Archiv der Kategorie: aus meinem tagebuch

Frühlingszauber

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Wo soll ich anfangen…?
Vielleicht damit: Ich liebe diesen Frühling. Was ja nichts Neues ist, aber genauso wahr wie eh und je. Und ich liebe diesen Garten. Womit ich mich wiederhole, aber egal, es gibt einfach keinen Platz auf der Welt, wo ich lieber wäre im Moment (ausser vielleicht in meinem erträumten um einiges grösseren Bauerhausgarten, wo Bäume und Weiden die Grenzen bilden und keine Strassen oder Häuserblocks).
Im Augenblick sind wir alle sehr geschäftig, völlig eingenommen von unseren kleinen Projektchen, und trotzdem zieht es uns nach draussen, hinaus in den Sonnenschein und dieses herrliche Lebensgefühl, das definitiv nach Urlaub und Frühlingslaune schmeckt. Ausser Kind1 und 2. Die verkrümeln sich sehr gerne ausserhalb des Familientrubels nach drinnen, wo sie ungestört lesen oder Musik hören können. Kind2 mag übrigens gerade dieses Stück hier von Annett Louisan und  Seeeds “Dickes B”- und wie so oft, ich teile seine Leidenschaft und seinen Musikgeschmack. Wir haben tatsächlich oft grossen Spass beim gemeinsamen Entdecken neuer Lieder und stöbern gerne in ganz verschiedenen Genren herum. Bloss Rock kann uns nicht locken. Aber sonst…?

Diese Woche ist ganz überraschend doch noch unser Schmetterlings-Single im Schmetterlingshotel aus seinem Kokon geschlüpft. Er war spät dran, andere Schwalbenschwänze waren bereits durch unseren Garten geflattert, vergeblich, denn es gibt hier noch kaum Blumen und auch die wilde Möhre, die ich vor Jahren extra für sie angesät habe, ist bisher kaum mehr als ein franseliges Büschelchen. Nach dem strengen Winter hatte ich zudem meine Zweifel, ob der Kleine es überhaupt geschafft hat mit der Metamorphose, obwohl wir eine Wolldecke über den Käfig gelegt hatten, so für alle Fälle. Als dann urplötzlich ein munterer, schwarz-gelber Falter darin sass, war ich mehr als überrascht. Und erfreut natürlich, wobei meine Freude in keinem Verhältnis stand zur Begeisterung meiner drei Mädchen, die ganz aus dem Häuschchen waren… Und ehrlich, wann kommt man schon mal dazu, ein derart entzückendes, zartes Wesen auf seinen Fingern landen zu lassen? Es ist ein ganz besonderes Gefühl, so ein bisschen, als wäre man eine Blumenelfe…

Zum Geburtstag einer meine Schwestern habe ich mal wieder Tüten gepackt; eine dieser praktischen Rolltüten aus Wachstuch (ich weiss nicht mehr, woher ich sie hab, aber die hier sind ganz ähnlich), in die ein Smoothie, Kekse und anderes Naschwerk kamen, kombiniert mit einer meiner Stoffservietten, die ich rundherum mit etwas Stickgarn umsteppt habe, einfach, weil ich das so gerne tue. Das Nähen macht mir überhaupt wieder grossen Spass und verdrängt so langsam mein Strickzeug, aktuell gerade auch das blaue Wolljäckchen, das ich meinem Kindergartenkind eigentlich zum Geburtstag  Anfang Juli schenken wollte. Das könnte tatsächlich knapp werden bei all den Nähschätzchen, mit denen ich gerade liebäugle…
Aber noch ist ja Zeit. Und man sollte seinen Neigungen nachgehen, wenn sie sich in so wunderbar nützlicher und innerlich erfüllender, auferbauender Form präsentieren. Beim Woll- und Stoff-Shopping hingegen halte ich mich zurück. Oder versuche es. Ich habe so viel… das möchte ich jetzt erstmal ein wenig geniessen, bevor ich meine Vorräte weiter aufstocke…

