Archiv der Kategorie: aus meinem tagebuch

Pandas zum Kuscheln

Und wieder neigt sich ein sonnenschwerer Mittsommertag dem Ende zu. Obwohl die Schatten schon tief liegen und der Garten langsam zur Ruhe kommt, bleibt die Hitze dick wie Caramel. Ich habe Lust auf eine kalte Dusche, auf Kirschen und Maiskolben vom Feuer mit viel Butter und Salz, auf ausklingende Abendstunden mit „Father Brown“ und den beiden Jersey-Röckchen meiner Jüngsten, die noch ihre Flicken aufgenäht haben wollen.
Alles schwingt.
Hin und her.
Wie eine Hängematte, über der die Äste knarren. Gemächlich. Müde. Sonnensatt. Siestawetter. Ruhepausen. Wer Zeit hat, Wasser und ein Laubdach, das Schatten spendet, darf sich glücklich schätzen.
Ich glaube, im Moment habe ich alles.
Und mehr.
Zum Beispiel diese beiden wunderbaren Kuschelkissen. Kinderkunst-Kuschelkissen. Zwei Pandas zum Knuddeln und Knautschen.
Ich erinnere mich noch, wie meine beiden kleinen Mädchen daran gezeichnet haben… Im Mai war das, aber es erscheint mir Ewigkeiten entfernt. So vieles ist anders geworden; der Himmel, das Grün der Pflanzen, das weit weniger satt wirkt und bereits den ersten Goldschimmer des Herbstes in sich trägt. Mein Bauch ist prall und schwer und erst gestern nacht hatte ich das Gefühl, erste Senkwehen zu spüren. Oder Vorwehen. Wer weiss. Bis zum September geht es nicht mehr weit. Schuleintritt, ein Abschied vom Ganz-zuhause-Kind und der erste Tag im Kindergarten stehen genauso felsenfest und mahnmalähnlich vor meinem inneren Auge wie der noch nicht ganz nahe, aber auch nicht mehr ganz so abstrakte Geburtstermin dieses Endsommerbabys. Kind1 ist mit seiner Liebsten zelten, mein Mädchen zieht nachmittags von Gspänli zu Gspänli, zuhause wird Musik gehört (Kind2, pausenlos), geplantscht und gespielt und vergessen aufzuräumen.
Es sind volle Tage. Tage der Veränderungen, kleinen Abschiede, eine Zeit des Loslassens und Festhaltens und Vertrauen-Fassens.
Und ich weiss; auch dieser Sommer wird zu Ende gehen.
So wie immer.
Neues wird kommen.
Mein Herz bewegt sich langsam und leise.
Es bereitet sich vor.

Ich bin froh, dass ich mir heute soviel Zeit und Musse nehmen konnte, diese beiden Kissen fertig zu nähen. Meine Schubladen und Schränke horten immer mehr angefangene Projekte, als mir lieb ist, und es schenkt mir Frieden, ab und zu das eine oder andere doch noch zur Hand zu nehmen und mich ihm zuzuwenden. Dinge abschliessen macht zuversichtlich. Es ordnet von aussen nach innen. Und nichts geht verloren.
Die Stoffmalbilder meiner beiden kleinen Mädchen sind wunderbar bunt und munter. Auch das tut mir wohl.
Und alles -von den Farben über die Füllung bis hin zu sämtlichen Stoffen- besteht voll und ganz aus Natur- und Recycling-Materielien. Nachhaltig vom ersten Stich bis zum letzten. Denn die Textilmarker sind secondhand, Übrigbleibsel von einer Hochzeitsfeier. Alle weissen Stoffe uralte Laken vom Trödler, umgewandelt in etwas Neues. Die Inlets stammen aus meiner Restekiste und waren zurvor zerschlissene Kopfkissen, genauso wie die beiden Kissen-Rückseiten. Nur die Stopfwolle, die ist mehr oder weniger neu. Also vielleicht doch eher weniger als mehr: Meine Mama hatte diese Rohwolle seit 20 Jahren auf dem Speicher, bevor ich mir daraus einen kleinen Stopfwoll-Vorrat angelegt habe…

Ich bin dankbar. Wieder etwas vollbracht. Abgeschlossen. Ver-voll-ständigt. Ein weiteres Stück Glück.

