Archiv der Kategorie: aus meinem tagebuch

ein bisschen ausser-gewöhnlich

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Habt Dank für eure guten Wünsche! Sie scheinen Gutes gebracht zu haben, denn die Natur hat wunderbare Dienste geleistet, und ich fühle mich nach all der Rumliegerei und Erholung wieder fit wie ein Turnschuh. Auch wenn es paradox klingt; diese Grippe war wohl das Beste, was mir passieren konnte. Meine Reserven sind wieder gut gefüllt und ich habe neue Motivation geschöpft, neue Lust aufs Leben. Wie viel ein paar Tage Nichtstun doch bewegen… Ein paar Tage, manchmal Stunden nur, in denen man sich befreit von jeglichen Gewissensbissen und den permanenten Selbstanforderungen, produktiv zu sein, etwas zu bewegen, zu leisten, weiter-zu-bringen, sich selbst oder Ideen und Dinge. Selbst wenn wir ausruhen und uns’re Seele baumeln lassen… muss doch immer mindestens das Strickzeug raus oder wir setzen uns nur-mal-eben-rasch an die Nähmaschine- und ignorieren erfolgreich, dass sich das mittlerweile vielleicht schon gar nicht mehr so sehr nach Erholung anfühlt, sondern bereits wie… neuer Stress, Freizeitstress oder wie auch immer, jedenfalls wie etwas, das ganz klar mehr von unseren Kräften und Nerven frisst als erneuert.
Mir ist das erst kürzlich so richtig bewusst geworden. Wie das so läuft manchmal. Mit dem Handarbeiten. Mit dem Selbermache. Und dem Ausruhen. Und schlagartige wusste ich auch, warum ich irgendwann aufgehört habe, meinen Strickkorb zum Beispiel mit in den Gottesdienst zu nehmen. Weil ich unterbewusst wohl realisiert habe, wie stark mich das Vor-mich-hinstricken doch auch ablenkt von dem, was um mich herum passiert, ein Effekt, der mir abends auf dem Sofa, wenn ich den Tag ausbaumeln lasse, ganz gelegen kommt, dann aber wiederum ganz und gar nicht das ist, was ich eigentlich will, dann nämlich, wenn ich da sein möchte, präsent, aufnahme- und reaktionsbereit.
Aber wie dem auch sei.  Gestrickt habe ich natürlich trotzdem, als ich krank war. Und zwar absolut und zu 100% gerne, akustisch äusserst nett untermalt von “Das Erbe des Zauberers”, einem echt empfehlenswerten und faszinierend intonierten Hörbuch (Man muss sich ein wenig reinhören zu Anfang, der Start hat auch mich nicht grade aus den Socken gehauen, aber dann wirdes besser, viel besser…).
Das Projekt, an dem gestrickt habe und immer noch stricke, Abend für Abend, ist so langweilig wie Hörbuch-ideal: Ein Paar stinknormale Beinstulpen aus schwarzer Wolle, für mich diesmal, was sie gleich noch langweiliger macht, denn die Arbeit zieht sich wirklich eeeeewig dahin, in immer wieder gleichen Runden, ohne dass wenigstens eine Ferse die Monotonie durchbrechen würde. Aber ich brauche Stulpen. Unbedingt. Für all meine Kleider und die Leggins, die ich darunter trage. Ohne fühle ich mich einfach nicht recht angezogen, vor allem, wenn ich Schuhe anhabe statt Stiefel. Manchmal behelfe ich mir mit einem Paar Jeans, die mag sehr unter einem lockeren Kleid oder einer bunten Tunika, aber so langsam sind alle meine Jeans zerschlissen und löchrig, und ich bin so ein bisschen in Richtung minimalistischer Kleiderschrank abgedriftet, also ansatzweise zumindest, und zögere jedes Mal, wenn es ein Stück zu ersetzen gilt… Darum müssen Stulpen her, keine Frage, denn Leggins habe ich noch drei Paar, allesamt noch blutjung und tragfertig.
Apropos: Habt ihr das Foto von meinem Wäscheschrank gesehen? Ah… meine ganz persönliche Augenweide gerade. Lange, lange, viel zu lange lag dort alles kreuz und quer und immerzu unordentlich durcheinander, aber gestern habe ich mir ein Herz gefasst und einmal gründlich Ordnung geschaffen. Weg kam nur wenig, schliesslich haben wir hier doch eine ganze Reihe Betten zu beziehen, aber ich habe alles neu gestapelt und so sauber wie möglich gefaltet und dann sogar noch beschriftet (mit einem Washi Tape, der nicht recht hält). Jetzt sieht alles so organisiert aus, dass ich am liebsten den lieben langen Tag vor den offenen Schranktüren sitzen würde, nur so zum Spass und fürs Selbstwertgefühl.
Und, ach ja, apropos zum zweiten: Ein totaler Selbstwertbooster war auch mein Nachmittagsprogramm gestern, eine exklusive Einladung in die Pausenhalle zum “Länderessen” in der Schule, wo zwei meiner Knilche ihren kulinarischen Beitrag stifteten für das riesengrosse und einfach hinreissend bunte, liebevoll gestaltete Buffet aus lauter fremdländischen Speisen (Kind2 machte einen “Russischen Salat” und meine Grosse, bzw. Kind3, seine jüngere Schwester kam mit “Scones mit Sahne und Gomfi” von einer fröhlichen Backrunde bei ihrer Tante Je).
Es war einfach… grandios. Und wunderschön. All die Platten und Schälchen, die schnuckligen Dekorationen und hinreissend krakelig beschrifteten Menutäfelchen. Ich konnte mich kaum sattsehen. Dafür sattessen. Und vollsaugen mit fröhlichstem Stimmengewirr und Wuseligkeit und diesem wahnsinnig erfüllenden Gefühl, Teil eines grossen Ganzen zu sein, in dem ich mich einfach nur wohlfühle und weiss, dass auch meine Kinder gut aufgehoben sind darin.
In letzter Zeit taucht öfter einmal das Wort “Segen” in meinen Gedanken auf. Und auch in meinen Texten, das merke ich selber, wo ich mich ganz bestimmt mehr als nur einmal wiederhole und Sachen wiederkäue, die eigentlich wohl längst ausgeschöpft sind, zumindest für jemanden, der das alles hier liest und darauf wartet, endlich mal wieder etwas Neuem, etwas ganz anderem zu begegnen, als immerzu der alten Leier… Aber andererseits spüre ich, dass sehr viel Kraft in genau dieser Wiederholung liegt; Den Segen immer und immer wieder zu sehen und vor allem zu spüren… das bringt ganz viel Ruhe in mich und in meinen Lebensalltag.
Und den nehme ich nun mit, in mein heute, in mein morgen, den Segen dieser guten, ein kleines bisschen ausser-gewöhnlichen Tage…