Ja, vieles kommt mir gerade ungemein stimmig vor. Herr Kirschkernzeits Meerschweinchen-Stall-Riesenprojekt. Die fortschreitende Schwangerschaft unserer kleinen Trixi, die immer kugeliger wird- und immer zahmer, was mich so verwundert wie freut. Die bunten Blumenstöcke, mit denen ich mich selber verwöhnt habe. Da sind ein paar ganz fantastische bunte Hänge-Petunien zum Beispiel, in getupftem Blau, gestreiftem Violett, knalligem Pink und Sonnengelb oder zwei duftende Pelargonien, die nach Cola oder Zitronenmelisse riechen, wenn man sie berührt.
Ich mag den Holunder, der Blütendolde um Blütendolde zum Strahlen bringt und die dicken, gigantischen Blätter des Rhabarber-Strauches, aus dessen Stängeln ich Kuchen backe oder den Kompott einkoche, ohne den mein Ricotta-Cheesecake neulich bestimmt nur halb so gut geschmeckt hätte.
Überhaupt die Blumen.
Die Büsche.
Die Bäumchen.
Und die Kräuter.
Sie haben sich heimlich, still und leise eingeschlichen in mein Herz, und auf einmal merke ich, wie unsagbar viel mir das alles gibt, was ich hier draussen antreffe, unter freiem Himmel, geborgen in Grün und Farbe, Leben und dem so einfachen Rythmus, in den die Natur einem einlullt. Ein wenig wächst dadurch meine Sehnsucht nach echtem Landleben, das will ich euch nicht verschweigen… aber es schenkt mir vor allem auch Kraft und bringt Beschwingtheit in mein Leben, meine Seele.
Dem Zauber dieses Frühlings kann und will ich mich nicht entziehen. Was könnte schöner sein?

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Vierbeinige Freunde

Oh, wie ich es vermisst habe, das Leben im Garten!
Nicht nur das Er-Leben von Wind und Sonne und Natur, sondern auch die Lebendigkeit, die spürbar wird, sobald andere kleine Lebewesen den Garten beziehen; Marienkäferchen (viele dieses Jahr!), die Amseln, Spatzen, Stare und Meisen (ich habe zum ersten Mal in meinem Leben eine Haubenmeise hier gesehen!)…

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Und Meerschweinchen!!! 5 kleine Knabberer in ganz unterschiedlichem Alter und sogar von beiderlei Geschlecht, aber alle klein und schnusig und voller Lebensdurst. Nichts macht einen Garten lebendiger als Tiere, die ihn bevölkern und mitgestalten. Und nichts macht mich im Moment glücklicher als dieses kleine, grüne Fleckchen Erde, das ich von ganzem Herzen gerne mit diesen Wuscheldingerchen teile (und mit den Marienkäfern, Vögeln, Spitzmäusen und Insekten natürlich auch. Nur  auf die Spinnen könnte ich gerne verzichten *schauder*).
Mein Mann hat den alten Stall mit zusätzlichen Verschlüssen gesichert und alle verschliessbaren Gehege-Teile inklusive der beiden selbst gebauten Seitenkäfige, in denen er gerade frisches Gras anzieht, mit einem quasi unterirdisch angebrachten Maschendrahtzaun zusätzlich vor grabenden Jägern gesichert (Marder gibt es hier nämlich einige!). So sollten die Tierchen nachts eigentlich sicher sein vor Feinden.
Ich habe mir zudem fest vorgenommen, jeden Abend, sobald wir den Garten verlassen und uns für den Abend drinnen bereit machen, alle Meerschweinchen in den Stall zu scheuchen und ihn gleich hinter ihnen abzusperren, nur für den Fall, dass der Fuchs sich die Stelle gemerkt hat und eines schönen Sommerabends beschliesst, sich hier noch kurz bequem seinen Znacht zu holen…