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Abenteuer Kool-Aid

Sommerflimmerhitze. Kaffee-Eis schmilzt in meinem Bauch. Ich bin träge wie ein Nilpferd und kraftlos wie eine welke Tulpe. Alles dauert ewig und zwei Tage. Ich fühle mich zäh und bedroht von meiner Schwerkraft; jede Bewegung kostet so schrecklich viel Energie und Muskelkraft, allein das Aufhängen einer Socke überschreitet mein Stemmvermögen…

Aber so ist das nunmal.

Juli-Sommer und hochschwanger und ein Eisenspiegel, der schon seit 2 Wochen bedrohlich tief im Keller liegt – das zusammen ergibt ganz einfach eine denkbar bürdenreiche Kombi. Da kann man nicht klagen. Nur abwarten, kalten Tee trinken und sich üben in der Golddisziplin „Geduld“. Bis es etwas abkühlt. Bis die Frauenärztin zurück ist aus den Ferien. Bis zur Eiseninfusion. Bis auf  leichtere Tage, in denen das Leben wieder an Schwung gewinnt.
Und zwischendurch hilft auch ein Blick zurück. Auf die letzte Woche, die sich irgendwie ganz wunderbar entspannt, licht und unkompliziert von Tag zu Tag spann wie ein Spinnwebfaden aus Seidensilber, den das Sonnenlicht bunt einfärbt.
Zwei meiner Kinder verbrachten ihre Zeit mit Papa im Indianerlager, was fürchterlich viel Spass gemacht haben muss und allen so richtigrichtigrichtig gut tat. Und der Rest meiner kleinen Schar teilte sich das Haus mit Gästen aller Art, mit spontanen Mittagsgästen, der ersten Liebe meines Sohnes, mit Übernachtungsbesuch und Kaffeeklatsch. Kunderbunt war das. Belebt wie eine italienische Piazza. Die Türklinke ging von Hand zu Hand, Stimmengewirr erfüllte die Räume, und dazwischen putzte ich die verwaisten Zimmer, gab Gerümpel ins Brocki und freute mich an der Ausgeglichenheit der Stunden.
Nicht zu viel.
Nicht zu wenig.
Es war warm, aber massvoll, und geschlafen habe ich wie ein Herrgöttlein.

