Archiv der Kategorie: aus meinem tagebuch

Peace Schal

DSC_9621 DSC_9623 DSC_9629

Ich gehöre zu der eher melancholisch veranlagten Sparte Mensch, der vieles sehr nahe geht und die nach einer schlechten Nachricht, nach Schwiergkeiten, Enttäuschungen oder starken Veränderungen immer eine ganze Weile braucht, bis sie sich wieder aufgerappelt hat und es schafft, neu ausgerichtet und mit frischem Mut nach vorn zu blicken. Und weiter zu gehen.
Viele dieser für mich schwierigen Momente und Situationen kann ich hier nur bruchstückhaft und leicht verschlüsselt einfliessen lassen, schliesslich ist das Web weit und nachtragend und da ist ja auch noch meine Familie, aber ich gebe mir Mühe, ehrlich zu bleiben und keine heilen Welten vorzugaukeln, wenn ich mich gerade fühle, als würde ich ganz am anderen, am dunkleren Ende leben.
Das letzte halbe Jahr hielt eine ganze Menge düsterer Fleckchen für mich bereit, durchzogen von Lichtungen, Sonnentagen und Glühwürmchenmomenten, für die ich immer dankbar war und dankbar bin. Jeder braucht hin und wieder etwas, das einem Sonne ins Herz zaubert und einem zeigt, wie geliebt und umsorgt und versorgt man doch ist. Ein warmherziges Gespräch voller Zuspruch, ein Überraschungspäckchen, die ersten gelben Blümchen über der noch so kalten Erde, das überschwängliche Lob der Lehrerin beim Standortgespräch des Kindes, der Termin beim Tierarzt, der die armen Meerschweinchen endlich von Milben und blutig gekratzten Stellen befreien wird.
Auch das “Projekt Peace” war so ein leuchtender Fixstern für mich, in einer Phase dieses Winters, die mir ganz besonders zu schaffen machte. Zu wissen, dass ich eine Zeit lang jeden Tag einen kleinen Blogpost vorfinden würde, mit ermutigenden Gedanken, Ideen und jeder Menge Ansporn, mehr Frieden in mein Leben zu bringen, das kam mir vor wie ein Anker auf offener See, der mein Bötchen ein Stück weit festhielt und mir helfen konnte, immer wieder zur Ruhe zu kommen. Strickend.
Ich habe so gerne an diesem Schal gestrickt. Das Muster war einfach und trotzdem spannend und das Garn (“Asia” von Lang ind der Farbe “Navy” und ganz schmal an der Abkettkante in “Gold”) eine wunderbare, babyweiche Wahl (obschon es doch immer ein bisschen enttäuschend ist, wie rasch sich der herrliche Perlmuttglanz der noch unberührten Knäuel während dem Stricken verliert und wie schnell das Gestrick altert). Ich habe mit einer 80cm langen Rundnadel Nr. 3.5 gestrickt und volle 3 Knäuel Garn verbraucht. Mit nur zweien kam mir der Schal einfach zu schmal vor- und viel zu weit. Nach 150gr. verstricktem Garn gefiel mir dann wenigstens die Schalhöhe. Was die üppige Weite anging; Ich kam mir immer unangezogen vor, wenn ich meinen Peace Schal -der zu Anfang noch, genau nach Anleitung gestrickt, ein Rundschal war- schlabbernd und schlotternd um den Hals hängen hatte. Auch zweimal rundum geschlungen blieb er für mein Empfinden zu weit und zu strukturlos, und dreimal wickeln liess er sich dann trotzdem auch wieder nicht, ohne dass ich das Gefühl hatte, es würde mir die Kehle zuschnüren…

Was tun also? Mit einem über lange Wochen möglichst sorgfältig aus eher luxuriöser Wolle gearbeiteten Strickschal?
Na klar: Aufschneiden!

