Archiv der Kategorie: besondere Tage

Januar-Tage 11

Ihr Lieben! Herzlichstes Dankeschön für eure Beiträge unter meinem letzten Post! Es war ein Vergnügen, sie zu lesen! Nichts motiviert mehr, den Laptop aufzuklappen, als ein Büschelchen freundlicher Worte… Merci!
Zum Antworten bin ich bisher allerdings nicht gekommen… Überhaupt blieb mein Kontakt zu virtuellen Welt die letzten Tage aufs Handy beschränkt. An den Tag gebunden. Versorgt in Zwischenlückenknappmomenten. Schulstart und all das, lauter Hektigkeiten und eine Morgenwacht, kaum hat der Hahn gekräht. Ich bin den durchgetakteten Alltag einfach nicht mehr gewöhnt, so nach zwei Wochen Narrenfreiheit.
Takt und Lerchen-Morgen haben aber auch ihr Gutes: Ich reisse mich zusammen, was meine Haushalts-Pflichten angeht und fühle mich ohnehin motiviert, für Klarschiff zu sorgen in unseren vier Wänden. Januar-Gefühle hald. Die haben immer irgendwie mit Putzwedeln und Entrümpel-Checklist zu tun.
Mein Kleiderschrank musste auch kurz herhalten. Das Pullover- und Kleidchentablar wurde völlig geleert und auf Herz und Nieren geprüft, und obwohl ich wirklich nicht viel Kleidung besitze, kamen drei Sachen weg.
Ein schwarzes Unterkleid, das ich mir wegen dem elastischen, wahnsinnig bequemen Stoff für die Schwangerschaft doppelt gekauft habe, aber ohnehin bereits noch in drei anderen Farbtönen besitze. Keiner braucht fünf mal dasselbe Kleid. Nicht mal ich.
Ein schwarzer Künstlerkittel von Gudrun Sjöden, den ich bisher einzig deshalb behalten habe, weil ich etwas griffbereit haben wollte, falls ich an eine Beerdigung müsste.  Doch irgendwie… ich weiss auch nicht. Mir gefällt die Farbe genauso wenig wie der Gedanke.
Und dann ein grüner, selbstgestrickter Wollpullover, den ich damals für mich gemacht hatte. Fünfeinhalb Jahre ist es her. Zwei Babies und sehr viel Erlebtes später passt er rein gar nicht mehr. Schon länger spüre ich das. Er kneift und zwickt und ich bringe es nicht über mich, ihn zu tragen, weil er eng sitzt wie eine Wurstpelle.
Das war schon vor der letzten Schwangerschaft so.
Das Problem liegt vor allem daran, dass ich Pullover brauche, die luftig sind und geräumig, und dass ich hier ganz einfach nicht an positive ease gedacht hatte…
Langer Rede kurzer Sinn: Dieser Pulli ist nicht mehr. Dafür liegen nun ein paar krisselige Wollknäuelchen mehr in meinem Wollregal und freuen sich auf ein zweites Leben als…ja als was eigentlich? Nun, mir wird schon was einfallen. Irgendwann. An sich freue ich mich ja bereits darauf, wieder etwas dickeres Garn zwischen meine Finger zu gleiten lassen. Die Arbeit an meinem Babyjäckchen mit Nadelstärke 3 zieht sich gefühlt endlos dahin… Auf ein Neues also! Ich mag Neuanfänge, wenn sie grün und so schön mummelig sind…

„Dezembertage“ heisst meine kleine Serie zum Jahresende.
Ein Bild, wenige Worte, spontan und frei von der Leber weg.
Spass machen soll es. Mir und euch.
Die „Januartage“ setzen diese Idee im neuen Jahr ein wenig fort.
Ein huschhusch-Einblick in mein Leben mit Gruss und Kuss
raus in die Welt an alle, die das hier lesen…