Und dann haben wir Wolle gefärbt. Zwischen Johannisbeer-Muffins-Backen, Badezimmerputzen und dem Ernten frischer Zuchini. Noch quasi mit Essigreiniger an den Händen.
Beim Ausräumen einer alten Kommode kam mir ein Paket in die Hände, das mir Rita einmal vor an die 7 oder 8 Jahren zugeschickt hat, ein Färber-Paket, komplett mit blütenweisser Sockenwolle, Kool-Aid-Getränkepulver in 3 Farbtönen (und Geschmacksrichtungen), mit Plastikhandschuhen und zweierlei extra für mich ausgedruckten Anleitungs-Seiten, alles so durchdacht und vollständig, dass es eigentlich keine Entschuldigung mehr gibt für die verstrichenen 7 oder 8 Jahre, die dieses Woll-Färbe-Set unberührt in meiner Schublade gelegen hat.
Ausser vielleicht dieser hier: Ich tue mich grausam schwer mit allem, was neu ist. Ich habe Angst vor Fehlern. Sie wiegen schwer wie Tadel und hemmen alle Neuschritte.
Dabei war es nicht schwer. Das Färben. Nichts daran. Selbst meine 2 kleinen Mädchen kamen damit zurecht, hantierten souverän mit Löffel und Farbe und klecksten dicke Pfützen zur Wolle aufs Blech. Rote Pfützen vor allem, denn zwei der drei Kool-Aid-Sorten mögen vielleicht verschieden geschmeckt haben, sahen sich aber farblich gleich wie Zwillinge; kirschrot, tomatenrot, ein klein wenig wie frisches Blut aus einem Schnitt.
Doch wir haben nichts gegen etwas Blut. Und gegen Kirschen und Tomaten schon gar nicht.
Weil es gerade so praktisch war, kamen die beiden vollgeklecksten Wollstrangen gleich mit den Blechen in den Backofen zum Fixieren. Und dann vom Ofen ins Bad, vom Bad an die Leine, von der Leine ins Wollregal, vom Wollregal ins Strickkörbchen. Zumindest einer der Strangen, der meiner Kleinsten. Weil sie genauso neugierig war auf das Farbbild, das ihr Färbewerk verstrickt abgeben würde wie ich. Und weil sie warme  Socken brauchen wird im Herbst. Für den Waldtag im Kindergarten, wo nur noch Gummistiefel gegen das Nass in den Gunten und matschigen Waldwegen helfen und Wolle gegen die Kälte, die sich so rasch zwischen kleinen Zehen verkriecht.
Nun; das Farbbild ist… speziell.
Das sicherlich.
Vielleicht doch ein bisschen viel Blut im Rot und zu wenig Nuancen-Reichtum insgesamt. Wir hätten es wohl doch besser bei den Farbpfützen lassen sollen und nicht gleich alles Weiss zu ertränken brauchen. Sprenkel hätten auch gereicht. Aber man muss das verstehen; der Spass war einfach zu gross, da konnte man kaum aufhören mit Klecksen und Tränken und Verteilen und irgendwie schien es bald einmal zu wenig Wolle für all die schöne Farbe.
Nun, Socken sollen es werden und Socken werden es auch. Und wenn dann die Erinnerung an diese wunderbare, reiche, üppige Sommer-Zeit, an all die Freude und Spannung und Versunkenheit des Moments an düsteren Regenwetterherbsttagen aus nassen Gummistiefeln blitzt, in ihrer ganzen kirschtomatenblutroten Pracht… dann soll mir das nur recht sein.
Danke Rita.
Danke Sommer.
Danke Leben.

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in progress

Phu! Diese Hitze! Auch wenn ich den Sommer lieben gelernt habe und Sonne, Licht und Wärme mir eigentlich wirklich zutiefst wohl tun; was zu viel ist, ist zu viel. Da ich kein Muffin bin, bringen mich diese Backofen-Temperaturen doch langsam an meine Grenzen, vor allem auch, weil sie sich ananeinder reihen wie Schokohasen auf dem Fliessband und momentan auch die Nächte kaum Abkühlung bringen…
Ich spüre, wie eine altbekannte Nervosität von mir Besitz ergreift. Wie immer, wenn ich mich unwohl fühle, beginne ich, aufzuräumen, auszusortieren, nach Ballast zu suchen, den ich abwerfen könnte, in der Hoffnung, innerlich wie äusserlich Ruhe und Frieden zu finden. Ein Trugschluss. Auch wenn ein sauberes, ordentliches Zuhause und minimalistische Räume mein Innenleben ein Stück weit aufgeräumter zurück lassen, bleibt es trotzdem bloss Symptom-Bekämpfung. Das was ich wirklich bräuchte: Zeit für mich, mehr Schlaf, mehr Strukturen in meinem Alltag, Erfolgserlebnisse, die mich nähren, Wertschätzung, Abwechslung, mehr Berührung mit der Natur… all diese kann kaum mit Entrümpeln kompensiert werden. Obwohl es ganz klar ein Anfang sein kann.
Vielleicht gehe ich heute abend einfach mal wieder um 21 Uhr ins Bett und gönne mit die volle Dosis Schönheitsschlaf…
Gleich nachdem ich die Küche geputzt, eine Tasche mit Kleinkram fürs Brockenhaus gefüllt und meine To-do-Liste für den Rest der Woche geschrieben habe. Ich meine, selbst wenn es bloss Symptome bekämpft, kann Ordnung schaffen eigentlich nie falsch sein, oder?
Und weil ich gerade so wahnsinnig grosse Lust aufs Stricken, Nähen und Leeren meiner Stoff- und Wollvorräte habe, kommt auch das eine oder andere kreative Projekt auf meine Liste. Wollt ihr mal kiebitzen?