Meine Mutter, die damals (wie heute *hüstel*) meine Nähmaschine leihweise bei sich zuhause in Gebrauch hatte, nähte mir mit einem dichten Overlockstich zwei eng nebeneinander liegende Bahnen senkrecht durchs Gestrick. Und ich schnitt dann beherzt mit der Schere drauflos, einen langen, trennenden Schnitt genau zwischen diesen beiden Nähten. Dann nur noch locker einmal mit festen Maschen die Schnittstellen umhäkeln, fertig. Bereit, doch noch getragen zu werden.

DSC_9631
Allerdings nicht von mir; Gestern vormittag ist er, versehen mit meinen allerherzlichsten Grüssen und einem winterlichen Geschenkanhängerchen von meinem Mädel, zur Post gebracht und verschickt worden. Zu der netten, alten Dame in meiner Kirchgemeinde, für die er von Anfang an gedacht gewesen war.
Möge er auch ihr Frieden bringen. Davon gibt es nämlich einfach noch nicht genug auf dieser Welt.

Veröffentlicht unter aus meinem tagebuch, besondere Tage, Stricken | 14 Kommentare

11.2.2017

DSC_9499 DSC_9600 DSC_9567 DSC_9574 DSC_9609 DSC_9587

Ich hatte grosse Lust, es heute einfach mal wie Soulemama zu machen und unter unser Tagesdatum ein paar Erinnerungen zu setzen, eine kurze Tages-Chronik festzuhalten, jetzt, wo der Grossteil dieses Samstages bereits um ist, mein Mann mit der Kleinsten den Einkaufswagen füllt, die beiden grösseren Tochterkinder oben Trudi Gersters “Marry Poppins” hören und die Jungens jeden Moment von einem Draussen-im-Nebel-Nachmittag mit ihren Jugendgruppen nach Hause kehren werden.
Es war ein… verschlafener Tag. Obwohl keiner auch nur ein Nickerchen gehalten hat, keiner, nicht mal die kleine Zappelliese. Aber all das Grau am Himmel… es macht einfach schlapp und schläfrig. Und es wurde spät gestern abend. Für mich und Herrn Kirschkernzeit jedenfalls (und für meine babysittende Mama). Es war Feuerwehressen für alle Kaderfeuerwehrmänner plus weibliche Begleitung, und ich war mit dabei, zum ersten Mal, denn bisher gab es immer ein Baby im Haus, das mich nicht entbehren konnte oder ich war schwanger und wenig in Partylaune. Wobei, so wirklich Party war das ja nicht gestern, mehr so ein gediegenes Essen mit für mich wildfremden Leuten, die je nach Grüppchen mehr oder weniger ausgelassen und wunderbar speisend einen netten Abend zusammen verbrachten. Ich sass am eher stilleren Ende des Tisches, wo die Leute ihren Wein stilvoll degustierten und sich  ernsthaften Themen widmeten (die sie erst noch ungemein amüsierend fanden) also Sparkassenmanagement zum Beispiel, die Herausforderungen erfolgreichen Weinanbaus oder der Einsatz modernster Technik bei der Spargelernte *grins* Es war köstlich. So richtige Männerthemen auf männliche Art diskutiert, also oftmals im Monolog, faktenlastig und mit kleinen Pointen versüsst. Ich kam mir zwar ein wenig dumm vor in diesen Reihen, aber irgendwie war es doch auch anregend, das Ganze…
Trotzdem; Schade, dass es offenbar keinen einzigen strickenden Feuerwehrmann in diesem Kader gibt. Ich hätte mich zu gerne ein wenig über Wolle und neueste Lieblingsstrickmuster unterhalten. Oder über Kinderkunst. Oder Rezepte. Oder über meinen neuesten Brocki-Fund, ein kleines Set allerfeinsten Blümchenporzellans mit halb verblichenem Goldrand, so dünnwandig und edel, dass ich bei jedem Schlückchen befürchte, es könne zerbrechen… Ich bin mehr als verliebt. Mein Nachmittagstee (eine delikate Schwarzteemischung, die meine Schwester mir aus Irland- oder war’s England?- mitgebracht hat) hat jedenfalls äusserst edel geschmeckt, in kleinen Schlucken genippt, schön heiss und zuckrig süss, so wie ich ihn liebe. Ich liebe ja alles, was süss ist. Auch wenn es um vierbeinige Freunde geht. Und der neue, noch ganz kleine Hund meiner Schwestern ist süss, Junge, Junge, schlabbernd und wuselig und dermassen knuffig, dass ich um ein Haar mit ihm getürmt wäre. Immerhin hat meine Schwester uns Schokoküsse dagelassen. Als Ersatz, als süsser. Leider hat meine Kleinste die Packung in die Finger gekriegt und deckelknabbernd ihre Visitenkarte hinterlassen…
So. Genug zurückgeblickt. Mittlerweile sitzen drei meiner Kinder neben mir am Wohnzimmertisch und warten auf Mamas uneingeschränkte Aufmerksamkeit, mein Mann ist nach Hause gekommen und wird gleich tütenweise Wocheneinkäufe reinschleppen, und ich möchte wetten, dass meine kleine Bohne im Auto doch noch eingeschlafen ist. Zeit für mich, zu gehen, wie es scheint.