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Januar-Tage Nr.10

Der Tag war winterlich kühl, doch ein bisschen Sonne lockte. „Ich würde heute gerne in den Wald gehen“, verkündete Kind2 beim Mittagessen unvermittelt. Kind2, sonst ein erklärter Stubenhocker, setzt sonst nie freiwillig einen Fuss vor die Haustür, geschweige denn in den Wald. Ich fand seine plötzlich erwachte Liebe zur Natur ausgesprochen süss, witterte Familiensinn und war ganz gerührt; ein Familien-Ausflug ins Grüne, wie schön!
Meinen Mann hatten die kitzelnden Sonnestrahlen, die sich ausgerechnet zu jenem Zeitpunkt in unsere Küche verirrten, längst überzeugt. Er ist ein Sonnenanbeter und leidet schrecklich unter dem winterlichen Hochnebel unserer Region. Beherzt griff er in die Tasten seines Handys, um nach möglichen Ausflugsziele zu suchen.
„Also, eigentlich wollte ich ja bloss kurz in den Wald…“, versuchte Kind2 einzuwenden, doch seine Worte verebbten im allgemeinen Tumult, den eine Familie in Aufbruchstimmung eben so vernehmen lässt, besonders weil zwei der Mädchen bereits in lautes Protestgeheul ausgebrochen waren und entrüstet erklärten, heute keinesfalls und unter gar keinen Umständen auch nur eine Minute draussen im Wald herum zu laufen…
Eine Weile und zwei Nervenzusammenbrüche meinerseits später quollen wir aus unserem Auto auf eine kleine Parknische am Waldrand und atmeten tief die gute Wald ein. Aufbruch im Winter nimmt mich immer schrecklich her. Was man da alles anziehen muss! Und dann erst das Baby… Die Frische des Waldes tat jetzt ungemein wohl. Seine Stille wirkte wie Balsam. Der Waldweg war schmal aber romantisch, die Aussicht über das Tal zwischen den kahlen Zweigen hindurch wunderschön. Wir fanden Fuchshöhlen und sonderbare Spuren, Disteln und bereits ordentlich ausgeschossene Sonnenkerzen am Wegrand. Die Kinder rannten durch die Gegend, erzählten nonstop Geschichten und liessen bei jedem Schritt den dicken, braunen Blätterteppich unter ihren Schuhen erbeben.
Alles war gut.
Dann erreichten wir einen Weiher. Und mit ihm eine Weggabelung. Hier schieden sich die Geister; Mir war aufgefallen, dass die Kräfte der Kinder langsam erlahmten. Aus den sprudelnden Geschichten wurde vielmehr Gejammer und die vormals fliegenden Füsse schlurften mehr und mehr dahin. Ich wollte den Weiher zum erreichten Ausflugsziel erklären und umkehren, um den Tag in Frieden zu beenden (und meine Nerven zu schonen). Mein Liebster aber fand, das Ganze sei nur halb gewonnen, wenn wir die nahe Burg, die er uns zuhause versprochen hatte, jetzt einfach ausliessen. „Die ist ganz in der Nähe“, meinte er, bohrte den Blick in seinen Handydisplay und marschierte los. „Wir müssen hier entlang.“
„Halt!“
,rief ich, „der Wegweiser zeigt aber gar nicht da lang. Der zeigt genau in die andere Richtung. Du kannst doch nicht einfach auf so dein Telefon vertrauen, wenn du einen Wegweiser vor der Nase hast. DAS hier ist die Realität, nicht dein Handy.“
Mein Mann hielt das keineswegs für ein schlagendes Argument.
„Das hier“, er zeigte auf den kleinen Bildschirm in seiner Hand, „ist die Realität. Eine staatlich anerkannte Online-Wanderkarte. Garantiert vertrauenswürdiger als irgendwelche alten Schilder am Strassenrand.“
Wer von uns beiden Recht gehabt hatte, zeigte sich, als wir uns -eingeklemmt zwischen  Elektro-Kuhzaun und dem steilen Abhang eines Tobels- einen Weg durchs Dickicht schlugen und hofften, unterwegs nicht in den stacheligen Brombeerranken stecken zu bleiben.
Schliesslich kamen wir bei der „Burg“ an, die sehr zu Enttäuschung meiner Töchter, vielmehr eine Ruine war. „Da kann man ja gar nicht reingehen“, maulte mein Pausbackenkind. Ich konnte sie gut verstehen, denn mit den übrig gebliebenen zweieinhalb verfallenen Grundmauern und ein paar Zinnen in 20 Meter Höhe, glich das Ganze doch mehr einem Steinhaufen als einem richtigen Gebäude. Von Burgfräulein und Prinzessinnen natürlich auch keine Spur. Nach 10 Minuten Rumstehen und Schauen, hatten wir uns dann auch sattgesehen und brachen auf Richtung Heimweg. Es dämmerte bereits merklich, was mich ganz mulmig werden liess, wenn ich an die düsteren Waldweg-Abschnitte durch schummrigen Nadelwald dachte. Die jüngeren Mädchen hatten jetzt definitiv genug von allem, und um die friedliche Stille des Waldes war es jetzt auch geschehen. Gottseidank kam mir da diese glänzende Idee mit den Märchen, und während ich mich mächtug ins Zeug legte, „Rotkäppchen“ oder „Der Wolf und die sieben Geisslein“ so lebensecht und mitreissend wie nur irgend möglich zu erzählen, um die Kinder von ihren müden Beinen und dem Hungergrummeln im Bauch abzulenken, brach langsam, langsam die Nacht über uns herein. Schlag fünf kamen wir bei unserem Wagen an. Keine Minute zu früh. Das Baby hatte Hunger, das Dunkel war zum Greifen nah und die ersten Regentropfen fielen. Ausserdem hatte meine Grosse unterwegs einen ihrer Schuhe ausgezogen, weil sich ein Stein in der Sohle verfangen hatte und war Dreiviertel des Weges halb barfuss durch den kalten Schlamm gelaufen. Ich hätte nicht gedacht, dasss mich der Anblick unseres Autos einmal so freuen könnte.
Auf der Heimfahrt wichen Anspannung und Erschöpfung gerade einer Art aufgekratzten Heiterkeit, als wir diesen merkwürdigen Geruch bemerkten. „Es riecht irgendwie nach verfaultem Kohlrabi“, stellte Kind2 fest, der ganz vorne auf dem Beifahrersitz sass. „Oder nein- es riecht nach Hundehaufen. Irgendwer muss da in was reingestanden sein…“ Wir lachten und schnupperten und stellten die absurdesten Mutmassungen an, während Kind2 ein, zwei Mal an seinen Schuhsohlen schnüffelte und dann ziemlich still wurde in seinem Sitz.
Zuhause putzte er dann gleich als erstes freiwillig seine Sneakers…