Neu gibt es auch ein an der Laube fixiertes Dach, das den gesamten Stall und einen Teil der Wiese direkt vor dem Gehege sowohl vor direkter Sonne als auch vor Regen schützt. Auf diese Weise gibt es hier in diesem Bereich zwar mehr Staub und Erde als Gras, aber dafür bleibt es immer schön trocken und sauber, selbst wenn es tagelang Bindfäden regnet und der Rest der Weide zu Matsch werden sollte. Auch das Misten und Füttern ist so um einiges angenehmer, und die Kinder setzen sich gerne zu den Tieren in den Schatten, wenn die Sonne vom Himmel brennt. Auf die frühere Sitzbank habe ich allerdings verzichtet; Ich fand es plötzlich ganz schön riskant, meine Kinder auf einer Bank herumklettern zu lassen, während unter ihnen eine Herde Meerschweinchen rumwuselt…

Im Moment wagen sich die kleinen Tierchen noch nicht allzu weit von ihrem Schlafstall weg (darum stehen die Häuschen auch alle so dicht beisammen in Stallnähe). Sie mögen es, wenn ich nachts eine Decke vor das obere Gitter hänge und sich dann alle zusammen wie in einer Höhle ins Heu kuscheln können, und ihr neues Revier erobern sie sich lieber in Mini-Schrittchen. So nach und nach trauen sie sich aber immer mehr zu und -was mich besonders freut- sobald sie unsere Stimmen hören, kommen sie bereits die kleine Stalltreppe herunter getrippelt und hopsen durch die  Gittertürchen raus ins Gras, um zu fressen. Scheinbar wirken Menschenstimmen vertrauenseinflössend auf Meerschweinchen, keine Ahnung wieso. Nur mein Zungenschnalzen beim Futterbringen, auf das die frühere Herde sofort mit lautem Quieken reagiert hat, können sie noch nicht richtig einordnen, aber das wird noch, denke ich, Meerschweinchen sind ja kluge Tiere, die ihre Menschen bald ziemlich gut kennen…
Damit auch ihr sie ein wenig besser kennenlernt, stelle ich unsere 5 neuen, pelzigen Freunde kurz einmal vor:

DSC02866Das ist Strubbeli, der Liebling meiner grossen Tochter, die ihn geradezu vergöttert und lange Zeit ein selbstgemachtes Papierherz mit einer Zeichnung von ihm und seinem Namen drauf wie ein Medaillon um den Hals trug. Er ist kastriert, was eine ziemlich langwierige Sache war, da die Kastration zuerst nur zur Hälfte gelang und der arme Kerl darum 2 Mal operiert und auch separiert werden musste. Nun ist er aber wieder völlig fit und seelig mit seinen Damen…

DSC02870Die kleine Molly ist so ein bisschen unser Baby; Ein absoluter Schnuckel, ganz zart und von Kopf bis Fuss zerzaust mit Pelzwirbelchen überall, man möchte sie einfach knuddeln (was ich natürlich nie tue)! Sie ist Strubbelis Schwesterherz und genau wie er im Februar geboren. Obwohl sie die Kleinste ist von allen, besitzt sie ein tapferes Herz und wagt bei den meisten Ausflügen der ersten Schritt in Richtung Neuland. Sie erinnert mich an Mimi, meinen kleinen, caramelfarbenen Ballet-Röckchen-Liebling aus der letzten Gruppe mit ihrem Zutrauen und ihrer putzigen Art…

DSC02886Die ungewöhnlich lange, auffallend schlank gebaute Elsa, die Mutter von Strubbeli und Molly, ist ein ganz wunderbares Tier; geduldig, sanftmütig und fürsorglich wie eine Elefantenkuh. Sie reagiert auf jedes Pfeifen aus der Herde und nimmt sich der Tiere an, die vielleicht gerade einen schweren Stand haben in der Gruppen-Hirarchie. Sie gehört zu den eher vorsichtigen Charakteren, mümmelt aber mit Hingabe und seelenruhig Möhrenschalen oder Apfelspalten, während eines der Kinder sie auf dem Schoss hält zum Streicheln.
“Elsa” kommt übrigens nicht vom Film “Frozen” (den wir hier nicht einmal kennen), wie all die kleinen Mädchen aus der Nachbarschaft immer meinen, sondern aus einer völlig anderen Ecke: Der ausgeglichene, liebenswerte Charakter dieses Tieres hat mich einfach sofort an die warmherzigen Wichtelbilder von Elsa Beskow erinnert, daher der Name…