Veröffentlicht unter Augenblicke, aus meinem tagebuch, Familienalltag, Wochen-Ende | 10 Kommentare

Zur Zeit…

Zur Zeit… überlege ich oft, wie das Bloggen gerade zu mir und in mein Leben passt. Ich meine, massgenau. Soulemama hat in diesem neuen Jahr alle ihre Posts unter dem Tagesdatum verzeichnet und mehr so etwas wie… Tagebuch geschrieben, ein bisschen hiervon, ein wenig davon und Bilder kreuz und quer, so wie sie ihr vor die Linse kamen. Das hat etwas Entspanntes und Leichfüssiges, ziemlich viel davon sogar, weil sie keine Themen mehr zusammensammeln muss, nicht mehr an Artikeln feilen, so stelle ich mir vor. Ein bisschen fehlen mir ihre vollmundigen Texte, aber ich kann sie gut verstehen; auch mir kommt es gerade so vor, als wären kleine Sammelartikelchen im Moment das Beste für mich und meinen Blog. Ein Happen Alltag statt eines aufwändigen, über Stunden im Kopf hin- und hergewälzten Textes, der innerhalb weniger Tage ohnehin durch einen nächsten Post, durch weitere Fotos ersetzt wird…
Ich bin sehr, wirklich sehr dankbar für die Freiheiten dieses wunderbaren Mediums. Ein Blog darf sein, wie ich ihn mache, wie mein Leben ihn zulässt, mal bunt und fröhlich und voller Tatkraft, mal ernsthaft und ruhig, lückenhaft und melancholisch, mal mit vollem Fokus auf die netten Dinge des Lebens, die geputzte Küche, den frisch von den Nadeln gehüpften Strickpulli, neue Wolle und die aus ihr gesponnenen Zukunftsträume. Ich bin dankbar dafür, dass hier alles, was ich bin und erlebe ein Stück weit gespiegelt wird und einen Anker erhält, der die Erinnerungen für mich festmacht.
Am Dankbarsten aber bin ich für euch, für all jene, die hier mitlesen, was ich so zusammenbastle und mir die Rückmeldungen geben, die mir so wohl tun. Eure Stimmen schenken meinem Blog erst seine richtige Gestalt. Sie machen ihn für mich lebendig. Dank euch nehme ich noch ein bisschen mehr vom guten Gefühl und Optimismus mit nach draussen in mein alltägliches Leben, noch mehr, als ich so schon mitnehmen darf, denn das Schreiben und Zusammefügen von Worten und Bildern gibt mir alleine schon sehr viel Aufschwung (vielleicht, weil es doch eine Art kreativer Akt ist, in dem so ein Blogpost entsteht?)

Nun ja. Zur Zeit… sammle ich mal wieder ein bisschen Momente, hebe sie auf, reihe sie aneinander wie Dominosteine… und drücke dann auf “Veröffentlichen”.