Was ich heute gelernt habe? Ich denke Folgendes: Die schlimmsten Ausflüge ergeben schlussendlich Material für die besten Anekdoten.
Und: Man sollte es sich besser zweimal überlegen, bevor man sich einen Spaziergang im Wald wünscht.

 

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Januar-Tage Nr.8

Der Titel verrät es schon; ich glaube, ich möchte mit meiner „Dezember-Tage“-Reihe noch ein, zwei Wochen weiterfahren. Aber der Dezember ist mit gestern vergangen, darum kommt jetzt der Januar ins Spiel. Januar-Tage sind auch schön.
Was ich mir auch überlegt habe: Ich sollte mich wirklich ein wenig kürzer fassen. Diese Blogpost-Reihe darf ruhiger sein, schlichter, aus dem Ärmel heraus. Sie darf knapp daherkommen, finde ich, allein schon deshalb, damit ich mich wieder traue, auch nach Feierabend noch kurz den Laptop aufzustarten, ohne dass mir der Abend zwischen den Zeilen zerrinnt, was ganz klar ein Hindernis darstellt für mich, jetzt mit meinem Babykind und allem drum und dran ganz besonders. Ich möchte zurück zu den Wurzeln. Und Blogger-Wurzeln sind sehr relaxte Posts mit Notiz-Charakter, keine ausgefeilten Kolumnen oder Artikel. Obwohl das natürlich ganz was Feines wäre.
Mein letzter Post jedenfalls hat mir beim Tippen ungemein viel Spass gemacht. Weil er so richtig von Herzen kam und wunderbar unverkrampft aus mir heraussprudelte. Doch ich möchte auch mit weniger zufrieden sein, gut sein lassen, was sein möchte, und dafür an meiner Regelmässigkeit arbeiten.
Auf zum Januar-Challenge also, auf in die Januar-Tage.
Die 8 im Titel steht übrigens einfach dafür, dass ich das Ganze als Fortsetzung sehe, nicht als Neubeginn.

