Archiv der Kategorie: besondere Tage

unmittelbar 3

Der Sommer ist vollends angekommen, heiss und trocken versetzt er dem satten Grün einen blässlichen Gelbstich und versengt den Boden zu meinen Füssen.
Ich geniesse seine freundlichen Morgen, in denen ich mich willkommen bin und sehr, sehr lebendig.
Routine und Rituale fühlen sich befreit an, nicht länger dröge und drückend: das Zuklappen der Läden am Morgen zum Schutz vor der Hitze, das nächtliche Aufreissen der Fenster, die leisen Rotoren der Zimmerventilatoren, Eiscreme am Nachmittag, Wäsche an der Leine jeden Tag, das klitzekleine Babybad, das ich meinem Kleinsten vormittags in die eine Hälfte der Sandmuschel laufen lasse, ganz, ganz langsam, damit das Wasser im Schlauch auf dem Weg zum Plantschbecken von der Sonne vorgewärmt wird.
Ich bin voller Dankbarkeit für all diese kleinen, immer gleichen Dinge, fühle mich warm und wohl und geborgen in meiner Oase.
Der Sommer erdet mich.
Vielleicht weil ich die meiste Zeit keine Schuhe trage.Die Zeit scheint still zu stehen, versickert aber lautlos irgendwo im Tag, in den Rissen der trockenen Erde, der Wasserpfütze auf dem Plattenweg, dem Grillenkonzert am Abend.

Ich möchte festhalten, alles, jedes und jeden. Gleichzeitig entspannen sich meine Hände, mein Geist, mein Gemüt. Aller Energie gehört dem Erfühlen verbummelter Augenblicke.

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Trio: Tag 9

Das Licht dieser drei Bilder sagt alles: Wir haben Herbst im Sommer.
Heute war es so neblig, dass man morgens an Oktober dachte, nicht an Juni. Die Luft ist feucht, aber nicht wirklich kalt, mehr so lauwarmkühl, finde ich. Trotzdem blüht und wächst es rundherum, nur vielleicht in etwas gedrosseltem Tempo.
Gestern abend bekam ich auf Instagram ganz verstörende Bilder automatisch auf der Such-Site vorgeschlagen, Bilder, die mich bis in meine Träume verfolgt haben, von brennenden Buddhisten und dem jüngsten hingerichteten Häftling Amerikas, schlimm, unsagbar traurig und bedrückend, eine Last, die ich nicht in meinem Gedächtnis haben möchte und ganz bestimmt NICHT sehen wollte. Leider gehört das zu einer der Schatten-Seiten der digitalen Welt. Dass man Dingen, Anblicken, Realitäten oder Gedankengut ausgesetzt ist, die einem nicht gut tun und die man (hoffentlich!) so, in der „realen Welt“, niemals suchen oder antreffen würde. Ich folge bei Instagram einigen historischen Accounts, weil mir Geschichte unglaublich viel Spass macht und mich historische Abläufe und das „Leben damals“ wahnsinnig faszinieren. Wahrscheinlich hat der Algorithmus diese Posts darum für mich ausgesucht. Ungefragt. Und unwillkommen. Immerhin konnte ich beide Beiträge bei Instagram melden: Ich finde, solche Bilder gehören nicht auf Instagram, eigentlich überhaupt nicht ins Netz. Wo bleibt da die Menschenwürde?
Noch immer ist das dieses beklemmende Gefühl in meiner Brust. Ein bisschen wie nach einem Alptraum, von dem man weiss, dass er vorbei ist, aber die Erinnerung macht einem das Herz schwer.
Ich muss auf andere Gedanken kommen:
Mein Baby schläft, und ich weiss nicht, was ich kochen soll.
Die Grünlilie in der Küche hat kleine Babypflänzchen gebildet. Sie sind winzigklein und ganz entzückend.
Auf dem Weg zum Kindergarten habe ich -wie jeden Tag- die allerschönste Trocken-Rabatte bewundert, die ich mir denken kann. Altes Holz liegt dort, Kies und eine unglaubliche Bandbreite an blühenden Stauden wie Malve, Wegwarte, Rosen, Nelken oder Mohn.
Ich bin nicht gross weiter gekommen mit der „Playdate“-Baby-Cardigan, aber die 200gr. grüne Wolle von „Woollentwine“, werden tatsächlich noch für mich gefärbt. Einer „Shore Cardigan“ für mich in diesem ganz speziellen, nebligen Grün steht also nichts mehr im Wege.
Der Papiertaschen-Faux-Pas der Migros -die meisten Schweizerinnen wissen wohl, was ich meine- hat mich buchstäblich Tränen lachen lassen. Was für ein Zirkus! Allerdings bin ich persönlich nicht unglücklich, muss ich diesen absurden Sujets jetzt nicht überall auf der Strasse begegnen. Was den Leuten alles so einfällt, also wirklich…
Einem kleinen Jungen ist eines seiner Meerschweinchen gestorben. Jetzt hat er sich Hals über Kopf in eines aus unserer Herde verliebt und darf es nun haben. Ich finde das so schön; einem Kind eine Freude machen. (Und unser Tierchen wird es gut haben an seinem neuen Plätzchen)
Mein Hals kratzt ein bisschen, mein Geruchssinn ist beeinträchtigt, aber insgesamt fühle ich mich viel besser. Es geht weiterhin aufwärts, judihudi!
Zwischen den vielen Wolken spienzelt die Sonne hervor, jetzt, in diesem Moment. Auch der Nebel ist verschwunden, der Sommer scheint wieder zum Greifen nah. Mir fällt ein, dass ich immer zu Sommerbeginn am 21.Juni mit den Kindern in den Dorfladen gehe und sie eine dieser unsäglich teuren Glacés aus der Kühltruhe bei der Kasse auswählen lasse. Ein altes Ritual bei uns, das niemals aus der Mode kommt.
Und jetzt…? Noch ein Kaffee?
Ich schicke euch liebe Grüsse und melde mich für heute mal ab hier. Ein 15’Minuten-Aufräum-Spurt steht auf dem Programm, hab‘ ich soeben beschlossen. Gleich nach dem Kaffee.

