Archiv der Kategorie: besondere Tage

In Feierlaune

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Wir hatten volle Tage. Reiche Tage. Und sind noch immer mittendrin in Festtagsstimmung und Feierlaune.
Zuerst zwei Tage Marktgetümmel und ein wirklich einmalig heimeliges Dorffest rund um die Uhr. Sie sperren hier immer die Strasse vor unserem Haus, und es ist unendlich schön, dann Tag und Nacht darauf herumspazieren zu können, zu sehen, wie die Marktfahrer ihre Buden aufstellen und Schätze auspacken wie handgestrickte Socken, Bergkäse und Bündner Salsiz, Kürbisse in allen Formen und Farben, Getöpferte Hexenhäuschen und Taschen und Täschchen aus Wachstuch (Genau das hab ich mir dann auch gekauft. Ein Picknickbeutelchen aus abwaschbarem Stoff, schön türkis mit Sternen drauf). Es gibt immer Unmengen zu Essen, von Thailändisch (die Mama eines ehemaligen Schulgspäänlis von Kind1 kommt aus Thailand und kocht selbst) über Eritreisch (oder wie das heisst), von Kebap bis Öpfelchüechli. Wir geben jedes Mal unsinnig viel Geld aus und mampfen uns immer querfeldein durchs Sortiment, aber das geniessen wir dann auch in vollen Zügen- es ist ja schliesslich ein Fest und nur einmal im Jahr. Die Kinder waren oftmals auf eigene Faust unterwegs, allein mitten im Getümmel ihres Heimatdorfes, je nach Alter kürzer oder länger, nur die beiden Kleinsten wurden natürlich von uns begleitet und zogen uns wieder und wieder mit einem spitzbübischen Grinsen aus dem Haus. Wieder los, untergetaucht in der fröhlichen Menge, die unsere Gassen plötzlich bevölkerte. Abends wird mir dann jeweils klar, dass ich kaum je Zeit hatte, einfach nur zu sitzen. Aber es macht mir nichts aus. Ich lebe normalerweise ein eher zurückgezogenes Leben, obwohl ich im Dorf wohne und die Menschen liebe. Ein paar Tage Vollblut-Herdenmitglied tut mir an sich sehr gut. Ich freue mich, wenn jemand mich anspricht und tauche dann nur zu gerne ein in Klatsch und Tratsch oder schaue einfach nur zu, wie die Welt um mich herum farbenfroh pulsiert.
Nicht vergessen werde ich: Das Strahlen meiner Grossen, als das Sesselkarussell sie höher und höher fliegen liess. Kind2 und sein Dürüm, auf den er sich ein ganzes Jahr lang schon gefreut hatte. Kind1 mit seiner Jugendgruppe und wie er so ganz selbstverständlich an der Kasse des Marktzügleins stand, um Tickets zu verkaufen oder sich als junger Fahrbegleiter auf einen der kleinen Waggons schwingen liess. (Er ist so gross geworden. Männlich. Und auch ein klitzekleines bisschen vernünftiger. Schön.)
Ich erinnere mich daran, wie mir der Wirt der Beiz vis-à-vis jedes Mal, wenn ich auch nur in der Nähe seines Tresens stand, mit einem Zwinkern ein Glas in die Hand drückte, mal mit einem schaurig hochprozentigen CaiPirinha mal mit süssem Apfelwein- und wie sehr mich diese Geste gerührt hat, obwohl ich jedes Mal nach zwei, drei Schlückchen den Inhalt meines Glases diskret irgendwo verschwinden liess. Ich denke zurück an den Karussell-Mitarbeiter, der meinen Kindern ein Extrabillet geschenkt hat. An die grandiose Fasnachtsgugge, bei der von Kind (7 Jahre alt vielleicht und mit kleiner Pauke) bis Oma alles vertreten war und die Schlagzeuger einem den Rythmus in die Beine fahren liessen. An die dorfeigene Musikgruppe, die Andreas Gabaliers “I sing a Liad für Di” gespielt hat, und zwar so schön, dass es sogar mir gefallen hat, obwohl Andreas Gabalier mich normalerweise nicht unbedingt vom Hocker haut.
Ja, es war ein schönes Fest.
Und heute auch wieder; Kind2 wurde elf. Und irgendwie ging einfach eins ins andere über, kaum waren draussen die Zelte und Budern wieder abgebaut und meine Beine wieder einigermassen erholt, ging’s an Cookiesbacken für den Geburtstagsznüni in der Schule, Geschenke wurden last-minute-zusammengesucht oder fertig gebastelt und ich gab mir alle Mühe, ihm einen hübschen Gabentisch zu richten und wenigstens der Küche so was wie einen Hauch Feierlichkeit einzuhauchen (der Rest des Hauses sah dafür natürlich umso schlimmer aus *hüstel*). Zum Zmittag hat er sich Riz Casimir gewünscht, und alle waren glücklich. Er besonders. Aber auch ich. Es war ein wunderbarer Tag, gemächlich und wohlwollend, sehr einfach in seiner Art, aber mit diesem ganz besonderen Grundgefühl. Immer wieder gab es Augenblicke, wo Unerledigtes mich ansteuerte, die nasse Wäsche auf dem Waschküchenboden, das ungemachte Bett, meine Haare, die dringendst eine Dusche benötigt hätten, der schon wieder dreckige Pulli meiner Kleinsten- doch immer dann, wenn mir alles über den Kopf zu wachsen drohte, schnappte ich kurz nach Luft und machte mir wieder und wieder klar, worum es geht, so ganz genau genommen: Um die Freude an diesem Kind, um die Freude am Leben, um die Dankbarkeit für diesen ganz besonderen Tag und all die Tage, die wir gemeinsam verbringen dürfen. Und wenn das Haus auch starrt vor Dreck und auch diesmal das Mittagessen alles andere als pünktlich auf dem Tisch stand, heute wollte ich vor allem eins sein: zufrieden und heiter und guter Dinge.
Ich glaube, das ist mir auch gelungen. Und es hat allen gut getan, Raum geschaffen für gute Laune und fürs Entspannt- und Glücklichsein.
Das war wohl sogar eines der schönsten Geschenke, das ich meinem Kind an diesem Tag machen konnte.

