Das tut gut. Das alles.
Ich versuche, mich mitziehen zu lassen mit dem Rythmus dieser Tage, weil es schwierig wird, sobald ich mich dagegen sträube und das Tempo verlangsamen will.


Aber müde bin ich.
Absolut geschafft.
Vor gar nicht so langer Zeit habe ich bei Instagram noch eine Lobeshymne gesungen auf meine wiedergewonnene Lebenskraft nach meiner letzten Eisen-Infusion. Aber dann brach die Kurve wieder ein. Kopfschmerzen, Hitzewallungen, Benommenheit und ein starkes Gefühl der Erschöpfung waren wieder da, und nach einem Besuch im Arztlabor ist klar; Das Ferritin ist schon wieder völlig im Keller, Hämoglobin und ein paar weitere Werte rasant im Abwärtskurs. Wieder eine Infusion. Aber das ist okay. Es war schön, wieder Kraft zu haben, Elan und einen klaren Kopf. Wieder genug Eisen im Blut. Mehr Optimusmus, die Gelassenheit eines genährten Körpers. Und ich bin einfach dankbar für schnelle Resultate in dieser Hinsicht, darum diese Wahl…
Trotzdem geniesse ich das Leben gerade wirklich sehr. Es scheint mir gut und voll und reich. Wie das Regal in der Küche, wo sich all der Kram und die Kinkerlitzchen versammeln, die mir gerade in die Hände kommen, weil jemand sie ausgerechnet auf dem Küchentisch liegenlässt (wo wir essen sollen) oder auf der Anrichte, an der ich gerade Zwiebeln schneiden soll. Kleine Zeichen des Alltages. Ein Abbild der Treibens um mich herum. Irgendwie herrscht Chaos -auf dem Board und in meinem Leben- aber gleichzeitig passt alles zusammen, ergänzt sich, macht mich, macht uns aus, so wie wir sind in dieser Lebensphase.

Von der Pfefferminze habe ich schon bei Instagram geschrieben, von ihr und all ihren Verwandten, die unser Mini-Gärtchen bewuchern und zu einem besseren Ort machen. Ich liebe Minze. Müsste ich aus allen Tee-Kräutern ein einziges auswählen… Ich glaube, ich würde die Minze nehmen. Momentan zumindest. Vielleicht liegt es daran, dass mir oftmals Klarheit fehlt. Physisch wie psychisch. Und der frische Geschmack auf der Zunge, lässt mich nach mehr verlangen, mehr Tee, mehr Pause, mehr Leichtigkeit, mehr… Minze.
Ich habe ein grosses Einmach-Glas gefüllt mit den verschiedenen, namenlosen Minze-Typen, die ich im Garten gefunden, geernten und getrocknet habe. Für den Winter. Für Zeiten, wenn die Natur sich zurückzieht und nur noch im Kräutertee-Regal in meinen Gläsern und Dosen zu finden ist. Ich kann nicht sagen, dass ich mich darauf freue.
Aber an dieser Schüssel voller frischem, duftendem Heilkrautgrün freue ich mich.

Im Rahmen einer grossangelegten Küchenreinigungs-Aktion (die noch immer im Gange ist), habe ich neues Waschmittel gemacht. Waschpulver diesmal. Weil mich nach raschen Resultaten und minimem Aufwand gelüstete. Und weil ich ein bisschen Motivation brauchte und das Gefühl, die Dinge im Griff zu haben. Waschmittel und überhaupt Reinigunsgmittelchen, Salben und Wässerchen selbst zu machen, kann so was: Mich glauben lassen, ich hätte die Fäden fest in der Hand. Das Gute-Hausfrauen-Gefühl, mit dem sogar der Abwasch Spass macht. Oder das Wäschewaschen.
So ein Mommy-Potamus-Gefühl.
Und von ihr habe ich auch das Rezept, sowohl für ein gutes, einfaches Waschpulver als auch für ein wirklich grossartiges Geschirrspülmittel-Rezept mit dem unentbehrlichen hausgemachten Klarspüler (den man auf keinem Fall weglassen sollte; sonst trägt jedes Glas dichte Schleier).
Supersimpel -beides- und genauso supereffektiv.
Wirklich eine Freude.
Eine Hausfrauen-Freude.