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Trio: Tag 8

Eigentlich wollte ich ja gestern noch schreiben… aber abends, als ich endlich Zeit dazu hätte finden könne, fühlte ich mich einfach zu kränklich für viele Worte und verkrümelte mich mit einer Episode „Rosemary and Thyme“ gleich um neun ins Bett…
Heute geht’s mir besser. Nicht unbedingt blendend, aber besser, und das ist ja, was zählt, oder? Dass alles in die richtige Richtung läuft.
Meine „zehn Dinge“ konnte ich montags aber tatsächlich noch entrümpeln, das war mir wirklich in Anliegen, auch wenn ich mich bereits recht schlapp und angeschlagen fühlte an diesem Tag. Weg kamen: 2 Wohnbücher, ein Näh-Heft, ein Gesellschafts-Spiel, eine noch ungeöffnete Box mit Ikea-Besteck, ein hübsches, graues Jäckchen aus Seide und Kaschmir, das mir einfach zu eng sitzt, vier Knäuel Sockenwolle.
Puh.
Nicht dass es besonders anstrengend gewesen wäre, diese Dinge zu ordnen. Es sind ja alles leichte Sachen, eher klein und so… aber ich finde es immer wahnsinnig anstrengend, mich den grossen Entrümpel-Fragen zu stellen. Mir so richtig ehrlich zu antworten, meine ich. „Brauche ich das noch?“ „Warum möchte ich es behalten?“ „Wenn es nicht mehr da wäre, würde ich es vermissen?“ Und die schlimmste aller Fragen: „Wie realistisch ist es, dass ich meine Pläne mit diesem Gegenstand tatsächlich noch verwirklichen werde?“
Nun, obwohl es schöne Bücher sind (das hier und das hier) und auch das Jäckchen ganz entzückend und kuschelweich ist, musste ich mir selber eingestehen: nein, hier horte ich Dinge, die im Grunde nicht mehr passen. Nicht zu mir, nicht in mein Leben. Vor allem aber: Jemand anderes wird sie vermutlich sehr viel mehr wertschätzen als ich. Warum sollte ich nicht mit meinem Überfluss ein wenig Freude weitergeben?
Die Bücher werden verschenkt, das Jäckchen gehört ab sofort der Freundin von Kind1. Das Besteck reist mit einem Spenden-Container in den Osten, mein Burda-Heftli kommt als netter Zusatz mit hinein in ein nächstes Geschenk-Paket, das Brett-Spiel wandert in die Kiste für den nächsten Kinder-Flohmarkt.
Und die Wolle?
Die Wolle kommt in eine grosse Tüte fürs hiesige Altersheim. Ich oute mich als absoluter Woll-Junkie. Mit Wolle kann man mich so richtig, richtig glücklich machen, und ich habe kein schlechtes Gewissen, mich selber mit den schönsten, weichsten, hinreissendsten Garnen, die ich finden kann, zu verwöhnen. Aaaaaber; manchmal lass ich mich auch blind verführen. Zu Käufen, die nicht wirklich hätten sein müssen. Oder ich verändere mich. Schneller als ich ein spezifisches Garn verarbeiten konnte. Dann bleiben Knäuel oder Strangen liegen und liegen und liegen und liegen, werden überlagert von neuen, noch hübscheren Exemplaren und gehen irgendwann fast ganz vergessen. Und machen mir ein schlechtes Gefühl, wenn ich sie dann wieder entdecke.
Dabei gäbe es auch hier Menschen, die Freude daran hätten. Jetzt. Heute.
Mir kam irgendwann die Idee, in unserer Alterssiedlung anzufragen, ob es vielleicht strickende Damen (oder Herren?) unter ihnen gäbe, denen ich meinen Überschuss schenken könnte. Et voilà: sie nehmen meine handgefärbte Sockenwolle oder die überberechneten Knäuel Baumwoll-Merino mit Handkuss. Win-win auf allen Seiten! Gerade habe ich einen weiteren Strang Wolle in die Tüte geschoben. Fast 800gr. werden so noch diese Woche ein paar Strassen weiter abgeliefert und endlich zu den Socken, Mützchen, Babyjäckchen verstrickt, für die sie ursprünglich gedacht waren…

