Archiv der Kategorie: besondere Tage

Peace Schal

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Ich gehöre zu der eher melancholisch veranlagten Sparte Mensch, der vieles sehr nahe geht und die nach einer schlechten Nachricht, nach Schwiergkeiten, Enttäuschungen oder starken Veränderungen immer eine ganze Weile braucht, bis sie sich wieder aufgerappelt hat und es schafft, neu ausgerichtet und mit frischem Mut nach vorn zu blicken. Und weiter zu gehen.
Viele dieser für mich schwierigen Momente und Situationen kann ich hier nur bruchstückhaft und leicht verschlüsselt einfliessen lassen, schliesslich ist das Web weit und nachtragend und da ist ja auch noch meine Familie, aber ich gebe mir Mühe, ehrlich zu bleiben und keine heilen Welten vorzugaukeln, wenn ich mich gerade fühle, als würde ich ganz am anderen, am dunkleren Ende leben.
Das letzte halbe Jahr hielt eine ganze Menge düsterer Fleckchen für mich bereit, durchzogen von Lichtungen, Sonnentagen und Glühwürmchenmomenten, für die ich immer dankbar war und dankbar bin. Jeder braucht hin und wieder etwas, das einem Sonne ins Herz zaubert und einem zeigt, wie geliebt und umsorgt und versorgt man doch ist. Ein warmherziges Gespräch voller Zuspruch, ein Überraschungspäckchen, die ersten gelben Blümchen über der noch so kalten Erde, das überschwängliche Lob der Lehrerin beim Standortgespräch des Kindes, der Termin beim Tierarzt, der die armen Meerschweinchen endlich von Milben und blutig gekratzten Stellen befreien wird.
Auch das “Projekt Peace” war so ein leuchtender Fixstern für mich, in einer Phase dieses Winters, die mir ganz besonders zu schaffen machte. Zu wissen, dass ich eine Zeit lang jeden Tag einen kleinen Blogpost vorfinden würde, mit ermutigenden Gedanken, Ideen und jeder Menge Ansporn, mehr Frieden in mein Leben zu bringen, das kam mir vor wie ein Anker auf offener See, der mein Bötchen ein Stück weit festhielt und mir helfen konnte, immer wieder zur Ruhe zu kommen. Strickend.
Ich habe so gerne an diesem Schal gestrickt. Das Muster war einfach und trotzdem spannend und das Garn (“Asia” von Lang ind der Farbe “Navy” und ganz schmal an der Abkettkante in “Gold”) eine wunderbare, babyweiche Wahl (obschon es doch immer ein bisschen enttäuschend ist, wie rasch sich der herrliche Perlmuttglanz der noch unberührten Knäuel während dem Stricken verliert und wie schnell das Gestrick altert). Ich habe mit einer 80cm langen Rundnadel Nr. 3.5 gestrickt und volle 3 Knäuel Garn verbraucht. Mit nur zweien kam mir der Schal einfach zu schmal vor- und viel zu weit. Nach 150gr. verstricktem Garn gefiel mir dann wenigstens die Schalhöhe. Was die üppige Weite anging; Ich kam mir immer unangezogen vor, wenn ich meinen Peace Schal -der zu Anfang noch, genau nach Anleitung gestrickt, ein Rundschal war- schlabbernd und schlotternd um den Hals hängen hatte. Auch zweimal rundum geschlungen blieb er für mein Empfinden zu weit und zu strukturlos, und dreimal wickeln liess er sich dann trotzdem auch wieder nicht, ohne dass ich das Gefühl hatte, es würde mir die Kehle zuschnüren…

Was tun also? Mit einem über lange Wochen möglichst sorgfältig aus eher luxuriöser Wolle gearbeiteten Strickschal?
Na klar: Aufschneiden!

Meine Mutter, die damals (wie heute *hüstel*) meine Nähmaschine leihweise bei sich zuhause in Gebrauch hatte, nähte mir mit einem dichten Overlockstich zwei eng nebeneinander liegende Bahnen senkrecht durchs Gestrick. Und ich schnitt dann beherzt mit der Schere drauflos, einen langen, trennenden Schnitt genau zwischen diesen beiden Nähten. Dann nur noch locker einmal mit festen Maschen die Schnittstellen umhäkeln, fertig. Bereit, doch noch getragen zu werden.

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Allerdings nicht von mir; Gestern vormittag ist er, versehen mit meinen allerherzlichsten Grüssen und einem winterlichen Geschenkanhängerchen von meinem Mädel, zur Post gebracht und verschickt worden. Zu der netten, alten Dame in meiner Kirchgemeinde, für die er von Anfang an gedacht gewesen war.
Möge er auch ihr Frieden bringen. Davon gibt es nämlich einfach noch nicht genug auf dieser Welt.