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mit Paspel

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Sooo viele wohlwollende Kommetare und lauter gute Tipps gegen Ameisen; Ich danke euch von Herzen für euer zahlreiches Echo auf meinen letzten Post hin! Ich war eine kleine Weile absorbiert von Wehwehchen und anderen Dringlichkeiten und kam danach abends zwar zum Lesen -dieses Buch hier. Nonstopp. Und ich fand es wirklich lesens-wert- aber weder zum Beantworten von Kommentaren, geschweige denn zum Blogpostschreiben…
Aber ihr wisst ja, wie das ist, nicht?
Das Lesen war eine Wohltat. Das Comments-Lesen, aber auch das Romane-Lesen, von dem ich mich ja eigentlich schon abgewandt glaubte, denn jahrelang las ich nur noch Blogs und Handarbeitsbücher. Nun aber zeigt sich; nein, das Buch als solches hat mich wieder und in Romanform umso mehr. Abtauchen in fremde Leben und fremde Welten, fremde Gedanken und Emotions-Achterbahnen hat manchmal wirklich so was wie Heilkräfte. Vor allem für die Seele. Mir hat es ungemein gut getan, nach den doch sehr anstrengenden und hektischen Tagen voller Arztterminen, Kindergartenkind-Begleiten, Kochen und Wegräumen, Kleinkinderbetreuen und Teenagergesprächen einfach aufs Bett zu plumpsen, mir mein Buch zu grabschen und… wegzugleiten. Anderswohin. Auf unbestimmte Zeit. Und ganz ohne Screen. Ohne nichts und niemanden. Wahrscheinlich habe ich nicht mehr geschlafen als sonst, aber ganz bestimmt besser ohne dieses aufputschende Computerlichtgeflimmer vor den Augen…

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Einmal allerdings habe ich mir ein Herz gefasst. Ich habe mein Buch liegenlassen, und etwas ganz anderes gemacht; Genäht habe ich. Was ja nun wirklich Seltenheitswert gewonnen hat, aber ich hatte einfach ganz plötzlich Lust dazu.
Wahrscheinlich lag es an der rettungslos zerschlissenen Hose meines grossen Mädchens. Die musste ich kürzen und zu Shorts umfunktionieren, und ich kramte dafür all mein Nähzeug auf den Stubentisch, was so was wie der Schalter war, der umklickte in mir. Oder es war schlichtweg dieser absolut schnucklige Stoff hier (“Fox Floral” von “Siankeegan” bei Spoonflower), der aus meinen Vorräten spienzte und mich gnadenlos zum Weiterschneidern verführte.

