Archiv der Kategorie: like Instagram

unmittebar 12

Sommertage mit Herbst-Attributen; morgens verschwinden die Kinder in den feucht-kalten Tag hinaus, kehren mittags in sengender Gobi-Hitze heim zum Essen und spielen dann nachmittags zwischen Ventilatoren oder unterm Gartenvlies-Baldachin im kleinen Platschebecken bis der Abend früh und immer früher sanfter und stiller und kühler wird. Wir bewegen uns in einem Mix mit stärker werdenden Polen. Von rissig gewordener Gartenerde im Sonnenblumen-Topf bis hin zum hastig übergeworfenen Jäckchen und der dicken Decke in der Nacht ist alles vertreten.
Ich fühle mich wohl und motiviert. Der Wechsel gibt mir Schub, stösst mich ein Stück weit aus meiner etwas starr gewordenen Sommer-Ferien-Haltung, die lethargisch und unbequem geworden war in den letzten ein, zwei Wochen.
Jetzt gibt es wieder Punkte zum Abhaken und mehr Bewegung in der Familie, Kinder, die wieder Aufträge erhalten und sich warm turnen dabei, ruhigere Morgen und klarere Strukturen. Mir tut es gut, diese Linien ziehen zu können, diese Zeittabellen quer durch den Tag, straks durch die Woche. Ich freue mich neu. An den dicken Sonnenblumen, die nicht mehr lange halten werden. An den schwallenden Berichten, einer Mischung aus Pausenhof-Klatsch und geteilten Erfahrungen ihrer eigenen, kleinen Lebenswege. Das Stricken ist rar geblieben, aber wertvoller geworden: der Herbst wispert aus versteckten Ecken und zieht mir die frisch gewundenen Wollbälle aus der Tasche. Ein Baskenmütze entsteht. Neue Sockenwolle liegt im Topf, färbt sich langsam rosenholz-rosa. Meine Mutter wird morgen ihre Eismaschine für mich einpacken und ich brauche noch nestfrische Eier.
Eiscremetage.
Peret-Tage.
Die Jahreszeiten vermischen sich, werden laut und leise.
Sie suchen nach einer neue Melodie.

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unmittelbar 11

Wie schön; es blüht noch. Noch immer.
Gestern habe ich die ersten Herbstblätter fallen sehen, unter dem Holunder, obwohl es vielleicht auch einfach hochsommerliche Hitzeblätter sind, die da jetzt liegen. Aber der Stich im Herzen war real. Genauso die leise Freude, die ich empfand, ganz unwillkürlich und heftig. Herbst. Eine magische Zeit. Die Zeit der Zwerge, Mythen, der Abschiede und lauter werdenden Sehnsüchte.
Gestern wieder ein Gewitter, mitten am Tag diesmal und ganz unvorbereitet, ohne drückende Schwüle im Vorfeld. Die Mädchen und ich standen draussen vor dem Block und liessen den Blick mit der dicken, immer dunkler und mächtiger werdenden Wolkenmasse mitschweifen, die der Wind ungeduldig vor sich hertrieb wie eine Herde hungriger Schafe, die in den Stall müssen. Alles flirrte. Alles wartet, hielt den Atem an und machte sich bereit. Ich fand den Augenblick erhebend. So archaisch und echt, etwas, das man spürt mit jeder Faser seines Seins. Die Naturgewalt, dieses Rohe, Kraftvolle, Ursprüngliche, das dann in der Luft liegt. Etwas, von dem ich mir mehr wünsche in meinem kleinen, so behüteten Haufrauenleben.
Als die Tropfen prasselten, waren sie dick und kalt und wir in Windeseile nass bis auf die Knochen.
Noch so ein Vorbote des Herbstes.
Meine Kinder holten Gummistiefel und Regenjacken.
Heute sitze ich zuhause, mein Mann kauft mittags neue Schuhe und vor allem Schul-Pantoffeln für die Kinder, und ich wünschte, ich sässe irgendwo im Wald, ganz alleine, mit einem Schaltuch um die Schultern und einem Ball Wolle im Schoss. Ich wünsche mir einen braunen Leinenrock und offene, lockige Haare, ein Gefühl von Freisein und Wildheit, und stocke bereits beim Thema Haar, denn so richtig wohl fühle ich mich ja doch bloss mit bravem Zopf im Nacken.