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Manchmal möchte ich Dinge mit-teilen, ohne allzu viel Lebenszeit vor dem Bildschirm verstreichen zu lassen…
Kurz und bündig und spontan. Ohne Umweg direkt aus dem wahren Leben.
Fast wie bei Instagram.

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Nachdem ich erst gestern allen Ernstes der ganzen Welt verkündet habe, wie ausgeglichen und in mir ruhend ich bin zur Zeit… könnte ich schon heute (wie ironisch) wegen jeder Kleinigkeit ausflippen.
Und tue es auch *schäm*.
Es war wohl doch ein bisschen viel, diese Woche, und dieses Wochenende bin ich schon wieder alleine mit den Kindern… Ich muss zugeben, ich fühle ich mich eher wie ein Drache als wie Buddha. Und empfinde solidarische Sympathie mit der gezeichneten Glumanda meiner Vierjährigen, so feurig wie sie aussieht.
Nur leider bin ich nicht ganz so schnucklig…

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Frieden

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Frieden. Ja, es ist so etwas wie Frieden, der über den letzten, hier so stillen Tagen lag. Ein Frieden, unterbrochen von den ganz normalen Streitereien und lauten Stimmungsausbrüchen, die einfach zu uns als Familie zu gehören scheinen, die zu uns Menschen gehören, denke ich, zu den einen (zu mir) mehr, zu den anderen weniger. Nicht jeder Charakter hat diese wunderbare, aus sich heraus pazifistische, geduldig annehmende Haltung. Was für manche Menschen gut aushaltbar ist, bringt andere bereits in Rage. Friedferigkeit und die Fähigkeit, auch Belastendes aushalten zu können, auszuharren und durchzuhalten, bis die Situation leichter wird… das kann harte Arbeit sein. Und je kaputter das eigene Nervengrüst, je ausgelaugter Körper und Seele, desto härter (bis unmöglicher) wird sie. Ich habe das schon so oft erlebt. Gerade in Extremsituationen wie Krankheitswellen in der Familie, wo ich rund um die Uhr und vollkommen beansprucht bin von kleinen, leidenden, hilfsbedürftigen Menschen. Anfangs geht meist alles gut. Ich tauche ein in die Anforderungen und lasse alles, was sich beiseite schieben lässt ausser acht. Keine Wäsche. Kein Einkaufen. Kein Stricken. Kein Blogpostschreiben. Kein Ich. Nur dasein. Für andere. Aussschliesslich. Man löst sich ein Stück weit selber auf.
Und irgendwann platzt einem der Kragen und all die beiseite geschobenen eigenen Bedürfnnisse krachen ans Licht und verschaffen sich lautstark Gehör, so laut und rücksichtslos vehement manchmal, dass man vor sich selber erschrickt…