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Manchmal möchte ich Dinge mit-teilen, ohne allzu viel Lebenszeit vor dem Bildschirm verstreichen zu lassen…
Kurz und bündig und spontan. Ohne Umweg direkt aus dem wahren Leben.
Fast wie bei Instagram

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Ein Date mit meinen Jungs.
Und Kind2 nimmt, was er immer nimmt: Eiscafé und Lachs-Canapé.
Darauf freut er sich immer schon weit im voraus…

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Plätschertage

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Lazy days Wie ich sie mag.
Es plätschert still aber munter vor sich hin, ohne dass besonders Grosses vor sich geht. Und genau das ist schön. Im Moment. Es gibt nichts zu erbangen, nichts zu befürchten, keine Termine einzuhalten und nirgendwo eine Schlange, in die wir uns einreihen müssen. Kein Druck, kaum Sorgen, nur die gemütliche Enge eines vollen Hauses. Wo ich immerzu aufräume und mein Nachwuchs hinter mir herchaotet.
Ich glaube, jeder von uns geniesst diese Zeit. Freie Zeit, Tage, die noch nicht so richtig existent zu sein scheinen, noch nicht recht angekommen im neuen Jahr. Ich wünsche mir insgeheim, wir könnten sie uns bewahren, diese Sorglosigkeit, die mir so gut tut, wünschte, ich könnte meine Lieben einfach noch für eine Weile hier mit mir einmummeln und die Geschäftigkeit und Anfechtungen der Welt aussperren…
Aber nichts ist für immer, ich weiss. Nächste Woche geht es weiter, weiter im Text. Schule. Papa wieder ganztags bei der Arbeit. Essen, das pünktlich auf dem Tisch stehen soll, fixe Schlafenszeiten und noch fixere Aufstehzeiten (für mich wieder um 6: 30 Uhr, iks!), die gewohnte Holprigkeiten, wenn es für die Kinder darum geht, nach einem anspruchsvollen Schulmorgen wieder umzuschalten in den langsameren und weniger “entertainenden” Zuhause-Modus.
Nicht alle Ferientage sind entspannt oder entspannend. Nicht immer fühlt es sich wirklich nach Ferien an. Diesmal schon. Obwohl ich kaum freie Zeit für mich selber finde, trägt mich eine Art zufriedenes Grundgefühl durch diese Woche. Mein Mann baut wacker an unserem Badezimmer, setzt die ersten Kacheln ein, legt einen Plättchenboden. Die Kinder spielen friedlich zusammen, finden sich in immer wieder neuen Formationen und Interessengruppen und machen, was ihnen gerade in den Sinn kommt, während ich mich um die Kleinen kümmere, Essen zusammenpantsche, Wäsche aufhänge, Streitigkeiten schlichte, Ämtchen verteile, Kram auflese und Böden wieder begehbar mache. Ein klitzkleines bisschen komme ich sogar dazu, mich ein, zwei Schrittchen vorwärts zu wühlen in Sachen Grossreinemachen oder vielmehr in der Annäherung an mein permanentes Wunschziel, dieses Haus hier eines Tages soweit entrümpelt und organisiert zu haben, dass mir selber auch wieder ein bisschen mehr Zeit bleibt zum Leben und Sein, und mir nicht mehr aus jeder Ecke irgendwelcher Gerümpel entgegenwinkt…
Gute Tage, ja. Voller Zuversicht und unbelastendem Tatendrang.

dsc_9146Eine kleine Szene, die mich ganz besonders froh gemacht hat gestern, war diese hier: Meine beiden kleinen Mädchen im Wohnzimmer, wo sie sich aus Decken und Kissen ein kuscheliges Nest gebaut haben. Zum Schlafen. Und Bücher ansehen.
Wie die beiden sich so langsam finden und ihre doch noch sehr unterschiedlichen Vorstellungen von sich, von der Welt und dem Spielen an sich, ihr Spiel (für eine Weile) gar nicht mehr gross stört… das finde ich faszinierend und bewegend mitanzusehen. Es ist schön, zu erleben, wie neue Bande entstehen zwischen den beiden. Wie die Rollen neu verteilt werden.
Auf dem Foto oben spielen die beiden übrigens eines unserer allerliebsten Spiele zusammen. So eine Art Wundertütenportraitspiel oder so: Buch auf den Schoss (eines mit möglichst lustigen Bildern, aber wir haben auch schon simple Zeitungen genommen dazu), Augen zumachen, “Du bist… DAS hier!” rufen, wahllos eine Seite aufschlagen und irgendwo blind drauftippen. Das Ergebnis unter dem ausgestreckten Finger lässt bei uns regelmässig die Bäuche wackeln und das Herz ein bisschen hüpfen…
(Besonders nett wird dieses Spiel auch, wenn man die “Fragestellung” ein bisschen variert und dem Buch-Inhalt anpasst. Oder der Zeitschrift oder so. Ich “weissage” auf diese Art auch ganz gerne mal zukünftige Partner/innen meiner Kinder; “Du heiratest den/die hier…!” *grins*)