Die Geburtstags-Saison bricht hier gerade an: Meine Mutter, meine Schwester, zwei meiner Töchter und Kind1- alles beinahe-bis-waschechte Juli-Kinder. Und Geburtstage machen mich immer nervös, immer kribbelig, weil ich mich schrecklich fürchte vor misslungenen Torten, vergessenen Einladungen, nicht fertig gewordenen Geschenken, davor, zu enttäuschen. Ich möchte es so gerne richtig machen. Freude bereiten, Glitzeraugen und ein Strahlen auslösen, meine Liebe sicht- und fühlbar machen.
Die Fotos oben zeigen ganz bestimmt nicht lauter Dinge, an denen ich gerade arbeite. So viele Stunden hat kein Tag, auch meiner nicht, denn der wird durch Mittagessen-Kochen und ein wenig Kuscheln vormittags im Bett mit meiner gerade erwachten kleinen Maus schon in der ersten Hälfte zerschnitten und anderweitig beansprucht.
Aber es sind Sachen, an denen ich herumhirne. Die mich innerlich umtreiben, manche gerade mehr, manche etwas weniger, und auch diese Proportionen varieren, je nach Tageszeit und Gefühlszustand.
Im Augenblick sind es klar die Kuchen, Torten und Cookies-Rezepte, die mich auf Trab halten. Für meine Mama habe ich gestern Leila Lindholms „Blondies“ gebacken, und mein Kindergartenmädchen wünscht sich Chocolate-Chip-Cookies für ihre Feier morgen im Kindergarten. Mit diesem Rezept hier komme ich ganz gut zurecht (danke, Tiny Happy!), und weil ich sowieso gerade ein, zwei Bleche davon zu Test-Zwecken machen wollte, habe ich einfach einen grossen Happen Teig in den Tiefkühler gestellt und drücke mir nun selbst die Daumen, dass ich heute abend damit noch ordentliche Plätzchen für morgen hinkriege.
Für ihre grosse Party am Freitag hingegen wünscht sich meine Kleine eine Erdbeer-Pavlova. So wie jedes Jahr. So wie fast alle meine Kinder es tun, seit ich mich zum allerersten Mal an Meringues gewagt habe. Ich sollte also so langsam Übung haben. Habe ich aber nicht. Ganz im Gegenteil; die Resultate waren jeweils derart verschieden, von „innen klitschig“ bis „hoffnungslos vertrocknet und brüchig“, dass meine Unsicherheit nur gewachsen ist mit der Zeit. Dieses Mal werde ich die Back-Temperatur reduzieren und das Baiser langsam, dafür sehr lange trocknen lassen. Ich habe gelesen, dass das ein besonders schönes, weisses Meringue ergibt und den Innenbereich schön zäh erhält. Hoffen wir mal das Beste. Sonst kommt einfach extra viel Sahne-Mascarpone-Creme mit doppelt so vielen Erdbeeren drauf gekleckst…