DSC02879Um Trixi zu fotografieren muss man ein wenig Geduld haben, denn sie würde am liebsten den ganzen Tag in der schummrigen Gemütlichkeit des Schlafstalls verdösen. Allerdings macht sie grosse Fortschritte in Sachen Mut und Entdeckergeist; Erst heute ertappte ich sie dabei, wie sie ganz alleine draussen zwischen den Häuschen herumtrippelte und sich den letzten Rest Gurkenschalen zusammensuchte. Sie und Elsa sind in etwa gleich alt und ein gutes Team. Elsa beweist immer wieder viel Feingefühl, wenn es darum geht, sich ihrer schüchternen Freundin anzunehmen. Fühlt sich diese zB. plötzlich doch zu einsam im oberen Stallkämmerchen und erkundigt sich quiekend nach ihren Artgenossen, dann ist Elsa garantiert die Erste, die von der Weide hinauf zu ihr ins Nest flitzt.
Trixi ist übrigens kugelrund und deshalb ein wenig schwerfällig, was einen wunderbaren Grund hat: Wir haben sie trächtig übernommen und freuen uns schon sehr auf ihre Kleinen, von denen die jungen Weibchen später unsere Herde komplett machen, während die Männchen wahrscheinlich weiter gegeben werden, in fürsorgliche Hände und möglichst in ein Zuhause mit Freilauf (es gibt bereits Interessenten)…

 DSC02902Von Pippa seht ihr hier leider nur noch das Hinterteil davonwackeln. Auch sie gehört zu den Tieren, die sich eher zurückhaltend zeigen, und ziemlich sicher steckt keine grosse Führernatur in ihr. Dafür beobachte ich bei ihr eine starke Fixierung auf einzelne Personen: Fremde Stimmen lassen sie augenblicklich irgendwo verschwinden, aber meinem Mädchen, das sich von Anfang an ganz ausgiebig um sie gekümmert hat, scheint sie ihr Vertrauen zu schenken. Sie frisst ihr aus der Hand und kommt ihr entgegen, wenn sie im Stall hantiert (vor mir hingegen fürchtet sie sich ein wenig *snif*). Ihr Fell ist schwarz-weiss und verwuschelt, genau wie das von Strubbeli, doch verwandt sind die beiden nicht, soweit ich weiss. Sie ist ein Januarkind -oder war es Dezember? keine Ahnung- auf jeden Fall kommt sie mir gross vor für ihr Alter und trotzdem ein bisschen verloren zwischendurch. Sie hat weder Mutter noch Geschwister in der Gruppe, aber es wirkt, als hätte Elsa, ganz offensichtlich die Leit-Meersau der Herde, sie so gut wie adoptiert, denn Pippa folgt ihr ständig auf Schritt und Tritt wie ein schwarz-weisser Schatten…

Es ist viel los gerade hier im Garten. Mein Mann hat mir eine Kräuterspirale gebaut und vor ein paar Tagen mit Kräutern aus meiner Wunschliste bepflanzt (Kamille und Verbene standen ganz oben), der Holunder öffnet just dieser Tage seine ersten weissen Blütendolden und an den beinahe kahlen Zweigen des an sich eher kränklichen Feigenstrauches, für den ich keine grosse Hoffnungen habe, zeigen sich doch tatsächlich drei, vier Babyfeigen. Sonntags konnten wir den ersten Salat ernten und aus den ersten Stängeln des Rhabarbers wurde Kompott gekocht. Und ist auch die Meerschweinchen-Wiese wieder belebt. Schöner könnte es nicht sein, glaube ich…

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manchmal muss es was Süsses sein