Die Fotos sind ein bisschen unzusammenhängend, ich weiss. Ich habe sie noch gestern abend geknipst, bevor ich die Kinder zu Bett gebracht habe. Darum auch das schlechte Licht. Ganz oben seht ihr unsere Stuben-Wohnwand mit Büchern, selbst gezogenen Kerzen, meiner „Taproot“-Hefte-Sammlung, einem Korb mit bemalten Steinen, unseren uralten Pappmaché-Hund und den beiden Kuscheltieren „Mausi“ und „Bär“, die meine Mama einmal selbst genäht hat. Hier herrscht ständig Chaos. Sachen kommen, nur wenige gehen wieder. Einzig die Bücherreihen, die werden immer schmaler…

Meine Maschenprobe mit der grünen „BFL/Masham DK“ von „Woollentwine“ hat übrigens Folgendes ergeben: mit Nadelstärke Nr.4.5 verstrickt, komme ich auf ca. 19Maschen und 28Reihen, was praktisch haargenau den Anforderungen einer „Shore Cardigan“ entspricht. Auch von der Textur her -griffig, natürlich, nicht allzu klar im Maschenbild- kann ich mir ein solches Jäckchen mit diesem Garn absolut vorstellen, ja ich finde sogar, die beiden wären ein perfektes Dream-Team…
So wie’s aussieht, ist die Entscheidung soeben gefallen: Ich muss nochmals zwei Strangen „BFL/Masham DK“ in der Farbe „Sage“ ordern. Bzw. anfragen, ob vielleicht bittebitte eine Extra-Färbe-Runde für Frau Kirschkernzeit möglich wäre…?

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Trio: Tag 5

Der Tag fing so gut an wie er aufhörte: entspannt und reibungslos. Mein Babyjunge hatte wunderbar geschlafen und erwachte ganz vergnügt. Ich genauso, vielleicht eine Spur weniger breit grinsend, aber guter Dinge nichtsdestotrotz; die Sonne lachte, der Kaffee duftete in meiner Tasse und die Sommerferien waren wieder eine Woche näher gerückt, lauter gute Gründe, um dankbar zu sein. Ausserdem purzelte kurz vor Mittag ein Päckchen mit Büchern vor meine Haustüre, darunter „Leinen Looks“ von Sabine Lorenz, ein -vom ersten Durchblättern her zu urteilen- fabelhaftes Nähbuch (inkl. Schnittmuster!) mit lauter schlichten, schönen Kleider-, Hosen-, Rock- und Blusenschnitten, die nicht nur absolut tragbar sondern auch ebenso nähbar aussehen. Ganz, ganz toll, ehrlich, ein Grund mehr, warum ich mir wirklich fest vornehme, sobald mein Baby es zulässt, wieder mit dem Nähen anzufangen.
Ich liebe Sachen aus Leinen. Meine Garderobe entwickelt sich immer stärker in Richtung einfach, natürlich und umweltbewusst, und ich glaube, selbst genäht wäre das Ganze noch schöner… Allein; die Zeit. DieZeitdieZeitdieZeitdieZeit… (In meiner Lieblingsliste stehen unter dem Label „Leinenkleidung zum Selbernähen“ übrigens auch das soeben releaste Kleid „Acacia“ von Fabelwald und ihre zauberhafte Bluse „Sambucus“ oder der „Estuary Skirt“ und „Hinterland Dress“ von Sewing Liberated)

Die Natur nach Regen und Kälteeinbruch von neuem summen, schwirren, fiepen und wachsen zu sehen, tut mir extrem gut. Es weckt die Lebensgeister, mich zwischen all das Lebendige zu setzen, ein bisschen die Meerschweinchen zu streicheln oder dem Baby dabei zuzusehen, wie es sich halbnackig mit seinen speckigen Patschhändchen die allerersten Himbeerchen seines Lebens in den Mund schiebt und geniesserisch schmatzend kleine rosa Tropfen auf sein Bäuchlein rollen lässt. Halbsommer. So fühlt es sich an. Warm aber gnädig und das Grün der Bäume ist noch dicht und saftig.
Ich hab‘ meinen Garten so lieb, er wächst mir mehr und mehr ans Herz, je höher die Obstbäumchen wachsen, je verwunschener seine Ecken wuchern. Heute sassen wir zu sechst in der Meerschweinchenweide unter der Quitte und plauderten bei Eiscreme und Wassermelone, ich, die Freundin meines Ältesten, Kind2 und zwei seiner Schwestern, während das Baby in der blauen Sandmuschel im Wasser plantschte und seine tropfnasse Badehose schwang, dass es nur so spritzte.
Friedlich. Entschleunigt. Präsent und wunschlos zufrieden, niedergelassen im Augenblick.
Schön.
Ja, ich denke, heute war ein rundum guter, glücklicher Tag.

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