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2017. Begonnen

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Begonnen hat es… wunderbar. Dieses nagelneue Jahr, die weissen Seiten, die sich füllen werden, ganz von alleine, schön, hoffe ich, oh ja, das hoffe ich so sehr, schön, so oft wie möglich so schön und gut, liebenswert und liebevoll wie irgend möglich (neulich habe ich gelesen “wie irdisch möglich” und diese neue Wortformation hat was ziemlich Ehrliches, finde ich). Wir hatten ein paar recht dunkle Tage im 2016. Und dunkle Tage wird auch dieses neue Jahr hier haben, da kommt wohl keiner drum herum. Wo Licht ist, fällt Schatten, und nichts leuchtet so hell und friedlich wie die Kerze in düsterster Nacht oder ein taufrischer Morgen nach mondlosen Stunden. Eigentlich freue ich mich ja…
Auf das Neue.
Ein neues Jahr lässt aufhorchen, den Blick heben und die Segel setzen. Und, ja, 2017 hat wirklich wunderbar begonnen. Silvester war ausgelassen und herrlich tumultig in diesem vollen Haus hier, die Kinder scherzten und lachten, packten kleine Neujahrsgeschenke aus (meine Kleine zB. dieses Buch hier) knabberten Süssigkeiten und tranken Kindersekt mit uns in der schummrigen Küche, Sekt aus langen Kelchen, wir klirren beim Anstossen wie bei richtigen Partygäste. Als die Kirchenglocken das neue Jahr einläuteten, öffneten wir die Fenster und sahen uns die kleinen, aber ziemlich lauten Feuerwerke an, die da und dort im Quartier zum Himmel rasten. In der Küche brannten Kerzen in vielerlei Formen, Kind1 war mit einer selbstgebastelten Würfel-Leuchte aus irgendwelchen blauen Blinkedingern in die Küche gekommen und hatte mit batteriebetriebenen Leuchtschnüren in verschiedenen Farben die Zahl “2017″ auf Gittergeflecht befestigt und an unsere Laube gehängt. In dieser Nacht flackerten nicht nur die Kerzen, in unserem Garten blinzelte uns nun auch eine grün-gelb flackernde 17 entgegen, neben einer weiss-lila schimmernden 20.  (Auf dem Foto sind gelb und grün leider schon ziemlich batterieleer) Und ich fühlte mich mächtig glücklich, weil… ja, weil dieses Gefühl von Zusammensein und Zusammengehören im Grunde alles ist, wa sich brauche, um dankbar und glücklich zu sein. Mein grosses Mädchen hatte mitgeholfen in der Küche, nicht beim Aufräumen (gibt es überhaupt Kinder, die so was tun?), aber beim Dekorieren und herrichten und Kind2 liess sein Buch (Warrior Cats) kurz auf dem Sofa liegen und schwänzelte entspannt und zufrieden zwischen uns herum, in der Hoffnung das eine oder andere M&Ms zu ergattern noch bevor die Party offiziell eröffnet war. Ich mochte diese Ruhe, die gleichzeitig voller Erwartung steckte. Diesen Frieden. Dieses Alles-ist-gut-so-wie-es-ist-Gefühl.

Mein Liebster hatte die beiden Kleinsten früh zu Bett gebracht, was mir unerwartet frühe freie Stunden bescherte, Zeit, die ich -nebst den Partyvorbereitungen- mit dem Rest der Bande im Wohnzimmer verbrachte, wo ich endlich einmal dazu kam, mich an die Baumwollknäuelchen heranzutasten, die ich im Advent beim Strickcafé gewonnen hatte (oh, ich liebe ihren Verlosungs-Adventskalender!)
Es gibt viele Häkelprojekte, die mich wahnsinnig reizen. Vor allem Granny Squares oder Spitzendeckchen und solche Sachen. Aber das Häkeln… ist nach wie vor ein Buch mit sieben Siegeln für mich. Irgendwas klemmt immer in meinem Kopf, wenn es darum geht, die nächste Reihe oder Runde mit Wendemaschen und Co. schön sauber zu beginnen. Aber jetzt, jetzt mit diesem neuen Jahr, da will ich es wagen. Nochmals neu anfangen und dem Häkeln eine Chance geben, von Null auf, ordentlich, mit Nachlesen und Michreinknien. Vielleicht klappt’s ja mit dem Häkelbuch, das ich Samstag in der Bücherei ausgeliehen habe?

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Mein allererstes Granny Square (Muster “Kornblume”) hat jedenfalls irre viel Spass gemacht und grossen Eindruck hinterlassen. Man kann es schaffen. Das mit den Granny Squares. Auch ich. Hoffe Glaube ich. Dass dieses allererste kleine Häkelblätzchen hier ausgerechnet in einer Silvesternacht entstanden ist, nehme ich jedenfalls gerne als gutes Omen…

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