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Meine Kinder sind heute für den Nachmittag allesamt ausgeflogen- und ich sass die ganze Zeit über ganz alleine, aber überaus glücklich und zufrieden im Garten in der kleinen Laube und nähte still vor mich hin, während Herr Kirschkernzeit an einem neuen Meerschweinchenstall baute. Vor mir ein Glas Heidelbeer-Sirup, Spatzengezeter in den Ohren und den feinen Frühlingswind in den Haaren. Frühlingsglück pur.
Dabei hatte diese Woche gar nicht gut angefangen. Es waren düstere Tage, obwohl ich nicht genau sagen konnte, was mich so belastete. Dann kam die Nachricht vom Freitod eines Lehrers an der Schule von Kind1, und diese Nachricht traf mich wie ein Fausthieb. Der Gedanke an die Verzweiflung und den inneren Schmerz, durch die ein Mensch gehen muss bis zu diesem gravierenden, alles beendenden Schritt, erschütterte mich bis ins Mark…
Doch meine Welt drehte sich weiter, der Alltag blieb in seinem Trott verwurzelt und walzte Stück für Stück weiter, ich wollte, musste funktionieren und versuchte, mir jeden Tag soviel Gutes zu tun, wie ich nur konnte, um nur nicht noch tiefer in diesen emotionalen Sumpf zu geraten. Die dunklen Gedanken vertreiben, mit positiven Bildern überlagern. Schlafen, wenn es sein musste, lange wachbleiben und stricken, wenn ich spürte, dass ich freie Stunden brauchte. Essen und trinken, was und wann mein Körper es verlangte (viel Tee, Kuchen manchmal, häufig auch Nüsse, was untypisch ist für mich). Und ich setzte neue Prioritäten; zwei Mal nahm ich mir ganz bewusst zwei Stunden frei, am hellheiteren Nachmittag, und scheuchte die Kinder zu meiner Mutter (die ziemlich glücklich darüber wirkte). An sich hatte ich aufräumen wollen, die Dinge schön machen, um Ordnung und Sinn in mein Innenleben zu bringen, doch dann sah ich mein Nähzeug so verlockend auf dem Stubentisch (wo ich es noch immer nicht weggeräumt hatte), und mir war klar, wie ich diesen freien Nachmittag verbringen wollte: Mit Nähen, am liebsten bunt und romantisch und zuckersüss. Ich kramte einen kleinen Stapel Blümchenstoff-Quadrate hervor, den ich schon vor langer Zeit einmal irgendwo ersteigert hatte (zusammen mit Knöpfen oder so, glaube ich) und steppte so lange völlig wahllos kleine schnuckelige Vierecke aneinander, bis der Stapel aufgebraucht war und eine kleine, helle, an Bullerbü erinnernde Mini-Tischdecke vor mir lag. Mit etwas Schrägband und ein wenig Quilting entlang der Reihen wurde ein Tischläufer daraus, der recht gut auf den hölzernen Mini-Klapptisch in unserer Laube passt, wo ich neulich zum ersten Mal mit einer Freundin Tee trank und das herrliche Frühlingswetter bei einem Schwätzchen (und in ziemlich aufdringlicher  höchst begeisterter Gesellschaft meiner Kinder) geniessen konnte.
Diese Laube ist wunderbar. Das Herzstück unseres kleinen, immer grüner und üppiger werdenden Gärtchens, das mir von Jahr zu Jahr mehr ans Herz wächst.
In diesem Jahr sind die Bäumchen schon wahnsinnig gewachsen. Holunder spriesst plötzlich an allen Ecken aus der Erde und die Quitte trägt die schönsten rosa Blüten, die man sich denken kann (allerdings riechen sie ganz schlimm, da sollte man lieber nicht dran schnuppern, iiiks!). Dieser Garten ist wirklich eine Freude, wisst ihr. Wie eine winzige Oase. Für mich. Eine Oase, die sich nicht unterkriegen lassen soll vom sich ausbreitenden Betonteppich, der in diesem Dorf Wiese um Wiese verschlingt und dunkle Wohnklötze spriessen lässt statt Hecken und Blumen. Es ist etwas ganz Besonderes für mich, mir diese versteckte Oase immer mehr zu eigen zu machen, Kräuter zu pflanzen (Kamille!), zum ersten Mal Rhabarber zu ernten, Bäume zu setzen, den Hahnenfuss auszureissen, aber die wilde Möhre für den Schwalbenschwanz stehen zu lassen… Jetzt habe ich auch der Gartenlaube, die einst ein düsterer, von Spinnen bevölkerter, enger Schuppen war, ein bisschen von diesem “Das ist mein Zuhause”-Gefühl eingehaucht, das ich so langsam, langsam in unserem Garten empfinde und nach dem ich mich so schrecklich sehne.
Besonders gut gefällt mir auch der zarte Blümchenstoff des Stuhl-Kissens. Mit dem verwaschenen Rosa und dem Blütenprint, der aussieht wie Aquarell-gemalt. Ich hatte ihn in jenem Sommer gekauft, als Herr Kirschkernzeit sich an Umgraben und Neu-Gestalten des Gartens machte, und damals schon wünschte ich mit Blumen und Nostalgie für diesen besonderen Ort. Für ein wenig extra Romantik und eine noch zuckrigere Note habe ich ein Stück hellblaue Häkelspitze vom Trödler mit eingenäht (was eine wahnsinnig kniffelige Arbeit war. Die Borte war leider dermassen schmal und fein, dass jeder Stich sitzen musste, aber ich mag sie, klar.). Ich fand es schön, für einmal in Spitze und mädchenhaftem Streublümchen-Design zu schwelgen. Streublümchen, luftiges Patchwork und Spitzenränder haben so was Optimistisches an sich, etwas von “heile Welt”, harmlos und süss.
Ja, ich denke, manchmal muss es wohl einfach was Süsses sein…