Was ich aber noch überhaupt nicht geschafft habe, nicht einmal nach einer Extra-Portion-Hausfrauen-Selbstbewusstseins-Politur; Mich um meinen Garten-Quilt zu kümmern. Dazu reicht es nie. Das Patchwork-Deck ist längst fertig und setzt langsam Staub an, aber das Zusammensetzen und Quilten schiebe ich permanent vor mir her, als wäre es eine lästige Angelegenheit und kein eigentlicher Spass.
Vielleicht liegt es daran, dass mir die Stoffe der Decken-Oberseite nicht besonders gut gefallen? Sie sind hier nicht zu sehen, doch es sind vor allem dunkle Töne, Braun, rostiges Rot, Schwarz, ein paar an sich hübsche Blumenprints, eingeklemmt zwischen rein weissen Baumwollstreifen. Anfangs war ich sehr angetan, aber mit der Zeit…
Ganz anders verhält es sich mit dem Rückseiten-Stoff; sehr ihr das süsse orange-gelbliche Blumensträusschen-Muster, das ich beim Trödler auf einer alten Bettwäsche entdeckt habe? Zucker, oder? Ich finde es ungeheuer mädchenhaft, so unschuldig und bescheiden. Vielleicht lasse ich dann einfach die Rückseite Oberseite sein, das könnte die ganze Sache retten…

So, und jetzt mache ich Schluss für heute. Ich hätte noch ein paar weitere Fotos und Alltags-Schnipsel, die mich hinüber in diese ersten September-Tage begleitet haben, aber mein Bauchgefühl sagt mir, dass es jetzt Zeit ist für ein wenig Rückzug und das Ruhenlassen meiner Gedanken. Die sind so rasch wirr und matt gerade. Vor allem abends. Dann fällt es mir schrecklich schwer, meine Sätze klar zu strukturieren und mich in einem Gespräch auf das zu konzentrieren, was gesagt wird oder gesagt werden möchte. Es ist, als würde mir langsam der Kopf einschlafen, während der Rest meines Körpers noch hellwach den Feierabend einläutet. Wobei, so ungeheuer hellwach ist meist auch der nicht mehr; wenn ich den grünen Pullover meiner Kleinen ansehe, an dem ich doch auch schon seit einer ganzen Weile arbeite, dann wird schnell klar, dass eigentlich wohl alles an mir so langsam in Dämmrigkeit versinkt. Gross gewachsen ist der nämlich nicht. Meist mag ich nicht einmal mehr stricken…

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7

1. Kochen ist bei mir eine heikle Angelegenheit; Es kommt vor, dass ich wochenlang mit einer eigentlichen Koch-Abneigung hadere- und doch jeden Tag zwei Mahlzeiten und diverse Snacks auf den Tisch bringen muss/möchte. Belegte Brote mit Salat sind dann jeweils mein Notnagel, aber richtig satt und genährt fühle ich mich eigentlich nur, wenn ich etwas Gekochtes, am besten etwas Warmes esse. Alles andere fühlt sich einfach… nicht energiereich genug an. Bei der aktuellen Hitzewelle, wo das Thermometer Tag für Tag auf über 30 Grad steigt, reizt es mich aber eher wenig, schwitzend vor dem heissen Kochherd zu stehen und über dampfenden Töpfen zu brüten, während sich die Küchentemperatur weiter in feurige Höhen schwingt. Also versuche ich, immerhin so zu kochen, dass der Herd nicht allzu lange eingestellt bleibt und die jeweiligen Gerichte sich auch später noch kalt essen lassen. Der Kartoffel-Gemüse-Salat von heute Mittag war eine gute Entscheidung; mit wachsweichen Eiern, kurz in Olivenöl angebratener Zuchini aus dem Garten, ein paar Cherrytomaten, etwas angedünsteten Zwiebeln und Knoblauch (wenig nur, die Kinder finden Knoblauch durchs Band scheusslich) und ein paar zerkrümelten Feta-Stücken schmeckt er nach Sommer und Landleben. Normalerweise schwimmt mein Kartoffelsalat in einer sämigen Sauce aus Mayo/Quark, Senf und heisser Bouillon, doch diesmal habe ich mich an einem Rezept aus „The Herbalist’s Kitchen“ orientiert und stattdessen Olivenöl, Zitronensaft, Salz und Basilikum verwendet.