Was die Strickprojekte angeht: Zwei davon sind bisher erst Wolkenschlösser. Ein „Louise Top Down Sweater“ aus Carrie Bostick Hoges Buch „Anthology 2“, das mich wirklich restlos begeistert mit seinen vielen, schlichten absolut tragbaren Strickmustern. Und „Playdate“, ein kleines, feines Sommermorgen-Jäckchen von Tincanknits, das ich gerne aus zwei Strangen fingering weight Seide-Leinen-Garn vom mittlerweile Konkurs gegangenen Schweizer Label „Siidegarte“ stricken möchte. Das Garn ist leicht und luftig, aber sein Karma betrübt mich: Mich machen solche Konkurs-Schicksale immer ein wenig traurig. Eingegangene Unternehmen bedeuten verlorene Träume und viel geweintes Herzblut, eine kleine Tragödie. Gut wenn ich dieses Garn weggestrickt habe. Es bedrückt mich irgendwie, es so nutzlos in meinem Wollregal liegen zu sehen…
Gut fühlt sich hingegen mein knallblaues Wollprojekt an, an dem ich gerade in jeder auch nur ansatzweise freien Minute herumnadle: Eine „Milo“ für meinen kleinen Neffen. Ich bewundere seit jeher die Milo-Westchen, die „Frontier Dreams“ für ihren Jungen gestrickt hat, und selbst wenn Zopfmuster nicht wirklich mein Ding sind, gefällt mir das Strickmuster von Georgie Nicolson richtig gut, weil es auch ganz schlicht glatt rechts gestrickt prima aussieht. Nicht zu vergessen so kraus und abwechslungsweise in zwei Farben gearbeitet, wie Nicole diese Weste damals fabriziert hat.

So. Jetzt wisst ihr alles. Oder doch nicht? Halt, stimmt ja- da hat sich ja noch ein Nähprojekt eingeschlichen! So was auberginenfarbenes, nicht allzu grosses… Aber davon erzähle ich dann ein anderes Mal…

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Für meine Mama: eine Gretelies

Samstag! Phu…ich kann euch sagen, ich bin ganz schön erleichtert, dass Wochenende ist. Irgendwie war diese Woche ganz schön tough. So vollgestopft. Termine, Termine, Termine. Und glutheisse Sommertage, richtige Hundstage mit Tropennächten. Ich konnte bisher nie so recht nachvollziehen, wieso mich die Leute jeweils mitleidig anschauen, wenn ich erwähne, dass mein Baby erst Mitte September zur Welt kommen soll (was ich selber kaum glauben kann, wenn ich mir meinen prallen Bauch so ansehe).
„Oje“, rufen sie dann, „da hast du ja noch den ganzen Sommer vor dir. Und es wird ja noch heisser…“
Bisher fand ich immer, der letzte Teil einer Schwangerschaft sei ja ein Klacks gegen das erste halbe Jahr. Oder sagen wir, ein Kläckschen.
Aber jetzt beginne ich, zu begreifen. Und ich verstehe auch so langsam, was manche Frauen meinen, wenn sie von schweren, schmerzenden Beinen erzählen oder vom Gefühl, kaum noch Luft zu bekommen, weil der Babybauch gefühlt bis oben zum Schlüsselbein drückt, so dass Magen und Lunge kaum Platz finden. Dazu dann diese Backofen-Temperaturen- eine grottenschlechte Kombi.
Aber hey; jetzt ist Samstag! Die Knilche konnten ausschlafen und sind allesamt zufrieden und ausgeruht, was vielversprechend klingt und von einem bolzengeraden Haussegen spricht (*mir selber die Daumendrück*). Streitereien und Hektik kann ich nämlich kaum noch ertragen in letzter Zeit, also noch weniger als sonst, und ich war bereits im Normalzustand eine nervöse Mimose.