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15 Minuten Glücksprojekt: Pixibuch-Hülle

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Ok, ob es nun wirklich genau 15 Minuten waren, die ich an diesem kleinen Minibuch-Täschchen gesessen habe, wäre noch zu beweisen. Klar ist aber, dass es äusserst glückliche Minuten waren, Ratzfatz-Minuten, die schneller vergingen, als ich denken konnte, Flow-Minuten wahrscheinlich, weil ich alles um mich herum vergass, sogar die Schwermut, die mich seit kurzem wieder in Beschlag nimmt. Nach ein paar sehr zufriedenen, beschwingten Tagen, kriecht es öfter zu mir, dieses schwammige, düstere, lähmende Gefühl, und ich muss mich ihm bewusst zuwenden, nachspüren und mir selber gut zureden, um es dann nach und nach mit positiven Gedanken und Momenten soweit auszudünnen, dass die Sonne wieder durchkommt. Meistens sind Kleinigkeiten der Auslöser, völlig banale Dinge wie Schwierigkeiten irgendeiner Art, ein, zwei schlechte Nächte vielleicht oder zu viel Zank und Hektik im Haus, Regentageketten, der Blogpost eines amerikanischen Glückspilzes, der ein uraltes Bauernhaus kauft und ganz viel wildes Land rundherum, was mich an meine eigenen auf Eis gelegten Träume erinnert…
Diesmal war es Letzteres, gepaart mit einer gehörigen Portion kindlicher Trotzphase und schlechten Träumen, die bereits ein paar Nächte anhalten und mich morgens schlapp und bedrückt aufwachen lassen.
Was hilft, ist das bewusste Ausrichten meiner Gedanken auf die positiven Dinge im Leben, vor allem aber auch ein bisschen Zuwendung mir selber gegenüber: noch eine Tasse Tee mehr (heute hatte ich das Bedürfnis nach wohlriechendem Eisenkraut), die kleine Nische in meinem lila Zimmer, die ich immer schon hübsch einrichten wollte und endlich in Angriff nehme… oder diese herrlichen 15 Minuten Nähvergnügen, die meine Stimmung nachhaltig und im Nullkommanichts aufhellen.
Immer wieder dieselben Dinge zu tun, die nach kurzer Zeit ohnehin schon wieder von neuem begonnen werden müssen (wie Kochen, Geschirr abwaschen, Wäsche machen, Aufräumen), kann mich zeitweise ganz schön entmutigen. Dann fühle ich mich gefangen im Hamsterrad und … wirkungslos. Als wäre alles, was ich tue irgendwie nichts, nicht von Dauer, nicht von Belang, getan, um gleich wieder getan zu werden, Sisyphos in Reinform. Irgendwer hat einmal gesagt, dass das Gefühl der Selbstwirksamkeit ein elementar wichtiges Grundbedürfnis des Menschen ist, und ich denke, das könnte schon stimmen, denn mir fällt auf, dass gerade meine emotional dunkleren Phasen immer irgendwie damit zu tun haben, dass mir Situationen zu entgleiten scheinen oder ich mich ganz einfach unfähig fühle, mein Leben in die Hand zu nehmen und es aktiv zu gestalten.