2. Salat aus dem Garten hat mich schon mehr als einmal aus der Koch-Klemme gerettet. Vor allem, als das Grillier-Verbot wegen der aktuellen Dürreperiode noch nicht galt. Eine grosse Schüssel gemischter Salat mit Honig-Apfelessig-Minz-Vinaigrette, mit Kräutern, Apfelspalten oder Tomatenstückchen und die Hälfte der Mahlzeit ist bereits gerettet.
Die Wespen haben auch in diesem Sommer ganze Arbeit geleistet; da ist kaum ein Insekt zwischen den grünen Blättern zu finden, nicht einmal der Kohlrabi wird zerfressen, obwohl es von flatternden Kohlweisslingen nur so wimmelt. Dafür bin ich den kleinen, gestreiften Insekten-Polizisten äusserst dankbar (Ich hasse es, Krabbeltierchen aus meinem Salat zu klauben). Im Gegenzug lasse ich sie abends in Ruhe ihre Beet-Visiten absolvieren, Holz von meiner Gartenbank raspeln und zwischendurch ein paar Schlucke aus dem Kinderbädli schlürfen. Eine Hand wäscht die andere. Oder so. Links im Bild ist übrigens mein Lauch zu sehen. Es ist mein erster Lauch überhaupt und das sieht man ihm wohl auch an; alles, was ich im Netz zu seiner Kultivierung gelesen habe, hat mich eher verunsichert als ermutigt… Muss man da wirklich um jeden einzelnen Stängel immer wieder mit Erde anhäufeln, damit es eine schöne, glatte, helle Lauchstange gibt? Ich habe das bisher recht vernachlässigt und seit dem Einsetzen der Setzlinge erst 1 Mal Erde rundherum aufgehäuft. Ob das noch was wird?…

3. Nicht die Wäsche will ich euch hier zeigen, denn die bekommt ihr irgendwie ständig zu sehen in letzter Zeit (was wohl daran liegt, dass ich auch ständig am Wäscheaufhängen- oder -Abnehmen bin und die Leinen niemals mehr leer werden in diesem Sommer). Blickpunkt sollte vielmehr dieses Ungetüm von Sonneblume links im Bild sein. Ich habe ihren Kern im späten Frühling zusammen mit ein paar anderen in die Erde gesteckt und wurde dann von einem eigentlichen Sonnenblumen-Giganten überrascht. Alle anderen sind Zwerge geblieben, doch sie hat sich wirklich gemausert: Mit stolzen 3.80m schlägt sie wohl alle unsere bisherigen Sonnenblumen-Rekorde. Ich mag Sonnenblumen. Für mich sind sie die wahren Königinnen im Blumenland. Und stellt euch mal vor, was für ein grossartiger, wahrhaft royaler Anblick es erst wäre, ein ganzes Sonnenblumenfeld aus lauter solchen Königinnen-Riesen vor sich zu haben…!

4. Mein letztes Pflanzenbild für heute: Der grosse Holunderbusch in der Gartenecke hat diesen Frühling ja wacker die tollsten Blüten gebildet und den ganzen Garten mit seinem Anblick und seinem Duft verzaubert. Verwöhnt von dieser Fülle hatte ich eigentlich auch mit einer Beeren-Schwemme gerechnet- aber Pustekuchen! Die Beeren vertrocknen gerade vor meinen Augen, Beere für Beere, noch bevor sie richtig reif sind. Oder die Vögel fressen sie. Was auch ok. ist für mich, denn im Gegenteil zu den Tieren bin ich nicht auf Beeren und wildes Obst angewiesen, und teile alles, was gerade hier wächst, blüht und reift nur zu gerne mit ihnen. (Ok. ich geb’s zu, mit Schnecken und Läusen nun nicht unbedingt so gerne). Überhaupt überlasse ich insbesondere Wildbeeren und andere Wildpflanzen lieber der hungrigen Schöpfung da draussen, als selber grosse Mengen davon abzuernten. Vogelbeeren und Hagebutten zum Beispiel sind für manche Vogelarten so eine Art Notration im Winter, wenn unter Eis und Schnee kaum noch Körner oder Insekten zu finden sind- wie könnte ich sie ihnen also streitig machen…? Ein klein wenig Wildobst- oder -Kraut darf man sich -mit Mass und Bedacht- aber wohl trotzdem gönnen, oder? Vielleicht ergeht es unserem Holunder-Neuling, den wir im vorletzen Sommer in einer anderen Ecke gesetzt haben, ja anders, und er findet mehr Wasser und weniger Anklang beim gefiederten Volk. Dann würde ich gerne ein wenig Sirup daraus machen. So wie Mamaniflora das immer tut…