Ich hoffe, ihr seid alle gut gerutscht! Fein und schön und ohne böse Prellungen oder unsanfte Überraschungen. Wem es nicht gut geht, dem wünsche ich von ganzem Herzen Liebe, Frieden und jemanden, der ihn/sie liebevoll begleitet. Allen, die glücklich sind oder wohlbehütet und vom Schicksal verschont, wünsche ich, dass es lange, lange, lange so bleiben möge, immer am besten.
Für mich war es ein bittersüsses Silvester-Fest. Wir feiern immer ganz gross, aber irgendwie auch ganz klein, im allerengsten Kreis der Familie, mit schrecklich vielen Kerzen und Unmengen an Süssigkeiten und anderen Leckereien (Panna Cotta!). Meistens muss eine Tischbombe sein (jedes Mal ein aufgehobenes Geschenk, das wir übers Jahr mal bekommen haben), immer Rimus und Schaumwein fürs Gläserklirren, und tatsächlich gibt es für jedes Kind ein kleines Geschenk, ein Buch meistens, einen Kalender oder ein Puzzle, zusammen mit einer Tafel der Lieblings-Schokolade und einem Fünflieber. Das muss so sein. Und so bleiben. Der Tradition wegen. Meine Oma seelig hat immer so geschenkt. Immer praktisch, mit Schokolade und einem Batzen dazu. Allerdings ist das mit dem Buch relativ variabel; in diesem Jahr fanden die jüngeren Mädchen je ein handgehäkeltes, wunderschönes Pferde-Leinchen von der „Alteposthalterei“ in ihrem Päckchen, einmal in Hellblau, einmal in zartem Gelb. Meine Grosse bekam zusätzlich zum sechsten Band von „Woowalkers“ einen zauberhaften Print von Anna Speshilova, in den sie sich neulich Hals über Kopf verliebt hatte und der so wunderbar zu meinem wilden Ronjakind passt. Kind2 wartet noch auf sein Mousepad, Kind1 bäckt sich gerade einen Toast Hawai in seinem nagelneuen Sandwich-Maker. Jawohl, manchmal verschenke ich sogar Toaster, wenn der Wunsch danach besteht. Oma wäre stolz auf mich, sehr viel praktischer geht nämlich gar nicht.
Wir hatten eine gute Zeit zusammen. Wir acht und die Nacht bei Kerzenlicht und Disco-Lampe (Muss sein. Immer.).
Das Bittere in all dem Süssen, das sich in meinem Herzen festklippte und auch heute nicht recht verschwinden wollte, kam daher, dass mir eins klar wurde: Silverster 2019 wird wahrscheinlich die letzte Neujahrs-Feier sein wird, die wir alle zusammen verbringen.
In diesem soeben angefangenen Jahr wird mein ältestes Kind 18. Volljährig. Dann muss es zu Silvester eine „epische Party“ sein -Bumdrallala- irgendwo in Zürich, im Grossstadt-Geblinke und ganz bestimmt nicht Rimus über einer Runde „Siedler“. Unser bescheidenes Feierchen, das für meine jüngeren Kinder das Highlight des Winters bedeutet, etwas, worauf sie sich vorfreuen, darauf zufiebern wie andere auf Weihnachten… das kann nicht punkten dagegen.
Klar.
Ich verstehe das.
Wie könnte ich auch nicht; ich war ja auch mal jung.
Trotzdem tut es weh, die Zeit so zerrinnen zu sehen, die Dinge sich ändern, die Menschen sich wandeln, und manches von dem, was schön ist, was mich wichtig ist und nah, ist heute bereits ein Teil von gestern.
Ich vermisse ihn jetzt schon.
Ist das normal?