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Entstanden ist ein superschlichtes Schmusekissen ganz ohne Patchwork, Stickereien oder anderen Schnickschnack, eines, auf dem meine Zweit-Kleinste bequem und sorglos schlummern soll. Vor knapp drei (oder zwei???) Wochen ist sie aus unserem Familienbett ausgezogen und schläft nun in ihrem eigenen Bett im Nebenzimmer. Mit weit geöffneter Tür. Und immerhin einen kleinen Teil der Nacht *hüstel*, dann kriecht sie meist wieder bei uns unter, aber das ist schon okay so, Dinge dieser Art brauchen einfach Zeit.
Mir war beim Bettenmachen plötzlich aufgefallen, dass wir hier im Haus alles rein weisse Bettwäsche haben und dass die meisten meiner selbstgenähten, bunteren Kissen Patchwork-Kissen sind, solche mit vielen Nähten, die -wer weiss- für ein kleines Kindergesicht vielleicht doch nicht ganz so gemütlich sind zum Draufliegen. Ausserdem bin ich ein wenig zögerlich, was das Waschen meiner Patchworksachen angeht. Sie liegen mir einfach am Herzen und jede Wäsche hat so ihre Risiken, wie einfärben oder Risse oder Einlaufen oder Dünnwerden. Naja, auf alle Fälle kam mir da die Idee mit den simplen Kissenvarianten, für die mir so ein Füchsleinprint ganz ideal erschien, denn Tierprints und Kinder, diese Kombi passt einfach immer.

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Trotzdem ging es natürlich nicht ohne ein klitzekleines Extra. Eines, das sich dann in Sachen Nähaufwand als doch nicht ganz so klein erwies: Ich muss sagen, ich liebe Paspeln, ehrlich, ich finde sie gnadenlos schön und enorm aufwertend- aber sie dauern einfach ewig, bis sie genäht sind… Allein schon das Feststecken und Anheften treibt mir den Schweiss auf die Stirn, so kniffelig kommt mir das vor. Und dann das ganze Gebügel des Schrägstreifens… Aber der Effekt ist wirklich sehr nett. Und der Aufwand sofort vergessen. Ausserdem lässt sich so eine Paspel ja auch auf Vorrat herstellen. Wenn man schon mal dabei ist.
Genau das habe ich gemacht.
Die Mädchen haben nämlich allesamt schon neue Traumkissen-Wünsche bei mir angebracht…
Nun ja, die Maschine steht nach wie vor auf dem Stubentisch, es gibt massenhaft Stoffe, die nur darauf warten, vernäht zu werden und Lust hätte ich auch, rein prinzipiell. Fehlt nur noch die Zeit. Aber die wird sich vielleicht ja auch noch finden…

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ein Hauch von Afrika

Gerade ist es viertel vor sieben abends, wir haben gegessen (Nudelsalat mit Bohnen und Tomaten) und die Mädchen spielen alle zusammen oben im gelben Zimmer mit der hölzernen Brio Bahn, während die Jungs unten im Keller lautstark Goals beim Tischfussball schiessen. Es ist einer dieser selten gewordenen stillen Momente, in denen ich Atem holen kann- und dank Scheuklappen, die das Chaos auf dem noch immer nicht abgeräumten Küchentisch einfach ausblenden, einer der Augenblicke, in denen ich mich hierher schleichen kann, in meine kleine Ecke virtuelle Welt, um zu schreiben und etwas von dem festzuhalten, das meinen Alltag gerade prägt.
Es ist viel los im Moment. Aber das ist es ja eigentlich immer, oder?
Müsste ich alles, was mich so umtreibt und gerade beschäftigt auf einen einzigen klaren Nenner bringen, ich würde… “Sich-einfinden” wählen. Dieser Sommer war unheimlich schön, finde ich. Es gab Hotspot-Phase, klar, aber alles in allem war es ein Sommer, der mich wieder ein wenig zu mir selbst zurückfinden liess und nicht nur meinem Körper, sondern auch meinem Seelenleben so was wie Heilung schenkte. Manches, das ein bisschen gar schief verruscht war in meiner Familie in den Monaten davor, wanderte wieder zurück an sein Plätzchen, Spannungen legten sich, Probleme lösten sich in Luft auf, und ich kam soweit zu Kräften, dass es sich wieder ganz leicht und natürlich anfühlt, rund um die Uhr Mutter zu sein und Augen, Herz und Ohren offen zu halten für die Geschichten, Nöte und Gespräche rund um mich herum.
Und nun ist dieser Sommer vorbei.
Die Schule hat uns wieder. Und mit ihr straffe Stundenpläne, das emotionale Miteingebundensein mit meinem Ältesten am  Gymnasium, wo vieles nicht unbedingt so läuft, wie ich es erwartet hatte und mich der enorme Leistungsdruck manchmal regelrecht schockiert, mit dem diese noch so jungen Menschen heute klar kommen müssen (und das in einer Zeit ihres Lebens, in der rein biologisch doch eigentlich ganz andere Dinge wichtig wären für sie…). Er macht es nicht schlecht, mein Junge, das nicht. Aber ich sorge mich manchmal doch um ihn, sehe seine Augenringe und die Herausforderung, die es bedeutet, den eigenen Platz im Leben zu finden.