Natürlich löst auch eine Pixibuch-Hülle keine Probleme. Aber sie kann den ersten Stein losschlagen, der die Dinge wieder in Bewegung und die Gefühle zurück ins Lot bringt. Stoff rauskramen, die Nähmaschine freiräumen, den Stecker einstecken und einfach etwas Hübsches machen, das mir gut tut und Freude macht (und erst noch ein bisschen mehr Ordnung in unser Chaos bringt!)- das allein kann schon Heilwirkung haben. Ein Ansatz von Selbstwirksamkeit, der versöhnlich stimmt. Auch wenn ich nachts wieder schlecht träumen sollte und vor meinem alles andere als ländlichen Haus weiterhin der Verkehrt dröhnt…
Die Anleitung für dieses ehrlich grossartige und einfache kleine Projektchen, das sich selbst in Zwergenpäuschen quetschen lässt (toll, toll, toll!) ist schon bald 9 Jahre alt, aber nach wie vor klasse und stammt von hier. Ich habe mir keine grosse Zeit gelassen, um nach besonders schönen Stoffen zu graben, sondern einfach aus meiner Restchen-Schublade das Erstbeste herausgezupft und sofort losgelegt, um den Moment wirklich rundum auszunutzen und fertig zu werden, bevor wieder nach mir verlangt wird. Besonders genau genäht habe ich auch nicht, was mir allerdings auch völlig egal war beim Nähen, denn diesmal ging der Spass einfach vor Sorgfalt. Der Aussenstoff stammt von einem alten Trödler-Leintuch mit Blumenborte, der Innenstoff von irgendwoher, die Taschenlaschen ebenfalls vom Leintuch. Eine Nahtzugabe ist bei der Anleitung keine angegeben, ich habe darum einfach knapp füsschenbreit genäht, und so passt alles ganz passbel. Wer die Naht tiefer nähen möchte, sollte vielleicht rundherum einen halben bis zu einem Zentimenter Naht zugeben beim Zuschneiden, damit die Büchlein auch gut reinpassen. 10 Büchlein gehen bestens, wird die Hülle mit Jersey genäht, wächst der Stauraum gleich um einiges an.

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Ich mag dieses kleine Projektchen. Und meine Kinder mögen Bücher, egal wie gross oder klein. Ausserdem mag ich Stoffe und horte ihn meterweise in allen Farben und Mustern. So eine Pixiebuch-Hülle schafft es, im Handumdrehen alle diese Liebhabereien unter einen Hut zu bringen, – und sie hat erst noch das Potential zum Lichtblick-bringenden Glücksprojekt. Für alle Lebenslagen. In nur 15 Minuten. Oder so.
Gut zu wissen, oder?

PS. Für alle, die es wissen möchten: Die süsse Fingerpuppe stammt von Allerleirauh (in meiner neu eingerichteten Ecke tummeln sich viele ihrer Figuren!). Die ausgebreiteten Blümchenstoffe sind aus Phoebe Wahls Spoonflower-Shop (allerdings leider nicht mehr erhältlich).

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