5. Dass meine Mädchen fanatische Plüschtierfans sind, ist kein Geheimnis. Dass wir unser Zuhause und unser Leben mit einem übertrieben umfangreichen Kuscheltier-Zoo teilen auch nicht. Den Umstand, dass ich als alte Trödel-Tante mich seit ein, zwei Jahren nur noch sporadisch ins Brockenhaus wage, habe ich auch genau dieser Tatsache zu verdanken: Brockenhäuser sind Plüschtier-Paradiese. Dort findet sich alles. Und alles kostet so gut wie gar nichts. Selbst mit dem knausrigsten Kindersackgeld lässt sich noch gute Beute machen, und obwohl ich ansonsten in Sachen Neu-Anschaffungen gerade bei meinen Kindern eher strikt bin, fällt es mir schwer, im Brockenhaus Nein zu sagen. Als positiver Nebeneffekt hat sich natürlich auch mein eigenes Kram-Kaufverhalten eingedämmt, aber irgendwie ist es doch ein wenig schade, wenn ich es mir so recht überlege…
Was ich aber eigentlich sagen wollte; seit einer Weile schon haben wir angefangen, Spielsachen bei meiner Mutter auszuleihen. Nach 8 gross gewordenen Kindern ist ihr Haus heute das reinste Warenhaus, Tosy-R-Us ist ein Klacks dagegen. Von der Briobahn übers Schaukeltier zu Lego-Hogwarts ist alles vorhanden, und selbstredlich findet sich auch praktisch alles, was das Kuscheltier-Universum zu bieten hat irgendwo auf ihrem Dachboden oder in irgendwelchen Kisten und Tüten. Jedes Mal, wenn meine Kleinen bei Oma zu Besuch waren, bringen sie eine grosse Tasche voller Zeug mit. „Nur zum Uusleehnä, weisch.“ Dass dann alles bei einem der nächsten Besuche wieder zurück zu meiner Mutter kommt, ist natürlich Ehrensache. Ich habe ein wachsames Auge darauf, denn noch mehr „Zoo“ könnte klaustrophobische Zustände bei mir auslösen…

6. Dieser blaue Knäuel „Lang Yarns Asia“ ist meiner vierter und letzter Knäuel dieser Farbrichtung. Was bedeutet, dass das „Zilver“-Wolltuch meines Mädchens demnächst fertig sein wird. Ich bin ein wenig stecken geblieben bei den w.a.h.n.s.i.n.n.i.g laaaaaangen Musterreihen der Endphase, wo so viele Maschen auf den Nadeln liegen, dass ich sie gar nicht mehr zählen möchte. Irgendwann wird so ein Dreiecks-Tuch anstrengend. Das Muster kann noch so spannend sein, mit wachsendem Umfang zieht es sich einfach gefühlt endlos in die Länge, das Stricken… Darum gebe ich es gerne zu: Ich freue mich, sagen zu dürfen, dass ich heute bei der 2.-letzen Reihe des letzten Muster-Rapports (7fach!)angekommen bin und heute abend dann endlich (uff!) zur kraus rechten Schlussborte wechseln darf. Das bedeutet; Land in Sicht!

7. Wann punkto Sommerhitze „Land in Sicht“ kommen wird, weiss ich allerdings noch nicht. Wie gesagt, ich geniesse ihn, diesen heissen, überdrehten Sommer, so wie ich noch nie einen Sommer genossen habe, aber ich sehe doch auch mit wachsender Unruhe, was er für mein Land bedeutet, für die Bauern hier und vor allem für all das grosse und kleine Leben in der Natur, das Hitze und Dürre auf Gedeih und Verderb ausgeliefert ist. Verendende Fische in Algen-überwucherten Rest-Wasser-Seelein, Blumenwiesen, die mehr nach Strohstoppelfeldern aussehen… Auch die Meerschweinchen hecheln zeitweise regelrecht, dabei sorgen wir dafür, dass sie immer Schattenplätze finden, wo die Luft gut zirkulieren kann und achten darauf, dass sie an mehreren Orten Wasser-Schälchen finden (aus denen auch die Vögel und Insekten trinken können). Manchmal baue ich ihnen einen Unterschlupf aus feuchten Tüchern, die ich immer mal wieder benetze, in der Hoffnung, die Verdunstungs-Kälte würde ihnen gut tun, vor allem aber lasse ich sie frei laufen; so können sie der Sonne entkommen und selber entscheiden, wo es ihnen am wohlsten ist. Allerdings erscheint mir ihr Urteilsvermögen nur begrenzt vertrauenswürdig; Ich musste sie auch schon aus stickigen Häuschen inmitten des prallsten Sonnenbereiches, wo sie sich erst noch zu mehrt aneinander kuschelten und so noch zusätzlich wärmten, in den Schatten bugsieren *hüstel*. Der Stall selber bekommt keine direkte Sonne ab. Und durch die riesengrossen Gittertüren kommt ungehindert Luft. So bleibt den Tieren selbst bei grosser Hitze immerhin dieser Hafen, auch wenn natürlich auch im Schatten die Temperaturen wüstenmässig hoch sind zur Zeit.
Die Wetter-Prognose von Meteo Schweiz lässt kaum auf gnädigere Tage hoffen; bis Freitag wird Sonne, Sonne und nochmals Sonne bei 33-34 Grad vorhergesagt. Regen -wenn wir sehr viel Glück haben- erst Freitag ein paar Tropfen. Prognosen über mehreren Tagen traue ich aber prinzipiell nicht über den Weg und so stelle ich mich weiter auf einen wahnsinnigen Wahnsinnis-Sommer ohne Ende ein…

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