Zur Zeit…

DSC_9552
… vermisse ich den Frühling schmerzlich. Ich vermisse das Grün und die Kraft des Lichtes und sehne mich unendlich nach dem Lebensübermut, den Sonne und eine wieder willensstarke Natur in uns wecken. Dieser Winter ist… ein rechter Winter eben, kauzig wie ein alter Mann und ungemein kratzbürstig, was mir erst jetzt richtig auffällt, wo der Schnee der letzten Wochen wieder weggeschmolzen ist und das Tauwetter das nasse Braun darunter freigelegt hat. Nur selten blitzen blauer Himmel oder ein Stückchen Sonne durch einen Riss im Hochnebel. Die Tage sind wahnsinnig düster und trostlos und schleichen einem als dumpfe Sorge in Kopf und Herz.
Ja, es wird Zeit für den Frühling. Ich kann ihn kaum noch erwarten.

DSC_9525

… habe ich das Wohnzimmer umgestellt. Endlich. Doch noch. Schon letztes Jahr hatte ich kurz einen Anfall von Herumschieberitis und verrückte einen Grossteil der Stubenmöbel, ohne aber einen besseren Ort für sie zu finden. Also kam damals wieder alles zurück an seinen angestammten Platz und ich war für eine Weile zufrieden mit dem Gedanken, dass das wohl seine Richtigkeit hatte und die Stube offenbar gut war, wie sie war.
Doch so richtig wohl habe ich mich nie gefühlt darin. Es gab viele unsinnige Arrangements und eine zwar urgemütliche aber recht isolierte Sofaecke ganz am Ende des Raumes, so dass das Zimmer gewissermassen zerstückelt war und niemand so recht wusste, wohin mit sich selbst. Am Tisch wurde nicht sonderlich gerne gemalt, gespielt irgendwo eingequetscht zwischen Stuhlbeinen und einem verwaisten Bücherregal, und wer immer sich auf dem Sofa einquartierte, verlor ein Stück weit den Kontakt zum Rest des Zimmers, zur Küche sowieso, die eine Ecke entfernt davon lag.
Heute, mit dem Sofa in der Mitte des grossen, L-förmigen Raumes, ganz nah an Küche und “Bibliothek”, fühle ich mich vollkommen daheim. Eingekuschelt und zentriert, während ich in meinen Büchern blättere oder im Vorbeigehen einen Blick auf lesende Lümmelkinder werfen kann. Auch die alte Pinnwand erblüht neu; jetzt weiss ich endlich, wo all die Kreationen meiner Knilche einen würdigen Rahmen finden…

DSC_9516

… warte ich mehr oder eher weniger geduldig auf das neue, grosse Badezimmer, das Herr Kirschkernzeit in unglaublich aufwändiger Handarbeit im zweiten Stock entstehen lässt. Es ist unser bisher kompliziertestes Bauprojekt und dauert nun schon so lange, so wahnsinnig lange, dass ich manchmal kaum noch glauben kann, dass es jemals fertig sein wird…

DSC_9562

… bin ich voll im Pflanzenfieber. Wohl weil der Frühling mir fehlt und noch so weit entfernt bleibt. Ich habe lange gebraucht, bis es mir aufgefallen ist, aber jetzt, wo ich mir bewusst geworden bin, gibt es kein Halten mehr: Wir haben praktisch keine einzige Pflanze hier im Haus. (Ok. vielleicht eine oder zwei. In drei Stockwerken voller Zimmer.)
Sofort musste ich mir ein Buch zum Thema bestellen und sofort einen spontanen Abstecher wagen zum Dorfladen, wo es manchmal auch Grünes zu finden gibt in den Verkaufsregalen. Leider war die Ausbeute eher kümmerlich bisher. Nun ja. Dafür bleibt mir so noch ein bisschen mehr Zeit zum Planen und Träumen- und fürs Vernünftigwerden. Denn nicht alles, was grünt, passt auch hierher. Giftige Blätter, pieksige Stacheln, grosse Töpfe, die rasch umfallen beim Rennen und Toben… für all das ist die Zeit noch nicht reif, denke ich.