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unmittelbar 6

Uiuiui…wie die Tage purzeln! Alles geht so schnell. Und gleichzeitig so gemächlich. Sommerferien eben; man kommt nicht zum Sitzen, obwohl man zeitweise das Gefühl hat, die ganze Zeit nichts anderes zu tun…
Momentan fliesst viel Zeit in meine kleine Färbeküche. Wo ich mich verstecke -aber flink!- sobald dem Babykind vormittags die Äuglein zufallen (Tagwacht ist zum Teil schon um 5:30, Hilfe!). Wolle sortieren, abbinden, Pflanzen vorbereiten, Sud ansetzen, aufkochen, stehen lassen, umrühren, zwischendurch kontrollieren, wieder köcheln, diesmal mit Wolle, immer ein Auge drauf haben, damit es nicht zu heiss wird, sachte im Topf die Kelle schwenken, abwarten, weiter warten, nochmals warten… und irgendwann ist dann die Wolle da, frisch umgefärbt, bereit, an der Luft zu trocknen und vielleicht nochmals umzuschwenken in Sache Farbton.
Das braucht Zeit. Viel Zeit. Und einen grossen Teil meiner Aufmerksamkeit, meiner Zwischendurch-Zeit, meiner freien Zeit…
Kein Wunder komme ich nicht zum Schreiben!
Ich meine; gestrickt werden soll ja auch noch. Mein Herz will das so. Die kleine dunkelblaugraue „Playdate“-Cardigan für meinen Babybuben hat sich -und das macht mich so froh!- ihren Platz in meiner WIT-Liste tapfer verteidigt und liegt heute beinahe tragefertig auf der Näh-Kommode im Wohnzimmer, gleich neben einem Häufchen Glas-Knöpfchen, die ich irgendwann wohl mal annähen sollte…
Die blaue Wolle oben auf dem Foto ist mittlerweile übrigens dunkelbraun. Und ein Strang Rosy Green Big Merino Hug hat von hellstem Graurosa auf Avovado-Herzen-Altrosa gewechselt. Aber das sind wieder andere Geschichten. Und, Moment mal!… oben wartet ja noch ein Topf mit ehemals graulila Garn im zweiten Färbebad aus Walnuss auf mich; ich wink‘ euch also bloss kurz zu und sage: Bis bald, ihr Lieben! Habt’s schön und lasst es euch gut gehen!

PS. Tut mir leid: das waren definitiv mehr als 5 Sätze. Sogar mehr als 10. Ach, ich hätt‘ so gern mehr Stunden im Tag…

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„unmittelbar“: schon wieder eine Themenreihe

Oje. Schon wieder hab ich so viel Zeit verstreichen lassen… Ich weiss nicht recht; ob das zur Gewohnheit wird? Oder ob es schlicht nicht anders geht? Vielleicht sind sporadische Posts ganz einfach mein neues Bloggen… Ein Gedanke, der mir nicht gefällt, aber wenn der Leben nunmal das Tempo angibt…
Ich denke oft darüber nach. Über Social Media. Über das Bloggen, über Instagram. Über ihr Gutes, ihr Schlechtes, die Unterschiede und Gemeinsamkeiten. Seit ich Instagram habe, fühlt es sich an, als tanzte ich auf zwei Hochzeiten, was spannend ist, aber auch sehr anstrengend und spaltend. Genügen kann ich nirgendwo, denn meine Energie muss sich teilen, bündelt sich nicht. Bei Instagram mag ich die Unmittelbarkeit: klicktipprelease. Fertig. Und die direkten, unkomplizierten Kontakte, die sich irgendwie… auf Augenhöhe bewegen, man sieht und wird gesehen. Was ich ganz klar nicht mag, ist der permanente Wettbewerb, der Druck, „am Ball zu bleiben“, das Vergleicheziehen. Ich hasse diese Zahl oben in meinem Profil. Meine Followerzahl, die manchmal raufgeht, oftmals aber auch wieder runter, und die ich krampfhaft zu ignorieren versuche, immer wieder aber trotzdem ins Auge bekomme, dann zum Beispiel, wenn ich etwas in meinen getaggten Artikeln suche oder so. Es schmerzt mich, diese Zahl so in Bewegung zu sehen. Vor allem wenn sie sich reduziert. Es fällt schwer, das nicht persönlich zu nehmen, dabei lösche ich selber völlig sorglos Accounts aus meiner Folge-Liste und meine das ganz und gar nicht böse, sonder ziemlich pragmatisch. Ausserdem, seien wir ehrlich: „Kirschkernzeit“ gehört nun wirklich nicht unbedingt zu den Accounts auf Instagram, denen man folgen müsste. Da gibt es weitaus Schönere, Spannendere, Bildgewaltigeres.
Manchmal habe ich den Eindruck,  heute noch zu Bloggen, das ist tatsächlich veraltet. Dann überlege ich, was ich lieber schliessen möchte, meinen Blog oder „Kirschkernzeit“ bei Instagram, und allem Zeitaufwand zum Trotz -denn das Bloggen braucht Zeit, ziemlich viel Zeit sogar, ich schaffe kaum einen Post in unter 90 Minuten!- ist es immer mein Blog, der gewinnt.
Trotzdem. Dass ich so oft so lange nicht schreiben mag oder kann… das gefällt mir nicht recht. Vielleicht ist liegt es am Aufwand. Vielleicht hindert mich unbewusst das Wissen über die Stunden, die so ein Post verschlingt, Zeit, die nicht mehr gestrickt werden kann, nicht Hörspiel gehört, nicht aufgeräumt oder geschlafen. Vielleicht hat Bloggen, so, wie ich es kenne und liebe, momentan einfach keinen Platz in meinem an Kindern und Aufgaben recht vollen Leben?
Mit den „Trio“-Posts wollte ich genau dagegen antreten. Gegen die Hürden, die zwischen mir und dem Schreiben liegen. Ich wollte einen Rahmen setzen, der das Bloggen einfacher und möglicher macht, so dass es wieder zur Gewohnheit werden kann, nicht zu einer Aufgabe, die es zu bewältigen gilt. Nun… ich habe wahnsinnig gerne so geschrieben. Aber kurz und einfach waren eigentlich nur wenige Einträge. Um das Bloggen wirklich zu ent-mächtigen, müsste ich den Rahmen noch enger spannen, mir ein stützendes Korsett anlegen im Grunde, das Ganze radikal vereinfachen. Um mir zu zeigen, dass Bloggen auch so aussehen kann: schnurz und kurz und völlig ohne Schnickschnack. Instagram lebt genau davon. Vom Schnurz und Kurz. Der nächste Post kommt ja bestimmt.