Heute morgen bin ich mit meinem Kindergartenmädchen bereits um 7:30 nach draussen in den Garten gegangen, habe für die Meerschweinchen Gras von der grossen, verwaisten Kirschbaumwiese hinter’m Block gepflückt, alle Gehweglein im Garten gefegt und in aller Ruhe meinen Coffee on the rocks getrunken. Mein Mann macht in letzter Zeit immer Cold Brew, etwas, das ich bisher gar nicht kannte, aber als äussert mild empfinde und absolut verlockend, vor allem, wenn dann ein voller Liter davon eiskalt in der Glaskaraffe im Kühlschrank steht, mit schimmernden Kondensationsperlen am Glasrand, und nur darauf zu warten scheint, von mir hinuntergebechert zu werden.
Natürlich bechere ich nicht.
Nach zig schlimmen Abenden mit drückendem Magen, wo ich kaum Schlaf finden konnte, habe selbst ich ein bisschen was dazu gelernt. Obwohl ich zugeben muss, dass es mir schwer fällt, die Finger von Glas Nummer 2 und 3 und 4 zu lassen.
Was mich neben dem zarten Lüftchen, das der Hitze einen Riegel schiebt, neben dem Grünen und Reifen im Garten und der Beschwingtheit einer ausgeschlafenen Kinderschar sonst noch freut heute morgen; der Rückblick auf viele, viele kleine, stille Ich-Momentchen. Diese Woche war hektisch in ihren Länge, aber sie hielt jeden Morgen mindestens eineinhalb bis sogar volle zwei freie Stunden für mich bereit. Ein Wahnsinnsgeschenk. Richtige Kleinode. Luxus pur. Die Kinder in der Schule, die Kleinste noch im Bett, ich mit klappernden Nadeln auf dem Sofa.
Dass dann plötzlich Projekt um Projekt fertig wird, erscheint mir zwar wie ein Wunder, aber ja, so ist es im Augenblick; Nach der dunkelgrauen Babyhose letzter Woche, konnte ich nun auch den rostroten Pullover meiner Grossen vorgestern waschen und draussen in der grünen Hängematte trocknen. Ein wunderbares Gefühl, denn ich war mir überhaupt nicht sicher, ob ich noch vor ihrem Geburtstag am 31. Juli damit fertg werden würde.
Wurde ich aber.
Und bei der violetten „In Threes“, die ich meinem Kindergartenkind nächsten Freitag zum Geburtstag schenken werde, fehlen auch bloss noch die oberen 3 oder 4 Knöpfe.
Das Timing könnte nicht besser sein, denn am 1. August wird mein kleiner Neffe 1 Jahr alt, meine soeben frei gewordenen Stricknadeln dürfen also wieder klappern, was das Zeug hält, diesmal beladen mit leuchtend blauer Wolle für ein kleines Projekt, von dem ich schon lange geträumt habe…


Und wisst ihr was? Ich habe sogar genäht! Eine Gretelies. Für meine Mama. Weil sie heute Geburtstag hat (so viele Sommerkinder in dieser Familie!) und die beste Mutti der Welt ist für mich. Sie hat so viele Jahre geschuftet, so viele Kinder gross gezogen, daneben noch Geld verdient für unsere Brötchen, unsere Wünsche und Träumchen, und bei all der Plackerei blieb sie liebevoll, sanft und geduldig, Eigenschaften, von denen ich mir für mich selber mehr, viel mehr wünsche, denn ich bin manchmal wie ein wildes Tier ohne Schutz, ohne Pelz, ohne gar nichts, das einfach nur noch beissen, strampeln, flüchten will… Allerdings nicht heute. Heute geht es mir gut, heute fühle ich mich bei Kräften, ausgeglichen, geborgen und behütet und voller Elan.
So. Und jetzt werde ich Mittagessen machen. Mir eine Kanne Brennessel-Kamillen-Rosenknospen-Tee aufbrühen und in den Kühlschrank stellen. Ein paar Hortensien im Garten schneiden und ins Haus holen. Vielleicht noch ein kleines bisschen aufräumen. Und dann weiterstricken. Blaue Wolle. Sommerhimmelstrahleblau. Und draussen höre ich gerade mein zweitjüngstes Mädchen auf einem Topf herumtrommeln und im Garten Lieder für ihr Meerschweinchen „Panda“ singen.
Ein guter Tag.

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