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Auch mein fünfjähriges Pausbackenkind (das ihr oben auf dem Kindsgi-Lesesofa seht) läuft nun mit in dieser Tretmühle names Schule, und auch wenn es bei ihr nur der Kindergarten ist, ein Stückchen heile Welt noch, in der so viel Schönes und Märchenhaftes auf sie wartet, habe ich Mühe, zuzusehen, wie sie immer wieder strauchelt und sich aufraffen muss, um weiter zu gehen: Die ersten beiden Kindergartenmorgen waren keine grosse Sache, doch schon am Tag 3 flossen Tränen beim Abschied und ich musste mich regelrecht losreissen, um überhaupt wieder aus dem Kindergarten hinaus zu kommen. Damit hatte ich vielleicht gerechnet, vielleicht auch nicht, aber so richtig vorbereitet war ich nicht auf ihre Traurigkeit und ihre Angst vor dem Weggehen. Ich begleite sie nach wie vor bis zur Kindergartentüre und warte mit ihr, bis die Kinder von der Kindergärtnerin begrüsst werden. Aber dann muss ich gehen, klar. So ist das nun mal, da gibt es kein zurück mehr.
Es ist ja nicht immer so schwer für sie. An manchen Tagen geht der Abschied leicht und schnell, an anderen weint sie schon den ganzen Weg zum Kindergarten.
Was mich aber beruhigt: Ihre Tränen scheinen jedes Mal rasch zu versiegen, kaum bin ich wieder auf dem Heimweg. “Heute habe ich gar nicht geweint im Kindergarten”, erzählte sie mir heute mittag ganz stolz, “nur am Anfang, aber dann hatte ich sogar Spass!”
Ich denke, sie wird ihren Weg machen. Und an den Schwierigkeiten wachsen. Sie war immer sehr verbunden mit mir und stets die zurückgezogene, kleine Träumerin, als die sie geboren ist. Nun gibt es Neuland für sie, in dem sie sich umsehen und zurechtfinden muss- und wo sich alles mögliche Neue entdecken lässt, sobald sie bereit ist, sich darauf einzulassen.

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Irgendwie war klar, dass ich sie nicht ganz ohne ein wenig vernähte Mama-Liebe ziehen lassen wollte. Oder konnte. Ich hatte es lange hinausgeschoben, doch kaum stand der erste Kindergartentag vor der Tür, musste ich mich einfach hinsetzen und ein wenig nähen- zum ersten Mal seit Monaten, und mit einer gehörigen Portion Unsicherheit. Es kam mir alles fremd vor, das Stoffeschneiden, das Nähen, das Stecken und das ewige Hin und Her zwischen Bügelbrett, Tisch und Nähmaschine. Stricken hingegen fühlt sich mittlerweile an wie eine zweite Haut, bequem und ohne grosse Umstände.
Der kleine Turnbeutel, den ich meinem Mädchen dann zusammengeschustert habe (und den das kleine Schwesterchen unerlaubterweise immer wieder stibitzt), passt prima. Er ist rot und stabil, passt bestens zum Znünitäschli, das sie von ihrer grossen Schwester übernommen hat, und der alte Gardinenstoff, den ich hier vernäht habe, steckt voller netter Tiere, Giraffen, Zebras, ein paar Elefanten, ein Hauch von Afrika, der sie nun jedes Mal zum Kindergartenturnen begleiten wird.

Ja, es wird sich alles finden. Einspielen. An Routine gewinnen und irgendwann zur Selbstberständlichkeit werden. Ich bin dankbar, dass ich wieder ich genug bin, um wirklich da zu sein, wenn sie mich brauchen. Auch jetzt. Jetzt besonders.

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like Instagram 186

Manchmal möchte ich Dinge mit-teilen, ohne allzu viel Lebenszeit vor dem Bildschirm verstreichen zu lassen…
Kurz und bündig und spontan. Ohne Umweg direkt aus dem wahren Leben.
Fast wie bei Instagram.

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Der Kindergarten hat sich aus den Tiefen erfolgreicher Verdrängungstaktiken hinaus in die Realität gegraben. Die erste Woche ist bald um, mit allen Höhen und Tiefen, mein Tochterkind ist nun also ein echtes Kindergartenkind.
Jetzt, da ich (endlich doch noch) nähend an ihrem Turnbeutelchen sitze, glaube selbst ich es so langsam…

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