DSC_9505

… häkle ich wie vergiftet. An meinen Granny Squares. Und bin glücklich dabei. Auch wenn es nur wenig ist, das ich zustande bringe, und auch wenn das Häkelgefühl niemals an die Leichtigkeit des Strickens herankommt…

DSC_9502

… mag ich sie noch immer, die Zeichnungen und Bilder der Kinder. Gerade habe ich wieder eines gerahmt, eines, das meine beiden Mädchen gemeinsam mit Filzstiften gemalt haben und das sich “Panda im Bambuswald” nennt. Ein Gemeinschaftswerk, bei dem mich vor allem der Panda erstaunt, denn den hat meine Vierjährige gemalt, und die war bisher eher zögerlich mit dem Ausfärben und Detaillieren ihrer Sujets. Bisher kamen immer eher feine Striche aufs Papier, meistens einfarbig, mit dem Fokus auf einen einzelnen Bereich wie zB. Finger oder eine lange Leiter fürs Besteigen eines besonders grossen Einhorns. Dieser grosse, dicke, hübsche Pandabär in seinem (von der grossen Schwester gemalten) blühenden Bambusforst, ist ganz anders als alles, was sie bisher gezeichnet hat. Ich liebe die Gemütlichkeit, die dieses Bild ausstrahlt. Alles wirkt bunt und zufrieden und nach heiler Welt. Und Pandas sind ihre allerliebsten Lieblingstiere. Schön, dass mich diese Zeichnung nun für alle Zeiten daran erinnern wird…

DSC_9564

… gebe ich mir grosse Mühe, all die kaputtgegangenen Dinge, die sich im Laufe der Zeit angesammelt haben, endlich auch mal zu reparieren. Hosen flicken, Tonsachen leimen, den Pulli meiner Tochter am Halsausschnitt enger häkeln, verlorengegangene Schrauben ersetzen, Stifte spitzen. Das Wohngefühl ändert sich sofort dramatisch. Keine Kram-Häufchen mit Mahnfingerausstrahlung mehr anzutreffen, erleichtert das Gewissen ungemein. Vielleicht sollte ich es machen wie die Antroposophen und meinen Tagen mehr Rythmus einverleiben, im Stile von “Montag ist Backtag, Dienstags wird gewaschen, Mittwochs repariert und hübsch hergerichtet…”. Diese Idee ist mir überaus sympathisch. Und doch schaffe ich es nie, aber auch gar nie, einen Rythmus beizubehalten, mich an Strukturen zu stützen und daran festzuhalten. Das Leben kommt immer irgendwie wieder dazwischen. Und mit ihm eine ganze Menge Unordnung.

DSC_9537

… hoffe ich auf den richtigen Moment und definitiv auf besseres Licht, damit ich endlich, endlich (endlich!) meinen fixfertigen “Peace”-Schal einigermassen fachgerecht fotografieren und ihn dann abschicken kann an die nette, alte Dame, für den ich ihn eigentlich gestrickt hatte. Fertig ist er schon lang. Seit Anfang Januar schon, und jene superkalten Wintertage, in die er so was von perfekt hineingepasst hätte, sind auch schon wieder um. Ich mag ihn. Am liebsten hätte ich auch so einen, ganz für mich alleine. Aber andererseits schenke ich ihn auch von Herzen gerne her, gerade weil ich ihn so weich und mollig, so zum Reinkuscheln gemütlich finde.
Nur das Fotografieren, das ist so eine Sache. Manchmal glaube ich, ich fotografiere gar nicht mal so gerne, ich hab bloss gerne hübsche Bilder, wenn sie denn mal im Kasten und archiviert sind, aber der Weg bis dahin, der erscheint mir zeitweise ziemlich lang und mühsam. Ich glaube, was ich brauche ist keine neue Kamera (obwohl, die auch, meine fokusiert immer schlechter und schwammiger), sondern vielmehr einen hauseigenen Fotografen *zwinker*