Für die nächste Zeit jedenfalls habe ich mir vorgenommen, genau das zu tun: radikal reduzierte Beiträge zu machen. Und mit reduziert meine ich wirklich reduziert. Ein Foto. Maximal fünf Sätze. That’s it.
Ich werde diese Reihe „unmittelbar“ nennen. Weil sie unmittelbar sein soll. Schnörkellos und unverkrampft.
Mal sehen, wie sich das anfühlt.
Mal sehen, wie sich das liest.
Wahrscheinlich lohnt es sich kaum, jeden Tag hier vorbei zu kommen, so kurze Posts kann man locker einmal die Wochen lesen, aber immerhin; einmal die Wochen sind dann welche da, nicht so wie jetzt, wo ich vierzehn Tage oder länger brauche, um überhaupt meinen Laptop zu öffnen…

Ursprünglich hatte ich 6 Bilder oben eingesetzt. Bilder über dies und das, und genau so hiess auch mein Titel ganz zu Anfang, als ich mich zum Schreiben hinsetzte.
5 dieser Fotos habe ich wieder gelöscht.
Ich merke; genau diese Einfachheit brauche ich jetzt. Weil ich Zeit brauche. Für anderes. Und weil ich mir nicht selbst im Weg stehen möchte. Mit zu hohen Ansprüchen. Die mich dann an dem hindern, was ich eigentlich machen möchte hier; entspannt und mit Freude Tagebuch führen.
Meiner kleinen Erstklässlerin habe ich gestern zu ihrem 8. Geburtstag ein Tagebuch geschenkt. „Sie kann doch kein Tagebuch führen“, meinte meine Grosse. „Dafür muss man doch richtig gut schreiben können!“
„Nein überhaupt nicht“, gab ich zur Antwort. „Das geht auch mit ganz wenigen Worten und Sätzen. Da wächst man dann rein.“
Genau das möchte ich wieder. Ins Bloggen reinwachsen.

Meine 5 Sätze zum Foto wären -schnurz und kurz- also Folgende:
Wolle, Wolle aus meinem Vorrats-Regal, die ich so schrecklich gern anstricken möchte.
Und sei es nur deshalb, weil ich wissen will, wie sie verarbeitet aussieht, wie ihre Farben spielen, die Maschen sich legen und verflechten.
Die violett-pinke ganz rechts in der Ecke, die ist nun ein Ball.
Mit der blauen in der Mitte („Rosy Green Heb Merino Fine“) plane ich bereits so halb ein Babyjäckchen für das dritte Kind einer Frau aus dem Dorf.
Doch da sind Projekte in drei Strickbeuteln, die mich hindern, bereits zu weit fortgeschritten, um sie zu ignorieren.

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