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Dezembertage Nr.7

Wie ich mir einbilden konnte, ich würde für diese Reihe tatsächlich jeden Tag an den Computer sitzen und schreiben, ist mir heute unerklärlich. So ein Projekt ist bei mir natürlich zum Scheitern verurteilt. Hauptsächlich meiner Müdigkeit wegen. Entweder ich fühle ich mich abends ausserstande, auch nur einen klaren Gedanken zu fassen, geschweige denn ihn verständlich auszuformulieren, oder ich nicke ein, sobald dem letzten Kind in meinem Bett die Augen zufallen. Und manchmal möchte ich auch einfach bloss so vor mich hin dümpeln. Serienquatsch gucken, stricken oder auch nicht, mich nur so berieseln lassen und alles andere vergessen. Da passt Bloggen nicht gut rein. Denn Bloggen ist für mich ein sehr bewusster, mitunter auch kognitiv anstrengender Akt. Selbst wenn ich nur banal vor mich hintippe, fühle ich mich gefordert dabei. Was mir das wohl sagen will? Ist mein Leben tatsächlich so simpel und anspruchslos geworden, dass jedes bisschen Kopfarbeit mir zuviel wird? So ganz will mir dieser Gedanke ja nicht gefalle…
Aber wie auch immer. Heute stehle ich mir einmal ein paar Minuten und schreibe. Bei Tageslicht. Vormittags, denn da habe ich noch alle Sinne beisammen (haha!) Je weiter der Tag fortschreitet, desto mehr kommen sie mir nämlich abhanden, meine Sinne, betäubt von Lärm und dem Geschehen um mich herum. Manchmal bekomme ich Kopfschmerzen davon. Dann nehme ich mir wieder vor, bewusst früh schlafen zu gehen oder mir Zeit zu nehmen fürs Bibellesen oder wenigstens eine kurze Tee-Pause und ein Mini-Gebet- doch dann vergeht der Tag und alles geht vergessen.
Wir hatten zwei schöne, grosse, recht harmonische Familien-Treffen, je eines pro Verwandtschafts-Seite und immer mit sehr vielen Leuten. 19 kamen bei mir zusammen, ganze 32 (!) bei der Sippe meines Mannes. Mittlerweile sind wir an dem Punkt angelangt, an dem die Enkel auch ihre Partner mitbringen, und ich würde sagen, es kann sich bloss noch um Jährchen handeln, bevor das erste Ur-Enkelchen zu uns stossen wird. Dann wäre ich Grosstante. Oder Grossmutter. Was für ein Gedanke!
Besonders schön bleibt mir der Spaziergang in Erinnerung, den ich gemeinsam mit Onkel Alois , Kind 2 und meiner kleinen Nichte Julia dem Fluss entlang gemacht habe. Mit Alois hatte ich bisher nie viel zu tun, irgendwie kam es einfach nie so recht dazu, aber beim Spazieren wurde doch das eine oder andere Wort gewechselt, was eine sonderbare Freude in mir auslöste. Es macht mich traurig, wenn ich meine eigenen Verwandten nicht recht kenne. Aber mit so vielen Kindern bin ich meistens zu beschäftigt und absorbiert, um mich noch für andere öffnen und mich auf ein richtiges Gespräch einlassen zu können. So ein Spaziergang in der Natur tut seine Wunder.
Irgendwann verliess uns Alois Richtung Weihnachtsmarkt und ich und die Kinder machten einen Abstecher zu einer kleinen, uralten, steinernen Kirche, die uns unterwegs aufgefallen war. Winzig war sie. Wunderschön. Schlicht mit ihren Steinmauern, dem schmucklosen Inneren und den schön gearbeiteten dunklen Holzbank-Reihen. Wir flüsterten ohne es zu wollen, wahrscheinlich weil uns die sonderbare Atmosphäre und die fast ein wenig bedrückende Stille  irgendwie demütig machten. Ein Ort ohne Zeit. Verwunschen.
Draussen im kleinen Friedhof lasen wir uns die Namen der Verstorbenen vor und zählten ihre Altersjahre. Ich fühlte mich sehr zugehörig zu den Kindern an meiner Seite und genoss ihre Verschiedenheit; mein Junge, sehr ruhig, aber gesprächig mit vielen tiefen Gedanken, meine Nichte, ein Floh, der lustig durch die Gegend hüpfte und fröhlich drauflos plapperte, mein Baby im Tragetuch, das das Ganze friedlich verschlief. Ein einzigartiger, schöner Moment für mich, in all seiner Bescheidenheit. Für mich eine Art Weihnachts-Geschenk, obwohl mir nicht klar ist, warum.

Auf dem Foto seht ihr übrigens ein anderes Geschenk, das ich einer lieben Freundin aus unserem Dorf gemacht habe. Ihr Baby und meines sind praktisch gleich alt, und sie liegt mir wirklich sehr am Herzen, obwohl ich sie im Grunde gar nicht so gut kenne. Als ich sie kürzlich auf einen kleinen Schwatz unter Müttern besuchte, fiel mir eine Acryl-Babydecke mit Bambi-Aufdruck auf. „Ein schreckliches Material, nicht wahr?“, rief sie sofort, „Wolle mag ich viel lieber. Wolle ist so etwas Feines. Gerade für Kinder. Aber wir haben sie nunmal geschenkt bekommen…“ Ich gab ihr Recht, freute mich insgeheim und nahm, wieder zuhause, umgehend die Wolldecke aus meinem Schrank, die ich letzten Winter mit viel Liebe und Freude gestrickt hatte- ohne überhaupt zu wissen für wen.
Jetzt wusste ich, wer sie bekommen sollte; Die kleine Josephine, zu der die Farben so gut passen. Ein zartes, empfindsames kleines Mädchen, dem die Wolle (und Seide!) ganz bestimmt gut tun werden…

 

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