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Ich glaube, das ist der Frieden, den ich spüre, im Moment: Dass kein Kragen platzt. Dass ich ruhig bleiben konnte (bisher) und es fertigbrachte, auszuharren, aktiv und still, obwohl es wirklich happige Tage waren und schlaflose Nächte mit gleich drei magendarmkranken Kindern, die buchstäblich nichts bei sich behalten konnten und von Bauchweh und Fieder durchgeschüttelt wurden.
Ich glaube nicht, dass es mein Verdienst war. Diese Gelassenheit, meine ich. Ich bin alles andere als ein Heldentyp. Meine Natur ist zu exzentrisch und viel zu launenhaft, als dass ich Situationen dieser Art lange gewachsen wäre… Ich glaube wirklich, es war ein Segen von oben. Und die Kraft der Gebete. (DANKE!)

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Und ja, vielleicht kam der Frieden auch ein wenig daher, dass mir wieder friedlich ist ums Herz, was meine Meerschweinchen angeht. Flöckli konnte schmerzfrei sterben. Endlich Ruhe finden. Sie hatte es so schwer in ihren letzten Lebenstagen. Mit jedem Tag wurde der Zerfall sichtbarer, aus dem lebenshungrigen kleinen Kämpfer ein mageres Tierchen, das sich selbst aufgab. Und nur noch zu warten schien. Auch ein Ausharren. Ein bewundernswertes. Wie Tiere sich in ihr Schicksal fügen… das macht mich demütig und nachdenklich.
Ich bin irgendwie froh, dass alles vorüber ist. Dass alles ein so rasches, ja irgendwie tatsächlich auch ein friedliches, in gewisser Weise würdiges Ende nahm. Sie wollte nicht mehr kämpfen.

Die Herde hat sich verändert, seit Flöckli weg ist. (Ach, Flöckli… Es fehlt einfach etwas, ohne dich.) Sie kommt mir verschworener vor, und… gelöster. Sie grasen öfters als ganze Gruppe, nicht mehr so zerteilt und in alle Winde verstreut. Tiere, die ich bisher als absolute Angsthasen kennengelernt habe, kommen plötzlich mutig bis ganz zu mir hin, um mir ein angebotenes Löwenzahnblatt aus der Hand zu fressen.

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Ja, Frieden. Ich empfinde Frieden. Und sehe ihn auch. Da und dort, in der Natur vor allem, die draussen im Garten alles Grün färbt und mit kleinen, bunten Farbtupfern um sich wirft. Das Licht ist warm und voller Zukunftsträume, der Wind umsäuselt unsere kleine Welt sanft wie eine streichelnde Hand. Manchmal kommt es mir vor, als gäbe es da ein kleines, verstecktes Paradies, und dieses Paradies, diese sichere Oase öffnet sich für mich. Ein Zuhause. Ein Stückchen Welt, das der grosse Schrecken dieser Welt noch nicht erreicht hat.
Aber ich weiss, das ist nur Gefühl. Jedes Leben ist schlussendlich ungeschützt. Und endlich. Dem preisgegeben, was kommen muss und wird. Und trotzdem bin ich dankbar. Für dieses Gefühl. Schlussendlich sind Wissen, Fühlen und Glauben doch alles, was das Leben ausmacht. Und die Hoffnung. Auch das ist Frieden.

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Manchmal möchte ich Dinge mit-teilen, ohne allzu viel Lebenszeit vor dem Bildschirm verstreichen zu lassen…
Kurz und bündig und spontan. Ohne Umweg direkt aus dem wahren Leben.
Fast wie bei Instagram.

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Damit auch ich und die Mädels ein bisschen  in die “Fremde” ziehen können, fahren wir rüber zu Oma. Mit Rucksäckchen, Kuscheltier-Eskorte, Strickzeug und CD-Player, weil meine Grosse nach Jahren der Zurückhaltung nun doch noch in die Fussstapfen ihrer grossen Brüder tritt und zum 5Freunde-Freund mutiert. Hörspiele dieser Sparte haben wir ja Gottlob mehr als genügend auf Vorrat…
Geschlafen habe ich nicht unbedingt wie Gott in Frankreich, denn meine Kleinste tat sich schwer mit der fremden Umgebung, doch dafür holt sie nachmittags die verpassten Schnarchstunden nach, schlummert seelig neben mir im violetten bezogenen Bett und beschert mir damit eine herrliche Zeit mit spätem Kaffee und haufenweise MickyMaus-Comics zum Schneuggen…
Klingt nach Ferien, nicht?

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