Veröffentlicht unter aus meinem tagebuch, Familienalltag, Zuhause | 10 Kommentare

fehlende Worte

DSC_3065-003

Ich fühle mich wortlos. Stumm. Ergriffen, festgezurrt in einem klammen, harten Griff, der mein Herz zerdrücken möchte. Ich bin erstarrt. Die Sonne ist verschwunden.
Es geht mir nicht gut. All das Helle, Vorwärtsschauende, das meinem Tag vor kurzem noch Schwung und Frische und Freude verlieh, ist verpufft. Nicht immer allerdings. Grosse Teile des Tages scheinen normal, ich bin ich wie immer. Ich lebe mein Leben, lache und schimpfe, wickle Wolle zu Bällen, stelle mein Wohnzimmer um und koche ein Kürbis-Honig-Risotto für meine Kinder. Doch abends oder wenn der Tag besonders grau und stumpf ist, so wie heute, holt sie mich ein, diese Traurigkeit, die Angst vor der Welt und ihrem Geschehen, die Angst vor dem Leben und seinen Schiksalsschlägen. Da war einfach zu viel Grauen, zu viel Tod die letzten Tage über, verteilt auf alle Welt, in Kanada, in Bayern, in Freiburg… und sogar hier, ganz hautnah und direkt vor meinem Schlafzimmerfenster. Ich kann nur schwer mit solchen Dingen umgehen. Noch nie bin ich so geweckt worden. Mitten in der Nacht. Von einem Mann mit einer Stimme… verzweifelt, vollkommen ausser sich. Ich sprang sofort aus dem Bett. Alarmiert. Und dann sah ich es… Den still daliegenden Menschen auf der Strasse, das viele Blut um seinen Kopf, und ich hörte sie wieder. Die Schreie des Mannes, der kurz zuvor noch am Steuer gesessen hatte…
Ich möchte hier nicht allzuviel darüber schreiben, vermutlich ist genau das hier der falsche Ort dafür, viel zu offen und preisgegeben für Geschehnisse, die das Leben anderer von einer Sekunde auf die andere derart hart verändern. Es endgültig verändern. Und manchmal auch beenden. Wir konnte nichts tun. Ich konnte nichts tun. Ich hätte nicht gewusst was oder wie, alles in meinem Kopf war urplötzlich leer und weiss, und mein Magen wog unheimlich schwer in meinem Bauch. Was ich konnte; Meinen Mann wecken und ihm den Hörer in die Hand drücken, damit er die Polizei anrief und den Rettungsdienst und dann selber hinauseilte, um zu helfen, wo er konnte. Als ich das Fenster im unteren Stock aufriss, fiel mir sonderbarerweise auf, dass keiner ein Pannendreieck aufgestellt hatte.
Die Polizei war rasch da. Ich holte eine Wolldecke und kochte Tee, was völlig unsinnig war, denn natürlich war keinem nach Teetrinken, aber immerhin war es eine Aufgabe…
Heute beim Heimfahren im Bus, lese ich vom Tod sechs junger Menschen in einem Gartenhäuschen. Wie sie Geburtstag feierten und starben. Kohlenmonoxyd aus dem Ofen. Mein Herz will zerreissen. Ich kämpfe mit den Tränen und bin mir einmal mehr bewusst, wie schrecklich wenig ich vom Leben weiss, wie unsicher das Fundament ist, auf dem wir bauen. Das ist es, was ich damals gemeint habe; Ich kann mir das Glück nicht verdienen. Es kommt. Es geht. Genau wie das Leben.
Trostlos kommt mir das vor. Traurig. Sinnlos.
Jetzt habe ich doch viel geschrieben. Das ist sonderbar. Denn eigentlich… fehlen mir die Worte.

Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...
Veröffentlicht unter aus meinem tagebuch, berührt | 13 Kommentare